Naa? Wie war Quidditch? Klasse, gell?
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Liebe RaMo-Leser!
Ich frage mich gerade, was wir machen sollen: Nach diesem letzten aufregenden Action-Kapitel – was kann jetzt noch kommen, das euch Leser in den Bann zieht? Es ist doch alles schon mal dagewesen und Rattenmord ist noch immer nicht zu Ende!
Ja, realistisch betrachtet, haben wir jetzt nichts Neues mehr zu bieten: Ihr 'genießt' unsere drei verschiedenen Schreibstile jetzt schon sehr lange, habt Krimihandlung und Romanze gelesen, Sex und Action, Angst, Freude, Sorge, Niederlagen, Triumph, Streit, Versöhnung, Kampf, Zauber, Intelligenz und Dummheit (diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich bin sicher, euch fällt eine Menge ein, was ihr in RaMo noch gelesen habt!)
Alles, was jetzt kommt, muss doch in der einen oder anderen Form schon mal dagewesen sein!
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JA! Kann ich da nur sagen, ABER: Schreiben besteht nun mal aus der Technik, mittels 30 Buchstaben (inclusive ä, ö, ü, ß), ganz unterschiedliche Worte zu formen und sie derart aneinanderzureihen, dass Sinnvolles daraus entsteht.
Letzen Endes ist ALLES schon mal dagewesen. In der einen oder anderen Form. Oder wie oft wohl, meint ihr, habt ihr schon das Wort 'und' gelesen?
Und, jammert jemand, dass er es ZU oft gelesen hat?
Nein! Wir alle haben uns daran gewöhnt – und es fällt uns gar nicht auf, dass es verhältnismäßig oft auftaucht.
So ist es doch mit den meisten Worten. Wir kennen sie (zum Glück), teilweise sogar recht gut, sind in der Schule für das eine oder andere sogar entweder gelobt oder gerügt worden – und leben damit.
Aber daraus bestehen Geschichten, Bücher, Bibliotheken. Aus nichts als Worten.
Wie auch diese Geschichte.
Was bleibt also zu tun?
Wegklicken!
Das wäre eine Option. Ausknopf betätigen und das war's mit Rattenmord!
Oder aber weiterlesen und hoffen, dass uns doch noch was eingefallen ist, das euch erfreuen kann, Spaß bringt, Spannung erzeugt oder ein wenig knistert.
In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß!
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Feuerbohne,
die sich jetzt noch schnell vor unseren tollen Reviewern verneigt, die da wären: Seraphin, Nellas Cookie, Hedril, Wolpertinger, Dark Fay, Gipsy und Miss Perenelle.
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05. 11. 2005 22:30 Uhr
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Hermine
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„Doppelzimmer mit BAD!"
Lucius Stimme war wieder ganz die alte, wie Hermine erfreut feststellte. Da würde der Rest doch auch – zurückverwandelt sein!
„Hier gibt's nur Bad übern Flur!" Der schmuddelig wirkende Mann hinterm Tresen kaute uninteressiert an einer alten Zigarre „un Toilette auch!"
„Lass uns gehen!" Lucius war bereits auf dem Weg zur Türe, „HIER bleibe ich keine Sekunde länger!"
„Lucius!" Hermine war das Ganze hier peinlich. Da stand sie mit einem ausgesprochen elegant aussehenden Mann vor diesem – Wirt und musste erst einmal ein klärendes Gespräch führen.
„Entschuldigen Sie uns bitte einen Moment", bat sie ihn höflich und wandte sich an Lucius.
„Es ist bereits mitten in der Nacht."
„Na und? Hotels haben rund um die Uhr geöffnet. Zumindest die GUTEN!" Lucius hatte sein überheblichstes Gesicht aufgesetzt und sah sich abschätzig um. „Das hier verdient den Namen Spelunke. Absolut INAKZEPTABEL."
„Wir haben kein Geld. Jedenfalls nicht für das, was dir vorschwebt!" Sie flüsterte ganz nah an seinem Ohr. „Komm, jetzt sei nicht so! Wir werden doch nur eine Nacht bleiben und dann zusehen, dass wir nach Bulgarien kommen!"
Lucius schüttelte fassungslos den Kopf, wandte sich schließlich aber wieder dem Wirt zu: „Guter Mann! Geben uns ihre BESTEN Räume!"
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Der Wirt schlurfte wortlos vor ihnen her, durch einen düsteren Gang, in dem es anregend nach angebranntem Kohl stank, sich die vergilbten Tapeten in Fetzen von den Wänden lösten und der Teppich unter ihren Füßen seltsame Knirschgeräusche von sich gab.
Hermine hoffte unverdrossen auf ein Wunder. Die Pechsträhne dieses Tages würde doch nun ein Ende haben!
„Meine Zimmer sind alle gleich gut!", sagte er, als er eine Türe vor ihnen aufstieß.
Hermine schnappte entsetzt nach Luft. Besorgt sah sie zu Lucius.
„Gleich schlecht", zischte Malfoy zwischen den Zähnen und sah sich demonstrativ und äußerst ablehnend im Raum um. Dass es ihm hier gar nicht gefiel, strahlte er durch alle Poren aus.
„Was soll das – hier kosten?" Lucius sah den unbeteiligt wirkenden Wirt kalt an.
„Zweihundert!"
„Knuts!" Malfoy zog Hermine zu sich: „Gib mir das Geld", sagte er leise. „Ich zahle!"
„I wo! Galleonen!"
„GALLEONEN?" Hermines Stimme schoss unbeabsichtigt weit in die Höhe. Aufgeregt wandte sie sich an Lucius: „Ich habe nur dreihundert auftreiben können!"
„Guter MANN! Wollen Sie sich dieses Zimmer VERGOLDEN lassen?" Lucius warf sich in die Brust. „Ich gebe Ihnen fünf – nein, sagen wir sieben Galleonen, aber dafür stellen Sie das Badezimmer ausschließlich uns zur Verfügung!"
„Fünfzig!" Ein listiges Lächeln lag auf dem Gesicht des Wirtes. Er wusste wohl nur zu genau, dass sie keine Wahl hatten.
„Zehn! Aber MIT Abendessen!" Lucius lächelte nicht!
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Kurz darauf schlurfte ein zufrieden vor sich hinbrabbelnder Wirt, um zwanzig Galleonen reicher, den Flur hinab, auf die Gaststube zu.
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„Dagegen war St. Mungos ja ein Palast!"
Dem konnte Hermine nicht widersprechen. Erschöpft glitt sie auf den einzigen Stuhl – und sprang entsetzt wieder in die Höhe, als der sich langsam zur Seite neigte, ein Bein von sich spreizte – und zusammenbrach.
Lucius hob mit spitzen Fingern die Bettdecke an: „Hier willst du schlafen?"
„Ach Lucius!" Hermine setzte sich entmutigt auf das schmuddelige Bett. „Wir haben doch keine Wahl!"
„Na gut", mit Todesverachtung im Gesicht ließ er sich neben ihr nieder. „Das hier ist schließlich besser – als Askaban!"
„Oh verdammt!" Hermine war aufgesprungen und blitzte ihn aufgebracht an: „Kannst du irgendwann aufhören, immer nur an dich selbst zu denken? Glaubst du, ich fand es lustig, dich aus St. Mungos rauszuholen? Das wird mich meine Karriere kosten!" Sie stapfte wütend durch den Raum, Richtung Fenster:
Der Blick durch die angegrauten Scheiben war genauso deprimierend, wie das Zimmer hier, wie alles! Hermine stiegen Tränen in die Augen. Was hatte sie getan? Sie hatte gestohlen, eine Heilerin eingesperrt, Lucius zur Flucht verholfen. Spätestens jetzt hing sie genauso mit drin wie er. Jetzt waren sie ein Team, ganz egal, ob er tatsächlich ...
Sie fühlte seine Hände in ihren Haaren, in ihrem Nacken, auf den Schultern. Er stand direkt hinter ihr und zog sie zurück, an sich.
„Du warst ungeheuer mutig", raunte er an ihrem Ohr. „Mutig und selbstlos!"
„Ach!" Sie schluchzte nur noch, drehte sich heftig um und klammerte sich einen Moment an ihn. „Alles geht schief!"
„Was sagst du da? Nichts ist schief gegangen!" Er presste sie so fest an sich, dass sie seine Stimme direkt aus seiner Brust hörte. Sie klang tief. Tiefer als sonst: „Du hast mich aus der Quarantäne geholt, vor dem Gefängnis gerettet!"
„Aber die Flucht!" Ihre Stimme war kaum mehr als ein Murmeln. Hier zu sein, bei ihm, war einfach zu schön. „Dieser vermaldeite Zauberstab!"
„Womöglich werden wir demnächst darüber lachen können!"
Hermine hob den Kopf. Was war los mit Lucius? Hatte er plötzlich seine Heldengene ausgegraben?
„Lachen?"
„Na, erzähl das mal jemandem! Unsere Flucht hat mit Sicherheit höchsten Unterhaltungswert!"
„Oh! Gut, dass du das erwähnst!" Hermine löste sich aus seinen Armen. „Wir brauchen ein Radio!"
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Lucius
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Erstaunt folgte er Hermine mit den Augen, die sich von ihm gelöst hatte und bereits auf dem Weg zur Tür war.
„Ein RADIO? Du willst JETZT Musik hören? Anstatt mit mir zu ...?!"
„Keine Musik!" Hermine drehte sich zu ihm um und starrte ihn an, als hätte er angekündigt, daß er sich einen Kurzhaarschnitt zulegen wolle. „Ein Live-Interview! Severus Snape berichtet über seine Forschungen!"
„SNAPE? Du willst ein Interview über Zaubertränke hören?"
Gut, ihr legendärer Ruf der Granger'schen intellektuellen Wißbegierde war ihm natürlich bekannt. Aber daß selbst SIE SO weit gehen würde…
„Oder…" Es widerstrebte ihm wirklich, das überhaupt auszusprechen, doch diese Frau sah dermaßen hingerissen aus, daß er es nicht unterdrücken konnte: „Oder gehörst Du auch zu den zahllosen Verehrerinnen seiner ach so UNWIDERSTEHLICHEN Stimme?"
Angesichts seines wohl ziemlich beißenden Tonfalls hatte Hermine ihre versonnene Begeisterung unterbrochen, um ihre erstaunte Aufmerksamkeit erst einmal wieder Lucius zuzuwenden.
„Naja, er HAT eine schöne Stimme!" Sie schien in sich hineinzulauschen. Ihr Lächeln verstärkte sich wieder.
Lucius schnaubte und wandte sich ab, zum Fenster.
„Eine SEHR schöne ..."
Was sollte er dazu sagen? Das neue Schnauben half allerdings auch nicht wirklich.
Er hatte sie nicht kommen hören, spürte ihren Mund an seinem Nacken.
„Aber KEIN Vergleich mit DEINER, mein Schöner!"
Das dritte Schnauben geriet nicht mehr wirklich abfällig. Mit gespieltem Widerstreben drehte er sich zu ihr.
Jetzt klang Hermine ernst und sachlich: „Ich will hören, WAS er sagt!"
Was sie jedoch nicht davon abhielt, dann schon wieder schwärmerisch in die Ferne zu stieren. „Was er sagt, ist nämlich wundervoll! Er ist einfach der BESTE!"
Er spürte seine Stirn wieder. „Fachlich?"
Er ärgerte sich fürchterlich über die Anspannung in seiner Stimme. Wie kam er denn dazu, diesen unfreundlichen, unbeherrschten, arroganten, desinteressierten Typen mit den permanent ungepflegt wirkenden Haaren als dermaßen störend zu empfinden?
Seine Nase wurde von sehr gepflegten, duftenden, geliebten Haaren umfangen, und er konnte sich entspannen. Auch wenn sein Gesicht im nächsten Moment frei war.
„Ich muß jetzt aber wirklich zusehen! In ein paar Minuten geht es los!"
Damit verschwand sie.
