Was bisher geschah:
Eine Reihe mysteriöser Anschläge erschüttert Masyaf, mit denen Altaïrs neue Mission zusammenhängt. Diese soll er jedoch nicht allein durchführen, sondern mit einem aus Ägypten zurückgekehrten Assassinen. Altaïrs Empörung ist groß: Denn dieser ist eine Frau…!
2. Kapitel:
Offenbarungen
Der weibliche Assassine trug fast dieselbe Kleidung wie Altaïr selbst, nur ihr Gürtel war schmaler als seiner und die Halterung, die in Altaïrs Fall für sein Kurzschwert diente, schien eine andere zu sein. Ihre Montur verschleierte zwar, dass ihr Körper nicht der eines Mannes war, konnte jedoch nicht über ihre zierliche Gestalt hinwegtäuschen. Als sie einander zum ersten Mal aus nächster Nähe ansahen, fand Altaïr ihr von einigen Strähnen ihres brünetten Haars umrahmte Gesicht, das unter der weißen Kapuze hervorlugte, hübscher als er es erwartet hatte. Ihre Haut hatte einen reizvollen Braunstich, zu dem der leicht dunklen Ton ihrer Lippen passte.
Ihre klaren, grünen Augen hielten seinem fragenden Blick unvermittelt Stand.
„Antares, das ist Altaïr Ibn La-Ahad, einer unserer besten Männer", stellte Meister Rahad Altaïr vor. „Altaïr, das ist Antares Hajjar-Salib. Während ihrer Zeit in Ägypten hat sie sich denselben Rang verdient wie Ihr."
„Denselben Rang?", wiederholte Altaïr ungläubig. Der Tatsache, dass er nun mit einer Frau zusammenarbeiten sollte, kam also noch hinzu, dass sie mit ihm auf derselben Stufe stehen sollte wie er. In seiner Empörung griff er grob nach Antares' linker Hand, die vollständig in einen ledernen Handschuh gehüllt war und lachte spöttisch auf. „Ach, wirklich? Ich sehe nicht, dass Ihr eine verborgene Klinge tragt."
Antares warf ihm einen feindseligen Blick zu und befreite sich aus seinem schmerzhaften Griff.
„Ist das Eure Art, einen eurer Brüder zu begrüßen?", fuhr Meister Rahad ihn verärgert an. Er war nicht nur ein sehr weiser, sondern auch ein sehr strenger Anführer.
„Nein, einen Bruder würde ich sicherlich anders behandeln", entgegnete Altaïr, obwohl er für den neuen Großmeister viel Respekt hegte. Doch in diesem Fall fühlte sich auch Altaïr ohne Achtung behandelt.
„Antares ist genau so fähig wie Ihr es seid", erklärte meister Rahad und ließ sich auf seinem Stuhl zwischen Malik und Faruq nieder, der sich erst nach einem kritischen Blick seines Vaters gerade hinsetzte.
Während Altaïr sich wie Antares zu den letzten freien Stühlen bewegte, ließ er sie nicht aus den Augen, in der Hoffnung ihrer Miene ein kleines Anzeichen der Schwäche – ein Blinzeln oder einen gekränkten Gesichtsausdruck – zu entnehmen, doch sie erwiderte seinen Blick unvermittelt und gab Altaïr keine Genugtuung.
„Es fällt mir schwer zu glauben, dass eine Frau das Handwerk eines Mannes beherrschen soll", argumentierte Altaïr schließlich und wandte sich erst von Antares' Augen ab, als er ausgesprochen hatte. „Wenn Ihr von mir schon verlangt, mit einem Frauenzimmer zusammenzuarbeiten, verlange ich wenigstens eine Erklärung, wie es zu so einer Abnormalität kommen kann und warum ich noch nie von ihrer Größe gehört habe, wenn ihre Taten in Ägypten so erfolgreich gewesen sind."
„Du warst noch nie dafür bekannt, ein guter Zuhörer zu sein", warf Malik halblaut ein. „Sicher, es ist…ungewöhnlich. Aber was zählt, ist, was Antares für die Bruderschaft leistet."
„Was trotz ihrer Jugend das Werk einer Koryphäe ist", ergänzte Meister Rahad und Altaïr wusste, wie viel das Lob des Anführers wert war. „Die wenigsten haben schon mit 23 den Rang-"
„23?", wiederholte Altaïr perplex, der sich von der Tatsache, dass Antares jünger war als er, noch provozierter fühlte. Er sah zu ihr als wolle er sie für ihr Alter angreifen, doch Antares blickte zu den reich gefüllten Bücherregalen und zupfte gelangweilt an ihrer Kapuze.
„Ihr seid schockiert?", hinterfragte Meister Rahad desinteressiert. „So weit ich weiß, seid Ihr nur drei Jahre älter."
„Meister, Ihr könnt nicht von mir erwarten, dass ich all das einfach hinnehme", argumentierte Altaïr weiter. Ihm fiel nicht auf, dass Faruq der Diskussion schadenfroh zusah, offensichtlich darüber erfreut, dass Altaïr Antares nicht respektieren wollte. „Ich verlange, zu erfahren, was sie in Ägypten so Bereicherndes für die Bruderschaft getan hat, dass sie den selben Rang wie ich verdient."
Antares sah derweil aus dem Fenster und schien die Auseinandersetzung, deren Grund sie war, nicht wahrzunehmen oder wahrnehmen zu wollen.
„Oder warum äußert Ihr Euch nicht selbst dazu?", forderte Altaïr sie abschätzig auf. Antares sah zu ihm, den Ellenbogen auf die Stuhllehne und das Kinn auf die Handfläche gestützt. „Wagt Ihr es nicht, Eure Stimme zu erheben? Jeder andere Assassine hätte schon längst seine Ehre zu verteidigen gewusst!", warf er ihr verächtlich vor.
Antares Miene blieb unverändert. Sie legte beide Arme auf die Stuhllehnen und wandte zum ersten Mal das Wort an Altaïr.
„Wenn Ihr nicht sofort schweigt, schlage ich euch euren Kopf ab, spieße ihn auf und sehe dabei zu wie die Geier ihn auffressen."
„Ach, werdet Ihr das?", hinterfragte Altaïr angriffslustig, den es fast freute, dass Antares nun auf seine Provokationen einging, da er sich sicher war, bei der Auseinandersetzung den Sieg davon zu tragen. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Nein", entgegnete Antares trocken. „Aber das wolltet Ihr doch hören, nicht wahr?" Sie lachte süffisant auf, ehe sie weitersprach. „Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich wegen einiger Worte aus eurem Mund meine Ehre in Gefahr glaube. Dazu braucht es schon einiges mehr. Das versichere ich euch."
Ihre herablassende Art erweckte Zorn in ihm und am Liebsten hätte er sie zu einem offenen Kampf herausgefordert, wüsste er nicht, dass dies absolut fehl am Platz wäre. Mit einem tiefen Atemzug versuchte er, sich zu beruhigen.
„Ihr habt eine scharfe Zunge für eine Frau", gab Altaïr zurück und Antares wusste, dass sein Unterton ein beleidigender war.
„Meine Klinge ist noch schärfer", versprach sie und führte ihre Hand zu einem Dolch, der an ihrem Gürtel befestigt war. Im gleichen Moment hob Altaïr seine linke Hand, in der Absicht, seine verborgene Klinge ausfahren zu lassen.
„Genug!", schritt der Großmeister scharf ein, ehe die beiden ihre Waffen ziehen konnten. Ohne sich aus den Augen zu lassen, ließen beide ihre Hände wieder sinken, während der Anführer sich erhob. „Antares, Altaïr! Ihr solltet unsere fähigsten Brüder sein, aber ihr streitet euch wie zwei Kinder um Süßigkeiten! Ist das etwa das Benehmen von Assassinen?"
„Nein", knurrten beide und fühlten sich tatsächlich wie zwei Kinder, die in die Schranken gewiesen wurden.
„Wenigstens etwas", fuhr Meister Rahad fort. In seiner Stimme lag noch immer eine unnachgiebige Strenge. „Ich wusste zwar, dass ich mit dieser Mission auch die beiden größten Dickköpfe der Bruderschaft zusammenführe, aber ich rechnete nicht mit solchen Methoden!" Er sah zu Altaïr. „Ich kann nachvollziehen, dass es sehr ungewöhnlich ist, mit einem Assassinen wie Antares zusammenzuarbeiten. Aber sie hat sich den selben Respekt verdient, den man auch einem Mann in dieser Stellung zollt und genau das werdet Ihr tun. Eure Fragen sind gerechtfertigt, doch jetzt ist keine Zeit für Antworten."
Am Liebsten hätte Altaïr widersprochen, doch er kannte den Großmeister gut genug, um zu bemerken, wann seine Worte unanfechtbar waren. Faruq schien dasselbe durch den Kopf zu gehen, während Malik ihm einen belehrenden Blick zuwarf. Antares' Gesicht hingegen verriet eindeutig große Schadenfreude, was in ihm nur noch mehr den Wunsch nach einem Kampf weckte.
„Und Ihr, Antares…", fügte der Anführer im selben Ton hinzu. „Ihr werdet eure Provokationen unterlassen. Ihr solltet mittlerweile genug Erfahrung besitzen, um nicht auf die Mittel eines heranwachsenden Knaben zurückgreifen zu müssen."
Ihre Miene verzog sich, während nun Altaïr hämisch auf sie herabblicken konnte. Beide wussten, dass mit dieser Anordnung noch lange kein Frieden geschlossen war. Stumm versprachen sie sich mit boshaften Blicken, dass eine Auseinandersetzung noch kommen sollte.
„Meister, sollten wir nicht beginnen?", warf Malik ein, in der Hoffnung, so die Spannungen zwischen Antares und Altaïr zu dämpfen. Ihn nervten die Zankereien zwischen den beiden schon in diesem Augenblick.
„Das sollten wir", stimmte Meister Rahad zu und setzte sich wieder hin. Keiner schenkte Faruqs säuerlichem Blick Beachtung. Er war enttäuscht davon, dass es Altaïr nicht gelungen war, Antares auszustechen. „Wie ihr beide wisst, werden wir derzeit immer häufiger attackiert. Die Anschläge sind unprofessionell organisiert, schaden den unseren aber trotzdem. Doch der Angreifer will nicht unseren Untergang…jedenfalls nicht direkt."
„Ihr wisst also, wer dahinter steckt?", fragte Altaïr skeptisch.
„Ja. Der Grund für all das ist jedoch von so hoher Wichtigkeit, dass er nicht publik gemacht werden darf", erklärte Meister Rahad weiter. „Nur einige Mitglieder des Rates, Malik, Faruq und ich wissen davon. Und nun sollt auch ihr es erfahren, denn ihr sollt eine Mission übernehmen, von der nicht nur das Wohl der Bruderschaft abhängt."
Er warf Malik einen Blick zu, woraufhin er Antares und Altaïr das Buch hinschob, vor dem er gesessen hatte. Ohne sich zu nah zu kommen, rückten die beiden näher zum Tisch, um besser sehen zu können.
„Das ist das Wappen einer der ältesten Familien, die bekannt sind. Ihr Stammbaum reicht weiter zurück als der mancher Königshäuser", erklärte Malik, während Altaïr und Antares den Buchdruck musterten und darauf ein Emblem erkannten, das einen Adler zeigte, der von einem Heiligenschein umgeben war. „Der Name dieses Geschlechts ist Elya-Zulfaqar."
Beide sahen auf, als Malik endete. Die meisten hatten von diesem Namen schon einmal gehört, denn es war der einer angesehenen adligen Familie, deren Handelsbeziehungen in fast allen Ecken der bis dahin bekannten Welt Bedeutung trugen. Auch politische Kontakte waren kein Geheimnis, auch wenn man anscheinend noch keinen Gebrauch von ihnen gemacht hatte.
„Vor einigen Jahren hat es solche Auseinandersetzungen schon einmal gegeben", erläuterte Malik weiter. „Fädenzieher war damals ein Mann namens Raguel Elya-Zulfaqar. Erst als er starb, hatte der Konflikt ein Ende…bis heute. Anscheinend hat der älteste Sohn von Raguel – sein Name ist Tarazed – die Ziele seines Vaters wiederentdeckt… Wir wissen nicht, warum gerade jetzt, doch das ist nicht vorrangig."
„Warum hat es eine adlige Handelsfamilie auf die Assassinen abgesehen?", wollte Antares wissen.
Meister Rahad warf Faruq einen Blick zu, dessen Bedeutung er verstand. Ohne ein weiteres Wort stand er auf, um aus einer kleinen Kommode eine hölzerne, unscheinbare Kartusche zu nehmen und sie seinem Vater auszuhändigen. Der Großmeister öffnete den bronzenen Deckel und zog eine Schriftrolle heraus, um sie behutsam auf den Tisch vor Altaïr und Antares zu legen. Altaïr wollte sie sich nehmen, doch Antares ergriff das Schriftstück schnell vor ihm. Er wusste, dass Absicht dahinter steckte.
„Was ist das?", fragte Antares, als sie das Papier auseinander rollte und darauf einen Text erblickte, der mit roter Tinte und in einer ihr unbekannten Sprache verfasst war.
„Das ist eine Karte zu dem Wertvollsten, was die Bruderschaft besitzt. Diese Schriftrolle führt denjenigen, der sie entziffern kann, zu unserem Erbe", erklärte Meister Rahad.
„Das Erbe der Assassinen?", erkundigte sich Altaïr, als Antares ihm das Dokument überreichte, nicht ohne mit ihm feindliche Blicke auszutauschen.
Auch ihm war die Schrift nicht bekannt. Als er das Papier gegen die Sonne hielt, erkannte er zusätzliche eingearbeitete Wasserzeichen, die dem Inhalt womöglich eine vollkommen andere Bedeutung gaben.
„Diese Schriftrolle ist bereits so alt wie die Bruderschaft. Die Schrift wurde von unsereins entwickelt und ihr Geheimnis wurde nur an wenige weitergegeben. Tarazed Elya-Zulfaqar will uns diese Karte entreißen, um uns auch unser Erbe zu nehmen", führte Meister Rahad weiter aus. „Dem werdet ihr ein Ende setzen. Denn euch wird nun die ehrenvolle Aufgabe zuteil, diese Karte nach Konya zu bringen."
(Anm.: Konya liegt in der heutigen Türkei.)
„Konya ist derweil von den Kreuzfahrern besetzt. Glaubt Ihr, das ist ein sicherer Ort für ein so wichtiges Dokument?", erkundigte sich Altaïr kritisch.
„Die Höhle des Löwen ist manchmal der sicherste Platz. Ein Angriff auf Konya würde zu viel Aufsehen erregen", erwiderte Meister Rahad.
„Verstehe ich Euch richtig?", begann Antares. „Es ist also nicht unsere Aufgabe, diese Schriftrolle unbemerkt nach Konya zu bringen?"
„Es wird euch wohl kaum möglich sein", mischte sich Malik ein. „Tarazed hat seine Truppen wohl fast überall und alle werden damit beauftragt sein, ein Auge auf vorbeikommende Assassinen zu werfen. Ihr müsst sie sehen lassen, dass ihr die Schriftrolle mit euch führt, damit die Anschläge ein Ende nehmen und die Bruderschaft nicht weiter dieser Gefahr aussetzt ist. Doch lasst sie euch nicht kriegen!"
Altaïr legte das Papier wieder zusammengerollt auf den Tisch.
„Ich habe noch eine Frage. Wenn all diese Männer, die uns angriffen, ihm unterstanden, warum hat er es uns dann nicht wissen lassen? Euch mag es gelegen kommen, dass den anderen nur widersprüchliche Vermutungen in den Sinn kommen, aber ein Mann von Tarazeds Stand sollte doch in der Lage sein, ein eigenes Heer einheitlich auszurüsten", kritisierte Altaïr sich zurücklehnend.
„Sicher läge es in seinen Möglichkeiten", stimmte Meister Rahad zu. „Doch wenn öffentlich bekannt wäre, dass er ein eigenes Heer besitzt, würden andere einflussreiche Männer das als Gefahr ansehen. Und ihm liegt viel daran, seine Handelsbeziehungen nicht zu gefährden."
„Was ist das Erbe der Assassinen?", wollte Antares wissen und stützte ihre Ellenbogen auf den Tisch.
„Es wäre zu gefährlich, diese Information weiterzugeben", wich Meister Rahad einer Antwort aus und schob die Schriftrolle vorsichtig zurück in die hölzerne Kartusche, um sie zu verschließen.
Altaïr hätte am Liebsten Einspruch erhoben. Wegen seiner Erlebnisse mit Al Mualim war er nun misstrauischer, was zurückgehaltene Auskünfte anging. Doch Maliks beschwichtigender Blick verriet ihm, dass sein Besorgnis nicht nötig war.
„Seid euch darüber im Klaren, welche Verantwortung ihr mit dieser Mission übernehmt. Euer Können und eure Erfahrungen werden hiermit höher geschätzt als die einer ganzen Armee. Und seid euch sicher: Mit dieser Karte schützt ihr mehr als nur die Bruderschaft", prägte der Anführer den beiden nochmals ein.
„Wir werden euch nicht enttäuschen", versicherte Altaïr und nahm die Kartusche mit dem wichtigen Schriftstück an sich. Niemand würde in dem schlichten, hölzernen Behältnis etwas von so hoher Wichtigkeit vermuten.
„Altaïr, Antares wird die Schriftrolle während der Reise bei sich tragen", korrigierte der Anführer seine Annahme.
„Ja, aber-", begann Altaïr, als er merkte wie Antares ihm die Kartusche aus den Händen nahm und ihn fies angrinste. Sie genoss es, dass sie und nicht er diese wichtige Aufgabe übernehmen sollte.
„Kein aber", unterbrach Meister Rahad ihn.
„Ich weiß nicht…", meldete sich Faruq zu Wort, der sich während der Besprechung sehr still verhalten hatte. In seiner Stimme lag ein zynischer Unterton. „Es wäre nicht das erste Mal, dass Antares einen großen Fehler begeht."
Er warf ihr einen aggressiven Blick zu, dem Antares zwar nicht auswich, doch das Lächeln auf ihren Lippen war verschwunden. Erst als Meister Rahad wieder sprach, wandte Antares von Faruq ab.
„Schweig, Faruq", befahl er seinem Sohn autoritär. Trotz Faruqs verärgertem Blick fuhr er fort. „Altaïr, dafür werdet Ihr die Route nach Konya bestimmen. Ihr seid mit der Gegend und den Zuständen besser vertraut als Antares. Außerdem ist es natürlich auch eure Aufgabe, Antares bei einem Angriff zu beschützen."
„Ich brauche keinen Beschützer!", protestierte Antares sofort und schlug mit flachen Händen auf den Tisch. Ihre Verärgerung erfreute Altaïr. „Ihr wisst genau, dass ich auf mich selbst aufpassen kann!"
„Damit meinte ich auch nicht, dass Ihr schutzbedürftig seid, Antares. Aber Ihr werdet die Schriftrolle bei euch tragen und nur um diese zu bewahren, wird er Euch im Notfall verteidigen", führte Meister Rahad den Plan mit ruhiger Stimme aus. Bevor Antares noch einmal Einspruch erheben konnte, sprach er mit Nachdruck weiter. „Damit wisst ihr alles Nötige. Morgen früh werdet ihr aufbrechen. Wir verlassen uns auf eure Fähigkeiten und darauf, dass ihr so zusammenarbeiten werdet wie man es von Assassinen eures Rangs erwartet."
„Natürlich", erwiderten Antares und Altaïr, obwohl beide wussten, dass sie noch lange keinen Frieden miteinander geschlossen hatten. Gemeinsam erhoben und verneigten sie sich, ehe sie durch die Vorhänge traten, um sich zu entfernen. Dabei mied Antares bewusst Faruqs Blick.
Erst als sie hinaus in die Sonne getreten und sicher waren, dass Meister Rahad sie nicht mehr hörte, sahen sie einander wieder an. Vor ihnen lag der abgezäunte Bereich, in dem den angehenden Assassinen der Schwertkampf gelehrt wurde. Das Geräusch aufeinander treffender Klingen mischte sich mit Gesprächen und lauten Zurufen.
„Ich will, dass Ihr eines wisst, Altaïr: Ich werde euren Schutz nicht brauchen, denn ich bin selbst dazu in der Lage, diese Schriftrolle zu bewahren", versicherte sie ihm provokant und tippte mit der Kartusche herausfordernd auf seine Brust. „Also kümmert euch darum, eine Route auszuarbeiten und belasst es dabei. Alles andere wäre Zeitverschwendung."
„Ich werde eine Route ausarbeiten", antwortete Altaïr angriffslustig. „Und eins kann ich euch versprechen: Es wird ein so sicherer Weg sein, dass Ihr keine Sekunde um irgendetwas fürchten müsst. Ihr werdet euch so in Sicherheit gewogen fühlen, dass Ihr vergesst, was Gefahr bedeutet. Und selbst wenn Ihr dann panisch nach Hilfe schreit, weil Ihr euch von einer kleinen Spinne bedroht fühlt, werde ich für Euch da sein. Ihr werdet so angewiesen auf mich sein, dass Ihr vor Angst freiwillig das Assassinen-Dasein aufgebt, um dann Tätigkeiten nachzugehen, die für die Nerven eine Frau besser geeignet sind. Zum Beispiel Stricken."
Antares sah ihn unbeeindruckt an und beiden war klar, dass sie sich noch bis tief in die Nacht beleidigen könnten.
„Kommt morgen bei Sonnenaufgang zum großen Tor", befahl Antares stattdessen. „Und lasst mich nicht warten."
„Lasst mich nicht warten", konterte Altaïr scharf und nach einem letzten feindseligen Blick wandten sie sich voneinander ab und gingen getrennte Wege.
***
So, das war's für den Anfang. Ich hoffe, euch hat's gefallen und schreibt mir doch, was ihr von dem Ganzen haltet.
Assassin C
