Julie´s Glück
„Was meintest du eigentlich vorhin damit, dass du Potter etwas versprochen hast?"
Hermine blieb das Essen im Hals stecken und musste husten. Woher wusste er davon? „Wann habe ich das denn gesagt?"
„Als du mit deiner Mitbewohnerin gesprochen hast."
„Oh man, Hermine du Schaf! Warum passt du nicht besser auf?" dachte sie, aber es half nichts und sie beschloss ihm die Wahrheit zu sagen. „Mhh... also... naja... ich hatte ihm versprochen nicht mit dir allein zu sein." Sie vermied seinen Blick.
„Also weiß er, dass wir uns treffen und er hat nichts dagegen?"
„Nein, er vertraut mir und meinem Instinkt." antwortete sie. Warum interessierte ihn das so?
„Aha."
Eine unangenehme stille breitete sich zwischen ihnen aus, bis sie mit dem Essen fertig waren.
Hermine fragte sich ob es wirklich nur Neugierde war die Draco hatte fragen lassen oder ob noch mehr dahinter steckte. Doch wie sollte sie das herausbekommen? Dann fasste sie einen Plan.
Hermine blickte auf die Uhr, es war bereits viertel vor sieben. „Ich muss jetzt los. Sehen wir uns dann am Montag?"
„Ja klar, wo und wann treffen wir uns?"
„Hmm... mein Termin ist um zehn. Wollen wir uns danach im Atrium am Brunnen treffen?"
„Ja, ich werde da sein."
Sie zog sich ihren Pullover und ihren Mantel wieder an.
Er geleitete sie noch zur Tür. „Dann sehen wir uns Montag."
„Ja, das tun wir." Jetzt oder nie. Sie gab ihm einen Kuss, seine Reaktion würde ihr schon verraten, ob er es ehrlich meinte oder ob er andere Absichten hatte. Doch er stand nur da wie versteinert. Schnell drehte sie sich um und verschwand.
„Oh man, wenn ich da mal nicht in ein Fettnäpfchen getreten bin." Dachte Hermine, als sie aus der Haustür trat, in eine Gasse bog und sie von dort aus disapparierte. Sie landete auf dem Campus. „Er wirkte wirklich nicht, als ob er es unangenehm fand. Wie soll ich ihm nur das nächste Mal gegenübertreten? Das wird mehr als peinlich."
Doch hatte sie es wirklich nur aus diesem einen Grund getan? Sie hatte zuvor noch nie einen Jungen oder Mann geküsst, den sie nicht im geringsten attraktiv fand.
„Er sieht eigentlich nicht schlecht aus. Vielleicht ein Bisschen blass." dachte sie. Hatte sie sich nicht auch in seinen Armen oben auf dem Riesenrad geborgen gefühlt?
„Verdammt Hermine! Du bist dabei dich in Draco Malfoy zu verlieben. Wach endlich auf! Das geht nicht, denk daran was er getan hat." tadelte ihr Gewissen sie.
Mittlerweile war sie an ihrer Zimmertür angelangt, sie schloss auf und trat ein.
Julie saß auf ihrem Bett, umringt von einem Haufen Bücher und Papieren. Hermine hatte noch nie verstanden wie sie so lernen konnte.
„Da bist du ja endlich! Ich habe mir echt sorgen gemacht. Wie kommt es, dass du bei diesem Malfoy warst?"
„Sorry, aber ich habe dir doch erzählt, dass ich heute mit ihm verabredet war."
„Ja, das schon, aber warum warst du bei ihm zu Hause? Du hast doch Harry versprochen nicht mit ihm allein zu sein."
„Ich weiß was ich Harry versprochen habe."
„Und warum hältst du dich nicht dran?"
Hermine konnte merken, dass ihre Freundin begann sich aufzuregen. „Julie komm runter! Es ist nichts geschehen. Wir haben lediglich mit einander gegessen."
„Hermine wo ist nur deine Vorsicht geblieben?"
„Die ist vermutlich gestern Abend flöten gegangen." sagte sie mit dem Anflug eines Lachens und hoffte damit das Thema wechseln zu können. Was ihr auch gelang.
„Ha!" Julie prustete los. „Das war echt mal ein Erlebnis! Ich kann dir sagen Fred und George sind begeistert von eurer kleinen Showeinlage."
„Oh man Julie. Ich finde das gar nicht so lustig. Ich muss mich morgen bei den anderen entschuldigen und mit Demelza muss ich auch reden."
„Das wirst du nicht. Demelza ist hier diejenige, die sich entschuldigen muss. Keiner macht dich dafür verantwortlich. Du hast nichts unrechtes getan. Sie hat sich hinterher noch ordentlich mit Ron gestritten. Ich glaube deren Beziehung liegt vorerst auf Eis."
„Was? Das wollte ich nicht!" Hermine war bestürzt.
„Ach die raufen sich schon wieder zusammen. Bei denen geht´s doch sowieso immer auf und ab. Ich denke wenn Demelza nicht bald ihre Eifersucht in den Griff bekommt, dann wird Ron es nicht mehr lange mit ihr aushalten, so sehr er sie auch liebt."
„Du hast Recht. Es war wohl wirklich nur eine Frage der Zeit, bis das alles eskaliert. Ich finde es echt schade. Ich wäre gern mit ihr befreundet gewesen." Hermine setzte sich zu Julie aufs Bett.
„Ich finde es auch schade, aber wie gesagt, solange sie ihre Eifersucht nicht in den Griff bekommt ist da nichts zu machen."
„Du hast recht. Danke, dass du zu mir hältst." Sie umarmte ihre Freundin.
„Ist doch Ehrensache." Julie legte ihre Bücher weg. „Und jetzt erzähl! Wo warst du mit Malfoy? Ihr habt jawohl nicht den ganzen Nachmittag lang gegessen."
„Wir sind mit dem London Eye gefahren." war Hermines knappe Antwort.
„Du bist was? Das glaube ich dir nicht."
„Es stimmt aber." Hermine berichtete kurz wie es dazu gekommen war und was es war, das sie Malfoy in seine Wohnung folgen ließ.
„Und da ist wirklich nicht mehr gelaufen?" fragte Julie neckend.
„Nein." log Hermine, den Kuss verschwieg sie. „Ich bin ja nicht du." grinste sie.
„Was soll das denn heißen?" fragte Julie empört.
„Wo warst du denn die ganze Nacht? In deinem Bett jedenfalls nicht."
„Das" meinte Julie und lief leicht rosa an, „Ist etwas völlig Anderes."
„Du hast Recht, denn ich bin nicht verliebt." Entsprach das der Wahrheit? Hermine wusste es einfach nicht. „Aber erzähl! Seid ihr jetzt endlich ein Paar?"
„Ja!" sagte sie strahlend und begann zu erzählen...
...Julie war gerade dabei sich Ginnys Verlobungsring genauer anzuschauen, da tauchte Fred an ihrer Seite auf.
„Hier dein Butterbier." er reichte ihr eine Flasche.
„Danke!" sagte sie ohne ihm in die Augen zu sehen. „Ginny der Ring ist echt wunderschön."
„Ja finde ich auch!" Ginnys Augen leuchteten vor Glück.
„Schatz, dort hinten sind Luna und Neville wollen wir die Beiden eben begrüßen gehen?" meldete sich Harry zu Wort.
„Ja klar. Julie wir sehen uns später dann noch." meinte Ginny.
„Sicher." Und schon waren die Beiden in der Menge verschwunden.
Nicht wissend was sie jetzt tun sollte, nahm sie einen Schluck von dem Butterbier, damit sie Fred nicht ansehen brauchte. Warum fiel es ihr so schwer, bei anderen Männern hatte sie nie Probleme.
„Hast du Lust zu tanzen?"
Sie schaute ihn kurz verwundert an. „Nichts lieber als das."
„Na dann los!" er nahm sie an die Hand und führte sie auf die Tanzfläche.
Sie tanzten schon eine ganze Weile, als mit einem Mal ein riesiges Getöse die doch recht laute Musik überschallte.
Julie schaute Fred erschrocken an. „Was geht da draußen vor sich?"
„Ich habe nicht den blassesten Schimmer." er runzelte die Stirn.
Die Leute strömten bereits ins Freie, um nachzusehen.
„Komm!" er nahm sie wieder an der Hand und sie folgten der Menge.
Draußen angekommen wanderten ihre Blicke gen Himmel. Irgendjemand hatte ein gewaltiges Feuerwerk losgelassen. Die Luft war erfüllt vom Zischen und Knallen der Raketen und der AH´s und OH´s der umher Stehenden.
„Wie schön!" meinte Julie, als sich ein besonders farbenprächtiges Lichtermeer direkt über ihren Köpfen ausbreitete.
„Nicht so schön wie du!" flüsterte Fred in ihr Ohr. Er hatte die ganze Zeit über neben ihr gestanden und sie beobachtet. Das Feuerwerk brachte ihre ohnehin schon leuchtenden Augen so stark zum funkeln, dass er sich völlig in ihnen verlor.
Julie stockte der Atem. Hatte sie das gerade Richtig verstanden? Sie schaute ihm das erste Mal an diesem Abend richtig an und konnte nun in seinen Augen, die in diesem Moment so liebevoll auf sie hinunter schaute, lesen, dass er die Wahrheit sprach.
Ihre Gesichter kamen sich immer näher. Fred´s Finger streichelten sanft Julie´s Wange. Sie schloss die Augen und nur eine Sekunde darauf spürte sie seine Lippen auf den ihren, zuerst zögernd doch dann immer forschender. Sie versanken in diesem ersten Kuss und vergaßen alles was um ihnen herum geschah...
... „Danach haben wir uns lange über alle möglichen Dinge unterhalten, bis eure Showeinlage kam." Julie lachte.
„Schön, dass ihr euch amüsiert habt." meinte Hermine bitter.
„Ach jetzt sei mal nicht so! Jedenfalls wollte ich danach eigentlich nach Hause zu dir, aber Harry meinte er habe dich ins Bett gebracht und dass du gleich eingeschlafen bist. Also bin ich da geblieben bis alle weg waren. Als wir dann mit dem Portschlüssel zurück in Fred´s Wohnung gereist waren, hat er mich gefragt, ob ich nicht noch einen Kaffee mit ihm wollte und du kennst mich ja, zu Kaffee kann ich nicht nein sagen."
„Ja, ja der Kaffee.." Hermine kicherte.
„Nun ja, ich bin dann auf dem Sofa eingeschlafen, bevor er den Kaffee fertig hatte."
„Klar! Eingeschlafen." Hermine grinste.
„Du kannst mir ruhig glauben!" Julie schmiss ein Kissen nach ihrer Freundin.
Hermine fing es auf. „Ich glaube dir ja." sagte sie wenig überzeugend.
„Heute Morgen wurde ich allerdings mit einem Kuss geweckt." gab Julie mit leicht rosa Wangen zu. „Und zum Frühstück hatte er auch schon gedeckt."
Hermine blinzelte. „So viel Romantik hätte ich ihm gar nicht zugetraut."
„Ich war auch überrascht." gestand sie.
Die beiden Freundinnen redeten noch eine Weile, dann legten sie sich zu Bett.
Was würde geschehen, wenn sie Draco am Montag wieder sah? War sie zu weit gegangen mit dem Kuss? Und sollte sie sich dafür entschuldigen? Am besten sie erwähnte es nicht. Wenn er darüber reden wollte sollte er den ersten Schritt tun. Hoffentlich hatte sie bis dahin eine Antwort parat!
