Es ist schon seltsam. Vielleicht habe ich ein kleines bisschen Menschenkenntnis, dieses gewisse Etwas an Gespür, von meinem Vater geerbt. Jedenfalls bin ich mir von der ersten Sekunde an sicher, dass ich mich mit Hinata sehr gut verstehen werde. Als sie mir damals per Mail ihren ganzen Namen verraten hat war ich erst etwas.. schockiert. Hyuga war ein bekannter Name. Sehr bekannt. Hätte man mich spontan nach den reichsten, einflussstärksten Familien des Landes gefragt, wäre mir Hyuga sicherlich mitunter als erstes eingefallen. Nicht zuletzt, da ich bereits mit einem Bekanntschaft gemacht habe, Neji Hyuga. Meine Bedenken, dass diese Hinata Hyuga vielleicht ein, nun ja, eingebildeter, verwöhnter Charakter war, legte ich aber schnell ab. Zumindest schriftlich hatte sie einen sehr netten Eindruck auf mich gemacht. Und jetzt, wo sie vor mir steht, stimmt es mich ehrlichgesagt sogar etwas traurig, Menschen wie sie, nicht schon viel eher kennengelernt zu haben. Ein Gesicht mit Augen, in dem hellsten blau, das vermutlich nur möglich ist, umrandet von einer schwarzen, glatten Haarpracht. An Größe übertreffe ich sie vielleicht um einige wenige Zentimeter, jedoch stelle ich fest, dass sie dafür mit sehr mit weiblichern Kurven überzeugen kann. Sie ist wirklich sehr hübsch.

Sie bittet mich freundlichst hinein in die Wohnung. Die Aufteilung ist recht simpel: Ein schmaler Flur mit Garderobe, je eine Tür links und rechts, ehe der Flur in einen großen, offenen Wohn- und Essbereich mündet, inklusive einer gepflegten, modernen Küchenecke. Hinata führt mich, nachdem sie mir den Wohnbereich gezeigt hat, in das linke Zimmer des Flures, mein neues Zimmer. Es ist, wie der Rest der Wohnung, bereits vollständig möbliert. Weiße Möbel zieren den beinahe quadratischen Raum – beinahe, da sich gleich nach dem Eintreten eine weitere Tür, die des kleinen, quadratischen Dusch-Badezimmers, befindet. Es ist wirklich schön. Dezent, in braun und Weißtönen gehalten. Ausgestattet mit allen Basics, die ein Zimmer so braucht: Bett, Schrank, Schreibtisch, Sofa. Zufrieden lächle ich Hinata an.

„Ich freue mich wirklich unglaublich diese Wohnung und dich gefunden zu haben, Hinata! Du studierst auch Medizin?"

„Uhm, ja. Mein Wunsch ist es, Kinderärztin zu werden." Gibt sie mit einem schüchternen Lächeln zu. Ich glaube es ihr sofort. Das passt zu ihr. Sie führt mich zurück in den Wohn- und Essbereich und erst jetzt stelle ich fest, dass auf dem Esstisch ein Kaffeegedeck für 2 Personen, sowie ein wunderschöner Schokoladenkuchen – sogar mit der Aufschrift „Willkommen" – stehen.

„Ich dachte, wir könnten uns ein bisschen unterhalten. Ich hoffe du magst Kuchen..." Ich muss mich vielleicht noch etwas an ihre ruhige, schüchterne Art gewöhnen. Vor allem, dass Hinatas Wangen fast immer von einem zarten Rotschimmer geziert werden.

„Aber sicher! Du hättest nicht extra für mich backen müssen, Hinata. Vielen Dank, das ist wirklich süß."

Sie scheint sich über meine Worte zu freuen und nimmt Platz. Ich geselle mich ebenfalls zu ihr.

Habe ich schön erwähnt, dass Hinata ein Volltreffer ist? Ein voller Volltreffer! Genau wie ich fängt sie nun das 5. Semester des Medizinstudiums hier an, nur mit dem Unterschied, dass sie auch schon die 4 Semester davor in Konoha studiert hat. Ihre bisherige Mitbewohnerin hatte wohl der Schwierigkeit halber abbrechen müssen, auch sie findet es sehr anspruchsvoll an der Universität, aber darüber wundere ich mich nicht weiter – das Medizinstudium hier hat nicht von ungefähr ein hervorragendes Ranking, ein ordentlicher Abschluss hier öffnet einem Absolventen quasi alle Türen der Berufswelt.

Noch ein riesen Pluspunkt an Hinata: Sie hat selbstverständlich noch alle Unterlagen der letzten Jahre parat und will sie mir gerne leihen, damit ich auch sichergehen kann, dass sich die Studieninhalte decken.

Während ich mir gleich noch ein 2. Stück Schokokuchen gönne – was soll ich sagen, es ist immerhin schon Nachmittag, und der Kuchen ist meine erste Mahlzeit heute – holt sie mir sogleich auch noch einen 2. Kaffee, auch den habe ich bitter nötig.

„Ich bin so müde, dass ich es zum ersten mal in meinem Leben sogar geschafft habe, meine Haltestation zu verpassen. Zum Glück kam mir jemand zur Hilfe, ihm ging es genauso, und er zeigte mir den Weg von der nächsten Station zu Fuß hierher." Gebe ich lächelnd zu, während ich an meinem Kaffe nippe.

„Oh, das tut mir Leid, Sakura-chan. Aber eigentlich macht es auch gar keinen großen Unterschied ob du bis ins Zentrum fährst oder eine Station weiter. Der Fußweg ist ziemlich gleich, gute 5min.." gibt Hinata nachdenklich zu.

Mein linkes Auge zuckt kurz. 5min. Aha. Also kam es mir nicht nur so vor, als ob Naruto mich planlos durch die ganze Gegend geschleppt hat. Er hatte wirklich keinen Plan. Chaot.

Ich verbringe noch eine Weile damit, mich mit Hinata zu unterhalten: Über Einkaufsmöglichkeiten – das muss ich heute Abend schließlich noch in Angriff nehmen - über Professoren der Konoha Universität und ganz vorsichtig taste ich mich auch an ihren Namen heran. Wem sollte ich auch was vor machen, so ziemlich jeder Mensch dieses Landes kannte diesen Namen vermutlich. Ich überlege, ob sie es nicht sogar nötig hätte, Bodyguards an ihrer Seite zu haben. Schnell verwerfe ich den Gedanken. Es muss furchtbar sein, wenn man jede Sekunde seines Lebens beobachtet und begleitet wird. Hoffentlich blieb ihr das erspart. Konoha, vor allem diese Gegend hier in Nähe der Universität, galt als sehr sicher. Jedenfalls erzählte Hinata nicht sehr viel von ihrer Kindheit und ihren Eltern. Ich will sie auch nicht zu direkt damit nerven, auch wenn ich zugeben muss, dass ich ein durchaus neugieriger Mensch bin. Als ich ihr eröffne, dass ich bereits mit Neji Bekanntschaft gemacht habe – ihr Cousin, wie sich herausstellt – ist sie jedoch kurz erstaunt.

„Wirklich? Du kennst ihn? Ich wohnte mit meiner Familie schon immer in einem Vorort Konohas. Neji's Familie wohnt etwas weiter entfernt."

„Ja, die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, liegt nicht weit von dem Anwesen seiner Familie entfernt. Ich kann nicht behaupten, dass ich ihn kenne, so viel hatte ich nie mit ihm zu tun. Ich hatte eine Schulfreundin, die immer.. na ja, auf ihn stand. Vor ein paar Jahren ist er tatsächlich mit ihr ausgegangen. Danach war er das eine oder andere Mal dabei, wenn wir ausgegangen sind." Oder vielmehr, wenn Ino mich in die nächstbeste Bar mitgeschleift hatte. Ich beobachte wie Hinatas Augen sich erstaunt weiten.

„Wirkli-.. er hat eine Freundin?" Ihre Reaktion nicht ganz verstehend zuckte ich leicht mit den Achseln, „Ich bin mir nicht sicher, ob sie noch zusammen sind. Seit ich studiere habe ich nicht mehr so viel Kontakt zu Tenten, ich könnte sie frag-"

„Nein! Nein schon gut.. ich dachte nur.. weißt du, unsere Familien sind sehr streng." Gibt Hinata leise zu. Ich verstehe, worauf sie hinauswill. Das hat Tenten mir nie gesagt. Ob sie sich heimlich mit ihm getroffen hatte? Ob sie wohl je bei ihm zuhause war? Sie hat immer nur von ihm geschwärmt, oder von ihren Verabredungen in der Stadt. Meine Neugierde würde sie nur zu gern darüber befragen, aber ich verschiebe das Thema auf wann anders.

Um Hinata nicht weiter mit dem unangenehmen Thema ihrer Familie zu belästigen, kommt mir was neues in den Sinn: „Sag mal, hast du schon Tsunade-sama gesehen? Also, in echt?" Meine Augen beginnen dabei zu glänzen, ich spüre es förmlich. Wenn es seit dem Tod meines Vaters noch einen Menschen gab, den ich als Idol bezeichnen kann, dann diese Frau: Studiendekanin des Medizin-Studienganges in Konoha, und, als sei das nicht genug, Leiterin des Konoha Krankenhauses. Hervorragende Ärztin – und mit hervorragend meine ich absolut unglaublich. In jedem 2. Medizinmagazin fiel ihr Name, auch wenn Interviews von ihr eher selten waren – vermutlich hat sie dafür schlichtweg keine Zeit, oder keine Lust. Denn je weniger diese Frau persönlich von sich preisgibt, desto mehr wird ihr von Journalisten angedacht: Sie sei Alkoholikerin, sie wäre Stammgast beim Onkel Schönheits-Dok, oder aber, sie habe Affären mit allen möglichen Männern, von denen Paparazzis auch nur ein Bild knipsen konnten – und wenn sie darauf auch nur einen Händedruck austauschen. Mich selbst interessieren diese Storys wenig, erstaunlich finde ich aber, dass nicht mal das ihrem Ruf wirklich schadet. Niemand zweifelt an Tsunade's Fähigkeiten als Ärztin.

„Uhm, ja, ein paar mal schon. Weißt du, sie lässt es sich nicht nehmen bei den Erst-Semestlern immer einen Vortrag zu halten. Gegen Ende des Studiums übernimmt sie teilweise sogar Vorlesungen – wenn sie keine akuten Probleme im Krankenhaus bewältigen muss."

„Das ist ja der Wahnsinn!" Ich grinse vermutlich übers ganze Gesicht. Vorfreude auf die kommenden Semester, gemischt mit Überlegungen, nicht einfach am ersten Semestertag zu dem Erstsemester mit in ihrer Vortrag zu sitzen, überkommen mich. Das sollte ich mir wirklich merken. Heute ist Freitag, am Montag werden die Vorlesungen beginnen. Auf meiner imaginären To-Do-List merke ich mir vor, unbedingt nachzuschauen, wo und wann Tsunade die Begrüßung halten wird.

Ich helfe Hinata, das Geschirr abzuspülen und zu trocknen. Dabei unterhalten wir uns weiter über belanglose Dinge. Sie zeigt mir, wo ich die Küchengeräte und Utensilien finde. Sie merkt auch an, dass das Wetter in Konoha mich bestimmt das ein oder andere Mal überraschen wird – es sei wohl sehr wechselhaft hier. Außerdem muss ich schmunzeln, dass auch Hinata nicht viel von Sport hält. Stattdessen zieht sie es vor, neben dem Lernen zu malen oder zu lesen. Mit letzterem tu ich es ihr vollkommen gleich – Bücher waren sozusagen meine Freunde, meine 2. Welt. Seit dem Studium wurde dieses Hobby etwas weniger. Fantasy-Romane und historische Lektüren wichen seitdem Sachbüchern zum Thema Neurologie, Pathologie oder Anatomie. Aber auch die Schwere dieser Inhalte hat mich nie davon abgehalten, diese Wälzer zu verschlingen, als seien sie eine Gutenachtgeschichte für Kinder. Eine Eigenschaft an mir, die mir für dieses Studium ganz klar sehr entgegenkommt. Ino würde jetzt den Kopf schütteln, denke ich mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ich kann sie mir bildlich vorstellen, mit gehobenem Finger – mit perfekt manikürtem Nagel – würde sie mir erklären wie krank ich im Kopf bin, wenn ich ihr erzähle, dass ich schon wieder 2 Sachbücher durchgeschlungen habe übers Wochenende. Dabei ist auch Ino alles andere als dumm, sie hat sich seit der Oberstufe nur andere Ziele, andere Prioritäten gesetzt. Das respektiere ich, und ich weiß, dass auch sie meinen Weg respektiert, auch wenn sie das nie davon abhält, zu versuchen, mich aus „meinem Schneckenhaus rauszuholen", wie sie es immer pflegt zu sagen. Sie hat es auch immer wieder geschafft, mich „in die Außenwelt" zu bringen, sei es zum shoppen, zur Maniküre oder abends in die Bar oder Disco. Ich weiß zu schätzen, dass sie mich, so oft sie mich nur überreden konnte, dabei haben wollte. Aber was das abends Ausgehen angeht sind wir leider wie 2 Welten, die aufeinander brechen. Ino, perfekt gestylt, durchtrainiert, extrovertiert, attraktiv, hat kaum eine Bar betreten, schon war sie der Blickfang der Männer. Das wollte sie auch sein – mit 17 hat sie mir verraten, dass sie mal ganz reich heiraten wird, um dann den Blumenladen ihrer Mutter noch viel weiter zu vergrößern. Ich tat das erst als Scherz ab, aber über die Jahre, muss ich feststellen, ist das ihr absoluter Ernst geworden. Ihr Plan. Sie hatte in den vergangen Jahren keine Veranstaltung ausgelassen, an der sie Bekanntschaft mit wohlhabenden jungen Männern machen konnte. Ich muss erneut vor mich hinschmunzeln. Ich finde ihre Art nicht falsch. Sie ist ja nicht nur auf Geld aus, sie ist wirklich auf der Suche, einen netten, jungen Mann kennenzulernen – attraktiv und reich, nur so nebenbei. Solange sie dabei sie selbst bleibt finde ich das nicht allzu verwerflich. In der Tat hatte sie mir sogar schon mal einen Entwurf für den neuen, erweiterten Yamanaka-Blumenladen unter die Nase gehalten – Ino studiert Architektur – und während sie selbst immer noch nicht zufrieden mit ihrer Idee war, muss ich sagen, hat sie mich dafür umso mehr beeindruckt. Jedenfalls ist Ino eine sehr zielstrebige, direkte Person. Kein Bücherwurm, so wie ich – und Hinata.

Gemeinsam mit meiner neuen Mitbewohnerin verlasse ich unsere Wohnung. Inzwischen ist es halb 7, denke ich. Immer noch heiß, aber die Hitze von heut Mittag ist zumindest etwas verflogen. Wir sind auf dem Weg zum nahegelegenen Supermarkt. Hinata erklärt mir die Wohngegend etwas. Die Richtung zur Bahn, die Richtung zur Innenstadt, und die Richtung zur Universität. Ich würde sie bestimmt noch öfter danach fragen müssen, Orientierung war nicht unbedingt meine Stärke. Vorerst reichte es mir zu wissen, wo unsere Wohnung lag – Hinata würde mir über die Tage und Wochen schon helfen, mich hier zurecht zu finden. Meinen Einkaufskorb, in dem mein Geldbeutel lag, unter dem Arm, betrete ich dann den Supermarkt. Was mir auffällt, ist, dass nicht nur die Einkaufsfläche größer ist als bei mir zuhause, sondern auch das Sortiment. Mit Hinata an der Seite, die sich auch mit einigen Lebensmitteln eindeckt, ist es nicht schwer, meine gewünschten Produkte schnell ausfindig zu machen. Mein Korb quillt schon fast über – vielleicht hatte ich die Menge an Einkaufszeug doch etwas unterschätzt, die man so am ersten Tag benötigen würde – und schuldbewusst lade ich die restlichen Sachen bei Hinata in den Korb. Ein Auto wäre durchaus nützlich für das einkaufen, aber gut, dann muss ich halt einmal öfters hierher laufen. Zu guter letzt bewegen wir uns auf die Obstabteilung zu, wo ich eine bekannte Stimme wahrnehmen kann,

„Hey, warte! Nur noch ein paar Orangen!" höre ich Naruto in Richtung der Kassen schreien. Ein Mann dreht sich darauf genervt zu ihm.

„Wie, du hast vor, was anderes als dieses Instant-Ramen-Zeug zu dir zu nehmen?" seine Stimme erklingt tief, rau und .. männlich. Etwas beschämt, dass ich diesen schwarzhaarigen jungen Mann angestarrt hatte, und dabei gar nicht bemerkt habe, dass ich stehen geblieben war, sehe ich zu Hinata. Auch sie starrt die Männer vor mir an, mit geröteten Wangen, wie so oft. Meine Augenbraue wandert ein Stück nach oben, Hinatas Blick haftet immer noch auf Naruto. Ich gehe einige Schritte auf die Männer zu und höre, wie sich Naruto beschwert, dass sein Freund nie auf ihn warten könne.

„Hey, Naruto!" rufe ich ihm zu, während ich weiter auf ihn zugehe.

„Sakura-chan! Hey! Du musst auch noch ein paar Einkäufe erledigen?"

Mit einem Nicken stimme ich ihm zu, erkläre ihm, dass ich noch etwas Grundausstattung brauche. Nicht nur Hinate gesellt sich zögernd zu uns, auch Narutos Kumpel kommt neben ihm zu stehen.

„Ah, Sakura-chan, das ist Sasuke. Sasuke Uchiha. Freund, Feind und Mitbewohner." Erklärt er mir mit Lachen während er in Sasukes Richtung gestikuliert.

„Freut mich dich kennenzulernen, Sasuke!" bringe ich ihm höflich entgegen. Er sieht mich an – oder in mich hinein, ich kann es nicht sagen, aber sein Blick auf mir fühlt sich komisch an. Er beschert mir eine Gänsehaut und ich hoffe, dass man das nicht sehen kann. Als Begrüßung erhalte ich jedoch nicht mehr als ein Nicken.

„Also.. und das hier ist Hinata. Hinata Hyuga." Bringe ich hervor.

Ich meine etwas Erstaunen in den Blicken der Männer aufflackern zu sehen, doch so schnell es da war, so schnell war es auch wieder weg. Seltsam... Aber wenn ich es recht betrachte, war es doch nicht so komisch, schließlich war ich damals auch erstaunt, als der Name Hyuga zum ersten mal fiel. Etwas unsicher blicke ich zu Hinata rüber, ich hoffe es ist ihr nicht unangenehm, dass ich ihnen sofort erzählt habe, welcher Familie sie angehört.

Aber die Situation entspannt sich prompt, als Naruto sie sehr direkt und überschwänglich begrüßt, sogleich über das Medizin Studium plaudert, und sie praktisch nicht zu Wort kommen lässt – was wahrscheinlich auch einfacher für Hinata ist, denn sie ist inzwischen sehr, sehr rot und nickt nur eifrig auf seine Bemerkungen. Ich schmunzle und wende meine Aufmerksamkeit wieder auf Narutos Freund. Sasuke Uchiha. Er war wirklich groß, gut gebaut und – ich glaube ich habe dieses Wort bis jetzt noch nie in Verbindung mit einem realen Mann in Verbindung gebracht – attraktiv. Den Kloß, der sich in meinem Hals bildet, herunterschluckend frage ich ihn „Und du studierst auch Medizin?".

Er sieht mich wieder an, es fühlt sich an als würde ich minutenlang so dastehen, ehe plötzlich Naruto das Wort ergreift: „Nein, weißt du, Sasuke ist-" „Polizist" bringt er den Satz ruhig aber bestimmt zu Ende. Ich weiß nicht was mich davon hält weiterzufragen, vielleicht die kurze Stille gerade eben, oder die Tatsache, dass sich diese Antwort so absolut anhörte, als würde er nicht mehr dazu sagen wollen. Jedenfalls halte ich den Mund und ehe ich weiterdenken kann packt Sasuke seinen blonden Freund am Arm und verkündet in die Runde, dass sie nun gehen müssten. Hinata und ich verabschieden uns höflich, Naruto überschwänglich und Sasuke nickt uns zu.

Etwas verwirrt packe ich noch etwas Obst und Gemüse in Hinatas Korb. Sie scheint in Gedanken versunken zu sein, und auch ich hänge immer noch an dieser seltsamen Begegnung von gerade eben.

Zufälle sind unvorhergesehene Ereignisse, die einen Sinn haben.

Diogenes von Sinope (um 400 - 323 v. Chr.), altgriechischer Philosoph und Satiriker