Hallihallo!

Und wieder ein neues Kapitel! Diesmal gehts, wie der Name schon sagt, hauptsächlich - aber nicht ausschließich - um den Orden des Phönix.

Und dann wünsch ich euch auch schon viel Spaß beim Weiterlesen!


Planloser Phönix

13 Uhr, im Ministerium…

„Aber ich sagte ihnen doch schon, Professor, der Zaubereiminister ist im Moment nicht in seinem Büro, er ist dienstlich unterwegs." wiederholte die Sekretärin bereits etwas genervt.

„Und wann kommt er dann wieder?" fragte Dumbledore immer noch in freundlichem Tonfall.

„Das weiß ich nicht genau. Aber sie haben sowieso keinen Termin und ich kann sie nur mit Termin zu ihm lassen."

Dumbledore rief sich selbst zur Ruhe. Immerhin war er so schon ein wenig weitergekommen. All seine Versuche, per Eulenpost oder Kamin zu Fudge durchzudringen, waren überaus erfolglos.

„Und wann hätten sie einen Termin für mich frei?"

„Lassen sie mich mal nachsehen…" Sie blätterte in einem Terminkalender mal vor, mal zurück, dann wieder hin und her. „Da sieht es ganz schlecht aus, Professor Dumbledore. Ich könnte ihnen frühestens einen Termin für den 3. September geben."

„3. September?" fragte Dumbledore ungläubig und jetzt auch aufgebracht nach. „Ich weiß genau, dass er ihnen aufgetragen hat, mich abzuwimmeln, richtig? Er will nicht mit mir sprechen, weil er die Möglichkeit nicht in Betracht ziehen will, dass er etwas falsch gemacht hat. Und das hat er aber! So hören sie doch, Miss…" Er suchte schnell nach dem Schild mit ihrem Namen auf dem Schreibtisch. „… Hope. Diese drei Männer, die Fudge da verhaften hat lassen sind unschuldig. Würden sie das etwa wollen? Unschuldig zum Kuss der Dementoren verurteilt zu werden?"

Die junge Frau sah ihn nur ausdruckslos an, aber sie rutschte etwas unangenehm berührt auf ihrem Stuhl herum. Sie war nervös. Wenn er nur noch ein bisschen auf sie einredete, dann würde sie ihm trotz allem die Bürotür öffnen und ihn zu Fudge lassen – Dumbledore glaubte keine Sekunde daran, dass der Minister dienstlich unterwegs war.

„Miss Hope, sie sind doch ein anständiger Mensch. Denken sie doch mal darüber nach. Ich will dem Minister nichts Böses, ich will diese drei Unschuldigen nur vor einem grausamen Schicksal bewahren. Ich glaube, dass dem Minister zum Teil falsche Beweise vorliegen und…"

Mit einem Mal hielt er inne und sah sich überrascht um, als würde er erwarten, dass jemand hinter ihm stand. Suchend, und doch nichts wirklich fokussierend, glitt Dumbledores Blick durch das kleine Büro.

„Ähm, Professor? Ist mit ihnen alles in Ordnung?" fragte die Sekretärin etwas unwohl.

Doch der Schuldirektor hörte sie nicht einmal. Er hatte etwas gespürt, eine Präsenz, eine bekannte Präsenz. Ein Gedankenmuster, das ihm nicht unbekannt war.

„Severus?" flüsterte er verwundert.

„Wie bitte?" erkundigte sich Miss Hope höflich, aber ihr war dieser seltsame, alte Mann sichtlich nicht geheuer.

„Entschuldigung, ich muss gehen!" Damit rauschte der Professor aus dem Büro und den Flur entlang, vorbei an zahlreichen anderen Büros, von wo aus ihm die Mitarbeiter teilweise seltsame oder neugierige Blicke hinterher warfen. Doch das kümmerte ihn jetzt nicht. Er brauchte einen Ort, wo es ruhig war, wo er sich konzentrieren konnte.

Da erblickte er eine Tür, etwas versteckt in einer Ecke, auf der die unverkennbaren Figuren angebracht waren, die den Raum dahinter als Toilette auswiesen. Besser als nichts.

Flink huschte er hinein, sperrte die Tür hinter sich mit einer ungeduldigen Handbewegung ab und lehnte sich mit dem Rücken an die Tür. Er schloss die Augen und konzentrierte sich. Versuchte sich, das vorher erspürte Gedankenmuster, genau vor Augen zu führen und streckte dann seine geistigen Fühler aus. Es dauerte nur wenige Augenblicke und er hatte die Präsenz gefunden.

Es war ganz eindeutig Severus, auch wenn er ihn nur sehr schwach spürte. Für eine Sekunde fragte er sich, wie sein Freund es nur fertig bringen konnte, ihn über solch eine große Entfernung ohne jeden Kontakt zu erreichen, nur durch die Kraft seines Geistes. Er war beeindruckt. Doch er wischte diese Gedanken schnell zur Seite. Severus würde nicht ohne Grund versuchen, sich ihm mitzuteilen, also sollte er sich auch darauf konzentrieren, die Botschaft zu verstehen. Es musste ungeheuer anstrengend sein, diesen Zustand aufrecht zu erhalten, er sollte sich also besser beeilen.

Mit geschlossenen Augen fokussierte er seinen Geist voll und ganz auf Severus Geist, der sich ihm schwach entgegenreckte. Gefühle schwappten ihm stark abgeschwächt entgegen. Erschöpfung, Schmerz, Sorge, Anstrengung, Wut und wieder Schmerz. Dumbledore hatte alle Mühe, sich von diesen Gefühlen nicht ablenken zu lassen, war ihm doch bewusst, dass es Severus' Gefühle waren.

Und dann sah er es, ein schwaches Bild, fast völlig durchscheinend, aber dennoch erkennbar. Es war Malfoy, Lucius Malfoy, der hämisch grinste. Schnell wurde das Gesicht des Todessers zu einem gänzlich anderen, dem von Harry. Und wieder schlug das Bild um und die grässliche Fratze von Voldemort bildete sich heraus. Wieder verschwamm das Bild und war gerade dabei, sich neu zu formen, als es plötzlich schwächer wurde.

Dumbledore spürte, wie Severus ihm entglitt. Er versuchte ihn geistig festzuhalten, doch was von seinem Freund eben noch hier gewesen war, war jetzt fort.

Vorsichtig öffnete er die Augen, als könnte sich dann alles als unwahr herausstellen, doch er befand sich immer noch in der Toilette im Ministerium. Sein Atem ging etwas schneller, diese ganze Aktion hatte ihn angestrengt und das obwohl er kaum etwas dazu beigesteuert hatte.

„Severus, was wolltest du mir sagen?" flüsterte er leise.

Er rief sich die Gefühle seines Freundes zurück ins Gedächtnis. Erschöpfung, Schmerz. Was erlebt ihr dort nur in Askaban?

Mit neuer Entschlossenheit und einer Energie, die ihm zuvor noch gefehlt hatte, stürzte er aus der Toilette und eilte zurück zu Fudges Büro. Ohne anzuklopfen öffnete er die Tür ins Vorzimmer, wo die Sekretärin ihren Schreibtisch hatte. Die schrie erschrocken auf, als er so plötzlich eindrang und Fudge, der in der Tür zu seinem Büro stand, schaffte es nicht mehr, sich dorthin zu flüchten.

„Hallo Cornelius! Wir müssen reden! Sofort!"

Mit diesen Worten rauschte Dumbledore am Zaubereiminister vorbei in dessen Büro.


Zurück in Askaban…

„Snape? Verdammt was…"

Remus verdrehte innerlich die Augen, er war gerade dabei gewesen, ein bisschen zu dösen. Was hatte Sirius jetzt schon wieder, Severus hatte doch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er absolute Ruhe brauchte, wenn diese irrwitzige Idee funktionieren sollte.

„Pssst!" zischte Remus energisch zurück, rührte sich aber sonst nicht.

„Moony…" mehr sagte er nicht mehr und das auch nur im leisen Flüsterton, doch da schwang etwas in Sirius Tonfall mit, dass Remus nicht gefiel. Widerwillig öffnete er seine Augen und setzte sich langsam auf, immer darauf bedacht, möglichst leise zu sein.

„Was?" formte er mit den Lippen und sah seinen Freund dabei eindringlich an. Sirius Stirn lag in Falten, was bedeutete, entweder dachte er angestrengt nach, oder er machte sich Sorgen.

Ein Nicken in Snapes Zelle ließ Remus seinen Blick dorthin wenden und er sprang erschrocken auf. Mit zwei großen Schritten war er dicht neben Sirius am Gitter und starrte Snape an.

„Was passiert da, Moony?" flüsterte Sirius leise mit unsicherer Stimme.

„Ich vermute, das Ganze kostet mehr Kraft als ich angenommen hatte." hauchte Remus schuldbewusst.

„Ist das normal?"

„Woher soll ich denn das wissen?"

Wieder verstummten beide und beobachteten den Tränkemeister.

Er saß immer noch im Schneidersitz auf seiner Pritsche, die Hände auf seine Knie gelegt, doch inzwischen waren diese zu Fäusten geballt, so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Sein ganzer Körper war aufs Äußerste angespannt, an seinem Hals und seinem Kiefer traten die Muskeln und Sehnen hervor. Sein Gesicht war etwas blasser als zuvor und Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, durchnässten den provisorischen Kopfverband, rannen ihm übers Gesicht und klebten ihm das ohnehin schon strähnige Haar an die Wangen. Er zitterte heftig vor Anstrengung, seine Lippen waren zu weißen Strichen zusammengepresst.

Da begannen an seiner Schläfe und mitten auf seiner Stirn je eine Ader hervorzutreten und heftig zu pulsieren.

„Das ist zuviel für ihn. Wir sollten das beenden, sofort!" bestimmte Remus, doch Sirius hielt ihn am Arm fest.

„Und wenn er gerade dabei ist, seine Nachricht zu übermitteln?" fragte Sirius eindringlich und Remus hielt inne.

„Verdammt!" fluchte er leise, aber herzhaft.

Plötzlich hörte er einen dumpfen Schlag und alle beide wandten sich schnell wieder der dritten Zelle zu, wo sich ihnen plötzlich ein gänzlich anderes Bild bot. Severus Kopf war nach hinten gegen die Wand geschlagen, sein ganzer Körper völlig erschlafft, als wäre jegliche Muskelspannung einfach ausgeknipst worden. Er war blass und der Schweiß lief ihm immer noch in Strömen übers Gesicht. Eins seiner Beine rutschte von der Pritsche und schlug dumpf auf den Boden, ehe sich sein ganzer Körper langsam zur Seite neigte und er stetig an der Wand entlang rutschte.

„Verfluchter Mist!" schimpfte Sirius, ehe er sich schnell in den zottigen Hund verwandelte und durch das Gitter in die schräg gegenüberliegende Zelle huschte, wo der Tränkemeister gerade mit seinem Kopf die Pritsche erreichte und sein Oberkörper langsam zur Seite kippte.

Sirius verwandelte sich zurück und sprang im letzten Moment an Snapes Seite. Schwer sank der reglose Körper gegen ihn. Beinahe wäre er zu Boden gefallen. Er rollte Snape zurück auf die Pritsche und fühlte dessen Puls, der rasend schnell gegen seine Fingerkuppen schlug. Auch sein Atem ging keuchend und stoßweise.

Nach der kurzen Suche nach dem Lappen, den er schon das letzte Mal benutzt hatte, benetzte er diesen mit etwas kaltem Wasser und wischte Snape den Schweiß aus dem Gesicht. Mehr konnte er nicht tun.

„Ich bin kein Heiler, aber ich würde sagen, was immer er da gerade gemacht hat, es hat seine Kräfte überstiegen."

„Glaubst du, er hat es geschafft?" fragte Remus unsicher.

Sirius zuckte mit den Schultern und kehrte zurück in seine Zelle. „Ich weiß es nicht Moony, ich weiß es nicht."


Ein bisschen später in Spinner's End…

Und wieder wanderte Mollys Blick hinauf zur Uhr über dem Kamin. 14.13 Uhr und immer noch keine Spur von Albus Dumbledore. Da legte sich beruhigend eine Hand auf ihre Schulter und sie schaute erschrocken auf, doch als sie das Gesicht ihres Sohnes Charlie erkannte, legte sie ihre Hand mit einem dankbaren Lächeln auf seine.

„Er kommt schon noch Mom. Wenn er zu spät ist, dann hat das seine Gründe, das weißt du doch!" versuchte er seine Mutter etwas zu beruhigen.

Charlie war erst vor zwei Stunden in London eingetroffen und so ziemlich aus allen Wolken gefallen, als ihm das ganze Ausmaß dieses Schlamassels erzählt worden war. Er hatte Sirius immer geschätzt, trotz oder gerade wegen seines manchmal etwas stürmischen Temperaments und die zumeist stoische Ruhe, mit der Remus Lupin Probleme angegangen war, hatte er schon immer bewundert. Und Snape, nun ja, er war schließlich auch in den Genuss seines Unterrichts gekommen und hatte ihn gehasst, aber jetzt war er erwachsen und erkannte, dass bei diesem Mann vieles unter der Oberfläche verborgen war, so auch dessen Mut, sich immer wieder aufs Neue der Gefahr der Spionage auszusetzen.

Diese drei Männer hatten es wahrlich nicht verdient, solch ein Schicksal zu erleiden. Und schon gar nicht, da sie alle drei unschuldig waren.

Und ganz abgesehen davon gefiel es ihm nicht, dass ihr neues Hauptquartier in Spinner's End war. Er fühlte sich nicht ganz wohl dabei, in der Privatssphäre seines ehemaligen Lehrers herumzuschnüffeln.

In diesem Moment färbten sich die Flammen im Kamin grün und sämtliche anwesenden Ordensmitglieder richteten sich auf oder spannten sich instinktiv an, bis zwei Gestalten aus dem Feuer traten, eine ziemlich dünne, große und eine kleinere, stämmige dahinter. Es waren Poppy und Emmeline Vance.

„Sind wir arg zu spät?" fragte Poppy vorsichtig, weil alle sie so anstarrten, doch als die Leute erkannten, dass es sich bei den Neuankömmlingen nicht um Dumbledore handelte, da sanken sie wieder zurück in ihre Sessel und Stühle und sonstigen Sitzgelegenheiten.

„Nein, Albus ist noch nicht da." brummte Moody.

„Was? Naja, eine von uns muss in einer halben Stunde kurz zurück, der Aurenaufguss muss umgerührt werden." erklärte Poppy kurz.

„Auren…was?" fragte Fred mit schiefgelegtem Kopf.

„Ein Aurenaufguss, das ist…"

Weiter kam Emmeline nicht mit ihrer Erklärung, denn sie wurde von Moodys gegrummeltem ‚Jetzt kommt er' unterbrochen und kurz drauf stand Albus dann in ihrer Mitte, mit einem ganz und gar unzufriedenem, wenn nicht sogar zornigem Gesichtsausdruck.

„Was ist passiert, Albus?" wagte es Minerva zu fragen.

„Fudge ist passiert."

„Du bist zu ihm durchgekommen?" fragte Kingsley Shacklebolt erstaunt.

„Zufall. Er konnte mir jedenfalls nicht mehr entwischen. Aber dieser Sturkopf lässt sich auch auf gar nichts ein. Er beharrt felsenfest auf dieser Festnahme. Wer etwas daran auszusetzen hat, kann seine Argumente bei der Verhandlung vorbringen. Doch wir sollen uns keine großen Hoffnungen machen, die Anschuldigungen sind zu schwerwiegend und gegen eindeutige Beweise und Zeugenaussagen könnten wir sowieso nichts vorbringen." Mit einem ironischen Schnauben ließ er sich auf einen der Stühle sinken und seufzte.

„Was ist mit einem Besuch? Ist er darauf eingegangen?" erkundigte sich Tonks.

Dumbledore schüttelte nur langsam den Kopf. „Keine Besuche. Die Drei sitzen in Isolationshaft. Außer dem Sicherheitschef von Askaban, der ihre Verhöre vornimmt, darf niemand zu ihnen. Ich hab alles versucht, um ihn umzustimmen. Jedenfalls alle legalen Methoden."

„Und?" fragte Tonks neugierig nach, auch wenn sie die Antwort schon kannte.

„Er hat mich rauswerfen lassen."

Einen Augenblick herrschte Ruhe, bis das heisere Flüstern von Hagrid die Stille zerriss.

„Der Sicherheitschef…"

Sämtliche Blicke richteten sich auf den Halbriesen, der wie bereits das letzte Mal im Flur vor neben der Tür hockte. Die Sonne schien durch das Wohnzimmerfenster auf seine großen Hände, die er unsicher in seinem verknotet hatte. Sein Gesicht dagegen blieb im Schatten des Türrahmens verborgen.

„Hagrid?" sprach Arthur ihn an.

„Was ist mit dem Sicherheitschef, Hagrid?" fragte jetzt auch Dumbledore.

Langsam hob Hagrid den Kopf und lehnte sich ein wenig vor, heraus aus dem schützenden Schatten. In seinen Augen spiegelte sich Schrecken, die Erinnerung an Askaban ließ einen eben nie wieder los.

„Rukschow heißt'er. Ich hab`n selbst nich kenn`n gelernt, hab nur die Schreie der andern gehört, wenn se an meiner Tür vorbei zu ihm gebracht wurd`n. Und wie se geschrieen hab'n. Die hatt`n vor diesem Typ mindestens genauso viel Angst wie vor`n Dementoren selbst."

Molly und Poppy wurden eine Spur blasser, Fred und George rutschten unbehaglich auf ihren Stühlen herum und Minerva schluckte. Auch die meisten anderen sahen über diese Information nicht gerade erfreut aus.

Noch bevor Dumbledore irgendetwas sagen konnte, hatte Moody sich der Sache schon angenommen. „Ich überprüf den Kerl."

„Danke Alastor." Dann wandte sich Dumbledore an alle. „Die meisten von euch haben mir in der Zwischenzeit bereits von den Ergebnissen ihrer Aufgaben berichtet, aber ich möchte euch bitten, für die anderen alles noch mal kurz zusammenzufassen. Alastor, Arthur?"

Die beiden Männer sahen sich kurz an und mit einem knappen Nicken gab Arthur zu verstehen, dass Moody sprechen sollte.

„Wir waren bei den Aiblys, die haben aber, nachdem die Auroren den Tatort freigegeben haben, alles sauber gemacht und sie waren gründlich. Wir konnten keine Spuren wie Blut oder Haare mehr finden. Es gibt außerdem keinerlei Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen."

„Wir haben noch mit den Eltern gesprochen." fügte Arthur an. „Dieser Schlag hat sie schwer getroffen, verständlicherweise. Sie fühlen sich mitschuldig und wollen, dass der Täter dafür bezahlen muss. Sie gaben an, dass ihre Tochter noch nie Kontakt zu Werwölfen hatte und dass sie auch niemand Fremden ins Haus lassen würde, schon gar nicht nachts."

„Und jetzt kommt der Clue." Moody lehnte sich in seinem Stuhl weiter vor und sein Auge rotierte in der Höhle. „Das Haus ist magisch geschützt. Zwar nur einfache Schutzzauber, aber dennoch, ein Werwolf allein, vor allem in seiner Wolfsform kann sie nicht überwinden."

Moody legte eine kurze Pause ein, um die Nachricht wirken zu lassen.

Charlie runzelte die Stirn. „Aber das würde ja bedeuten, dass der Werwolf entweder schon vor der Verwandlung vorhatte, dieses Mädchen zu töten und damit die Zauber noch in menschlicher Form überwunden hat oder aber, jemand hat dem Werwolf geholfen und für ihn die Zauber ausgeschaltet."

„Würde das nicht beweisen, dass Remus es nicht gewesen sein kann?" überlegte Poppy laut. Emmeline Vance war bereits verschwunden, um den Sud umzurühren.

„Leider nicht, Poppy. Das allein würde nicht reichen und außerdem ist da noch die Tatsache, dass das Mädchen sich in letzter Zeit um eine Katze gekümmert hat, die hinter dem Schuppen der Aiblys Junge zur Welt gebracht hat. Ihre Eltern halten es für durchaus wahrscheinlich, dass sie noch mal nach ihnen gesehen hat. Der Schutzzauber auf dem Haus war nur ein einfacher Forismanere-Zauber. Wenn der Werwolf also einfach zu einem ungünstigen Zeitpunkt kam oder das Mädchen in seiner Panik vergessen hat, die Tür zu schließen, dann konnte er ganz einfach ins Haus."

„Und damit haben wir keine eindeutigen Beweise." setzte Moody hinterher. „Arthur und ich haben gestern außerdem noch halb London nach Harry abgesucht, aber wir haben nichts, aber auch gar nichts gefunden. Wir waren in Hogsmeade, in der Winkelgasse, der Nokturngasse, am Kings Cross, an der Blackfriars Brücke…"

„An der Blackfriars Brücke?" unterbrach Molly Moody energisch. „Was wolltet ihr denn da?"

Tonks und Kingsley hatten Mühe, sich angesichts Mollys langsam rot werdenden Kopf und dem immer kleiner werdenden Arthur, ein Lachen zu verkneifen. Die Zwillinge und Charlie hatten da weniger Glück. Sogar Minerva und Albus huschte ein kurzes Grinsen übers Gesicht.

„Ähm… wir… wir wollten uns… ähm… alle Möglichkeiten offen halten." stammelte Arthur.

„Alle Möglichkeiten offen halten?" wiederholte Molly ungläubig. „Wo habt ihr zwei denn eure Köpfe? Glaubt ihr allen Ernstes, Harry ist in ein Bordell gelaufen?"


Nach einer Weile beruhigte sich Molly wieder und Dumbledore forderte Tonks und Poppy auf, ihren Bericht abzugeben. Tonks fing an.

„Es war nicht ganz einfach, den zuständigen Pfleger und den Sicherheitstypen zu überzeugen, dass wir die Leiche noch mal sehen mussten, aber schlussendlich haben sie uns reingelassen und Poppy hatte genug Zeit."

„Das Mädchen bot einen schrecklichen Anblick!" Die Mischung aus Schreck, Ekel und Ungläubigkeit, die Poppy ins Gesicht geschrieben stand, machte jedem klar, dass ihre Worte kein bisschen übertrieben waren. „Die Kleine starb an den Auswirkungen eines hypovolämischen Schocks. Die Anzeichen…"

„Ähm, `tschuldigung," mischte Fred sich ein, „woran ist sie gestorben?"

„An einem hypovolämischen Schock." wiederholte Poppy und sah auch sofort an den Gesichtern der Zwillinge und auch einiger anderer Anwesenden, dass sie das wohl noch weiter würde ausführen müssen. „Das heißt, durch starken Blutverlust kam es nach und nach zum Versagen ihrer inneren Organe, was bedeutet, dass sie zumindest die ersten Minuten des Angriffs bei vollem Bewusstsein miterlebt hat."

Fred wurde eine Spur blasser und blieb still. Molly schlug entsetzt die Hand vor ihren Mund und Elphias Dodge schluckte. Poppy fuhr dennoch ungehindert fort.

„Der Angreifer war eindeutig ein Werwolf und die Datierung des Mordes passt auch auf die Vollmondnacht Anfang August. Ich habe in der Bauchhöhle des Mädchens, in Beckennähe eine kleine Absplitterung einer Kralle gefunden."

„Könn`n wa die Kralle nicht mit den Registrierungsproben von Professor Lupin vergleich'n?" fragte Hagrid hoffnungsvoll.

„Nein, leider nicht. Da werden nur Haare genommen und die Chromosomen untersucht. Aber Emmy und ich versuchen, die Aura des Mörders mithilfe eines Aurenaufgusses zu bestimmen."

„Und wie hilft uns dieser Aufguss weiter?" wollte George wissen, der in Zaubertränke nie sonderlich aufgepasst hatte.

Poppy wandte sich dem jungen Zauberer zu. „Wenn ein Aurenaufguss gelingt, dann ist er quasi auf die Aura dieser einen Person geprägt. Einen solchen Aufguss kann man verwenden, um die Identität einer Person zu bestätigen oder um Gegenstände zu bestimmen, welche die besagte Person innerhalb der letzten 70 Stunden länger berührt hat. Stimmen die Auren des Aufgusses und der Person oder des Aurenabdrucks auf dem Gegenstand miteinander überein, wird die Flüssigkeit des Aufgusses einfach… aufgesaugt. Wenn nicht, färbt sie sich schwarz und wird schmierig wie Öl."

„Wir bräuchten also nur etwas von Lupin auf das wir den Aufguss kippen und das würde beweisen, dass die Kralle nicht von ihm war." überlegte Charlie.

Poppy nickte.

In diesem Augenblick färbte sich der Kamin wieder grün und Emmeline Vance trat heraus. „Bis jetzt sieht's gut aus, aber der komplizierte Teil kommt ja auch erst noch."

Als Poppy sich der fragenden Blicke bewusst wurde, fügte sie noch erklärend hinzu: „Der Trank ist ziemlich kompliziert. Ich kann ohne Severus nicht garantieren, dass es funktioniert."

„Danke Poppy. Du tust, was du tun kannst. Mehr kann ich nicht verlangen."

Nach einem Moment der Stille erklärte Tonks noch, dass sie den gestrigen Tag zusammen mit Kingsley genutzt hatte, um im Ministerium unauffällig die Augen aufzuhalten, nach allem, was irgendwie auffällig war. Sie waren ein paar Fällen von unerlaubter Zauberei Minderjähriger nachgegangen, hatten mit Ernie und Stan vom Fahrenden Ritter gesprochen, hatten im Besenregulationsamt nach Besensichtungen durch Muggel gefragt und alles andere, was irgendwie seltsam geklungen hatte, überprüft. Aber dennoch hatten sie keine Spur von Harry oder den Todessern finden können. Wieder bedankte sich Dumbledore und gab nun das Wort an Minerva und Elphias Dodge.

Einige Minuten später wussten dann alle, dass die Heulende Hütte auch keine Hinweise oder gar Beweise bereitstellte. Es gab dort zwar jede Menge Haare und Kratzspuren, aber keinerlei Spuren dafür, von wann sie stammten.

Resigniert ließen einige der Ordensmitglieder ihre Schultern sinken oder blickten nachdenklich zu Boden. Es konnte doch nicht sein, dass sich alle Möglichkeiten, denen sie folgten, als Nieten herausstellten.

„Naja, zumindest könnten wir die Haare für den Aufguss verwenden." schlug Kingsley vor.

Da ergriff Minerva nochmals das Wort. „Ich war heute Vormittag bei den Dursleys und hab ihnen die Lage erklärt. Ich hatte mir erhofft, dass sie vielleicht eine Ahnung hätten, wohin Harry verschwunden sein könnte, aber von ihnen ist keinerlei Hilfe zu erwarten. Ich habe außerdem einen Blick in Harrys Zimmer geworfen, in der Hoffnung, dort etwas zu finden. Aber das einzige, was ich herausgefunden habe, ist, Kingsley und Tonks, dass ihr das Besenregulationsamt nicht mehr überwachen müsst. Harry hat seinen Besen im Schrank gelassen."

Und so ging das Treffen auch weiter. Jeder berichtete, was er untersucht und herausgefunden hatte, doch am Ende brachten ihnen die Informationen doch wieder nichts.

Kingsley und Emmeline berichteten, dass es im Haus der Scruvellas nur die übliche Verwüstung eines Todesserüberfalls zu finden gab. Im Gespräch mit dem Zeugen Thomas Wemdon hatten sie erfahren, dass die Kinder eine ganze Weile nachdem es im Haus wieder still geworden war, zu ihm gelaufen kamen; von einem Todesser, der ihnen geholfen haben soll, haben sie kein Wort verloren; und auf die Frage, wie er Snape denn trotz Todesserkleidung erkennen konnte, meinte Wemdon nur, Snape habe keine Maske getragen.

Eine Aussage, die jeder der Anwesenden dann doch ziemlich skeptisch betrachtete.

Zuletzt konnten die Zwillinge, Hagrid und Mundungus Fletcher auch nur noch verkünden, dass sie in den letzten Tagen zwar Augen und Ohren offen gehalten hatten, aber dennoch nichts Nützliches in Erfahrung gebracht hatten.

Als alle mit ihren Berichten geendet hatten, meldete sich Dumbledore wieder zu Wort.

„Ich habe Nachricht von Hestia und Bill, wenn auch keine überaus guten. Sie konnten die Mutter samt Kindern bisher noch nicht ausfindig machen, es gibt wohl einfach zu viele Menschen dort mit demselben Namen und die dortigen Behörden sind ihnen keine große Hilfe, schließlich handeln sie ja nicht in offiziellem Auftrag."

Moody fluchte leise vor sich hin und auch andere Ordensmitglieder machten ihrem Unmut in irgendeiner Weise Luft. Es konnte doch nicht sein, dass all ihre Spuren im Nichts endeten. Die Uhr tickte unentwegt und Sirius, Remus und Severus lief die Zeit davon.

„Da ist noch etwas." fügte Dumbledore an und neugierig horchten alle wieder auf. „Als ich im Ministerium war, ist etwas geschehen…"

Und so berichtete der Schulleiter den anderen von seinem seltsamen Erlebnis auf der Toilette, von Severus' Geist, den er deutlich spürte und von den Bildern und Gefühlen, die dieser ihm zukommen ließ. Dann herrschte einen Augenblick Stille.

„Aber… wie ist das möglich?" fragte Arthur völlig verblüfft.

„Naja, er beherrscht doch Legilimentik und Okklumentik." warf George achselzuckend ein.

„Dafür benötigt man allerdings Augenkontakt!" gab Kingsley nachdenklich zu bedenken.

„Aber damit kann man doch auch nur seinen Geist verschließen oder in einen fremden eindringen, nicht seine eigenen Gedanken in einen anderen projizieren, oder?" mutmaßte Tonks.

„Vielleicht hats einfach noch keiner versucht." meinte Hagrid.

„Bist du dir sicher, Albus, dass er es war?" fragte Minerva immer noch skeptisch, aber Dumbledore war sich sicher. „Absolut! Das hätte niemand imitieren können!"

„Das ist unglaublich!" staunte Charlie.

„Alle Achtung!" knurrte Moody. „Ich muss zugeben, ich hab diesen Burschen gehörig unterschätzt. Über solch eine Entfernung. Es muss ihn Unmengen an Kraft gekostet haben. Deshalb ist der Kontakt vermutlich plötzlich abgerissen. Wahrscheinlich ist er bewusstlos geworden."

„Aber wenn das so anstrengend und schwierig ist, dann muss er einen triftigen Grund dafür gehabt haben. Er wollte uns irgendwas mitteilen." vermutete Poppy.

„Ja," stimmte Kingsley ihr zu, „irgendetwas, das wir noch nicht wissen."

Nachdenklich rieb sich Moody über sein faltiges und narbiges Kinn, während er sich an Albus wandte. „Er hat dir also Malfoy, Harry und Voldemort gezeigt. Da muss es doch irgendeine Verbindung geben."

Eine Weile dachte jeder nach, ehe Dumbledore sich einschaltete. „Wir müssen Harry finden! Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Junge in größerer Gefahr schwebt, als wir ahnen und als er weiß. Poppy, Emmeline, ihr kümmert euch um den Aurenaufguss. Ich werde versuchen, ob mir Severus' Kunststück auch gelingt. Vielleicht kann ich so noch etwas in Erfahrung bringen. Der Rest von euch sollte…"

In diesem Moment flog eine Tür im oberen Stockwerk krachend auf und hastige Schritte hasteten die Treppe hinunter, Schritte von mehreren Personen.

„Hey, was…" rief Hagrid überrascht.

„'Tschuldige Hagrid!" sagte jemand und im nächsten Moment kletterten Ron, Hermine und Ginny über Hagrids Beine und standen plötzlich mitten im Wohnzimmer. Angesichts der vielen Erwachsenen, die sie überrascht und zunehmend ernst und verärgert musterten, zuckte Ron etwas zusammen und wurde unweigerlich etwas kleiner als er war. Hermines Wangen röteten sich, aber Ginny schob sie nur weiter in die Küche hinein.

„Ronald und Guinevra Weasley und Hermine, sogar du! Was fällt euch eigentlich ein!" polterte Molly zornig los. Gerade wollte sie aufstehen und auf die Kinder zueilen, um sie hochkant rauszuwerfen und am besten gleich noch oben in ihre Zimmer einzusperren. „Hab ich euch nicht gesagt, dass das Wohnzimmer tabu ist! Ihr solltet oben in eurem Zimmer bleiben!"

„Aber…" setzte Ron schüchtern an, verstummte unter den funkelnden Augen seiner Mutter allerdings.

„Na los! Jetzt red schon!" flüsterte Ginny Hermine immer wieder eindringlich zu und stieß sie auffordernd in den Rücken.

Diese holte tief Luft und versuchte, niemanden direkt anzuschauen. „Wir glauben, wir wissen, wo Harry hin sein könnte!"

Mit einem Mal war alles still, alle starrten sie an, bis Dumbledore das Schweigen schließlich brach.

„Ihr glaubt also zu wissen, wo Harry hin sein könnte." meinte Dumbledore freundlich.

Mit einem Zauberstabschlenker zauberte er drei einfache Stühle herbei, die auf dem engen Raum noch Platz hatten, und bedeutete ihnen, sich zu setzen.

„Ja, wir haben da eine Theorie." fing Hermine an, sofort unterbrochen von Ginny.

„Zwei Theorien."

„Dann lasst mal hören!" forderte Moody die drei neugierig und gespannt auf.

Hermine zögerte zuerst ein wenig, es war seltsam, hier vor so vielen Erwachsenen, die alle dem Orden angehörten und seit zwei Tagen nach Harry suchten, zu sprechen und ihnen dann auch noch zu sagen, wo sie suchen sollten, doch sie überwand sich recht schnell. Und als sie erst einmal angefangen hatte zu sprechen, da fiel es ihr immer leichter.

„Wir.. haben uns überlegt… was Harry wohl denken könnte… im Moment. Er wird auf jeden Fall versuchen, Sirius, Professor Lupin und Professor Snape irgendwie zu befreien und wenn der Versuch noch so riskant und unglaublich dumm sein sollte. Er wird niemals zulassen, dass einer von ihnen dem Kuss der Dementoren ausgesetzt wird."

„Das würde ihm ähnlich sehen." murmelte McGonagall.

„Ihr glaubt also, er versucht sich nach Askaban durchzuschlagen und dort einen Befreiungsversuch zu starten?" fragte Dumbledore vorsichtshalber nach, das entsprach auch ungefähr seinem Gedankengang, nur war er davon ausgegangen, dass Harry nicht wusste, wo sich Askaban befand. Das war eine nicht gerade überall zugängliche Information. Andererseits war er mit Hermine Granger befreundet, eine Tatsache, die er zugegebenermaßen übersehen hatte.

Hermine und Ron nickten.

Moody grummelte unwillig. „Ein Grund mehr, den Burschen schnell zu finden."

„Aber ohne Besen kommt er nicht weit. Und wenn er den Fahrenden Ritter benutzt, erfahren wir das sofort." gab Kingsley zu bedenken.

„Apparationsunterricht war auch noch nicht, der ist erst im nächsten Jahr." überlegte Charlie. „Also fällt das auch aus."

„Bleibt noch das Flohnetzwerk." meinte Tonks.

„Ähm, er könnte sich auch einen Besen stehlen, oder ihn später einfach aufrufen, wenn er ihn braucht." mutmaßte Ron.

„Oder er könnte einfach mit einem Flugzeug nach Deutschland geflogen sein und von dort versuchen, weiter nach Askaban zu kommen." gab Hermine zu bedenken.

Eine Weile dachte Dumbledore nach, dann verteilte er Aufgaben an die Ordensmitglieder, was sie überprüfen und wo sie suchen sollten, dann wandte er sich an Hermine.

„Gibt es eine Möglichkeit, nachzuprüfen, ob er versucht hat, Muggeltransportmittel zu benutzen?"

„Ja, man könnte am Flughafen anrufen oder direkt nachfragen oder im Internet suchen."

„In was für nem Netz?" fragte Tonks mit verwirrtem Gesichtsausdruck.

„Dem Internet, das ist ein… äh… ich glaube, das würde jetzt zu weit führen."

Weitere fünf Minuten später stand fest, dass Tonks Hermine zu den Grangers und zu den Londoner Flughäfen begleiten sollte, wo Hermine sich um die Muggeldinge kümmern würde.

„Gut, dann werde ich nach Hogwarts zurückkehren, ich hab noch einige alte Gerichtsakten durchzusehen und ich muss mich noch an Severus' Kunststück versuchen." entschuldigte sich Dumbledore und stand auf.

„Äähh…"

Dumbledore wandte sich noch mal um. „Ja Ginny."

„Ich glaube nicht, dass Harry versuchen wird, nach Askaban zu kommen. Ich denke, er wird versuchen, Pettigrew zu finden."


In Askaban…

„Vergiss es Moony! Ich mach da nicht mit!"

Mit trotzig verschränkten Armen lehnte Sirius an der Steinwand seiner Zelle. Sein Blick war fest und unbeugbar. Er würde von seiner Meinung keinen Millimeter weichen, das war schon auf den ersten Blick ersichtlich.

„Und was willst du tun, wenn bei dieser waghalsigen Idee – sollte sie denn wirklich so funktionieren – nur zwei Zauberstäbe rausspringen? Riskieren, dass wir uns zersplintern? Damit sie uns leichter finden können? Das ist absoluter Schwachsinn!"

Remus kauerte wieder auf seiner Pritsche, ein Bein angezogen und mit den Händen umschlungen, das andere von sich gestreckt. Er fühlte sich schlapp und ein leichtes Pulsieren hinter seinen Schläfen kündigte baldige Kopfschmerzen an. Seine Stimme klang langsam aber sicher etwas kratzig und er war es leid, dieses Thema jetzt schon zum x-ten Mal durchzukauen.

„Wer sagt dir denn so sicher, dass wir nur zwei Zauberstäbe ergattern?" hielt Sirius dagegen.

Remus seufzte. „Okay, ein letztes Mal. Bei diesem Plan gibt es zu viele Eventualitäten, Sirius. Ich sage nicht von vornherein, dass ihr mich zurücklassen sollt, was ich meine ist, dass du nicht vorhersagen kannst, was passieren wird, deshalb solltest du dich mit dem Gedanken anfreunden, eventuell jemanden zurücklassen zu müssen. Albus muss erfahren, was Voldemort vor hat, es hat also Vorrang, dass zumindest einer hier rauskommt."

„Aber wieso solltest gerade du derjenige sein, der zurückbleibt? Schau dich an Moony, du bist krank und fang jetzt ja nicht an, das zu bestreiten, ich kenn dich zulange. Deine Stimme ist belegt und du fröstelst permanent, du bist blass und deine Augen sind glasig. Du brauchst Ruhe und am besten noch einen Heiler. Und glaub nicht, dass das besser wird hier drin. Und Snape, der würd's zwar selber nie zugeben, aber auch der gehört dringend auf eine Krankenstation, allein schon wegen seiner Hände. Nein, wenn hier jemand zurückbleibt, dann bin ich das."

Schwungvoll stieß sich Sirius von der Wand ab und wanderte durch seine kleine Zelle zum Gitter, von wo aus er einen Blick auf den immer noch bewusstlosen Snape warf.

Remus dagegen seufzte tief und schloss die Augen. Es hatte einfach keinen Sinn.

„Und was ist mit Harry?" gab er zu bedenken. „Könntest du wirklich weiterhin hier drin sitzen, ohne ihm helfen, ihn suchen zu können?"

Sirius wandte sich um. „Wenn ich weiß, dass du da draußen bist und dein menschenmöglichstes tust, ihn zu finden, ja."

Remus schmunzelte und schüttelte bedächtig den Kopf. „Nein Tatze, das könntest du nicht."

Sirius schien eine Weile mit sich selbst zu kämpfen, dann ließ er die Schultern sinken. „Vielleicht hast du ja Recht. Aber das ändert nichts an den Tatsachen, Moony."

„Vielleicht wirst du es dir nicht aussuchen können. Du warst Auror, du weißt selbst am besten, dass man in solchen Situationen nichts planen kann. Es kommt, wie es kommen muss."

„Du wirst nicht den Helden spielen und dich hier für uns opfern, hast du mich verstanden!"

So todernst, mit einem Hauch Sorge, hatte Remus seinen Freund noch nie gehört.

„Er kann nicht anders, Black, er ist ein Gryffindor."

Vollkommen überrascht zuckte Sirius zusammen und Remus sprang von seiner Pritsche auf, mit dieser dunklen, etwas mitgenommenen Stimme hatten sie beide nicht gerechnet. Umso überraschter waren sie jetzt, als sie sahen, dass er Tränkemeister gerade dabei war, sich in eine sitzende Position aufzurappeln. Seine Arme zitterten dabei leicht, als wäre seinen Muskeln diese kleine Anstrengung schon zuviel.

„Alles in Ordnung mit dir?" fragte Remus besorgt.

„Mir gings nie besser!" knurrte Snape mürrisch wie eh und je. „Aber wenn du das nächste mal eine glorreiche Idee haben solltest, erinnere mich daran, dass ich sie nicht testen werde!"

Ein schuldbewusstes Lächeln spielte um Remus Mundwinkel. „Tut mir leid, Severus, ich wusste nicht, dass das so… anstrengend… werden würde."

Snape winkte mit einer kleinen Handbewegung ab und hielt sich stattdessen mit der anderen den Kopf. Ihn schwindelte etwas, doch das gab sich rasch wieder.

„Hat es funktioniert?" fragte Sirius ohne Umschweife.

„Ja und ich weiß es nicht."

„Hä? Verdammt Snape, ich hab jetzt echt keine Lust zum Rätselraten." fauchte Sirius.

Snape bedachte ihn mit einem unergründlichen Blick aus seinen dunklen Augen.

„Ja, ich habe Albus gefunden, aber das war über diese Entfernung kein Kinderspiel. Das mit dem ausgewählte Gedanken zeigen, gestaltete sich unter diesen Umständen auch etwas schwieriger als gedacht. Ich verlor den Kontakt, bevor ich ihm alles verständlich machen konnte. Demnach weiß ich nicht, ob Albus sich daraus etwas zusammenreimen kann."

„Er wird das schon hinkriegen." meinte Remus zuversichtlich.

Snape strich sich die schweißfeuchten Haare hinter die Ohren und nach kurzem Betasten der improvisierten Binde um seinen Kopf stellte er fest, dass sie auch vollkommen durchweicht war. Vorsichtig zog er sie runter und ließ sie neben der Pritsche zu Boden fallen.

„Ich denke, wir sollten vorsichtshalber noch auf unsere andere Option, Albus zu informieren, zurückgreifen."

Remus verzog dabei unwillig das Gesicht. „Vielleicht kannst du diesem Holzkopf da drüben," er nickte in Sirius Richtung, „klarmachen, dass er…"

Weiter kam er nicht, denn das plötzliche Knirschen einer Tür schnitt ihm das Wort ab. Noch ehe die drei wussten, wie ihnen geschah, standen auch schon zwei Wärter – einer älter mit langem, grauen Haarkranz um seine fleckige Halbglatze, der andere blutjung und spindeldürr – in Snapes Zelle.

„Na los, Todesser, beweg deinen miesen Arsch!" knurrte der Alte unfreundlich.

Snape zog nur in typischer Snape-Manier eine Augenbraue hoch und bedachte den Kerl mit herablassendem Blick, was sogar in seinem zerschlagenen Zustand und auf einer Pritsche sitzend ziemlich respekteinflößend wirkte. „Ich wüsste nicht, wieso." fügte er spitz hinzu.

Das Gesicht des Alten verdüsterte sich zusehends, während die Rage ganz offen in den Zügen des Jungen zu sehen war.

„Das war keine Bitte, Abschaum!" zischte der Junge aufgebracht und packte Snape grob am Oberarm. Ohne Rücksicht auf Verluste zerrte er den angeschlagenen Mann aus der Zelle, die der Alte auch sofort wieder bombensicher magisch verriegelte.

Remus stand immer noch perplex an derselben Stelle in seiner Zelle und starrte leicht kopfschüttelnd auf Snapes Zellentür. „Warum macht er es sich immer noch schwerer, als es eh schon ist?"

Sirius dagegen hatte ganz andere Sorgen. „Moony, denkst du, Leech und dieser Knirps haben das Gitter bemerkt?"

„Was? Oh, das Gitter… verdammt, das Gitter!" Das wurde Remus erst jetzt klar. „Äh, keine Ahnung, wenn sie was bemerkt haben, dann haben sie's verdammt gut überspielt, oder?" Seine Stimme klang unsicher.

Sirius zuckte nur ratlos und nicht weniger beunruhigt mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, vielleicht standest du im Weg, vielleicht haben sie auch gar nicht drauf geachtet, vielleicht aber haben sie's doch bemerkt. Leech ist kein Anfänger."


An alle anonymen Leser und die, die diese Geschichte zu ihren Favoriten gepackt haben: auch ihr dürft Reviews dalassen wie PadBlack! Würd mich freuen!

Bis zum nächsten Mal!