KAPITEL 28 – No More Sorrow
New York City, 08:04h
Gerade wurde der letzte Blutfleck von der asphaltierten Straße entfernt, als auch schon wieder das permanente und laute Hupen der Autos ertönte.
Die Türen des Krankenwagens schlossen sich und verbargen die Leiche von Walter Senkler in ihrem Inneren. Sein Gesicht war entstellt von Narben und herunterhängenden Hautfetzen. An manchen Stellen fehlte die Haut sogar komplett.
Der junge Assistenznotarzt, der neben der Leiche im Krankenwagen saß, musste würgen. In seiner bisherigen Zeit als Assistenznotarzt hatte man ihn nie auf etwas Derartiges vorbereitet. Er wollte seinen Blick abwenden, doch er konnte nicht. Irgendetwas zog seinen Blick auf sich an diesem Körper. Etwas faszinierte ihn. Selbst schon, als ihm diese Tatsache bewusst wurde, kam ihm sein Mittagessen fast wieder hoch.
Auch auf seiner Brust hatte der Mann schwere Verletzungen. Kaum zu glauben, dass ein einfaches normales Auto sowas etwas hervor rufen konnte…
Der Arzt, der auf der anderen Seite saß, folgte dem Blick seines Assistenten und entdeckte die Wunden auf der Brust des Toten mit einem entsetzten Ausdruck auf seinem Gesicht. Es kam nicht alle Tage vor, dass ihn Verletzungen schockierten, doch diesmal war es soweit.
Als er sie jedoch genauer betrachtete, keuchte er. Erschrocken hob er seinen Blick wieder und starrte seinen jungen Helfer in die Augen. Dieser schreckte zurück, als er den Ausdruck in seinen Augen sah… Horror. Blankes Entsetzen. Furcht.
„Was ist los?"
„Andrew, erkennst du denn nicht, dass dieser Mann brutal gefoltert wurde!"
„WAS!"
Andrews Augen weiteten sich vor Schock.
Doch er kam nicht mehr dazu, etwas zu sagen, da der Krankenwagen scharf bremste. Fast hätte es sie beide gegen die Türen geschleudert, doch die Sicherheitsgurte verhinderten das. Ohne ihnen Zeit zu lassen, sich zu beruhigen, hörten sie einen leisen Knall und noch in der gleichen Sekunde wurden die Türen des Wagens aufgerissen und die beiden von vermummten Leuten mit Waffen heraus gezerrt.
Als sie auf den Boden gedrückt wurden, konnte der Arzt einen Blick in den Seitenspiegel werfen und…
Er keuchte. Der Fahrer hatte ein Einschussloch in der Stirn und sein linker Arm hing leblos aus dem Fahrerfenster. Doch er schluckte seine Trauer herunter, im Moment hatte er andere Sorgen.
„Wer… Was?"
Der Arzt brachte keinen vernünftigen Satz mehr zustande, so geschockt war er von dem, was gerade passierte.
Dann richtete einer der Männer sein Maschinengewehr auf die beiden Ärzte und hielt sie in Schach während seine Kumpel die Leiche aus dem Krankenwagen holten und sie in einen schwarzen, nicht gekennzeichneten SUV verfrachteten. Einer der Männer gab seinem Kollegen ein Zeichen zum Aufbruch. Der Mann fackelte nicht lang. Er drückte den Abzug herunter und im nächsten Moment hagelte es Kugeln. Mehrere Kugeln trafen den arzt in den Kopf und die Brust, er war sofort tot. Andrew schrie auf.
„NEIN!"
Und dann kamen die Kugeln auf ihn zugeflogen…
Sie bewegten sich wie in Zeitlupe. Langsam und anmutig vollführten die Kugeln ihre Drehungen und kamen Drehung für Drehung näher…
In diesen Bruchteilen einer Sekunde schloss er seine Augen und hob den Kopf. Er wusste nicht, warum er seinen Kopf hob, aber viel Zeit zum Überlegen hatte er ja auch nicht. Nicht wirklich.
Dann wurde sein Körper nach hinten gestoßen, als mehrere Aufpralle ihn trafen. Noch bevor er den Boden berührte, war er tot…
Dann schlug er auf dem Asphaltboden auf und Blut spritzte auf die Straße.
Einer der Männer spuckte dem jungen Assistenzarzt ins Gesicht und warf ein Streichholz in das mit Öl getränkte Innere des Fahrzeugs.
Wenige Sekunden später war der schwarze SUV verschwunden und der Krankenwagen brannte lichterloh…
