Kapitel 2

Es klopfte leise an der Tür zu Lucius' Arbeitszimmer.

"Ja, bitte?", rief Lucius.

Die Tür öffnete sich und Danielle trat ein. Sie schloss die Tür und blieb zögernd stehen.

"Was ist?"

"Ich... Warum hast du es Dad erzählt?"

"Ich hab ihm nichts erzählt. Er hat es schon gestern Nacht gemerkt. Gestern konnte ich ihm zwar noch aus dem Weg gehen, aber das geht ja nicht ewig. Er hat mich vorhin zur Rede gestellt, er wusste ganz genau was gestern los war."

"Aber du hättest es abstreiten können."

"Das hätte doch auch nichts gebracht. Er hätte es niemals geglaubt. Hat er dich auch darauf angesprochen? Er meinte, er würde noch mit dir reden."

"Ja, natürlich hat er mich darauf angesprochen. Er war ziemlich sauer. Wie konntest du ihm die Wahrheit sagen?"

"Ich sagte doch, ich hab ihm nichts erzählt."

"Aber du hast es nicht abgestritten!", meinte sie sauer.

"Danielle, das ist doch sinnlos. Hör auf hier herumzuschreien. Es ändert überhaupt nichts daran, dass er es weiß. Und nun Schluss damit."

Er hatte keine Lust sich weiter darüber zu unterhalten. Wütend verließ Danielle das Arbeitszimmer und knallte die Tür zu.

Innerlich verfluchte sich Danielle. Sie hätte es niemals soweit kommen lassen sollen, auch wenn sie es schon lange wollte. Es führte nur zu Problemen, nun war ihr Vater sauer auf sie und Lucius und auch ihr Onkel schien sauer auf sie zu sein. Dabei hatte er überhaupt keinen Grund. Er wollte es genauso wie sie es wollte. Und er hatte angefangen, immerhin hatte er sie zuerst geküsst. Sie verstand ihn einfach nicht. Bedrückt klopfte sie an die Tür zu Dracos Zimmer.

"Ja?", hörte sie Dracos Stimme aus dem Zimmer dringen. Langsam öffnete sie die Tür.

"Kann ich reinkommen?"

"Aber natürlich."

Sie trat ein und schloss die Tür. Draco saß gerade auf seinem Bett und hatte ein Buch in der Hand.

"Ach, du liest auch?"

Draco schloss das Buch und sah sie an.

"Auch?"

"Ach... nichts."

Sie setzte sich neben ihn und richtete ihren Blick auf den Boden.

"Alles okay?"

Zuerst schwieg Danielle. Sie wusste nicht, ob sie Draco alles erzählen sollte. Immerhin war Lucius sein Vater. Sie wollte nicht, dass er auch noch sauer auf sie war.

"Nun sag schon. Du weißt doch, dass du mir alles erzählen kannst."

Danielle seufzte. Sie wollte sich gern alles von der Seele reden. Doch sie wusste nicht, wie sie Draco alles erzählen sollte. Wie sie beginnen sollte... Ob er überhaupt in den letzten Jahren gemerkt hatte, was zwischen ihr und Lucius gewesen war.

"Naja... ich hab wohl Mist gebaut, denke ich."

"Inwiefern?"

"Also... dein Vater..."

"Was hat er dir denn angetan?"

Draco lachte kurz auf. Er konnte sich schon vorstellen, was passiert war. Wobei er immer geglaubt hatte, dass sein Vater es nicht tun würde. Aber anscheinend hatte seine Lust nun doch gesiegt. Er hatte schon vor Jahren gemerkt, dass es zwischen ihm und seiner Cousine eine gewisse Spannung gab. Auch wusste er, dass Danielle seinen Vater begehrte. Er war nicht blind gewesen, was die diversen Flirts zwischen den beiden anging. Er wusste aber nicht, ob sein Onkel es auch bemerkt hatte.

"Bitte?", fragte sie ihn etwas verwirrt.

"Du weißt schon was ich meine. Denkst du, ich hätte das all die Jahre nicht gemerkt?"

Danielle wusste nicht, was sie dazu sagen sollte.

"Also hattest du nun Sex mit ihm?"

Vorsichtig nickte sie. Immerhin war er nicht sauer. Offensichtlich hatte er erwartet, dass es irgendwann passieren würde.

"Aber Dad ist sauer. Und Lucius irgendwie auch."

"Warum sollte Lucius sauer sein? Er hätte dich doch auch einfach ein weiteres Mal abweisen können. Er hat gar keinen Grund, sauer zu sein."

"Ich war gerade bei ihm, sehr nett war er jedenfalls nicht."

"Er ist nicht immer sehr nett, dass weißt du doch.", grinste Draco.

"Trotzdem ist Dad sauer. Er hat sowohl Lucius als auch mich zur Rede gestellt."

"Wie kam er denn darauf?"

Danielle zögerte.

"Gestern Nacht... Er kam plötzlich ins Wohnzimmer."

"Was? Als ihr...?"

"Nein. Wir waren gerade wieder angezogen, nur Lucius knöpfte sich noch sein Hemd zu. Vielleicht merkte er es daran, ich weiß auch nicht."

"Hat er dir nicht gesagt, wie er darauf kommt?"

Danielle schüttelte den Kopf.

"Vielleicht ist das Thema jetzt geklärt. Draconius kriegt sich schon wieder ein. Und Dad hat keinen Grund böse auf dich zu sein. Wenn Onkel Draconius euch beide zur Rede gestellt und euch gesagt hat, was er denkt, dann ist es für ihn vielleicht abgehakt. Solange ihr beide nicht wieder sowas anstellt. Oder, falls ihr es nicht lassen könnt, tut es so, dass er es wenigstens nicht merkt."

Eigentlich hatte Draco Recht. Sie sollte sich nicht so viele Gedanken darum machen. Immerhin war es das gewesen, was sie sich so lange gewünscht hatte. Nun hatte sie bekommen was sie wollte, auch wenn sie nie vorhatte, mit ihrem Vater darüber reden zu müssen.

"Danke, Draco."

Sie umarmte ihn, stand auf und verließ das Zimmer.