Kapitel 3: Kennst du ihn wirklich...?
Als sie immer noch über die Schulter hinweg zu ihm sah nahm er dies als
Aufforderung ihnen zu folgen. Insgeheim fragte er sich wie es passieren konnte,
dass Blaise Zabini und Hermine Granger zusammen gekommen sind. Zwei Menschen mit
solch gegensätzlichen Vorstellungen von der Welt. Ihre Ideologien waren
unterschiedlicher wie sie nicht hätten sein können. Blaise war Todesser und
Hermine eine Muggelgeborene, daran konnte man rütteln und drehen soviel man
mochte, es würde sich nichts verändern und passen schon gar nicht. Ob sie
überhaupt wusste, dass er der dunklen Seite angehörte? Wahrscheinlich nicht. Wie sonst hätte sie sich im anvertrauen können?
In der großen Halle erwartete Draco ein ungewöhnlicher Anblick. Die Haustische
waren verschwunden. Lediglich ein paar runde Tische, er vermutete an die zwanzig,
waren in der Halle verteilt. Sie sollten wohl über die geringe Anzahl der Anwesenden täuschen. Die Schüler saßen bunt durcheinander gewürfelt,
es konnten nicht mehr als hundert gewesen sein. Die Lehrer saßen an ihren
gewohnten Plätzen an einer langen Tafel am Ende der großen Halle, von wo aus man alles überblicken konnte.
Hermine und Blaise setzten sich an eben einen dieser runden Tische. Draco nahm
Platz auf einem der Stühle Hermine direkt gegenüber. Kurze Zeit nachdem sie
saßen kam auch eine Eule mit dem Tagespropheten herein geflogen. Draco registrierte dass Hermine trotz
der Tiefschläge, welche sie erlitten hatte noch ihre festen Gewohnheiten hatte. Sie
nahm den Tagespropheten entgegen und legte eine Münze in den Beutel, der an
einem Bein der Eule angebunden war hinein. Hermine vertiefte sich auch sogleich
in ihre morgendliche Lektüre. Doch lange blieb sie nicht stumm. Sie warf ihm
zuerst immer wieder eigenartige Blicke über den Rand der Zeitung hinweg zu.
Ohne die Augen von ihm abzuwenden sprach sie dann an Blaise gewandt. Die einzige Möglichkeit Draco etwas mitzuteilen ohne den Eindruck einer Geistesgestörten zu erwecken, wenn sie mit einem unsichtbaren sprach.
»Sieh mal da ist ein Bericht, der sollte dich vielleicht interessieren.
,,Malfoyerbe tot aufgefunden'':, begann Hermione um daraufhin einen Ausschnitte vorzulesen.
Am gestrigen Abend fand man die Leiche Draco Malfoys (17) in einem Feld in
Schottland auf.
Letzten Sommer flüchtete dieser zusammen mit Severus Snape dem
Zaubertränkemeister aus Hogwarts. Severus Snape war verantwortlich für den Tod
Albus Dumbledores. Der junge Malfoy hatte am selben Abend mehrere Todesser in
Hogwarts durch einen der Geheimgänge hinein gelassen.
Man vermutet das Draco Malfoy von den Anhängern sie-wissen-schon-wems durch den
Todesfluch ermordet wurde. Er war wohl nicht nur auf der Flucht vor dem Gesetz,
sondern auch verfolgt von seinen ehemaligen Verbündeten. Wir werden wohl nie
erfahren weshalb er sterben musste. Eines ist jedoch sicher, hätten ihn die
Auroren lebend gefunden so hätte ihm eine Haftstrafe in Askaban bevor
gestanden.«
Hermine endete an dieser Stelle mit dem Zeitungsartikel. Immer noch sah sie
Draco an. Er war wirklich tot. Jetzt war es endgültig in ihren Verstand
eingesickert. Auch das Foto vom leblos am Boden liegenden Draco Malfoy im
Tagespropheten half ihr auf die Sprünge. Das war eindeutig er auf dem Bild. Sie
war nicht verrückt geworden. Das konnte sie sich jetzt nicht mehr einreden. Ihr
gegenüber saß wirklich Draco Malfoy.
»Na, wen stört's? Sicher findest du dass das mal eine gute Tat war.
Todesser sind also doch noch zu gebrauchen.«
Hermine klappte der Kiefer hinunter. Entsetzt starrte sie Blaise an. Die Entrüstung stand ihr ins Gesicht geschrieben sodass es Blaise nicht möglich war dies nicht zu bemerken.
»Wie kannst du so etwas auch nur denken? Niemals ist es eine gute Tat, wenn
Menschen getötet oder gar gefoltert werden. Selbst wenn sie zu ihren Lebzeiten
noch so schlecht waren. Es liegt nicht in der Hand des Menschen zu entscheiden
wer, wann zu sterben hat. Und Draco Malfoy hatte es ebenso wenig verdient zu
sterben wie Harry und Ron!«
Blaise zeigte sich unbeindruckt von der Strafpredigt Hermiones. Gelassen griff er nach seinem Glas über den Rand hinweg sah er abschätzig zu Hermione.
»Ich bitte dich! Wir stehen kurz vor dem Krieg. Du willst doch nicht
tatsächlich behaupten du würdest nicht gezwungen sein, spätestens dann zu
entscheiden wer zu leben hat und wer nicht? Würdest du deine Gegner davon
ziehen lassen und sie weiter morden lassen?«
Hermine blickte Blaise mit entrückten Gesichtszügen entgegen. Ihre innerste Abscheu zeigte sich in ihren Augen aber auch Verletztheit darüber wie kalt ihn das ließ. Draco konnte nicht verhindern dass Blaise in ihm immer mehr Misstrauen und Abneigung hervor rief.
»Blaise was ist nur in dich gefahren? Ich würde nie, hörst du, nie einen
Menschen töten!«
Blaise blieb mit einem gleichgültigen Ausdruck sitzen. Ohne Hermione weitere Aufmerksamkeit zu zollen hob er sein Besteck und widmete sich seinem Frühstück. Nur ein einziger abweisender Kommentar ließ sich ihm entlocken.
»Wir werden schon noch sehen.«
Hermine sprang entsetzt über seine Worte auf und entfernte sich von ihm.
Niemandem war diese Unterhaltung aufgefallen, denn sie hatte in leisem Wisperton
stattgefunden. Ein letztes Mal richtete Hermine ihr Wort an Blaise Zabini bevor
sie stürmisch die Halle verließ.
»Ich dachte ich weiß wer du bist aber… heute erkenne ich dich nicht
wieder.«
Draco blieb sitzen und beobachtete seinen ehemaligen Kameraden. Es kam ihm von
Anfang an merkwürdig vor wie sich dieser benahm und anscheinend begann seine
Fassade langsam zu bröckeln. Draco war sich sicher Blaise Zabini spielte ein
Spiel. Doch welches? Was wollte Blaise damit bezwecken? Er saß vollkommen
unbekümmert am Frühstückstisch sich seiner Sache sicher. Draco brauchte keine Beweise. Blaise hatte etwas vor mit Hermine und es war ganz sicher nichts Gutes das er im Schilde führte.
Er musste Hermine sofort suchen und ihr sagen sie solle sich von Blaise fern
halten. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Maske völlig abfallen würde und
daraufhin würden Taten folgen.
Wie durch einen sechsten Sinn geleitet fand Draco Hermine in einem verlassenen
Gang wieder. Es dürfte kein Zufall sein dass sie so leicht für ihn aufzufinden war. Sie war alleine, an die steinerne Mauer gelehnt.
»Warum tut er das? Warum hat er das gesagt?«
Hermine sprach nicht zu sich selbst, sie hatte Draco kommen spüren. Und nun sah
sie ihn eindringlich an. Sie erhoffte sich eine sinnvolle Antwort von ihm. Doch eine solche konnte Draco ihr nicht bieten. Er zweifelte schwerlich dass er ihr auch nur in irgendeiner Weise Trost spenden konnte.
»Ich denke, es ist ihm nur heraus gerutscht.«
Draco wollte ihr keineswegs eine falsche Vorstellung geben, doch glaubte er was
er sagte. Er wollte seine Worte abwägen aber es fiel ihm schwer, denn er wollte sie warnen doch zugleich nicht durch den Verlust von einem scheinbaren Freund verletzten.
»Ich bin mir sicher er will dich nicht gegen sich aufbringen, jedenfalls noch
nicht jetzt.«
Draco merkte dass er sich nicht besonders geschickt anstellte und seine Wortwahl nur niederschlagend sein konnte. Hermione horchte entsetzt auf. Aufmerksam geworden sah Hermine zu ihm.
»Was meinst du damit? Was meinst du mit ,,noch nicht jetzt''?«
Draco verzog gequält das Gesicht. Sie kämpfte so schwer gegen die offensichtliche Botschaft in seinen Worten dass es schon Kummer in ihm hervor rief wie verzweifelt sie sich an einen Strohhalm klammerte.
»Hermine, er benutzt dich nur. Ich kannte Blaise einmal sehr gut und das was du
vorhin gehört hast, das war der echte Blaise Zabini.«
Hermine schüttelte vehement den Kopf, sodass ihre Locken hin und her wippten.
»Nein, das kann nicht wahr sein. In den vergangenen drei Monaten, seit ich
wieder hier bin, war er mir eine unglaubliche Stütze in meinem Leben. Ohne ihn
hätte ich es bereits aufgegeben.«
»Er ist ein Todesser, was erwartest du dir von ihm? Glaubst du wirklich er hat
das alles woran er glaubt über den Haufen geworfen? Verschließ die Augen nicht
vor der Realität. Er plant etwas und du spielst eine nicht unwichtige Rolle
darin. Halte dich von ihm fern, ich bitte dich inständig darum.«
Hermine war blass geworden, trotzdem sah er ihr an das sie ihm nicht glauben
wollte. Nicht verwunderlich. Blaise war zu dem einzigen Menschen geworden, der
ihr geblieben war. Sie wollte es nicht glauben. Sie konnte es schlichtweg
nicht. Das was sie braucht um zu begreifen war Zeit, doch vielleicht blieb ihr nicht mehr viel davon.
»Nein hör auf. Sag so etwas nicht. Woher willst du das alles wissen?«, ihre Stimme schallte schrill von den Wänden und nahezu verzweifelt von ihren eigenen Gedanken presste sie die Hände an die Ohren.
Draco wollte ihr nicht sagen müssen, dass er Blaise bei den Treffen der
Todesser gesehen hatte, wollte sie nicht gänzlich niederschmettern. Sie beide hatten das dunkle Mal in derselben Nacht erhalten. Würde er das sagen dann würde er Hermine nur noch unnötigerweise unter die Nase reiben das er selbst ein Todesser war. Für sie wäre es nicht wichtig, dass er seine Entscheidung von damals bereute.
»Ich weiß es. Glaub mir.«
»Ich kann nicht mehr glauben, Draco. Ich bin es Leid.«
Sie lief davon. Er folgte ihr nicht. Sie brauchte Bedenkzeit. Er konnte ihr
dabei nicht helfen.
Den ganzen Tag lang wartete er darauf, dass sie zurück in die Räume der
Schulsprecher kam. Er konnte sie spüren, stärker wenn sie näher kam, schwächer wenn sie sich von ihren Räumlichkeiten entfernte. Als er in ihr Zimmer trat fiel ihm sofort das Foto am Boden ins Auge wo es noch seit dem Morgen schon lag. Natürlich. Er hatte es ja auch dorthin befördert. Er wollte es nicht
mehr sehen müssen, weshalb er es zurück auf den Schreibtisch legte und unter
den Stapel der anderen Bilder schob.
Desto später es wurde desto unruhiger schritt Draco in ihrem Zimmer auf und ab. Er konnte sie fühlen, ein zunehmendes und wieder abnehmende pulsieren. Instinktiv war im bewusst dass es ihr Pulschlag war der in seinen Ohren dröhnte und ihm verriet wie nah oder wie fern sie war. Es schien als zaudere sie mit sich selbst und wusste nicht wohin.
Wo war nur der Scharfsinn geblieben? Warum ließ
sie sich nur so leicht täuschen? Ganz klar sie hatte schweres durchgemacht,
ihre besten Freunde waren gestorben und die anderen waren offensichtlich nicht
mehr zurück nach Hogwarts gekehrt. Angesichts der Situation in der Zaubererwelt
auch verständlich. Aber ihr Verstand musste Hermine doch geblieben sein. Wenigstens dieser wenn nichts anderes.
Es musste bereits Nachmittag gewesen sein als das Porträt zum
Gemeinschaftsraum aufschwang. Draco lugte durch den Türspalt ihres Zimmers und sah wie Hermine und Blaise gemeinsam hinein kamen.
»Endlich mal ein paar Stunden ausruhen.«
Blaise warf seine Schulbücher auf den Tisch vorm Sofa und ließ sich auf das Sofa zurück fallen. Hermine tat es ihm nach und rückte näher an ihn heran. Unverständlich, wenn man bedachte dass er sie am Morgen noch zutiefst verletzt hatte. Ihre Handlung war absolut nicht zu verstehen.
Sie wollte seinen Rat also nicht befolgen. Sie würde sich nicht fern halten von ihrem eigenen Unglück.
Stirnrunzelnd beobachtete Draco wie Hermiones Finger über Blaise' Brust wanderten und verlockend mit den Hemdsknöpfen spielten und an seiner Krawatte neckend zogen.
Mit scheinbar enttäuschter Stimme sprach sie verführerisch auf ihn ein.
»Schade. Ich dachte wir könnten noch ein paar aufregende Dinge miteinander
anstellen. Diese haben nicht viel mit ausruhen zu tun.«
Draco glaubte sich verhört zu haben. Alleine der Ton in Hermines Stimme war
ungewöhnlich. Nicht nur ungewöhnlich sondern auch verstörend. Niemals hätte sie so gesprochen, es war einfach unvorstellbar. Auch Blaise schien aufzuhorchen doch aus einem ganz anderen Grund. Seine Augen blitzten auf und ein schiefes Grinsen zeigte sich auf seinem
Gesicht.
»Warum jetzt auf einmal?«, fragte er seine Stimme rauchig vor Verlangen.
Hermine schob ein Bein über seinen Schoß und setzte sich über ihn. Noch hatte sie es unter Kontrolle.
»Nun, warum nicht jetzt? Oder willst du etwa nicht mehr?«
Blaise sah ganz und gar nicht so aus als würde er nicht wollen aber alles was Hermione sagte und tat schien sie nicht mit Herz zu tun. Ihre Bewegungen war zielgerichtet, nicht von Lust geleitet.
Draco indes hatte damit zu kämpfen nicht hinzugehen und Hermine von ihm runter
zu ziehen. Er wusste nicht woran es lag doch er verspürte den Drang sie zu
beschützen. Und Blaise war eine Gefahr.
»Und ob ich will. Du warst es immer die abgewehrt hatte.«
Seine Hände strichen über ihre Taille hinunter und fuhren unter ihrer Bluse
wieder hinauf. Hermine machte sich mit nun bemerkbar zittrigen Fingern an seinen Hemdsknöpfen zu schaffen. Etwas das man Der Ungeduld zuschieben könnte aber Draco war sich sicher dass es mehr als nur dass war. Mit einem Kuss hielt sie Blaise ab in seinem Tun fortzufahren. Sie jedoch öffnete den letzten Hemdsknopf. Bevor sie ihm den Stoff von den Schultern streifte löste sie seine Krawatte und legte sie sorgsam ab. Von Blaise unbemerkt zog sie seinen Zauberstab aus dem Umhang noch während sie ihn ihm abstreifte und ließ in mit einem dumpfen Ton zu Boden gleiten.
Blaise zu abgelenkt um die komplexe Handlung zu überblicken bemerkte dies alles nicht unter den immer stürmischeren und Besitzergreifenden Küssen.
Draco war sich unschlüssig darüber was er tun oder was er besser lassen sollte. Es passte nicht und trotzdem passierte es gerade vor seinen Augen. Voller Ungeduld und Nervosität ließ er es ablaufen.
Auch Hermine war ungeduldig. Sie zog Blaise näher zu sich heran um ihm das Hemd
nun gänzlich abzustreifen. Mit den Händen erforschte sie seine nackte Brust,
seine Schultern und ließ sie suchend über seine Arme hinab gleiten. An seinen
Unterarmen angelangt löste sie mit geschlossen Augen den Kuss. Als sie die
Augen wieder öffnete sahen ihr ozeanblaue Augen voller Begehren und Lust
entgegen. Noch nicht lange her hatte sie geglaubt etwas Vertrautes in ihnen gesehen zu haben aber nun schienen sie ihr fremd und verschlossen. Sie konnte keine Geborgenheit in ihnen finden. Ihre Augen wanderten seinen Körper entlang auf der Suche nach etwas Halt und Zuversicht. Ihr Blick blieb auf der blassen Haut seines Armes hängen. In ihrer Vorstellung war er immer makellos gewesen doch nun sah sie sich mit einer grässlichen Wahrheit konfrontiert.
Mit zögerlichen Bewegungen fuhr sie mit den Fingerspitzen das dunkle Mal nach. Es war faszinierend und abstoßend zugleich von einer makaberen Schönheit. Enttäuscht in ihrem Vertrauen stiegen Tränen in ihr auf. Mit einem Schlag wichen alle Gefühle in ihr und machten der leere Platz. Sie war nicht länger enttäuscht oder verletzt, gebrochen in ihrer Zuversicht sondern nur noch leer. Nicht einmal die kurzweilige Erregung die sie kurz zuvor bei seinen Berührungen und Küssen verspürt hatte war geblieben. Sie hatte gedacht er wäre anders. Zig mal tastete sie über das Zeichen der Todesser und starrte mit ausdrucklosem Blick darauf.
»Verdammt!, entfuhr es Draco.
Das Mädchen war doch lebensmüde!
Bei dem Klang seiner Stimme wandte Hermine den Kopf in seine Richtung. Draco
hatte laut und deutlich gesprochen aber Blaise konnte ihn natürlich nicht
hören. Erstaunt und zugleich zornig sah er Hermine an. Endlich verstehend dass Hermione nur die Absicht gehegt hatte seine wahre Natur zu begreifen, seine Absichten zu hinterfragen. Sie erwiderte seinen Blick immer noch mit leeren Augen. Mit stummer Anklage an seinen Verrat an ihr.
