„Ok, jetzt pass mal auf Naruto. Es ist mir völlig egal wie oder wo du sie kennengelernt hast. Sie ist verdammt noch mal verdächtig."

„Sasuke, ich hab dir vorhin schon gesagt, dass ich sie überprüft habe. Nicht nur einmal! Sie ist völlig harmlos, glaub mir. Ich hab so was im Gefühl."

Der schwarzhaarige junge Mann warf dem wild gestikulierenden Blondschopf einen vernichtenden Blick zu.

„Dann erklär mir, warum sie überall auftaucht wo wir unsere Finger im Spiel haben. An der Universität bei Tsunade, in der Bibliothek bei Jiraya und zu allem dazu ist sie die Mitbewohnerin der Hyuga? Das sind zu viele Zufälle, Naruto. Ich kauf ihr das nicht ab."

„Sie hat bis jetzt absolut nichts Falsches gemacht, Sasuke! Was hast du vor, sie verschwinden zu lassen? Auf dein bloßes Misstrauen hin? Echt jetzt, es könnte alles nur Zufall sein!"

Der Uchiha wurde langsam wütend. Und genervt. Zufälle? Er verschränkte die Arme vor seiner Brust und schloss seine dunklen Augen, um sich wieder etwas zu sammeln. Erst diese nervenzerreißende Diskussion mit Jiraya, diesem Nichtsnutz, der auch keine neuen Informationen hatte und jetzt noch sein naiver Freund, der die Welt wieder durch seine verschleiernde, kindergleichen Augen wahrnehmen wollte.

„Naruto. Du hast vorher selbst zugegeben, dass sie dich mit ihren Fragen in die Enge treibt. Du bist vermutlich auch der schlechteste Lügner weit und breit, aber es darf verdammt noch mal nicht passieren, dass diese Frau sich einmischt! Ganz gleich ob sie es nun absichtlich tut oder nicht."

„Mann, Sasuke! Vielleicht ist sie einfach nur neugierig. Ich mein, ich hab ihre Akte gelesen, sie ist wirklich überdurchschnittlich schlau. Es war von vorneherein unklar, wie lang und wie gut wir uns hier verdeckt halten können."

Sasukes Augen öffneten sich mit einem Mal und richteten sich direkt auf den Uzumaki. Als würde sein finsterer Blick ihn durchbohren, wurde Naruto unruhig dabei und versuchte sich weiter zu behaupten.

„Sasuke! Ich versuch doch schon alles! Ich hab's ja noch mal retten können.. ich mein doch nur, bevor sie unser Vorhaben wirklich durchschaut oder in die Quere kommt, wäre es vielleicht sinnvoller, sie irgendwann einzuweih-"

„Auf keinen Fall!" zischte der Uchiha bestimmt zurück. „Ich werde mich darum kümmern. Halt einfach deine große Klappe in ihrer Nähe. Bring uns nicht in Schwierigkeiten mit deinem unüberlegten Reden!" setzte er noch nach.

Beleidigt gab der Blondschopf nach, schob seine Lippe kindisch nach vorne und gab ihm damit zu verstehen, dass er es kapiert hatte und sich zurückhalten würde,

„Ich werde mir ein eigenes Bild von Sakura Haruno machen."

Es ist kaum zu glauben, wie schnell diese erste Woche des Semesters vorbeigegangen ist. In dem einen Moment lausche ich gefühlt noch der Begrüßungsrede Tsunade's, und im nächsten Moment ist Freitag Abend, 19Uhr. Ich lasse Revue passieren, wie ich diese erste Woche erlebt habe: Neue Stadt, neue, schöne Wohnung, neue Universität mit interessanten Professoren, ein neuer Nebenjob in der Stadtbibliothek, diesem wahnsinnig beeindruckenden Gebäude.. Dann sind da noch meine neuen Bekanntschaften: Hinata, meine Mitbewohnerin, mit der ich fast die gesamte Woche jede freie Minute verbracht habe, Naruto, ein blonder, chaotisch wirkender Student eines höheren Semesters, der trotz seiner Eigenarten einen netten Eindruck auf mich macht, Jiraya, der Leiter der Bibliothek, der.. nun ja, eben auch eigenartig ist, noch eigenartiger als Naruto. Und pervers. Alle Zweifel darüber hatten sich spätestens dann aufgelöst, als ich sein Büro nach der Zusage des Nebenjobs verlassen wollte und ihm bei der Verabschiedung doch glatt ein kleines Schmuddelbuch aus der Hosentasche geknallt war. Direkt auf den Boden vor mir. Illustriert. Ich merke wie mir jetzt noch das Rot in die Wangen schießt, wenn ich daran zurückdenke.

Und dann ist da noch Sasuke Uchiha. Ich weiß nicht genau was ich von Narutos Mitbewohner halten soll. Er ist Polizist und nach unseren ersten zwei Begegnungen im Supermarkt und in Jirayas Büro ist er mir die Woche über sogar noch ein paar Mal aufgefallen. Eigentlich relativ wunderlich in einer Großstadt wie Konoha. Liegt es an mir, dass ich seine Präsenz immer sofort wahrnehme? Ich denke, dass hängt mit seinem Job zusammen, so erkläre ich es mir zumindest. Er ist stets in Uniform unterwegs gewesen und insgesamt spielt es ja auch gar keine Rolle, wir haben uns nicht weiter unterhalten. Irgendetwas sagt mir, dass Sasuke wohl nicht der Typ für belanglosen Small-Talk in der Innenstadt ist. Ehrlichgesagt fühle ich mich ziemlich eingeschüchtert durch sein Auftreten, und damit meine ich weit mehr als sein gutes Aussehen.

Es ist, wie gesagt, Freitag Abend, und die letzte Tätigkeit auf meinem Tagesplan ist nochmals einkaufen zu gehen. Ich schlendere gemütlich mit meinem Korb unter dem Arm durch die Häuser. Die Standard-Wege habe ich mir immerhin schon ganz gut einprägen können. Hinata hat nichts weiter vom Einkaufen benötigt, deshalb wollte sie zu Hause bleiben und gleich ein Abendessen vorbereiten. Meine Kochkünste sind zwar eigentlich ganz ordentlich – für mein Alter – aber ich muss schon sagen, dass es richtig angenehm ist, das jemand anderem zu überlassen.

Mit ein paar Süßigkeiten, Trinken und etwas Obst als Beute bahne ich mir den Weg zu den Kassen. Keine seltsame Geschehnisse in der Obst- und Gemüseabteilung dieses Mal – umso besser. Trotzdem muss ich plötzlich erschrocken zusammenzucken als mein Handy klingelt. Ich wühle wild in meinem Korb bis ich das laut ertönende Objekt der Begierde endlich rausfische.

„Sakura! Na, was treibt mein liebster Bücherwurm? Ich hoffe du hast was leckeres zu Essen in deinem neuen Heim!"

„Ich- Ino? Wie geht's dir? Was soll das heißen, bist du auf dem Weg zu mir?" überrascht hebe ich die Augenbrauen, auch wenn sie mich durchs Telefon nicht sehen kann.

„Klar! Mir geht's spitze, es ist Wochenende, ich hab zu Hause nichts vor, und DU bist in KONOHA! Ich hab einiges auf meinem Plan morgen, mit dir, bevor du dich rausredest! Achso, und ja, ich bin auf dem Weg. Sitz' noch im Zug – und bin am verhungern, Sakura! Du hast noch knapp eine Stunde um mich mit etwas Essbarem zu überraschen." Jammert meine Freundin in ihr Handy. Ich seufze auf und verspreche ihr, dass ich mich darum kümmern werde. Mit einem „Sehr gut!" legt Ino dann schon wieder auf.

Ich seufze noch mal resigniert. Und da geht mein ruhiges, entspanntes erstes Wochenende in Konoha auch schon dahin. Ino hat etwas vor morgen? Das klingt wirklich absolut vielversprechend... wenn man auf Partys steht. Unentschlossen stehe ich vor den Kassen, nur um dann noch mal mein Handy ans Ohr zu halten. Dieses Mal telefoniere ich kurz mit Hinata und kläre sie über Ino auf. Bevor ich es auch nur ansprechen kann bietet Hinata sogleich an das Essen auf später zu verschieben, damit wir gemeinsam mit Ino speisen können. Meine Frage, ob ich dazu noch irgendwelche Zutaten mitbringen soll, verneint sie. Also lege ich auf und stelle mich endlich in die Schlange an der Kasse.

Zuhause angekommen verstaue ich kurz die gekauften Utensilien. Dann geselle ich mich zu Hinata in die Küche um ihr bei den Schneide-Arbeiten für das Abendessen zu helfen. Sie möchte einen Gemüseeintopf mit Hähnchen machen. Während sie sich um das Fleisch kümmert, bringe ich die restlichen Gemüsesorten in eine gleichmäßige Würfelform. Ein Blick auf die Wanduhr des Wohnzimmers verrät mir, dass wir noch etwa 20 Minuten Zeit haben. Auf ca. 20Uhr hat sich Ino angekündigt.

„Und, Hinata, hast du über das Wochenende noch was vor?" frage ich um die Zeit beim Kochen totzuschlagen.

„Uhm.. Ich- Ich wollte es dir eigentlich später noch erzählen.. aber, nun ja, es ist so, dass ich morgen mit Naruto-kun einen Kaffee trinken gehe." Hinatas Stimme gleicht vielmehr einem Piepsen und ich muss kichern, auch wenn mich ihre Worte tatsächlich überraschen. Ich habe die Beiden schon die ganze Woche über etwas beobachten können. Eigentlich wann immer ich Hinata in der Universität kurz allein gelassen habe – etwa um meine Skripte nach und nach zu drucken, was meine Mitbewohnerin schon vor dem ersten Vorlesungstag erledigt hatte - , ist Naruto aufgetaucht und hat sie in eine Unterhaltung verwickelt. Irgendwie mag ich die Zwei zusammen, sie ergeben ein schönes Bild. Und dass Hinata Gefallen an Naruto findet ist nicht schwer zu erkennen. Auch jetzt ist sie wieder kurz davor, dass ihr Kopf vor Hitze anfängt zu rauchen.

„Das freut mich für dich, Hinata!" Dabei drück ich ihr meinen Ellenbogen leicht in die Seite. Diese kleine Anspielung kann ich mir nicht verkneifen.

„Da- Das ist nicht wonach es sich anhört! Ich meine, ich weiß nicht warum er mich überhaupt eingeladen hat, aber – Da ist nichts!" stammelt sie nervös vor sich hin.

Ich lache vor mich hin und auch Hinatas Mund ziert ein glückliches Lächeln.

Etwa 3 Minuten vor Acht klingelt es in unserer Wohnung. Ich drücke auf dem Knopf um meine Freundin ins Treppenhaus zu lassen. Lautstark höre ich wie sie mit ihren Absatzschuhen und einem wohl großen Koffer die Treppen empor poltert. Ich hoffe, dass sie nicht sämtliche Parteien dieses Hauses auf sich aufmerksam macht.

„Sakura, hey!" schreit sie beinahe als sie vor mir zum Halten kommt, lässt den Koffer fallen, fällt mir um den Hals und drückt mir mit ihrem roten Lippenstift einen Kussmund auf die Wange.

„Ino! Lass das. Hey!" Lachend macht sie einen Schritt zurück, greift wieder nach ihrem Koffer und drückt sich einfach an mir vorbei in die Wohnung. Ich schmiere mit meinem Handrücken so gut es geht über mein Gesicht, um die rote Farbe wieder loszuwerden und laufe ihr nach.

„Hm, schöne Wohnung hast du da. Oh, und es duftet herrlich nach Essen hier drin!"

Bevor Ino fragt sage ich „Links" und meine damit mein Zimmer. Sie öffnet ohne ein weiteres Wort die Tür und legt ihren Koffer und die Jeansjacke, die sie sich übergezogen hatte ab, nur um danach gleich wieder sich streckend zu mir auf den Gang hinauszutreten.

„Hübsches Zimmer." Bemerkt sie ehe sie wieder an mir vorbeiläuft, dieses Mal in Richtung Wohnbereich. Ich folge ihr schnellen Schrittes. Warum habe ich das Gefühl, dass Ino sich hier schon mindestens so zu Hause fühlt wie ich nach einer Woche?

„Wow, und du musst die hervorragende Köchin sein, die diesen Duft verbreitet!" meint Ino als sie schließlich Hinata erblickt, die in dem großen Topf am Herd herumrührt.

„Ähm ja, ich bin Hinata Hyuga. Es freut mich seh-" Und da fällt Ino ihr auch schon um den Hals, die Hand, die Hinata ausgestreckt hatte um sie zu begrüßen, vollkommen ignorierend. Ich seufze und entschuldige mich innerlich bei meiner Mitbewohnerin für ihr Verhalten. Immerhin hab ich sie vor ein paar Minuten noch vorgewarnt, dass Ino etwas „offen" sei. Und ungeniert.

Den Kuss auf die Wange spart sie sich bei ihr wenigstens, dafür fängt sie gleich an sie voll zu texten, wie unglaublich lang ihre Haare seien, und so glatt. Ich wäge noch ab ob ich wohl einschreiten sollte, aber Hinata findet dann doch recht schnell hinein in die Rolle der freundlichen Zuhörerin.

Wenigstens beim Essen wird Inos Redeschwall gemindert. Das Abendessen – für das zum größten Teil Hinata verantwortlich ist – schmeckt köstlich. Auch Ino stimmt mir in diesem Punkt zu. Hinata bedankt sich verlegen.

„Also, Sakura, dann komm ich gleich Mal zum Punkt. Weswegen ich hier bin-"

Oh nein, natürlich hat Ino einen Grund. Damit hab ich schon fest gerechnet und es würde mich wundern-

„Nun, da gibt es diese Charity-Veranstaltung morgen.."

- hätte es nichts mit Ausgehen und wohlhabenden Männern zu tun. Ich stöhne genervt und verdrehe die Augen.

„Hey! Sei nicht so Sakura, du hast eigentlich gar keine Wahl. Ich habe schon alles organisiert, bis auf Kleider, die müssen wir noch kaufen.. Sai bringt uns rein, weißt du, das war gar nicht so einfach. Da werden nur die WIRKLICH wichtigen Personen Konohas erscheinen. Achso, Hinata, dich nehmen wir auch gerne mit! Sai kann da was machen, das wär gar kein Problem."

Hinata schüttelt schnell den Kopf. Die Glückliche. Mir fällt auf, dass „wichtige Personen" nur Ino's Synonym für „reiche Single-Männer" ist. Außerdem muss ich kurz nachdenken, welche von den zahlreichen männlichen Bekanntschaften meiner Freundin Sai doch gleich ist. Ich meine mich zu erinnern, dass sie ihn im Zusammenhang mit ihrem Architekturstudium schon erwähnt hat. Ich glaube sogar, dass es einer ihrer Professoren ist, oder war – in meinem Kopf vervollständigt sich langsam diese kleine, unglaubliche Geschichte, die damals zwischen ihm und ihr lief. Wenn ich es mir recht überlege ist es doch nicht so unglaublich, nicht bei Ino. Sie hat schon so vielen Männern den Kopf verdreht. Diese kleine „Affäre" für zwischendurch hat sich aber glaube ich nicht lange gehalten, dafür hat sie ihn aber auch danach noch einige Male erwähnt, ganz abgesehen davon, dass ihre Noten bei ihm auch wirklich hervorragend ausgefallen sind, oh Wunder . Auch jetzt hat sie wohl immer noch ein gutes Verhältnis zu ihm.

Ich will mir gerade einfallen lassen, was ich meiner blonden Freundin als Grund auftischen kann, nicht mitzugehen – kein Geld für ein Kleid oder so – da stützt sie ihren Kopf auf ihren gefalteten Händen ab und lehnt sich wissend zu mir. Mit verführerischer Stimme und frechen Augen erklärt sie mir, dass sie gehört habe, dass Tsunade sozusagen ein Ehrengast bei dieser Veranstaltung sei.

Natürlich hat sie mich damit am Haken. Ich überlege schweigend, ob es mir das Wert ist - Ja, verdammt, das ist es! Und ich hätte sowieso keine Chance gegen Ino, wenn sie schon extra hier her gefahren ist um mich da hin mitzuzerren. Ergeben stimme ich ihr schließlich zu, was sie mit einem Schnalzen ihrer Zunge quittiert.

Nach dem Essen machen ich und Hinata schnell den Abwasch, während Ino sich gemütliche Klamotten anzieht und sich abschminken geht. Danach verbringen wir noch etwas Zeit auf dem Ecksofa, auch wenn der Fernseher aus bleibt. In erster Linie lauschen wir wieder Inos Geschichten, aber darüber bin ich in diesem Moment ganz dankbar. Ich finde es angenehm mich nicht darum kümmern zu müssen, wer ein Gespräch am Laufen hält. Ino ist eine gute Erzählerin, ich und Hinata sind gute Zuhörer. Also eine gute, entspannte Aufteilung.

Bis Ino sich plötzlich in mein Zimmer verabschiedet um an meinem Laptop noch zu recherchieren, wohin sie morgen zum Einkaufen hin wolle.

„Du willst wirklich nicht mit morgen Abend, Hinata?" frage ich sie.

„Oh Gott, nein. Also Danke, aber ich fühl mich nicht wohl auf solchen Veranstaltungen." Erklärt sie schüchtern. Klar, mit ihrer Familie, die sie rein optisch absolut nicht verleugnen kann, allein ihrer Augen wegen, würde sie sehr im Mittelpunkt stehen. Ich kann sie verstehen.

Sie erwähnt noch mal, dass sie sich gegen vier Uhr nachmittags mit Naruto verabredet habe, nur, damit ich weiß, ab wann sie weg sein würde. Ich nicke und wünsche ihr dann alsbald eine Gute Nacht, ehe ich mich erhebe und in mein Zimmer begebe.

„Ah, Sakura. Ich bin gleich so weit. Mann, ich glaube wir müssen morgen noch einen Abstecher in diesen Kosmetik-Schuppen hier machen. Die machen so tolles Nageldesgin!"

empfängt mich Ino ohne dabei auch nur von meinem Laptop aufzusehen. Ich antworte ihr nur mit einem alles- und nichtssagendem Brummen und fische aus meinem Kleiderschrank ein weites T-Shirt, das mir als Schlafanzug dienen wird.

Umgezogen bereite ich dann noch das Sofa in meinem Zimmer als Bett für Ino her. Als ich dann schließlich auch meine Zähne geputzt habe und auf mein Bett zusteuere wirft mir meine Freundin einen spöttischen Blick zu.

„Immer noch diese T-Shirts, Sakura! Das ist doch nicht dein ernst! Wenn wir morgen unterwegs sind kaufen wir dir schöne Sachen zum schlafen gehen! Irgendwann liegt da vielleicht mal ein gutaussehender Mann in deinem Bett, da kannst du nicht so auftreten!" Ich lasse die Moralpredigt von Ino kommentarlos an mir vorübergehen und schmeiße meinen Körper in mein weiches Bett.

Ich höre noch wie Ino grummelnd ins Bad verschwindet, irgendwas von wegen „Dessous" vor sich hinmotzend, und dann bin ich auch schon im Land der Träume.

Ich spüre, wie die Hand meiner blonden Freundin nach meiner Decke greift, sie mir mit Schwung vom Körper reißt, um mir danach mit der flachen Hand einen Klaps auf meinen Hintern zu geben.

„Ino!" schreie ich empört, was sie jedoch nicht im Mindesten beeindruckt.

„Steh auf! Wir gehen joggen! Jetzt, wo du auch schon wach bist."

Ungläubig starre ich ihr nach, wie sie im Bad verschwindet. Sie hat bereits ein Sportoutfit an, überhaupt sieht sie so aus, als wäre sie schon länger auf. Mein Kopf rattert auf Hochtouren – ich bin kein Morgenmensch, ich bin kein Fan von Sport und warum soll ich überhaupt auf Ino hören? Sie ist mein Gast, nicht mein Diktator. Mein Körper, der immer noch im Schlafmodus ist, lässt mich schließlich zurück in meine Matratze fallen.

Ich höre wie Ino wieder aus dem Bad zurückkommt und ahne bereits Böses, da wirft sie mir auch schon einen kalten Waschlappen ins Gesicht.

„Ino, sag mal, spinnst du?! Ich will nicht joggen, geh allein!" schimpfe ich vor mich hin und dreh mich auf die Seite, mit dem Rücken zu ihr.

Ich spüre förmlich wie sie sich hinter mir aufbaut, die Hände in die Hüften gestemmt, keinen Platz für Widersprüche lassend. Mit offenen Augen starre ich an die Wand vor mir. Eigentlich ist mir schon bewusst, wie das hier endet: nicht zu meinen Gunsten.

„Entweder du stehst jetzt auf und ziehst dir Sportkleider an, oder ich geh in die Küche und hole Eis!" höre ich sie hinter mir. Immer noch warte ich ab, ob sie es sich nicht doch einfach noch anders überlegt.

„Also gut Sakura, entweder du stehst jetzt endlich aus, oder ich zerre Hinata mit zum Joggen!" dabei steuert sie auch schon auf die Zimmertür zu. Erschrocken springe ich auf und hole sie kurz vor der Türe meiner Mitbewohnerin ein.

„Ino, lass es! Lass sie bloß schlafen! Ich zieh mich ja schon an!" zische ich ihr ins Ohr, so leise aber nachdrücklich wie möglich, damit ich Hinata nicht wecke.

Zufrieden grinsend verlässt Ino vor mir unsere Wohnung und hüpft freudig die Treppenstufen hinab. Genervt folge ich ihr, dabei binde ich mir noch meine rosa Haare zu einem hohen Zopf zusammen. Wir haben das Gebäude kaum verlassen joggt meine Freundin auch schon los, ohne bestimmtes Ziel. Ich hole sie ein und muss sogar feststellen, dass ich zunächst besser mithalten kann als erwartet. Die ersten 20 Minuten laufen gut für mich. Wir erreichen einen größeren Park, den ich zuvor noch gar nicht entdeckt habe und Ino läuft weiter energischen Schrittes neben mir, nicht andeutend, dass sie sich überhaupt schon anstrengen muss. Ich dagegen spüre, wie meine Kraft schwindet, wie sich meine Muskeln langsam verspannen. Viel weiter werde ich nicht mehr kommen, das will ich Ino gerade sagen, als sie mir zuvor kommt.

„Uh, schau mal! Heiße Schnitte auf 3 Uhr!"

Etwas außer Atem folge ich ihrem Blick. Auf einem Weg, der von rechts auf unseren Weg zuführt joggt kein geringerer als Sasuke Uchiha. Erschrocken verpasse ich einige Schritte lang im Takt zu atmen und bekomme dafür als Strafe sofort Seitenstechen. Ich will Ino eigentlich gerade erklären dass ich ihn kenne, dass er ein etwas komischer Geselle zu sein scheint, aber meine Atemprobleme erlauben es mir nicht, große Reden zu halten. Außerdem steigert meine liebe Freundin auch noch ihr Tempo, entweder weil sie mich Bloßstellen will, oder weil sie vor ihm angeben will, der uns immer näher kommt – oder beides. Ich bete dass er einfach links abbiegt, in die entgegengesetzte Richtung von uns.

Natürlich biegt er rechts ab. Joggt immer näherkommend hinter uns her. Frustriert versuche ich Kräfte zu mobilisieren. Ino joggt mit Leichtigkeit um mich herum, mal rechts, mal links von mir, mal rückwärts vor mir herlaufend – bestimmt nur um Sasuke zu beobachten. Dann fängt sie auch noch an mich wie ein Personal Trainer anzufeuern. Ich möchte wahlweise im Erdboden versinken, auf der Stelle, oder meiner Freundin eine scheuern, mitten in ihr entspanntes Gesicht, das nicht mal ansatzweise angestrengt oder verschwitzt aussieht.

Dann überholt er uns. Sasuke Uchiha joggt rechts an uns vorbei, mit einem amüsierten, schiefen Grinsen im Gesicht. Kurz treffen sich unsere Augen, dann ist er weg und alles was ich sehe ist seine Rückansicht, die sich von uns entfernt.

Ino läuft nun wieder neben mir und als ich mir sicher bin, dass Sasuke ein Stück weit weg ist, lasse ich meinen Laufschritt langsamer werden, bis ich schließlich anhalte und tief ein und ausatme. Mein Kopf ist sicher knallrot, wegen Anstrengung und dieser peinlichen Aktion soeben. Sein Grinsen geht mir nicht aus dem Kopf. Es ist denke ich das erste Mal, dass ich sein Gesicht nicht völlig desinteressiert oder genervt gesehen habe.

Meine Freundin, die neben mir steht – völlig entspannt – sieht mich wissend an.

„Hmm.. Kennst du ihn? Er hat dich beobachtet. Und angelächelt."

„Ich- Nein, nicht wirklich... Er ist der Mitbewohner von einem Bekannten.. Wir haben uns noch nie wirklich unterhalten." Erkläre ich Ino während ich immer noch heftig ein und ausatmen muss. Das Glitzern in den Augen meiner Freundin jagt mir einen Schauer den Rücken runter. Was hat sie jetzt schon wieder vor? Das Schlimmste, was einem mit Ino passieren kann, ist, dass sie nicht ausspricht, was sie denkt. Ich sehe ihr genau an, dass sie schon wieder Pläne schmiedet. Oder falsche Schlüsse zieht. Was auch immer, ich bekomme keine Antwort darauf von ihr. Stattdessen gehen wir langsam wieder Richtung Wohnung zurück. Ino meint, wir müssen uns beeilen, da sie noch einiges vorhabe für heute Abend. Alles was ich mir im Moment wünsche, ist eine Dusche – und, dass mir dieser Gesichtsausdruck von Sasuke endlich aus meinem Kopf geht.

Vielleicht war es dieser Moment, der in ins Wanken gebracht hatte. Der seinen Verdacht etwas geschmälert hatte. Der ihn daran glauben ließ, dass Sakura Haruno nur ein normales Mädchen war, mit einem normalen Leben und normalen Freunden.

Er würde sie noch etwas weiter im Auge behalten. Nur, um sicherzugehen – und vielleicht auch, weil sie ihn nach der ständigen Beschattung nun auch irgendwie... interessierte.

Er musste still vor sich hin Grinsen, mit den Gedanken bei einer rosahaarigen, jungen Frau in kurzen Hosen und mit hochrotem, verschwitzten Gesicht.

Ein leises Lachen entfuhr ihm.

Mischt der Zufall die Karten, so verliert der Verstand das Spiel.

Deutsches Sprichwort