Hallo Mädels,

ist vielleicht doch gut, dass Neville in dem Fall ermittelt und nicht Ihr! Den ER weiß, wen er sich zu Hilfe holen kann!

Und dabei hatten wir doch extra das schöne Radio-Interview eingebaut. Tja, da habt Ihr Euch natürlich wieder mal ablenken lassen von der Kuss-Geschichte, statt auf die wichtigen Worte zu hören. Typisch! Kicher.

Bei Triflorifer ist natürlich auch die kleinste Kleinigkeit wichtig!

Aber gut. Hier also die Auflösung des Spürnasen-Rätsels. Es ist nicht Rita Skeeter!

Mir persönlich hat dieses Kapitel sehr viel Spaß gemacht! Ich hatte mich von Anfang an darauf gefreut, diese Begegnung zu schreiben. Natürlich mit tatkräftiger Unterstützung der anderen beiden Blüten.

Vielleicht habt Ihr ja auch ein wenig Freude daran.

Krimi voran! Go, Neville! Du schaffst das!

Ciao

Legi

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7.11.2005 10.00 Uhr

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Seine Schritte hallten unangenehm laut durch den langen, menschenleeren Gang der Universität. Noch ein paar Meter, dann stand Neville vor der gesuchten Türe und ärgerte sich, dass seine Handflächen feucht geworden waren. Seine Zeiten als ängstlicher Schüler waren doch nun wirklich lange vorbei!

Entschlossen hob er die rechte Hand und klopfte laut.

Ein paar Momente lang konnte er nichts hören außer seinem eigenen Atem, doch dann wurde die Türe schwungvoll aufgerissen.

Ein überraschter Blick aus dunklen Augen, bevor die Begrüßung folgte:

„Mister Longbottom! Was verschafft mir die Ehre?"

Neville versuchte, die Ironie in der Stimme seines Gegenübers nicht zu beachten. „Guten Tag, Professor. Ich komme in dienstlichem Auftrag zu Ihnen."

Snape verzog die Mundwinkel zu einem angedeuteten Grinsen: „Ich hatte auch nicht angenommen, dass Sie mich um eine private Nachhilfestunde in Zaubertränke bitten würden. Obwohl Ihnen das vermutlich nicht schaden würde!"

Da war es wieder, dieses altbekannte und so sehr verhasste Gefühl der Unterlegenheit. Keine Minute hatte es gedauert! Wieso schaffte es dieser Mann immer noch, ihn wie einen dummen Schüler dastehen zu lassen? Dabei hatte er sich doch vorgenommen, Rückgrat zu beweisen!

Immerhin hatte er sich an das Radio-Interview und den dort angepriesenen Kompass erinnert, und dieses Ding würde ihm nun helfen, seinen Fall zu lösen!

Neville schluckte und sprach dann mit fester Stimme: „Können wir in Ihr Büro gehen oder müssen wir uns hier auf dem Gang unterhalten?"

Snape schien einen Augenblick zu zögern, doch dann bat er ihn mit einer knappen Handbewegung ins Zimmer.

Das Büro hier an der Uni hatte nur wenig Ähnlichkeit mit seinem Arbeitszimmer auf Hogwarts. Natürlich durften die zahlreichen Gläser, Flaschen und Kessel nicht fehlen. Doch es gab auch moderne Messapparate, eine Schreibmaschine und mehrere Stühle, die darauf hinwiesen, dass er zeitweise mit anderen Forschern oder Studenten zusammenarbeitete. Überhaupt war das Büro viel heller und freundlicher eingerichtet, als Neville erwartet hätte.

Nun sah ihn Snape ungeduldig an: „Was wollen Sie? Meine Zeit ist kostbar!"

„Ich bin leitender Auror…"

„Gratulation!"

Wieso klang nur alles, was er sagte, so zynisch?

Ärgerlich fuhr Neville fort: „….im Mordfall Ginny Weasley. Sie haben vielleicht darüber gelesen."

Snape nickte. „Allerdings. Ein tragischer Verlust. Wann ist denn eigentlich die Beisetzung? Ich würde gerne teilnehmen."

Diese Frage brachte Neville aus dem Konzept. Er hatte schließlich nicht vor, ihm die fehlende Leiche auf die Nase zu binden!

"Ähm, ich weiß nicht. Ich glaube, es steht noch kein Termin fest."

Sein ehemaliger Lehrer blickte ihn nun aus kalten Augen an: "Gibt es auch irgendetwas, das sie wissen, Longbottom? Zum Beispiel, warum Sie hier sind?"

Fahrig mahnte Neville sich zum ruhigen Durchatmen.

"Ich habe das Radio-Interview mit Ihnen gehört. Sie sprachen von einem Kompass, mit dem man Personen auffinden kann."

So, jetzt war es raus. Nicht so geschickt an den Mann gebracht, wie er vorgehabt hatte, aber egal. Neville blickte gespannt ins Gesicht seines Gegenübers.

Snape hob eine Augenbraue an.

Kein gutes Zeichen!

„Ich verstehe. Meine Erfindung soll Ihre Unfähigkeit wettmachen und Ihnen Ihren Mördern auf dem Silbertablett servieren!" Snape legte provozierend den Kopf schief. Seine Stimme klang verdächtig sanft: „Da würde mich doch ÜBERAUS interessieren, wie Sie sich DAS vorstellen?"

„Darum geht es nicht, Sir!"

Mist! Warum hatte er ihn mit „Sir" angesprochen? Er hatte sich doch fest vorgenommen, ihm als gleichwertiger Mann gegenüber zu treten. Und nun stand er wieder wie ein Schüler vor ihm – wenn auch inzwischen auf gleicher Augenhöhe.

"Und um was geht es dann?" Snape grinste hämisch. "Haben Sie die Leiche verloren und alle Verdächtigen mit dazu?"

Neville hatte unwillkürlich genickt.

„Wie jetzt?"

„Äh... Die Leiche ist in der Tat verschwunden, Sir! Aus der Pathologie gestohlen!"

Das Geräusch, mit dem Snape die Luft einsog, ging Neville durch und durch.

„Das ist aber noch nicht alles, Sir!"

„Longbottom, Sie überraschen mich immer wieder aufs Neue! In ihrem Mordfall ist also tatsächlich die Tote verschwunden. Und was fehlt noch?" Snape zog die Augenbrauen hoch. „So wie sich das anhört, haben Sie weder Leiche noch Mörder. Ein voller Erfolg also, würde ich sagen!"

Neville fühlte, wie die Zornesröte ihm ins Gesicht stieg. Was bildete sich dieser Snape eigentlich ein! Als ob ER immer unfehlbar gewesen wäre!

Energisch entgegnete er: „Diese Vorfälle haben nichts mit meinen Fähigkeiten als Auror zu tun!"

„Natürlich nicht, kann ja jedem mal passieren", kam trocken der Kommentar seines ehemaligen Lehrers zurück: „Hören Sie auf herumzujammern, Longbottom! Ihren Fall müssen Sie schon selbst lösen. Lassen Sie sich zur Abwechslung mal etwas einfallen. Und stehlen Sie nicht MIR die Zeit, ich kann Ihnen nicht helfen!"

Die Tür sprang auf, ohne dass Neville überhaupt Snapes zu diesem Zweck gezückten Zauberstab bemerkt hätte.

Ein paar Augenblicke später fand er sich draußen im Gang wieder und blickte entsetzt auf die zufallende Türe.

Verdammt nochmal, warum hatte er sich klein kriegen lassen! Wieso hatte er es zugelassen, dass Snape so mit ihm umspringen konnte!

Neville atmete tief durch. Er musste sich sammeln. Sich konzentrieren und auf seine Stärken besinnen. Hatte er nicht bereits während seines letzten Schuljahrs dem Schulleiter Snape erfolgreich die Stirn geboten mit Dumbledores Armee?

Was war mit Nagini gewesen? Snape hatte den tödlichen Biss nur mit Müh und Not überlebt, aber er, Neville, hatte die Schlange schließlich zur Strecke gebracht! Und was war mit all den anderen Gelegenheiten, bei denen er als Auror der Gefahr ins Auge geblickt hatte?

Entschlossen legte er die Hand auf den kalten Metallgriff und öffnete die Tür. Snape, der gerade dabei war, sich an seinen Schreibtisch zu setzten, fuhr jäh herum: "Was wollen Sie noch? Ich habe Ihnen doch klar mitgeteilt, dass -"

"Dass ich mir etwas einfallen lassen soll. Und das habe ich." Diesmal war es Neville, der den Redefluss unterbrach.

Snape musterte ihn mit interessiertem Blick. "Nun bin ich aber gespannt!"

"Es ist ganz einfach. Da Sie sich weigern, mir den Kompass zu überlassen, werde ich ihn in meiner Eigenschaft als Auror beschlagnahmen."

Alle Unsicherheit war mit einem Mal von Neville gewichen. Er hatte keine Ahnung, woher diese plötzliche Entschlossenheit kam. Aber es fühlte sich verdammt gut an, diesem Mann, seinem ehemaligen despotischen Lehrer, so kämpferisch entgegen zu treten:

"Wollen Sie es wirklich darauf ankommen lassen, Snape?"

Eine ärgerliche Stirnfalte war in dessen Gesicht erschienen. "Das würde Ihnen zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts bringen, Longbottom! Sie könnten mit dem Gerät schlicht nichts anfangen!"

Snape hatte die Arme vor der Brust verschränkt und den altbekannt drohenden Ton in seine Stimme gelegt: „Wenn Sie sich nicht noch mehr blamieren wollen, sollten Sie von diesem Vorhaben Abstand nehmen. Der Kompass ist noch lange nicht einsatzbereit, wir stecken noch in den Anfängen der Entwicklung."

Doch Neville hatte inzwischen gelernt, sowohl Drohgebärden zu erkennen, als auch Lügen als solche zu enttarnen. "Professor Snape, ich kenne Sie schon seit ein paar Jahren. Und es würde mich wirklich sehr wundern, wenn Sie tatsächlich über eine Erfindung im landesweiten Radio berichteten, die noch nicht funktioniert."

Das saß.

Snape stand ein paar Sekunden stumm da. Nur seine Lippen zogen sich ein wenig zusammen.

Er schien mit sich zu kämpfen.

„Das Gerät wurde bis zur Stunde erst vier mal eingesetzt. Drei mal ohne Erfolg! Können Sie das riskieren? Ich nicht!"

„Fünfundzwanzig Prozent?" Neville hatte die Arme gehoben und nickte heftig. „Das ist besser als nichts! Wir müssen alles versuchen!"

„Das ist Wahnsinn, Longbottom!" Snapes Mund war verächtlich verzogen. „Diese sogenannten fünfundzwanzig Prozent beziehen sich auf einen einzigen erfolgreichen Testdurchlauf. Der könnte schlicht Zufall gewesen sein!"

„Dann werden wir jetzt dieses verdammte Ding ein fünftes Mal testen!" Neville war einen Moment versucht, selber vor seiner energischen Stimme zurückzuweichen. Doch dann straffte er sich: „Das ist immerhin eine echte Chance!"

Snapes abfällig schnaubendes Lachen jedoch ließ Neville automatisch ein Stückchen kleiner werden. „Die Aurorenzentrale scheint phantastisch strukturiert zu sein, wenn DAS eine echte Chance sein soll!"

Neville musste sich mit aller Macht auf seine folgenden Worte konzentrieren: „Entweder Sie helfen mir oder ich mach das alleine. Auf alle Fälle wird der Kompass eingesetzt!"

„WENN Sie den Kompass verwenden, DANN aber ausschließlich zu meinen Bedingungen!"

Ja! Neville hatte ihn! Snape hatte nachgeben! Dass das kampflos ablaufen würde, damit hatte Neville auch gar nicht gerechnet.

Seine Zufriedenheit verbergend, fragte er mit ernster Miene: "Und die wären?"

Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort. "Ich brauche noch ein paar Stunden Zeit, um die letzten Kalibrierungen vorzunehmen. Außerdem existiert bisher nur ein einziger Prototyp, den werde ich natürlich nicht aus der Hand geben. Sie müssen also mit meiner Anwesenheit bei ihren Ermittlungen Vorlieb nehmen."

Auch das noch!

Aber es führte wohl kein Weg daran vorbei. Nur Snape konnte den Kompass fachgerecht verwenden, also würde Neville diesen am Hals haben, wenn er sich der neuartigen Technik bediente.

Er nickte. "Einverstanden."

„Was suchen Sie denn jetzt eigentlich?" Schon klang Snape wieder sehr von oben herab: „Mörder? Leiche? Oder Beides?"

„Wir suchen meine Kollegin Hermine Granger." Neville genoss, wie sein selbstironisches Grinsen Snapes höhnisches Auflachen im Keim erstickte. Das schrie nach einer Steigerung:

„Aber keine Sorge, mein Kopf ist immer noch angewachsen!" Übergangslos fuhr er fort: „Wann soll ich wieder hier sein?"

Ein voller Erfolg! Snape benötigte allen Ernstes zwei volle Sekunden, ehe er in gewohnter Manier erwidern konnte:

"Heute nachmittag um drei. Und - Mister Longbottom - Seien Sie pünktlich!"

Nevilles Stimme klang zackig: „Selbstverständlich, Sir!"

Er grinste zufrieden, während er sich zum Gehen wandte. DAS würde ihn nie mehr schrecken! Nie mehr würde er sich von diesem Mann verunsichern lassen!

Denn ER hatte gewonnen! Jetzt würde er alles hinkriegen, denn ER hatte es geschafft!

ER würde Snapes wohlgehüteten Kompass zum Einsatz bringen, damit Hermine finden und diesen ganzen verzwickten Fall lösen!

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Ein Traumpaar, die beiden, oder? Hihi. *Hände reib*

Bis bald, Ihr habt noch einmal das zweifelhafte Vergnügen mit Neville, dann ist endlich mal wieder Feuerbohne dran.

Legilimens

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