Tee und Kekse

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Noch etwas verschlafen ging Astoria die Treppe hinunter. Aus dem Frühstückszimmer konnte sie Stimmen hören, die ihr verrieten, dass Daphne und Theo schon auf waren. Astoria erinnerte sich von neuem an das seltsame Verhalten ihrer Schwester gegenüber Malfoy. Sie hatte immer geglaubt das Handeln ihrer Schwester nachvollziehen zu können. Gestern hatte sie es nicht gekonnt. Daphne hatte ihr vorher nie den Eindruck vermittelt, dass sie etwas gegen Malfoy haben würde. Bedauerlicherweise hatte sie nicht mehr mit ihr darüber reden können, denn diese war plötzlich viel zu müdegewesen …
Bevor sie die Klinke hinunterdrücken konnte, ließen die Worte ihrer Schwester sie jedoch innehalten.

„Er meinte gestern doch tatsächlich, das würde mich nichts angehen!" Die Stimme von Daphne hatte einen verärgerten Klang.
„Ich denke, da hat er Recht", erwiderte Theo ruhig.
„Aber ich bin ihre Schwester!", empörte sich Daphne.
Plötzlich vollkommen munter, wartete Astoria, ob sich ihr der Inhalt des Gespräches noch offenbaren würde. Sie hatte schon eine Vermutung um wen es ging. Es war noch gar nicht so lange her, da hatte sie sich geschworen nie wieder zu lauschen, aber ganz ehrlich, wer würde es in dieser Situation nicht tun?
„Er meinte, es würde mich nichts angehen, selbst wenn er sie noch am selben Tag in sein Bett zerren würde! Stell dir das vor!"
Astoria runzelte ihre Stirn und hörte, wie Theo lachte.
„Deshalb hast du also gestern darauf bestanden, dass wir deine Schwester nach Hause bringen und hier übernachten. Aber denkst du nicht, dass sie alt genug ist und nicht mehr beschützt werden muss?"
„Wenn du das so formulierst … aber wir sprechen hier von Draco, der Mann, der meines Wissens noch nie eine ernsthafte Beziehung eingegangen ist. Also Theo ... wirst du ihn jetzt dazu bringen, dir zu sagen, was er für Astoria empfindet?"
„Glaubst du, ich bin verrückt?"
„Theo, mir wollte er es nicht sagen!"
„Und mir wird er auch nichts sagen, das müsste dir klar sein. Außerdem bin ich ganz seiner Meinung, dass uns das nichts angeht."
„Du willst es also nicht tun."
„Nein. Aber wenn es dich soweit beruhigt, denke ich, dass er deine Schwester ... nun, schätzt."
Wenn Astoria Theo richtig verstand, meinte er nicht wirklich schätzen. Sie schüttelte ihren Kopf. Das war doch vollkommen absurd. Soweit sie das beurteilen konnte war sie überhaupt nicht sein Typ und sie musste an die griechische Sängerin denken. Wie auch immer, wenn Malfoy sich zu ihr hingezogen fühlte, hätte er sich doch wohl gestern auf der Terrasse anders verhalten – enthusiastischer.
„Ich wüsste nicht in welcher Weise mich das beruhigen sollte, aber wie kommst du darauf?", fragte Daphne.
Astoria fuhr sich nachdenklich mit ihrem Zeigefinger über ihre Unterlippe. Eigenartigerweise hatte gerade seine Trägheit bei dem Kuss sie für den Moment völlig aus der Bahn geworfen.
„Er will sie immerhin heiraten", antwortete Theo
„Vielleicht, aber auch wenn er es tut, muss das noch lange nicht von guten Absichten zeugen. Ich will nicht, dass er sie unglücklich macht. Deshalb muss ich wissen, was er für sie empfindet."
Wann war ihre Schwester so gefühlsselig geworden? Vielleicht hatte es etwas mit deren Schwangerschaftsbeginn zu tun: Hormonelle Umstellungen, Stimmungsschwankungen et cetera …
„Du verhältst dich irrational."
„Bitte?!"
Theo hatte Courage, das musste man ihm lassen.
„Was erhoffst du dir von diesem Wissen? Die Hochzeit wird so oder so stattfinden."
„Es würde mich aber ungemein erleichtern, wenn ich wüsste, ob er sie ein kleines bisschen leiden kann." Daphne hörte sich nun an wie ein trotziges Kind.

Astoria schüttelte ihren Kopf, sie hatte genug gehört. Sie öffnete die Tür und sagte: „Tja, das geht dich aber nun wirklich nichts an, Daphne."
Ihre Schwester schaute erschrocken auf. „Hast du gelauscht?"
„Ihr wart nicht zu überhören", entgegnete Astoria. Sie war irgendwie sauer auf Daphne. Was hatte sie sich bloß dabei gedacht, Malfoy über seine angeblichen Gefühle ausquetschen zu wollen? Mal abgesehen davon, dass es sie doch wirklich nichts anging. „Und überhaupt habe ich dir doch schon erzählt, dass wir eine Vernunftehe führen werden" Sie versuchte erst gar nicht ihre Schwester zu täuschen. „Er empfindet nichts für mich und ich nichts für ihn. Finde dich damit ab."
Daphne blickte sie skeptisch an. „Vernünftig sah mir das auf Millicents Terrasse aber nicht aus …"
Astoria entgegnete gereizt: „Das war doch bloß wegen der anderen Leute."
„Wie meinst du das?"
„Okay, noch einmal langsam für dich...", seufzte Astoria und bemerkte mit einiger Genugtuung, wie Daphne ihre Augen zusammenkniff. „Malfoy und ich spielen in der Öffentlichkeit das verliebte Paar."
„So etwas Blödes höre ich zum ersten Mal!", rief Daphne aus.
Theo sah belustigt aus.
„War das seine Idee?", fragte Daphne.
„Nein, meine", erwiderte Astoria knapp.
Daphne schüttelte fassungslos ihren Kopf. „Ich kann es nicht glauben …"
„Ich möchte hoffen, dass ihr das für euch behaltet." Sie sah erst Daphne und dann Theo fest in die Augen.
Theo hob abwehrend seine Hände „Ich halte mich da raus, keine Sorge."
Astoria schaute erneut zu Daphne.
„Wirklich, ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so etwas Bescheuertes gehört... Und was erhoffst du dir eigentlich davon?", fragte Daphne.
„Das kann dir doch egal sein", erwiderte Astoria kurz angebunden. Sie hatte nicht die geringste Lust in diesem Moment, ihre durchaus schlüssigen Beweggründe mit ihrer Schwester zu erörtern.
„Na gut", kam es beleidigt von Daphne, „aber merk dir bitte, dass ich nichts davon halte."
Astoria zuckte mit den Schultern. Es gab wahrlich schlimmere Dinge – Am Nachmittag überbrachte ein hübscher Streifenkauz ihr eine Einladung von Mrs Malfoy zum Tee am Donnerstag.

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„Nimm dir ruhig noch einen Keks, Astoria", ermunterte Narcissa Malfoy sie. Durch die großen Fenster fiel reichlich Sonnenlicht in das Zimmer des Manors. Das kleine Biedermeiersofa und die Stühle waren gepolstert und mit einem hellen gelb gemusterten Stoff bezogen.
Pflichtschuldig nahm Astoria sich einen der Marmeladenkekse. Ihr schwirrte der Kopf von den ganzen Sachen, die laut Mrs Malfoy vor einer Hochzeit bedacht werden mussten. Hinzu kam, dass sie ganz und gar nicht in Stimmung war diese Hochzeit zu planen, denn irgendwie würde es das Ganze noch realer machen.
„Ich würde aber mit größten Vergnügen bei den Vorbereitungen helfen, wenn dir das recht ist", meinte Mrs Malfoy.
„Das würde mich sehr freuen, Mrs Malfoy. Ich kann Ihre Hilfe gut gebrauchen", entgegnete Astoria, denn wenn sie ehrlich war, glaubte sie nicht, dass sie das ohne ihre Hilfe auf die Reihe kriegen würde – und nebenbei bemerkt würde es ja schließlich auch das Geld der Malfoys sein, das die Hochzeit bezahlte.
„Narcissa", bemerkte Mrs Malfoy nachdrücklich und lächelte sie freundlich an.
„Es würde mich freuen, Narcissa", wiederholte Astoria mit einem verlegenen Lächeln, noch wollte sie sich nicht recht daran gewöhnen die ältere Hexe mit dem Vornamen anzureden.
Mrs Malfoy nickte befriedigt und setzte ihre Porzellantasse mit dem Tee an ihre Lippen, um einen Schluck zu trinken. Als die Tasse wieder auf dem Tisch stand, sagte sie: „Die zwei wichtigsten Dinge, die aber erst einmal festgelegt werden müssen, sind das Wann und das Wo."
Astoria nickte.
Mrs Malfoy rief einen kleinen Kalender herbei und begann darin herumzublättern. „Wir haben heute den 1. Juli … drei Monate brauchen wir mindestens … wie wäre es mit einer Hochzeit im goldenen Oktober?" Mrs Malfoys blauen Augen strahlten sie an.
„Wenn das nicht zu früh ist..." , druckste Astoria etwas unbeholfen herum. Aber mal ehrlich, wie sollte man einer Mutter sagen, dass man ihren Sohn am liebsten gar nicht heiraten würde?

„Es wird etwas stressig werden, aber es ist zu schaffen", kam es überzeugt von Mrs Malfoy, sie schaute in ihren Kalender. „Samstag, der 9. Oktober, wäre doch nicht schlecht. Dann ist es auch noch nicht zu kalt. Oder was meinst du?"
Mrs Malfoy schaute sie erwartungsvoll an.
„Nein, der 9. Oktober ist gut", schwindelte Astoria unglücklich.
„Gut, dann wird Draco mit dem Zeremonienmeister sprechen, ob das Datum in Ordnung geht, aber da sollte es keine Probleme geben. Und wir sollten dann möglichst bald die Gästeliste zusammenstellen, damit wir die Einladungen verschicken können und alles weitere planen können." Mrs Malfoy nahm erneut einen Schluck ihres Tees, Astoria staunte, wie elegant so etwas aussehen konnte. Die Teetasse wurde erneut auf die Untertasse gestellt. „Dann kommen wir nun zum Veranstaltungsort", fuhr Mrs Malfoy fort. „Mir würde es natürlich sehr gefallen, wenn die Hochzeit auf Malfoy Manor stattfinden würde, aber vielleicht möchtet ihr, also dein Vater und du, sie lieber bei euch zuhause feiern?"
„Wir können sie gerne hier feiern. Und da Daphne ihre Hochzeit schon in Greengrass House gefeiert hat, ist mein Vater bestimmt der gleichen Meinung", meinte Astoria. Wenn es nach ihr ging, konnte die Hochzeit auch im Hades stattfinden, es wäre ihr gleichgültig.
„Sehr schön", meinte Mrs Malfoy zufrieden. „Ich denke, dann sind wir für heute fertig. Vergiss nicht eine Gästeliste für deine Seite aufzustellen."
Astoria nickte.
Mrs Malfoy schaute auf die Wanduhr. „Draco müsste bald vom Ministerium zurück sein", meinte sie. „Bleib doch noch so lange."
„Gerne", sagte Astoria aus Reflex und merkte kurz danach, dass das jetzt vielleicht nicht die beste Antwort gewesen war...
In den nächste Minuten erzählte ihr Mrs Malfoy von Floristen und Konditoren, die sie kannte, deren Vorzüge und welche von denen sie gerne kontaktieren würde, bis schließlich ein blonder Zauberer den Salon betrat.

„Ah Draco, da bist du ja endlich", kam es erfreut von Mrs Malfoy.
„Guten Tag, Mutter", begrüßte er sie lächelnd und blickte dann in Astorias Richtung. Es schien ihr, als wäre er etwas von ihrer Anwesenheit überrascht, doch er sagte gewandt: „Hallo, Astoria."
„Draco, schön dass du da bist", lächelte Astoria geziert, denn sie waren immerhin nicht allein.
Malfoy trat an den Tisch heran, nahm sich einen Keks vom Teller und setzte sich dann auf den gepolsterten Stuhl an der Stirnseite gegenüber von Mrs Malfoy. „Und? Konntet ihr euch auf einen Termin einigen?", fragte er. Er kaute ein Stück von dem Keks. Es war bemerkenswert, welch großen Kontrast er zu der vorherrschenden femininem Atmosphäre im Salon bildete.
„Warum hätten wir uns nicht einigen können sollen?", entgegnete Mrs Malfoy mit tadelnder Stimme. „Wir haben uns für den 9. Oktober als Hochzeitsdatum entschieden. Ich hoffe, das ist dir recht?"
Malfoy nickte. Sein Blick kam auf Astoria zu ruhen, während nach und nach und Biss für Biss der ganze Keks in seinem Mund verschwand. Unbehaglich rutschte Astoria ein wenig auf dem Sofa hin und her. Ein Mundwinkel von ihm zog sich nach oben und sie sah etwas in seinen grauen Augen aufflackern.
„Schenk dir doch noch etwas von dem Tee ein, Astoria", forderte Mrs Malfoy sie auf.
„Ja, danke." Astoria nahm die Teekanne und goss sich erneut ihre Tasse voll und gab etwas Milch hinzu. Sie hatte keine Ahnung, wie sie sich Malfoy gegenüber verhalten sollte.

„Dann lass ich euch jetzt alleine", lächelte Mrs Malfoy.
Astoria schaute verwirrt auf.
„Ich habe noch einige Briefe zu schreiben", erklärte Mrs Malfoy. „Also, auf Wiedersehen, Astoria."
„Oh... Auf Wiedersehen!", sagte Astoria. Wie konnte Mrs Malfoy sie hier nur mit Malfoy alleine lassen? Und nun musste sie auch noch eine ganze Tasse mit heißem Tee austrinken.
Aber Mrs Malfoy schien nichts von den Leiden der jungen Frau zu ahnen, denn sie zog bereits die Tür hinter sich zu. Astoria nahm den kleinen Löffel in ihre Hand und begann ihren Tee umzurühren, konnte es aber nicht unterlassen, Malfoy einen kurzen Blick zuzuwerfen. Sie hob ihre Tasse an und nippte vorsichtig an dem heißen Getränk. Der Tee war definitiv noch zu heiß.
Malfoy erhob sich indes von seinem Platz und sie sah, dass er sich anscheinend neben sie auf das Sofa setzen wollte. Alarmiert stellte Astoria ihre Tasse wieder ab und schaute ihn fragend an.
„Ich darf doch?" Er deutete auf den Platz neben sie und setzte sich ohne abzuwarten dorthin.
Das Sofa war zugegeben nicht sehr breit, aber trotzdem musste er sich doch nicht so dicht neben sie setzen, dass sie sich an den Beine berührten. Astoria rückte nach rechts, um ein wenig Abstand zu schaffen. Malfoy rutschte lästigerweise auf, so dass sie damit nichts erreicht hatte. Genervt rückte sie noch weiter nach rechts, dass sie schließlich direkt neben der Armrolle saß.
„Astoria, du verwirrst mich …", kam es gedehnt von ihm.
„Was meinst du?" Sie hob ihre Augenbrauen in die Höhe.
„Nun, ich hatte am Montag auf Millicents Feier nicht den Eindruck, dass du –"
„Dass ich was?"
„Dass du...", er rutsche erneut auf, „so abgeneigt wärst."
„Ach ja? Ich weiß wirklich nicht, wie bei dir dieser Eindruck entstehen konnte", erwiderte sie kühl. Sie war froh, dass sie sich an diesem Tag für Hosen entschieden hatte, sie fühlte sich damit in dieser Situation irgendwie gewappneter. So eingeklemmt zwischen Malfoy und der Armlehne war ihr nämlich nicht gerade behaglich zu Mute.
„Soll ich deine Erinnerungen ein wenig auffrischen?", hörte sie seine Stimme mit einem spöttischen Unterton.
„Nein, danke", sagte sie schnell und dann kühl und langsamer hinterher, „ich bin mit meinem derzeitigen Erinnerungsstand vollends zufrieden, Malfoy." Sie konnte ihn nun einmal nicht leiden und wollte ihm diese Art von Genugtuung nicht geben. Obwohl sie sich fragte, wie es wohl wäre … Doch vermutlich bildete er sich schon mehr ein, als ihm gut tat.

Für einen Moment schienen sich Malfoys Gesichtszüge fast unmerklich zu verhärten.
„Wie du meinst", sagte er gelassen, „aber solltest du es dir anders überlegen, lass es mich wissen." Er rutschte ein wenig von ihr weg.
Gereizt nahm Astoria die Tasse mit dem Tee wieder hin, trank einen großen Schluck und verbrannte sich ihre Zunge. „Autsch!" Astoria verzog schmerzhaft ihr Gesicht.
„Vorsicht, der Tee ist heiß", warnte Malfoy sie.
„Sehr witzig, Malfoy", entgegnete sie verärgert und stellte die Tasse wieder ab.
Malfoy griff nach dem Honig, den Narcissa Malfoy zu ihrem Tee zu nehmen pflegte. „Honig soll Wunder gegen Verbrennungen wirken", meinte er.
„Danke", erwiderte Astoria immer noch etwas gereizt. Sie zweifelte daran, dass Honig einem anständigen Heiltrank auch nur im Entferntesten ersetzen konnte. Sie wollte ihm das Gefäß abnehmen, doch er hielt es zurück.
„Ich mache das", sagte er bestimmt.
Das meinte er doch nicht ernst, oder? Er tauchte den Teelöffel, den sie vorher zum Umrühren benutzt hatte, in den flüssigen Honig.
„Malfoy, gib schon her." Astoria wollte ihm den Löffel entreißen, aber er wich ihr geschickt aus. „Ich kann das selber." Sie hoffte ihre Stimme klang nicht so panisch, wie sie befürchtete.
„Aber das macht mir doch überhaupt keine Umstände", beteuerte er gedehnt. „Und jetzt schön den Mund aufmachen."
Sie sah ihm finster dabei zu, wie er den Löffel an ihren Mund führte.
„Mund auf", befahl er noch einmal ruhig und er blickte sie herausfordernd an.
Resigniert öffnete sie ihren Mund. Er hatte wirklich Spaß daran, andere in Verlegenheit zu bringen. „Schließen", raunte er ihr zu.
Süß und wohltuend zerging der Honig auf ihrer Zunge. Sie schloss für einen kurzen Moment ihre Augen, öffnete sie jedoch rechtzeitig, um zu sehen, wie Malfoy seinen Zeigefinger in den Honig stippte. Einer seiner Mundwinkel war wieder hochgezogen und er sah sie anzüglich an. Sie runzelte ihre Stirn. Malfoy hob seine Hand zu ihrem Gesicht und sie erstarrte, als er im Folgenden mit seinem Finger über ihre Unterlippe strich und dort den Honig verteilte.
„Süß", kommentierte er in einem überlegenen Ton, wodurch die Bemerkung tatsächlich gemein klang. Er zog seine Hand wieder weg und ließ sie verwirrt zurück.
„Malfoy, was...?", brauste sie auf, aber er unterbrach sie: „Pass auf dass dein Tee nicht kalt wird." Er aß einen zweiten Keks. Sie leckte sich den Honig von den Lippen.
„Malfoy...", begann sie erneut, doch wieder unterbrach er sie.
„Dein Tee."
„Ach zur Hölle mit dem Tee!", rief sie aus.
Er blickte sie fragend und gleichzeitig arrogant an. Wütend schnappte sie die Tasse und trank den Tee in wenigen Zügen aus. Sie konnte ihn wirklich kein Stück leiden. Was fiel ihm eigentlich ein, ihr im wahrsten Sinne des Wortes Honig um den Mund zu schmieren und sie dann so abzutun? Soviel also zu Theos Theorie, dass er auf sie stehen sollte …

„Okay, Malfoy und jetzt wirst du mir ein paar Fragen beantworten", verlangte Astoria.
„Bitte?", seine arrogante Stimme klang erstaunt.
„Warum bin ich als deine Zukünftige ausgesucht worden?", fragte sie unumwunden.
Seine Miene verriet nicht im Geringsten, was er dachte. „Du hast wirklich keine Idee?"
„Deshalb frage ich." Sie sah ihn abwartend an.
„Du bist die perfekte Ehefrau für mich." Aus seinem Mund klang das nicht gerade romantisch. „Deine Familie ist immerhin eine altehrwürdige Zaubererfamilie."
„Zufällig eine Familie mit einem Haufen Schulden", setzte Astoria hinzu.
„Keine Sorge, es stört mich nicht, wenn meine Frau aus armen Verhältnissen stammt." Sein Mundwinkel zuckte nach oben.
„Wie beruhigend", kam es sarkastisch von ihr.
Nachdenklich betrachtete sie sein Profil. „Es gibt doch außer mir noch andere reinblütige Hexen", hakte sie nach einiger Zeit nach.
„Hast du eine bestimmte Empfehlung für mich?", fragte er und wandte sich ihr wieder zu.
„Lass mich mal überlegen... nun... wie wäre es mit Moira Tugwood? Hmm... aber bei ihr gibt es wohl Bedenken wegen der Familie... das Blut ist höchstwahrscheinlich etwas verunreinigt. Schade, ihr hättet so gut zueinander gepasst."
Malfoy sah angewidert aus. „Irgendwelche anderen Vorschläge?"
„Eleanor Branstone entstammt einer sehr guten Familie."
„Bitte eine, die mich nicht blamieren würde", fügte er hinzu.
„Und ich werde dich nicht blamieren?", fragte sie nach.
Er blickte sie durchdringend an. „Du wirst mich nicht blamieren wollen."
Nun spielte er wohl darauf an, dass sie gewisser Weise von ihm abhängig war.
„Ich wäre mir da an deiner Stelle nicht so sicher." Astoria reckte ihr Kinn.
„Versuch es...", meinte Malfoy nonchalant, er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter seinen Kopf, „...wenn du mit den Konsequenzen leben kannst."
Astoria hatte das Verlangen ihn durchzuschütteln, beschränkte sich aber in dem Moment auf ein Naserümpfen.
Sie stand auf. „Dann verabschiede ich mich jetzt von dir", sagte sie formell.
Er betrachtete, wie sie es schon einmal bei ihm gesehen hatte, durch diese halbgeschlossenen Lider, bevor er sich ebenfalls erhob.
„Bemüh dich nicht, ich finde den Weg nach draußen alleine", sagte sie.
„Wie du meinst", erwiderte er gelassen.
Astoria verließ mit gemischten Gefühlen das Manor. Wenigstens wusste sie jetzt, wem sie diese Hochzeit zu verdanken hatte. Ihren reinblütigen Vorfahren. Wie überaus schmeichelhaft …