Meine sehr verehrten Leserinnen und Leser,
Wisst Ihr eigentlich, wie viel leichter es ist, einen Krimi im Fantasybereich zu schreiben? Vielsafttrank, und man kann aus einem streng überwachten Krankenhaus fliehen. Apparieren macht die Flucht dann nochmals einfacher. Imperius-Fluch, Veritaserum, Legilimentik. Avada – es gibt so viele Möglichkeiten für Tat und Täter!
Andererseits: Wisst Ihr eigentlich, wie schwierig es ist, als Auror zu ermitteln im Vergleich zu Columbo und Co?
Zeugenaussagen sind nix wert (Imperius-Fluch), Verdächtige verschwinden einfach (Apparieren), Leute sind vielleicht nicht diejenigen, für die sie sich ausgeben (Vielsafttrank) und vieles mehr.
Eine Ringfahndung hilft nicht viel weiter, die Medien kann man nicht zuverlässig einschalten (Muggel-TV oder Tagesprophet?) und mit Fingerabdrücken braucht man sich schon gar nicht aufhalten.
Neville sollte vielleicht zu New Scotland Yard wechseln, liegt ja auch gleich neben dem St. James`s Park. Da kann er dann in der Mittagspause immer Eichhörnchen füttern.
Noch was „Organisatorisches":
Neville macht nach diesem Kapitel eine längere Pause.
Zum einen, weil hier in Bayern Ferien sind und der größere Teil von Triflorifer ab dem 22.5. für zwei Wochen Familienurlaub einlegt. Bis dahin kommen noch 2-3 Kappis, aber dann dürft Ihr beim Lesen erst mal ein Päuschen machen und nochmal gründlich über alles nachdenken.
Zum anderen folgen nun tatsächlich fünf Kapitel Hermine/Lu. Dafür kommt danach eine Zeit, in der ihr fünf Mal hintereinander Neville ertragen müsst. Das hat sich einfach so ergeben durch die unterschiedlichen Handlungsstränge. Wir haben ja getrennte voneinander geschrieben. Da passierte es dann eben, dass an einem Tag mal bei Neville kaum was passiert, während bei Lu/Hermine der Bär steppt. Und am Abend des 6.11. ist es dann andersherum.
Aber wenn Ihr da durch seid: Dann geht es RASANT dem Ende zu (und da gibt es noch einmal herrliche Action!).
So, meine Ansprache ist wieder mal fast länger als das Kapitel, auch das wird sich ändern, denn das nächste Neville-Kapitel ist deutlich ausführlicher!
Und natürlich ein großes Dankeschön an unsere treuen Reviewer!
Viel Spaß
Legi, die nicht ausschließen will, das sich in diesem Posting wieder ein paar wichtige Hinweise finden lassen
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88. Kapitel 06.11.2005 13.10 Uhr
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Es war schon nach ein Uhr mittags, als Neville das Büro seines Vorgesetzten betrat.
Er rückte den Stuhl gegenüber von Harry zurecht und ließ sich erschöpft hineinfallen.
Harry musterte ihn mit gerunzelter Stirn und meinte: „Ich gehe davon aus, dass du keine heiße Spur hast, sonst hättest du dich schon bei mir gemeldet."
Neville nickte. „Ich hab alle Leute befragt, die irgendetwas mitgekriegt haben, aber Fehlanzeige. So wie es aussieht, wurde eine Krankenschwester von Lucius überwältigt. Sie ist auch jetzt noch durcheinander und spricht ziemlich wirres Zeug. Malfoy hat sich dann per Vielsafttrank in diese verwandelt, sodass er problemlos mit Hermine die Klinik verlassen konnte."
„Hermine muss unter dem Imperius-Fluch gestanden haben!", ereiferte sich sein Vorgesetzter.
„Das ist mir auch klar, Harry. Oder meinst du, ich bin davon ausgegangen, dass sie freiwillig mit Malfoy verschwunden ist?"
Manchmal fragte sich Neville wirklich, ob sein Chef ihn für komplett unfähig hielt.
Er zog sein Notizbuch heraus und blätterte in den zahlreichen, eng beschriebenen Seiten. „Um 19 Uhr verließ Hermine zusammen mit Schwester Clementia Knife die Station. Ich konnte noch einen Augenzeugen auftreiben, der die beiden unweit von auf dem Weg zur U-Bahn gesehen hat, aber dann verliert sich die Spur."
Harry fuhr sich missmutig durchs Haar. „Suchmeldung?"
„Läuft. Noch ohne Ergebnis. Das Einzige, was wir haben, ist ein Bericht von der französischen Muggel-Küstenwache."
„Was war da los?" wollte sein Vorgesetzter wissen.
„Sichtung von zwei verdächtigen Personen, die plötzlich verschwunden waren. Wahrscheinlich Schmuggler, die sich in den Höhlen dort verkrochen haben. Ich habe natürlich eine Untersuchung vor Ort angeordnet, aber das klingt eher nach den dort üblichen Grenzschiebereien."
Harry nickte. „Seh ich auch so. Was sollte Malfoy mit Hermine im Schlepptau an der französischen Küste anfangen!"
Neville klappte sein Büchlein wieder zu. „Ich versteh das nicht. Sie sind nicht appariert, sondern mit der `tube` gefahren. Und Schwester Clementia meinte, dass Malfoy immer noch magielos war. Selbst wenn er irgendwo einen Zauberstab aufgetrieben hätte – wie konnte er Hermine unter den Imperius-Fluch stellen?"
Harry schüttelte ratlos den Kopf. „Keine Ahnung. Er muss Hilfe von außen gehabt haben. Vielleicht hat ihm ein Besucher ein magisches Objekt hineingeschmuggelt. Du hast doch überprüft, wer bei ihm war?"
Wieder zog Neville seine Aufzeichnungen zu Rate: „Selbstverständlich. Moraless hat ihn mehrmals aufgesucht. Allerdings hätte dieser ja irgendwie die Glasscheibe umgehen müssen. Aber ich trau ihm das durchaus zu."
In Harrys Blick lagen Zweifel: „Wie soll das gehen?"
„Eine Schwester bestechen, dass die etwas mit dem Essen oder bei der Untersuchung hineinschmuggeln.", stellte Neville in energischem Ton fest. „Geld spielt bei Malfoy ja keine Rolle!"
Irgendwie so musste es gelaufen sein, es gab schließlich keine andere Möglichkeit!
Harry zupfte nachdenklich an seinem Ohr herum.
„Könnte schon sein.", räumte er schließlich ein. „Der Anwalt, der seinem Mandanten zur Flucht verhilft. Wenn das rauskommt, kann Moraless allerdings seine Zulassung zurückgeben. Ganz schön riskantes Spiel. Sonst war niemand bei Malfoy?"
Diesmal brauchte Neville nicht erst nachzulesen. „Doch. Narzissa. Aber die hat nur eine Filmaufnahme gemacht wegen dieser Veranstaltung, da sollen die Gäste..."
Sein Vorgesetzter unterbrach ihn. „Du bist doch noch an ihr dran? Für mich ist sie immer noch eine der Hauptverdächtigen."
Schnell entgegnete Neville: „Jaja, sie wird gründlich durchleuchtet, das kannst du mir glauben. Viel wichtiger ist doch aber jetzt: Wo ist Hermine? Wohin hat dieser verdammte Malfoy sie verschleppt? Wo kann er sich denn mit ihr verstecken?"
„Hm. Schwierig." Sein Chef fuhr sich unwillkürlich durch die Haare. „Ein geflohener Mordverdächtiger, den hier jeder kennt. Dazu im Schlepptau eine Aurorin. Viele Möglichkeiten bleiben da nicht."
Neville dachte kurz nach. Dann sagt er: „Ich an seiner Stelle würde mich ins Ausland absetzen."
„Wunderbar!..." Harrys Stimme triefte vor Ironie „….Das macht alles natürlich viel einfacher für uns!"
Doch Neville blieb ernst. „Überleg doch mal. Er wird sicher nicht überall mit offenen Armen empfangen. Aber wir haben doch einen Hinweis, mit welchem Land er gute Kontakte pflegte: Bulgarien! Praktischerweise haben die kein Auslieferungsabkommen mit England, das passt doch alles perfekt zusammen!"
„Wir haben allerdings keinerlei Kontakte zum bulgarischen Secret Service.", gab sein Boss zu bedenken.
Aufgeregt sprang Neville vom Stuhl auf. „Du musst mir eine Einreisebewilligung besorgen! Ich nehm noch ein paar Leute mit und dann holen wir Hermine da raus!"
„So einfach, wie du dir das vorstellst, ist das nicht, aber ich werde mich drum kümmern. Den Antrag kann ich gleich ausfüllen."
Harry öffnete eine Schublade und zog schwungvoll ein Formular heraus. Ein Kuvert flatterte dabei auf den Boden. Der Chef-Auror hob es auf.
„Ach ja, das hatte ich ganz vergessen. Immer diese lästigen Einladungen zu irgendwelchen faden Wohltätigkeitsveranstaltungen."
Ungeduldig trat Neville von einem Bein auf das andere. Er hatte im Moment wirklich andere Probleme als Harrys gesellschaftliche Verpflichtungen!
Doch dieser hatte einen Brief aus dem Umschlag gezogen und sah ihn nun direkt an. „Sag mal, du bist doch auf diesem Gebiet sowieso viel besser als ich. Irgendjemand muss das Aurorenbüro ja bei dieser Charity-Geschichte vertreten, das kannst du genauso gut machen. Und dabei noch ein paar Leuten auf den Zahn fühlen."
„Also ich weiß nicht…" Neville hatte nun wirklich keine Lust, sich langweilige Reden auf irgendeinem öden Event anzuhören. Und wieso sollte er dabei fähiger sein als Harry?
Doch sein Chef ließ keine Widerrede zu. „Hier hast du die Einladung. Der Ball steigt heute Abend. Mit viel Glück haben wir morgen die Reisebewilligung und hoffentlich auch ein paar neue Hinweise. Viel Spaß auf der Tanzfläche, ich bin wirklich heilfroh, wenn dieser Kelch an mir vorüber geht!"
Er wandte sich nun wieder den Stapeln auf seinem Schreibtisch zu.
Im Hinausgehen überflog Neville den Brief.
"Die Stiftung für notleidende Zaubererfamilien lädt zum diesjährigen Wohltätigkeitsball auf Malfoy Manor ein. Wir freuen uns sehr, Sie am 6.11.2005 in unseren bescheidenen Räumlichkeiten begrüßen zu dürfen und….."
Er ließ das Schreiben sinken. Die Buchstaben hatten sowieso schon begonnen, vor seinen Augen die ersten Walzer zu tanzen. Neville holte tief Luft, hielt seinen Atem einen Moment an und ließ ihn dann langsam durch die Nase entweichen.
Der Ball.
Narzissa.
Irgendwie schien das Schicksal sie beide doch immer wieder zusammen zu führen.
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(legilimens, die schon heimlich die ersten Foxtrott-Schritte übt)
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