Herzsprung
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Sie landeten in einer Straße im Londoner Stadtbezirk Harrow. Astoria betrachtete ein wenig verwundert die kleinen schmalen Häuser, die sich dicht an dicht aneinanderreihten. Sie kannte Daphnes alte Schulkameradin nicht sehr gut, aber sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie in dieser Gegend wohnen sollte. Die Häuser waren eine Spur zu niedlich für Millicent.
„Hier wohnt also Millicent?", fragte sie Malfoy.
Er nickte. „Wenn ich mich richtig erinnere, in dem grünen dort drüben." Okay, wenn es das rosafarbene daneben gewesen wäre, hätte sie auch an ihrem Verstand zweifeln müssen.
Malfoy wollte schon die Straße überqueren, als sie ihn hastig am Ärmel festhielt.
„Warte! Müssen wir nicht noch etwas besprechen?"
Er blieb stehen und wandte sich zu ihr um. „Und das wäre?", fragte er.
„Wir sollten uns überlegen, was wir antworten, falls jemand danach fragt, wie wir uns kennengelernt haben", sagte sie.
Seine Brauen waren leicht gerunzelt. „Die meisten werden wissen, dass wir uns von Hogwarts kennen..."
„Ich meinte, wie wir zusammen gekommen sind", erwiderte Astoria etwas die Geduld verlierend.
„Und hast du schon eine Idee?", erkundigte er sich bei ihr. Er sah sie aufmerksam an.
Astoria bekam erneut das Gefühl, dass er sich über sie lustig machte, aber sie nahm sich vor es zu ignorieren. „Nun, ich bevorzuge eine Version, in der du den ersten Schritt gemacht hast", sagte sie langsam.
„Verstehe", bemerkte er, ein leichtes Lächeln lag auf seinen Lippen. „Fahre fort."
„Nun …", Astorias Miene wurde nachdenklich, „... du hast mich natürlich schon öfter gesehen, weil ich Daphnes Schwester bin und …"
„Und?", verlangte er zu wissen. Der Blick, mit dem er sie ansah, war rätselhaft.
„... und du fandest mich schon immer … interessant", beendete sie ihren Satz und warf ihm einen herausfordernden Blick zu.
„Sehr überzeugend", entgegnete er und sie war sich sicher, Ironie heraushören zu können.
„Malfoy, ...", wollte sie ihn finster zurechtweisen, aber er unterbrach sie: „Bis jetzt ist es ganz … gut durchdacht. Aber was habe ich dann gemacht, nachdem du mein Interesse geweckt hattest?"
„Nun dann …" Astoria biss sich auf ihre Unterlippe und stieß schließlich einen Seufzer aus. „Keine Ahnung! Ich weiß nicht, was du in so einem Fall machen würdest."
Malfoy trug ein, ihrer Meinung nach, dämliches Grinsen zur Schau und sagte schließlich: „Dann hat es, sagen wir, beim Gesellschaftsabend von Madam Madley angefangen. Der war vor etwa drei Monaten, falls du dich noch erinnerst."
Sie erinnerte sich tatsächlich. Eine kurze Zeit hatte sie sogar am selben Tisch wie Malfoy bei einer Runde Piqueira, einem Zauberkartenspiel, gesessen.
„Ich erinnere mich dunkel", erwiderte sie knapp.
„Gut. Dort habe ich dich in ein Gespräch verwickelt und als ich dich kurz darauf zum Abendessen ins Blerentflare's eingeladen habe, hast du natürlich sofort zusagt."
„Natürlich...", entgegnete sie spöttisch.
Malfoy ging nicht darauf ein und meinte: „Das ist alles, was die Leute wissen müssen."
Astoria nickte kurz. Sie hatte nicht vor, sich mehr als nötig auszudenken.
Kurz darauf beglückwünschten sie Millicent, die ihnen die Tür geöffnet hatte. Malfoy überreichte ihr ein kleines hübsch verpacktes Geschenk und meinte: „Eine Kleinigkeit von Astoria und mir."
Astoria fand, dass er wie immer eine kühle Selbstsicherheit ausstrahlte. Man würde nicht vermuten, dass er jemals Gefühle besäße. Immerhin wusste sie, dass dies nicht gänzlich stimmte, schließlich war da der Spott, die Arroganz und sein Amüsement, hauptsächlich über seine Mitmenschen.
Millicent lächelte erfreut, was man nicht oft bei ihr sah. „Danke. Ich freue mich, dass ihr hierher gefunden habt", meinte sie und dann direkt zu Astoria: „Deine Schwester wusste nicht genau, ob du kommen würdest."
Astoria nickte und lachte leise: „Draco hat mich sozusagen in letzter Minute dazu überredet mitzukommen."
„Dann freut es mich, dass du sie überzeugen konntest", sagte Millicent zu Malfoy.
Sie folgten der braunhaarigen Hexe in das Wohnzimmer, das zu einem Partyraum umfunktioniert wurden war. Kurz bevor sie hineingingen, warf Astoria Malfoy noch einen Blick zu, um sich bei ihm zu vergewissern, ob – ja, weshalb eigentlich? Ob er bereit war, das Spiel mit ihr zu spielen? Er nickte ihr fast unmerklich zu. Erleichtert ließ sie die Atemluft aus ihren Lungen entweichen. Sie war nervöser, als sie es sich zugestehen wollte. Eigentlich würde es doch keine große Sache werden. Niemand würde von ihnen irgendwelche handfesten Beweise verlangen. Das nahm sie zumindest an...
Die meisten Anwesenden kannte sie von ihrer Schwester beziehungsweise aus Slytherin, darunter Pansy Parkinson, Tracey Davis, Blaise Zabini und zu guter Letzt natürlich Daphne und Theo. Einen großen Haufen von Leuten kannte sie jedoch nur flüchtig. Astoria setzte sich neben Tracey, die sie von Daphnes Freundinnen am liebsten mochte, Malfoy nahm den Platz neben ihr und Millicent bot ihnen Getränke an.
Bald stellte Astoria fest, dass sie mit fast allen ehemaligen Mitschülern von Daphne aus Slytherin einem Tisch saß. Daphne hatte ihr einmal erzählt, dass Gregory Goyle nach den Ereignissen vor sechs Jahren, als Vincent Crabbe umgekommen war, nicht mehr derselbe gewesen sei, was seine Abwesenheit erklärte. Die Stimmung war gut und sie begann sich zunehmend wohler zu fühlen, auch wenn Pansy sie nicht gerade freundlich musterte. Astoria wusste, dass Pansy in Daphnes sechstem Schuljahr mit Malfoy gegangen war. Sie war inzwischen jedoch seit mehr als zwei Jahren mit jemand anderen dauerverlobt.
„Wie sieht es aus? Ist Draco wirklich dein Typ?", witzelte Blaise Zabini nach einer Weile. „Ich wäre nämlich ansonsten auch noch frei." Er zwinkerte Astoria zu.
„Danke für das Angebot", erwiderte sie lächelnd, „aber ich halte ihn für … ganz akzeptabel."
Malfoy zeigte eine demonstrativ kühle Miene. „Du bist wie immer die Liebenswürdigkeit in Person, Liebes", kommentierte er gedehnt. In seinen grauen Augen blitzte etwas auf, was man ungelogen als Vergnügen interpretieren konnte. Astoria fragte sich ein wenig überrascht, ob er tatsächlich Spaß an der Sache haben könnte.
„Dass ich das noch erleben darf, hätte ich nicht gedacht, Malfoy", kam es etwas boshaft von Zabini.
„Dann solltest du hoffen, dass du noch lang genug lebst, um es genießen zu können", entgegnete Malfoy ruhig.
„Ja, Blaise. Draco sah nämlich gar nicht glücklich darüber aus, wie du Astoria deine Avancen gemacht hast", lachte Tracey nun.
Astoria lachte ebenfalls.
„Bitte entschuldigt uns nun. Ich möchte ein paar Schritte mit meiner Verlobten gehen", erklärte Malfoy. Er erhob sich von seinem Platz.
Astoria tat es ihm zwar verwundert jedoch nicht uninteressiert gleich. Es hieß schließlich, dass Verliebte ihre Zeit am liebsten in trauter Zweisamkeit verbrachten …
Malfoy nahm ihren Arm und geleitete sie zielstrebig zu der Tür, die in den Garten an der Hinterseite des Hauses führte. Es war schon ziemlich dunkel draußen. Man konnte gedämpft Stimmen, Lachen und leise Musik aus Millicents Wohnzimmer dringen hören. Astoria schaute in den Garten, der sich viel weiter erstreckte, als man vorher angenommen hätte. Einige Gäste befanden sich in einem beleuchteten Pavillon, der sich weiter hinten im Garten befand. Malfoy schien sich jedoch nicht dieser Gruppe anschließen zu wollen, denn er führte sie stattdessen schweigend ein Stück über die Terrasse. Auf der Wiese zirpten einige Zikaden und Grillen munter vor sich hin. Plötzlich hatte Astoria die Hauswand in ihrem Rücken und Malfoy stand mit einer Hand an dieser abgestützt vor ihr.
„...Malfoy?", brach es entgeistert aus ihr heraus. Ihre Stimme klang gut eine Terz zu hoch in ihren Ohren.
Er zog wie so oft eine seiner Augenbrauen in die Höhe, was sie immer als äußerst lästig empfand. Trotzdem musste sie feststellen, dass er von Nahem unerwartet attraktiv aussah, und auf eine merkwürdige Art und Weise berührte sein Erscheinungsbild sie, was wiederum ziemlich lächerlich klang.
„Sind wir jetzt wieder bei Malfoy?", erkundigte er sich.
„Wir sind unter uns. Da kann ich dich Malfoy nennen", erklärte sie schlicht. Ihre Augen wanderten über sein Gesicht. Seine weißblonden Haare fielen ihm in die Stirn, was ihm, so albern dies auch nun wieder klingen mochte, einen verwegenen Anstrich verlieh.
„Ist das nicht etwas verdreht?", begann er. Seine schleppende Stimme wollte keine Ruhe geben.
„Was meinst du?" Sie suchte in seinem Gesicht verzweifelt das Detail, das für seine Attraktivität verantwortlich war. Seine grauen Augen standen unbestreitbar unter Verdacht.
„Dass jemand einen anderen mit dem Nachnamen anredet und vor anderen Leuten mit dem Vornamen. Von dir mal abgesehen kenne ich niemanden, der das tut."
Astoria zuckte mit den Schultern und erwiderte: „Kannst du auch schlecht. Da dieser jemand vor dir natürlich nur den Vornamen des anderen benutzt."
Er lachte leise. Sein Mund wirkte plötzlich ebenfalls sehr verdächtig. „Sei froh, dass ich dich nicht mit deinem Nachnamen anrede, Astoria. Es wäre doch seltsam, wenn ich dich sonst bald ebenfalls Malfoy nennen müsste..." Mittlerweile umspielte ein amüsiertes Lächeln seine Lippen.
„Was meinst du mit bald? Steht denn schon ein Datum für die Hochzeit fest?", fragte sie erschrocken.
Sein Lächeln verblasste. „Nicht direkt, aber es wird nicht mehr lange dauern bis der Termin feststeht. Die Hochzeit soll wohl möglichst bald stattfinden."
Astoria schloss für einen kurzen Moment ihre Augen. Sie waren doch gerade erst verlobt.
„Ich hatte gehofft, ich würde etwas Zeit bekommen."
„Wofür?" Er hörte sich argwöhnisch an.
„Um mich vorzubereiten", antwortete sie ohne etwas Spezielles damit zu meinen.
„Auf was genau willst du dich vorbereiten?", fragte er sie.
„Auf die Ehe mit dir..."
„Und wie genau willst du das anstellen?" Seine Augenbrauen waren erneut hochgezogen.
Sie warf ihm einen halb genervten Blick zu. „Einfach indem ich etwas Zeit habe!"
„Ich fürchte meine Mutter kann es nicht abwarten", meinte er steif.
„Kannst du sie nicht irgendwie überzeugen, dass es besser ist noch etwas zu warten?", seufzte sie und sah ihn hoffnungsvoll an. Malfoy schien etwas zu zögern, bevor er meinte: „Es ist nicht nur meine Mutter..."
Er musste von seinem Vater sprechen. Es war höchst wahrscheinlich, dass Lucius Malfoy für ihr Dilemma verantwortlich war. In ihrem Inneren wuchs stetig der Zorn auf den älteren Malfoy.
„Vielleicht gehen wir besser wieder rein ...", beschied Astoria und wollte sich an ihm vorbeischieben, aber er versperrte ihr den Weg.
„Nicht so schnell", stoppte er sie. „Wir haben noch gar nicht das getan, wofür wir gekommen sind." Sein Blick wirkte lauernd und auf seinen Lippen lag nun wieder ein feines Lächeln.
„Ähm … und das wäre?"
Er machte sie nervös.
„Schon vergessen? Wir wollten die Leute doch von unserer Zuneigung überzeugen", flüsterte er ihr rau zu.
„Nun, das haben wir doch bisher ganz gut gemacht, oder?", erkundigte sie sich zögerlich.
„Wir könnten es noch etwas glaubhafter wirken lassen …" Seine tiefe Stimme hatte nun einen verheißungsvollen Klang angenommen, den Astoria niemals mit Malfoy in Verbindung gebracht hätte.
Ihr Blick fiel erneut auf seinen Mund. Man konnte sein Lächeln schon fast als verdorben bezeichnen.
„Okay..." Astoria befeuchtete sich geistesabwesend ihre Lippen und sah ihm in die Augen. „Was genau hast du vor?"
„Die Terrasse ist gut beleuchtet, deshalb werden die anderen im Garten uns gut sehen können..."
Astoria nickte.
„Eine kleine Vorstellung bietet sich also förmlich an", raunte er.
Astoria schaute abermals gebannt auf seinen Mund. „Vielleicht hast du Recht", sagte sie und war sich der Situation vollkommen bewusst. „Die Gelegenheit ist günstig."
Sein Lächeln vertiefte sich. Malfoy rückte näher an sie heran und stand schließlich so dicht vor ihr, wie es ging, ohne dass sie sich berührten. Er sah sie aus seinen grauen Augen von oben herab an.
Sie schluckte und befeuchtete zum wiederholten Male ihre Lippen. „Nur eine kleine Show", sagte sie leise.
„Nur eine kleine Show", bestätigte er ebenso leise. Seine Hand streichelte sie sacht entlang ihres Kieferknochens, fasste dann unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht mit wenig Druck zu sich. Er beugte sich zu ihr herunter und als sie ihre Augen schloss, spürte sie schon kurz darauf, wie er seine Lippen auf ihre drückte.
Ihr Herz tat einen kleinen Sprung in ihrer Brust und ihre Hände fanden Halt in den Stofffalten seiner Ärmel. Sekundenlang lagen seine Lippen ruhig auf ihren. Sie spürte die warme Luft, die durch seine Nase ausgeatmet wurde, zusammen mit ihren eigenem Atem, in ihrem Gesicht. Da er nicht den Eindruck machte diesen Zustand sobald ändern zu wollen, fing Astoria bald von Neugierde erfüllt an, versuchsweise ihre Lippen gegen seine zu bewegen. Endlich begann sich auch sein Mund zu regen. Fast schon träge zog er ihre Unterlippe zwischen seine Lippen. Astoria klammerte sich stärker an den feinen Stoff seiner Kleidung.
„Astoria?", rief plötzlich eine Stimme.
Erschrocken löste sich Astoria von Malfoy, wobei sich ihr Nasen streiften. Sie sah, dass Daphne an der Terrassentür stand.
„Oh entschuldige. Ich dachte nur, dass du vielleicht Lust hättest Charade mitzuspielen", sagte ihre Schwester nun etwas verlegen.
„Ähm ja... ich mache gerne mit", entgegnete Astoria, ihre Wangen waren gerötet. Sie vermied es Malfoy direkt anzusehen, als sie von ihm wegtrat. „Aber vorher hole ich mir noch etwas zu trinken. Entschuldigt mich bitte." Astoria ging an ihrer Schwester vorbei zurück ins Haus und beschleunigte ihre Schritte im Inneren, um sich tatsächlich an dem Buffet ein Glas Elfenwein einzuschenken. Betreten bemerkte sie, dass sie verärgert darüber war, dass Daphne nicht ein bisschen später aufgetaucht war. Sie nahm einen übermütigen Schluck ihres Getränks. Hatte sie es wirklich so nötig? Und seit wann fand sie Gefallen an blonden Männern?
Eine Viertelstunde später wurde tatsächlich Charade gespielt. Für gewöhnlich erheiterte das Spiel Astoria, doch dieses Mal bereitete es ihr nicht das übliche Vergnügen. Vielleicht lag es unter anderem daran, dass keiner aus der gegnerischen Mannschaft auf „Zungenkuss" kommen wollte, welcher pantomimisch von Tracey Davies dargestellt wurde. „Zungenpiercing!", rief jemand.
Astoria verdrehte innerlich die Augen. Tracey stellte sich dabei doch gar nicht so dumm an. Sie war fast versucht die Lösung auszurufen, obwohl ihre Gruppe gar nicht an der Reihe war, damit das Ganze endlich ein Ende fand. Malfoy stand neben Theo am Rand und verfolgte von dort das Spiel mit. Sie wollte gar nicht wissen, was ihm in diesem Moment durch den Kopf ging.
„Kuss! Richtig?", fragte ein anderer.
Astoria wippte ungeduldig mit ihren Beinen und blickte unter halb geschlossenen Lidern verstohlen zu Malfoy hinüber.
„Zunge … Zungenkuss!", wurde sie endlich von ihren inneren Qualen erlöst.
Zabini kommentierte lachend: „Das sah wirklich sehr inspirierend aus, Tracey."
Und Tracey zwinkerte ihm spitzbübisch zu.
Als nächstes mimte Pansy einen Werwolf und Astoria konnte sich merklich entspannen. Bald war sie selbst mit „Quidditchspieler" an der Reihe. Was nach einigen falschen Antworten, wie „Besenflug" und „Holyhead Harpies", erraten wurde. Es folgten eine Reihe weiterer Begriffe, die erraten werden mussten, bis schließlich Millicent, die Spielleiterin, das Spiel beendete.
„Verdammt, noch zwei Runden, dann hätten wir euch eingeholt", meinte Tracey zu Astoria.
„Tja, am Ende wurdet ihr richtig gut …", stimmte Astoria ihr vergnügt zu. „Vielleicht nächstes Mal." Sie spürte, dass jemand hinter sie trat und wandte sich um.
Es war natürlich Malfoy. „Möchtest du?" Er reichte ihr ein Glas Wein.
Sie nahm es und er bemerkte spöttisch: „Das Spiel war recht unterhaltsam."
Astoria nahm verlegen einen Schluck Wein.
„Warum hast du nicht mitgespielt, Draco?", fragte Tracey ihn. „Ich erinnere mich, dass du ziemlich gut darin warst andere Leute zu imitieren."
Er blickte leicht angewidert. „Ich habe kein Interesse für diese Art von … Zerstreuung."
Tracey lachte amüsiert auf.
„Du schaust wohl lieber vom Spielfeldrand zu", bemerkte Astoria leicht angesäuert.
„Genau. Es kann ungemein erheiternd sein, andere dabei zu beobachten, wie sie sich lächerlich machen", erwiderte er so kühl, dass es sie zornig machte.
Sie konnte es nicht fassen, dass sie diesen Mann tatsächlich vorhin noch hatte küssen wollen. Ihr war nun wieder vollkommen klar, warum sie ihn nicht leiden konnte und sie hatte nicht wenig Lust, ihm sein arrogantes Gesicht zu zerkratzen.
„Übrigens hast du auch eine nette Vorstellung abgegeben, Tracey."
Tracey gluckste.
Der Abend war schon fortgeschritten, als Astoria ein Gähnen unterdrücken musste.
„Soll ich dich nach Hause begleiten?", raunte Malfoy ihr leise zu.
„Mach dir keine Mühe!", mischte Daphne sich ein. „Theo und ich übernachten heute in Greengrass House. Wir apparieren also mit Astoria nach Somerset und du nach Wiltshire."
Malfoy musterte Daphne eisig, was Daphne jedoch mit einem liebenswürdigen Lächeln beantwortete. Astoria schaute etwas fragend zwischen den beiden hin und her. Irgendetwas hatte sie verpasst.
„Wie du meinst", schien Malfoy schließlich nachzugeben und er zuckte mit den Schultern. Daphnes Augen blitzten triumphierend auf.
„Theo, wir brechen auf", kam es herrisch von ihr.
Theo bedachte seine Gattin mit einem vorsätzlich falschen Lächeln, holte ihnen aber anschließend aufmerksam die Garderobe. Millicent begleitete sie vor die Tür, als sie bereit zum Aufbruch waren.
„So Daphne … Du wirst mir aber doch wenigstens erlauben, mich anständig von meiner Verlobten zu verabschieden, oder?", kam es gedehnt von Malfoy.
Im Gegensatz zu Millicent, die amüsiert auflachte, konnte Astoria Daphnes finsteren Blick gut erkennen. Malfoy grinste süffisant und trat auf Astoria zu, deren Stirn sich umwölkte, bevor er ihr ungefragt einen kleinen Abschiedskuss auf den Mund gab.
