Und wieder ein neues Kapitel. Schließlich will man ja auch wissen, wie der Orden auf das ganze Debakel reagiert!
Viel Spaß!
Neue Einblicke und alte Fehler
Und wieder wo anders, 8 Uhr morgens…
„Wo bleiben die zwei denn?" fragte Moody ungeduldig. Sein Holzbein klopfte unruhig auf den Boden, sein magisches Auge war durch seinen Hinterkopf gerichtet, direkt auf die Haustür.
„Ich sagte doch, ich hab sie nicht direkt erreicht, ich konnte ihnen nur eine Nachricht hinterlassen." verteidigte sich Bill Weasley. Der sonst so gefasste junge Mann, der es mit jedem Abenteuer aufnahm, wirkte nervös. Auch seine beiden Brüder, Fred und George, wirkten ungewöhnlich ernst.
„Tonks fehlt auch noch." bemerkte Hestia Jones, eine kleine unscheinbare Hexe mit schwarzem Haar und einem runden Gesicht mit rosa Wangen.
„Tonks ist oben und spricht noch mit Ron, Hermine und Ginny. Sie müsste jeden Moment runter kommen." meinte Dumbledore.
„Was ist mit Charlie?" wollte Kingsley Shacklebolt wissen.
„Charlie kann erst in zwei oder drei Tagen nachkommen." erklärte George. „Einer seiner Kollegen war unvorsichtig und hat einen Drachen nicht richtig angekettet. Es wurden wohl einige ziemlich übel verletzt. Jedenfalls brauchen sie da unten jetzt jeden Mann. Charlie meinte, es wäre das totale Chaos. Aber er kommt, so schnell er kann."
Es war eng im Wohnzimmer ihres neuen Hauptquartiers in Spinner's End. Moody hatte Dumbledore offen als verrückten alten Mann bezeichnet, als dieser Snapes altes Zuhause vorgeschlagen hatte. Und doch war es die logischste Alternative. Die Häuser der Mitglieder des Ordens waren zu offensichtlich, dasselbe galt für Verwandte. In Snapes Haus jedoch war alles verwüstet gewesen, als Dumbledore den Ort untersucht hatte; die Todesser waren bereits hier gewesen und hatten das Haus auf den Kopf gestellt und nach allem gesucht, was ihnen nützlich erschien, vermutlich um einen Plan auszuhecken, Snape die Rache angedeihen zu lassen, die er ihrer Meinung nach verdient hatte. Was ihnen ja auch gelungen war. Bisher.
Niemand würde sie hier suchen, niemand würde erwarten, dass sie ihr Quartier ausgerechnet in Snapes ‚Zuhause' bezogen.
Außerdem war dieser Ort bereits von starken Schutzzaubern umgeben und in dieser schäbigen Gegend fielen ein paar seltsame Gestalten, die des nachtens umherschlichen nicht auf. Dieser Ort war zwar nicht unbedingt einladend, aber es war sauber und ordentlich, wenn auch nicht wohnlich oder gar gastlich. Man musste auch keine schwarzmagischen Dekorationsstücke befürchten, die einen ansprangen, wie am Grimmauldplatz. Dafür bot ihr neues Hauptquartier noch weniger Platz als das alte.
Die anwesenden 13 Leute saßen dicht gedrängt in dem kleinen, nur mäßig beleuchteten Wohnzimmer auf herbeigezauberten Stühlen, der veralteten Couch oder dem dazugehörigen Sessel. Andere, wie Moody, lehnten an einem der Bücherregale, die ausnahmslos jede freie Wand bedeckten und Hagrid hockte vor dem Wohnzimmer zusammengekauert im Flur. Es war jetzt schon furchtbar eng, dabei fehlten noch drei.
„Ah, da kommen sie!" grummelte Moody.
Minerva, die am nächsten an der Tür stand, ging nach draußen, quetschte sich so galant wie möglich an Hagrid vorbei und öffnete den beiden die Haustür. Kurze Zeit später standen Molly und Arthur Weasley auch im Wohnzimmer. Arthur war etwas blass und bei der Versammlung von Mitgliedern des Phönixordens vor sich, wurde sein schlechtes Gefühl nur noch schlimmer.
„Wieso treffen wir uns hier?" fragte er zögerlich, unsicher, ob er die Antwort wissen wollte.
Mollys Wangen waren gerötet, offensichtlich hatten sie sich ziemlich beeilt, hierher zu kommen. Aber als sie jetzt in das ihr fremde Wohnzimmer blickte, da blieb ihr fast das Herz stehen. Instinktiv griff sie nach Arthurs Arm und hielt sich an ihm fest.
„Oh bei Merlin, es ist etwas Schreckliches passiert, nicht wahr? Ich hab doch gleich gesagt, wir sollen nicht wegfahren, Arthur. Wir hätten hier bleiben sollen."
„Beruhig dich Molly." Dumbledore war aufgestanden und führte Molly jetzt zu seinem Stuhl, damit sie sich setzen konnte, Arthur platzierte sich hinter ihr und legte seine Hände beruhigend auf ihre Schultern. „Ihr hattet einen Hochzeitstag zu feiern." Für Dumbledore schien das Grund genug zu sein. Die Weasleys hatten eigentlich gar nicht feiern wollen, aber Dumbledore hatte darauf bestanden, dass sie sich ein paar Tage Urlaub von all diesem Elend hier gönnten.
Plötzlich blickte Molly mit schreckgeweiteten Augen auf und starrte Albus an. „Ist Harry etwas geschehen? Ist den Kindern was passiert? Ron, Ginny? Hermine? Wo sind sie überhaupt? Hier oder im Haus von Sirius?"
„Habt ihr heute Morgen nicht die Zeitung gelesen?" fragte Emmeline Vance, eine stämmige Hexe, ungläubig.
„Nein," antwortete Arthur etwas steif, „wir wollten in diesen paar Tagen wirklich Urlaub machen. Keine schlechten Nachrichten hören oder lesen. Was… was ist passiert?"
Dumbledore atmete einmal tief durch, dann schaute er Molly und Arthur ernst an. „Erstmal: den Kindern geht es gut, sie sind oben in einem der Schlafzimmer und Harry ist bei seinen Verwandten." Er räusperte sich leise, während Molly erleichtert aufatmete. „Gestern Vormittag wurden Sirius, Severus und Remus von Fudge persönlich verhaftet und nach Askaban gebracht."
Molly riss die Augen auf, Arthur runzelte die Stirn, sein Mund stand ungläubig offen.
„Was?" fragten beide wie aus einem Mund.
Dumbledore nickte. „Ein Zeuge hat Severus bei seinem letzten Einsatz gesehen und identifiziert und ein fünfzehnjähriges Mädchen, Clarissa Aibly, sie war in Ravenclaw, ist beim letzten Vollmond von einem Werwolf getötet worden. Am Tatort haben sie angeblich Haare von Remus gefunden. Es schien so, als hatte er auch erwartet, Sirius bei uns vorzufinden, als hätte er gewusst, wo er suchen muss. Am ersten September ist die Verhandlung. Sirius erwartet der Kuss der Dementoren, und die Eltern des Mädchens fordern für Remus dasselbe. Severus erwartet vermutlich eine lebenslange Haftstrafe in Askaban, wenn nicht auch dasselbe wie die anderen beiden."
Ein erstickter Laut kam über Mollys Lippen bevor sie ihre Hände vor ihren Mund schlug. Sie war nicht besonders gut auf Sirius zu sprechen, und Snape war ihr auch immer etwas unheimlich gewesen, aber Askaban! Der Kuss der Dementoren! Das war einfach nur schrecklich! Arthur ließ den Kopf sinken und schloss die Augen. „Bei Merlin."
Genau in diesem Moment ging die Tür auf und Tonks kam herein. Möglichst unauffällig mischte sie sich unter die anderen und hockte sich aufs Fensterbrett, die Füße baumelnd in der Luft. Auch sie hatte heute Morgen den Tagespropheten gelesen und wusste, was ihren Cousin und die anderen beiden erwartete. Sie mussten das unbedingt verhindern.
„Und was diesen Ort angeht, ihr wisst noch, dass wir über ein neues Versteck für den Orden nachgedacht haben, nachdem Snape Voldemort entkommen konnte. Nun, dies ist das Haus seiner Eltern, Snapes Eltern. Und bis auf weiteres werden wir uns hier treffen."
Als Fugde gestern wieder verschwunden war, hatte Dumbledore keine Zeit verloren, sondern sofort gehandelt. Er hatte Minerva losgeschickt, um sämtliche Mitglieder des Ordens zu verständigen, dass sie heute hier sein sollten. Außerdem hatte sie Remus' Vater persönlich vom Geschehenen berichtet, er sollte es nicht aus der Zeitung erfahren. Moody und Tonks waren sofort aufgebrochen und hatten versucht, so viele Informationen zu sammeln, wie nur möglich. Wer war der Zeuge? Wo waren die Kinder, die Severus gerettet hatte? Wo wohnte die Familie von Clarissa Aibly? Und lauter solche Dinge. Dumbledore selbst hatte zuerst versucht, Informationen zu beschaffen, dann hatte er versucht, noch mal mit Fudge zu sprechen, aber erfolglos. Anschließend hatte er Bücher gewälzt, in der Hoffnung irgendwo einen Paragraphen im Magischen Recht zu finden, der es nicht zuließ, dass Verdächtige bis zur Verhandlung nach Askaban gebracht wurden. Doch auch hier war er erfolglos. Zu seiner Schande musste er gestehen, dass ihm erst gegen Abend einfiel, dass Harry noch gar nichts davon wusste, aber in einem Brief hatte er es ihm auch nicht mitteilen wollen, das war etwas, dass er persönlich überbringen sollte.
Dumbledore wandte sich jetzt an Moody und Tonks. „Was konntet ihr in Erfahrung bringen?"
Moody knurrte. „Fürs erste genug. Der Typ, der Snape beobachtet haben will, heißt Thomas Wemdon, 29 Jahre alt, war mal in Hufflepuff. Wohnt Strawberry-Lane 17 in Harrington, unmittelbar neben Leopold Scruvella, unserem Opfer. Wemdon ist Schriftsteller. Absolute Schundliteratur. Lächerliche Liebesromane und drittklassige Krimis. Gräßlich! Er ist verlobt mit einer gewissen Yakani Hamoto, arbeitet im Ministerium im Kommando für verunglückte Magie. Sie war zum besagten Zeitpunkt in Irland auf einer Fortbildung. Scruvellas Kinder, Jakob und Emily, sind gleich nach dem Überfall von ihrer Mutter zu sich geholt worden. Die beiden lebten getrennt. Ihr Name ist Julia Smith, Amerikanerin. Sie hat ihm die Kinder überlassen, weil sie sich ihrer Karriere widmen wollte. Aber über ihren Beruf ist nichts bekannt. Ihre Adresse konnte ich nicht rausbekommen, nur, dass sie in Chicago wohnt."
Dumbledore nickte anerkennend. Er wusste, dass er sich auf seine Leute verlassen konnte und wenn er schnelle Informationen brauchte, dann musste man nur Mad-Eye Moody drauf ansetzen. „Was ist mit Clarissa?"
„Dafür war Tonks zuständig."
Alle Augen wandte sich der jungen Hexe mit den bonbonrosa Haaren zu. „Ja, genau. Also Clarissas Eltern sind Margarete und Carlton Aibly. Ihre Mutter ist ein Muggel und arbeitet in einer Supermarktkette, ihr Vater ist Bestattungsunternehmer. Sie waren in Rom, Clarissa war zum ersten Mal allein zuhause. Die Nachbarin, Linda Grimson, eine ältere Dame, ebenfalls Muggel, sollte ein Auge auf Clarissa haben, doch sie stürzte in ihrer Wohnung und wurde ins Krankenhaus gebracht. Das Mädchen war also zum Tatzeitpunkt allein. Die anderen Nachbarn, die Familie Wickword, war auf den Bahamas. Die Aiblys wohnen Rickfield-Path 6 in Scatwick. Momentan ist die Leiche des Mädchens noch in St. Mungos, morgen Nachmittag findet die Beerdigung statt."
Dumbledore nickte wieder. Er überlegte eine Weile, dann wandte er sich an alle.
„Wir haben nur 13 Tage Zeit, um die Unschuld von drei Menschen zu beweisen. Und unschuldig sind sie. Ich hoffe, dass niemand von euch daran zweifelt." Von den meisten kam eifriges Kopfschütteln zurück, Fred und George hoben unauffällig die Augenbrauen – ihre Gedanken dabei galten Snape – nur Moody und Mundungus grummelten etwas Unverständliches vor sich hin. Dumbledore nahm Mundungus' Murmeln als Zustimmung, bei Moody glaubte er undeutlich die Worte ‚einmal Todesser immer Todesser' gehört zu haben, aber er kannte Moody gut genug, um zu wissen, dass der Ex-Auror trotz persönlicher Differenzen alles in seiner Macht stehende tun würde, um Severus vor diesem Schicksal zu bewahren.
„Wir müssen beweisen, dass Remus nicht am Tatort war, oder aber einen Beweis dafür finden, dass er zum Tatzeitpunkt in der Heulenden Hütte war. Wir müssen beweisen, dass Severus ein Spion ist. Die Aussage der Kinder könnte hierbei von Nutzen sein. Und was wohl am Schwierigsten wird, wir müssen beweisen, dass Sirius die Morde und den Verrat, wofür er verurteilt wurde, nicht begangen hat."
„Aber wir wollen wir das anstellen, Albus?" fragte Minerva mit einem Hauch Verzweiflung in der Stimme.
„Wir müssen Peter Pettigrew finden!"
Die meisten keuchten auf, überall wurde Gemurmel laut, das Dumbledore aber sofort unterbrach, indem er Aufgaben zuteilte.
„Es gilt keine Zeit zu verlieren. Ich brauche zwei von euch, die nach Amerika reisen und nach diesen Kindern suchen."
„Das mach ich." meldete sich Hestia Jones.
„Und ich." rief jetzt auch Bill.
„Okay, Bill, Hestia, ich will, dass ihr die Kinder findet und bringt in Erfahrung, was sie wissen und ob uns das weiterhilft. Sprecht mit der Mutter. Wir brauchen diese beiden im Notfall als Zeugen. So ungern ich das den beiden auch zumuten möchte."
Es ging noch eine Weile so weiter, bis schließlich alle Aufgaben verteilt waren. Kingsley Shacklebolt und Emmeline Vance würden noch mal mit diesem Thomas Wemdon sprechen und sich bei Gelegenheit auch noch den Ort des Todesserüberfalls anschauen, vielleicht fanden sie ja etwas. Moody und Arthur würden dasselbe bei den Aiblys machen. Tonks sollte sich Poppy zur Seite nehmen und mit ihr nach St. Mungos aufbrechen, um dort die Leiche des Mädchens noch mal zu untersuchen. Minerva und Elphias Dodge würden in der Heulenden Hütte nach Spuren suchen, die eindeutig bewiesen, dass Remus in der letzten Vollmondnacht dort war. Und Dumbledore selbst würde versuchen, sich irgendwie einen Besuchstermin in Askaban zu erkämpften, und sei er noch so kurz. Er wollte die drei wissen lassen, dass sie nicht im Stich gelassen wurden und er wollte wissen, wie die drei behandelt wurden.
„Gut, dann noch ein Letztes! Ich möchte, dass ihr euch alle, ausnahmslos alle, umhört. Haltet Augen und Ohren auf. Jeder noch so kleine Hinweis auf Voldemorts Aufenthaltsort oder irgendwelche Todesserumtriebe bringt uns zu Pettigrew. Ich will alles wissen, und wenn es noch so unwichtig erscheint. Am meisten gilt das für dich Mundungus, du kommst an Orte, Menschen und Informationen, die uns anderen nicht zugänglich sind. Und für dich Hagrid, du bist viel in Hogsmead und der Winkelgasse unterwegs. Und für euch, Fred und George, ihr habt in eurem Laden viel Publikum aus unterschiedlichsten Kreisen. Haltet die Ohren offen! Ich wünsche euch allen viel Glück! Wenn ihr etwas herausfindet, kontaktiert mich, ansonsten treffen wir uns übermorgen wieder hier, um 14 Uhr."
Aufbruchstimmung kam auf, bis sich Mollys Stimme erhob.
„Albus, was ist mit Harry?"
Dumbledore kniff kurz die Augen zusammen. „Ich werde mich um ihn kümmern, sobald ich kann. Ich möchte ihm persönlich erklären, was passiert ist."
„Und wenn er es schon aus der Zeitung weiß?" fragte Fred.
„Soweit ich weiß, hat er den Tagespropheten nicht abonniert. Ich werde noch heute zu ihm gehen, Molly, und ihn dann mitbringen."
Damit war die Versammlung beendet.
Zurück in Askaban…
Stunden vergingen, zwei Dementoren zogen vorbei und trugen nicht gerade zur Besserung der Stimmung bei. Sirius saß inzwischen wieder mit angezogenen Beinen auf seiner Pritsche und lehnte seinen Kopf gegen die kühle Wand. Er war leichenblass und seine Hände zitterten immer noch ein wenig vom letzten Dementor, auf seinen nackten Unterarmen prangt eine bemerkenswerte Gänsehaut. Beim ersten hatte er sich in Tatzes Form geflüchtet und alles war nicht so schlimm gewesen, aber den zweiten hatte er erst zu spät bemerkt. Er war viel zu paralysiert gewesen, um sich noch zu verwandeln.
Remus hatte in der Zwischenzeit seinen Magen durch viele kleine Schlucke langsam wieder daran gewöhnt, Flüssigkeit zu verarbeiten ohne zu revoltieren. Im Moment lief er in seiner Zelle auf und ab, ließ dabei Snape aber nie aus den Augen. Der letzte Dementor saß auch ihm noch in den Knochen, aber so eng er seine Robe auch um sich zog, die Restkälte bekam er noch nicht aus seinem Inneren heraus.
Snape lag immer noch reglos auf seiner Pritsche. Seine Atmung hatte sich einigermaßen normalisiert und bis zu dem Dementor grade eben hatte er auch wieder aufgehört, so heftig zu zittern. Aber jetzt… Snapes Gesicht hatte sich zu einer gequälten Fratze verzerrt, das Zittern und das heftige Atmen waren zurückgekehrt und solang der Dementor anwesend gewesen war, hatte er gestöhnt. Was auch immer sie ihn zwangen, zu sehen und zu denken, es setzte ihm gewaltig zu.
„Glaubst du, Albus schafft es, uns hier wieder rauszuholen?" fragte Remus in die Stille hinein.
Sirius war dankbar für diese Ablenkung, seine Gedanken hatten sich gerade in immer düsteren Kreisen bewegt. Er brauchte nicht lange zu überlegen.
„Albus ist raffiniert. Dich kriegt er auf jeden Fall hier raus. Sobald er Beweise hat, dass du in der Hütte warst, oder eben nicht am Tatort, dann müssen sie dich wieder rauslassen."
„Ich frag mich, wo sie diese Haare herhaben." Remus schaute einen Moment nachdenklich an die Wand, dann wandte er sich wieder Sirius zu. „Was ist mit euch? Du sagst das so, als wärst du dir sicher, dass nur ich hier wieder rauskommen würde. Albus wird schon eine Möglichkeit finden, Sirius. Ich werd dich hier jedenfalls nicht zurücklassen!"
„Dann gewöhn dich lieber an den Gedanken, Moony." meinte Sirius resigniert. Das war ein Punkt, über den er schon des Öfteren nachgedacht hatte, seit sie hier waren.
„Red nicht so einen Blödsinn, Sirius! Albus wird dich nicht hier drin zurücklassen, genauso wenig wie er Severus hier lässt. Er wird einen Weg finden!" Remus war an Sirius Gitter getreten und betrachtete ihn ernst und bestimmt.
Sirius lächelte, aber seine Augen wirkten traurig. „Mach dir nichts vor, Remus. Die Beweise gegen dich sind gefälscht, also kann man die Wahrheit beweisen. Zu beweisen, dass Snape ein Spion war, wird schon schwer. Wer will so was schon hören? Vor allem, wenn eine Zeugenaussage gegen ihn vorliegt, die er nun mal nicht widerlegen kann. Außerdem trägt er das Mal. Albus muss sich schon mächtig ins Zeug legen, wenn er ihn hier rauskriegen will. Und Remus, die einzige Möglichkeit für mich, hier als freier Mann wieder rauszugehen, ist Peter. Uns ist es in drei Jahren nicht gelungen, ihn zu schnappen. Wie soll Albus das dann in diesen zwei Wochen schaffen?" Seine Stimme klang bitter.
Remus wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Sirius' Logik war lückenlos. Ohne Peter konnten sie nicht beweisen, dass Sirius unschuldig ist.
Anstatt einer Antwort fing Lupin an, wild zu fluchen. Sirius hob sogar seinen Kopf, solche Worte kannte er von seinem Freund nicht.
Da ertönte ein Stöhnen aus der dritten Zelle.
Sofort war Remus still und beide wandten sich Snape zu. Dieses Stöhnen hatte anders geklungen als die vorherigen. Gequälter und irgendwie… wacher?
„Sirius?"
Doch Sirius war schon auf dem Weg in Snapes Zelle. Er kniete sich neben den Mann, den er einst als Feind bezeichnet hatte, doch inzwischen gelang ihm das schon nicht mehr. Dieser – ja, was war es, ein Tag, oder mehr, oder weniger? – hatten gereicht, um ihm zu beweisen, dass er Snape solch eine Behandlung nicht wünschte und auch Snape hatte ihm gezeigt, dass er die Behandlung von Remus offenbar nicht billigte. Er konnte diesen Mann nicht mehr als Feind sehen, was nicht bedeutete, dass er ihn nicht noch genauso wenig leiden konnte wie zuvor.
Snapes Augenlider flatterten, seine Lippen waren leicht geöffnet und er keuchte und stöhnte immer wieder. Sein Körper zitterte leicht, nur seine Hände bebten richtig. Der Verband an seinem Kopf war leicht angeblutet, auch die an den Händen waren etwas rot. Sein Kopf zuckte leicht von einer Seite zur anderen.
Sirius griff nach dem Krug und benetzte das jetzt rote Tuch von vorhin mit etwas Wasser. Damit wischte er über Snapes Stirn und Wangen. Zuerst zuckte dieser unter der Berührung zusammen, doch schon bald schien er sich etwas zu beruhigen. Das Zittern seines Körpers ließ etwas nach und auch seine Atmung wurde ruhiger.
„Snape?" fragte Sirius leise, aber eindringlich. „Kannst du mich hören, Snape?"
Snapes Augen öffneten sich langsam und schlossen sich gleich wieder. So ging das eine Weile hin und her, bis er sich an das Licht gewöhnt hatte. Doch obwohl Snapes Augen jetzt geöffnet waren, war sich Sirius nicht sicher, ob er etwas um sich herum wahrnahm. In diesen dunkelbraunen Augen, die sonst hart, unnahbar und überheblich dreingeblickt hatten, spiegelte sich jetzt nur Schmerz und ein Schrecken, den jeder nachvollziehen konnte, der einmal in geschwächtem Zustand in der Nähe eines Dementors gewesen war.
Sirius zuckte etwas zurück. Er konnte selbst nicht genau sagen, wieso, aber dieser Blick… es fiel ihm schwer in diese Augen zu sehen. Er konnte nicht sagen, ob es an der Qual lag, die er darin las, oder daran, dass sie ihn so sehr an sich selbst erinnerten, oder einfach an der Tatsache, dass dieser Blick aus Snape plötzlich einen ganz gewöhnlichen Menschen machte.
Nur den Bruchteil einer Sekunde später als Sirius zuckte auch Snapes Kopf zur Seite, von Sirius weg, als hätte er Angst. Aber der Schmerz stoppte seine Bewegung jäh. Er zitterte wieder heftiger.
Das riss auch Sirius wieder zurück in die Realität. Langsam näherte er sich Snape.
„Snape? Ich bin's. Sirius Black. Keine Sorge, es ist vorbei. Hier bist du erstmal in Sicherheit."
Als er sprach, fokussierten sich diese dunkelbraunen Augen immer mehr auf sein Gesicht, bis schließlich etwas darüber huschte, dass Sirius für Erkennen hielt. Und das Zittern legte sich wieder ein bisschen.
„Lägg?" Snapes Stimme war nur ein Schatten von dem, was einmal jeden Schüler in Hogwarts in Angst und Schrecken versetzt hatte. Sie klang dünn und ausgemergelt, kratzig und rau und sie war so leise, dass Sirius sie kaum verstanden hatte. Für einen Augenblick klappten Snapes Augen wieder zu, doch er zwang sie wieder auf. All das hier kostete ihn Unmengen an Kraft.
Sirius brachte ein Lächeln zustande. „Ja, der bin ich. Aber du solltest nicht sprechen, Snape. Noch nicht." Er griff nach dem Krug an seiner Seite. „Möchtest du einen Schluck trinken?"
Ein schwaches Nicken als Antwort.
Vorsichtig schob Sirius seine Hand unter Snapes Kopf und hob diesen sachte an.
Die ersten paar Tropfen genügten, um Snape einen furchtbaren Hustenanfall zu bescheren. Sein ganzer Körper krampfte sich zusammen und er schnappte nach Luft, als hätte er Schwierigkeiten beim Atmen. Dann war es vorbei und er sank erschöpft in sich zusammen. Beim nächsten Versuch klappte es. Snape bekam ein paar Schlucke angenehm kühles Wasser durch seine Kehle.
Es löschte das fürchterliche Brennen, das durch den Husten wieder angefacht worden war. Außerdem brachte diese Kühle in seinem Körper ein paar kleine Lebensgeister zurück, wenn auch nur ganz kleine. Sein ganzer Leib schmerzte grauenhaft, so etwas hatte er noch nie erlebt und er hatte schon oft den Cruciatus-Fluch zu spüren bekommen. Immer noch zuckten seine Muskeln, was ihn anstrengte und kostbare Energie kostete, doch er konnte es nicht beeinflussen. Sein Kopf fühlte sich an, als wolle er jeden Moment explodieren, und seine Hände waren irgendwie etwas taub. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so hilflos gefühlt. Und ausgerechnet Black musste jetzt neben ihm sitzen. Aber eigentlich war es ihm im Moment ziemlich egal. Er hatte einfach nicht die Kraft, irgendwelche Masken aufrecht zu halten. Darüber konnte er sich später Gedanken machen.
Sirius stellte den Krug zurück und bettete Snapes Kopf vorsichtig auf das ‚sogenannte' Kopfkissen.
„Wie fühlst du dich?"
Irgendwie schaffte es Snape eine Augenbraue hochzuziehen, was Sirius sogar zum Schmunzeln brachte.
„… geht… schon… schlimmer… sein…"
Sirius konnte Snape nur bewundern. Wo nahm der Mann die Kraft her, jetzt auch noch auf seine unbedachte Frage zu antworten. Da sagte er erst was, von wegen, ‚sprich nicht' und fragte kurz drauf etwas. Er verpasste sich mental eine Ohrfeige. Dann war es an ihm, eine Augenbraue hochzuziehen.
„Könnte schlimmer sein? Aber klar, ich glaub, die nächste Stufe bezeichnet man als tot! Verdammt Snape, du musst uns nichts vorspielen! Was sich Rukschow da geleistet hat, ist wirklich die Höhe! Uns ist durchaus bewusst, was passiert ist. Ich bin kein Idiot, auch wenn du das denkst; ich erkenne einen Unverzeihlichen, wenn ich ihn sehe. Oh dieses vermaledeites Russenarschloch! Wenn ich den in die Finger kriege, dann kratz ich ihm dieses amüsierte Glitzern aus den Augen und schneid ihm sein Grinsen aus dem Gesicht!"
Trotz seiner Verfassung schaffte es Snape, verwundert zu sein. Er wusste nicht, wie er diesen Ausbruch bewerten sollte. Bedeutete es, dass Black Rache an Rukschow wollte, für alles, was Rukschow getan hatte? Ging es um die Person Rukschow? Oder wollte er Rache an dem, der ihn, Severus Snape, so zugerichtet hatte?
Noch im selben Moment schalt er sich selbst einen Idioten. Die Schmerzen mussten sein Hirn vernebeln, dass er darüber überhaupt nachdachte. Natürlich ging es ihm um Rukschow, der hatte schließlich seinen Werwolffreund so zugerichtet und er selbst war ihm offenbar auch schon begegnet.
„Nicht… Ruks… Rusch..." Verdammt, wieso ging ihm dieser Name nicht über die Lippen? War es nicht schon genug, dass ihm sein Hals bei jedem Wort schmerzte? Dass sich jeder Atemzug anfühlte, als würde er heißen Rauch inhalieren? Offenbar nicht, denn jetzt weigerte sich auch noch seine Gesichtsmuskulatur so zu funktionieren, wie er es wollte.
„Das war nicht Rukschow?" fragte Sirius überrascht und nicht ganz überzeugt nach.
Snape nickte andeutungsweise.
„Aber wer hat dir das dann angetan?" Black schien tatsächlich interessiert zu sein, wunderte sich Snape.
„..Mal… foy…"
„Malfoy?" wiederholte Remus ungläubig.
„Lucius Malfoy?" vergewisserte sich Sirius.
Wieder nickte Snape, doch ihm fielen dabei fast die Augen zu. Schwärze legte sich über seine Gedanken und es fiel ihm immer schwerer, sich auf etwas zu konzentrieren. Verdammt, wieso war alles nur so verdammt anstrengend? Aber er musste noch etwas loswerden.
„Alles… einge… fädeld… dungl…" Seine Stimme versagte, seine Zunge wurde schwer und seine Gedanken trübe.
Eine Hand legte sich beruhigend auf seine Stirn, dennoch schmerzte die Berührung im ersten Moment.
„Ruh dich aus, Snape. Du musst wieder zu Kräften kommen. Reden kannst du später. Entspann dich. Wehr dich nicht, schlaf einfach!"
Die Dunkelheit breitete sich aus, übermannte ihn. Er hatte ihr nichts entgegenzusetzen.
„Er schläft wieder." stellte Sirius fest.
„Das ist gut so. Er braucht die Ruhe." stimmte Remus ihm zu.
Kaum war Sirius wieder in seiner Zelle, wo er sogleich begann, unruhig auf und ab zu laufen, konnte auch Remus nicht mehr an sich halten.
„Malfoy? Verdammt, Tatze, wie kann das sein? Wie kann es sein, dass Malfoy einfach nach Askaban spaziert und Severus mit einem Unverzeihlichen belegt?" Er war vollkommen verwirrt und aus dem Konzept gebracht. Sirius ging es da nicht anders.
„Ich weiß auch nicht, wie er hier rein kam. Beziehungen vermutlich. Ich denke, er sollte Snape die Strafe angedeihen lassen, der er entkommen war." grübelte Sirius.
Remus ließ sich in einer Mischung aus Resignation und Gereiztheit auf seine Pritsche sinken und meinte voller für ihn untypischem Sarkasmus: „Da kam ihnen dieses ganze Desaster hier ja grade recht!"
Da hielt Sirius mit einem Mal inne, auf seinem Gesicht ein nachdenklicher Gesichtsausdruck. „Sag mal Moony, kommt dir das nicht auch alles ein bisschen merkwürdig vor?"
Remus schaute mit schief gelegtem Kopf auf. „Was genau meinst du jetzt?"
„Schau doch mal. Snape hilft bei einem Todesserüberfall zwei Kindern, einer seiner sogenannten Kollegen bemerkt ihn dabei und er ist vor Voldemort enttarnt. Zufällig wird er genau an diesem Abend noch von jemand anderem gesehen, dem ominösen Zeugen, der ihn eindeutig identifizieren kann. Und das, obwohl die Todesser ja bekanntlich bei ihren Überfallen Masken tragen. Also wird er verhaftet, kommt hier her und wie es der Zufall so will, taucht jetzt auch noch Malfoy auf und nutzt die Gunst der Stunde für Voldemorts Rache. Bisschen viele Zufälle auf einmal, wenn du mich fragst."
Jetzt runzelte auch Remus die Stirn. „Und zufällig fällt seine Verhaftung auch noch mit unserer zusammen. Irgendwas ist hier faul, Tatze. Aber gewaltig."
Resigniert ließ sich Sirius auf seine Pritsche sinken. „Hast du verstanden, was er am Schluss versucht hat, zu sagen?"
Mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck schüttelte Remus den Kopf. „Tut mir leid, ich hab nur noch ‚eingefädelt' verstanden."
„Er wollte uns unbedingt noch etwas wissen lassen. Verdammt!" Sirius schlug entnervt seinen Kopf nach hinten gegen die Wand und schloss seine Augen. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er schätzen, dass er in einem ganz, ganz blöden Traum feststeckte. Doch er würde nicht aufwachen, egal wie sehr er es sich auch wünschte.
„Hey, er schläft jetzt, aber er wird wieder aufwachen und dann wird es ihm wieder besser gehen. Wir erfahren schon noch, was er uns sagen wollte. Und ich sags ja nur ungern, aber im Moment haben wir jede Menge Zeit."
Sirius senkte seinen Kopf und bedachte seinen langjährigen Freund mit einem undefinierbaren Blick. „Du hast ihn nicht gesehen." murmelte er leise und mit gesenkten Augen. Seine Gedanken verweilten bei diesen dunkelbraunen Augen, die nicht dem unausstehlichen Zaubertränkeprofessor und Todesser Snape, sondern dem Menschen Snape gehört hatten.
Lupin runzelte die Stirn, aber als er seinen Freund so ansah, wollte er nicht näher drauf eingehen. Sirius sah aus, als bräuchte er einen Augenblick zum Nachdenken, um seine Gedanken zu ordnen. Und er konnte es ihm nicht verdenken.
In Hogwarts…
Erschöpft ließ sich Dumbledore auf den Stuhl hinter seinem Schreibtisch sinken und stützte seinen Kopf auf seine Hände. Gequält schloss er die Augen. Wie hatte das nur geschehen können? Wieso hatte er es nicht kommen sehen?
Wieder einmal hatte er erfahren müssen, dass Weisheit und Intelligenz nicht vor schlimmen Fehlern schützten. Erst letztes Jahr hatte er den Fehler gemacht und Harry viel zu lange nicht gesagt, was vor sich ging. Und genau denselben Fehler hatte er jetzt wieder gemacht.
Wie hatte er nur so dumm sein können?
Er seufzte. Das war einer dieser Momente, in denen er jemanden zum Reden gebrauchen könnte. Einen Freund, der sich alles anhörte, sein Urteil abgab, aber egal, wie dieses ausfiel, dennoch zu ihm hielt. Ein Freund, der wusste, dass er auch nur ein Mensch war.
Normalerweise hatte er in solchen Momenten mit Severus eine Tasse heißen Tee getrunken. Doch Severus war nicht hier, er saß in Askaban.
Er seufzte noch mal. Es half ja nichts. Er setzte sich aufrecht hin und nahm ein Stück Pergament zur Hand und eine Feder. Die anderen mussten davon unterrichtet werden. Sie mussten ihn unbedingt finden!
Dumbledore schrieb nur wenige Worte auf den Zettel.
‚Harry ist nicht bei den Dursleys. Er ist heute Morgen ausgerissen. Kein Anhaltspunkt, wo er hinwollte. Wir müssen ihn unbedingt finden! Albus'
Dann zog er seinen Zauberstab, konzentrierte sich auf den komplizierten Zauber und tippte dann das Pergament an. Normalerweise verwendete er diesen Zauber nicht, er war für absolute Notfälle reserviert, weil er zu auffällig war. Und dieser Zauber war räumlich begrenzt. Doch das hier war ein Notfall!
Keine Minute später erschrak fast jedes der verhältnismäßig wenigen Ordensmitglieder, als entweder aus Jacken-, Hosen-, Hemd- oder Robentasche ein penetrantes Klingeln ertönte. Sie alle wussten, was das bedeutete, sie würden ein Stück Pergament in ihren Taschen finden mit einer Nachricht darauf. Einem Notfall. Keine halbe Minute später war Dumbledores Nachricht bis zu jedem durchgedrungen, abgesehen von Bill und Hestia und drei Männern, die zu weit entfernt waren, als das der Zauber auch sie hätte erreichen können.
Unweit von London, in Scatwick…
Draußen wurde es langsam immer dunkler, der Mond stand am Himmel und die Sterne funkelten. Harry lag im Bett und starrte hinaus. Ob Sirius die Sterne auch sehen konnte? Ob Remus wohl bei ihm war? Nein, sicher nicht, schließlich waren die beiden in Askaban.
Askaban. Wie konnten sie Sirius wieder an diesen schrecklichen Ort bringen?
Wenn er ihn doch nur befreien könnte. Aber dazu müsste er erstmal wissen, wo Askaban überhaupt war. Und wie sollte er da reinkommen und zwei Leute rausschaffen, von denen er nicht mal wusste, wo genau sie dort untergebracht waren.
Drei Leute, Harry! rief er sich ins Gedächtnis. Snape ist auch dort!
Nein, so hatte das keinen Sinn. Selbst wenn er es schaffen sollte, was sowas von unmöglich war, dann wären sie alle drei auf der Flucht. Dumbledore konnte sie nicht ewig verstecken. Außerdem würden sich die drei, oder besser die zwei – er dachte jetzt eher an Sirius und Snape – wohl eher gegenseitig umbringen, als gemeinsam im Grimmauldplatz unterzutauchen.
So funktionierte das nicht. Er musste ihre Unschuld beweisen. Er musste zumindest Pettigrew finden. Ihm war klar, dass Dumbledore alles wusste, und er hatte es ihm sagen wollen, doch solange hätte er nicht mehr warten können. Und er wusste, dass Dumbledore auch alles versuchen würde, um die drei vor diesem Schicksal zu bewahren. Aber um Wurmschwanz zu finden, hatte er selbst die besseren Karten in der Hand.
Er drehte sich um und zog die dünne Decke hoch bis an sein Kinn. Trotz der schwülen Hitze fröstelte er. Er wusste nicht, wie er hier schlafen sollte. Seine Gedanken ließen ihm keine Ruhe, die fremde Umgebung irritierte ihn und der Gedanke, dass hier vor kurzem jemand umgebracht wurde, machte es auch nicht besser.
Gleich nachdem er aufgebrochen war, hatte er sich in den Bus nach London gesetzt und war von dort aus mit dem Zug hinaus aufs Land gefahren und dann zu Fuß den halben Nachmittag bis hierher nach Scatwick gelaufen. Er hätte auch den fahrenden Ritter nehmen können. Doch er brauchte die Zeit zum Nachdenken. Es war schon ziemlich spät am Abend, als er schließlich das Haus der Aiblys gefunden hatte. Die beiden waren überrascht gewesen, doch als sie herausfanden, dass er zusammen mit ihrer Tochter in Hogwarts zur Schule gegangen war, da hatten sie ihn hereingebeten und all seine Fragen beantwortet. Er hatte erfahren, dass erst am Nachmittag ein furchteinflößender Auror mit einem Mann aus dem Ministerium hier gewesen war, um sich noch mal wegen dem Mord zu erkundigen. Und er hatte auch herausbekommen, dass es sich dabei um Moody und Mr. Weasley gehandelt hatte. Zum Glück hatte er nicht den fahrenden Ritter genommen!
Die Aiblys hatten ihn geradezu genötigt, über Nacht hierzubleiben, es wäre viel zu gefährlich, mitten in der Nacht unterwegs zu sein. Auch wenn er nichts in Erfahrung gebracht hatte, was ihm weiterhalf, so hatte er auf diese Weise doch ein Dach über dem Kopf und er konnte sich morgen auf die Suche nach seinem Ziel machen. Er wusste, wonach er suchte. Immerhin hatte er die ganze Fahrt hierher damit verbracht, sich an die Nacht vor über zwei Jahren zu erinnern, als ihn der Trimagische Pokal zu Voldemort geführt hatte. Auf diesen Friedhof. Und irgendwie wusste er, dass dieser Friedhof die Verbindung zu Voldemort und damit zu Wurmschwanz darstellte. Er musste ihn nur noch finden.
Einen Friedhof, der am Hang eines Hügels lag, halbseitig umringt von einem Wald, auf dem Hügel ein heruntergekommenes, altes Haus, das alte Riddle-Haus und auf dem Friedhof eine große Marienstatue, die ihren Mantel schützend über die Gräber ausbreitete.
Ihr dürft mir wirklich Reviews schreiben, ich beiß nicht :-)
