Für immer und ewig
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„Astoria? Bist du schon wach?" Die Tür zu Astorias Zimmer wurde einen Spalt geöffnet.
„Ja, komm herein", antwortete Astoria. Sie saß auf ihrem Bett. Draußen wurde es bereits hell.
„Wie geht es dir?", fragte Daphne.
„Mir ist schlecht", gestand Astoria. Das flaue Gefühl in ihrer Magengegend war wirklich scheußlich. Heute würde sie heiraten. So richtig konnte sie es immer noch nicht glauben.
„Das muss die Aufregung sein", meinte Daphne behutsam. „Soll ich dir einen Trank gegen die Übelkeit holen?"
„Dort in dem Etui auf der Kommode müsste welcher sein", sagte Astoria, überlegte es sich dann aber anders. „Nein, warte. Ich hole ihn mir selbst." Astoria sprang auf ihre Füße.
„Astoria, wenn du ihn nicht heiraten willst … "
„Was?" Astoria lachte schwach. „Du meinst, ich kann immer noch erwägen, die Hochzeit abzusagen und auszuwandern?" Sie nahm den korrekten Trank aus dem ledernen Behälter, schraubte das kleine Gefäß auf und nahm einen Schluck.
„Hm, das wäre eine Option." Daphne legte von hinten die Arme um sie und stützte ihren Kopf auf Astorias Schulter ab. „Ich würde dir schreiben." Sie sahen sich eine Weile im Spiegel, der über der Kommode hing, an.
„Ich weiß, dass du nicht gerne, um Hilfe bittest", begann Daphne, „aber versprich mir, dass du zu mir kommst, wenn irgendetwas ist. Und wenn du Ärger mit Draco hast, kann ich auch mal mit ihm reden, wenn du willst."
„Danke, Daphne", sagte Astoria. Sie war ihrer Schwester dankbar für die Worte, auch wenn sie nicht vorhatte, das letzte Angebot jemals anzunehmen. Es war nett gemeint, allerdings glaubte sie nicht, dass es aussichtsreich wäre, Daphne vorzuschicken. Das Ergebnis des letzten klärenden Gesprächs, welches Daphne mit Malfoy zu führen versucht hatte, war ihr noch in Erinnerung geblieben.
„Ich werde jetzt ein Bad nehmen", sagte Astoria, „und dann kommt auch schon bald Madam Berteaut für die Frisur und das Make-up. Obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass du das auch gut hingekriegt hättest … "
Daphne schaute kopfschüttelnd auf sie herab. „An solch einem Tag lässt man aber einen Profi ran …"
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Die Sonne strahlte an diesem Oktobertag. Astoria war sich sicher, wäre sie eine Romanheldin, würde es wenigstens heftige Regenschauer geben, wenn nicht sogar einen Sturm. Nun, das war der Beweis – Das Wetter kümmerte sich keinen Deut um ihr Seelenleben. Nach einem innerlichen Seufzen schaute sie zu ihrem Vater. Sie verließen gerade Greengrass House.
„Ist alles in Ordnung, Dad?", fragte sie ihn, denn seine Stirn lag in Falten.
„Hm? … Oh ja, es ist alles in Ordnung, Astoria." Nach einer kleinen Pause fügte Mr Greengrass hinzu: „Ich schätze, diese Frage sollte ich eigentlich dir stellen."
„Ach, mir geht es gut", sagte Astoria.
„Wirklich?", fragte er nach und seine grünen Augen lagen nachdenklich auf ihrem Gesicht.
„Ja."Astoria nickte verlegen.
„Dann bin ich froh", sagte er. Er fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar. „Anfangs wolltest du Lucius' Sohn ja nicht heiraten. Ich hatte die Befürchtung, dass ich dich zu sehr zu dieser Hochzeit gedrängt habe ... Also …" Mr Greengrass machte eine kleine Pause. „Wenn es nicht das ist, was du willst, sag es mir jetzt. Wir finden eine Lösung."
Astoria zögerte kurz. Kaum zu glauben, jetzt auch noch ihr Vater. Glaubten er und Daphne tatsächlich sie könnte jetzt noch abspringen? Nein, nein …. Für sie gab es kein Zurück mehr. Im Grunde hatte es für sie schon nach der Bekanntgabe der Verlobung kein Zurück mehr gegeben – jedenfalls nicht, ohne einen Skandal zu verursachen.
„Er ist wirklich nicht so schlimm, wie ich anfangs dachte …", erzählte sie ihm.
„Dann hast du ihn sicher schon besser kennengelernt?"
Astoria nickte. Mr Greengrass hatte sie auch schon in den vergangenen Wochen immer wieder einmal nach ihrem Erkunden gefragt, aber er hatte sie nie direkt gefragt, wie es zwischen ihr und Malfoy lief. Ihr Vater sah sie immer noch aufmerksam an.
„Und ähm ich mag ihn irgendwie auch", setzte sie vorsichtshalber noch einen obendrauf.
„Das freut mich sehr", sagte Mr Greengrass nun. Er sah ehrlich erleichtert aus.
Astoria war sich sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie glaubte nicht daran, dass es eine andere Lösung gab.
„Du wirst mir fehlen, wenn du nicht mehr im Haus bist", meinte er nachdem sie das Gartentor von Greengrass House passiert hatten.
„Ich glaube, du wirst gar nicht bemerken, dass ich nicht da bin", sagte sie scherzend.
„Selbstverständlich werde ich es merken", erwiderte Mr Greengrass ernsthaft und bedachte sie mit einem tadelndem Blick.
„Du wirst mir auch fehlen, Dad", gestand sie daraufhin leise. Und tatsächlich würde es ihr fehlen, nicht zu sehen, wie er am Frühstückstisch über der Zeitung versunken saß, mit seiner Hand durch sein Haar fahrend, wenn er dort etwas Ärgerliches las. Letztendlich war er immer da gewesen.
„Es wird Zeit ...", räusperte sich Mr Greengrass schließlich. „Wollen wir?"
Astoria nickte ergeben. „Ja, wir sollten." Astoria gab ihrem Vater ihren Arm und sie apparierten vor das Grundstück der Malfoys.
Die Gäste warteten bereits in der Festhalle von Malfoy Manor auf ihre Ankunft, wo die Zeremonie in wenigen Augenblicken stattfinden würde.
Als es soweit war und Astoria an der Seite ihres Vaters die Gasse durch die Anwesenden entlang schritt, erschien ihr alles wie ein seltsamer Traum. Die vielen Gäste zu beiden Seiten nahm sie nur am Rande wahr. Der Weg über den dunkelroten Teppich schien endlos lang zu sein und am Ende, wo sie getraut werden würde, stand Malfoy und wartete auf sie. Astoria hatte seinen blonden Haarschopf unmittelbar nach ihrem Eintreten erblickt. Seinen Gesichtsausdruck nahm sie jedoch erst jetzt wahr. Und es war kein Gesichtsausdruck, der sie ermutigte. Auch der Gedanke, dass die Zeremonie eigentlich nur eine formelle Angelegenheit war, konnte sie nicht beschwichtigen. Denn die symbolische Bedeutung einer Trauung war ihr nur zu sehr bewusst. Sie würde die eheliche Beziehung zwischen ihr und Malfoy begründen. Natürlich war sie noch dieselbe Person danach, rechtlich lag die Sache allerdings etwas anders …
Um Halt zu bekommen, richtete Astoria ihre Aufmerksamkeit auf Malfoys Kleidung und versuchte sie analytisch festzuhalten. Ein schlicht eleganter schwarzer Festumhang, darunter eine silbergraue Weste, oben sah man den Stehkragen des weißes Leinenhemdes mit einer kunstvoll geknoteten Krawatte in der gleichen Farbe. Ihr Blick wanderte seinen Hals empor und verweilte einige Sekunden auf seinem Kinn, bevor sie einen direkten Blickkontakt riskierte. Astoria fröstelte, als sie sein Lächeln erblickte. Denn es war kalt wie Eis. Seit ihrem Geburtstag behandelte Malfoy sie mit einer kühlen Höflichkeit. Sie hatte danach noch einmal versucht sich dafür zu entschuldigen, was sie zu ihm gesagt hatte. Aber er war ihr in seiner arroganten Art über den Mund gefahren, dass es wirklich nichts gäbe für das sie sich entschuldigen müsste. Astoria hatte es für das Beste gehalten hatte, es nicht nochmal zu versuchen. Vielleicht war das falsch gewesen, denn dieser neue Malfoy war doch etwas beunruhigend.
Sie und ihr Vater erreichten Malfoy. Mr Greengrass überreichte sie an Malfoy und der Zeremonienmeister vor ihnen, ein älterer kleiner Mann in einer schwarzen Zauberrobe, begann mit seiner Ansprache. Seine Stimme leierte dabei in einem langweiligen Sing-Sang die Worte herunter, dass Astoria bald der Rede inhaltlich nicht mehr folgen wollte und konnte. Selbst das Husten eines Gastes war spannender.
Eingelullt von der Stimme des Zermonienmeisters nahm Astoria nach einer Zeit einen sinnlichen Duft wahr. Astoria konzentrierte sich auf ihren Geruchssinn. Das Parfüm war ein Akkord holzig-würziger Noten. Die Stimme des Zermonienmeisters rückte weiter in die Ferne. Sie konnte sich nicht erinnern, den Duft schon einmal an Malfoy bemerkt zu haben. Sie schaute vorsichtig zu ihm hinüber. Seine Aufmerksamkeit schien voll und ganz auf den Zeremonienmeister gerichtet zu sein. Wahrscheinlich erwartete man auch, dass wenigstens das Brautpaar den salbungsvollen Worten lauschte. Astoria schaute wieder nach vorne. Während der Mann vor ihr sprach, atmete sie weiterhin mit der Luft den Duft ein. Der Gedanke, dass Malfoy sich am Morgen dieses Parfüm aufgetragen hatte, erwärmte sie irgendwie. Es war ein bisschen weit hergeholt, aber jemand, der so etwas tat, konnte ihrer Meinung nach nicht völlig kaltblütig sein.
„Draco Malfoy", sagte der kleine Mann nun und rüttelte Astoria somit auf, „willst du Astoria geborene Greengrass als deine Ehefrau nehmen, sie lieben und ehren, Freude, Leid und das Leben mit ihr teilen so antworte: Ja."
Astoria konnte nicht verhindern, erneut hinüberzusehen.
„Ja", antwortete Malfoy unmissverständlich auf die Frage.
„Nimm den Ring, das Zeichen eurer Bindung, stecke ihn an die Hand deiner Braut."
Malfoy nahm ihre rechte Hand. Er steckte ihr an den Ringfinger einen filigranen Ring aus Weißgold mit einem kleinen grünen Stein an. Sie empfand die Handlung beinahe als intim und ihre Hand zitterte dabei. Astoria wich seinem Blick aus.
„Astoria geborene Greengrass", fuhr der Zeremonienmeister leiernd fort und Astoria schluckte, „willst du Draco Malfoy als deinen Ehemann nehmen, ihn lieben und ehren, Freude, Leid und das Leben mit ihm teilen, so antworte: Ja."
„Ja", antwortete Astoria belegt, obwohl sie ganz und gar nicht davon überzeugt war.
Der Zeremonienmeister nickte, als ob das eine weise Entscheidung gewesen wäre und sagte: „Nimm den Ring, das Zeichen eurer Bindung, stecke ihn an die Hand deines Bräutigams"
Astoria nahm den zweiten Ring von dem Kissen. Er war etwas größer als ihrer und enthielt keinen Stein, trotzdem gehörte er unverkennbar zu ihrem Ring. Astoria steckte ihn etwas unbeholfen an seine Hand. Sie schaute auf und nun kreuzten sich ihr Blicke. Malfoys Miene war verschlossen. Sie konnte nicht erkennen, was er von der ganzen Sache hielt.
„Dann seid ihr hiermit im Leben vereint." Der Zeremonienmeister hob seinen Zauberstab und der silberne Sternschauer umsponn sie.
Es war jedem Brautpaar überlassen, was sie in diesem Moment taten. Jedoch würde es Fragen aufwerfen, wenn sie sich nicht küssten.
Astoria trat dicht an ihn heran. Innerlich betend, dass Malfoy ihr eine Pleite vor den Gästen ersparen würde, zupfte sie auffordernd an seinem Umhang und blickte ihn beschwörend an.
Wohl wissend, was sie beabsichtigte, zog Malfoy mokant seinen Mundwinkel nach oben. Er legte seine Hände auf ihre Oberarme. Sein weiterhin kühler Blick gab ihr jedoch keinen Aufschluss über sein Vorhaben. Astoria war vollkommen egal, was er über sie dachte, solange er ihr jetzt einen Kuss vor den anderen gab. Zu diesem Zeitpunkt kam es ihr darauf an, wenigstens vorübergehend den Schein zu wahren.
Sie formte vorsichtshalber mit ihren Lippen „bitte". Malfoy beugte sich langsam zu ihr herunter und endlich spürte Astoria einen Augenblick lang seine Lippen auf ihren. Es war nicht lange. Sie hatte kaum genügend Zeit die Empfindung einzuordnen, da zog er sich schon zurück. Aber es hatte seine Wirkung getan, denn die Gäste applaudierten.
„Danke", flüsterte Astoria ihm leise zu.
Malfoy lächelte missfällig. „Ich hoffe, du bist mir heute Nacht auch noch dankbar", entgegnete er in derselben Lautstärke.
Astoria riss ihre Augenlider auf. „Aber … " Astoria hielt inne, weil die ersten Gratulanten auf sie zukamen und in den nächsten Minuten gratulierten ihnen Verwandte und Bekannte von ihr und von Malfoy.
Astorias Tante Ada, die Schwester von Robert Greengrass, umarmte das Brautpaar als eine der ersten nach ihren Eltern. Gleich darauf wünschten Daphne und Theo alles Gute. Es folgten die Lovelaces, die Verwandtschaft von Astorias verstorbenen Mutter Ariadne.
Astorias Patin Faith Somerville, die ehemalige beste Freundin ihrer Mutter, gab Astoria bald darauf einen Kuss auf die Wange, und zu ihrem leichtem Entsetzten tat sie dies ebenfalls bei Malfoy. „Geben Sie gut auf Astoria Acht", sagte die brünette Hexe zu ihm.
„Das werde ich", war Malfoys scheinheilige Antwort, was Astoria rasend machte.
„Astoria!" Brianna umarmte Astoria stürmisch. „Alles, alles Gute!"
„Danke", Astoria lachte auf. „Du musst mir aber nicht gleich die Luft abschnüren."
„Herzlichen Glückwunsch, Astoria", sagte nun Moira und umarmte sie ebenfalls.
Astoria wunderte sich, dass Moira so gut gelaunt war und überhaupt nicht verstimmt wirkte. Allerdings dachte sie nicht weiter darüber nach, denn es wollten ihr noch viele weitere Gäste ihre Glückwünsche aussprechen.
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Beim Hochzeitsmahl saß Astoria selbstverständlich neben Malfoy und wären sie die einzigen am Tisch gewesen, wäre das Essen wohl recht schweigsam verlaufen. So aber plauderten die Gäste. Die Tafel war reichlich mit Köstlichkeiten gedeckt, was Astorias Appetit jedoch kaum anzuregen vermochte. Sie gab sich trotzdem die beste Mühe nicht zu wenig zu essen. Zwischendurch trank sie immer wieder von dem Elfenwein, was ihr deutlich leichter fiel. Sie war nun Mrs Malfoy. Es war erschreckend, einfach nur unfassbar.
„Ich habe gesehen, dass ihr glücklich werden könnt", sagte ihre Tante Ada irgendwann zu ihr. Die nächsten Verwandten saßen an ihren Seiten.
Astoria konnte sich einen skeptischen Gesichtsausdruck nicht verkneifen. Sie war sich Malfoys Gegenwart neben ihr in diesem Moment sehr bewusst. „Liest du immer noch in Teeblättern?" Astoria trank einen Schluck Wein.
Ihre Tante schmunzelte. „Hin und wieder."
„Also ich glaube nicht daran, dass man in Teetassen die Zukunft sehen kann", sagte Daphne.
„Weißt du schon was es wird?", fragte Ada daraufhin Daphne. „Ein Junge oder ein Mädchen? Ich kann es dir sagen, wenn du willst."
„Ähm nein … es bringt Unglück, es vorher zu wissen", sagte Daphne hastig.
„Also daran glaube ich nicht", sagte Astoria und versuchte ein Grinsen.
Ada nickte ihr anerkennend zu. „Dass dieser Aberglaube immer noch so verbreitet ist, hätte ich nicht gedacht."
„Das ist kein Aberglaube."
„Was denken Sie, Theodore?", fragte Ada.
„Ich denke, es hat auch seinen Reiz, wenn man sich überraschen lässt", antwortete er diplomatisch.
„Ich hatte es damals im Gefühl, dass es ein Junge wird", sagte Narcissa nun.
Astoria sah, wie Malfoys Mutter in schöner Erinnerung versunken lächelte. Sie fragte sich unmittelbar, ob sie irgendwann eine ähnliche Erinnerung haben würde. Vorstellen konnte sie es sich nicht.
Nach dem Essen begaben sie und Malfoy sich auf die Tanzfläche für den Eröffnungstanz. Bei diesem einen Tanz mit ihm blieb es vorerst jedoch. Es war unfassbar mit wie vielen unterschiedlichen Partnern man als Braut tanzen musste. Obwohl es ihr eigentlich ganz recht war. Zwischen den Tänzen trank Astoria immer wieder Bowle, die an einem Buffet am Rande der Tanzfläche zu bekommen war. Und natürlich versuchte sie sich mit so vielen Gästen wie möglich während ihrer Tanzpausen zu unterhalten. Oft hieß das gute Miene zum bösen Spiel machen.
Ausgerechnet Mrs Branstone verwickelte sie in ein Gespräch, als sie irgendwann einmal wieder von der Tanzfläche kam. „Meine Tochter kennen Sie doch, oder?"
„Ja, Eleanor." Astoria nickte ihr zu.
Eleanor sah aus, als ob sie am liebsten im Boden versinken würde.
„Es ist ihr ein bisschen peinlich, aber ich habe mir gedacht, es wäre sehr gütig von Ihnen, wenn sie ihr ein bisschen unter die Arme greifen würden."
„Wenn ich das kann, gerne … Wobei könnte ich dir denn genau helfen?"
„Ähm bei nichts … Mutter … ", flehte Eleanor.
„Eleanor, lass den Unsinn. Mrs Malfoy könnte dir wirklich behilflich sein." Mrs Branstone wandte sich wieder an Astoria. „Eleanor tut sich ziemlich schwer mit Männern, Vielleicht können Sie ihr einige Ratschläge geben."
„Oh … ich glaube nicht, dass ich dafür geeignet bin."
„Selbstverständlich sind Sie das. Sie haben es immerhin vor wenigen Stunden geschafft einen der begehrtesten Junggesellen des Landes zu heiraten."
„Ich weiß nicht recht." Astoria sah sich hilfesuchend um, als Mrs Whitley sich zu ihnen gesellte.
„Astoria, wie schön dich zu sehen. Ich muss sagen die Dekoration ist sehr eindrucksvoll. Ich war gerade draußen. Ein Traum!"
Astoria bedanke sich bei der Mutter ihrer Freundin.
„Ah, Miranda", sagte Mrs Whitley nun zu Mrs Branstone. „Gefällt dir die Feier auch so sehr wie mir?"
Mrs Branstone bejahte dies lautstark und lobte anschließend noch das wundervolle Essen. Allerdings kam sie dann wieder auf ihr Hauptanliegen zu sprechen. „Ich verstehe, dass Sie natürlich in den nächsten Wochen anderes im Kopf haben, aber vielleicht haben Sie einmal einen Moment für meine Tochter Zeit."
Astoria verdrehte innerlich ihre Augen. „Gut, ich werde es mir überlegen. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen möchten, Mrs Whitley. Mrs Branstone. Eleanor." Astoria nickte ihnen zu und machte sich schleunigst aus dem Staub.
So fand sie sich kurze Zeit später bei der Kürbisbowle wieder. Die Bowle schmeckte aber auch wirklich göttlich. Seit ihrer Verlobung war ihr ein Großteil der Gesellschaft noch unerträglicher geworden. Vielleicht lag das daran, dass die meisten annahmen, sie hätte ihn, den Prinzen der reinblütigen Gesellschaft, eingefangen – mit welchen Mitteln auch immer … Ständig hörte sie welches Glück sie gehabt hätte. Fast war sie versucht ihnen allen mitzuteilen, dass sie für diese Hochzeit rein gar nichts, aber auch absolut nichts getan hatte. Allein Malfoys Name deutete darauf hin, dass es völlig umgekehrt war. Prinzen hatten schließlich Namen wie Edward oder William oder zumindest Charles. Draco hingegen war der Name von einem geschuppten feuerspeiendem Untier. Sie befand sich also eher in einer klassischen Drachen-Entführungsding-Geschichte. Sie kicherte leise und blickte erschreckt auf. Sie sollte wirklich aufhören zu trinken. Es war sicherlich nicht nicht angebracht, sich auf seiner eigenen Hochzeit zu betrinken …
„Hey, Astoria", sprach Tracey Davis sie schließlich an. „Wir haben uns überlegt, es wäre ganz lustig Blinder Bräutigam zu spielen."
„Ich glaube nicht, dass …", ergriff Astoria das Wort.
„Dass Draco mitmachen will?", fragte Tracey diabolisch lächelnd. „Keine Sorge! Überlass das Blaise und mir. Wir werden ihn schon überzeugen können", behauptete sie kühn.
Bevor sie widersprechen konnte, hatte Tracey sie auch schon am Ellbogen gepackt und dirigierte sie zu der Gruppe mit Blaise, Millicent und Pansy. Außerdem eine ihr unbekannte Dame, vermutlich Zabinis Begleiterin, und Pansys Verlobter, Corvin Warrington. Astoria war etwas schwindelig und ließ sich paralysiert von der Freundin ihrer Schwester führen.
„Ah, sehr gut. Die Braut haben wir also schon mal", sagte Millicent als sie dort angekommen waren.
„Ja. Blaise und ich werden jetzt noch den Bräutigam holen. Ihr könnt inzwischen ein paar Leute zum Mitspielen animieren."
Astoria überfiel das böse Gefühl, dass die Angelegenheit in eine Katastrophe münden würde. Sie blickte sich suchend nach Malfoy um. Sie wusste nicht, was schlimmer war: falls er mitspielte oder falls er es nicht tat. Es war eine klassische Pattsituation. Eigentlich war sie sich sicher, dass er das nicht mit sich machen lassen würde. Ein peinliches Hochzeitsspiel gehörte sicherlich nicht zu Malfoys Vorlieben …
