Eine Zukunftsperspektive
"Mr. Malfoy, kann ich Sie bitte in meinem Büro sprechen?"
Draco war zusammen geschrocken, er hatte gerade einmal wieder an das bevorstehende treffen mit Hermine gedacht, als Oberheiler Smith ihn ansprach.
„Ja, ehm… selbstverständlich, ich mache das hier nur noch fertig." Er war gerade dabei die neu eingetroffenen Tränke in einem der Vorratsschränke ein zu sortieren.
„Gut, aber beeilen sie sich." Und damit verschwand er.
Draco war verwundert, in den letzten Wochen hatte es keine Zwischenfälle gegeben. „Wie auch," dachte er, „Es bekommt ja keiner von ihnen mit, dass ich hier bin." Hatte sich einer der Angehörigen beschwert? Wo würden sie ihn diesmal hin schicken? Während er darüber nachdachte wurde er, immer nervöser. Wo war sein neu errungenes Selbstbewusstsein, das er die ganze Woche über gespürt hatte?
Er stellte das letzte Fläschchen an seinen Platz und verschloss den Schrank. Dann machte er sich auf den Weg ins Büro. Wie in Trance sah er sich selbst anklopfen und kurz darauf eintreten.
„Ah da sind sie ja." Sagte Smith, er saß hinter seinem Schreibtisch, vor ihm lag ein aufgeschlagener Ordner. „Bitte setzen sie sich." Er deutete auf einen Stuhl vor dem Tisch und senkte seinen Blick wieder auf die Papiere.
Draco tat wie ihm geheißen. Für einige Momente trat Stille ein, dann lehnte Smith sich in seinem Lehnstuhl zurück, verschränkte die Arme vor seiner Brust und blickte Draco direkt in die Augen. Dieser fühlte sich unwohl dabei. „Mr. Malfoy, wie gefällt ihnen ihre Arbeit hier im St. Mungo?"
Draco wurde noch etwas nervöser, als er ohnehin schon war. Sollte er die Wahrheit sagen, dass es ihn ankotzte jeden verdammten Tag Selbstgespräche zu führen? „Um ehrlich zu sein, ich finde es langweilig."
Smith zog die Stirn kraus.
„Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Als ich jünger war habe ich einige Zeit darüber nachgedacht Heiler zu werden, bevor… nun ja Sie wissen schon. Was ich sagen will ist, dass es ermüdend ist Patienten zu versorgen und mit ihnen zu sprechen ohne von ihnen eine Form von Resonanz zu bekommen. Aber das habe ich mir ja selbst zu zuschreiben." Draco atmete tief durch und hoffte, dass seine Ehrlichkeit keinen Schaden anrichtete.
Zu seiner Überraschung lächelte Smith. „Nun Mr. Malfoy, ich habe sie in den letzten Wochen genau beobachtet und bin zu einem Entschluss gekommen, den ihre Aussage soeben noch unterstützt hat."
Draco spürte wie sich seine Eingeweide verknoteten.
„Ich habe mich mit einigen ihrer ehemaligen Lehrer in Verbindung gesetzt und sie, insbesondere Professor Snape, versicherten mir, dass ihre schulischen Leistungen stets sehr gut waren.."
Draco wusste nicht was das sollte. Was hatten seine schulischen Leistungen mit seiner Arbeit hier zu tun?
„Daraufhin habe ich mich mit dem Vorstand beraten und wir sind überein gekommen, dass wir ihnen anbieten möchten sie auszubilden."
Draco war sprachlos. Er hatte mit allem gerechnet, doch das hatte er nicht erwartet.
„Es gibt allerdings noch eine Bedingung. Sie müssten einige UTZ-Prüfungen nachholen. Nun, was sagen sie?"
„Ich... uhm... bin ihnen sehr dankbar, doch meinen sie wirklich, ich sei ein geeigneter Heiler? Ich meine einige der Patienten lassen sich von mit doch nicht einmal anfassen, geschweige denn von mir behandeln."
„darüber haben wir natürlich auch schon nachgedacht und würden sie deshalb gern im Labor unterbringen, zum Tränke brauen."
Draco war perplex. Die Arbeit eines Tränkebrauers war sehr schwierig und es wurde bei weitem nicht jeder genommen. „Sind Sie sich da sicher?"
„Sehr sogar. Prof. Snape hat mir versichert, dass sie einer seiner besten Schüler in Zaubertränke waren."
Draco traute seinen Ohren nicht. Nach allem was gewesen war, setze sich Snape noch immer für ihn ein...
„Draco, kommen Sie mit!" untypisch für Snape, klang seine Stimme gehetzt.
Draco hatte soeben vom Tod seiner Mutter erfahren und lag zusammengerollt auf seinem Bett im Hauptquartier der Todesser. Er reagierte nicht auf Snapes Aufforderung.
„Nun kommen Sie schon! Wir sollten uns beeilen." Snape zog Draco am Arm und zwng ihn somit sich aufzurichten.
„Wieso?" schrie Draco ihn an. „Wieso sollte ich ihnen folgen? Sie sind doch gekommen um mich umzubringen. Warum tun sie es nicht gleich jetzt hier?"
„Weil ich nicht vor habe sie zu töten." Er ging an Draco vorbei, öffnete einen Schrank, nahm eine Tasche heraus, stopfte einige von Dracos Sachen hinein und warf sie ihm zu.
„Was haben sie vor? Und was soll das heißen, sie haben nicht vor mich zu töten? Ist das nicht ihr Befehl?oder sind sie mit einem Mal feige geworden? Sie schrecken doch sonst nicht davor zurück Menschen umzubringen."
KLATSCH
Snape hatte Draco eine Ohrfeige verpasst. „Sie haben keine Ahnung aus welchen Beweggründen ich handle. Und hätte ich ihrer Mutter nicht geschworen, würde ich sie ihrem Schicksal überlassen. Doch ihr Schicksal ist auch meines und ich habe noch nicht vor zu sterben."
Draco verstand nicht. Was hatte das zu bedeuten sein Schicksal war auch das Snapes? Was war es genau was Snape seiner Mutter Geschworen hatte? Warum wollte Snape den Befehl des dunklen Lords nicht ausführen? Wegen eines Schwurs?
Snape war zur Tür gegangen und spähte hinaus.
„Was soll das heißen sie haben meiner Mutter geschworen?"
„Dafür ist jetzt keine Zeit, wir müssen uns beeilen."
„Ich will es wissen, jetzt!"
„Benehmen sie sich nicht wie ein kleine Kind!"
„JETZT!" Draco drohte mit erhobenem Zauberstab, doch Snape war schneller.
„Sie dummer Junge!" mit einem Wink von Snapes Zauberstab entglitt Draco der Seinige und Snape fing ihn auf. „Aber gut, wie sie wünschen. Ihre Mutter kam kurz nachdem sie Todesser wurden zu mir und bat mich darum sie zu beschützen. Sie nahm mir das Versprechen ab und wir besiegelten es mit einem unbrechbaren Schwur."
Draußen auf dem Flur waren Schritte zu hören.
„Verdammt!" fluchte Snape „Kommen sie." Wieder zog er Draco am Arm und schubste ihn hinter die Tür.
Eine Sekunde später stand Goyle in eben dieser. „Was ist los Snape? Wo ist der Junge?"
„Er ist abgehauen. Das Zimmer war leer als ich hier eintraf. Los Geh und Schlag Alarm!"
Goyle verschwand.
Kurz Darauf zog Snape Draco hinter der Tür hervor, aus dem Zimmer und den Gang hinab in die entgegengesetzte Richtung in der Goyle verschwunden war.
Endlich verstand Draco und lief los, Snape an der Seite. Sie liefen eine Treppe hinunter, einen weiteren Gang entlang und wieder um eine Treppe hinauf. Trotz dass Draco bereits ein Jahr in diesem Versteck gelebt hatte, kannte er diesen Teil nicht. Doch Snape führte ihn durch dieses Labyrinth von Gängen und Treppen, als würde dieser diesen Weg täglich beschreiten. Endlich erreichten sie eine T¨r die ins Freie führte.
Mit einem Mal hörten sie laute Stimmen die rasch näher kamen.
Snape stieß Draco durch die geöffnete Tür. „Lauf!"
Draco lief los, dicht gefolgt von Snape. Er spürte wie Flüche an ihnen vorbei surrten. Ohne sich umzusehen warfen sie Flüche zurück. Sie mussten die Brücke am Fluss erreichen, dann konnten sie disapparieren.
Plötzlich hörte Draco einen Aufschrei und wie jemand auf die Erde prallte. Er wand sich um und sah, dass es Snape war, der sich bereits wieder aufrichtete, allerdings hielt er sich die Schulter.
Nicht auf die heranstürmenden Todesser achtend stürzte Draco zurück um Snape zu stützen. Es waren jetzt nur noch wenige Meter und die Flüche zischten nur noch wenige Millimeter an ihren Köpfen vorbei. Dann endlich hatten sie ihr Ziel erreicht, sie disapparierten...
„Ich verstehe sehr gut, dass sie es sich noch einmal überlegen müssen. Doch möchte ich sie bitten sich recht bald zu entscheiden, denn es liegen uns sehr viele Bewerbungen vor und..."
„Nein."
Smith sah ihn erstaunt an. „Sie lehnen ab?"
„Nein, ich muss es mir nicht mehr überlegen. Ich nehme ihr Angebot sehr gern an und freue mich darauf bald richtig für sie arbeiten zu können."
Smith lächelte. „Dann heisse ich sie hiermit herzlich willkommen! Nun aber wieder zum ernsten Teil. Die UTZ-Prüfungen, die sie nachholen sollen sind die in Zaubertränke, Zauberkunst, Kräuterkunde, Verwandlungen, Verteidigung gegen die dunklen Künste, alte Runen und Arithmantik."
Draco seufzte innerlich auf, es waren ganz schön viele Fächer und Arithmantik war das wohl langweiligste fach überhaupt.
„Ich gebe ihnen den Montag frei, damit sie sich im Ministerium anmelden können."
Smith stand auf, Draco tat es ihm gleich.
„Vielen Dank Sir."
„Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit." Mit diesen Worten geleitete Smith Draco zur Tür hinaus.
Er konnte es kaum fassen, noch vor zwei Wochen hatte er geglaubt, sein Leben könnte nicht viel schlechter laufen, und jetzt hatte er wieder eine Zukunftsperspektive, die Aussicht auf einen Job, den er sich besser nicht hätte wünschen können und er hatte Hermine... Was wird sie wohl dazu sagen?
