KAPITEL 09 – Verräter in den eigenen Reihen
13000 Meilen über dem atlantischen Ozean, 06:30h
„Mr. Vice President, die Geheimdienstleiter verlangen umgehend eine Videokonferenz. Soll ich sie durchstellen?"
„Alle Geheimdienstleiter?"
„Nun, Sir, es handelt sich um das FBI, den CIA, das DOD und einer Anti-Terror-Einheit."
„Gut, stellen Sie sie durch. Sichere Leitung mit der Priorität Beta."
Er drehte sich um und blickte den verantwortlichen Agenten ins Gesicht.
„Nun, worum geht es, Gentleman?"
Ein hagerer, kurzhaariger Mann trat vor und schluckte. Beim Loseziehen musste er wohl verloren haben.
„Sir, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika heute gegen knapp 5 Uhr morgens ein Anschlag verübt wurde. Er liegt nun bewusstlos und nahe dem Koma im Bethesda Militärkrankenhaus."
Der Vize-Präsident schluckte und holt tief Luft.
„Ein Anschlag, sagen Sie? Wird er es überleben?"
„Die Ärzte sind sich nicht sicher, Sir."
Er musste sich umdrehen.
Die Geheimdienstleiter dachten wohl, er müsste erst einmal seine Fassung wieder erlangen, doch in Wirklichkeit lächelte er.
Endlich würde dieser selbstverliebte Trottel von Präsident sterben. Und er würde ins weiße Haus ziehen können.
Davon träumte er schon lange, vor allem wollte einmal in seinem Leben das Oral Office live sehen und auch ein paar schöne Dinge dort mit seiner Frau anstellen…
Er schüttelte seinen Kopf, legte eine trauernde Miene auf und drehte sich wieder zum Bildschirm.
„Aber dass war nicht alles, oder?"
Nun sprach der Leiter des CIA.
„Nein, Sir. Weiterhin haben wir eine nukleare Terrorbedrohung, die sich in diesem Moment wohl für den ersten Anschlag vorbereitet und soeben wurde vor dem Bethesda Krankenhaus die Familie Mayfert entführt."
Der Vize-Präsident keuchte.
„Um es kurz zu machen, Gentleman, Sie halten mich auf dem Laufenden und ich soll Ihnen Vollmachten geben?"
„Ja, Sir."
„Warum sollte ich Ihnen jetzt noch groß vertrauen? Das FBI hat damals zu Weihnachten 2009 versagt, der CIA hat eine lange Geschichte voller Pleiten und Rückschläge, um nur wenige zu nennen: Die fast völlige Vernichtung des CIA in den Jahren 1975/1976, all die misslungenen Attentate und dann noch damals der außenpolitische Skandal, als ein CIA-Agent Friedensgespräche mit dem Irak führte…
Der DOD hat versagt, was die Bewachung seiner Hochsicherheitsgefängnisse angeht und sämtlich Anti-Terror-Einheiten hatten am 11.09.2001 versagt. Nennen Sie mir einen guten Grund, warum ich Ihnen nun derartige Vollmachten geben sollte!"
Es herrschte kurz betretenes Schweigen, dann erhob sich eine Person, die bisher im Schatten geblieben war und wandte sich dem Vize-Präsidenten zu.
„Nun, Sir dafür gibt es zwei gute Gründe."
Der Mann war schon etwas älter und konnte daher auch einen, wie er fand, rüpelhafteren Ton anwenden.
„Der Erste wäre der, dass Sie sonst für den Tod von über 50 Millionen Opfer mitverantwortlich wären und zweitens, dass ihr eigener Sicherheitsdienst Sie jetzt festnehmen müsste, wegen Akzeptanz von Terrorismus in den Vereinigten Staaten von Amerika. Also, Sir, sind wir uns einig?"
Ein nervöses Zucken seiner Augenlider begleitet sein nervös heraus gequetschtes „Ja".
Er drückte einen roten Knopf auf dem Tisch und die Videoübertragung endete.
„Lassen Sie mich für ein paar Stunden allein. Ich brauche jetzt Ruhe und etwas Zeit zum Nachdenken."
Die beiden Sicherheitskräfte nickten und verließen das Arbeitszimmer.
Als sich die Tür hinter ihnen schloss, trank der Vize-Präsident lächelnd einen großen Schluck Scotch…
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