Da ich nicht weiß, wie ich die nächsten Tage Zeit haben werde, schick ich euch das zweite Kapitel gleich hinterher.
Ich hoffe, es gefällt euch. Hier kriegt man jetz' nen deutlicheren Einblick, in welche Richtung sich diese Story entwickelt.
Viel Spaß!
Erste Eindrücke
Bei den vielen Gängen, durch die sie ihn führten, verlor er recht schnell den Überblick. Er wusste nicht, was ihn erwartete, doch irgendwie hatte er ein ungutes Gefühl. Die Wärter brachten ihn in einen kleinen, extrem hellen Raum, wo er erstmal seine Augen zusammenkneifen musste. Als er wieder klar sehen konnte, sah er sich um. In dem Raum gab es nichts, außer die Tür und zwei Ketten mit breiten, metallenen Handschellen, die von der Decke hingen.
Die Wärter führten ihn zu diesen Ketten, zogen unsanft seine Arme nach oben und schlossen das kühle Metall um seine Handgelenke. Die Ketten hingen so hoch, dass er kaum 5cm Spielraum hatte. Und wieso wurde er überhaupt angekettet, das war nicht gerade die feine, englische Art.
Da ging die Tür wieder auf und ein Mann trat um ihn herum. Er war von mittelgroßer Statur, aber dafür verdammt muskulös und kräftig. In seinen hellblauen, eiskalten Augen glitzerte etwas, dass Remus nur als Vorfreude deuten konnte. Auch wenn das beim besten Willen keinen Sinn ergab. Dennoch verkrampften sich seine Eingeweide bei diesem Blick. Auch behagte es ihm nicht, dass die beiden Wärter ihn immer noch flankierten. Reichte es denn nicht, dass er angekettet und somit quasi bewegungsunfähig vor diesem Schrank von Mann stand?
„Wer sind sie?" fragte er mit fester Stimme.
„Aber, aber… das hier ist ihr Verhör, da sollte wohl ich die Fragen stellen und nicht sie, oder, Mr. Lupin? Dennoch, ein bisschen Höflichkeit kann ja nicht schaden. Mein Name ist Serge Rukschow. Ich bin hier der Leiter der Sicherheitsabteilung und zuständig für die Verhöre der Gefangenen. Ich bin ein sehr umgänglicher Mensch, Mr. Lupin. Wenn sie mir die Wahrheit sagen, wird ihr Aufenthalt hier nicht so unangenehm werden, wie er zweifelsohne werden wird, wenn sie mir Lügen auftischen. Also, wo waren sie in der Nacht vom 1. auf den 2. August?"
„Das habe ich bereits dem Zaubereiminister persönlich erklärt. Reicht das noch nicht?"
Das Gesicht des Sicherheitschefs wurde auf den Schlag hart wie Stein und sein Blick wurde kalt wie Eis. Er hob seine Hand für ein kurzes Zeichen und noch bevor Remus wusste, wie ihm geschah, schlug ihm eine harte Faust von rechts in den Magen.
Der harte Schlag presste ihm sämtliche Luft aus den Lungen und seine Eingeweide, allen voran sein Magen, krampften sich schmerzhaft zusammen. Instinktiv versuchte sich sein Körper zusammenzukrümmen, doch das ließen die Fesseln nicht zu. Übelkeit stieg langsam in ihm auf. Keuchend schnappte er nach Luft. Ungläubig starrte er Rukschow an. Was sollte das hier werden? Das war Körperverletzung!
„Ein bisschen Kooperation setzte ich schon voraus, Werwolf! Oder muss ich erst noch richtig böse werden? Also, wo waren sie in der besagten Nacht?"
Lupin musste husten. Seine Gedanken rasten. „In der Heulenden Hütte, ein magisch verriegeltes Gebäude in der Nähe von Hogwarts, das extra für einen Werwolf in Vollmondnächten erbaut wurde."
Eine steile Falte bildete sich zwischen den Augen des Russen. „Gibt es dafür Zeugen? Hat sie jemand bis dorthin begleitet? Hat sie jemand darin eingeschlossen?"
„Nein, aber…"
Weiter kam er nicht. Diesmal kam die Faust von links, nicht weniger hart, aber dafür mitten ins Gesicht. Schmerzhaft wurde sein Kopf zur Seite gerissen und er spürte, wie seine Lippe aufplatzte und Blut über sein Kinn lief und auf den Boden und die Vorderseite seiner Robe tropfte. Seine Wange brannte.
„Habe ich mich vorher nicht klar genug ausgedrückt?" fragte Rukschow wütend. „Sagen sie mir die Wahrheit und ich mache ihnen ihr Leben hier leichter. Wenn sie aber weiterhin bei ihren Lügen bleiben, dann sehe ich mich leider gezwungen, mit dieser Art der Behandlung fortzufahren."
„Sie wollen also ein Geständnis?" fragte Remus, dem langsam bewusst wurde, was hier lief, der es aber nicht glauben konnte. Fudge musste doch wissen, was hier vorging. Diese Leute waren vom Ministerium hier eingesetzt und verletzten hier immerhin das Gesetz.
„Richtig! Ich wusste gar nicht, dass Werwölfe so gut kombinieren können. Also?" fragte er kalt.
„Ich habe diese Frau nicht umgebracht!" antwortete er fest und wappnete sich gleichzeitig gegen den nächsten Schlag, doch der erfolgte nicht da, wo er ihn vermutet hätte, im Gesicht, sondern diesmal traf die Faust wieder hart in seinen Magen. Wieder blieb ihm die Luft weg und er versuchte sich zu krümmen, doch gegen das unerbittliche Metall kam er nicht an. Sein Magen krampfte sich zusammen, die Übelkeit wurde mit einem Schlag übermächtig. Er spürte, wie sich in seinem Mund plötzlich mehr Speichel bildete und ein saurer Geschmack stieg ihm auf. Er konnte es nicht mehr verhindern. Keuchend übergab er sich. Irgendwie schaffte er es, seine Robe nicht zu beschmutzen, nur gelegentliche Spritzer zierten seine Hosenbeine und seinen Robensaum.
Um Luft ringend sackte er erschöpft in sich zusammen, die Metallschellen scheuerten sich unbarmherzig in sein Fleisch. Schweiß stand ihm auf der Stirn und er kämpfte immer noch mit seinem Würgereflex. Sein Magen fühlte sich an wie ein brennender Klumpen, der wie ein Stein in seinem Inneren lag. Galliger Geschmack füllte seinen Mund.
„Hat man dir keinen Anstand beigebracht? Das ist wirklich widerlich!"
Im nächsten Moment traf ihn eine harte Stiefelspitze knapp oberhalb der rechten Kniekehle. Ein stechender Schmerz jagte durch sein Bein, das augenblicklich einknickte. Er konnte sich ein Stöhnen nicht verkneifen, dazu war er im Moment nicht in der Lage.
Mit blassem und verkniffenem Gesicht hing er an den Ketten, ohne die er schon längst zu Boden gegangen wäre.
„Also, noch ein letztes Mal, wo warst du in der besagten Vollmondnacht, Bestie?"
„Das.. sagte ich bereits… ich war… in der Heulenden Hü…"
Noch bevor er seinen Satz beenden konnte, prallte eine Faust gegen seine linke Gesichtshälfte und riss seinen Kopf zur Seite. Blut rann aus seiner Nase und vermischte sich mit dem Blut aus seiner Lippe. Überall jagte Schmerz durch seinen Körper, dumpfe Wellen in seinem Bauch, stechende Pein in seinem Bein und betäubender Schmerz in seinem Gesicht. Hinter seinen Schläfen begann es dumpf zu pochen.
„Schafft mir dieses Tier aus den Augen!" rief der Russe angewidert.
Hände packten seine Arme und als die Fesseln um seine Handgelenke gelöst wurden, sackte er kraftlos in diese Arme, die ihn unsanft packten und durch unzählige dunkle Gänge zerrten, die er alle nur noch am Rande seines benebelten Bewusstseins mitbekam.
„Wenn du noch länger auf diesem eiskalten Boden rumsitzt, fängst du dir noch irgendwas ein, Black!" grummelte Snape eine Weile nachdem sie Lupin geholt hatten und Black immer noch am Boden ans Gitter gelehnt dasaß und die Tür von Lupins Zelle anstarrte.
Verwundert wandte sich Sirius um. „Seit wann interessierst du dich für meine Gesundheit?" wollte Sirius wissen, aber seiner Stimme fehlte sein sonst so herausfordernder Unterton.
Das blieb Snape natürlich nicht verborgen, zu viele Wortgefechte hatte er sich mit diesem Sturkopf schon geleistet. Sein letzter Aufenthalt hier musste Black doch mehr zugesetzt haben, als er alle um sich herum glauben machen wollte.
„Werd nicht albern, Black. Ich möchte nur nicht in die unschöne Lage kommen, Albus, wenn er uns hier rausholt, erklären zu müssen, wieso du an Unterkühlung oder Fieber oder sonst noch was gestorben bist."
Es erfolgte keine bissige Antwort, stattdessen schien Black über seine Worte nachzudenken und schließlich hangelte er sich am Gitter entlang nach oben und stakste mit steifen Beinen auf seine Pritsche zu, wo er sich gegen die Wand lehnte und die Beine lang ausstreckte. Er war immer noch blass, aber wenigstens hatte er aufgehört zu zittern.
Und das war erst der erste Dementor ihres Aufenthalts gewesen. Wie würde Black die weiteren überstehen? Wie würde er selbst nach einer Weile mit ihrer Anwesenheit fertig werden? Wieder einmal verfluchte er diese Zelle. Hatten sie ihn unbedingt mit diesen beiden einsperren müssen? Wäre er allein, könnte er sich wenigstens die kleine Schwäche leisten, sein Gesicht in den Händen zu verbergen, oder sonst irgendwas, aber mit den beiden gleich nebenan wagte er es nicht. Er hatte ein Gesicht zu verlieren, doch wie lange würde ihm das gelingen?
Es war nicht leicht, gegen die zahlreichen gequälten Schreie, gegen das hoffnungsvolle Flehen und gegen die vielen panikerfüllten Augenpaare anzukämpfen, die im Dunkeln seines Verstandes auf ihn lauerten und sich auf ihn stürzten, wenn die Dementoren die Schranken seines Geistes brachen. Viel zu viele Opfer hatte er auf dem Gewissen, zu viele Menschen hatte er gequält, obwohl er es besser gewusst hätte. Wieso war er so dumm gewesen? So blind?
Und so verfiel er ins Grübeln, bis ihn irgendwann diese leidige Stimme wieder aus seinen Gedanken riss und er nicht wusste, ob er sie für die Störung verfluchen oder ihr dafür dankbar sein sollte.
„Wieso dauert das so lang?"
Snape musterte Black, der wieder die Tür zu Lupins Zelle anstarrte und dann plötzlich zu Snape wechselte.
„Woher soll ich das wissen?" gab er kühl zurück.
„Du gibst dich doch sonst als so allwissend aus, Snape." meinte Black schnippisch und ein Teil von Snape war dankbar dafür, dass sich Black offenbar noch nicht ganz aufgegeben hatte.
„Ich habe nie behauptet, allwissend zu sein. Ich sagte nur, dass dir etwas mehr Allgemeinwissen nicht schaden würde."
„Ich mach mir Sorgen um Remus." meinte Black unvermittelt und dass es so war, hörte Snape deutlich an seinem Tonfall.
„Um Lupin? Bei Merlin, er ist ein Werwolf, der hält schon was aus, Black!" gab Snape herablassend zurück, auch wenn er Black hier mal von einer anderen Seite sah, war das noch lange kein Grund, sein Verhalten ihm gegenüber zu ändern.
Black wandte seinen Blick ab und sah zu Boden. Er murmelte etwas vor sich hin, Snape war sich nicht sicher, ob er es richtig verstanden hatte, aber er glaubte, etwas wie ‚keine Ahnung' und ,verschlossenen Türen' verstanden zu haben, aber er war sich nicht sicher und Sinn ergab es auch keinen.
Doch bevor er darauf eingehen konnte, wurde Lupins Zellentür aufgerissen und zwei Wärter warfen etwas zur Tür herein, das mit einem dumpfen Geräusch und einem schmerzhaften Stöhnen auf dem Boden aufschlug. Dann knallte die Tür wieder zu.
Sofort war Black an dem Gitter zur Nachbarzelle und auch Snape konnte nicht anders und eilte zum Gitter. Was da in die Zelle geworfen worden war, hatte nur mehr entfernt Ähnlichkeit mit Lupin.
Der lag zusammengekrümmt am Boden, die Knie dicht an den Körper gezogen, eine Hand hatte er dicht an die Brust gezogen, die andere lag quer über seinem Bauch, wie bei jemandem, der Magenschmerzen hatte. Das Gesicht hatte er Richtung Boden gewandt, die Augen waren ebenso wie die Lippen zusammengekniffen und seine Züge waren blutverschmiert. Das eine Handgelenk, das man sehen konnte, war rot gescheuert. Leises Keuchen ging von ihm aus.
Snape musste zugeben, er hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit so was. Er wusste, dass das Ministerium ziemlich viel vertuschte – sogar nach dem Vorfall im Ministerium wollten sie noch leugnen, dass der Dunkle Lord zurück war – aber dass es seine Gefangenen in Askaban dermaßen menschenunwürdig behandelte, besonders jetzt, nachdem die Zauberer selbst wieder die Verwaltung und Leitung des Gefängisses übernommen und die Dementoren in gewisse Schranken gewiesen hatten. Irgendwie hatte er das nicht erwartet.
Wie konnte so was nur unentdeckt bleiben?
Aber noch ein anderer Gedanken drängte sich ihm unwillkürlich auf. Wenn sie mit einem Werwolf, der eine Frau ermordet haben sollte, schon so umsprangen, was würde ihn als entlarvten Todesser dann erwarten?
Sirius kniete sich vor dem Gitter zu Boden und betrachtete seinen übel zugerichteten Freund. Das war eine Unverschämtheit und ein Verbrechen, aber er hätte es besser wissen müssen. Immerhin hatte er bereits 12 Jahre an diesem Ort verbracht und doch hatte er noch zu hoffen gewagt? Wie verblendet war er nur gewesen?
„Remus?"
Stöhnen.
„Moony? Bitte sag doch was!"
Seine Lider flatterten langsam auf und Sirius konnte in diesen bernsteinfarbenen Augen den Schmerz und auch die Fassungslosigkeit seines Freundes erkennen.
„Sirius?" fragte Remus schwach.
„Hey!" sagte Sirius sanft.
„Hey!" gab Remus kraftlos zurück.
„Wer war das, Remus?"
„Er sagte... er heißt Rukschow… und sei Sicherheitschef…" brachte Lupin mühsam hervor.
„RUKSCHOW?" stieß Sirius ungläubig und aufgebracht hervor. Nur wer ihn gut kannte, hörte auch die Nuance Furcht heraus, die in diesem einen einzigen Wort steckte. Aber Remus war im Moment zu ausgelaugt, um mehr als kurz die Stirn zu runzeln.
„Dieses Arschloch arbeitet immer noch hier? Das… das darf doch nicht wahr sein!" schrie Sirius wütend und stampfte voller Zorn durch seine kleine Zelle, wobei er nicht nur einmal voller Inbrunst gegen die Wand trat.
Snape beobachtete diesen Ausbruch interessiert. Wer war dieser Mensch? Black kannte ihn offenbar noch von früher und seine Erinnerungen schienen nicht gerade positiver Natur zu sein, was Lupins Zustand bewies.
Mit einem Mal schien all seine Wut verflogen zu sein, Sirius eilte zurück zum Gitter und ging in die Knie. Er streckte eine Hand durch das Gitter und versuchte Lupins Hand zu erreichen, aber sein Arm war zu kurz. In seinem Gesicht spiegelte sich nur noch Sorge.
„Moony, was… was hat er dir getan?" Seine Stimme war eindringlich und Remus war gerührt von soviel Sorge, doch so schlimm war es auch nicht, also versuchte er seinen Freund zu beschwichtigen.
„Hey Tatze, ein paar Faustschläge und ein Fußtritt, nichts, was mich umbringt." Er musste husten und die Erschütterung rief die Schmerzen in seinem Bauch wieder hervor. Er verzog das Gesicht.
Sirius schien von dieser Antwort einigermaßen beruhigt. Was hat er denn erwartet? fragte sich Remus. Unverzeihliche Flüche?
„Moony, du solltest von diesem kalten Boden runter. Schaffst du es auf die Pritsche?"
Remus wandte sich etwas um, bis er die Pritsche aus den Augenwinkeln sah. „Es muss gehen, oder?"
Stöhnend erhob er sich auf seine Knie, oder besser gesagt auf ein Knie, das rechte Bein weigerte sich überaus schmerzhaft gegen jede Art von Bewegung. Die Übelkeit kehrte zurück, wenn auch nicht so schlimm. Sein Blickfeld war etwas verschoben, sein linkes Auge begann langsam zuzuschwellen. Auch seine Lippe war bereits dicker.
Als Sirius das Gesicht seines Freundes vollständig sah, da entfachte sich irgendwo in ihm ein Feuer. Und dieses Feuer war Wut. Niemand hatte das Recht, seinen Freund so zuzurichten. Seine linke Gesichtshälfte war bereits größtenteils blau und begann anzuschwellen, seine Nase, die Lippen, das Kinn und teilweise der Hals waren blutverkrustet.
„Lass dir Zeit, Remus."
Stück für Stück robbte sich Remus auf die Pritsche zu. Im Nachhinein wusste er nicht mehr, wie er es auf die Holzliege geschafft hatte, aber er lag oben. Eine Hand auf seinen immer noch verkrampften Magen gelegt, die andere ruhte auf seiner Stirn, als hätte er Kopfschmerzen, was Sirius nicht wundern würde.
„Ruh dich eine Weile aus, Moony."
Sirius wandte seinen Blick Snape zu, der immer noch am Gitter stand und Lupin beobachtete. Allein dessen Gesichtsausdruck genügte Sirius als Bestätigung dafür, dass auch er entsetzt über Remus' Zustand war, auch wenn man es ihm nicht so deutlich ansah. Mehr brauchte er gar nicht zu wissen.
Eine Weile später, vielleicht eine Stunde, das war schwer zu schätzen, wurden die Türen aufgerissen, diesmal alle drei. Je ein Wärter stellte schnell einen Krug Wasser und eine Schale mit einer undefinierbaren, hellbraunen Pampe in jede Zelle. Noch bevor sie wussten, wie ihnen geschah, waren auch schon alle Türen wieder geschlossen.
Sirius eilte zur Tür, inspizierte das Wasser und trank einen Schluck. Es war in Ordnung und er hatte Durst. Er nahm Schale und Wasserkrug mit zu seiner Pritsche.
„Das soll ich essen?"
Sirius konnte sich den Anflug eines Grinsens nicht verkneifen, als er Snapes angewiderte Stimme hörte und sah, wie er seine Schale mit spitzen Fingern hielt und skeptisch die Pampe beäugte. Doch das Grinsen verflog schnell wieder.
„Ja allerdings. Und ich würde dir raten, genieß es."
„Willst du mir irgendwas sagen, Black, oder willst du dir nur die Genugtuung verschaffen, mir dabei zuzusehen, wie ich diesen Baatz runterwürge?" Snape hatte sich inzwischen wieder hingesetzt und vorsichtig einen Schluck Wasser gekostet. Es schmeckte abgestanden, aber es war nur Wasser.
„Du weißt hier nie, wann du das nächste Mal was zum Essen kriegst. Morgen? In einer Woche? In zwei Wochen? Also wenn etwas kommt, dann iss es."
Snape setzte gerade dazu an, etwas zu sagen, doch Sirius schnitt ihm das Wort ab.
„Und wenn du jetzt sagen willst, dass man für diesen Fall doch besser etwas aufheben sollte, vergiss es. Das Essen wird dir in spätestens einer halben Stunde wieder genommen."
Snape schloss seinen Mund wieder und dachte nach.
„Was ist mit dem Wasser?"
„Das bleibt hier. Normalerweise wird das täglich erneuert. Vermutlich, damit es nicht ganz so menschenunwürdig erscheint."
Snape wandte sich wieder seinem sogenannten Essen zu. Doch Sirius hatte mit einem Mal etwas Wichtigeres vor Augen.
„Remus?"
Keine Antwort.
„Remus!" Diesmal versuchte er es drängender, doch Lupin reagierte nicht.
„Was hältst du von der Idee, wenn du ihn einfach schlafen lässt?" fragte Snape sarkastisch und im ersten Moment war Sirius zu perplex, dass Snape gerade einen Vorschlag zu Remus' Wohlergehen gemacht hatte, um ihm etwas darauf zu entgegnen. Aber eben nur im ersten Moment.
„Das würde ich liebend gerne, aber hast du mir überhaupt nicht zugehört? Dieses Essen ist bald wieder weg und er ist sowieso schon geschwächt durch dieses sogenannte Verhör. Da kann es nicht schaden, wenn er etwas zur Stärkung bekommt, oder? Vielleicht kriegen wir die nächste Pamperation erst in einer Woche oder noch später."
Snape runzelte die Stirn und zuckte mit den Achseln. Dann wandte er sich wieder seinem Essen zu. Mehr Zustimmung hätte Sirius von ihm auch nicht erwartet.
„Remus! Wach auf!" Inzwischen war er wieder an den Gittern.
Immer noch nichts.
„Verdammt noch mal!" fluchte er und ließ seinen Kopf gegen die Gitterstäbe sinken. Er rutschte zwischen zwei Stäbe und blieb erst an seinen Ohren hängen. Und plötzlich hatte er eine Idee. „Aber klar! Mehr als schief gehen kanns nicht!" rief er aufgeregt, so dass Snape sich wieder von seinem Baatz, den er inzwischen schon widerstrebend probiert hatte, abwandte.
„Was ist jetzt schon wieder?" fragte er genervt, konnte aber eine gewisse innere Neugier nicht verleugnen.
Doch er erhielt keine Antwort, stattdessen verwandelte sich Black vor seinen Augen in diesen furchtbaren, struppigen, schwarzen Köter. Der ging auf die Gitterstäbe zu und zwängte seinen Kopf dazwischen durch, was erstaunlich gut ging, bei den Schultern musste er sich ein bisschen verbiegen, aber auch die waren bereits auf der anderen Seite, das Becken folgte kurz darauf. In Lupins Zelle angekommen, verwandelte sich der Köter zurück in Black, der ein triumphierendes Grinsen zur Schau stellte. Snape wäre beinahe der kleine Holzlöffel, der in der Pampe gesteckt hatte, zu Boden gefallen.
„Es hat funktioniert!"
Sirius konnte es selbst kaum glauben. Doch das hatte Zeit bis später, jetzt hatte er wichtigeres zu tun, und das vor allem, bevor die Wachen zurückkamen, denn wenn sie ihn in der Nachbarzelle erwischten, dann hatte er ein gewaltiges Problem! Also hielt er die Ohren offen, sobald er Schritte vernehmen würde, war er hier weg. Aber das war noch nicht jetzt.
Er kniete sich neben der Pritsche auf den Boden und betrachtete Remus einen Augenblick lang. Trotz seines übel zugeschwollenen Gesichts waren seine Gesichtszüge entspannt. Der Schmerz schien ihn nicht bis in den wohlverdienten Schlaf zu verfolgen. Das Blut in seinem Gesicht war mittlerweile angetrocknet. Er schlief so friedlich, Sirius haderte mit sich. Sein Freund hatte sich diese Ruhe verdient, aber er brauchte auch etwas Stärkendes zwischen die Zähne. Doch er konnte das Unvermeidliche hinauszögern.
Er ging zur Tür und holte Wasserkrug und die Schale mit dem hellbraunen Zeugs zur Pritsche, dann griff er nach einer Ecke des Lakens und riss ein Stück davon ab. Langsam und bedacht, schließlich wollte er ja nichts vergeuden, schüttete er etwas Wasser darüber. Jetzt machte er sich daran, ganz vorsichtig das verkrustete Blut von Remus Gesicht zu waschen. Es war ziemlich hartnäckig, dennoch regte sich Remus erst, als er beinahe fertig war. Seine Augen öffneten sich langsam und sahen sich etwas verwirrt um, als wüsste er nicht recht, wo er war. So war er selbst hier anfangs auch oft aufgewacht.
„Sirius?" fragte er etwas verwirrt und wollte sich aufsetzen, sank aber gleich wieder leise stöhnend zurück und fasste sich an die Stirn.
„Kopfschmerzen?" fragte Sirius und wischte auch das letzte bisschen Blut ab, dann legte er den Lappen unter die Pritsche, wer wusste schon, ob sie ihn noch brauchen würden.
Remus nickte auf seine Frage nur leicht, bis ihm plötzlich etwas bewusst wurde.
„Was machst du hier?" fragte er perplex.
„Ich? Ich bin zu lebenslänglich Askaban verurteilt worden, schon vergessen?" Sirius' Witz wirkte nicht einmal halb so scherzhaft, wie er das beabsichtigt hatte.
„Nein, ich meine hier drin, bei mir!"
„Sagen wir so, Schnuffel ist kleiner und gelenkiger als ich." Sirius grinste.
Remus schüttelte langsam und ungläubig, aber lächelnd den Kopf. „Ich glaubs nicht. Du passt da durch?"
Sirius nickte. „Soviel zum Thema, man muss zuschauen, wenn die Mitgefangenen umgebracht werden."
Da mischte sich auch wieder eine dunkle, kühle Stimme aus dem Hintergrund ein. „Wenn sie dich umbringen sollten, müssen wir immer noch zuschauen, oder?"
„Könnt ihr das bitte lassen? Das ist mir grad ein bisschen zuviel Galgenhumor." meinte Remus mit resigniertem Gesichtsausdruck. Das schien Sirius auch wieder zurück zum Grund seines Zellenwechsels zurückzubringen.
„Moony, du solltest etwas trinken und ein bisschen was essen."
Remus zog die Stirn kraus.
„Sie haben grade eben was reingestellt." erklärte Sirius, was die Stimme aus dem Hintergrund gleich wieder kommentieren musste.
„Ja, es hat die Farbe von Durchfall und die Konsistenz von Bubotubler-Eiter, abgesehen von den Bröckchen. Aber immerhin ist es so ziemlich geschmacksneutral." meinte Snape trocken.
„Ich helf dir beim Aufsetzen!" meinte Sirius und Remus war ihm dafür mehr als dankbar. Die Bewegung brachte den Schmerz in seinem Bein zurück und auch den Kopfschmerz, aber wenigstens sein Magen schien sich größtenteils beruhigt zu haben. Als er endlich saß, lehnte er sich mit geschlossenen Augen zurück. Das war alles so surreal.
Sirius hielt ihm den Wasserkrug hin und dankbar für etwas Flüssigkeit trank er ein paar kleine Schlucke. Jeder einzelne Schluck brannte in seiner Kehle, aber immerhin verschwand langsam der saure Geschmack aus seinem Mund. In seinem Magen gluckerte es und ihm wurde wieder ein bisschen übel.
„Du solltest was essen, Moony."
„Ich… ich kann jetzt nichts essen, Tatze. Später vielleicht."
„Du verstehst nicht, in zwanzig Minuten oder weniger holen sie dieses Essen wieder ab und ich kann dir nicht sagen, wann sie sich das nächste Mal dazu bequemen, uns etwas Essbares zu bringen. Es können Tage vergehen, oder eine Woche. Und du brauchst etwas, dass dich ein bisschen stärkt, nach allem…" Sirius versuchte sich zu erklären und sah seinen Freund aufmunternd an, doch der schüttelte nur leicht den Kopf.
„Ich… ich weiß nicht, ob ich etwas runter bringe… oder ob das so klug ist… ich…" Das bisschen Wasser rumorte in seinem Magen und er wurde sich gerade dem Restgeschmack nach Erbrochenem in seinem Mund so richtig bewusst.
„Bitte Moony, nur ein bisschen was. Es schmeckt wirklich nach nichts. Mach einfach die Augen zu und stell dir vor, es wäre Apfelkompott oder so was."
Remus konnte es nicht ertragen, wenn Sirius ihn so ansah. Er wusste, sein Freund wollte nur das Beste für ihn und er wusste auch, dass Sirius Recht hatte. Er würde es einfach versuchen.
„Gib schon her, du Nervensäge!"
Sirius lächelte. „Na also!" Er gab ihm die Schale und Remus wusste plötzlich was Severus gemeint hatte. Dieses Zeug sah wirklich über die Maßen widerlich aus. Er schluckte trocken. Langsam nahm er einen kleinen Löffel und schloss die Augen, doch das half nicht viel. Widerwillig schob er den Löffel in den Mund und kaute auf den größeren Bröckchen herum. Es schmeckte wirklich nach nichts und dennoch überdeckte es den sauren Geschmack von zuvor. Er schluckte es hinunter und nahm noch einen Löffel. Vielleicht war es wirklich gut, etwas zu essen.
Doch nach zwei weiteren Löffeln krampfte sich sein Magen zusammen, seine Hände begannen leicht zu zittern und er stellte die Schale und den Löffel schnell neben sich ab. Sirius runzelte die Stirn und sah ihn besorgt von unten herauf an.
Alles in seinem Inneren rumorte und wand sich, Übelkeit stieg in ihm auf, schien von seinem Magen aus nach oben zu brodeln und zum zweiten Mal heute machte sich dieser saure Geschmack in seinem Mund breit.
Schnell sprang er auf, den grausam stechenden Schmerz in seinem Bein ignorierend, obwohl es leicht einknickte. Humpelnd und gebeugt hastete er in die Ecke neben der Tür und ließ sich zu Boden fallen. Gerade noch rechtzeitig schaffte er es, den Deckel des Eimers zur Seite zu schieben, als sich sein Magen auch schon krampfartig entleerte. Jedes Würgen schmerzte, ließ seine Arme zittern, mit denen er sich an der Wand abstützte. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn und er hatte das Gefühl nicht genug Luft zu bekommen. Er wusste nicht, ob er sich noch lange würde halten können, aber sein Magen protestierte noch immer und er konnte einfach nicht aufhören zu würgen.
Da spürte er plötzlich einen starken Arm, der sich um seinen Brustkorb schlang und ihm Halt gab, die andere Hand legte sich auf seine Stirn und hielt seinen Kopf, als er noch einen Schwung Galle hervorwürgte.
„Ich hab dich!" hörte er Sirius' beruhigende Stimme irgendwo nicht allzu weit weg von seinem Ohr. Er musste husten, wobei er seine linke Hand auf den schmerzenden Bauch presste. Keuchend schnappte er nach Luft.
„Ganz ruhig, Moony. Ruhig."
Sirius Hand strich ihm beruhigend über die Haare und als er bemerkte, dass sein Freund aufgehört hatte zu würgen, zog er ihn von dem Eimer weg und lehnte ihn gegen die Wand. Er war wieder käseweiß im Gesicht und ein paar seiner Haarsträhnen klebten ihm nass auf der Stirn. So erschöpft und erschlagen wie er im Moment aussah, kannte er ihn eigentlich nur nach Vollmondnächten. Als er sicher war, dass Remus nicht umkippen würde, eilte er schnell zurück und holte den Krug.
„Hier, spül dir den Mund aus."
Dankbar nahm Remus einen Schluck und spuckte das Wasser in den Eimer. Dann versuchte er es noch mal mit einem kleinen Schluck zum Trinken.
Sirius stellte den Krug zur Seite und legte den Deckel zurück an seinen Platz.
„Danke!" murmelte Remus leise und erschöpft.
„Ich hätte dich nicht zum Essen zwingen sollen, Moony. Es ist meine Schuld, ich…" Aber Remus unterbrach ihn, mit einem leichten Kopfschütteln. „Ich hätte ja nichts essen müssen, oder?" Remus lächelte schwach. „Das mit dem Essen… lass ich lieber erstmal. Ihr solltet euch meine Portion teilen. Wer weiß, wann sie wieder was bringen."
„Aber…"
„Nichts aber, Tatze! Du lässt doch sonst kein Essen zurückgehen. Na los, nimm schon und gib Severus auch was."
„Möchtest du zurück, dich hinlegen?" lenkte Sirius vom Thema ab.
Remus schüttelte leicht den Kopf. „Sitzen tut gerade ganz gut. Und jetz iss!"
Sirius versicherte sich noch mal, dass sein Freund es auch wirklich ernst meinte, dann nahm er die Schüssel und ging hinüber zu Snape. „Na los, komm schon her. Nachschlag!"
Snape hatte natürlich alles mitbekommen. Er hatte zwar mit vielem gerechnet, aber nicht mit dem, was gerade geschehen war. Sie hatten Lupin übel zugesetzt, aber er blieb bei seiner Meinung, der Werwolf war zäh. Und nicht dumm. Er selbst hätte vermutlich dieselbe Entscheidung gefällt, so war das Essen wenigstens zu etwas gut. Auch wenn er wirklich nicht scharf auf noch mehr davon war.
„Ich kann es kaum erwarten!" Seine Stimme triefte geradezu vor Sarkasmus.
Black schob ihm durchs Gitter die Hälfte der Pampe in seine leere Schale, dann machte er noch mal Anstalten, bei Lupin zu bleiben, bis der ihn so energisch wie eben noch möglich zurück in seine Zelle kommandierte, wo er schließlich anfing, selbst zu essen. Schon kurz drauf hörten sie die Schritte der Wärter. Hastig schlang Sirius auch den Rest hinunter und stellte Lupins Schüssel hinüber in die andere Zelle.
Die Türen flogen auf, je ein Wärter mit gezücktem Zauberstab trat ein, holte die Schüssel und auf dem Weg nach draußen warfen sie jeweils noch einen Blick in den Eimer an der Tür. Der Kerl in Lupins Zelle verdrehte angewidert die Augen und bedeutete seinen Kollegen, dass er gleich nachkam. Mit einem Wink seines Zauberstabs leerte er den Eimer und verschwand dann mit einem letzten, angeekelten Blick auf Remus.
„Ich muss zugeben, ich hätte nicht gedacht, dass hier soviel Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt wird." wunderte sich Snape mit Blick auf die Eimer an den Türen.
„Träum weiter Snape!" entgegnete Sirius überheblich. „Die werden nur kontrolliert, wenn Essen gebracht wird. Den Rest kannst du dir wohl selber zusammenreimen."
Gegen seinen Willen rümpfte Snape die Nase bei der Vorstellung.
Nach einer Weile mühte sich Lupin zurück auf seine Pritsche, lehnte dabei aber jede Hilfe von Sirius kategorisch ab mit der Begründung, er könne nicht wegen jeder Kleinigkeit durch die Zellen hüpfen, das wäre zu riskant. Er war schon bald darauf erschöpft eingeschlafen, noch bevor eine Weile später wieder ein Dementor seine Runde drehte.
Sirius hatte Remus nicht aus den Augen gelassen. Er musste für ihn da sein, konnte ihn jetzt nicht allein lassen, und das hatte ihm Kraft gegeben, dem Angriff auf seine Psyche standzuhalten. Wie Remus es ihm zuvor geraten hatte, hatte er sich auf Dinge konzentriert, die neutral waren oder Gefühle geschürt hatten, die man nicht als positiv bezeichnen konnte. Als er weg war, hatte Remus noch blasser ausgesehen und sein Atem war stoßweise gegangen. Auch Snape hatte nicht mehr ganz so abgebrüht und unerschütterlich gewirkt. Es war ihm nicht mehr gelungen, Remus noch mal zu wecken, also ließ er ihn schlafen, in der Hoffnung, dass der Dementor sich nicht dauerhaft auf seine Träume auswirkte.
Irgendwann später war dann mit einem Schlag jegliches Licht weg und Snape und Sirius standen vollkommen im Dunkeln. Man konnte sich nur noch auf seine anderen Sinne verlassen, denn die Augen waren absolut nutzlos. Auch nach einer Weile wurde es nicht besser, weil es keinerlei Restlicht gab, an das sich die Augen gewöhnen konnten.
„Das soll dann wohl heißen ‚Stellt die Unterhaltungen ein und legt euch gefälligst schlafen'." kommentierte Snape trocken. Er hatte sich zum Glück bereits auf seiner Pritsche ausgestreckt und mit Blick zur Decke gegrübelt.
„So ungefähr! Autsch, verdammt!" Sirius war gerade auf und ab gelaufen, als es plötzlich dunkel wurde. Zuerst war er vor Schreck und Orientierungslosigkeit gegen das Gitter gelaufen und hatte sich die Stirn gestoßen und jetzt war er auf der Suche nach seiner Pritsche mit dem Schienbein gegen das Holz gelaufen.
„Probleme, Black?"
„Halt die Klappe!"
„Ich würde vorschlagen, in Anbetracht der momentanen Situation, sollten wir uns wohl am besten den Gegebenheiten anpassen und auch versuchen zu schlafen."
„Welch weise Worte!"
Doch so einfach war es nicht. Als Snape endgültig schwieg, war es still, zu still. Dazu die Dunkelheit und das Wissen, dass er zurückgekehrt war an jenen Ort des Grauens, den er am liebsten vergessen würde – was ihm aber wohl nie gelingen würde.
Mit einem Mal schien sich die Dunkelheit schwer auf ihn zu legen, ihn zu erdrücken, ihm die Luft zum Atmen zu nehmen. Die Stille blockierte seine Sinne, lähmte seinen Geist. Mit einem Mal hatte er das Gefühl, als wäre er allein, schrecklich allein, er war wieder zurück in seiner kleinen Zelle, wo er tagein tagaus das fristete, was er nun sein Leben nannte. Er begann zu zweifeln. War er wirklich jemals fort gewesen? Hatte er sich das alles nur eingebildet? Wurde er wirklich langsam verrückt?
Nein, NEIN verdammt! Energisch schüttelte er den Kopf, als wolle er damit die Stille vertreiben, die seine Ohren belegte.
Du bist nicht allein Sirius! Remus ist hier, ja sogar Snape ist hier. Du bist nicht allein!
Doch auch das half ihm nicht übermäßig weiter, irgendwo in ihm drin war da diese kleine Stimme, die alles hinterfragte, was er sich sagte. Die an allem zweifelte.
‚Wenn du nicht allein bist, wieso kannst du sie dann nicht hören?'
Verzweifelt hielt er sich die Ohren zu, doch das brachte die Stimme nicht zum Schweigen.
Plötzlich riss er die Augen auf. Wie konnte er nur so dumm sein?
Noch bevor er groß überlegen konnte, verwandelte er sich in seine Animagusform. So hatte er es schon damals gemacht. Wenn ihm die Dementoren zuviel wurden oder er mit seinen eigenen Gedanken nicht mehr klarkam, hatte er sich in Tatze geflüchtet. Seine Gedankengänge waren simpler, viel einfacher, weder Dementoren noch sein eigener Geist konnten ihm dort übermäßig viel anhaben. Natürlich, er war dort nicht absolut sicher, aber wenigstens wesentlich geschützter als in seiner menschlichen Form.
Der Hund rollte sich auf der Pritsche zusammen und legte seinen Kopf auf die Vorderpfoten. Aufmerksam stellte er die Ohren auf und lauschte.
Da waren sie. Regelmäßige Atemzüge, die sich überschnitten, dann gegeneinander erklangen, um schließlich wieder gleichförmig zu werden. Die Atemzüge zweier Menschen, die nicht im selben Rhythmus atmeten.
Sie waren beide hier. Remus und Snape. Er konnte sie hören und er konnte sie riechen. Snapes ihm eigener Geruch, herb und mit einem Hauch seines letzten Zaubertrankes vermischt, und Remus, den er aus tausend Menschen ohne Zweifel erkennen würde. Er roch nach seinem Rasierwasser und ein bisschen nach Wolf, und im Moment auch nach Blut und Erbrochenem. Sie waren hier, er war nicht allein. Das war alles, was für den Hund zählte. Auf seine Sinne konnte er sich verlassen, mehr musste er nicht wissen.
Er legte seine Ohren enger an, aber nie ganz, so unvorsichtig war er nicht. Er wollte doch wissen, wenn sich jemand näherte, er musste die anderen warnen.
Mit einem Hundeseufzer schloss er die Augen.
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