Im Ministerium

Am Montag Morgen war Hermine furchtbar nervös. Das ganze Wochenende hatte sie damit verbracht ihre Unterlagen noch einmal durch zu sehen. Die Beschreibung des Konzeptes für die Zaubergrundschule hatte sie schon vor einer Ewigkeit fertiggestellt. Sie hatte ihre Zeugnismappe um einige Prüfungsergebnisse erweitert und in den letzten Monaten hatte sie sich immer wieder bemüht geeignete Häuser zu finden, in denen zweihundert Schüler Platz hatten. Sie war sich sicher, dass so viele Schüler kommen würden, wenn sie erst einmal die Schule geöffnet hatte.
Doch was wenn sie die Schule nicht eröffnen konnte? Was wenn das Ministerium sie ablehnen und damit ihren Traum zerstören würde? Was dann? Würde sie es aufgeben und vielleicht sogar ihre Ausbildung zur Aurorin aufnehmen? NEIN! Sie würde sich nicht unterkriegen lassen, sie würde kämpfen, bis sie ihr Ziel erreichen würde.
Sie apparierte ins Ministerium und noch völlig in Gedanken, hörte sie plötzlich Jemanden hinter sich rufen. Sie wand sich um und sah, dass es Ron war.
„Hey Hermine! Ich habe ganz vergessen, dass du heute diesen Termin hier hast."
„Hey Ron! Du warst sicherlich auch mit etwas anderem beschäftigt. Ich habe gehört, dass es zwischen dir und Demelza Krach gegeben hat. Hat sie sich mittlerweile wieder etwas beruhigt?"
Ron schnitt eine Grimasse. „Nein, aber das soll nicht dein Problem sein. Sie hat sich daneben benommen. Das wird schon wieder."
„Wenn du meinst." Hermine zuckte mit den Schultern.
Sie ließen ihre Zauberstäbe registrieren und gingen zu den Aufzügen.
„Na, bist du aufgeregt?" fragte Ron und musterte sie aus den Augenwinkeln.
„Ja und wie! Das ist fast so schlimm, wie vor den Prüfungen in Hogwarts."
„Das ist doch ein super Zeichen!"
„Wie meinst du das?"
„Naja, du hast nie eine Prüfung nicht bestanden." grinste er.
Sie lächelte. Es war lieb von ihm, dass er versuchte sie zu beruhigen, auch wenn es nicht wirkte.
Sie erreichten die Aufzüge.
„Weshalb bist du eigentlich hier?"
„Wegen so einem Fitnesstest. Die haben sich noch immer nicht für einen Hüter entschieden." er verdrehte die Augen.
Der Aufzug setzte sich in Bewegung und die seltsame Frauenstimme erklang. „Siebter Stock, Abteilung für Magische Spiele und Sportarten, mit der Zentrale der Britischen und Irischen Quidditch-Liga, dem Offiziellen Koboldstein-Klub und dem Büro für Lächerliche Patente"
„Hier muss ich raus. Viel Glück! Und sag mir wie es gelaufen ist."
„Danke, mach ich."
Wieder allein im Fahrstuhl, überkam sie erneut die Nervosität.
„Hoffentlich geht das gut!" schoss es ihr immer wieder durch den Kopf.
Gelegentlich blieb der Aufzug stehen und einige Memos flogen hinein oder hinaus, doch sie blieb allein. Warum brauchte dieses verdammte Ding so lange?
Endlich im ersten Stock angekommen, trat sie hinaus in einen Raum, von dem sechs Gänge abgingen. Mitten in diesem Raum befand sich eine Rezeption, hinter der eine Hexe an einem Schreibtisch saß und fleißig schrieb.
Hermine ging zu ihr hinüber und räusperte sich. „Entschuldigen Sie..."
„Einen Moment!"
Hermine schaute die Hexe verdutzt an. „Nanu, wie unfreundlich." dachte sie und wartete etwas, doch nichts geschah. „Entschuldigen Sie bitte, ich..."
„Einen Moment." Die Hexe hatte noch immer nicht aufgeschaut.
Was sollte das? Wenn das so weiter ging, kam sie zu spät zu ihrem Termin.
„Hören Sie, ich habe einen Termin im Finanzbüro und wäre ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen könnten wo ich hin muss."
Nun endlich blickte die Hexe auf. Sie musterte Hermine über ihre Brille hinweg. „Vierter Gang, fünfte Tür rechts." Sie wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.
„Danke!" sagte Hermine knapp. „Na toll! Wenn die hier alle so sind, dann kann das ja heiter werden.." dachte sie.
Sie ging den Gang hinab und zählte die Türen auf der rechten Seite. Vor der fünften blieb sie stehen, atmete noch einmal tief durch und klopfte dann an.
Nichts geschah. War sie hier wirklich richtig? Sie blickte den Gang zurück und zählte die Türen erneut. Dies war die fünfte Tür rechts. Sie klopfte erneut an. Wieder kam keine Antwort. Nun würde sie mit Sicherheit zu spät kommen. Es war bereits eine Minute vor Zehn. Hermine wollte gerade wieder zurück zur Rezeption gehen, da erklang von drinnen ein „Herein!". Erleichtert darüber, nicht wieder zurück zu der seltsamen Hexe zu müssen, öffnete sie die Tür und trat hinein. Vor ihr an einem Schreibtisch saß ein älterer, dicker Zauberer. Hermine seufzte innerlich, dieser Zauberer wirkte sehr konservativ und das machte ihre Sache nicht einfacher.
„Ah! Miss..." der Zauberer blickte auf einen Ordner vor ihm. „...Granger. Sie sind Pünktlich, das gefällt mir." Er streckte ihr die Hand entgegen.
„Als hättest du das Klopfen nicht schon beim ersten Mal gehört." dachte sie missmutig, reichte ihm dann aber die Hand. „Guten Tag."
„Nehmen sie doch Platz!" Er deutete auf einen Lehnstuhl vor seinem Schreibtisch. Sie setzte sich. „Nun, Ihrer Akte kann ich entnehmen, dass sie vor haben eine Schule für jüngere Schüler zu gründen. Was macht sie so sicher, dass ihr Vorhaben gelingt?"
Der Zauberer klang nicht unfreundlich, doch irgendetwas in seiner Stimme verriet Hermine, dass er von ihrem Vorhaben nicht angetan war.
„Zum Einen, weil ich mit vielen Hexen über meine Pläne gesprochen habe und von ihnen nur positive Rückmeldungen bekommen habe. Zum anderem halte ich es für wichtig, die Kinder in einem frühen Alter miteinander bekannt zu machen und somit der Rivalität, die in Hogwarts zwischen den Häusern herrscht, vorzubeugen. Sicherlich ist auch ihnen zu Ohren gekommen, dass fast ausschließlich Leute aus Slytherin sich Voldemort anschlossen. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass es nur wenige Freundschaften zwischen den Häusern gibt."
„Miss Granger!" der Zauberer war bei dem Namen des schwarzen Magiers zusammengezuckt und war nun vor Wut rot angelaufen. „Ich verbiete, dass sie diesen Namen hier in meinem Büro laut aussprechen!"
„Die Angst vor einem Namen macht die Sache nur schlimmer. Voldemort ist tot." sagte sie wütend.
„MISS GRANGER!" Nun war der Zauberer aufgesprungen.
Hermine erschrak. Sie war nicht hier um über Voldemort zu sprechen, doch sie konnte nicht anders. Sechs Jahre nach dem Tod des allseits gefürchteten Zauberers, hatten die Leute immer noch Angst vor ihm. „Es tut mir Leid sie damit dermaßen aufgeregt zu haben!" lenkte sie ein. Ich bin nicht hier um mit ihnen über Du-weißt-schon-wen zu sprechen."
Der Zauberer schien sich wieder zu beruhigen und setzte sich wieder. „Ihre Argumente überzeugen mich nicht. Wie haben sie sich das ganze vorgestellt?"
Hermine holte ihre Unterlage hervor. „Ich habe ihnen hier alles zusammen gefasst." Sie reichte ihm den Ordner.
Stumm nahm er diesen entgegen, öffnete ihn und las darin. Nach einer Weile, Hermine begann bereits zu glauben vergessen worden zu sein, klappte er den Ordner wieder zu, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und fixierte Hermine. „Nun Miss Granger, Sie scheinen die Vorstellung zu haben, dass das Ministerium für alle Unkosten aufkommen soll, doch davon kann keine Rede sein. Auch wenn ich davon überzeugt wäre, dass ihr Vorhaben gelingen könnte, sind für ein solch großes und unsicheres Projekt keine Gelder vorhanden!"
„Aber sie können doch in dieser Sache nicht das Letzte Wort haben!" wieder wurde sie wütend. Sie sah ihren Traum vor ihrer Nase zerbröckeln.
„Doch. Wenn sie mich fragen, dann suchen sie sich eine andere Lebensaufgabe, denn diese hier wird meiner Meinung nach keinen Anklang finden. Sollten sie allerdings so töricht sein und vorhaben weiter zu machen, kann ich ihnen nur raten: Suchen sie sich einen anderen Sponsor! Guten Tag." Er reichte ihr den Ordner und deutete mit einer Handbewegung auf die Tür.
Hermine funkelte ihn zornig an, nahm den Ordner, stand auf und ging hinüber zur Tür. Bevor sie jedoch hinaus ging wand sie sich noch einmal um. „Sie werden sich noch wundern!"
Der Zauberer hob nur milde Beeindruckt die Augenbrauen.
Kochend vor Wut riss Hermine die Tür auf und ging rasch zurück zu den Aufzügen, der Hexe an der Rezeption, die noch immer fleißig schrieb, würdigte sie keinen Blick.
Im Fahrstuhl war sie wieder ganz allein, was auch gut war, denn sie fürchtete den nächstbesten dem sie über den Weg lief an zu schreien. Was bildete sich dieses selbstgefällige, alte Arschloch eigentlich ein? Der saß den ganzen Tag in seinem Büro und hatte keine Ahnung von Nichts! Wie war es möglich, dass so einer in der Lage war ihren Traum platzen zu lassen? Langsam stiegen in ihr Tränen auf. Doch sie wollte sich nicht unterkriegen lassen und schluckte sie wieder runter. So nicht! Sie würde einen anderen Weg finden.
Mittlerweile war sie im Atrium angekommen. Draco war allerdings nirgendwo zu sehen. Na toll! Jetzt durfte sie auch noch auf ihn warten! Dabei wollte sie doch einfach nur so schnell wie möglich von hier weg. Sie setzte sich an den Beckenrand des Brunnens und blickte hinein, dort drin lagen so viele Münzen. Sie seufzte, wo sollte sie nur das Geld her bekommen?
„Hermine?" erklang die sanfte Stimme Dracos hinter ihr. „Ist alles in Ordnung?" Er sah sie besorgt an.
„Nichts ist in Ordnung!" nun stiegen in ihr die Tränen wieder auf. Wild gestikulierend erzählte sie ihm was geschehen war. Er versuchte sie zu beruhigen indem er einen Arm um ihre Schulter legte und ruhig auf sie einredete.
„Du findest schon einen anderen Weg. Ich werde versuchen dir zu helfen, so wie du mir hilfst." Plötzlich wurde Draco von ihr weggerissen.
„Lass die Finger von ihr du mieses Frettchen!"
„Ron nicht!" schrie Hermine.
Doch es war zu spät, er hatte Draco bereits mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dieser fiel zu Boden und Ron stürzte sich auf ihn. Draco versuchte sich zu wehren, ihn von sich zu stoßen um ihm auch eine zu verpassen. Doch der Angriff war zu plötzlich gekommen, es gelang ihm nicht die Oberhand zu gewinnen.
„Ron hör auf!" Hermine versuchte ihn am Arm zu packen, es gelang ihr aber nicht. Sie zückte den Zauberstab, doch jemand anderes war schneller.
Harry kam gerade zufällig auf den weg zu einer Hausdurchsuchung durch das Atrium und sah wie sein bester Freund sich auf Malfoy stürzte. Er hätte ihn früher aufhalten können, doch wollte er erst sehen, wie der Blonde sich zur Wehr setzte.
Ron wurde nun von einer unsichtbaren Kraft von Draco hinunter gestoßen und landete einige Meter von ihm entfernt auf dem Boden.
Hermine stürzte zu Draco, der sich allerdings schon wieder aufrichtete. „Alles in Ordnung mit dir?" fragte sie besorgt.
„Ja, geht schon. Ich schätze das habe ich verdient." Er rieb sich das Kinn wo Ron ihn getroffen hatte.
„Nein hast du nicht." Sie drehte sich zu Ron um, der sich hitzig mit Harry unterhielt.
„Sag mal hast du sie nicht mehr alle?" schimpfte Hermine nun los.
„Ich? Du bist hier doch diejenige, die an Sinnestäuschungen zu leiden scheint!"
„Du hast doch keine Ahnung!"
„Wie auch! Du hältst es ja anscheinend nicht mehr für nötig mich in das einzuweihen, was in deinem Leben vor sich geht!" Er warf einen Blick zu Harry, der ihn gerade mit einer Kurzfassung aufgeklärt hatte.
„Das war nicht Richtig, das gebe ich zu, aber das ist kein Grund auf irgendwelche Leute einzuschlagen!"
„Ich schlag nicht auf irgendwelche Leute ein. Ich schlage nur die, die es verdient haben."
„Du redest Unsinn!"
„Hey Leute, das hat keinen Sinn euch hier an zu giften." Harry deutete auf die umher stehenden Leute. Unter ihnen erkannte Hermine auch einen Reporter des Tagespropheten. Das hier war ein gefundenes Fressen.
Ron schien der gleiche Gedanke gekommen zu sein. „Du hast Recht Harry. Warum rege ich mich eigentlich so auf? Sie scheint ja sowieso keinen Wert auf meine Meinung zu legen." ohne noch einen weiteren Blick auf Hermine zu werfen, drehte er sich um und verschwand.
„Das wollte ich nicht! Verdammt!" Hermine trat gegen ihre Tasche, die neben ihr am Boden stand. Tränen rannen ihr übers Gesicht. „So ein verfluchter, scheiß Tag." Wieder trat sie gegen die Tasche.
„Hermine beruhige dich!" Draco, der die ganze Zeit etwas abseits gestanden hatte, versuchte nun sie in die Arme zu nehmen.
Harry beobachtete die Szene. „Malfoy hat Recht, beruhige dich. Ich werde mit Ron reden, der wird sich schon wieder abregen. Ich komme später zu dir. Ich muss jetzt weiter." Er schaute hinüber zu Kingsley, der auf ihn wartete. „Ich vertraue sie dir an." sagte er an Draco gerichtet. „Und wehe dir, wenn du Mist baust!" er drehte sich um und ging.
„Keine Sorge Potter!" Er hielt Hermine ganz fest im Arm, während ihr stetig Tränen über die Wangen liefen. Er strich ihr beruhigend über den Rücken. „Wir sollten auch lieber gehen."
Die Leute starrten sie immer noch an.
„Ja." kam die kehlige Antwort von Hermine. „Ja, du hast Recht, wir sollten gehen." Sie schluckte und löste sich von ihm. Was war das nur für ein furchtbarer Tag?
Draco sammelte ihre Tasche auf und reichte sie ihr. „Möchtest du ins Café oder lieber irgendwo anders hin?"
„Sorry, ich will jetzt erst einmal nach Hause. Ich habe im Moment keine Lust mich in der Öffentlichkeit aufzuhalten."
„Oh verstehe." meinte Draco und senkte den Blick. Das hieß wohl, dass sie allein sein wollte. Dabei hatte er sich auf den Tag mit ihr gefreut. Dann dachte er an Harrys Worte. „Ich kann dich aber nicht gehen lassen." sagte er. „Potter wird sonst sicher böse mit mir und hext mir nen Fluch auf den Hals." Er schaute sie schief an und schnitt eine Grimasse.
Nun lachte Hermine, auch wenn sie noch immer Tränen in den Augen hatte. „Das kann ich ja nicht zulassen. Dann musst du wohl oder übel mitkommen. Das heißt, wenn du dich traust."
„Hmm..." er tat als würde er überlegen. „Die Chance, dass das Wiesel dort auftaucht, schätze ich eher als Gering ein, also ist es eher unwahrscheinlich, dass mir Gefahr droht, wenn ich mitkomme."
„Nenn ihn nicht „das Wiesel". Sie schlug ihn gegen die Schulter.
„Au! Das tat weh!" doch er lachte.
„Er ist einer meiner besten Freunde und dafür was eben geschehen ist bin ich verantwortlich." meinte sie, wieder den Tränen nahe.
„Jetzt nehm mal nicht die ganzen Lorbeeren für dich in Anspruch. Er hat genau soviel Schuld an der Situation wie du und ich ja wohl am meisten."
„Wie meinst du dass?"
„Er hätte ja nicht gleich zuschlagen müssen!" meinte Draco und rieb sich das Kinn wieder, es schmerzte noch immer. „Und ich habe ja wohl mehr als genug getan, damit er mir nicht vertraut."
„Danke!" Sie fühlte sich wieder etwas besser. Das mulmige Gefühl, Rons Freundschaft verloren zu habe blieb jedoch.
Sie gingen hinüber zum Apparierplatz.
„Wo geht's denn jetzt hin." fragte Draco
„Erstmal zu mir ins Wohnheim, ich will meine Tasche los werden. Danach sehen wir weiter."
„Also dann, auf ins Wohnheim!" Er machte sich zum apparieren bereit, doch dann... „Wo liegt das überhaupt?"
Hermine grinste und schüttelte den Kopf. Sie hätte nie gedacht das Draco so albern sein konnte. Wieder eine neue Seite an ihm. Wie viele sie wohl noch an ihm entdecken würde? „Nimm meine Hand, dann zeig ich´s dir!" Sie hielt ihm ihre Hand entgegen.
Er nahm sie sanft in die Seine.
Mit einem leisen Plop waren sie verschwunden.