Goodbye, Somerset
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„Ich glaube das ist es." Madam Malkin steckte ihr an der Seite ein bisschen Stoff ab und trat einen Schritt zurück. Sie wirkte zufrieden.
Astoria besah sich kritisch im Spiegel und drehte sich auf dem Schemel nach links.
„Es ist perfekt", sagte Daphne.
Astoria drehte sich langsam nach rechts.
„Es ist wirklich schön", meinte Brianna verträumt.
Astoria nickte leicht. Es war tatsächlich hübsch anzusehen. Traditionell in seinem Schnitt umfloss das lange Kleid aus weißem Seidenjacquardt zärtlich ihren Körper. Der Schlitz, der auf der Vorderseite verlief, offenbarte den Futterstoff aus weißem Seidensatin. Der Ausschnitt und die Taille waren mit einer hübschen zierlichen Borte versehen und auf beiden Seiten umschlang eine matt goldene Kordel den langen Ärmel am Oberarm.
„Wirklich schade, dass immer mehr Hexen Hochzeitskleider der Muggelmode entsprechend tragen", bemerkte Madam Malkin kopfschüttelnd. „Nichts gegen Muggelkleider – ich hole mir immer wieder Inspirationen für mein Sortiment von ihnen – aber für eine Vermählung blutet es mir das Herz, Brautkleider zu verkaufen, die sich nach der Muggelmode orientieren."
„Sie haben Muggelbrautkleider in ihrem Geschäft?", fragte Astoria nach. „Darf ich sie sehen?"
„Wenn Sie es wünschen." Madam Malkin sah leicht gekränkt aus.
Die stämmige Hexe ließ einen Kleiderständer mit einem Dutzend Kleidern hineinrollen. Astoria sah sich die vielen Kleider an. Kurze, lange, mit Träger, ohne Träger, voluminöse, enganliegende. Die meisten waren weiß, aber es waren auch andere Farben vertreten. Keine Frage, es waren schöne Kleider unter ihnen. Aber Astoria hatte das Gefühl, dass es sich bei ihnen eher um Abendkleider oder Ballkleider handelte, dass sie jedoch für eine Zeremonie wie eine Hochzeit nicht wirklich passend waren. Im Alltag trug Astoria auch selten traditionelle Zaubererkleidung wie Gewand und Spitzhut, aber bei feierlichen Anlässen sollte man schon Zaubererumhänge tragen.
Brianna zog ein besonders bauschiges Exemplar mit Rüschen en masse hervor – rosafarbenen Rüschen. „Astoria, wie wäre dieses hier?", strahlte sie erfreut.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?", erkundigte sich Astoria vorsichtig bei ihrer Freundin. Sie versuchte sich Malfoys zweifellos angewiderte Miene vorzustellen, sollte sie dieses monströse Kleid bei der Trauung tragen. Wäre sie etwas mutiger, würde sie es vielleicht wagen …
„Darin sieht man aus, wie ein riesiger pinker Knuddelmuff", meinte Daphne.
Astoria grinste leicht. Ja, dann würde er es sich bestimmt mit der Hochzeit noch einmal überlegen …
Brianna hängte es zurück. „Ich finde es auch ganz abscheulich", behauptete sie.
Astoria und Daphne lachten.
„Also, ich nehme das Kleid, das ich trage", informierte Astoria schließlich Madam Malkin.
Die freundliche Geschäftsinhaberin nickte geschäftstüchtig. „Ich werde es noch heute für Sie anpassen, Miss Greengrass."
Astoria zog sich wieder ihre eigene Kleidung an und überreichte das Kleid Madam Malkin.
„Jetzt brauchst du noch neue Unterwäsche und Strümpfe", wandte sich Daphne darauf an Astoria.
Astoria reagierte darauf, indem sie ihrer Schwester ein kurzes ironisches Lächeln schenkte, anschließend nickte sie jedoch. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Brianna mit ihren Fingern gedankenverloren über das entsetzliche Muggelkleid fuhr und musste ein Grinsen unterdrücken.
„Ich kann mich dann erst einmal alleine umsehen", sagte Astoria zu Madam Malkin. Widerwillig schritt sie aus dem abgetrennten hinteren Teil des Geschäfts in die Abteilung für Unterkleidung. Astoria ließ ihren Blick über die ausgestellten Stücke wandern und steuerte langsam auf die Unterwäsche in Weiß zu. Es gab absolut keinen Anlass sich merkwürdig zu fühlen, versuchte Astoria sich zu ermahnen. Es war doch bloß Unterwäsche, die sie sich aussuchte. Nichts weiter.
Astoria betrachtete ein weißes Taillenmieder mit Schnürungen an der Vorderseite, am oberen Rand saßen Stickereien. Es gefiel ihr, aber es war vielleicht den Umständen entsprechend etwas zu aufreizend. Was war überhaupt die passende Bekleidung für eine ungebetene Hochzeitsnacht? Nur unterbewusst vernahm Astoria die Türglocke und hörte, wie Madam Malkin die eintretende Kundin begrüßte.
Sie fuhr mit ihren Fingerspitzen über den Stoff eines Torseletts. Der Glanzvolle Satin, der einen kaum wahrnehmbaren Stich ins Elfenbeinfarbene besaß, wurde durch ein Muster aus ineinander verschlungenen Linien verziert. Edle Stickereien vollendeten die romantische Aufmachung. Wenn man sich in Kleidungsstücke verlieben konnte, hatte sie es gerade getan.
„Einige Unterwäsche ist zum bloßen Unterziehen zu schade, finden Sie nicht auch?", drang eine melodiöse Stimme mit einem fremdländischen Akzent an ihr Ohr.
Astoria zog erschrocken ihre Hand zurück und schaute auf. Langes schwarzes Haar umrahmte das reizende Antlitz der Frau, die sie angesprochen hatte. Es war Thelxiope Galanis, die Sängerin, die auf Mrs Bletchleys Soirée ihr Können bewiesen hatte und offensichtlich eine gute Bekannte von Malfoy war.
„Ich glaube, die würde ihm gefallen", sagte die Sängerin und deutete mit einer Kopfbewegung auf das Kleidungsstück, welches Astoria noch kurz zuvor bewundert hatte. Auf den kirschroten Lippen der Sängerin lag ein provokantes Lächeln.
Astoria spürte eine verräterische Hitze in ihre Wangen steigen. Sie beide wussten genau, wer mit ihm gemeint war und dass die andere es ebenfalls wusste. Thelxiope schien sie interessiert zu mustern. Also straffte Astoria ihre Schultern und hob ihr Kinn etwas an.
„Astoria?" Es war Daphne. „Hast du etwas gefunden?"
„Hm nein. Ich brauche im Moment keine neue Unterwäsche", sagte Astoria.
„Aber, hast du nicht gesagt, dass du …"
Astoria sah ihrer Schwester fest in die Augen. „Nein, ich glaube, ich habe für heute genug Klamotten anprobiert." Es widerstrebte ihr einfach, sich vor der Geliebten oder was auch immer von Malfoy die Unterwäsche für die Hochzeitsnacht auszusuchen. Gewiss, eventuell könnte es, ganz rational gesehen, sogar hilfreich sein, sich von ihr Ratschläge einzuholen – nicht, dass sie diese nötig hätte – aber auch sie hatte ihren Stolz.
„Nun dann … wir müssen noch etwas auf Brianna warten", meinte Daphne. „Sie wollte dieses merkwürdige Kleid noch anprobieren …"
Als Astoria ihrer Schwester zu der Umkleidekabine, in der Brianna war, folgte, sah sie sich wie im Zwang noch ein letztes Mal zu Thelxiope um. Ein Lächeln umspielte den hübschen Mund der Sängerin.
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Der 22. September, ihr Geburtstag, begann wie die meisten anderen Tage auch. Astoria frühstückte mit ihrem Vater im Frühstückszimmer von Greengrass House. Dann machte sie, da an diesem Tag die Sonne schien, einen kleinen Spaziergang. Auch wenn sie hier aufgewachsen war, genoss sie noch immer die weitläufige Landschaft mit den saftig grünen Hügeln. Astoria setzte sich auf die alte Holzbank vor dem kleinen Tümpel, der sich nur einige Minuten entfernt von Greengrass House befand.
Die letzten Wochen waren, wie im Fluge verlaufen. Wie immer, wenn man dachte, dass ein Ereignis noch ein bisschen hin war, war plötzlich der Tag gekommen, an dem es stattfand. Bis zu ihrer Hochzeit waren es jetzt noch genau siebzehn Tage. Siebzehn Tage waren immerhin mehr als ein halber Monat, andererseits waren es jedoch kaum mehr als zwei Wochen, also im Grunde genommen nichts. Von da an würde sie auf Malfoy Manor leben. Ihr gefiel das Anwesen. Astoria beobachtete eine blaugrüne Libelle dabei, wie sie in großen Kreisen über das Gewässer flog. Doch die Frage war, ob es jemals als ihre Heimat empfinden würde. Landschaftlich war Wiltshire vermutlich ähnlich wie Somerset, aber trotzdem glaubte Astoria, dass sie es vermissen würde. Sie konnte in Zukunft natürlich jederzeit hierher apparieren, aber es wäre dennoch etwas anderes. Es wären dann lediglich Besuche.
Astoria sah ihre Glückwunschkarten durch. Unter den Karten war ein dicker Brief von ihrer Tante Ada, die in Cornwall lebte. Ebenfalls stach ein aprikotfarbener Brief von Moira aus der Menge hervor. Der Farbton des Briefpapiers war heller aber im gleichen Farbton gehalten. Astoria wunderte sich, wie viel Mühe Moira sich gegeben hatte. Zwei komplette Seiten hatte sie beschrieben. Eine weitere Beobachtung von ihr war, dass deutlich mehr Karten für sie angekommen waren als letztes Jahr. Daran war vermutlich ihre Verlobung nicht ganz unschuldig.
Am Nachmittag kamen Daphne und Theo nach Greengrass House. Gemeinsam mit ihnen und ihrem Vater machte Astoria es sich in der Wohnstube gemütlich. Es dauerte nicht lange bis Tinka in dem Zimmer auftauchte.
„Mr Malfoy ist an der Tür", sagte Tinka und schaute erwartungsvoll zu Astoria auf.
„Warum lässt du ihn dann nicht eintreten?", tadelte Mr Greengrass die Elfe. „Ich habe dir doch gesagt, dass die Malfoys von nun an zur Familie gehören."
„Ja, Sir. Tinka dachte …" Sie schaute erneut zu Astoria. „ … es ist besser erst Miss Astoria zu informieren. Es tut Tinka sehr leid, wenn sie wieder einen Fehler gemacht hat."
„Ich war letztes Mal nicht erfreut, als Tinka Malfoy ohne Ankündigung hereingeführt hat", fügte Astoria als Erklärung hinzu.
Ihr Vater sah sie verständnislos an.
„Ich war überhaupt nicht angemessen gekleidet", schob sie hinterher. Diese Erklärung schien ihrem Vater anscheinend nicht ausreichend zu sein, denn in seinem Gesicht spiegelte sich noch immer Verwirrung wieder. Theo, der neben ihrem Vater saß, hatte eine neutrale Miene aufgesetzt, die er immer trug, wenn er meinte, ein Thema würde ihn nichts angehen.
„Also ich finde das alles ganz bezaubernd! Wollen wir ihn nicht noch ein paar Minuten vor der Tür stehen lassen?", fragte Daphne.
„Nein, natürlich nicht", sagte Mr Greengrass entrüstet. Er blickte anschließend zu Astoria. „Ich denke, Astoria ist heute angemessen genug gekleidet."
„Denkst du wirklich, Dad?" Daphne tat so als ob sie Astorias Erscheinung eingehend betrachtete.
Astoria verschränkte beleidigt ihre Arme vor der Brust.
„Miss Astoria, soll Tinka Mr Malfoy hereinführen?"
„Nein", antwortete Astoria und stand auf. „ich mache es selbst."
„Sei aber nicht zu nett zu ihm", meinte Daphne. „Ich werde es auch nicht sein. Nicht bis er sich nicht bei mir entschuldigt hat."
Astoria schüttelte leicht amüsiert ihren Kopf und entfernte sich. Daphne konnte wirklich nachtragend sein.
„Ich befürchte da kannst du lange warten", hörte sie noch Theo ihrer Schwester sagen, bevor sie die Tür zur Wohnstube hinter sich zuzog.
Zwischen ihr und Malfoy hatte sich in den letzten Wochen nicht ganz das, was man Freundschaft nannte, entwickelt, aber es war auch nicht völlig entgegengesetzt. Sein Verhalten ihr gegenüber konnte man – nun, freundlich war in Bezug auf Malfoy das falsche Wort – vielleicht neutral nennen. Es war alles soweit ruhig verlaufen und es hatte keine neuerlichen Auseinandersetzungen gegeben. Alles in allem konnte sie also eigentlich recht zufrieden sein.
„Hallo", begrüßte Astoria Malfoy, der auf den Stufen vor der Haustür stand.
„Hallo", erwiderte Malfoy mit leicht erhobenen Augenbrauen. „Ich möchte dir ein Geburtstagsgeschenk überreichen", sagte er zu Astorias Überraschung.
„Oh … ich möchte gar nicht wissen, woher du weißt, wann ich Geburtstag habe", redete sie drauflos. „Es scheinen wirklich viele Leute zu wissen … Auch Leute, die ich gar nicht kenne. Dich kenne ich ja zumindest."
„Du hast es einmal meiner Mutter gegenüber erwähnt. Außerdem stand es im Ehekontrakt", teilte er ihr mit.
Astoria nickte. „Das klingt plausibel."
Malfoy hob ein großes Paket hoch, welches am Geländer gelehnt hatte. Sprachlos starrte Astoria es an. Die Form ließ sie über den Inhalt eigentlich nur einen Schluss ziehen.
„Vielleicht gehen wir erst einmal hinein", räusperte sie sich schließlich.
Malfoy legte drinnen angekommen das Paket auf den Tisch in der kleinen Eingangshalle von Greengrass House. „Mach es auf", forderte er sie auf.
Astoria trat gespannt an den Tisch heran. „Was das wohl sein kann?", witzelte sie trotz ihrer leichten Nervosität. „Vielleicht eine Kette? Oder ein Buch … Hm, ich glaube, ich weiß es. Es ist eine vergoldete Schreibfeder, richtig?"
„Ich bedaure, die bekommst du vielleicht nächstes Mal … ", erwiderte er ernst.
Astoria löste vorsichtig die Verpackung.
Zum Vorschein kam tatsächlich ein fliegender Besen. Das Holz war aus einem dunklen Rotbraun. Um den schlanken schönen Stil des Besen war ein Schild befestigt. Ladybird 3.8 stand darauf, darunter weitere Informationen, wie erreichbare Beschleunigung, Geschwindigkeit und Flughöhe.
„Ich weiß, der Name des Modells ist ein wenig albern, aber er hat gute Bewertungen bekommen", sagte Malfoy.
Astoria besah weiter andächtig ihren neuen Besen. Sie hatte nicht erwartet, dass er ihr überhaupt ein Geschenk machte und nun das.
„Wenn er dir nicht gefällt, kann er umgetauscht werden. Vielleicht magst du das Fliegen ja gar nicht?", erkundigte sich Malfoy bei ihr.
„Doch, ich mag es und er ist wunderschön", meinte sie aufrichtig und gerührt. Astoria sah ihn an. „Danke, Malfoy", sagte sie. Sie hätte ihn gerne dabei umarmt, traute sich jedoch nicht recht. Verlegen drehte Astoria sich wieder zu ihrem Geschenk herum und fuhr mit ihren Fingern über das polierte Holz des Besens.
Sie hielt ihren Atem an, als seine Hand sich zu ihrer gesellte. Seine Hand war warm oder vielleicht war ihre auch einfach nur kälter.
„Astoria?", flüsterte Malfoy nah an ihrem Ohr.
„Ja?", fragte sie.
„Dreh dich herum", sagte er.
Sie kam der Aufforderung zögernd nach. Malfoy stand dichter vor ihr, als damals auf Millicents Terrasse. Mit verhaltenem Atem blickte sie ihm entgegen. Die grauen Augen nahmen sie gefangen. Sie befürchtete, was nun kommen würde. Sie hoffte es dennoch zugleich.
Malfoy legte seine Hände wie selbstverständlich auf ihren Po und zog sie enger an sich heran. Astoria holte überrascht Luft und stützte sich mit ihren Handflächen auf seinem Oberkörper ab.
„Ich will dir noch anständig zum Geburtstag gratulieren", sagte er. „Du solltest jetzt also ganz schnell an jemand anderen denken." Zarter Spott lag bei der Anspielung auf ihre Behauptung bezüglich des letzen Kusses in seiner Stimme.
Sie wollte, dass er sie küsste. Das laute Kribbeln in ihrem Bauch verriet das mehr als deutlich.
Er beugte sich langsam zu ihr herunter. „Kann ich anfangen?" Sein Mund war nicht weit von ihrem eigenen entfernt. „Oder brauchst du noch Zeit?"
Astoria nickte.
„Du brauchst also noch ein bisschen?", fragte er.
„Nein, ich meinte, du kannst anfangen", erwiderte sie kopflos.
Malfoy sah sie leicht erheitert an. „Die Vorstellung von dem anderen muss ja sehr einnehmend sein …"
„Malfoy …", beschwerte Astoria sich, als seine Lippen plötzlich ihre berührten.
Sie stockte.
Mit einiger Bestimmtheit legten sich seine Lippen nun auf ihren Mund. Das gefiel ihr. Seine Lippen bewegten sich gegen ihre, drängten.
Astoria spürte seine Zungenspitze an ihren Lippen. Ihre Herzfrequenz beschleunigte sich. Dieses wahnsinnige Gefühl in ihrem Inneren verstärkte sich.
Seine Zunge drang weiter vor. Astoria suchte mit ihren Händen Halt in seinem Nacken und versuchte ihm entgegenzukommen und sich auf das Spiel einzulassen. Malfoy hob sie ein Stück an, so dass ihre Fersen den Boden nicht mehr berührten. Sie reizte das Gefühl, wie er sie so in Besitz nahm, dass seine Hände dabei auf ihrem Hintern lagen, und das Gefühl des harten Körpers vor ihr. Sie wollte mehr davon.
Malfoy strich ihr eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Er sah selbstzufrieden aus. „Vielleicht war es doch nicht verkehrt, dass ich mir dich ausgesucht habe."
Möglicherweise hätte sie sein Kommentar einfach überhört, aber die Art wie er kurz darauf innehielt, ließ sie hellhörig werden. „Wie meinst du das, du hast mich ausgesucht?", fragte sie ihn misstrauisch.
„Das war nur so dahingesagt", meinte er. Er beugte sich zu ihr herunter, vermutlich um sie erneut zu küssen.
Astoria schüttelte ihren Kopf. „Sag mir die Wahrheit."
Malfoy entließ ein kleinen Seufzer. „Wenn es dir so wichtig ist: Ich habe dich ausgesucht."
„Aber …" Astorias Gedanken überschlugen sich.
„Das spielt doch jetzt ohnehin keine Rolle mehr."
„Natürlich spielt das eine Rolle! Ich bin immer davon ausgegangen, dass mein und dein Vater diese Ehe allein geplant haben."
„Das habe ich nie behauptet."
„Du hast es mich glauben lassen!"
„Meine Eltern wollten, dass ich heirate. Meine Mutter hat mir sogar diese kleine Liste mit Namen, die für mich interessant sein könnten, verfasst …"
„Eine Liste?" Astoria war entsetzt. Aber es passte irgendwie zu Narcissa. „Warum?"
Er sah aus, als ob er Zahnschmerzen hatte. „Sie meinte, es wäre einfacher zu entscheiden, wenn man alle auf einem Blatt stehen hätte …"
„Nein, ich meinte, warum ich?"
„Du passtest ins Profil, um in die Liste aufgenommen zu werden …"
„Nein", Astoria schüttelte ihren Kopf. „Warum hast du mich von dieser Liste ausgewählt?", präzisierte sie.
„Du warst geeignet", sagte er, als ob es nicht von Interesse wäre.
„Die anderen auf der Liste doch anscheinend auch."
„Eine musste ich schließlich wählen", sagte er ruhig.
„Du hast mich also völlig willkürlich aus dieser Liste herausgepickt", fasste sie zusammen.
„Entscheidend ist doch, dass es im Grunde ein Glücksfall für dich und deine Familie war, wenn man die finanziellen Umstände betrachtet."
„Darum geht es jetzt aber nicht!"
„Worum geht es dann?", fragte er gedehnt. „Denn ich verstehe überhaupt nicht, warum du dich so aufregst."
Verständlicherweise regte sie dieser Satz nur noch mehr auf. „Ist es dir eigentlich gar nicht in den Sinn gekommen, mich zu fragen, was ich davon halte, bevor du den Ehevertrag unterschreibst?"
Er sah sie verständnislos an. „Ich nahm nicht an, auf großen Widerstand zu stoßen."
Das war doch die Höhe! „Ach so, na klar", begann sie bittersüß. „weil du der Annahme bist, dass jedes kleine Mädchen im Grunde seines Herzens nur darauf wartet einen ehemaligen Todesser zu heiraten?"
Seine Miene wurde eisig.
Ehrlich gesagt, war Astoria ein wenig über sich selbst schockiert. Aber sie hatte ihn treffen wollen. Dann drehte er sich einfach um und ging. Astoria sah ihm einige Sekunden nach, bevor sie ihm folgte.
„Warte!", rief sie hinterher. „Ich habe es nicht so gemeint!"
Er hielt kurz an „Ich halte es für besser, wenn ich jetzt gehe", sagte er und öffnete schließlich die Haustür.
„Aber …"
„Kommst du morgen zum Tee auf Malfoy Manor?", unterbrach er sie.
„Ähm … ja", erwiderte sie. „Malfoy, es …"
Er ließ sie erneut nicht ausreden. „Dann sehen wir uns morgen."
Astoria stand an der Tür und blickte ihm hinterher.
„Ist alles in Ordnung?" Es war Daphne.
„Ja, es ist alles gut", entgegnete Astoria. Sie stand immer noch an der geöffneten Tür, obwohl er längst disappariert war.
„Ist Draco … ähm … gegangen?", erkundigte Daphne sich vorsichtig.
Astoria schloss die Tür. Eines wusste sie. Siebzehn Tage waren verdammt kurz …
