Das Neugeborene

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„Weißt du eigentlich, welcher Tag heute ist?", wurde Astoria beim Abendessen begrüßt.
Auf Malfoys Lippen lag wie bereits die letzten Tage die Andeutung eines triumphalen Lächelns, als er sie musterte. Er setzte sich auf den Stuhl, der am nächsten zu ihr stand, anstatt sich wie gewöhnlich an die gegenüberliegende Stirnseite des Tisches zu begeben. Durch diesen Umstand aus der Ruhe gebracht, dauerte es einen Moment bis sie antwortete: „Mittwoch – oder was meinst du?" Verlegen wandte sie für zwei Sekunden ihren Blick ab.
„Heute ist der erste Dezember." Seine Augenbrauen wippten bei den Worten bedeutungsvoll auf und wieder ab.
Nicht wissend, wie sie am besten darauf reagieren sollte, warf sie ihm einen ärgerlichen Blick zu. Sie wusste sehr wohl, dass ab heute der Schwur galt.
Um seine Lippen spielte ein Lächeln. Das Abendessen erschien durch Elfenmagie. Auch tauchte vor Malfoy ein neues Gedeck auf, während das am Tischende verschwand.

Malfoy hielt vor dem ersten Bissen inne. Seine Gabel einige Zentimeter vor seinem Mund haltend, fragte er weiter: „Soll ich mir einen bestimmten Tag freihalten?"
Er wollte sie sicher bewusst in Verlegenheit bringen, aber dieses Wissen änderte nichts daran, dass er auch Erfolg damit hatte.
„Danke, nein, du musst dir keinen bestimmten Tag freihalten", erwiderte sie indigniert.
„Bist du sicher? Wenn ich den Tag kenne, könnte ich dir vielleicht behilflich sein", meinte er mit einem leisen Lächeln auf seinen spottenden Lippen.
„Wie willst du mir behilflich sein?", stieß sie dünnhäutig aus, wo sie wohl besser geschwiegen hätte, denn natürlich forderte sie ihn damit auf seine Gedanken weiter auszuführen. Andererseits zweifelte sie nicht daran, dass er dies nicht auch ohne Nachfrage getan hätte. Er genoss das hier viel zu sehr.
„Indem ich dir ungeschickte Verführungsversuche erspare", quälte Malfoy sie auch schon weiter. „Das funktioniert allerdings nur wenn du mir Tag und Uhrzeit nennst."
„Wer sagt, dass ich viel tun muss? Um den Schwur zu erfüllen, sollte es genügen, wenn ich mich einfach in dein Bett lege", stieß Astoria gedankenlos aus.
Und genau so könnte sie es tun. Sie würde sich in sein Bett legen und ihn einfach machen lassen. Malfoys Blick traf sie und Astoria wurde ganz heiß im Gesicht. Er schien darauf erst einmal nichts erwidern zu wollen. Tatsächlich wirkte er etwas überrumpelt. Vielleicht war er überrascht zu hören, dass sie gedachte es wirklich durchzuziehen. Das würde sie jedoch auf alle Fälle. Astoria hingegen haderte unterdessen mit der Frage, ob sie ihn nicht besser über diese mögliche Vorgehensweise im Dunkeln hätte lassen sollen.
Malfoy riss sie aus ihren Gedanken. „Ich denke, du stellst dir das etwas zu leicht vor. Du kannst dich nicht einfach in mein Bett legen. Du musst dabei schon etwas Willen zeigen. Woher soll ich sonst wissen, dass du wirklich gewillt bist, deinen Teil des Schwurs zu erfüllen?"
Peinlich berührt entgegnete sie: „Mir fällt kein Grund ein, warum ich sonst in deinem Bett liegen sollte."
Er kniff seine Augen zusammen. „Und dann? Du planst hoffentlich nicht, die ganze Zeit unbeteiligt dazuliegen, während ich die ganze Arbeit leiste?"
Wenn ihre Wangen nicht schon vorher gerötet gewesen waren, dann waren sie es jetzt auf jeden Fall. Er grinste jetzt wieder ungehörig.
„Ich habe nicht vor, den Ablauf vorher mit dir zu diskutieren", erklärte sie ihm da.

Zu ihrem Glück hörte sie plötzlich eine Eule am Fenster. Astoria stand eilig auf und öffnete es.
„Für dich." Sie gab Malfoy den Brief, den sie dem Steinkauz abgenommen hatte.
Astoria nutze die Unterbrechung und begann endlich mit dem Abendessen. Malfoy legte den Brief bald mit den Worten „nichts Wichtiges" beiseite. Sie spürte seinen Blick auf sich, doch zu ihrer Erleichterung führte Malfoy das Gespräch nicht fort.

„Hast du eigentlich schon den Besen ausprobiert, den ich dir zum Geburtstag geschenkt habe?", fragte er sie stattdessen zwischen zwei Bissen.
„Ja, er ist großartig", bekannte Astoria und entlockte ihm ein zufriedenes Lächeln.
„Hast du schon einmal Swivenhodge gespielt?", fragte sie ihn interessiert.
Swivenhodge zählte zu den weniger populären Besensportarten, aber man konnte es im Gegensatz zu Quidditch zu zweit oder viert spielen. Und ganz ehrlich, bei Quidditch schaute Astoria lieber zu. Sie verspürte keine Lust, sich von einem Klatscher treffen zu lassen.
„Hm", meinte er, was sich eher nach Ablehnung anhörte. „Weißt du, was ich lieber mit dir spielen würde?"
Astoria sah fragend zu ihm.
„Shuntbumbs", erklärte Maloy gedehnt.
Seine Augen blitzen auf. Astoria spürte, wie ihr heiß wurde. Malfoy grinste mit männlicher Überlegenheit. Shuntbumbs war eine Art Fangen auf Fliegenden Besen, bei dem die Mitspieler versuchten sich gegenseitig zu erhaschen und vom Besen zu stoßen. Eigentlich spielten es heutzutage nur Kinder, aber sie sah durchaus die erotische Komponente darin, sollte sie es mit Malfoy spielen.
„Jetzt ist es draußen leider ein wenig zu kalt dafür. Aber sollten wir im Sommer noch verheiratet sein …" Er ließ seine Stimme bedeutungsschwanger in der Luft hängen.
Vielleicht bildete sie sich die Zweideutigkeit bloß ein, aber in ihrem Inneren kribbelte es trotzdem aufgeregt.

„Du willst hoffentlich nicht bis Silvester warten, oder?", fragte Malfoy nach einer Weile zusammenhangslos.
Astoria blickte überrascht auf. Sie wusste natürlich sofort, worauf er anspielte. In seiner Stimme war so etwas wie Ungeduld zu hören gewesen. Oh Mann! Sie wurde viel zu oft rot in seiner Gegenwart.

Die nächsten Tage saß Malfoy beim Abendessen fast immer über Eck und an seinen freien Tagen auch beim Lunch. Obwohl er das Thema nicht wieder aufgriff und sie ganz gewiss auch nicht, schien es immer präsent zu sein. Malfoy war aufmerksam. Abwartend. Astoria war aufmerksam und fiebrig. Er hatte sich ihr gegenüber merklich verändert. Irgendetwas von seiner Hartherzigkeit schien verschwunden zu sein. Wenn er doch nur versuchen würde sie zu küssen. Abgeneigt wäre sie nicht. Astoria fürchtete, dass er darauf wartete, dass sie den ersten Schritt machte. Sie hatte bei ihrem missglückten Verführungsversuch den Trank nicht ohne Grund eingenommen. Sie war einfach nicht gut darin.

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Am 16. Dezember wurde Astoria Tante. Aidan Nott war kleines schrumpliges Bündel mit einem dunklen Haarflaum auf seinem Köpfchen. Unerwartet spürte sie in ihrem Herzen einen Stich, als sie ihn sah. Astoria wollte nicht neidisch sein. Es war schließlich nicht ungewöhnlich, dass ihre zwei Jahre ältere Schwester vor ihr ein Kind bekommen hatte und es war auch nicht aus dem Nichts gekommen. Außerdem war es ja nicht so, dass Astoria bisher einen großen Kinderwunsch verspürt hatte. Dennoch war sie genau das.

„Er ist perfekt", sagte sie zu Daphne.

Ihre Schwester strahlte und ein Teil von Astoria freute sich ehrlich mit ihr. Astoria blieb nicht lange bei ihnen, denn sie wollte ihnen die Ruhe lassen, die jedes junge Elternpaar mit ihrem Kind verdiente.

Als sie zurück war, öffnete Astoria die Tür zum grünen Salon. Sie fand Malfoy auf dem antiken braunen Sofa vor. Er lag mehr als er saß. Ihr Herz klopfte aufgeregt. Sie hatte irgendwie gehofft, ihn hier zu sehen. Ihr kam urplötzlich der irrige Gedanke, dass sie sich vielleicht heute einfach in sein Bett legen sollte.
„Und, ist alles in Ordnung?" Malfoy setzte sich auf und legte eine Zeitschrift, die aussah wie Welcher Besen?, neben sich auf die Sitzfläche.
Astoria nickte und spürte, dass sie rot wurde. „Daphne geht es gut und dem Baby auch."
Sie war immer noch ein wenig aufgewühlt von dem Besuch. Vermutlich war das der Grund für ihre komische Gefühlslage. Andererseits war sie in der letzten Zeit immer nervös, wenn sie bei ihm war.
Sein kritischer Blick lag auf ihr. Astoria warf einen Blick auf den Esstisch. „Hast du schon gegessen?"
Sie hatte nicht wirklich Hunger.
Malfoy hob seine Brauen. „Ehrlich gesagt, ja. Ich wusste nicht, wann du zurückkommst."
Ihre Augen weiteten sich kaum sichtbar, als sie seine Antwort hörte. Er hatte also schon gegessen. War er dann noch hier, weil er auf sie gewartet hatte? Nach kurzem Zögern setzte sich Astoria zu ihm auf das Sofa, bei dem das Leder in einem geknüpften Rautenmuster in Falten gelegt war. Sie ließ jedoch genügend Abstand zwischen ihnen.

„Ein Junge also", stellte Malfoy fest.
Sie hatte ihm die Nachricht von Theo beim Frühstück gezeigt. Er sagte es also einfach nur ohne sie wirklich zu fragen.
Astoria nickte trotzdem und meinte: „Ich hätte es mir denken können. Natürlich würde ihr erstes Kind ein Junge sein. Daphne ist bei so etwas immer perfekt. Nicht dass ich persönlich der Meinung bin, dass ein Junge besser ist als ein Mädchen, aber doch in den Augen der Gesellschaft."
„Und ich dachte immer, dabei entscheidet zum größten Teil der Zufall", kam es trocken von Malfoy.
„Da hast du Recht. Aber das kümmert Daphne wenig", sagte Astoria langsam.
„Ich finde Daphne übrigens nicht perfekt", sagte Malfoy nun. „Sie steckt ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen und ist übermäßig beleidigt."
Eigentlich sollte Astoria empört sein, dass er so über ihre Schwester sprach, aber sie war merkwürdig zufrieden.

Astoria fischte nach der Zeitschrift zwischen ihnen. Eine bekannte Nervosität hatte sich in ihr breit gemacht. Es war tatsächlich eine Fachzeitschrift über fliegende Besen. Das war etwas, was sie über Malfoy wusste: Er liebte es zu fliegen. Konnte sie es riskieren und ihn küssen?
Astoria spürte, wie Malfoy zu ihr aufrutschte. Sie bemühte sich keine Reaktion zu zeigen, aber sie spannte sich innerlich an. Sie hoffte wirklich, dass er etwas versuchen würde.

Eine Weile geschah nichts und dann fasste er mit seinem Daumen unter ihr Kinn.
„Astoria, täusche ich mich oder bist du ein bisschen errötet?"
Verlegen schlug Astoria die Augen nieder und ein verräterisches Schweigen folgte auf seine Frage.

Beinahe zögerlich legte Malfoy von hinten seinen Arm um sie. Astoria verharrte aufmerksam und unruhig in ihrer Sitzposition. Seine Hand lag auf ihrer Seite. Er bewegte sie nach einer Weile langsam und sie kam tatsächlich auf ihrer Brust zu liegen! Sie wagte kaum zu atmen. Astoria wandte ihr Gesicht ab, weil sie die Situation peinlich berührte. Das nicht aufgrund irgendeiner Tugend sondern einer innere Hemmung wegen. Seine Stirn lehnte an der Seite ihres Kopfes. Er übte leichten Druck mit seiner Hand aus. Weiter unten spürte sie die prickelnde Erregung.

„Du willst es wirklich." Leichte Überraschung war herauszuhören.
Ein kurzer Blickaustausch, den Astoria schnell wieder beendete. Sie war gerade zu schüchtern, um selbst etwas zu tun, hoffte aber, dass er nicht aufhörte. Sie hörte ihn halb amüsiert schnaufen. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und während sie sich wortlos ansahen, schien er zu überlegen, was er mit ihr anfangen sollte.

Endlich beugte Malfoy sich nach vorn und seine Lippen begegneten ihren. Er küsste sie sacht. Bedachtsam. Diese Begegnungen erwiderte Astoria vorsichtig.

Er sah sie wieder an – interessiert, fragend. Erhitzt blickte sie ihm verlegen entgegen.

Malfoy drückte erneut seinen Mund auf ihren. Diesmal fordernder. Warme Glücksgefühle durchströmten sie und Astoria keuchte auf. Ihre Hände suchten Halt an seinen Oberarmen.

Er platzierte bald Küsse auf ihren Hals. Sie trug heute ein schmuckloses, recht hochgeschlossenes Kleid mit langen Ärmeln. Astoria wusste gerade nicht, ob sie froh sein sollte, dass ihr Kragen ihn abhielt, mit seinem Mund tiefer zu gehen, als seine Hand sich auf ihr Knie legte, wo das Kleid endete. Seine Fingerspitzen schoben sich unter den Stoff ihres Kleides. Astoria atmete hörbar ein. Seine Finger verweilten kurz über ihrem Knie. Für einen Moment. Dann wanderten sie über ihrem Strumpf höher. Kurze Zeit später landete seine Hand zum zweiten Mal auf ihrer Brust.

Malfoy suchte eine Zeit mit seinen Händen nach einer Öffnung ihres Kleides am Rücken und fand schließlich den Reißverschluss auf der Seite. Als er seine Hand von der Seite in ihr Kleid wandern ließ, hielt er im Kuss inne und blickte sie an. Seine Hand kam auf dem dünnen Stoff ihres Büstenhalters zu liegen. Sie weiter ansehend zog er den Stoff des Körbchens unter ihre Brust, wo er liegen blieb. Begierig umfasste er sie. Ihre Erregung wuchs, als er ihre Brust knetete und streichelte. Er rieb ihre Brustwarze, reizte sie weiter. Dann schob er ihr Kleid vollständig hoch.
„Malfoy." Es war kaum mehr als ein Wispern.
„Jetzt sag bitte nicht, dass ich aufhören soll", raunte er dringend. Seine Hand verweilte reglos auf ihrer Brust.
Astoria schüttelte den Kopf und er küsste sie belohnend auf den Mund. Seine andere Hand schob sich nun zwischen ihre Beine. Dorthin, wo sie von ihm berührt werden wollte. Und seine Finger massierten sie bald vorsichtig durch den Stoff ihrer Unterwäsche.

Als sie es nicht mehr aushielt und unbedingt mehr wollte, schob Astoria ihn von sich weg. Er sah sie an ohne sich zu rühren und sie legte sich ergeben und auffordernd auf das Sofa. Sie war bereit und willig ihn in sich aufzunehmen, brauchte ihn jetzt regelrecht. Nach einigen Augenblicken bedeutete er ihr, die Beine an ihren Oberkörper zu ziehen. Malfoy zog ihr Höschen über ihren Po, so dass die Unterwäsche auf ihren Oberschenkeln hing. Er kniete sich nun direkt vor sie auf das Sofa. Ihre geweiteten Augen lagen auf ihm, als er hastig seine Hose öffnete. Malfoy stütze sich mit einer Hand auf die Innenseite ihrer Schenkel. Ein Blickaustausch zwischen ihnen und Astoria entwich ein leiser unterdrückter Laut, als er in sie eindrang. Er atmete laut und schob sich weiter in sie. Seine Länge füllte sie wunderbar aus. Er zog sich aus ihr zurück und stieß erneut in sie. Ihrer beider Atem war zu hören, als er immer wieder in sie stieß. Astoria hatte das Gefühl, dass es nicht lange dauern würde, aber das war gerade belanglos.

Malfoy lag danach ermattet auf ihr und sie war so zufrieden wie seit Langem nicht mehr. Nach einer Weile hob er träge seinen Kopf. Seine grauen Augen richteten sich suchend auf sie. „Schläfst du heute Nacht in meinem Bett?" Astoria sah ihm einen Moment entgegen, ihre Lippen leicht geöffnet. Dann nickte sie. Ein Lächeln wollte sich auf ihren Lippen ausbreiten. Sie hatte nichts dagegen, das noch etwas fortzusetzen.