Ein nicht ganz so schöner Nachmittag
Hermine öffnete die Tür zu ihrem Zimmer.
Draco blieb stehen. „Bist du dir sicher, dass du möchtest, dass ich mit dir hinein komme? Man weiß ja nie was so passiert." er grinste sie frech an.
„Klar, was soll denn schon groß passieren?" Sie runzelte die Stirn, doch dann wurde ihr klar worauf er anspielte. „Mein Gott Draco, du hast Fantasien!"
Er Grinste noch breiter. „Solange sie dir ein Lächeln auf die Lippen zaubern."
Und tatsächlich, sie lächelte, schüttelte dann aber den Kopf. „Was habe ich da nur angerichtet!" dachte sie für sich. Durch den Kuss schien Draco sein Selbstbewusstsein vollends wiedererlangt zu haben.
Nacheinander traten sie ein. Hermine hängte ihre Tasche über den Stuhl an ihrem Schreibtisch und seufzte. Wieso war der Tag bis jetzt so schief gelaufen?
Draco sah sich um. Der Raum war recht klein und wirkte dadurch sehr voll gestopft. Die eine Hälfte, er schätzte es war Hemines, war ordentlich, fast unnatürlich ordentlich. Die andere Hälfte war übersät mit Büchern und vereinzelten Kleidungsstücken.
Hermine folgte seinem Blick und lächelte. „Julie scheint es heute Morgen mal wieder eilig gehabt zu haben." Sie zog ihren Mantel aus und legte ihn zu ihrer Tasche über den Stuhl. Dann setzte sie sich auf ihr Bett. „Setz dich und erzähl! Hast du dich für die Prüfungen angemeldet?"
„Ja habe ich." Auch er zog seinen Mantel aus und legte ihn zu Hermines. „Das einzige Problem ist nur, dass die schon im August stattfinden." Er setzte sich zu ihr aufs Bett.
„Was so schnell? Denkst du, dass du das schaffst? Ich meine mit der Arbeit im St.Mungo und so."
„Ja, es wird sicher schwer, aber ich wollte nicht bis nächstes Jahr warten."
„Und wenn du doch mal Severus Snape fragst?"
„Hermine, dieses Gespräch hatten wir schon." er wischte sich mit einer Hand über das Gesicht, als sei er müde, ihr immer wieder das Gleiche sagen zu müssen.
„Ja, das hatten wir. Doch verstehe ich es nicht."
„Was gibt es da nicht zu verstehen? Ich will nicht mit ihm sprechen." er atmete tief durch und fügte dann leiser hinzu, „Ich kann ihm doch nicht wieder unter die Augen treten. Er hasst mich doch sicher."
„Ist es das?" fragte Hermine mit einem besorgtem Gesicht. „Du fürchtest, dass er dich hasst?"
Draco antwortete nicht.
„Draco, hör auf davon zu laufen. Du bist kein kleines Kind mehr. Severus hat damals zu deinen Gunsten ausgesagt. Das hätte er wohl kaum getan, wenn er dich hassen würde. Geh zu ihm und sprich mit ihm! Er wird dir helfen."
Draco seufzte. „Also gut, wenn ich glaube, dass ich es nicht schaffe, werde ich darüber nachdenken."
„Hmm... na gut." Sie kam hier einfach nicht weiter und gab sich deshalb mit dieser Antwort zufrieden. Vielleicht sollte sie mit Severus darüber sprechen. Sie nahm sich vor in den nächsten Tagen nach Hogwarts zu reisen.
Während sie so da saß, bemerkte sie nicht wie sie von Draco beobachtet wurde. Erst als er sie wieder ansprach sah sie den besorgten Ausdruck in seinen Augen.
„Es tut mir Leid, dass du wegen mir Streit mit Weasley hast."
„Ach Draco, das habe ich mir selbst zu zu schreiben." sagte sie mit belegte Stimme. „Es war falsch ihm alles zu verheimlichen."
„Vielleicht, aber glaubst du er hätte dann mehr Verständnis gehabt? Er hasst mich. Warte ab, Potter wird ihn schon wieder zur Vernunft bringen."
„Du kennst Ron nicht." Eine Träne rann an ihrer Wange hinab.
Draco kniete sich vor sie und nahm ihre Hände in die Seine. „Bitte Hermine, hör auf zu weinen! Oder ich fange auch gleich an."
Sie versuchte zu lächeln.
„Das ist schon besser." meinte er und richtete sich wieder auf.
Plötzlich sprang die Tür auf und Julie stürmte hinein, blieb dann, als sie Draco sah, wie angewurzelt stehen und blinzelte überrascht. „Was macht ihr denn hier?" fragte sie erstaunt und wandte sich Hermine zu. „Ich dachte du bist vor heute Abend nicht zurück."
„Das dachte ich eigentlich auch, aber es hat nicht geklappt." seufzte Hermine.
„Waaas?" Julie machte große Augen. „Das kann nicht wahr sein."
Hermine erzählte ihr rasch was im Büro vorgefallen war.
Julie machte ein knurrendes Geräusch. „So ein mieses Bürokratenschwein! Was denkt der sich eigentlich, wer er ist? Das darf einfach nicht wahr sein!" sie knurrte wieder.
Es war Hermine ein Trost, dass ihre Freundin sich so sehr darüber aufregte.
„Das war leider noch nicht alles. Ron hat Draco und mich zusammen gesehen."
„Oh je! Mir schwahnt Böses." Sie warf ihre Tasche auf ihr Bett.
„Er ist total aus gerastet und auf Draco los gegangen."
Erst da wanderte Julies Blick wieder hinüber zu Draco, der die ganze Zeit still da gestanden hatte und sich darüber den Kopf zerbrach, wie er Hermine Helfen konnte.
„Hat er dich verletzt?"
„Nein."
„Ach dieser Idiot! Dass er nicht einmal überlegen kann, bevor er etwas macht. Darüber werde ich mich nachher mal mit Fred unterhalten, der wird ihn schon wieder zu Vernunft bringen."
„Tu das bitte nicht. Harry wollte schon mit ihm sprechen. Wenn du Fred auch noch los schickst, wird er sich nur noch mehr aufregen."
„Das ist egal. Irgendwann muss er doch mal lernen sich unter Kontrolle zu halten!"
„Lasst es mal gut sein." meinte Draco plötzlich. „Ich hätte an seiner Stelle nicht anders gehandelt."
Beide Mädchen sahen ihn mit großen Augen an.
„Schaut mich nicht so an. Wenn ich so darüber nachdenke, dann muss es für ihn so ausgesehen haben, als ob ich Hermine bedroht habe."
„Nun übertreibe mal nicht!" Julie sah ihn spöttisch an.
„Hermine überleg mal, du hast dich so über den Ministerialbeamten geärgert. Es muss für Weasley ausgesehen haben als sei ich der Ursprung deines Zorns." Warum verteidigte er das Wiesel eigentlich?
„Hmm... wahrscheinlich hast du Recht." meinte Hermine nachdenklich. „Aber er kann doch nicht einfach jeden schlagen den er für einen Übeltäter hält."
„Hermine wir drehen uns im Kreis. Wir sollten abwarten bis Potter mit ihm gesprochen hat. Und bis dahin zeigst du mir erst einmal die Gegend hier."
„Aber..." fing Hermine wieder an, doch Draco unterbrach sie.
„Keine Widerrede! Julie kann uns ja begleiten." er sah zu Julie hinüber.
„Tut mir Leid." wehrte sie ab. „Ich bin gleich mit Fred verabredet."
Hermine gab sich trotzdem geschlagen. „Nun gut. Gehen wir eben eine Runde."
Sie verbrachten einen wunderschönen Tag miteinander. Am späten Nachmittag setzten sie sich in den Schatten einer riesigen Eiche. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.
Hermines Verzweiflung hatte sich mittlerweile in Wut umgewandelt. Sollte Ron doch bleiben wo der Pfeffer wächst, sie hatten sich sowieso nicht mehr viel zu sagen, seit sie sich getrennt hatten.
Draco hingegen grübelte nun schon eine ganze Weile darüber nach, was er machen konnte um Hermine bei ihrem Projekt zu unterstützen. Sicher, er hätte ihr Geld geben können, er hatte schliesslich genug davon. Sein Erbe rührte er kaum an, er brauchte lediglich ein paar wenige Galleonen um die Miete für seine Wohnung zu zahlen, das Bisschen was er ass und die unmengen an Kaffee die er täglich in sich hinein schüttete. Das Geld wurde dadurch nicht weniger, im Gegenteil es wurde immer mehr. Sein Vater war Teilhaber eines mächtigen Unternehmens gewesen und nun fielen Teile des Gewinns an Draco ab.
Dies alles interessierte ihn nicht mehr. Er hätte das Geld auch nie angerührt, hätte er neben dem Socialdienst noch Zeit gehabt Geld zu verdienen. Doch das war in diesem Moment unwichtig. Er hätte Hermine wirklich gern das Geld gegeben, doch er war sich sicher, dass sie das Angebot ausschlagen würde. Also grübelte er weiter, bis es ihm mit einem mal wie Schuppen von den Augen fiel. Das Haus! Er hatte doch schon so lange versucht es zu verkaufen. Warum war er da nicht gleich drauf gekommen? Er faste den Entschluss, in den nächsten Tagen dort hin zu gehen und dort nach dem Rechten zu schauen.
In diesem Moment wurden sie Beide durch ein leises PLOP wieder ins Hier und Jetzt geholt. Harry war direkt vor sie appariert.
"Harry!" keuchte Hermine erschrocken auf. "Ist Ron wieder zur Vernunft gekommen?"
"Tut mir Leid! Du kennst ihn, er ist ein Dickschädel." Er sah sie entschuldigent an.
"Was hat er gesagt?"
"Das möchte ich hier nich wiederholen, doch dem Inhalt her möchte er nichts mehr mit dir zu tun haben."
"Fein! Das stört mich nicht im geringsten." Sie verschränkte die Arme vor der Brust. "Dann muss ich mir jedenfalls nicht mehr dieses Geschwarfel über Quidditch anhören."
"Hermine, versuch es doch mal aus seiner Sicht zu betrachten! Es bestand jahrelang Feindschaft zwischen uns und Malfoy, er war für uns immer dieses hinterhältige kleine Frettchen und mit einem Mal verteidigst du ihn"
"Hey, ich bin anwesend!" meldete sich Draco zu Wort.
"Ich weiss." blaffte Harry ihn an. "Aber darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen."
"Aber du hast genauso Grund verärgert zu sein und doch hälst du zu mir."
"Du weisst, dass ich geschockt war und ich habe mich auch schon dazu geäussert. Was Ron anbelangt, so denke ich, dass er dich zu einen gewissen Grad noch liebt."
Hermine runzelte die Stirn.
"Du warst seine erste grosse Liebe, so etwas harkt man nicht einfach ab und vergeisst es. Er sorgt sich immernoch um dich."
"Pah! Wenn seine Fürsorge so aussieht, dann kann ich darauf verzichten."
Harry seufzte. "Ihr seid beide Sturköpfe! Aber denk darüber nach." Er schaute sie eindringlich an, bis sie resignierent antwortete.
"Also gut ich denke darüber nach."
"Entschuldigst du uns für einen Augenblick?" fragte er dann und wandte sich an Draco. "Auf ein Wort Malfoy." mit einem Ruck seines Kopfes deutete er diesem an, ihm zu folgen.
"Was soll das denn jetzt?" dachte Draco. Er konnte Potter nicht leiden und hatte keine Lust, sich mit ihm zu unterhalten. Er blickte zu Hermine.
"Geh nur, ich warte."
Ihm blieb nichts anderes übrig, als Potter zu folgen.
Sie gingen einige Schritte, bis Hermine ausser Hörweite war. Dann drehte Harry sich aprupt um.
"Hör zu!" Sprach dieser in einem leicht agressiven Ton. "Sollte ich irgentwann herausfinden, dass du nur irgentwelche Spielchen mit Hermine treibst oder ihr irgenteinen Schaden zufügst, dann gnade dir Merlin, werde ich dich umbringen und es wie einen Unfall aussehen lassen. Verstanden?"
"Ich finde zwar nicht, dass es dich irgentetwas angeht, was zwischen Hermine und mir ist, doch kann ich dir versichern, dass ich keineswegs vor habe ihr etwas an zu tun. Nebenbei bemerkt, Gelegenheiten dazu hatte ich genug."
Harry schaute ihn stirnrunzelnd an. "Was willst du damit sagen?"
"Ich will damit sagen, dass ich, schon einige Male..." beinahe hätte er gesagt, ´mit ihr alein gewesen bin´, doch er wollte nicht, dass Hermine sich auch noch mit Potter stritt. " ehm... hätte ich die Absicht ihr etwas an zu tun, es schon längst getan hätte."
Harry war noch immer misstrauisch, allerdings wollte er sich hier nicht mit Malfoy anlegen. "Nun gut, wir werden sehn."
Harry verabschiedete sich von den Beiden und verschwand genauso leise, wie er gekommen war.
Nun waren sie wieder allein.
Hermine schritt auf Draco zu, legte ihren Kopf an seine Schulter und seufzte. "Manchmal wünschte ich wir wären noch Kinder und würden in Hogwarts zur Schule gehen, damals war es einfacher."
"Dann würden wir uns aber immernoch angiften und das fände ich schade." Er lachte leise.
Hermine schaute ihn an. „Ja, das wäre schade." Ihr wurde klar, dass sie sich in dieser kurzen Zeit in, der sie den neuen Draco nun kannte, so sehr an ihn gewöhnt hatte, dass sie sich schon nicht mehr vorstellen konnte, wie es wäre, wenn er nicht mehr da wäre.
Sie sahen sich jetzt direkt in die Augen. Draco´s Gesicht kam ihrem näher. Gefährlich nahe. Hermine wand sich von ihm ab.
Draco seufzte.
„Ich sollte nach Hause gehen. Ich muss noch etwas für morgen vorbereiten." Sie wich seinem Blick aus.
„Immer noch die kleine Streberin von damals." stellte Draco fest. „Ich hätte gedacht, dass das Wiesel auf dich abfärbt."
„Und du scheinst immer noch dieser arrogante Schnösel von damals zu sein." Sie funkelte ihn böse an. „Und nenn ihn nicht Wiesel!"
„Wieso nicht? Er hat doch heute wieder einmal unter Beweis gestellt, was für ein Idiot er ist und du verteidigst ihn auch noch." Draco´s Blick wurde angriffslustig. Wenn er ehrlich war, sprach er aus gekränkter Eitelkeit. Weshalb hatte sie ihn zurückgewiesen? Sie war es doch, die ihn am letzten Freitag zuerst geküsst hatte und nun das. Er wusste einfach nicht damit umzugehen.
„Ich verteidige nicht was er getan hat, aber er ist ein Freund und ich lasse nicht zu, dass jemand so über ihn spricht."
„Einen tollen Freund hast du da, lässt dich allein mit einem ach so gefährlichen ehemaligen Todesser." meinte Draco sarkastisch und fragte sich gleich darauf, wie er sich so hinein steigern konnte, dass er sich selbst als gefährlich bezeichnete.
Hermine war für einen Augenblick sprachlos, dann verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Auch wenn wir Streit haben, kann ich mich immer noch auf ihn verlassen. Er würde nie zulassen, dass mir etwas zustößt." So war es bis jetzt immer gewesen, doch mittlerweile war sie sich da nicht mehr ganz so sicher. Langsam stiegen in ihr wieder die Tränen auf.
Draco sah es. Er wollte nicht streiten. Er wusste allerdings nicht wie er sie beruhigen sollte. Als er noch zur Schule ging, hatte er drei Methoden mit solchen Situationen um zu gehen. Die erste bestand darin sein Gegenüber zu ignorieren und fort zu gehen und die Zweite darin die Situation so zu drehen, dass sein Gegenüber heulend davon lief. Da Draco diese beiden Möglichkeiten, als nicht angebracht empfand, versuchte er es mit der dritten Variante. Blitzartig schritt er auf sie zu, nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie.
Wäre Hermine nicht so wütend gewesen, wäre sie bei diesem Kuss wie Eis in der Sonne dahin geschmolzen, doch so stieß sie ihn von sich. „Verdammt Draco, was soll das? Ich habe so schon genug Probleme, auch ohne, dass du mich küsst."
„Ach so, wenn ich dich küsse ist das also ein Problem, aber wenn du es tust, dann ist es in Ordnung, dafür braucht es keine Erklärung. Wenn es so zwischen uns laufen soll, na dann schönen Dank, aber darauf kann ich verzichten."
Hermine stand wie vom Donner gerührt da. Sie merkte nicht wie ihr Tränen die Wangen hinab liefen. Es war also wahr, Draco hatte sich mehr erhofft und sie hatte seine Hoffnung zunächst gestärkt und nun zerstört. Sie wollte ihm sagen, dass es ihr Leid tat. Sie wollte es ihm erklären und sagen, dass er seine Hoffnung nicht aufgeben sollte, doch sie brachte kein Wort heraus.
Draco stand da und wartete auf eine Reaktion.
Doch Hermine sah ihn nur aus großen tränenverhangenen Augen an, außer Stande sich zu bewegen.
Draco schüttelte den Kopf, warf Hermine noch einen enttäuschten Blick zu und disapparierte mit einem dumpfen Knall direkt von dort wo er stand.
