Vielen Dank für das Lob, Sera! Es freut mich, dich für ein Thema begeistern zu können, dass dir eigentlich nicht so liegt. :)


Was bisher geschah:

Bei ihrer Mission werden Antares und Altaïr durch den jüngsten Sohn der Familie Elya-Zulfaqar geschnappt. Alschain nimmt ihnen die begehrte Schriftrolle ab und bringt sie seinem Bruder Tarazed. Doch trotz ihres Scheiterns, das nur auf ihre persönlichen Differenzen zurückzuführen ist, bekommen Altaïr und Antares noch eine Chance. Werden sie das „Erbe der Assassinen" wiederbeschaffen können?

5. Kapitel:
Stolz und Blut

Der Morgen neigte sich langsam dem Ende zu, als Altaïr und Antares die muslimische Stadt Damaskus erreichten. Es hatte nicht lange gedauert, bis man den Aufenthaltsort der Familie Elya-Zulfaqar hatte ausfindig machen können: Das Anwesen befand sich mit einem kleinen Dorf in der Umgebung nicht weit von Damaskus. Noch bevor sie aufgebrochen waren, hatten die beiden in Erfahrung bringen können, dass Tarazed zu Handelszwecken oft in der Stadt war, weswegen sie beschlossen hatten, den Verbindungsmann der Assassinen dort zunächst um hilfreiche Auskünfte zu bitten.

Beide setzten vor den Stadttoren von ihren Pferden ab, um mit ihnen im Schlepptau den Eingang zu passieren. Die Wachen warfen den beiden Assassinen zwar misstrauische Blicke zu und stupsten einander unauffällig an, um auf die zwei aufmerksam zu machen, doch trotz Tuscheln blieb ein Angriff aus. Sowohl Altaïr als auch Antares wussten, dass sie meist entweder nicht attackiert wurden, weil man sie aufgrund ihrer Kleidung mit Gelehrten verwechselte oder den gefährlichen Ruf der Assassinen fürchtete.

Während sie ihre Pferde durch die Stadt führten, herrschte ein etwas angespanntes Schweigen. Auf ihrer Reise nach Damaskus hatten sie nur wenige Worte gewechselt, denn ihr Wortgefecht in Masyaf hatten beide nicht vergessen können. Doch trotz des Streits hatten sie es auf eine merkwürdige Weise begrüßt, sich nicht mehr laufend einander zu bekämpfen. Hinzu kam, dass sie sich keine weitere Niederlage erlauben konnten und sich gegenseitig nicht ständig zu beleidigen, war eine gute Voraussetzung, diese zu vermeiden.

Ohne, dass es ein Außenstehender bemerkt hätte, ließ Antares sich von Altaïr zum Büro des Verbindungsmannes führen. Sie banden ihre Pferde in der Nähe eines Geschäftes fest, das Krüge und andere Töpferarbeiten anbot und begaben sich durch eine versteckte Leiter aufs Dach, um sich dort unbemerkt durch eine Luke ins Innere des Gebäudes fallen zu lassen. Dieser Umweg war nötig, um die anderen Stadtbewohner keinen Verdacht schöpfen zu lassen und die Deckidentität des Verbindungsmannes, auch Rafik genannt, zu wahren. Denn nur als normaler Bürger konnte er sich unter die Menschen mischen und so seiner Aufgabe nachgehen.

Altaïr und Antares hörten seine näherkommenden Schritte bereits, als sie in den Raum traten, in dem die Regale von den verschiedensten Vasen gefüllt waren und wo Altaïr schon mehrmals die Feder eines Adlers zum Attentat entgegengenommen hatte.

„Altaïr, wir haben uns lange nicht mehr gesehen!", begrüßte der etwas dickliche Mann mit kurzen schwarzen Haaren und Vollbart ihn. Danach wandte er sich zweifelnd an Antares. „Und Ihr seid dann wohl…"

„Ja, das bin ich", erwiderte Antares kurz angebunden und verschränkte ihre Arme.

Altaïr sah dem Rafik an, dass er nicht wusste, was er von ihr halten sollte. Trotzdem wollte er diese Skepsis nicht zu Antares' Nachteil ausnutzen und keine neuen Streitigkeiten heraufbeschwören.

„Habt Ihr bereits eine Nachricht vom Meister erhalten?", fragte Altaïr, um das Wesentliche anzusprechen.

Nur zögernd wandte der Rafik seinen kritischen Blick von Antares ab, die den Zweifeln des Informanten widerstand und nicht mit der Wimper zuckte.

„Das habe ich", antwortete der Rafik schließlich in bemüht geschäftlichem Ton. „Und ich habe mich bereits umgehört. Derzeit ist Tarazed tatsächlich in der Stadt, um seine Handelsbeziehungen zu pflegen, vor allem die zu einem Mann namens Hatim. Er ist der Verwalter des Marktes von Damaskus und hat seinen Palast im Süden der Stadt, geht im Anwesen der Elya-Zulfaqars jedoch ein und aus. Er wird euch sagen können wie man in Tarazeds Herrenhaus am Besten eindringt. Informationen über ihn findet ihr am Leichtesten auf dem Marktplatz, doch handelt mit Bedacht. Ihr kennt die erste Regel unseres Credos…", erzählte der Rafik und Antares und Altaïr wussten, dass sie sich vorsehen mussten, keine Unschuldigen bei diesem Vorhaben zu töten.

„Habt Dank. Das werden wir", antwortete Altaïr.

„Gut. Solltet ihr noch kurz ausruhen wollen, stehen euch meine Räumlichkeiten selbstverständlich zur Verfügung. Wenn ihr mich nun entschuldigen wollt. Ich habe zu tun", gab der Rafik freundlich zurück und warf Antares einen letzten prüfenden Blick zu, bevor er das Zimmer wieder verließ.

„Sagt, Antares…", wandte Altaïr zögernd das Wort an seine Partnerin. Ihm lag eine Frage auf der Zunge, deren Antwort ihm eigentlich klar war. „Werdet Ihr immer so argwöhnisch behandelt?"

Sie sah ihn verwundert an.

Das nennt Ihr argwöhnisch?", hinterfragte Antares und nickte in die Richtung der Tür, durch die der Rafik verschwunden war. „Er war doch sehr höflich…im Verhältnis zu dem, was ich schon erlebt habe."

Sie wandte sich von ihm ab und ging wieder in den Raum, den sie durch die Dachluke betreten hatten, um aus einem mit Wasser gefüllten Eimer eine Schöpfkelle zu nehmen und deren Inhalt zu trinken.

„Und was wäre das?", wollte Altaïr wissen und folgte ihr.

Antares seufzte resigniert, legte die Kelle wieder in den Eimer und wandte sich ihm zu.

„Viel", antwortete sie als wäre sie die Erinnerung daran Leid. „Trinkt auch etwas und lasst uns dann aufbrechen. Wir haben keine Zeit zu verlieren."

Altaïr nickte und folgte ihrem Vorschlag.


Der Markt von Damaskus war voller Menschen, die lauthals ihre Waren anpriesen, hartnäckig miteinander feilschten, Produkte hoch lobten oder sie aufs Schärfste kritisierten. Der Duft von exotischen Früchten, frischem Brot und verschiedenen Sorten Käse vermengte sich mit dem geräucherten Fleisches, am Morgen gefangenen Fisches und Gemüse aller Art. Das bunte Farbenmeer wurde von erlesenen Stoffen, handgefertigten Körben und anderen Kleinigkeiten vervollständigt.

Wie so oft hatten weder Altaïr noch Antares Zeit dazu, das Treiben der Stadt in seinen vielen Facetten zu genießen. Etwa zwei Stunden waren vergangen, seitdem sie die Suche nach Informationen begonnen hatten, doch bisher konnten sie nur magere Ergebnisse vorweisen. Trotzdem hatten sie es geschafft, in dieser Zeit keinen Streit anzufangen, wenn auch manche Bemerkungen nicht von Freundlichkeit zeugten und sie erst nach einigen Diskussionen entscheiden konnten, welchen Weg sie als nächstes wählten.

Dass sie bisher noch nicht zu den Informationen gekommen waren, die sie benötigten, hing zweifellos auch damit zusammen, dass sie sich sicher waren, verfolgt zu werden. Antares mochte der naheliegendsten Vermutung erst glauben, als Altaïr ihr versichert hatte, in der Stadt keine Erzfeinde zu haben, die ihn nun wiedererkannt hatten.

Unauffällig kamen die beiden an einem Stand zum Stehen, der Spiegel, Kämme und vergleichbare Dinge darbot. Antares nahm mit beiden Händen einen runden Spiegel mit goldenem Rahmen und hob ihn auf Augenhöhe. Während es für Außenstehende so aussah als musterte sie sich selbst, konnte Antares einen Blick auf ihre bewaffneten Verfolger, die allesamt ähnliche, dunkle Uniformen trugen, werfen und das Bild vervollständigen, indem sie sich dezent drehte. Kurze Zeit später reichte sie den Spiegel Altaïr, damit auch er die Situation einschätzen konnte.

„Tarazeds Bruder scheint den Trupp wieder anzuführen", stellte Altaïr fest, als er auch Alschain unter ihren Gegnern erkannte und den Spiegel wieder unauffällig zu den anderen legte.

Antares verzichtete darauf, die überdurchschnittlichen Fähigkeiten seiner Augen in Frage zu stellen.

„Ob er einen Kontaktmann bei den Stadttoren hat?", fragte Antares eher sich selbst als Altaïr, während sie eine Öllampe unscheinbar in die Hände nahm und diese begutachtete.

„Wo sonst?", konterte Altaïr barscher als er es meinte und widmete sich zur Tarnung ebenfalls den Waren. Antares warf ihm einen bösen Blick zu. „So kann unsere Suche nicht erfolgreich sein… Locken wir sie zu den Armenvierteln. Dort sind Tote weniger auffällig."

„Ich weiß", zischte Antares bissig, der diese traurige Tatsache ebenfalls bewusst war.

Sie sahen einander säuerlich an und atmeten angespannt ein und aus, denn beide wussten, dass sie die Sticheleien nicht zu einem Streit ausarten lassen durften. Ohne ein weiteres Wort ließen sie den Stand zurück und traten den Weg zu den Armenvierteln an, wobei sie sich innerlich die Frage stellten, weshalb Alschain es auf sie abgesehen hatte, obwohl er bei ihrem letzten Zusammentreffen ihnen das genommen hatte, was sie nun versuchten, wieder zu beschaffen.


Nachdem Alschain die Nachricht der Ankunft der beiden Assassinen in Damaskus erhalten hatte, war er so schnell wie möglich mit acht seiner treuen Gefolgsleute aus dem Palast – keine einfachen Söldner wie beim Zusammentreffen einige Tage zuvor – aufgebrochen, um die zwei für seinen älteren Bruder zu schnappen. Wenn dies geschehen war, erhoffte er sich, den Grund für Tarazeds Befehl zu erfahren, konnte dabei die Wirklichkeit jedoch nicht verkennen. Schon lange bevor Alschains Homosexualität ungewollt publik geworden war, hatte Tarazed ihn ohne Respekt behandelt.

‚Ich bin nicht völlig nutzlos…du wirst schon sehen', versprach er in Gedanken.

Schnell erkannte er das Vorhaben der beiden, den unvermeidbaren Kampf im Armenviertel auszutragen und begrüßte es. Während die Straßen immer schmuckloser und schmutziger wurden, beschleunigte sich auch der Gang der beiden Assassinen. Er befahl seinen ortskundigen Untergebenen, den geplanten Hinterhalt vorzubereiten, der nur wenig später dazu führte, dass ihre Ziele in der Falle saßen.


Außer Altaïr, Antares und ihren Verfolgern hinter ihnen befanden sich in der schmalen Straße noch wenige andere Passanten, darunter eine Gruppe spielender Kinder, schlafende Obdachlose und drei tratschende, verschleierte Hausfrauen, die Körbe voll schmutziger Wäsche in den Händen trugen. Als Antares und Altaïr Letztere mit schnellen Schritten überholten, verlangsamten sie ihren Gang abrupt, denn sie erkannten vor sich vier Gefolgsleute Alschains, dessen Plan es offenbar gewesen war, die beiden in dieser Gasse einzukesseln.

„Ich zähle neun, unseren Freund eingeschlossen", gab Altaïr halb murmelnd von sich und überlegte angestrengt, mit welcher Taktik sie gegen diese Überzahl ankommen könnten.

„Ich ebenfalls. Wenn wir-", begann Antares, stockte jedoch und hechtete reflexartig zur Seite, als plötzlich ein Messer von den Verfolgern vor ihnen geworfen wurde.

Es traf keinen der beiden, bohrte sich jedoch in die Brust eine der Frauen, die sofort zu Boden sank. Während alle Passanten schockiert auf sie zuliefen und einige der Kinder panisch nach ihrer Mutter schreiend zu ihr stolperten, hatten Altaïr und Antares wie in einem Gedanken bereits die Mauer zu ihrer Linken erklommen, um der Überzahl ihrer Gegner zu entfliehen.

Bedacht darauf, das Armenviertel nicht zu verlassen, rannten sie über die Dächer, sprangen über Angründe und balancierten über Balken, die sie danach unten auf die Straßen fallen ließen, um ihren Gegnern den Weg schwerer zu machen.

Das Vorhaben, sich zu trennen und so die Gegner auf verschiedene Fährten zu locken, womöglich abzuschütteln, wurde von den Männern immer wieder verhindert, da sie offensichtlich die Stadt besser als die meisten kannten und es schafften, die beiden immer wieder zusammenzutreiben. Obwohl die Verfolgungsjagd gewiss nicht von den Bürgern unbemerkt blieb, wunderte es Altaïr und Antares schon bald, dass keine der sonst so üppig postierten Wachen eingriff. Dass Alschain durch Bestechung oder ähnliche Methoden dafür gesorgt hatte, dass sich an diesem Tag alle Ordnungshüter aus dieser Angelegenheit heraushielten, erschien ihnen sehr wahrscheinlich.

„Was bezweckt Ihr damit?! Kommt!", rief Antares, als Altaïr abrupt stehen geblieben war, in der Hoffnung, durch Wurfmesser ihren Feinden entgegenwirken zu können. Doch obwohl der Abstand für einen kurzen Moment groß genug gewesen war, hatten Altaïrs Würfe nicht die nötige Ruhe aufweisen können, um die flinken Verfolger auszuschalten.

„Verfluchte…", murmelte Altaïr schnaufend aus Ärger über seinen Fehler.

„Beeilt euch!", hörte er Antares' beschwörende Stimme.

Als er wieder zu ihr sah, erkannte er nur noch wie sie in einigen Metern Entfernung von den Lehmdächern sprang, auf denen sich die Verfolgung abspielte. Mittlerweile hatten ihn die Gefolgsleute Alschains gefährlich nah eingeholt und so setzte er zum wiederholten Male zum Sprinten an, um wie Antares wieder zu den Straßen zu gelangen, wo ein Untertauchen in der Menge einfacher war.

Beim harten Aufprall auf dem Boden rollte er sich ab und erkannte beim Aufstehen bereits Antares, die ihm schon etwas voraus war und ihm mit einer Handbewegung bedeutete, ihm zu folgen. Nur einige Momente später befanden sich auch fünf von Alschains Gefolgsleuten und er selbst auf den Straßen, während die anderen drei die Verfolgung von den Dächern aus fortsetzten.

Schließlich erreichten sie auf ihrem Weg, auf dem sie nicht wenige Menschen unsanft aus ihrem Weg hatten schubsen müssen, den Fluss Barada, an dessen Ufern viele kleine, schäbige Boote und Floße lagen und nicht wenige auf dem Wasser Gegenstände oder Menschen transportierten. Antares begann von Boot zu Boot auf die andere Seite des Flusses und wieder zurück zu springen und erreichte letztendlich eine steinige Brücke, auf die sie sich von dem Floß in der Mitte des Fahrwassers aus hochzog. Nach kurzer Kletterei befand sie sich wieder auf ebenem Boden und konnte von der Brücke aus ihre Verfolger überblicken.

‚Verflucht, sie haben ihn fast!', schoss es ihr durch den Kopf.

Als sie erkannte wie gefährlich nah die Männer Altaïr waren und dass Alschain ihn mittlerweile erreicht hatte und in einen Kampf zu verwickeln versuchte, zog sie die Armbrust aus der Halterung auf ihrem Rücken und setzte vor Anstrengung keuchend an.


Kurz bevor Altaïr von einem Boot auf dasselbe Floß springen konnte, von dem Antares aus die Brücke erreicht hatte, spürte er plötzlich einen reißenden Schmerz an seinem rechten Oberarm, verursacht durch einen Schwerthieb. Beim Straucheln wurde er sogleich an seiner Kleidung zurückgezogen und landete schmerzhaft rücklings auf den Sitzbänken des Bootes.

Über sich erkannte er Alschain, der sein Schwert bereits gezogen hatte und zum Schlag ausholte.

Schlagartig rollte Altaïr zur Seite, sodass Alschains Klinge sich lediglich ins Holz bohrte. Als Altaïr wieder aufgestanden war, hielt er sein Schwert trotz stechender Schmerzen ebenfalls in den Händen und Alschain hatte das seine wieder aus dem Holz gezogen.

Beim Kampf bemerkte Altaïr wie gut sein Gegner die Schläge parierte, was bei seinem Gegenüber selten der Fall war, doch trotzdem mangelte es Alschain an der Angriffstechnik. Als sich ihre Waffen wieder kreuzten, nutzte Altaïr die zu hohe Deckung Alschains aus, ließ seine verborgene Klinge hervorschnellen und durchschnitt damit die Kehle seines Gegners.

Blut schoss hervor und Alschain wurde mit weit aufgerissenen Augen zurückgeschleudert.

„Meister!", riefen seine Untergebenen fast zeitgleich und schnellten zum blutüberströmtem Körper Alschains.

Altaïr setzte seinen zuvor unterbrochenen Weg fort und kletterte schließlich zu Antares auf die Brücke, wobei er wegen des Schmerzes in seinem rechten Arm die Zähne fest zusammenbiss.

„Verdammt!", fluchte Antares, als Altaïr ebenfalls auf ebenem Boden gelandet war. Sie steckte die Armbrust wieder in die Halterung auf ihrem Rücken und lief mit Altaïr von der Brücke zurück in die Straßen. „Einer ist entwischt! Er wird die anderen informieren!", erklärte Antares im Rennen.

Altaïr blieb nur ein kurzer Augenblick, um die Situation hinter sich zu erkennen. Er erkannte zwei tote Körper ihrer Gegner auf dem Fluss, die durch präzise Pfeilschüsse eliminiert worden waren und wie zwei weitere der Verfolger sich um ihren Meister kümmerten.

„Heißt, vier bleiben noch übrig", stellte Altaïr knirschend fest, als sie durch die Straßen rannten, wobei viele Menschen bereits beim Anblick der rennenden Assassinen zur Seite sprangen und wenn nicht, grob von den beiden aus dem Weg geschubst wurden, wobei nicht wenige Gegenstände zu Boden fielen und zerbrachen.

Schnell wechselten sie in die schmalen Gassen, als sie ihre Verfolger wieder hinter sich erkannten, von denen nur noch vier übrig waren wie Altaïr es bemerkt hatte. Sprünge über abtrennende Zäune, übrig gebliebene Kistenstapel und aufgehäuften Abfall konnten ihre Gegner jedoch nicht abwimmeln und so fanden sich die beiden letztendlich in einer leeren Sackgasse wieder, deren Wände zu hoch waren, um sie zu erklimmen.

‚Bleibt nur der offene Kampf', stellte Altaïr mit schweißnasser Stirn fest.

Für einen kurzen Moment standen sich die Assassinen und ihre Verfolger stumm gegenüber, in dem alle angestrengt nach Luft schnappten. Altaïr sah in diesem Augenblick kurz auf seinen rechten Oberarm, der noch immer schmerzte und erkannte dass sich sein Ärmel bereits zum großen Teil blutrot gefärbt hatte. Doch er würde trotz der Schmerzen kämpfen, wenn auch etwas eingeschränkt.

Mit gezogenen Schwertern stürzten sich jeweils zwei der Männer auf Altaïr und Antares. Obwohl seine Waffe gezogen war, bestand Altaïrs Technik zum großen Teil aus Ausweichen, da die Deckung seiner Gegner zu gut war, um sie mit einem verletzten Arm zu durchdringen. Nur für einen kurzen Moment vernachlässigte einer der Widersacher seine Abwehr, was Altaïr nutzte, um ihn mit einem Stich in seine Brust zu töten. Doch als seine Klinge im Körper seines Feindes steckte, sah sein zweiter Gegner seine Chance und schlug zu. Ein Aufschrei entfuhr Altaïr, denn obwohl er es noch geschafft hatte, auszuweichen und nicht tödlich verletzt zu werden, hatte sein Feind ihm eine weitere, tiefere Wunde am rechten Arm zugefügt, sodass ihm sein Schwert aus den Händen glitt und er zu Boden ging.

Sein Feind holte bereits zum letzten Schlag aus und grinste siegessicher. Altaïr hielt sich seinen schmerzenden Arm und wusste, dass es bereits zu spät war, als er mit zitternder Hand nach einem seiner Wurfmesser griff. Doch gerade, als das Schwert auf ihn niedersausen und ihn töten sollte, quoll aus der Seite des Angreifers Blut, sodass er zusammensackte und letztendlich regungslos liegen blieb.

‚Was zum…?', ging es Altaïr durch den Kopf und blickte auf. Für einen Moment trafen sich seine Augen mit den hellgrünen von Antares, deren Klinge bereits von Blut überzogen war.

Schnell wandte sich Antares wieder von ihm ab, um die letzten beiden Verfolger in Schach zu halten. Es war ein merkwürdiges Gefühl für Altaïr, sie kämpfen zu sehen. Denn entgegen all seiner Erwartungen tat es sie es…gut.

Ihre Schritte waren klug koordiniert, ihre Reaktion trotz Überzahl der Gegner schnell, ihre Angriffe zu günstigen Zeitpunkten gewählt. Trotz ihrer zierlichen Statur schaffte sie es, die Körperkraft der Gegner so auszunutzen, dass sie sich gegen diese selbst wandte und führte ihre Waffe schneller als mancher Mann.

Was Altaïr jedoch am meisten beeindruckte – obwohl er es sich nicht eingestand –, war dass sie es schaffte, einem der Männer einen Dolch in den Magen zu rammen und ihn anschließend mit einem Schlag ihr Schwert in seinen Hals zu bohren, dem letzten Feind nach einem geschickten Ausweichmanöver mit einem Tritt in den Nacken zu Boden zu bringen und ihm dort mit seinem Hals zwischen ihren Knöcheln das Genick zu brechen…und es bei all diesen grausamen Taten schaffte, so elegant zu wirken, dass ihm diese Brutalitäten auf eine verquere Art und Weise fast schön erschienen.

Eine unheimliche Ruhe legte sich über die Szene, als der Kampf beendet war. Schließlich wandte sich Antares vor Anstrengung keuchend Altaïr zu, nachdem sie ihr Schwert zurück in die Scheide an ihrem Gurt geschoben hatte. Sie ging zu ihm und kniete nieder.

„Könnt Ihr aufstehen?", fragte sie außer Puste.

Altaïr – noch immer leicht verwirrt von dem, was er gesehen hatte – versuchte sogleich, sich aufzurichten ohne dabei seinen rechten Arm zu beanspruchen, nachdem er sein Schwert wieder an sich genommen hatte.

„Ja…es geht schon", antwortete er keuchend und presste seine linke Hand noch immer an den rechten Arm.

„Wir müssen sofort zurück zum Rafik", bemerkte Antares und half Altaïr, wieder auf die Beine zu kommen. „Sie sind alle tot. Wir können sie nicht mehr befragen", antwortete Antares auf Altaïrs fragenden Blick hin.

Tatsächlich aber hatte er sich durch den Anblick der Blutlachen und der Leichen nur noch einmal vor Augen führen wollen, was Antares getan hatte. Ein Schmerzblitz durchzuckte ihn und er lehnte sich kurz an die Wand zu seiner Linken.

„Es geht schon", knirschte Altaïr mit zusammengekniffenen Augen.

Antares gönnte ihm einen kurzen Moment Ruhe und zog ihren Dolch aus dem Körper einer der Männer, um ihn wieder einzustecken. Danach machten sie sich auf den Weg zurück zum Rafik ehe die anderen Stadtbewohner das Blutbad bemerkten und eine neue Welle der Unruhe die Menschen befiel. Auf ihrem Weg redeten die beiden nicht und während Antares vorsorglich um die Ecken spähte, dachte Altaïr immer wieder über das eben Geschehene nach. Doch auch als sie das Haus des Rafiks erreichten, konnte er noch nicht glauben, dass Antares ihm an diesem Tag das Leben gerettet hatte.

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