Das ich jemals mit so einer Sahneschnitte zusammen sein würde hätte ich nie gedacht.
Ich bin schon immer ein Typ gewesen, der kein Blatt vor den Mund genommen hatte. Schon in früher Kindheit hatte ich immer gesagt was ich dachte. Genau das hatte meine Eltern immer wieder peinlich berührt. 'Man hätte das auch anders formulieren können', hatte meine Mutter mich immer wieder ermahnt.
Doch ich zuckte jedes Mal nur mit den Schultern. Ich hatte diesen formellen Blödsinn nie verstanden. Warum sollte man auch nicht genau das sagen dürfen, was wahr war und vollkommen klar auf der Hand lag?
Wenn ein Mädchen so hässlich wie die Nacht war, dann sagte ich ihr: 'Hey, du bist hässlich wie die Nacht.'
Was brachte es ihr, wenn ich sie anlog und ihr etwas vormachte? Sie würde sich etwas darauf einbildenund ich hätte dann ein Problem. Da sie denken würde, dass ich sie mochte - was nicht der Fall war.
Also bevor ich dann den Stress hatte lautete mein Motto ganz klar: Lieber gleich sagen was Sache ist!
Klar hätte sie geheult. Klar würde sie mich nie wieder ansehen oder irgendetwas fragen. Aber genau das wollte ich ja damit erreichen. Wenn jemand nicht die Wahrheit ertragen konnte, dann konnte er mich auch nicht ertragen.
Ich lebte in einem Umfeld, wo die Wahrheit nicht zum guten Ton gehörte. Hier ging es nur ums Lügen und Betrügen. Und wer kein guter Lügner und Betrüger war, wurde ausgegrenzt. Mir hätte es überhaupt nichts ausgemacht, wenn sie mich ausgegrenzt hätten, dadurch wäre mein Leben bedeutend leichter und angenehmen gewesen.
Doch da meine Eltern eine ziemlich hohe Stellung in der Gesellschaft von Tennesse inne hatten, konnten die Leute mich weder ignorieren oder ausgrenzen.
Fast jeden Abend empfingen wir Besucher - meist Geschäftsleute meines Vaters oder die Country-Club Freundinnen meiner Mutter.
Und jedes Mal musste ich dabei sein.
Als kleines Dankeschön von meiner Seite aus, verhielt ich mich so direkt wie möglich um wenigsten ein bisschen Stimmung zu machen und Vergnügen an diesen spießigen Abenden zu haben. Meine Mutter ermahnte mich zwar jedes Mal auf neue, aber wenn die Gäste da waren konnte sie sowie so nicht eingreifen.
Das wäre nicht geziemend genug.
Mit meinem achtzehnten Lebensjahr wurden diese Abende ausweitet zu: "Bring deine - hässlichsten und widerlichste - Töchter mit und er kann sich dann eine als Frau aussuchen"-Parties.
Diese waren deshalb so grausam, da sie fast die ganze Nacht liefen, da die Damen - wenn man sie so überhaupt bezeichnen konnte - keine Anstalten machten früh zu gehen. Deshalb war ich schon ganz froh, dass diese nur am Wochenende statt fanden.
Keine von diesen dümmlichen, vermessenen, egozentrischen, abgezerten, übermalten Frauenzimmern bekam mehr von mir als ein sehr angestrengtes und aufgesetztes Lächeln zur Begrüßung. Ich konnte nur froh sein, dass noch ein Paar "Junggesellen" mehr anwesend waren.
Es waren die Brüder der heiratswilligen Meute und einer davon war mein bester Freund Eric.
Wir standen immer zusammen und quatschten ganz offen über diese aufgetackelten Schranzen, die sich nicht trauten zu uns zu kommen. Eigentlich war es auch nicht Brauch, dass Frauen einfach so Männer ansprachen.
Hier in Tennessee waren Zeit und Sitten stehen geblieben, wie noch vor 100 Jahren. Wenn sich dann doch eine zu uns gewagt hatte, konnten wir sie sehr schnell durch eine kurze Bemerkung in Verlegenheit bringen. Sie verschwand wieder zu ihren Freundinnen und sah nicht besonders glücklich aus, während sie sich mit ihnen unterhielt und immer wieder verstohlen zu uns rüber lugte.
Fast zwei Jahre hatte ich diese eingebildeten Tanten ertragen müssen. Meine Mutter verzweifelte schier, da es unüblich war einen ledigen Sohn mit fast zwanzig zu haben. Ich amüsierte mich köstlich darüber und hoffte noch zu dieser Zeit, dass ich ein ewiger Junggeselle bleiben würde. Dafür standen die Chancen gar nicht mal so schlecht, bis ich kurz darauf ihr begegnete.
Sie war erst vor kurzem mit ihren Geschwistern hier her gezogen. Sie hatten ihre Eltern verloren und dabei ein Vermögen geerbt, das ihnen möglich machte das größte und abgeschiedenste Landhaus in der Gegend zu kaufen.
Als sie herein kam und sie sich uns vorstellte, hatte ich sie für ganz gewöhnlich gehalten. Sie reckte ihre Nase genauso weit in die Luft wie all die anderen bornierten Hühner. Sie hatte ebenso ein überdimensionales Kleid an wie all die anderen und hatte wohl ebenso zu weit ihren Kopf in die Puderdose gesteckt, denn ihre Haut war noch weißer als die der anderen. Ich musste innerlich lachen, da sie wohl vergessen hatte, die dunklen Augenringe abzudecken.
'Diese Frau toppt alle anderen. Zeit um sich zu schminken hat sie aber nicht um in den Spiegel zu sehen und zu schauen, ob es auch soweit passt', dachte ich mir.
Ich konnte es leider nicht laut zu Eric sagen, denn sie kam mit ihrem gelangweilt wirkenden Bruder auf mich zu - um sich beim Gastgebersohn vorzustellen.
"Mister McCarty, mein Name ist Edward Anthony Cullen", stellte er sich mit einer tiefen Verbeugung vor und zeigte - nachdem er sich wieder erhoben hatte - auf die Frau an seiner Seite. "Das ist meine Schwester Rosalie Lilian Hale." diese verbeugte sich mit einem tiefen Knicks. Schaute mir allerdings dabei direkt und tief in die Augen.
Ihr Blick war alles andere als gewöhnlich. Er war einmalig. Solche goldenen und ausdrucksstarken Augen hatte ich noch nie bei einer Frau gesehen. So kraftvoll und aggressiv. Voller Leben und Leidenschaft. Sie war eine Kämpferin. Dieser Umstand imponierte mir sehr.
"Hoch.. hoch erfreut...", stammelte ich nur heraus. Den Blick auf mir haltend - erhob sie sich und ging mit ihrem Bruder weiter zu meinen Eltern um sich ebenfalls bei ihnen kurz vorzustellen. Nach dieser Förmlichkeit begaben sie sich ans andere Ende des Saales. Ms Hale setzte sich auf einen der drapierten Stühle und würdigte mich keines weiteren Blickes mehr.
