Liebe Leute!
Ich bin nicht mehr allein hier – und ich poste zum letzten Mal Rattenmord!
Em… Wo ist hier jetzt der logische Zusammenhang? *lach*
Nein, ich bin natürlich NICHT froh, daß Lucius als Erzähler heute zum allerletzten Mal auftaucht!
Aber so ist es nun mal. Nicht alle werden ihn vermissen, einige vielleicht sogar aufatmen… Wie auch immer Ihr zu ihm steht: Mir war es eine Freude, diese Figur zu schreiben und zu lernen, daß ich auch Männer schreiben kann, in die ich nicht verliebt bin. Ich werde jetzt zum letzten Mal Reviewantworten schreiben müssen. Und Euch nicht länger von der puren Krimihandlung ablenken.
Doch ein paar Gründe zu feiern!
Letzte Rattenmord-Grüße von
Runa
Mit Dank den fleißigen Reviewern
Miss Perenelle
betty0815
Zuckerdrache (DEIN Kapitel heute! ;) )
Hedril
Kiamara
Talea
Seraphin
NellasCookie
UND unsere neue Leserin dragonbride! Herzlich Willkommen bei Rattemnord!
19 Uhr
Lucius
Voll.
Alle sonstigen Attribute dieses sogenannten… Szenelokals wichen vor dieser Beschreibung zurück.
Gerammelt VOLL.
Was das über diese selbsternannte Szene aussagte? Deren – sich hinter den beschlagenden Scheiben der großen Fenster drängenden – Mitglieder zu einem verwaschen bunten Brei verschwammen. Schlimmer als in einem dieser Muggelomnibusse bei Nieselregen! Und wenn Lucius an seine eigene Fahrt mit diesem Verkehrsmittel zurückdachte, so war DIE garantiert um einiges… SCHÖNER gewesen!
Beim bloßen Anblick der muggelmäßig anmutenden schweren Holztür hatte er abfällig die Nase gerümpft, noch bevor er beobachtete, wie Miller den Zauberstab in die offenbar dafür vorgesehene Mulde drückte und auf diese Weise gleich dafür sorgen würde, daß ihnen der feuchtwarme Dunst der zusammengepferchten Menschenmenge entgegenschlüge. Lucius wurde ganz anders, wenn er sich die in dieser gasigen Brühe tummelnden Krankheitserreger vorstellte! Oder das verheerende Risiko dieser Zeit! Der Zeit des furchtbaren Rattentodes! So viele womöglich infizierte Zauberer auf einem Haufen!
Pervers paradox, daß er ausgerechnet diesen unsäglichen Ort aufsuchen mußte, um Hermine zu retten! Aber darum würde er es eben tun! Er WÜRDE sie retten, und hier konnte er diesem Ziel endlich einen bedeutenden Schritt näher kommen! Wobei...
Lucius stutzte: Wie zur Hölle sollten sie die Frau hier in diesem Gewühl finden?
„Warten Sie!" wurde er von Miller zurückgehalten, kaum daß die beiden sich in eine Art gläsernen Windfang gequetscht hatten, hinter dessen Scheibe dasselbe Farbengewäsch erahnbar war wie von draußen.
Offensichtlich war sein Assistent öfter hier, denn in selbstverständlicher Manier griff er nach einer von mehreren, in einer langen Reihe von der Decke neben dem Eingang herabhängenden, Schnüren und zog kräftig daran. Gebannt verfolgte Lucius, wie sich die milchige Scheibe augenblicklich klärte und den Blick auf die veränderte Szenerie hinter der Glaswand freigab.
„Wir probieren es zunächst hier", erläuterte Miller. „Ich werde eine Freundin von mir einspannen!"
Hier, das war plötzlich eine gemütliche, nur von einem offenen Feuer in einem mittig platzierten, runden Kamin dämmrig erhellte Lounge. Beherrscht wurde diese von lauschigen unregelmäßig überall und in mehreren Höhenebenen im Raum verteilten Tischnischen, die allesamt langsam, aber unablässig ihre Position auf dieser Ebene variierten.
Eine dieser Nischen wurde gerade von einer Bedienung mit routinierter Bewegung ihres Zauberstabs in die Höhe verschoben, die sich das Paar darin wahrscheinlich ausgesucht hatte.
Nicht daß Lucius diese Technik neu wäre. Doch dafür, daß sie sich hier in dem doch eindeutig rückständigen Bulgarien aufhielten…
„Perenelle!" Millers Stimme war nicht im eigentlichen Sinne verstärkt, erreichte jedoch nachweislich die kleine Rothaarige, welche sich augenblicklich zu ihnen umwandte und die Tür für sie öffnete, während sie beschwingt auf sie zukam.
„Nellas! Grüß Dich! Na, da kommst Du zuerst wochenlang gar nicht, und dann gleich mehrmals die Woche…?"
Daß sie bei diesen Worten ihre blauen Augen in aufreizend abschätzender Weise über Lucius gleiten ließ, strafte ihre laute Herzlichkeit für Miller Lügen. Doch für irgendwelche Turteleien hatte Lucius jetzt absolut keinen Sensus! Sie hatten hier schon genug Zeit verloren! Seiner ungeduldigen Geste kam sein Begleiter allerdings schon zuvor:
„Du, wir haben eine Verabredung mit eine junge Frau namens Hedril Ereside! Kannst Du herausbekommen, in welchem Lokal sie uns erwartet?"
„Aber natürlich kann ich das!" Perenelle beließ ihren Blick noch eine weitere Sekunde bei Lucius, ehe sie auf dem Absatz kehrt machte, um mit ihrem Zauberstab in Richtung des Tresens zu deuten, der Lucius zuvor gar nicht aufgefallen war. Oder wanderte der genauso durch den Raum wie die Tische der Gäste? „Accio!"
Eine Art Bild kam in ihre Hand. Nach einem weiteren Deut ihres Zauberstabes in Verbindung mit einer Wiederholung des gesuchten Namens begann eine rote Birne zu blinken.
„Sie ist nebenan im Schnellimbiß!" war Perenelles Interpretation. Und daß Miller keine lange Verabschiedung zelebrierte, sondern augenblicklich nach einer violetten Schnur über ihnen griff, erfüllte Lucius mit einer Erleichterung, die ihn tief aufseufzen ließ, um seine Körperspannung nicht zu verlieren. Slawitz' Mitarbeiterin war gekommen und würde ihnen helfen, ihren Chef zu finden. Dann würden sie gemeinsam das Gegenmittel auf den Weg bringen und unverzüglich Hermine verabreichen. Und dann…
Kaum daß sie sich an der um diese Zeit natürlich verwaisten Kinderspielecke vorbei zur ledernen Sitzecke gedrängt und sich der jungen Frau gegenüber niedergelassen hatten, erwischte Miller und ihn ein Wasserfall:
„Ich bin SO froh, daß Sie hier aufgetaucht sind! Sie sind der Erste, der sich nach meinem… Kollegen erkundigt. Dabei ist er schon seit fast einer Woche verschwunden! Ich bin wieder und wieder bei ihm zu Hause gewesen, habe bei der Personalabteilung angerufen, sogar beim Ministerium! Aber niemand hat mir weiterhelfen wollen! Ich wurde belogen! Vertröstet! Er sei krank! Habe Urlaub!" Sie brachte das Kunststück fertig verächtlich zu schnauben, ohne ihren Sprachfluß nennenwert zu unterbrechen. „Und als ich denen sagte, daß ich wisse, daß er nicht zu Hause sei und daß er es mir gesagt hätte, wenn er verreist wäre, haben die mich einfach abgewimmelt! Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt noch machen soll, aber wenn Sie auch nach ihm suchen, dann…"
„Langsam!" Lucius hatte automatisch genauso tief Luft geholt wie die junge Frau, an deren Lippen er gehangen hatte, und sich weit über den Tisch zu ihr gebeugt, um sie durch seine Hand an ihrem Arm zu beruhigen. „Sie wollen damit ausdrücken, daß ihr Verhältnis mit ihm über eine bloße Arbeitsbeziehung hinausgeht?"
Eine leichte Röte überzog ihre Wangen.
Das war gut! Ein Glückstreffer, daß sie seine Freundin oder wenigstens seine Verehrerin aufgetan hatten! Die folglich ein ausgeprägtes Eigeninteresse daran hätte, daß Slawitz gefunden würde. Sie hatten eine Verbündete!
„Das heißt, er müßte sich bei Ihnen… abgemeldet haben?"
„Wir sind… nicht wirklich zusammen…", begann diese zögernd. „Aber…", die Röte verstärkte sich, bevor ihr Gesicht bleich wurde. Ihre Stimme zitterte, als sie weitersprach: „Ja, er HÄTTE sich abgemeldet, wenn seine Abwesenheit… mit rechten Dingen zugegangen wäre." Sie schluckte sichtbar. „Und ich habe das ganz starke Gefühl, daß wir… noch nicht zusammen SIND, weil er…", ihre Augen weiteten sich, „…etwas zu verbergen hatte!"
Durch Miller an seiner Seite ging ein Ruck. Dadurch, daß Ereside ihr Gesicht hob, um Lucius weiterhin ansehen zu können, bemerkte er, daß auch er plötzlich aufrecht saß.
„Was wollen Sie damit sagen?" fragte er scharf. „War er in zwielichtige Geschäfte verwickelt?"
„Faydark ist kein Verbrecher, er ist ein so anständiger Mensch, der immer das Wohl der Menschheit…"
„Mir ist vollkommen egal, was Ihr Faydark für ein Mensch ist", stoppte Lucius sie schroff. Immer dieser ehrfurchtsvolle Ton der Frauen, wenn sie von in ihren Augen HOCHMORALISCHEN Männern sprachen! Außerdem hatten sie wirklich keine Zeit für Sentimentalitäten! „Wir müssen herausfinden, wo er sich in diesem Moment aufhält, und da müssen wir alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen!"
„Er muß entführt worden sein!" brach es jetzt aus ihr heraus. „Sie zwingen ihn, seine Erkenntnisse…"
„WER?" unterbrach Lucius sie harsch.
„Ich habe doch keine Ahnung…!"
„Wir brauchen alles, was Sie wissen!" verlangte er. „Und denken Sie daran, daß seine englische Kollegin UMGEBRACHT worden ist!"
Nun fing sie auch noch an zu weinen! Verschwendete einen weiteren kostbaren Moment, ehe sie in der Lage war, wieder verständliche Informationen weiterzugeben! Nur mit Mühe zügelte Lucius seinen Ärger über diese komplizierte Informantin.
„Es ist ja nicht gesagt, daß ihm auch so etwas passiert ist", schwächte Miller ab. „Jedenfalls ist es wichtig, daß Sie uns wirklich alles sagen, was auch nur entfernt mit dem Verschwinden ihres Freundes zusammenhängen könnte!"
Woraufhin sie sich tatsächlich zusammenzureißen schien. Na, da war der junge Spund hier ja doch zu etwas zu gebrauchen!
„Wir sind am Morgen des 31. Oktober gemeinsam in unser Labor gekommen und haben wie immer angefangen zu arbeiten. Und vor der Frühstückspause ist er dann in sein anderes Labor…"
„Er hat ein OFFIZIELLES zweites Labor?"
„Nein, nicht offiziell. Aber seit ein paar Monaten ist er öfter mitten am Tag verschwunden und erst nach Stunden oder gar am nächsten Tag wieder aufgetaucht. Da habe ich ihn natürlich gefragt. Er hat nur so viel verraten, daß er an irgendeinem Geheimprojekt arbeite, über das er nicht reden dürfe. Und angedeutet, daß er im Gebäude bleibe. Ich weiß nicht genau, aber ich habe daraus geschlossen, daß er wohl runter in die alten Labors ging. In die Katakomben unter der Stadt. Das ist das Letzte, was ich von ihm gehört…"
„WO?" Lucius war aufgesprungen. „Können Sie uns das zeigen?"
„Ich weiß nur, daß es im Keller des Instituts einen geheimen Zugang geben muß. Aber das werden nur Mitarbeiter dieser Spezialsache wissen, sonst wäre es ja nicht geheim! Ich weiß jedenfalls, daß da unten in Minus achtzehn früher im zweiten Weltkrieg Labore gewesen sind. Dort habe ich ihn mir immer vorgestellt…"
„Minus achtzehn, sind Sie sicher?" Lucius nahm ihr Nicken vorweg. „Dann werde ich genau dorthin gehen. Kommen Sie, Miller, wir müssen diesen geheimen Zugang finden!"
„Nachts ist das ganze Gebäude voller Wachtrolle! Sie müssen das tagsüber machen!"
„Tagsüber ist es natürlich ABSOLUT UNAUFFÄLLIG!" Augen verdrehend rang Lucius die Hände.
„Morgen ist Samstag!" entgegnete sie eifrig. „Da ist das Haus weitgehend leer, und es sind nur besonders zahme Trolle dort, damit die doch anwesenden Menschen nicht gefährdet werden."
Lucius war schon auf dem Weg. Was kümmerten ihn Trolle! Hermine wartete auf ihn, und er hatte sie lange genug warten lassen! Nur noch mit halbem Ohr hörte er, wie die junge Frau ihnen nachrief: „Aber Sie geben mir doch Bescheid, wenn Sie…"
Dann hatte er den Ausgang erreicht.
