Liebe Triflorifer-Leserschaft,
eine kleine Abhandlung über das weibliche Geschlecht. (ganz allgemein, hat jetzt nix mit Rattenmord zu tun)
Es gibt ja Frauen, die verstehen sich wunderbar mit allen anderen Frauen, tauschen Kochrezepte aus, arbeiten am liebsten in rein weiblicher Kollegenschar und mit Männern nur, wenn es sein muss.
Dann gibt es die attraktiven, durchgestylten Damen, die sehr gerne mit Männern zusammenarbeiten, dabei gekonnte den Augenaufschlag einsetzen, der Star jeder Abteilungsfeier sind und aus Neidgründen mit anderen Frauen nicht so gut klar kommen.
Und außerdem ist da noch den Kumpeltyp, der lieber mit sachlichen Männern arbeitet (die zwar mal anderer Meinung sind, aber das dann auch direkt sagen) und mit dem ständigen Gezicke und Intrigieren von Frauen nichts anfangen kann.
Ihr ahnt es. Ich, Legi, gehör zur letzten Gattung und da ich mich weder über Tupperware noch über Nageldesign-Trends gern stundenlang unterhalte, war ich immer heilfroh, wenn ich in Männerabteilungen arbeiten durfte.
Und nun kommt das Wunder.
Es heißt Triflorifer und besteht aus drei recht unterschiedlichen Frauen, die völlig harmonisch miteinander harmonieren! Obwohl wir uns gegenseitig kritisieren, miteinander konkurrieren, für sehr unterschiedliche Vorstellungen immer wieder Kompromisse finden müssen.
Ohne Gezicke, ohne Eifersüchtelei, ohne Neid und oberflächliches Geplapper. Mit Tiefgang, Kreativität und Hilfsbereitschaft. Und ganz viel Humor.
Das ist selten.
Das ist wunderschön.
Das hätte ich kaum für möglich gehalten.
Und Ihr, liebe Leser, könnt Euch schon mal den Namen Triflorifer merken, denn wir haben in den letzten Tagen einen genialen Plot für einen echten Thriller erdacht, den Ihr mit Sicherheit mal im Regal sehen werdet! (Kreative Nächte lösen bei mir leider massiven Größenwahnsinn aus).
Zurück zum Rattenmord.
Heute nochmal Romantik, ab Donnerstag KRIMI!
Und ein großes Dankeschön den treuen Reviewern Crumplette, Hedril, Seraphin, Lufa, Zuckerdrache, Kiamara, Dragonbride, Betty, Lufa
Legilimens
.
.
.
07.11.2005 08.00 Uhr
.
.
Unwillig drehte Neville an der edel schimmernden Armatur der Dusche. Sofort prasselte warmes Wasser über seinen nackten Körper. Dabei war das eigentlich das Letzte, was er wollte: Ihren Duft abwaschen, den Geruch dieser wunderbaren Nacht!
Doch er konnte ja kaum verschwitzt und zerzaust im Aurorenbüro erscheinen.
Er schloss die Augen und hielt seinen Kopf unter den kräftigen Wasserstrahl.
Wie schön es sich angefühlt hatte, neben Narzissa aufzuwachen! Begrüßt zu werden von ihrem strahlenden Lächeln, ihren zarten Händen, ihren weichen Lippen. Zu spüren, wie sehr sie den Mann ihn ihm begehrte! In ihm, Neville, den doch alle anderen nur als unsicheren Jung-Auror gesehen hatten!
Und dennoch, er durfte die Umwelt nicht einfach ausblenden und die Tatsachen verleugnen.
Bedrückt lehnte er seine Stirn an die kühlen silbernen Fliesen. Der breite Wasserstrahl floss plätschernd über seinen Nacken und den Rücken hinab.
Wie gut es sich auch immer anfühlen mochte, mit ihr zusammen zu sein:
Narzissa war die Frau eines anderen!
Und der würde sie niemals frei geben! Selbst ein untergetauchter Lucius verfügte sicher noch über genügend Kontakte, um dafür zu sorgen, dass Narzissa nicht einfach ein neues Leben beginnen könnte. Moraless allein würde schon für ihr gesellschaftliches Aus und sein Karriere-Ende als Auror sorgen!
Niemals würde ein Malfoy zulassen, dass seine Ehefrau ihn verlässt – noch dazu für einen jungen, unvermögenden Beamten.
Neville stellte den Wasserhahn auf kalt. Der nun eisige Strahl prickelte auf seiner Haut wie tausend Nadelstiche, doch er beachtete es nicht.
Viel schmerzhafter war die Erkenntnis über die fehlende Zukunft von Narzissa und ihm.
Was hatte er ihr denn schon zu bieten?
Ein bescheidenes Leben abseits von Malfoy Manor, mit einem Partner, der sich erst einmal verzweifelt einen neuen Job suchen müsste. Und ständig in Angst vor Lucius` Rache!
Das war kein Leben für sie, das konnte er ihr nicht antun.
Sie mussten reden.
Jetzt.
Er stellte die Dusche aus und trocknete sich notdürftig ab. Dann schlang er ein großes Handtuch um die Hüften und betrat mit entschlossenen Schritten das Schlafzimmer.
Narzissa saß bereits fertig angezogen an ihren Schmink-Tisch. Sie drehte sich um, ließ die Augen mit einem wehmütigen Ausdruck kurz über seinen Körper wandern und sagte dann tonlos „Zieh dich bitte an, Neville. Wir müssen uns unterhalten."
Stumm und mit ernstem Gesicht saß sie da, während er eilig in seine Kleidung schlüpfte.
Als er dabei war, seinen Gürtel zu schließen, begann er vorsichtig: „Glaubst du, Moraless würde tatsächlich deinen guten Ruf in Gefahr bringen, indem er etwas über uns publik macht?"
Sie lachte bitter auf. „Er schreckt vor nichts zurück! Im Moment hat er noch nichts in der Hand, aber wenn er auch nur einen Kuss von uns beobachtet, ist deine Karriere beendet."
Neville sah ihr in die Augen. „Und was ist mit dir? Die feine Gesellschaft wäre davon auch nicht angetan!"
„Das ist mir egal. Ich brauche dieses ganze Theater nicht. Nur die Stiftung mit ihren vielen Hilfs-Projekten liegt mir am Herzen."
Narzissa senkte den Blick auf ihre Hände. „Aber Lucius wird wieder auftauchen, da bin ich mir sicher. Und er wird mich niemals frei geben."
Nun wurde Neville wütend: „Wir leben nicht mehr im Mittelalter! Er kann dich doch nicht zwingen, bei ihm zu bleiben!"
Sie sah ihn mit einem resignierten Ausdruck an. „Aber er kann uns das Leben zur Hölle machen, das weißt du genau!" Mit etwas zittrigen Händen strich sie sich die Haare aus der Stirn. „Er verfügt noch über genügend Einfluss, um dir künftig jede Menge Steine in den Weg zu legen. Sicher wird er dafür sorgen, dass du nie mehr eine vernünftige Arbeit findest. Er und Moraless haben ausreichend Druckmittel für derartige Aktionen, glaub es mir, ich habe es oft genug miterlebt."
Er wusste, dass sie recht hatte. Trotzdem tat es unsagbar weh, die Tatsache auszusprechen.
Seine Stimme klang heiser, als er zu ihr sagte: „Das heißt also, es ist vorbei? Bevor es überhaupt richtig begonnen hat?"
Sie sah ihn nicht an, sondern antwortete nur leise. „Es ist besser so, das weißt du auch selbst."
Langsam stand sie auf und ging an ihm vorbei zur Zimmertür.
Wollte sie wirklich einfach so weggehen? Ohne Verabschiedung, ohne einen letzten….
„Narzissa!" er hielt sie am Arm fest, „…wenigstens noch ein Kuss?" Noch einmal ihre weichen Lippen spüren, ihren schmalen Körper an sich ziehen dürfen! Noch einmal ihr leises Stöhnen hören, wenn seine Arme sie eng umschlangen!
Hoffnungsvoll blickte er in ihr Gesicht.
Doch sie entwand sich seinem Griff: „Mach es nicht noch schwerer als es sowieso schon ist, Neville!" Ihr Blick war starr von ihm abgewandt, doch er konnte sehen, wie sie schluckte. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, als sie fortfuhr: „Geh und such dir eine junge Frau, mit der du glücklich werden kannst. Unsere Wege müssen sich hier trennen."
Hatte er da gerade eine Träne gesehen, die verstohlen über ihre Wange lief?
Narzissa drehte ihr Gesicht eilig zur Seite und verließ das Zimmer. Die Türe schloss sich von alleine mit einem leisen Klicken. Für einen Augenblick waren Narzissas Schritte noch gedämpft zu hören, dann war alles still.
Starr stand Neville ein paar Minuten an der Türe. Alle Lebensenergie schien ihn plötzlich verlassen zu haben, er fühlte sich stumpf und leer. Am liebsten wollte er sich in das Bett werfen und die Decke über den Kopf ziehen.
Wie sollte er jetzt, nach dieser Nacht, nach diesem Morgen, einfach weitermachen?
Ins Aurorenbüro marschieren, als ob nichts geschehen wäre und dort Berichte schreiben!
Doch es half nichts. Hier konnte er nicht bleiben.
Langsam bückte er sich, um seine Schuhe zusammen zu suchen. Sie lagen noch genauso da, wie er sie gestern Abend abgestreift hatte.
War es wirklich erst ein paar Stunden her, dass Narzissa ihn hierher geführt hatte?
Er atmete tief durch, band seine Schnürsenkel und stand schließlich auf. Anschließend trat er vor den großen Schminkspiegel und musterte sich. Sein Gesicht sah fahl aus.
Seine Haare standen in alle Richtungen, er hatte sie nach dem Duschen noch nicht gekämmt.
Irgendwo hier auf dem Schminktisch würde doch wohl eine Bürste liegen!
Aber er fand keine.
Ohne zu überlegen, zog er die oberste Schublade auf.
Ach, da war sie ja. Er griff nach der breiten Bürste. Dabei fiel sein Blick auf das aufgeschlagene Buch, welches ebenfalls in der Schublade lag. So, als wäre es eilig dort hineingeschoben worden.
War das Narzissas Handschrift?
Sollte er….?
Nein, das kam gar nicht in Frage, er würde nicht einfach in ihren Tagebuchaufzeichnungen herumschnüffeln! So etwas tat er nicht!
Doch es war zu spät, seine Augen hatten bereits das Datum erfasst.
Heute?
Sie hatte heute Morgen etwas in ihr Tagebuch geschrieben?
Er warf alle üblichen Bedenken und Moralvorstellungen mit einem Schlag über Bord. Er musste ganz einfach wissen, was Narzissa vor ein paar Minuten zu Papier gebracht hatte!
Kurzentschlossen zog Neville das Buch heraus und begann, den Eintrag zu lesen…..
.
.
.
Narzissas Tagebuch
07.11.2005
Seit dem letzten Eintrag ist viel Zeit vergangen.
Aber heute muss ich dieses Tagebuch nutzen, um das Chaos in meinem Kopf zu ordnen. Um meine Gedanken durch das Niederschreiben hoffentlich sortieren zu können.
Wo fange ich an?
Bei Neville, wo sonst.
Auror.
Groß, gutaussehend, intelligent. Als ob das alles wichtig wäre. Das hatte ich schon einmal. Und leide noch immer unter den Folgen.
Ein Mann, der zuhören kann.
Das ist neu.
Jemand, der MICH sieht hinter dieser eleganten Fassade. Der mir zuhört, mich wahrnimmt, mit mir spricht. Sich auch ohne Worte mit mir verständigen kann. Der mich versteht.
Und der mein Sohn sein könnte!
Es darf einfach nicht sein. Punkt. Da gibt es eigentlich gar nichts aufzuschreiben. Weil es ganz einfach unmöglich ist. Ein Unterfangen ohne Zukunft wäre das.
Was könnte er mit mir schon anfangen?
Er ist jung, er will sicher eine Familie. Kinder, Freunde, eine Frau in seinem Alter, die ihm das alles ermöglichen kann.
Ich habe ihn eingefangen mit meinen weiblichen Reizen, das war nicht fair ihm gegenüber. Beim Tanzen habe ich mich an ihn geschmiegt, meinen Augenaufschlag benutzt wie ein junges Mädchen. Wie konnte ich nur?
Dabei war doch spätestens nach dem Auftauchen von Menacio Moraless alles glasklar. Dieser hatte es schnell bemerkt, das stumme Einverständnis zwischen Neville und mir. Und es natürlich sofort als Drohmittel benutzt.
Eigentlich überflüssig, denn es steht sowieso fest: Es darf nicht sein und es wird nicht sein!
Ich merke, meine Niederschrift dreht sich genauso im Kreis wie meine Gedanken.
Was soll ich nur tun?
Ich muss ihn wegschicken. Ihm ist es sicher auch klar. Er darf seine Karriere nicht aufs Spiel setzen. Nicht wegen einer aussichtslosen Liebelei oder wie auch immer man das nennen will.
Gleich wird er aus der Dusche kommen, dann müssen wir uns darauf einigen.
Dass Schluss sein muss.
Schluss.
Schluss mit dem verständnisvollen Blick aus seinen offenen, hellen Augen.
Schluss mit diesem jungenhaften Lachen, das mich immer wieder angesteckt hat.
Schluss mit seinen zärtlichen Berührungen.
Wie kann er nur so anders sein?
So vollkommen anders als Lucius! Der mich genommen hat. Für sich. So, wie es ihm gerade gepasst hat. Wie er mich brauchte. Wie es ihm seine Lust gerade befohlen hat.
Neville….
Ich hätte nie gedacht, dass ein Mann so zärtlich sein kann! So einfühlsam und rücksichtsvoll.
Seine Küsse an meinem Hals, seine Hände auf meinem Körper, sein sanftes Näherkommen – das alles hat mich in einer Weise reagieren lassen, die mir vorher nie in dieser Intensität begegnet ist!
Er hat mich berührt, als stünde ICH im Vordergrund. Als ginge es um meine Bedürfnisse. Und dabei hatte ich stets den Eindruck, dass ihn das gar keine Mühe kostete, dass dies etwas ganz Natürliches für ihn war. Meine Lust miteinzubeziehen. Bis zum Ende. Bis zum WUNDERBAREN Ende!
Du meine Güte! Was schreibe ich denn da!
Ich muss damit aufhören. Aufhören, an ihn zu denken.
Das wird nicht möglich sein. Aber ich werde es versuchen müssen.
Die Dusche ist aus. Er wird gleich kommen. Ich muss mit ihm reden.
Ich muss das beenden, auch wenn es mehr weh tut als alles, was ich bisher getan habe. Doch es muss sein, ihm zuliebe. Er hat es verdient, eine echte Zukunft zu haben.
Er ist jung, er wird mich schnell vergessen.
Mir wird das nicht gelingen.
Doch was mir bleiben wird – neben allem Schmerz und Sehnen – ist die Erinnerung an diese eine Nacht….
.
.
.
