Step by Step – Mit kleinen Schritten zum Glück

Wie sagen wir es nur den anderen?

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Schnell packten sie ihre Sachen zusammen, Thorin weit hastiger als seine Neffen. Die Ponys waren schnell herbei geholt und die Zwerge saßen auf, doch sie waren gute drei Tagesritte weit vom Erebor entfernt. Mit jeder zurückgelegten Meile sah Thorin gehetzter aus. Als sie endlich die Ebene erreicht hatten, trieb er Minty die Fersen in die Seiten und hängte seine Neffen einfach ab.

Irgendwann konnte aber auch die Stute nicht mehr und bremste ab. Thorin versuchte sie weiter zu treiben, doch sie begann zu bocken und schliesslich rutschte Thorin aus dem Sattel.

Einige Minuten später erreichten ihn endlich die Brüder. "Thorin!", rief Fíli und sprang ebenfalls aus dem Sattel. Doch als er nach Thorins Schulter griff, fasste er nur in Pelz. "Was zum..."

"Was ist mit ihm?", wollte Kíli voller Sorge wissen.

"Ich weiss nicht. Thorin?"

Vorsichtig hob Fíli den Mantel hoch, immer darauf bedacht Thorin nicht zu berühren, wenn er verletzt sein sollte. Der Zwergenprinz konnte sich nicht erinnern, wann Thorin das letzte Mal vom Pferd gefallen war.

"Auuu...", kam es leise gewimmert von Thorin, ehe er versuchte sich aufzusetzen.

Bei dem Versuch blieb es aber auch. Fíli hob ihm den Mantel endgültig vom Kopf. Doch was er da sah, liess ihn blass werden.

Kíli schlug sich die Hand vor den Mund. "Bei Durins Bart..."

"Was?", kam es panisch von Thorin.

Plötzlich platzte es aus Fíli heraus. Er krümmte sich vor Lachen, bis es ihn in die Knie zwang. "Du... Du... Deine Haaaaaare!", brüllte er.

Thorin fuhr mit beiden Händen hoch in seine dunkle Mähne, die ihm mit einem Mal nur knapp bis auf die Schultern reichten.

"Du siehst aus wie... ich... vor 30 Jahren", meinte Kíli glucksend. Das verging ihm aber, denn Thorin sah wahrlich schockiert aus. "Was passiert hier mit mir?"

Fíli hatte sich endlich wieder beruhigt. Beim Blick seines Onkels wurde er auch wieder ernst. "Ich weiss es nicht. Du siehst aus wie ein Zwergling an der Schwelle zum Zwerg."

"Wie kann das sein?" Thorin erhob sich und taumelte etwas.

"Wir sollten erst einmal zurück in den Berg. Komm, ich nehm dich mit auf Raven", meinte Fíli mit Blick auf die Stiefel, deren Bund doppel so weit waren, wie die Beine die drin steckten.

Kíli hatte Minty wieder eingefangen und stockte plötzlich. "Kann das mit dem Sturz ins Wasser zusammen hängen?"

Sein Bruder stoppte dabei, seinen Onkel, der auf einmal einen ganzen Kopf kleiner war als er, auf sein Pony zu helfen. "Wieso sollte das damit zusammen hängen? Denkst du Thorin ist so hart auf dem Grund aufgekommen, dass es seinen Körper gestaucht hat?"

"Fee... Er wird jünger... Er hat kaum noch Bart! Das ist mehr als stauchen."

"Jünger?", Fíli sah zu seinem Onkel auf, wand den Blick aber gleich wieder ab, als er in zwei riesige blaue Kulleraugen schaute, "Du meinst er wirkt nicht nur wie ein Zwergling, sondern er IST ein Zwergling? Aber wie sollte das gehen? Und was sollte das mit der Quelle zu tun haben?"

"Verhext?"

"Was ist?", wollte Thorin vom Pony aus wissen und wippte mit den Beinen vor und zurück.

"Verhext? Kee, herrje, jetzt sprich endlich Klartext!"

"Das Wasser war vielleicht verzaubert. Darum gab es auch kein Wild da und keine Fische in der Quelle."

Fíli schnappte sich die Zügel seiner Stute und schritt langsam weiter, immer darauf bedacht, dass Thorin, der ja nicht an die Steigbügel heran reichte, nicht wieder abrutschte. "Du meinst eine Art Quelle der Jugend? Mh... dann sollten wir vielleicht Gandalf informieren? Ich wage zu bezweifeln, dass Thorin begeistert wäre, wenn wir die Elben fragen."

"Wir schicken einen Boten zu Gandalf...", meinte Kíli und sah ebenfalls hoch zu seinem Onkel, der aussah wie ein Teenager.

"Ah ja. Und wo schicken wir den hin? Ich wüsste nicht, dass Gandalf irgendwo eine Heimat hat, geschweige denn ein Haus. Halt! Warte mal!" Er griff nach Kíli, der seinen Hengst und Thorins Stute neben sich führte.

"Was?!" Kíli sah seinen Bruder aus grossen Augen an.

"Wir können Klein-Thorin nicht durch das Haupttor in den Berg bringen. Wenn uns irgendjemand sieht, schadet das dem königlichen Ruf."

"Wir können doch nichts dafür und er auch nicht."

"Das ist denen, die ihm Böses wollen, doch wohl egal. Ausserdem ist grade eine Düsterwald-Delegation angekommen, als wir los sind. Ich glaube nicht, dass die schon wieder abgereist sind. Schaffen wir ihn lieber durch den geheimen Hintereingang rein. Dann kommen wir durch die Schatzkammer direkt in die unteren Gänge und durch unsere geheimen Treppen in unser Schlafgemach."

"Einverstanden... Thorin, hast du das verstanden?"

Der Junge auf dem Pony nickte nur. "Klingt vernünftig."

"Pff..." Fíli versuchte ein Auflachen unter einem Räuspern zu verstecken. Sowas von Thorin zu hören war ja normal, doch das mit einer Stimme, die fast eine Oktave höher klang als sonst, war doch etwas... lächerlich.

Das Glück war ihnen hold und sie gelangten unbemerkt in den Erebor. Fíli bekam Thorin anvertraut, während Kíli die Ponys in die Stallungen brachte.

"Hey, Kíli", grüßte ihn Bofur, auf den Weg zurück in den Erebor, "Seid ihr schon wieder zurück? Das ist gut. Ich muss mit Thorin sprechen. Die Mienen müssen neu abgestützt werden. Ist er im Thronsaal?"

"Ehm, könntest du das mit Balin besprechen? Thorin geht es gerade nicht so gut..."

"Ach? Hat er sich erkältet? Gut, dann sprech ich mit Balin. Richte ihm gute Besserung aus!" Damit zog der Bergarbeiter ab.

Fíli hatte unterdessen unbemerkt Thorin in Kíli und sein Zimmer gebracht. Den Minikönig verfrachtete er auf sein Bett und setzte sich an den Schreibtisch, um einen Brief an Gandalf aufzusetzen. Ganz schön knifflig, das Schreiben wichtig und dringend klingend zu lassen, aber keine genauen Angaben zu machen, falls es abgefangen wurde.

Er war noch nicht ganz fertig, als Kíli zu ihm kam und einen Boten dabei hatte. Auf seiner Schulter sass ein grosser, schwarzer Vogel und sah sich neugierig um.

"So", schwungvoll setzte er sein Kürzel und das Durinsiegel unter den Text und versiegelte das Papier, "Und wohin sollen wir den jetzt senden?"

"Der Rabe wird es wissen", meinte Kíli zuversichtlich.

"Ah ja. Gut, ich vertraue dir." Fíli übergab seinem Bruder den Brief.

Kíli überreichte den Brief dem Raben und ging mit ihm raus, so dass er fliegen konnte.

Der Blonde setzte sich unterdessen zu seinem Onkel. "Wie fühlst du dich?"

"Gut... was ist denn los?"

"Kee und ich glauben, dass das Quellwasser irgendwie verhext war. Es wirkt wohl verjüngend."

"So extrem?" Thorin seufzte.

"Mh... Vielleicht hängt es damit zusammen, dass du reingefallen bist? Was, wenn das Wasser schon in geringen Mengen wirkt und du hast einfach davon zu viel geschluckt"

"Und... und ich werd immer weiter jünger?"

"Ähm, ich hoffe doch, dass es irgendwann stoppt. Wir haben Gandalf geschrieben. Vielleicht weiss er Rat. Wir haben dich unbemerkt hier herein bekommen, aber wir werden wenigstens Balin und Dwalin informieren müssen. Irgendjemand muss die Regierungsangelegenheiten regeln und Dwalin soll dich schützten. Ausserdem müssen wir es Mama sagen. Dann kann sie sich um dich kümmern, wenn es noch schlimmer wird."

"Schlimmer?" Thorin schluckte und biss sich auf die Unterlippe.

"Naja, es ist jetzt fast vier Tage her. Du bist mittlerweile schon im Zwerglingsalter. Wenn es in dem Tempo weiter geht, dann muss Mama übermorgen wieder Windeln wechseln..."

Thorin gab einen Fieplaut von sich und sah aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen.

"Oh... Nein... Nicht weinen..." Vollkommen hilflos saß Fíli plötzlich neben Thorin, der angefangen hatte zu schniefen. Vorsichtig legte er ihm einen Arm um die Schultern, doch sein Onkel fing nur an zu wimmern. Entsetzt sah er zu seinem Bruder, der gerade wieder den Raum betrat. `Hilfe!´ formulierte er stumm mit den Lippen.

"Was hast du mit ihm gemacht?"

"Gar nichts. Ich schwöre!"

Kíli ging vor dem Bett in die Knie und nahm Thorin kurzerhand in den Arm.

"Das klappt nicht."

"Thorin, das wird schon wieder", versuchte Kíli den Jungen zu beruhigen, ehe er zu Fíli sah. "Wir brauchen Mutter... vielleicht kann sie ihn beruhigen."

"Ich hol sie!"

Kíli blieb bei seinem weinenden Onkel, der kaum mehr älter als wie ein Zehnjähriger aussah.

Fíli rannte, bemüht unbemerkt, durch die Gänge. Hastig klopfte er an die Tür des Gemachs seiner Mutter, wartete aber nicht erst auf eine Antwort.

"Mama!"

Dís wirbelte überrascht herum. "Fíli... Was soll denn das?", tadelte sie das hektische Verhalten.

"Wir brauchen deine Hilfe! Jetzt!"

Fíli schnappte seine Mutter am Ärmel und schleifte sie einfach hinter sich her.

"Ist etwas mit deinem Bruder?", wollte die dunkelhaarige Zwergin besorgt wissen und raffte ihren Rock etwas, um schneller laufen zu können.

"Schlimmer!"

"Thorin", schnappte Dís nach Luft.

"Ja." Fíli öffnete ihr die Tür und schob sie in das Zimmer.

Dís betrat das Zimmer und sah ihren Sohn auf dem Bett sitzen, mit einem Kind im Arm.

"Es gab ein kleines Missgeschick auf der Reise", erklärte Fíli, während er hinter ihnen die Tür schloss, "Thorin ist in eine Quelle gefallen, an der wir gerastet haben. Und seit dem..." Er zuckte hilflos mit den Schultern und wies mit einer lockeren Handbewegung auf das Bett, "Seit dem haben wir da ein kleines... und immer kleiner werdendes Problem..."

Jetzt erst sah die Zwergin den Jungen genauer an. Als sie ihren Bruder erkannte, schlug sie die Hand vor den Mund. "Bei Durin..."

"Ich fürchte auf seine Hilfe können wir nicht warten. Das Ganze war vor vier Tagen..."

"Aber wenn er immer jünger wird, wird er eines Tages..." Sie musste es nicht aussprechen. Ihre Söhne sahen sie mit einem Blick an, der angab, dass ihnen der Gedanke auch schon gekommen war.

Das Schniefen, das zwischenzeitlich leiser geworden war, wandelte sich auf einmal in ein lautes Hicksen.

Erst als Dís ihn in den Arm nahm und Thorin hin und her schaukelte, beruhigte sich der Junge und schlief schliesslich sogar ein. Zu sehr erinnerte ihn die eigene Schwester in diesem Moment an ihre Mutter.

"Puh." Erschöpft sackten die Brüder aneinander gelehnt auf den Boden. "Was sollen wir jetzt machen, Mama? Wir haben Gandalf geschrieben, aber was sollen wir machen, bis er hier ist?"

"Ihm vor allem Mal passende Kleidung besorgen. Er ertrinkt fast in seiner alten Tunika", meinte Kíli.

"Ah ja? Und wo sollen wir die her bekommen, du Schlauzwerg?"

"Ich hab eure alten Sachen noch", meinte Dís die beiden beruhigend.

Fíli nickte. "Ich hol sie."

Kíli blieb bei seiner Mutter und Thorin. "Ich hoffe Gandalf kommt rechtzeitig und kann etwas für Thorin tun."

Fíli lief rasch in das Zimmer seiner Mutter. Die Sachen hatte sie sicher in der alten Truhe, in der auch verschiedene Kinderspielzeuge von ihnen waren. Schnell zog er einige alte Sachen von Kíli raus, da dieser schlanker als Kind war, und nahm auch noch einen uralten Holzkreisel mit, den Thorin ihm selbst als Kind geschnitzt hatte. So viele Erinnerungen hingen an ihm... Sein Onkel fertigte ihn an, kurz nachdem sein Vater getötet wurde, um ihn zu trösten. Lange war dies sein Lieblingsspielzeug. Nicht einmal Kíli durfte ihn anfassen. Alles hatte er seinem Bruder weiter gegeben, doch nicht diesen kleinen Kreisel. Aber Thorin sollte ihn nun bekommen. Fíli nickte noch einmal kurz, bevor er die Truhe wieder schloss und zurück lief. Thorin hatte ein Recht auf den Trost, den dieses alte, hölzerne Spielzeug spendete.

Der jung gewordene Zwergenkönig wachte jedoch erst am späten Abend wieder auf und blickte sich orientierungslos im Zimmer um.

"Hallo, mein Kleiner."

Fíli vergaß völlig, dass er seinen Onkel vor sich hatte, der ja bekanntlich weit älter war als er.

"Hallo...", kam es unsicher von Thorin, der sich aufsetzte und den Schlaf aus den Augen rieb. Zum Glück war er während des Schlafens nicht mehr sonderlich verjüngt.

Fíli grinste, als ihn der Junge aus großen blauen Augen ansah. Vorsichtig strich er ihm eine dunkle Locke hinter das Ohr.

"Alles wieder gut? Schau mal, ich habe hier etwas für dich."

Er reichte ihm den Kreisel.

Kurz sah der Kleine noch verwirrt aus, dann aber erhellte sich sein Gesichtchen und er griff nach dem Kreisel. Er kletterte auf den Boden und liess das Spielzeug rotieren.

"Huii...", machte Thorin und klatschte begeistert in die Hände.

Fíli lachte über das sonnige Gemüt, das so untypisch für Thorin war. Ob er wohl als Kind so gewesen war?

Das konnte ihm leider nicht einmal seine Mutter sagen, da sie jünger war als Thorin und er, soweit sie sich erinnern konnte, immer schon ein sehr ernster, junger Zwerg gewesen war.

Apropos, wo waren die beiden anderen eigentlich abgeblieben?

"Thorin? Wollen wir mal schauen, wo Onkel Kíli und Tante Dís sind?

"Gibt´s dann Essen?"

"Ja sicher. Wir können ja mal schauen, was wir so in der Küche finden."

Unterwegs kamen sie nun doch an ein paar Zwergen vorbei und Fíli wurde seltsam angeguckt als man ihn mit einem Kind an der Hand sah.

Er lief ein wenig rot an, straffte dann aber die Schultern. Sollten sie doch denken, was sie wollten. Dann hätte er zumindest eine Weile Ruhe vor irgendwelchen übereifrigen Zwerginnen, die meinte, dass es dringend Zeit wurde, dass er sich eine Braut nahm.

Thorin sah zu ihm hoch und dann wieder gerade aus. Als ein besonders finster drein blickender Zwerg mit Glatze auf sie zuhielt, versteckte er sich sogar hinter Fílis Bein.

Oh, jetzt würde es lustig werden.

"Grüß dich, Dwalin", versuchte Fíli erst einmal so neutral wie möglich, "Hast du zufällig meinen Bruder oder meine Mutter gesehen?"

"In der grossen Halle bei Balin... Wen hast du denn da?"

Fest klammerte sich der Junge an sein Bein.

"Das? Äh... das ist... unser... Vetter?"

"Von wem? Der Kleine sieht aus wie Kíli mit blauen Augen... hat einer von euch einer holden Dame ungefragt einen Braten in die Röhre geschoben?"

"Äh...", Fíli schluckte und lachte nervös. Am liebsten würde er sich hinter dem Kind verstecken.

"Ja, ich weiss. Ich...", dann kam ihm der Einfall, "Ich weiss es auch nicht so genau. Kíli hat ihn mir an die Hand gedrückt. Musst du ihn fragen!"

Und hoffentlich kann ich in dem Moment Mäuschen spielen, dachte er noch grinsend.

"Mach ich... na komm..." Dwalin machte auf dem Absatz kehrt.

"Äh, nein. Wir wollten noch kurz in der Küche vorbei schauen. Ich glaube Bombur hatte letztens etwas von frischen Butterhörnchen gesagt. Das Rezept hatte er wohl von Bilbo erfragt und die Antwort kam kurz bevor wir aufgebrochen sind an."

"Der Kleine könnte auch mal zu Besuch kommen... Ich vermiss seinen Blaubeerkuchen", brummte der grosse Zwerg. Er schien so friedlich, dass Thorin sich allmählich wieder hinter Fíli hervor traute.

"Ja", Fíli schielte an sich herunter, als Thorin sich vor ihn schob, "Ich wollte ihm ohnehin mal schreiben. Bald ist ja auch Durinstag. Ich werde ihn einfach zur Feier... einladen..."

Oh... Schande... Die Durinstagfeier! Nun schnellte sein Blick auf den Jungen nach unten. Sie mussten diesen Schlamassel wieder gerade biegen.

Thorin sah strahlend hoch. "Gehen wir jetzt was essen?"

"Ja, komm."

Fíli reichte ihm seine Hand.

"Und was gibt es? Kuchen? Ich mag Kuchen. Bin ein Schleckermäulchen, sagt mein Opa Thror immer..."

Ohoh...

Dwalin hob eine Augenbraue. "Opa Thror?"

Fíli drehte ihm nur den Kopf zu. "Nur ein Kurzname. Wir sehen uns dann nachher."

Schnell schnappte er sich Thorin, hob ihn sich auf die Hüfte und flitze Richtung Küche, dass der Kleine auf und ab hüpfte.

"Hui", giggelte Thorin und hielt sich an Fílis langen Haaren fest.

"Au, au, au." Fíli wurde langsamer, als sich dem stechenden Blick Dwalins entkommen waren. Sanft löste er beim Weitergehen die Kinderhände aus seiner Mähne. "So, Kleiner. Wir sind gleich da.", Fíli setzte ihn ab und hockte sich vor ihn hin, "Du musst jetzt gaaaaanz leise sein. Wir spielen jetzt Küchengeist", meinte er verschwörerisch grinsend, bevor er die Tür vorsichtig öffnete und mit dem Jungen auf Zehenspitzen hinein schlich. Überall wuselte Küchenpersonal herum. Natürlich, sie hatten hohe Gäste aus dem Düsterwald, daher versuchte jeder sein Bestes zu geben und niemand hatte einen Blick für die beiden Backwarenräuber die flink um die Tische und drunter durch huschten und sich zwei Erdbeertörtchen und vier Butterhörnchen klauten. Zufrieden schmatzten sie das Gebäck dann auf dem Weg zum Thronsaal weg.

Thorin hielt in jeder Hand etwas und biss mal links und mal rechts ab. "Daff smett gut..."

"Iff weiff..."

Die beiden grinsten sich an. Als sie Dís und Kíli im Thronsaal erreichten, verrieten nur noch Thorins klebrige Finger von der kleinen Nascherei.

"Hallo ihr beiden. Wir haben euch schon gesucht."

Fíli griff wieder nach Thorin und hob ihn hoch. Irgendwie konnte er nicht die Finger von dem Jungen lassen. Nannte man das Mutterinstinkt?

Auch Dís fiel das auf und sie lächelte ihren Ältesten wohlwollend an. "Scheint als hätte Thorin sich an die neue Situation gewöhnt... aber warum hat er einen so verkleckerten Mund?"

"Ich weiss nicht", meinte Fíli völlig unschuldig und grinste Thorin an.

Der kicherte leise. "Bin nur ein Geist", verkündete der Knirps.

Fíli prustete auf, über die misstrauischen Blicke seiner Mutter. Die kannte er noch von früher. Wenn Kíli und er wieder in der Küche ihr Unwesen getrieben hatten.

"Ich dachte du seist reifer", tadelte ihn seine Mutter prompt und Kíli blähte die Backen auf. "Mir hättet ihr ruhig auch was bringen können."

Fíli setzte den Kleinen wieder ab und überlies seiner Mutter die Reinigung der Kinderschnute. Unauffällig stellte er sich neben seinen Bruder, zog ein Butterhörnchen aus seiner Tunika und reichte es Kíli hinter dem Rücken.

Der strahlte ihn an und nahm es an sich, um es schnell zu verdrücken, während Dís Thorins Mund mit einem Tuch reinigte. Vertrauensvoll hielt der Junge still und schien ganz zufrieden mit der Zuwendung.

"Ihr habt mit Balin gesprochen?", fragte Fíli.

"Ja, er meint wir sollten die Familie einweihen... damit wir Rückendeckung haben."

"Alle? Sind das nicht zu viele Köche? Irgendjemand verplappert sich bestimmt."

Fíli sah ihn zweifelnd an.

"Solange wir es Bofur nicht sagen, sollte es sicher sein."

"Und du glaubst die Anderen werden vor ihm dicht halten? Bombur? Nori? Ich weiss nicht. Und was sagen wir dem Rest?"

"Findelkind?", schlug Kíli vor.

Dís aber schüttelte den Kopf. "Dafür sieht man zu deutlich, dass er zu unserer Familie gehört."

"Oh ja! Wir sind auf der Suche nach euch Dwalin in die Arme gelaufen. Hab ihm gesagt, dass Kíli Schuld ist", grinste er seinen Bruder frech an.

"Ich? Was? Nein! D-du hast ihm aber nicht gesagt, dass ich..." Kíli klatschte sich die Hand an die Stirn.

"Nein!", meinte er großspurig, "Er meinte nur, dass der Kleine wie du aussieht und fragte, ob sich einer von uns hat einen Braten anhängen lassen. Was sollte ich sagen?" Das Grinsen wurde noch eine ganze Spur breiter.

"Na, wenigstens sagen dass es deiner ist..."

"Wie denn, mit der schwarzen Mähne?!"

"Augenfarbe?"

"Ach bitte, dass hätte er doch niiiiiiie geglaubt!", lachte Fíli, "Ach komm, Kleiner. Dwalin war auf den Weg zu euch. Ich ging davon aus, dass ihr es eh gleich klarstellt. Wo ist er überhaupt? Und ich meinte auch eher, was wir dem Volk sagen, dass ihr König weg ist."

"Das er krank ist? Wäre nicht mal gelogen."

"Meinst du? Okay, mir fällt auch nichts Besseres ein." Fíli blickte zu seiner Mutter, die immer noch mit Thorin beschäftigt war. Offenbar hatte sich die eine oder andere Erdbeere in seine Haare verirrt.

Kíli seufzte leise. "Irgendwie ist er ja schon süss... wenn wir ihm das sagen, wenn er wieder gross ist, bringt er uns um."

"Mh... Ich weiss nicht ob er sich erinnern wird. Er ist vollkommen kindlich. Auch seine Erinnerungen. Er meinte vorhin, dass `Opa Thror ihn ein Schleckermäulchen nannte´."

Dís begann leise zu lachen. "Daran erinnere ich mich noch... als Thorin mir mal einen Vortrag darüber gehalten hat, dass es sich für eine Prinzessin nicht geziemt mit dem Nachtisch anzufangen, hat euer Urgrossvater gemeint, dass er als Kind auch nicht anders gewesen sei."

Die Brüder schmunzelten. "Ich kann´s mir dennoch schwer vorstellen. Also, sagen wir es den Gefährten?"

"Ich bin dafür", meinte Kíli. "Dann können sie uns helfen es zu verheimlichen... und wenn er jünger werden sollte, auch die Windeln zu wechseln. Darauf bin ich echt nicht scharf."

"Noch jünger? Über Nacht ist er so geblieben. Meinst du er wird noch jünger?"

Dís sah besorgt von Fíli zu Thorin, der verwirrt zu den Erwachsenen hoch sah. "Gandalf wird Rat wissen", war sich die Königsschwester sicher.

"Das hoffe ich. Rufen wir die anderen zusammen. Bringen wir es hinter uns."