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Taa taaaa taaaaa taaaaaaaaaaaa!
Großer Tusch!
Die Lichter gehen aus, der Chefsteward schleppt die Eistorte samt Wunderkerzen herein.
Stille im Saal. Alle Augen gespannt auf den einzigen beleuchteten Tisch. Nur ein Spotlight, das einen einsamen Umriss beleuchtet. Oder sitzt daneben noch eine Gestalt?...
Dann klopft ein Finger auf Mikro. Rückkopplung. Ein schrilles Pfeifen. Endlich funktioniert die verzwickte Technik und wir hören die ergriffene Stimme des Ansagers.
„Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen heute mitteilen, dass das Geheimnis um den sagenumwobenen „Rattenmord" endlich gelüftet wurde!"
Ein Raunen geht durch die Menge, erstaunte Ausrufe, ungläubige Gesichter.
Das Rascheln von Papier. Ein Umschlag wird von zitternden Händen langsam und umständlich geöffnet.
„Der Name der Person, die das Mysterium um den tragischen Tod der jungen Ginny Weasley als erste einwandfrei gelöst hat, lautet:
Ein energisches Auffalten des geknickten Papiers…..
„MEL-ONE!"
Ein Finger streckt sich zaghaft in die Höhe. „Aber Crumplette hat auch mitgeholfen…"
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Liebe Mel-One, liebe Crumplette
allerherzlichsten Glückwunsch auch von mir, Legi! Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, Dir bzw. Euch beiden zu gratulieren und hole das hiermit nach.
Ihr seid suuuuuper!
Alles wunderbar abgeleitet, Hut ab!
Ihr könnt Euch jetzt entspannt im Sessel zurücklehnen, ein Eis lutschen und den Rest der Kapitel genießen. Während alle anderen nun umso fleißiger weiter raten müssen.
Denn Ihr habt den Beweis geliefert: Rattenmord kann gelöst werden!
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Also, nix wie her mit Euren Vorschlägen!
Wer ebenfalls auflösen möchte, sollte das bitte PER MAIL tun, denn dann bleibt den anderen noch länger der Spaß.
Nichts wie ran ans nächste Kapitel….
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Ein extra-Dank übrigens an unseren Betaleser Meriva, der sogar in seinem Urlaub noch eifrig die letzten fehlenden Kapitel korrigiert hat. Thanx a lot!
Und natürlich an die vielen fleißigen Reviewer – die BESTEN, die es überhaupt bei ff-Stories geben kann! Ich hab zumindest nur selten so lange und arbeitsaufwändige Kommentare gesehen!
Legi
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7.11.2005 15.00 Uhr
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„Na immerhin sind Sie pünktlich, Mr. Longbottom." Snape öffnete die Bürotür und setzte sich anschließend gleich an den Arbeitstisch.
Neville ließ sich durch die grummelige Begrüßung nicht einschüchtern und antwortete seinerseits mit einem munterem „Ihnen auch eine schönen Nachmittag, Professor."
Neugierig trat er an den Tisch heran und musterte das runde Objekt, an dem Snape gerade herumdrehte.
Das war also der berühmte Kompass?
Sah eigentlich recht unspektakulär aus: Ungefähr so groß wie sein Rufspiegel, aus mattem Metall und in der Mitte mit einer durchsichtigen Scheibe samt roter Nadel versehen. Nur die Himmelsrichtungen fehlten, sonst hätte man den Apparat für ein profanes Pfadfindergerät halten können.
Sein ehemaliger Lehrer hatte inzwischen den Glasdeckel geöffnet. „Ich gehe davon aus, Sie haben genügend Haare von Miss Granger dabei?"
„Natürlich." Neville öffnete seine Umhängetasche und zog die Metallbox heraus, die er aus der Asservatenkammer des Aurorenbüros geholt hatte. Dann entnahm er einen versiegelten Plastikbeutel mit der Aufschrift `H. /Fall 151109 WEASLEY`.
Er riss den Beutel auf und wollte gerade hineingreifen, als eine vorwurfsvolle Stimme ihn anfuhr:
„Dafür nimmt man einen Zauberstab!"
Snape zog seinen Stab und transferierte die Haare auf magische Weise unter die offen stehende Glasscheibe des Kompasses. Vorsichtig klappte er den Deckel zu, während das Gerät leicht zu vibrieren begann.
Neville hielt die Spannung nicht mehr aus. „Und? Funktioniert es? Können Sie sehen, wo Hermine versteckt ist?"
Die Antwort war ein verächtliches Schnauben. „Wie stellen Sie sich das vor? Das hier ist keine Glaskugel und ich bin nicht Professor Trelawney! Das Gerät zeigt natürlich nur die Richtung an, in der die vermisste Person zu finden ist."
Der Kompass tanzte nun zappelnd auf dem Tisch herum. Dann blieb er plötzlich stehen, während die Nadel sich schnell im Kreis drehte.
Aufgeregt blickte Neville von dem Gerät hoch. „Was bedeutet das jetzt? Hat er eine Spur?"
Doch er musste mit Entsetzen feststellen, dass Snape den Kopf schüttelte. „Tut mir leid, aber ich kann Ihnen allem Anschein nach nicht weiterhelfen."
Neville polterte los: „Was soll das heißen? Ich dachte, Sie haben den Kompass in den letzten paar Stunden noch eingestellt? Er muss doch jetzt funktionieren?"
Snapes berüchtigte Stirnfalte erschien zwischen dessen Augen: „Mit dem Kompass ist alles in Ordnung. Aber er verfügt nur über einen begrenzten Einsatzradius. Ist die verschwundene Person mehr als hundert Meilen entfernt, kann sie nicht aufgespürt werden."
Na toll.
Neville ließ die Schultern hängen.
Snape und sein Kompass waren seine letzte Hoffnung gewesen, Hermine schnell zu finden!
Jetzt blieb ihm wohl nichts anderes übrig als doch nach Kontaktpersonen von Lucius zu - ….
Moment mal!
„Professor, versuchen wir es doch mal mit den Haaren von Lucius Malfoy! Wir gehen zwar davon aus, dass er ins Ausland geflohen ist, aber man weiß ja nie."
Mit skeptischer Miene blickte Snape ihn an. Er schien einen Moment zu überlegen, dann nickt er knapp. „Also gut. Geben Sie mir eine seiner blonden Engelssträhnen!"
Gesagt, getan.
Ein paar Augenblicke später fixierten sie beide wieder die Glasscheibe des Kompasses. Das Gerät setzte erneut zu einem wilden Tanz ein, um dann einen Moment später starr liegen zu bleiben. Die Nadel führte unbeirrt ihre eiligen Runden fort.
„Mist!" Neville zweifelte langsam daran, dass der Kompass überhaupt funktionierte.
Hermine musste einfach noch irgendwo hier sein! Niemals würde es Malfoy gelingen, sie so lange unbemerkt in seiner Gewalt zu halten, nicht eine fähige Aurorin wie sie! Das sagte ihm sein Gefühl ganz sicher!
Ob Snapes Apparat nicht doch ein Totalausfall war?
Ärgerlich platzte er heraus. „Wer weiß, ob dieses Ding da überhaupt irgendwas anzeigt! Wahrscheinlich könnte man da Haare von einer überfahrenen Katze einlegen und die Nadel würde genauso herumtanzen!"
Snape streckte das Kinn ein wenig nach vorne und setzte die bekannte Miene des unfehlbaren Lehrers auf: „Mister Longbottom, ich versichere Ihnen, dass der Kompass inzwischen einwandfrei arbeitet! Schließlich habe ich den halben Tag damit verbracht, ihn zu justieren und zu testen. Zu ihrer Frage: Die Vibrationen sagen aus, dass eine Verbindung zum Inhaber der Haare hergestellt wurde. Durch die Drehung der Nadel kann ich zweifellos feststellen, dass sich die gesuchte Person außerhalb des Radiuses aufhält."
Der ruhige Tonfall seines potentiellen Partners versetzte Neville nun endgültig in Rage: „Ja wunderbar! Hauptsache, Sie sind aus dem Schneider! Ich glaub immer noch, dass Hermine in der Nähe ist und wir sie retten können! Egal was Ihr Kompass sagt! Der würde wahrscheinlich auch herumhüpfen, wenn wir Ginnys Haare einspannen!"
Das konnte Snape nun offenbar nicht auf sich sitzen lassen: „Wenn sie darauf bestehen, Herr Schlauberger, kann ich Ihnen gerne vorführen, dass mein Kompass sehr wohl unterscheiden kann! Wir müssten allerdings Proben einer Leiche haben! Oder haben Sie so etwas stets bei sich als Auror?"
Das arrogante Grinsen würde ihm gleich vergehen!
Neville wühlte kurz in der Box und zog dann triumphierend ein Tütchen heraus.
Snapes Gesichtszüge erstarrten. Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass Neville tatsächlich ALLE Proben aus dem Weasley-Fall mitgebracht hatte.
Doch er fing sich schnell.
„Also gut, nehmen wir Dr. Weasleys Haare, dann werden Sie sehen, dass die Reaktion bei einer Leiche eine völlig andere ist! Da gibt es keine kreisende Nadel und keine Vibrationen!"
Wieder starrten zwei Augenpaare auf den Kompass, nachdem Snape diesmal ein paar von Ginnys roten Haaren darin versenkt hatte.
Nervös kaute Neville auf seiner Unterlippe herum.
Da!
Verdammt noch mal!
Snape hatte tatsächlich recht gehabt! Der Kompass begann weder zu vibrieren, noch auf dem Tisch herum zu hüpfen.
Stattdessen gab er nur ein leises Brummen von sich. Die Nadel zuckte nur einmal kurz und zeigte dann bewegungslos nach rechts unten.
Enttäuscht begann Neville, seine Sachen zusammen zu packen. Er würde sich etwas anderes einfallen lassen müssen, daran führte kein Weg vorbei. Vielleicht sollte er sich doch noch einmal Moraless vorknöpfen und auch alle anderen Geschäftspartner von Malfoy.
Er seufzte und wandte sich wieder Snape zu. „Trotzdem vielen Dank für den Versuch, Professor!"
Dann erst bemerkte er dessen Miene.
Snape fixierte noch immer fasziniert den Kompass, sah dann mit ernstem Blick kurz zu Neville auf und meinte: „Ich hol nur meinen Umhang."
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Fünf Minuten später verließen sie den Campus der magischen Universität durch den versteckten Ausgang am Waterloo Bahnhof. Snape trug den Kompass in der rechten Hand und zeigte mit dem Arm nach links. „In diese Richtung müssen wir". Dann marschierte er energisch los.
Neville war immer noch durcheinander und hatte deshalb ein wenig Mühe, Schritt zu halten. „Sie wussten also gar nicht, dass Ihr Kompass auch Leichen aufspüren kann?"
Snape hatte den Blick weiter auf das Gerät gerichtet. „Das war nie Schwerpunkt unserer Forschungen, wie Sie sich sicher denken können."
„Ich bin wirklich gespannt, wo sich Ginnys Leiche jetzt befindet. Und vor allem – wer sie gestohlen hat! Sicher hat es irgendetwas mit ihren Untersuchungen zur Rattenpest zu tun."
Als sie um die nächste Hausecke bogen, tauchte rechts die Silhouette des London Eye auf.
Entsetzt fragte Neville: „Wir müssen doch nicht in diese Richtung, oder? Der Mörder wird die Leiche doch nicht zu diesem Riesenrad geschafft haben?"
„Reden Sie keinen Unsinn, Longbottom! Die Nadel zeigt viel weiter nach Westen."
Neville blieb überrascht stehen. „Aber da ist die Themse!"
Mit ungeduldiger Miene blickte sich Snape zu ihm um. „Ich komme zwar nicht aus London und bewege mich eher selten in der Muggel-Stadt, aber das ist sogar mir klar! Wir werden also auf die andere Seite apparieren müssen."
Aufgeregt schüttelte Neville den Kopf. „Keine Chance! Auf der anderen Seite sind die Houses of Parliament und der Big Ben, da wimmelt es doch nur von Touristen! Wir können da nicht einfach auftauchen!"
„Was schlagen Sie also vor, Mister Longbottom?"
Neville deutete mit dem Arm in Richtung Fluss. „Die Westminster Bridge, was sonst!"
In seiner Eigenschaft als Auror war er oft genug auch im Muggel-London unterwegs und kannte sich inzwischen in beiden Welten gut aus. Gerade in den letzten paar Jahren hatte er es oft genossen, sich in den Parks der City aufzuhalten, in einer der zahlreichen Galerien herumzuschlendern oder die typische Architektur in versteckten Seitengassen zu genießen.
Doch heute hatte Neville nichts übrig für den wunderbaren Ausblick auf die von der Herbstsonne bestrahlte Silhouette am anderen Ufer. Im Gegensatz zu den zahlreichen Touristen, die sich ebenfalls auf den schmalen Gehsteigen der Brücke tummelten und immer wieder ihre Fotoapparate zückten.
Snape machte einen verärgerten Eindruck. „Hier kommt man ja gar nicht weiter!"
Und wieder mussten sie einen Bogen um ein paar laute amerikanische Teenies machen, die sich offenbar alle gegenseitig vor dem Big Ben-Panorama ablichten wollten.
Neville lächelte. „Drüben wird es besser."
Er fand es seltsam, dass Snape sich hier so gar nicht auszukennen schien. Also schlug er einen nebensächlichen Ton an und fragte: „Sie sind also nicht in London aufgewachsen?"
„Nein, ich komme aus Nord-England.", kam es prompt zurück.
„Hört man gar nicht!"
Diesmal erntete Neville als Erwiderung nur einen mahnend-vorwurfsvollen Blick.
O.k., auf Small-talk lief das hier wohl nicht hinaus. Besser dienstlich bleiben!
Endlich hatten sie sich durch die Menschenmenge gekämpft und passierten die Churchill-Statue. Neville wagte einen vorsichtigen Blick auf den Kompass. „Die Nadel zeigt ja immer noch fast schnurgerade in diese Richtung!" Er deutete mit entsetzter Miene geradeaus nach vorne.
„Und? Wo ist das Problem?"
Erkannte Snape das tatsächlich nicht?
Neville räusperte sich kurz. „Ähm, kann man denn feststellen, wie weit wir vom Zielort entfernt sind?"
„Nun ja, aufgrund des Summtons würde ich sagen, nicht mehr als zwei bis drei Meilen, vielleicht auch noch weniger."
Erschrocken blieb Neville stehen. „Aber Professor, wissen Sie denn nicht, was da vorne kommt? Wenn man genau in diese Richtung `ne Meile weitergeht?"
Snapes angehobene Augenbraue zeigte, dass er dieses Mal tatsächlich unwissend war. „Nun machen Sie nicht so einen Aufstand, Longbottom, was soll da schon sein?"
Neville schluckte.
Dann sah er Snape mutig in die Augen und antwortete: „Nichts Besonderes. Nur der sogenannte Buckingham Palast, Sir!"
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An dieser Stelle wird es Zeit, ein hartnäckiges Gerücht aus der Welt zu räumen. Manche Leute behaupten tatsächlich, ich wäre letztes Jahr nach London geflogen, um Alan Rickman im Theater zu sehen und ein paar Worte mit ihm zu wechseln.
Völliger Blödsinn! Das war alles nur Tarnung! In Wirklichkeit war das natürlich reine Recherche für Rattenmord!
Das versteht Ihr doch jetzt, oder?
Grins
Legi
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