Step by Step – Mit kleinen Schritten zum Glück
Von kleinen Piraten und Seeungeheuern
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Kurz darauf war die Gemeinschaft von Thorin Eichenschild geschlossen versammelt und sie schienen besorgt, was denn los war.
Dwalin knuffte Kíli in die Seite. "Müssen wir dir helfen deinem Onkel zu beichten, dass du was angeschleppt hast?"
"Das ist nicht witzig", seufzte Kíli.
Bedeutungsvoll schaute der Jüngere seinen Bruder an. Fíli schloss noch mal die Augen und atmete durch, bevor er vor die Gemeinschaft trat. "Meine Freunde. Familie. Es haben sich Umstände ergeben, die es nötig machen, dass wir abermals alle fest zusammenstehen. Unser König... Thorin... also... er..." Die große Ansprache verlor sich rasch. Wie sollte er ihren engsten Freunden erklären, dass dank einem dummen Streit zwischen Kíli und ihm, ihr König nun ein Zwergling war.
Stille legte sich übern den Saal, angespannte Stille und erste Befürchtungen wuchsen in den Köpfen der Zwerge heran. "Ist unserem König etwas zugestossen?", wollte Ori voller Sorge wissen.
"So könnte man es sagen." Hilfesuchend blickte Fíli zu Kíli, "Bei unserem Ausflug fiel er von einer kleinen Klippe..."
Ori schlug sich die Hände vor den Mund und Dori liess ein "Du meine Güte!" verlauten. Selbst Dwalin sah aus wie vom Donner gerührt.
"Er fiel in eine Quelle darunter. Seine Kleidung sog sich mit dem Wasser voll und die schweren Stiefel zogen ihn so schnell nach unten..."
"Er ist ertrunken? Warum seid ihr nicht hinter her?", donnerte Dwalin.
"Äh...", die Brüder sahen sich kurz an, "Nein, Thorin ist nicht ertrunken. Ich bin zum Lager gerannt und wir haben ihn zusammen daraus gezogen."
"Und wo... wo ist er dann?"
Nervös lachte Fíli auf und trat einen Schritt zur Seite. Thorin hatte sich bei der großen Ansammlung grimmiger Zwerge hinter dem Blonden versteckt und trat erst jetzt wieder in Erscheinung. Betreten blickte Fíli zu Boden, hielt aber die Hand dennoch schützend über den Zwergling, der sich fest an sein Bein presste.
Verständnislos wurden sie von den Zwergen angeblickt. Es war ausgerechnet Bifur, der erkannte was Sache war und vor dem Knirps in die Knie ging und ihn mit Thorin ansprach.
"Äh... wir vermuten das es eine Art Jungbrunnen war. Binnen vier Tagen passten ihm seine Sachen nicht mehr und seit heute Mittag ist er so." Bedeutsam nickte Fíli nach unten.
"Er ist ein Kind? Er ist ein Kind!", schnaubte Dwalin, "Na ganz toll. Wie habt ihr denn das wieder geschafft? Und wie gedenkt ihr das zu lösen?"
"Wir können nichts dafür!", riefen die Brüder wie aus einem Mund.
"Wir haben Gandalf geschrieben. Wir hoffen, dass er Rat weiss", setzte Fíli nach.
"Wenn nicht er, dann höchstens noch die Elben", seufzte Balin.
"Ja, aber... die fragen wir erst, wenn uns keine andere Wahl mehr bleibt", gab Fíli wiederwillig zu.
"Nicht, dass sie es ausnutzen", meinte Kíli und musste schmunzeln, als Thorin sich versuchte vor den anderen Zwergen zu verstecken.
Fíli ging abermals in die Knie und hob Thorin hoch. "Du brauchst keine Angst zu haben, mein Kleiner. Schau, alle hier sind deine Freunde", erklärte er mit ruhiger Stimme und riebe seine Nase an der des Kindes.
Thorin patschte seine Hände an Fílis Wangen und schmuste zurück, was Dwalin die Gesichtszüge entgleisen liess. "Das kann unmöglich Thorin sein..."
"Ör öst ös...", gab Fíli zurück und pustete Thorin eine Locke aus der Stirn.
"Du siehst aus, als hättest du heftigste Vatergefühle für den Kleinen", grinste nun Bofur breit, "Dann brauchen wir also im Grunde nur zu hoffen, dass Gandalf bald kommt und das ganze umkehrt?"
Fíli befreite sein Gesicht wieder von Kinderhänden und lächelte liebevoll.
"Was meinst du?"
Bei Bofurs Nachsatz, seufzte er unvermittelt.
Kíli trat an seine Seite und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Hauptsache er stoppt das Verjüngen... zur Not ziehen wir Thorin eben wieder gross."
Auch Kíli konnte nicht widerstehen klein Thorin durch die Haare zu strubbeln.
"Wir sollten vielleicht erst einmal richtig Abendbrot essen. Und danach gehst du Schmutzfink in die Wanne!", knuffte Fíli den Zwergling auf seinem Arm. Immerhin hatten sie den schweißtreibenden Ritt vom Düsterwald bis in den Erebor immer noch in den Knochen.
"Bin nicht schmutzig", widersprach Thorin und hielt den Brüdern regelrecht einen Spiegel vor Augen. Wie oft hatten sie sich als Zwerglinge vor dem Baden drücken wollen und nun sahen sie sich dem gleichem Problem gegenüber, wie damals ihr Onkel.
"Ach nein? Und was ist das?" Fíli strich mit einem Finger unter Thorins Kinn und holte ein bisschen Zuckerguss hervor, bei dem Bombur plötzlich ein verstehendes "Ach! Dahin!" von sich gab. "Sag mal Kíli, waren es Mehltrolle oder Zuckerwarge die in der Nacht kleine, schmutzige Zwerglinge aus den Betten holen, und in den Wald zu den Elben schleppen, um sie zur Strafe Harfenlieder anhören zu lassen?"
"Ich glaub bei Zuckerguss sind es die Warge", kam es ganz ernst von Kíli und Thorin sah die beiden daraufhin aus grossen, kugelrunden Augen an. "Ich mag keine Harfenlieder."
"Ach ja, richtig. Die schlappern dann das ganze Gesicht noch ab und knabbern die Haare vom Kopf! Na wenn du Harfenlieder nicht magst, dann solltest du vielleicht doch baden? Ich komme auch mit, wenn du möchtest. Und Kíli bestimmt auch."
Thorin nickte schnell. "Baden, baden..."
Dori, Ori, Bifur, Gloin, Bombur und Bofur lachten laut auf. Selbst Dwalin schmunzelte. Dís und Balin, die an der Seite standen, lächelten. "Kaum zu glauben, dass die beiden jetzt dieselbe Geschichte gegen den Kleinen verwenden, mit der er ihnen selbst immer gedroht hat", flüsterte sie zu dem alten Berater.
"Aber sie machen das gut... die perfekte Gelegenheit für zukünftige Kinder zu üben."
Sie grinste ihm vielsagend zu. Fíli unterdessen hatte den Zwergling an seinen Bruder abgetreten, da ihm die Arme langsam einschliefen. Kaum zu glauben, wo er doch sonst stundenlang auf dem Schlachtfeld mit seinen Schwertern stehen konnte ohne Ermüdung. "Okay. Vielleicht sollten wir vor dem Essen gehen. Oder, Bombur? Hast du das Abendbrot schon fertig?"
"Wie ihr wollt... ich kann es gleich fertig machen oder euch noch eine Stunde Zeit geben."
Fragend blickte er in die Runde. "Was sagst du?", meinte er zu Kíli, "Mama Kíli."
Kíli streckte ihm dafür sehr unerwachsen die Zunge raus. "Erst essen... vielleicht muss er danach erst recht in die Wanne."
"Auch wieder wahr... wenn ich da so an uns denke... Mama? Haben wir genug Seife im Berg?"
Dís schmunzelte. "Es sollte reichen und euch beiden schadet es auch nicht, dass ihr gleich mit badet... Was ist nur mit dieser Familie los, dass sie so ungerne badet?"
"Vererbung?", grinste Fíli und folgte den anderen, die langsam den Thronsaal verliessen.
Kíli trabte mit Thorin vorne weg und schmiedete mit ihm Schlachtpläne für auf hoher See, um ihm das Wasser etwas schmackhafter zu machen.
Fíli unterhielt sich noch mit Bofur und Gloin wegen des nächsten Kampftrainings, als er einige Wortfetzten zwischen Kíli und Thorin aufschnappte. Flott schloss er zu den beiden Seeräubern auf und umschlang sie einfach von hinten.
"Habt ihr euch grade gegen mich verbündet und mich zum Seeungeheuer gemacht?", rief er gespielt entrüstet.
Kíli schreckte kurz zusammen und Hitze stieg ihm in die Wangen, ehe er seinen Bruder anstrahlte. "Natürlich, schliesslich bist du doch der mit den langen Zotteln und Tentakeln im Gesicht."
"Tentakel!", quietschte Thorin und griff nach Fílis Schnurrbart.
"Auauauau!", jammerte der Blonde und hüpfte hinter den beiden her, da Kíli einfach weiter lief.
Er drehte sich allerdings grinsend um und lief rückwärts weiter. "Ich hab dir immer gesagt, dass das passieren wird, wenn du mal Kinder haben wirst."
"Auu."
Der Kleine Quietschte vergnügt, liess ab nicht los.
"Lass du dir erst mal einen Bart wachsen, an dem man ziehen kann", murrte Fíli, allerdings mit Tränen in den Augen.
"Buuh?", machte Thorin da auf einmal und liess die Zöpfe los, um Fíli einen nassen Schmatzer auf die Nase zu drücken, "Nicht Buuuh..."
"Nein, Kleiner. Nicht Buuuh."
Sanft tätschelte er den dunklen Schopf und versuchte die Tränen schnell wegzuwischen.
"Wenigstens er hat Mitleid mit mir. Na kommt ihr beiden. Hopp! Ich bin sicher, ich bin der erste im Bad", damit rannte er einfach los und rutschte auf quietschenden Sohlen um die Ecke. Würden sie eben doch erst in die Wanne gehen, jetzt wo Thorin schon einigermaßen freiwillig mit wollte.
Schnell liess er Wasser ein und schürte das Feuer unter dem Zuber. Schliesslich war er dann wirklich der erste in der Wanne, denn Kíli brauchte länger und Thorin fand gerade alles spannender als das Wasser. Schliesslich wurde er von Kíli hoch gehoben und an Fíli übergeben.
"Na komm du kleiner Troll. Jetzt machen wir dich mal wieder sauber."
Vorsichtig setzte sich der Blonde in flacheres Wasser und platzierte den Knirps vor sich. Kíli warf ihm einen Schwamm zu, den er einfach in das warme Nass tauchte und kurzerhand über dem spielenden Zwergling vor sich aus ausrang.
Thorin versuchte sich zu wehren und patschte ins Wasser, so dass es Fíli in die Augen spritzte.
Nur knapp konnte er einen derben Fluch unterdrücken. Er blinzelte mühsam, versuchte seine Sicht wieder zu klären und gleichzeitig den weg krabbelnden Thorin auf zu halten.
"Kíli, hilf mir mal. Hier geblieben, du kleines Seeungeheuer."
Knapp bekam er Thorin an einem Fuß zu fassen, was dem Kleinen das Gleichgewicht nahm und ihn kurz untertauchen lies. Schneller als einer von Gandalfs Feuerwerkskörpern schoss Fíli in die Höhe, griff Thorin unter die Brust und hob ihn wieder auf seinem Schoss.
"Hey mein Kleiner, ganz langsam. Alles in Ordnung?"
Thorin war so perplex, dass er Fíli nur anblinzelte und den Kopf schüttelte, um die Haare aus dem Gesicht zu bekommen.
Welche dem Größeren natürlich so ins Gesicht klatschten, dass einige Strähnen auf Oberlippe, Stirn und Kinn hängen blieben.
Daraufhin begann Thorin zu kichern. "Du bid dad Ungeeuer...", giggelte er.
Fíli grinste und löste die nassen Haare aus seinem Gesicht.
"Warte, bis du Onkel Kíli siehst. Der sieht immer aus wie ein begossener Warg. Vorausgesetzt, er beehrt uns irgendwann mal hier."
"Bin schon da", grinste Kíli und stieg in die grosse Wanne, wo er sich seufzend ins warme Wasser sinken liess.
"Das wird ja auch Zeit!"
Fíli rutschte näher zu seinem Bruder und hielt Thorin unter Brust und Beinen und führte ihn durchs Wasser.
"Schhhhhhhh."
"Ich kann schwimmeeeeeeen", giggelte der Knirps bis er bei Kíli war, der ihn entgegen nahm, so dass auch Fíli eine Chance hatte sich zu waschen.
Er wusch sich rasch. Als er sich die Seife wieder aus den Haaren gewaschen hatte, drehte er sich zu den beiden um.
"Soll ich dir die Haare waschen, während du... was macht ihr da eigentlich?"
Stirnrunzelnd sah er dem Pärchen Zwerglinge, die mal sein Onkel und sein Bruder waren, dabei zu, wie sie bis zur Hälfte des Gesichts im Seifenwasser steckten und Blasen blubberten.
Kíli tauchte kurz auf und grinste Fíli mit einem Schnurrbart aus Schaum an. "Wir machen ein Sprudelbad."
"Ah! Darf ich mit machen?"
"Sicher, mir geht langsam die Puste aus..."
"Na dann", damit tauchte er unter, schnappte sich die Füße Thorins und pustete dagegen.
Der Junge quietschte vergnügt und strampelte. Leider erwischte er dabei mit seinem kleinen Fuss Fílis Gesicht. Der zuckte nach oben.
"Au. Kinderhüten tut weh!"
Kíli zog das Kind bei Seite und rutschte an Fílis Seite. "Zeig mal..."
"Au."
Der Blonde rieb sich das Kinn und blinzelte seinen Bruder an.
"Wird vielleicht blau", meinte Kíli scheinbar ernsthaft besorgt und strich ganz sanft mit einer Fingerspitze über Fílis Kinn. "Zum Glück hast du da ein gutes Polster. Stell dir vor, es wäre mein fast ungeschütztes Kinn..."
Fíli genoss das Streicheln, lächelte aber bei der Aussage. "Das stimmt wohl. Jetzt gib mir noch mal den Wirbelwind, damit du dich waschen kannst."
Thorin strampelte noch, wurde aber nach ein paar Minuten endlich ruhiger und planschte nur noch ganz verträumt mit einem kleinen Holzschiffchen durch das Wasser, das aus unerfindlichen Gründen auf dem Wannenrand gelegen hatte. Kíli wusch sich ebenfalls die Haare und beobachtete dabei heimlich seinen Bruder, der ihren kindlichen Onkel beaufsichtigte. Fíli würde wahrlich einen guten Vater abgeben und doch machte Kíli die Vorstellung irgendwie Angst, hiesse das doch auch, er hätte dann eine Zwergenfrau an seiner Seite und würde nicht mehr so viel Zeit mit ihm verbringen.
Sein Bruder bemerkte von den Blicken nichts. Er hatte im Moment nur Augen für Thorin. Zum einen damit er nicht noch einmal versehentlich untertauchte, zum anderen aber auch, weil der Zwergling einfach zu süß war. Er erinnerte ihn an Kíli, als er so klein war. Er selbst war auch noch ein Kind gewesen und er erinnerte sich nicht mehr so detailliert an alles, aber vom ersten Moment an, da Kíli geboren war, war er immer um ihn herum gewesen. Und er war genauso süß gewesen. War es sogar heute noch. Er grinste, als Thorin das Schiffchen anschubste, sich im selben Moment auf den Bauch legte und mit seinen Händen die Köpfe von Seeschlangen imitierte, die das Schiff angriffen.
"Wir sollten ihm morgen ein paar Spielsachen schnitzen. Erinnerst du dich noch an den Berg, den Thorin uns gemacht hat? Die ganzen kleinen Zwergenfiguren, Menschen und Elben? Die Marktstände, die Mama dann mit Stoffen verkleidet hat? Und der Drache, den uns Dwalin gemacht hat!"
Er lächelte verträumt bei der Erinnerung.
"Ein paar Sachen müssten noch in meinem Schrank sein", überlegte Kíli und pirschte sich mit einer Hand unter dem Schaum an das Schiff an, um es ebenfalls zu attackieren, was Thorin vergnüg giggeln liess.
"Wirklich?", überrascht sah Fíli ihn an, "Du hast sie von den Ered Luin mit hierher genommen? Wie?"
"Ich hab einfach den kompletten Inhalt meines Schranks eingepackt. Da waren auch Kisten mit bei, in die ich nicht mal rein geblickt hab, ergo müssten es Spielsachen sein."
"Mh. Ich weiss nicht ob ich noch was habe. Muss ich mal nachschauen." Nachdenklich und auch ein bisschen enttäuscht schaute er Thorin dabei zu, wie er sein Schiff gegen Kíli verteidigte.
Schliesslich begann der Zwergling sich zurück zu ziehen und lehnte sich an Fílis Brust, blinzelte Kíli nur noch müde an. "Ich glaub da ist jemand reif für die Felle", meinte der dunkelhaarige Zwerg.
"Stimmt. Aber erst schauen wir noch, was uns Bombur leckeres zum Abendbrot gemacht hat. Du musst noch was essen", schmunzelte der Ältere.
"Ob Thorin noch mal aufwacht? Guck mal..." Er deutete auf den Kleinen, der bereits an Fílis Schulter schlummerte.
"Ach je. Na gut, dann eben nicht." Vorsichtig stand Fíli auf und stieg aus der Wanne. "Kíli, hilfst du mir mal bitte?", flüsterte er, um ja nicht das Kind auf seinem Arm zu wecken.
Kíli war sofort zur Stelle und hatte sein Handtuch kurzerhand um sich gewickelt und festgesteckt, so dass er Fíli den kleinen König unter dem Berg abnehmen konnte. Liebevoll wurde Thorin in ein weiteres Tuch gewickelt und fest an sich gepresst. Leise begann Kíli ein uraltes Kinderlied zu summen.
Fíli rubbelte sich kurz trocken und schlüpfte in seine Tunika. Die war ihm eh etwas zu lang und die Königsgemächer waren auch nicht allzu weit weg, sodass ihn schon niemand sehen würde. Leise stimmte er in das Lied mit ein, nahm Thorin wieder ab und wartete bis sein Bruder sich ebenfalls abgetrocknet hatte.
Dabei erhaschte er tatsächlich kurz einen Blick des Jüngeren, den dieser ihm durch seinen langen Pony hindurch zuwarf und der ihm ein seltsames Gefühl in der Magengegend bescherte.
"Wo soll unser kleiner König denn eigentlich schlafen?"
"In seinem Bett ist es wohl zu gefährlich, er könnte raus fallen", überlegte Kíli, "Ich kann ihn zu mir nehmen... oder wir schlafen beide bei ihm. Thorins Bett ist doppelt so gross wie unsere."
Fíli nickte zustimmend. "Schlafen wir bei ihm. Ich kann euch beide nicht alleine lassen. Ihr heckt nur Dummheiten aus", grinste er frech, setzte dann aber ernster nach, "Dann geh doch schon mal mit ihm vor. Ich schau nochmal bei Bombur vorbei. Ich habe nämlich Hunger."
"Ich auch, ich bin noch im Wachstum... ab und zu."
Fíli lachte auf, hielt sich gleich darauf aber erschrocken den Mund zu. Nicht das er Thorin noch weckte. "Dann werde ich mal schauen, was es in der Küche so feines gibt."
Kíli nickte und verschwand mit Thorin zu dessen Zimmer.
Als Fíli kurze Zeit später hinzukam, lag sein kleiner Bruder bereits im Bett, mit Thorin im Arm, der zufrieden zu schlafen schien. Aber auch Kíli schien zu schlafen, auch wenn er auf der Decke lag und nichts weiter als die Schlaftunika trug.
Bei dem Anblick blieb er kurz im Türrahmen stehen. Der Anblick war so... heimisch! Als ob er seine eigene kleine Familie betrachten würde. Gut, genau genommen WAR es seine Familie, aber das Gefühl war doch ein anderes. Ein nie da gewesenes. Bisher zumindest. Vorsichtig trat er auf das Bett zu, stellte das mitgebrachte Tablett leise auf dem Nachtschrank ab.
Doch erst als er sich ebenfalls auf dem Bett nieder liess, blinzelte Kíli und sah zu ihm hoch. Ein feines Lächeln legte sich auf seine Lippen.
"Ich habe zwei Fleischpasteten und etwas belegtes Brot, wenn du möchtest. Den Wein hat Mama konfisziert. Wir sind ja schließlich Vorbilder", grinste er leidlich.
"Ehrlich jetzt? Was gab´s stattdessen mit? Traubensaft oder gar Milch?" Kíli legte Thorin behutsam hin und setzte sich auf.
"Kräutertee."
Kíli kicherte. "Ernsthaft?" Er fuhr sich durch die halbfeuchte Mähne, um sie etwas aus den Augen zu bekommen.
"Ja, leider." Fíli zuckte mit den Schultern, "Hast du etwa noch nasse Haare? Komm mal her." Er streckte erwartungsvoll die Hände aus. Als sein Bruder näher rutschte, nahm er sich ein Tuch, dass noch auf dem Bett gelegen hatte und begann, dem Jüngeren über den Kopf zu rubbeln.
"Nicht, dass du dich noch erkältest."
"Ach was... aus dem Alter bin ich raus..." Trotzdem wehrte sich Kíli nicht gegen die Fürsorge. Seit dem gemeinsamen Ausflug und der Sache mit Thorin schienen die beiden Zwergenbrüder sich wieder nah zu sein wie eh und je. Die Zeit der Zwistigkeiten schien längst Vergangenheit. Fast begann Kíli sogar zu schnurren, während Fíli ihm die Haare trocken rubbelte.
"Ich glaube, Thorin würde sagen: "Aus dem Alter ist man niemals raus!". So, fertig." Er gab seinen Bruder wieder frei. "Magst du nun noch was essen? Du siehst auch aus, als würdest du gleich im Sitzen einschlafen."
"Nen Happen geht immer rein", war sich Kíli sicher und streckte fordernd eine Hand unter Fílis Nase.
Statt das er seinem Bruder eine von den Pasteten reichte, ergriff dieser allerdings die Hand und zog Kíli zum Rand des Bettes.
"Ich habe keine Lust, nachher in Krümeln zu schlafen. Ich weiss wie du isst! Krümle bitte, wenn überhaupt, auf den Boden!", meinte er nur und reichte ihm anschließend das Tablett.
Kíli kicherte daraufhin nur, während er noch vor ein paar Tagen sicher sauer geworden wäre, bei dieser spitzen Bemerkung.
Friedlich nebeneinander sitzend mampften die Brüder die Pasteten, liessen das Brot aber übrig, für den Fall, dass Thorin doch noch aufwachen sollte. Als sie fertig waren, legte sich Kíli wieder auf seinen Platz. Sein Bruder räumte noch schnell den Teller weg, nicht dass einer von ihnen den noch in der Nacht runter schmiss. Schließlich krabbelte er über Kíli drüber weg und legte sich auf Thorins andere Seite, kuschelte sich eng an den kleinen warmen Körper.
Kíli war es, der die Decke höher zog und auch seinen Bruder damit richtig zudeckte. Ein Herz und eine Seele traf es in diesem Moment wohl am ehesten und mit einem zufriedenen Lächeln schliefen die beiden Zwergenbrüder schliesslich ein.
