Liebe Leser!
Kehren wir zurück in graue Vorzeiten, als RaMo noch geschrieben wurde.
Man stelle sich das so vor: Es gab eine Konferenz, in der der Verlauf eines (RaMo-)Tages besprochen wurde. Dann hat jeder losgeschrieben (ich z. B. in einer Endlosdatei) und seine fertigen Ergüsse den anderen Blüten geschickt. Im Anschluss hatte ich die Aufgabe, diese Schreibereien in Kapitel aufzuteilen.
Ihr habt es also mir zu verdanken, dass heute schon wieder ein reines Hermine-Kapitel 'dran' ist.
Ich meine, mich vage an die Motivation dazu erinnern zu können: Wir wollten mit glatten hundert Kapiteln die Geschichte abschließen. Oder 101. Irgendeine nette Zahl eben.
Aus diesem Grund hab ich da ein wenig herum gezirkelt.
Völlig umsonst, wenn man bedenkt, dass die uQ-Sperrung uns gründlich einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Also: Gebt die Hoffnung auf, uns nach 100 Kapitel von der Backe zu haben!
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Aber, äh, das war doch gar nicht das, worauf ihr gewartet habt, oder?
Ihr wollt die Rätsel-Auflösung!
Na gut. Dann löse ich mal: Hedril war schon gaaaanz nah dran!
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Das Mädchen, zu klein für die oberen Knöpfe im Lift, ist erwachsen geworden. Ohne dabei noch nennenswert gewachsen zu sein.
Heute wohnt sie in einem Haus mit Tiefgarage. Dort steigt sie in ihren Wagen – und fährt dann bis zur Tiefgarage des Bürokomplexes, in dem sie arbeitet. Von Haus zu Haus also.
Ergo: Wozu sollte sie einen Schirm brauchen?
Als kleines Mädchen hat ihr der Schirm aber immer geholfen, die oberen Knöpfe im Lift zu erreichen. Heute dagegen versteckt sie sich hinter dem Fitnessgedanken: 'Laufen ist gesund!'
Aber ich kann euch verraten, das ist nur vorgeschoben. In Wirklichkeit ärgert sie sich grün und blau, weil sie selbst mit Hüpfen zu klein ist, um ganz nach oben fahren zu können. Aber vertrackterweise ist genau dort ihr Büro!
Gut, also sie joggt täglich fünf Etagen.
Warum aber hat sie da neulich am Sonntag (ignoriert den Wochentag bitte weiterhin) den Knopf mit der Zehn darauf gedrückt!
Will sie plötzlich nicht mehr fit sein? Und, noch wichtiger: Wie konnte sie das? So ganz ohne Schirm!
Ganz einfach: Sie ist klein! Und weil sie praktisch veranlagt ist, kommt sie mit bequemen Schuhwerk zur Arbeit. Das heißt: Niedrige Absätze.
Diesen Geh- und Stehluxus erkauft sie sich mit ihrer Joggerei über fünf Etagen.
Aber da neulich, da wollte sie doch mit ihrem Freund ins Theater ... Alles klar?
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So, jetzt aber schnell den Reviewern Talea, Dark Fay, Hedril, Zuckerdrache, Seraphin, Miss Perenelle und Lufa ein herzliches Danke-Schön zugerufen. Dann geht's auch schon los!
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Viel Spaß wünscht euch
Feuerbohne
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06. 11. 2005 08:20 Uhr
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Warm, das war das erste, was sie fühlte. Sie landete in etwas Festem, das dennoch weich war und nach rückwärts nachgab. Sie stürzte mit dem Ding vor sich gemeinsam zu Boden, auf es drauf.
Gleichzeitig hörte sie ein dumpfes „Umpf!"
Eine Sekunde lang etwa wunderte sie sich. Dann schrie sie auf, denn diese warme Wand an ihr regte sich, zappelte und zuckte.
Sie war direkt auf Miller appariert!
Da wurde sie schon weggezogen.
„Hatten wir Ihnen nicht gesagt, dass sie ausweichen sollen?" Lucius, der sich offensichtlich besser abgefangen hatte als sie, half ihr wieder hoch.
„Mister Malfoy!"
Miller hatte sich schnell aufgerappelt und stand, mit brennendem Gesicht, vor ihnen.
Neugierig musterte Hermine ihn. Er war groß, jung und muskulös! UND lediglich mit einer Boxershorts bekleidet.
Hübsch! Schoss es ihr durch den Kopf. Sie legte selbigen schief. Ein sehr attraktiver Mann!
Die halblangen, schwarzen Haare noch vom Schlaf zerzaust, machte er einen ganz und gar überrumpelten und verlegenen Eindruck.
Hermine fühlte, wie sie ebenfalls errötete. „Entschuldigen Sie bitte, das wollte ich nicht."
Lucius, der jetzt wohl erst begriff, dass die Situation hier alles andere als angenehm für sie war, zerrte an ihr, schob sich vor sie und versuchte so, ihr die Sicht auf den fast nackten Mann zu nehmen.
„Wie laufen Sie überhaupt hier rum?"
„Lucius, wir sind in seine Wohnung gekommen. Nicht umgekehrt."
Entschuldigend lächelte Hermine über Lucius Schulter den inzwischen nur noch unglücklich wirkenden Miller an.
„Mister Malfoy, ich hatte keine Ahnung!", stammelte der in immer noch brennender Verlegenheit.
„Egal! Ziehen Sie sich was an!"
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Miller war schneller aus dem Raum verschwunden als Hermine schauen konnte und einen Moment später fühlte sie sich von Lucius auf eine Couch gedrängt: „Setz dich, Liebes! Ich werde mal mit Miller reden!"
Und damit verschwand auch er.
Der Raum war ..., na, Hermine ließ den Blick neugierig schweifen. Dieser Raum war eindeutig von einem Mann bewohnt. Kahle Wände, spärliches Mobiliar. Eine große Couch aus weißem Leder, auf der sie saß, ein Tisch davor, auf dem das Magsermohologramm noch immer eingeschaltet aber leer vor sich hinsurrte und ansonsten – nichts. Doch, jede Menge Staub. Aber sonst wirklich nichts.
So würde sich wohl kaum eine Frau einrichten!
Sie stand auf und ging ans Fenster, das auch aussah, als sei es schon sehr lange nicht mehr geputzt worden. Jetzt waren sie also in Bulgarien. Schön und gut – nur wo?
Draußen, im Tageslicht, allerdings ohne Sonne, konnte sie eine Straße erkennen, kahle Bäume und andere Häuser. Große Häuser mit mehreren Etagen. Sie waren also in einer Stadt gelandet! Und zwar mindestens – sie zählte die Fenster in der Vertikalen am Haus gegenüber – im dritten Stockwerk!
Okay, dies hier war also eine Wohnung in einer bulgarischen Stadt! Sie wandte sich vom Fenster ab und sah zur Türe. Ob sie sollte? Sollte sie nachsehen, wohin die Männer verschwunden waren?
Gut, Miller würde sich wohl gerade anziehen – und Lucius ihn mit Fragen bestürmen. Nach diesem Doktor. Wie hieß der noch gleich? Sie musste in ihren Unterlagen nachsehen. Doch die waren im Rucksack und der lag immer noch auf der Couch.
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Hermine schob das Hologramm zur Seite, legte die verkleinerten Unterlagen bereit und zückte den Zauberstab.
Die Bewegung direkt neben sich sah sie nur aus dem Augenwinkel. Ihr Kopf flog herum.
„STUPOR!"
Entsetzt war sie aufgesprungen!
„Hermine!"
Schritte draußen waren zu hören. Lucius stieß die Türe auf und stürmte herein. „Was ist?"
Sie keuchte und begann zu zittern.
„Da!" Sie deutete auf die leblos wirkende Ratte. Sie lag exakt an der Stelle, wo sie soeben noch gesessen war.
„WAS SIND DAS FÜR ZUSTÄNDE HIER?"
Aufschreiend war Lucius herumgefahren und brüllte aus dem Raum. „HIER LAUFEN RATTEN DURCH DIE WOHNUNG?"
„Nein!"
Hastige Schritte durch den Flur. Miller, immer noch ungekämmt, doch wenigstens bekleidet, stürmte herein, seinen Zauberstab in der erhobenen Hand. „Wo?"
Sein Blick folgte Hermines ausgestreckter Hand.
„Verdammte Biester!" Miller schien sich zu ducken, als er sich Lucius zuwandte: „Ich habe sämtliche Schutzzauber aktiviert und auch Gift ausgelegt. Seit Wochen habe ich hier drin keines von diesen Viechern mehr gesehen."
Der Rattenschwanz bewegte sich.
Hermines Hand schoss fast gleichzeitig mit Millers hoch: „CONSIGMUS ALIQUANTUS!"
Um die Ratte erschien ein nahezu durchsichtiger Würfel. Jetzt war sie ausbruchssicher versiegelt.
Aufatmend wandte sich Hermine an Miller: „Ist hier keine Rattenentseuchung durchgeführt worden?"
Miller neigte den Kopf? „Entseuchung?"
„Durch das hiesige Ministerium!"
Millers Gesicht verzog sich zu einem resignierten Lächeln: „Hier entseucht jeder auf eigene Faust! Aber die Bevölkerung hat ein paar Tipps bekommen. Unter anderem diesen Versiegelungszauber, den Sie soeben angewandt haben!"
„Und Rattengift?" Hermine starrte den jungen Mann entsetzt an. „Das Ministerium wird hier doch Rattengift einsetzen?"
„Davon weiß ich nichts." Miller schüttelte den Kopf. „Das Ministerium hier ist nicht so, wie wir es von Zuhause kennen! Ich habe in der Wohnung Rattengift eingesetzt, das man hier in jedem Muggelladen kaufen kann. Ich denke mal, so werden es alle Leute machen."
„Bei uns hab ich keine Ratte mehr gesehen - seit der Quarantäne!" Hermine musste sich fast gewaltsam klarmachen, dass das erst gestern gewesen war. Irgendwie schien ihr das schon Jahre her zu sein!
„Gut also!" Lucius klatschte in die Hände. „Wir werden jetzt einen Plan entwerfen, wie wir vorgehen werden. Aber zuerst suchen wir diese ...", er warf einen angewiderten Blick durch das Zimmer, „... sogenannte Wohnung nach Ratten ab."
„Oh mein Lieber", Hermine musste lächeln, dass er da nicht selber darauf gekommen war? „Ich habe eine viel bessere Idee, was wir zuerst machen werden!"
Sie wandte sich an Miller: „Würden Sie mir Ihren Zauberstab bitte für einen Moment zur Verfügung stellen?"
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„Reddo donum magica!" Es war ihr eine tiefe Genugtuung, Lucius seine Magie zurückgeben zu können.
Genau in dem Moment, in dem sie Miller seinen Zauberstab zurückreichen wollte, machte Lucius einen Satz auf sie zu – und riss ihr den Stab aus der Hand.
„Luciu...!"
„STUPOR!"
Sie war nicht mehr dazu gekommen, seinen Namen vollständig auszurufen.
Diesmal erstarrte eine Ratte neben der Couch.
„Diese Biester scheinen direkt aus der Couch zu kommen!"
Mit einer Mischung aus Entsetzen und Ekel gab er Miller daraufhin den Zauberstab zurück: „Nun dürfen Sie sich um das Tier kümmern!"
Dann drehte er sich Hermine zu und strahlte sie an: „Punkt eins auf unserem Plan wird sein, vernünftige Zauberstäbe aufzutreiben." Er wandte sich an Miller: „Wo gibt es hier den nächsten guten Zauberstabmacher?"
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Er irrte sich! Punkt eins war die Rattenentseuchung der Wohnung!
Sie fanden noch eine weitere Ratte, die sich kurz darauf, sicher in den magischen Kasten verpackt, zu ihren Kolleginnen im Korridor gesellte.
Danach nahmen sie auf der Couch Platz. Miller tischte ihnen auf, was seine Küche hergab.
Was außerordentlich bescheiden war!
Aber nachdem Hermine seit gefühlten drei Tagen nichts mehr gegessen hatte, mundete ihr das wenig gesäuerte Brot mit dem einfach nur süß schmeckenden Fruchtaufstrich genauso gut wie das sonst von ihr bevorzugte English Breakfast! Dazu tranken sie dünnen Kaffee vom Vortag, weil Miller kein Kaffeepulver mehr vorrätig hatte. Immerhin zauberte er die laue Brühe heiß.
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„Hier in Sofia gibt es eine ganz ansehnliche magische Gemeinde mit einigen Geschäften", sagte Miller, der sich von seinem Schock über ihre plötzliche Ankunft anscheinend gut erholt hatte und inzwischen einen recht munteren Eindruck machte. „Dort gibt es auch einen Zauberstab-Macher." Er zog seine Mundwinkel leicht herab, hob die Schultern und sagte in bedauerndem Ton: „Über die Qualität dieser Stäbe jedoch kann ich gar nichts sagen!"
„Spielt auch keine große Rolle." Hermine konnte nicht anders. Sie musste ihn anstrahlen. Auch wenn sie bemerkte, dass das Lucius neben ihr weniger gut gefiel! Aber sie war so unendlich erleichtert, dass sie gut nach Bulgarien gekommen, dass sie bei einem Landsmann waren, der sich hier auskannte – und dass sie etwas essen konnte. Jetzt würde alles andere auch gut werden! „Wenn die Stäbe nur ein klein wenig besser sind als die, die wir bis jetzt haben, dann sollte uns das ausreichend sein, nicht Lucius?"
Der brummte nur etwas Undefinierbares vor sich hin und sah reichlich missmutig aus.
