KAPITEL 19 – „Vanishing Process"
Der Schmerz war zu viel für sie.
Er drang in ihren Kopf und in ihr pochendes Herz.
Schmerz. Unheilbarer Schmerz. Endgültiger Schmerz.
Alles wurde grau, Tränen liefen über ihre zarten Wangen.
Und mit einer abschließenden Sekunde schloss sie die Autotür und stellte den Motor an.
Sie machte es sich bequem und lächelte.
Und tatsächlich, der Schmerz ließ nach. Ihre Lider schlossen sich und ihre Welt wurde das erste Mal in ihrem Leben wieder richtig farbenfroh und so warm.
Ein wohliger Schauer lief über den Rücken.
Ihr Lächeln wurde breiter und sie fühlte sich wohl.
Sie ließ los, sie ließ das irdische Leben los und war bereit in ein besseres, weit angenehmeres Leben über zu gehen.
Sie wollte ihr Schicksal besiegeln und ihr Wille hatte sie schon vor Monaten verlassen.
Und dann wurde alles weiß in ihrem Kopf und eine Stille machte sich breit.
Eine angenehme Ruhe.
Ein Traum. Ein Wunder. Das Leben…
Doch plötzlich wurde alles wieder grau und an ihren Armen und Beinen wurde gezerrt. Sie hörte Stimmen.
Wo war die Ruhe?
„Wir haben Sie!"
„Mrs. Largo, Sie sind jetzt in Sicherheit."
Sie wusste nicht, wer da gerade mit ihr sprach. Doch eines wusste sie genau, nämlich, dass dieser Jemand soeben ihr Leben zerstört hatte.
„WARUM HABEN SIE DAS GETAN? WARUM LASSEN SIE MICH NICHT STERBEN? BIN ICH ETWA SOGAR ZU UNWÜRDIG ZUM STERBEN? HÄ!? WARUM NUR? WARUM? Ich war gerade so glücklich und SIE mussten ja alles kaputt machen, ich hasse Sie!!!"
Sie nahm das Etwas, was neben ihr lag und warf es nach dem Unbekannten.
Dann brach sie auf der Straße zusammen und weinte.
Sie weinte, wie sie es noch nie getan hatte.
Ihr alter Schmerz war verschwunden, doch ein neuer, noch viel größerer Schmerz hatte sie erfasst.
Ein Schmerz, der so schlimm war, dass sie es nicht aushielt.
Ihr Körper fing an zu zucken und als sie merkte, dass sie schlussendlich doch noch in ein besseres Leben über gehen konnte, kam ihr Lächeln wieder.
Und in den letzten Sekunden, bevor sie starb, lachte sie herzhaft.
Ein herzhaftes, lautes, unschuldiges Lachen.
Und mit einem breiten Lächeln auf ihrem Gesicht, verschied sie.
Ihre Seele war erlöst von allen irdischen Problemen, erlöst von dieser schrecklichen, menschenfeindlichen, ungerechten, verdammten Welt.
Helen Largo war glücklich, auch wenn man es ihrer leblosen Hülle nicht mehr ansehen konnte.
Sie war endlich glücklich…
Glücklich.
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