Liebe Leser!
Heute gibt es mal eine ganz persönliche Ansprache. Nämlich für:
Dark Fay!
DAS waren deine Worte:
Dr. Slawitz stelle ich mir mit graumelierter Halbglatze und Brille vor. Ein wenig farblos, durch den Stress.
Das war unsere Antwort darauf:
… und dass ausgerechnet DU ein solches Bild von Slawitz hast! *Dideldum, dideldei*
Aber wenn du so willst! Dein Wunsch sei dir gewährt! (Nur beschwer dich hinterher nicht!)
Schreiten wir heute also zur bitteren Wahrheit! *Lach* und denk immer daran: DU hast es so gewollt!
*Dideldum, Dideldei* Viel Spaß allen Lesern!
Dank wie immer unseren tollen Reviewern: Miss Perenelle, Talea, Zuckerdrache, Seraphin, Seraphin und Nellas Cookie!
06. 11. 2005 16:00 Uhr
Das Taxi hielt vor einem heruntergekommenen Gebäude, das wirkte, als würde es im nächsten Moment in sich zusammenstürzen.
Hermine seufzte. Die magische Welt, ständig darauf bedacht sich zu tarnen, übertrieb es ihrer Meinung nach manchmal ein wenig. Aber das war im Moment ihre geringste Sorge.
Während Miller den Taxifahrer bezahlte, der laut lamentierend die Hand ausgestreckt hatte, stieg Lucius aus dem Wagen und hielt seine Hand Hermine hilfsbereit entgegen.
Er hatte während der Fahrt erzählt, dass er schon mehrfach mit einem Auto gefahren sei. Das sei ihm nichts Neues, hatte er gemurmelt. Dabei aber war er sehr blass gewesen und hatte beständig auf die Straße gestarrt.
Hermine hatte den dringenden Verdacht, dass er mit einer kleinen Übelkeitsattacke zu kämpfen gehabt hatte. Die Frage war nur, warum? Ihre Übelkeit resultierte aus der verständlichen Angst, die sich in ihr festgefressen hatte. Seine womöglich auch!
„Hier geht's lang!"
Miller achtete peinlich darauf, Hermine nicht zu berühren. Sie hatte dies schon längst bemerkt und gab sich ihrerseits Mühe, ihm nur ja nicht zu nahe zu kommen.
Sie stiegen einen dunkle Kellertreppe hinab.
Dort klopfte Miller an die Türe. „Ich weiß nicht, ob die darauf reagieren. Normalerweise floht man hinein – oder bemüht den magischen Pförtner."
Natürlich öffnete niemand. Kein Zauberer der Welt bediente sich so simpler Dinge wie der eigenen Fingerknöchel, wenn es um das Öffnen hochoffizieller Türen ging.
Aber genau in dem Moment, in dem Miller auf das uralte Blechschild mit für Hermine unleserlicher Aufschrift deutete und murmelte: „Ich fürchte, wir haben keine Wahl als Mag...", wurde die Türe aufgerissen.
„Wiedersehen Perenelle, ich bin für diese Woche weg!", rief eine junge Frau über die Schulter zurück in das Gebäude.
„Machs gut! Und, Talea, vergiss den Termin am Montag nicht!", tönte es ihr hinterher.
Dabei machte sie ein paar Schritte nach draußen – und lief prompt in Miller hinein.
Ihr Kopf schnalzte herum. „Oh, Entschuldigung", lachte sie und machte einen Satz zur Seite. „Dieser Eingang ist ein wenig eng!"
Und damit drückte sie sich an ihnen vorbei, sauste die steile Treppe nach oben und verschwand um die Ecke.
„Das nenn ich Glück", murmelte Lucius und winkte Miller, endlich weiterzugehen.
„Liegt auf diesem Gebäude ein Spracherkennungszauber?" Hermine hatte die Stirn gerunzelt und starrte einen Moment auf das schmuddelige Schild in kyrillischer Schrift vor ihrer Nase. „Die sprechen hier doch mit Sicherheit nicht englisch!"
„Genau", nickte Miller. „Dieser Sprachenzauber liegt über allen öffentlichen Gebäuden. Das hiesige Ministerium hat sich eine Zeit lang sehr viel Mühe gegeben, internationaler zu werden. Als diese Bemühungen dennoch scheiterten, verfielen die Neuerungen und Modernisierungen allmählich wieder. Der Sprachenzauber ist ein Relikt aus dieser Phase, von dem wir zum Glück heute noch profitieren können."
„Gut für uns – und schlecht für mich", murmelte Hermine. Aber so leise, dass es nicht einmal Lucius hören konnte. Und dabei hoffte sie inständig, dass an der bis jetzt unbewiesenen Annahme, dass Magielosigkeit vor dem Ausbruch der Pest schützen könnte, schlicht nichts dran war.
Sie betraten einen kargen Vorraum. Wenn man es denn so nennen wollte. Im Grunde war es nur das verbreiterte Ende des Treppenhauses, in dem sich eine Art Portiersloge befand.
Lucius steuerte direkt darauf zu: „Wir suchen Dr. Slawitz!"
„Termin?" Die Frau hinter dem Empfang war klein, rund und wirkte überaus gutmütig. Allerdings steckte sie in einer Art Uniform – und das gab ihr ein irgendwie strenges Flair. Sie trug ein Namensschild auf der Brust: Seraphin. Na, das klang zumindest ein bisschen bulgarisch!
Lucius schüttelte den Kopf. „Nein, aber es ist dringend."
„Das sagen alle!"Seraphin griff zu einem altertümlichen Telefon, ließ ihre Faust auf die Wählscheibe niederknallen und brüllte: „LABOR!"
Verwundert sah Hermine zu, wie sich der Hörer anhob, aufrichtete und ein wenig – ausdehnte? Immer weiter, bis er etwa so groß war wie ein Megafon.
„Was ist?"
Die Stimme, die gepresst daraus zu hören war, klang alles andere als erfreut.
„Da will jemand zu Slawitz!" Seraphin warf ihnen einen prüfenden Blick zu. „Hier sind drei Personen, die sagen, es sei dringend!"
Einen Moment drang nur Schweigen aus dem Riesenhörer. Dann kam die Stimme wieder. Doch diesmal klang sie nicht mehr unwillig. Eher – zögerlich: „Ich ... komme hoch!"
Wieder bekam die Wählscheibe des Telefons, das ohne Zweifel einmal Muggeln gedient hatte, einen herben Schlag und der Hörer, jetzt wieder in seine ursprüngliche Form zusammengeschnurrt, plumpste zurück auf seinen Platz.
„Sie kommt gleich!"
„Sie?" Hermine zuckte erstaunt zusammen und drehte sich zu Lucius um: „Und ich habe immer gedacht, Dr. Slawitz sei ein Mann!"
Lucius sah sich gerade sichtlich angewidert in dem bescheidenen Treppenhaus um.
„Hat ...", sie räusperte sich kurz, holte nochmals Luft und nahm einen erneuten Anlauf. „... hat Ginny nie von Dr. Slawitz gesprochen?"
Lucius schüttelte nur kurz den Kopf. „Ist doch egal", sagte er.
Im selben Moment sah Hermine im Augenwinkel, wie Miller eine plötzliche Bewegung machte.
„STUPOR!"
Schon wieder eine Ratte!
Immer wieder diese Biester! Waren sie vor denen denn nirgends sicher?
Seraphin, die ihren Zauberstab ebenfalls gezogen hatte, versiegelte das erstarrte Tier eilig und schob es sofort mit dem Fuß zu einer Türe neben der Treppe: „Da drin sind schon etliche von denen. Wird Zeit, dass die mal wieder abgeholt werden."
Sie wandte sich an Lucius: „Passen Sie auf! Hier laufen immer wieder mal welche herum!"
Hermine konnte jemanden auf der Treppe hören. Unverkennbar Frauenschritte! Slawitz war also tatsächlich eine Frau.
Es war unzweifelhaft ein weibliches Wesen, das einen Moment später um die Ecke kam. Jung, höchstens Ende zwanzig, kurze Haare, Brille.
Sie trug Jeans, wie Hermine auch, dazu eine gestreifte Bluse und rot-weiß karierte, sehr bequem wirkende Turnschuhe.
'Sympathisch', schoss es Hermine durch den Kopf. 'Sie sieht wirklich sympathisch aus!'
„Es tut mir leid...", begann diese sofort, wurde aber rüde durch Lucius unterbrochen.
„Wir brauchen Ihre Hilfe, Dr. Slawitz!"
„Es tut mir leid!" Die Frau schüttelte mit bedauerndem Blick den Kopf. „Aber ich bin nicht ..."
„Das spielt doch alles keine Rolle!" Lucius war nicht zu bremsen. Er war direkt vor die Frau getreten und hatte sie am Arm gepackt. „Wir sind in einer Notsituation und Sie können uns helfen!"
„Ich kann leider ..."
„Nur Sie, hören Sie! Dr. Slawitz, Sie sind unsere ganze Hoffnung!" Lucius starrte die Frau verzweifelt an und rüttelte noch immer an ihrem Arm.
Er verstand nicht. Er konnte und wollte nicht verstehen.
Hermine schon.
„Lucius", ihre Stimme klang flehend. „Das da ist NICHT Dr. Slawitz!"
„Nein! Ich bin ..."
„Wo ist Slawitz! WIR BRAUCHEN Doktor SLAWITZ!" Jetzt schrie er.
Hermine schossen Tränen in die Augen, ohne dass sie hätte sagen können, ob es Tränen der Verzweiflung waren, weil sonnenklar war, was diese Frau ihnen sagen wollte – oder des Mitleids mit Lucius. Für ihn bedeutete Slawitz schließlich gleich doppelte Hilfe!
„Dr. Slawitz ist nicht da!"
Lucius war mitten in seiner Bewegung erstarrt. Jetzt hatte auch er verstanden. Reglos verharrte er, die Frau vor ihm stumm fixierend.
„Ich bin Hedril Ereside, seine persönliche Assistentin. Es tut mir leid!"
„Wo?"
Nur dieses eine Wort hatte er ausgestoßen.
Es hing in der Luft und schien ewig nachzuhallen.
Hedril schüttelte den Kopf und senkte die Stimme. „Ich habe keine Ahnung. Faydark Slawitz ist verschwunden. Schon vor einer Woche!"
