Hi hi!
Erstmal ein ganz ganz dickes Bussi an Padblack für ihre Reviews! Gibt es bessere Seelennahrung als Reviews?
Übrigens Padblack: Dieses Kapitel fängt auf meiner Seite 135 an, so als Orientierungshilfe. *g*
Okay, nachdem ich euch letztes Mal so fies in der Luft hab hängen lassen, gehts jetz weiter!
Viel Spaß beim Lesen!
Unerwarteter Gast
Severus beobachtete, wie Black das Blut auf der Wunde verteilte. Sein Blut. Das Blut, das ihm immer noch ungehindert aus der Stirn und über sein Gesicht lief.
Immer noch?
Er schob seine linke Hand in seinen dünnen Hemdärmel zurück und drückte diesen dann auf die Wunde an seiner Stirn. Offensichtlich hatte er es ein klein wenig mit dem Schlag gegen die Wand übertrieben. Sein Ärmel saugte sich mit dem kostbaren Lebenssaft voll, bis er nichts mehr aufnehmen konnte, dann rann das Blut wieder über sein Gesicht und weiter in seinen Kragen.
Warum ließen sich klare Gedanken plötzlich so schwer fassen?
Er verlor zuviel Blut, jedenfalls für seinen ohnehin geschwächten Zustand. Das Bild vor seinen Augen verlor langsam aber sicher die Schärfe seiner Konturen und wurde ein wenig dunkler, bevor es anfing, sich ganz langsam, aber stetig zu drehen. Sein Kopf wurde so unglaublich schwer und seine Beine so schwach. Er stützte sich gegen das Gitter und sank schließlich langsam daran zu Boden. Erschöpft ließ er seinen Kopf gegen die Silberstäbe sinken und hielt die Augen geschlossen. Ihm war so schummrig zumute und seine Arme wurden immer schwerer. Schließlich konnte er seinen Arm nicht mehr an seiner Stirn halten, er legte ihn in den Schoß. Wieder lief ihm das Blut ungehindert über das Gesicht, aber er glaubte zu spüren, dass es weniger wurde.
„Es geht ihm besser." vernahm er da Blacks Stimme.
Er brauchte eine kleine Weile um zu registrieren, dass Black mit ihm sprach. Er konzentrierte sich aufs Sprechen und gab ihm Antwort, ohne sich irgendwie zu bewegen, oder gar die Augen zu öffnen. Nach einiger Zeit fiel ihm noch was ein.
„Leg ihn auf die Pritsche hoch. Da ist es nicht so kalt. Und er kann sich ausruhen."
Ausruhen, welch wunderbarer Gedanke. Er ließ sich noch ein bisschen mehr gegen das Gitter sinken und war sich unschlüssig, ob er der bleiernen Müdigkeit, die sich auf ihn gelegt hatte, nachgeben sollte oder ob es klüger wäre, das nicht zu tun.
„Scheiße, Snape, was… verdammt!" hörte er da jemanden wie aus weiter Ferne rufen.
Blitzschnell war Sirius in Snapes Zelle. Der Mann hockte kraftlos zusammengesunken am Boden und lehnte mit geschlossenen Augen und blassem Gesicht am Gitter. Seine ganze linke Gesichtshälfte war mit Blut beschmiert, es klebte an seinem Hals und war auf seine Kleidung getropft. Die Wunde an seiner Stirn blutete immer noch ein bisschen.
Verdammt! Dieser elendigliche Mistkerl hat's tatsächlich geschafft, sich den Schädel so richtig einzuschlagen!
Er musste die Blutung irgendwie stoppen, Snape hatte schon zuviel Blut verloren, aber mit was?
Und so griff er zum erstbesten, das er zur Hand hatte, sein Shirt. Er zog es sich flink über den Kopf, knüllte es zusammen und hockte sich neben Snape auf den Boden. Vorsichtig umfasste er Snapes Kopf mit der linken und presste mit der rechten Hand sein Shirt auf dessen Wunde. Ein leises Stöhnen war die einzige Antwort darauf.
Eine Weile blieb er so sitzen, dann warf er einen Blick auf die Wunde. Sie blutete nicht mehr. Merlin sei dank!
„Hey Snape! Wie wärs mit einem kurzen Marsch zu deiner Pritsche? Du siehst aus, als könntest du ein Nickerchen vertragen. Snape? Hey?"
Snape reagierte nicht. Sirius musterte ihn aufmerksam und fühlte auch kurz nach dessen Puls, nur um sicher zu gehen. Er hatte ein ordentliches Maß an Blut verloren und das alles nur, um Remus zu helfen, jemandem, den er doch eigentlich gar nicht leiden konnte. Und er hatte ihm selbst geholfen, nicht durchzudrehen und Remus die richtige Hilfe zukommen zu lassen. Das war alles so seltsam.
Vorsichtig wischte er mit seinem Shirt Snapes Gesicht und Hals grob sauber und probierte noch mal sein Glück, diesmal ein wenig anders.
„Hey, Severus, hörst du mich? Severus?"
Es fühlte sich komisch an, diesen Namen auszusprechen, es wollte so überhaupt nicht passen. Doch im Moment schien es zu wirken, Snapes Lider öffnete sich ganz langsam ein kleines Stück und offenbarten den unsteten Blick dunkler Augen, die Probleme zu haben schienen, ihre Umgebung wahrzunehmen.
„Severus, ich könnte ein bisschen Hilfe gebrauchen."
Er legte sich Snapes Arm mit dem blutigen Ärmel um die nackten Schultern und griff um Snapes Taille herum.
„Auf drei!" Er zählte und bei drei stand er auf, Snape versuchte zwar tatsächlich, irgendwie zu helfen, doch seine Beine wollten sein Gewicht nicht tragen und die plötzliche Bewegung ließ seine Umgebung verschwimmen. Alles drehte sich um ihn und Sirius hatte sichtlich alle Mühe, Snape zu dessen Pritsche zu schleppen. Doch er schaffte es und legte ihn vorsichtig hin.
Snapes Augen waren schon wieder geschlossen und sein Kopf sank zur Seite. Sirius suchte das Laken und deckte Snape damit zu. Er fand den alten Lappen, den er bei Snapes Fieber verwendet hatte, machte ihn nass und säuberte dessen Gesicht und Hals richtig. Snapes Gesicht aufmerksam und immer noch verwirrt musternd, sagte er das Einzige, das ihm im Moment wichtig und richtig erschien.
„Danke!"
Doch Snape konnte dieses von Herzen kommende Wort schon nicht mehr hören.
Mit fahrigen Bewegungen erhob sich Sirius, packte sein Shirt und kehrte zurück in seine Zelle. Er trank etwas, dann schüttete er ein bisschen von dem Wasser über sein Shirt und wusch das gröbste Blut damit raus. Er knotete es an zwei Enden an den Gitterstäben fest und hing es so zum Trocknen auf, danach ließ er sich erschöpft auf seine Pritsche sinken. Sein Blick glitt über die Blutflecken auf dem Boden, dann wanderte er zwischen Remus und Snape hin und her und seine Gedanken vollführten dieselben Sprünge. Völlig unzusammenhängend schoss ein Gedankenblitz nach dem anderen durch seinen Geist.
Wie würde Remus diese Strapazen überstehen?
Warum hatte Snape ihm geholfen, als er am durchdrehen war?
Warum hatte ihm Moony nie erzählt, dass Silber SO schlimm war?
Snape hatte Remus das Leben gerettet!
Moony hätte sterben können!
Snape hatte sein Blut geopfert. Warum hatte er das getan? Einfach so?
Und woher hatte er das mit dem Blut überhaupt gewusst?
Er selbst hatte Remus nicht geholfen, als es darauf ankam. Er hätte beinahe zugelassen, dass Askaban über ihn gesiegt hätte, auf Moonys Kosten.
Er hatte Snape beim Namen genannt und ihm ehrlich und aufrichtig gedankt, auch wenn er es vermutlich nicht mehr mitbekommen hatte.
Ohne Pause ging es so in seinem Kopf. Immer Abwechselnd machte er sich selbst Vorwürfe, dann wieder Sorgen um Remus, dann wunderte er sich über Snapes oder sein eigenes Verhalten. Und schließlich kam die Wut.
Die Wut auf Rukschow, der Moony das angetan hatte.
Rukschow, der Schuld daran war, dass er selbst fast verzweifelt wäre.
Rukschow, der die Schuld dafür trug, dass Snape halb verblutet ist.
Rukschow, der ihn für seinen Angriff büßen lassen würde.
Und schon griff die Angst nach ihm.
Oh ja, Rukschow würde sich rächen und seine Rache würde grausam sein, noch grausamer als sonst.
Energisch schüttelte er den Kopf, dann verwandelte er sich. Es war zuviel geschehen, zuviel als dass sein Geist das jetzt alles verarbeiten könnte. Er konnte auch später noch darüber nachdenken.
Der Hund rollte sich zusammen, seine Gedankengänge waren viel einfacher, für ihn zählte nur eins: das Wohl seiner menschlichen Gefährten. Er legte seine Schnauze auf seine Pfoten, den Blick auf Remus Zelle gerichtet, doch seine Sinne waren hellwach und bereit, jede noch so kleine Veränderung wahrzunehmen, nicht nur in der Zelle gegenüber, sondern auch in Snapes Zelle.
Er würde über die beiden wachen.
Solange es nötig war.
Hogwarts…
„Es ist nicht gerade viel, aber immerhin. Für unser Vorhaben reicht es aber nicht, wenn die anderen nicht auch noch etwas davon auftreiben konnten." brummte Moody in den schwarzmalerischsten Tönen.
„Besser als nichts. Danke, dass du so schnell hier warst, Alastor. Aber dieser letzte Zauber hat mich wirklich vor Rätsel gestellt." entgegnete Dumbledore.
Moody schmunzelte und in seinem echten Auge funkelte es. „Der hatte es auch in sich. Severus ist wirklich nicht auf den Kopf gefallen. Das war schon ein gewitztes Stück Magie, nicht von schlechten Eltern. Aber er war schon immer ein Meister darin, Dinge vor anderen zu verbergen."
„In der Tat, in der Tat." stimmte Dumbledore nachdenklich zu.
Am späten Abend hatte er zusammen mit Minerva begonnen, sich die Schutz- und Verschlusszauber vorzunehmen, die über Severus' Quartier lagen, damit niemand in seiner Privatsphäre herumschnüffelte, oder in seinem Labor. Mit der Zeit war es immer kniffliger geworden, sie zu knacken und am letzten waren sie dann schließlich alle beide verzweifelt und hatten schließlich kapituliert. Albus hatte dann Alastor Moody informiert, der sofort per Flohpulver herbeigeeilt war und sich das Ganze mal angesehen hatte. Und gemeinsam war es ihnen gelungen, den Zauber zu knacken und eine kleine Phiole Vielsafttrank aufzustöbern.
Sie kehrten gerade zurück aus den Kerkern in die Eingangshalle, wo sie vor dem großen Eingangsportal innehielten.
„Dann werd ich mal zu meiner Arbeit zurückkehren. Die Spur der Todesser verfolgt sich schließlich nicht von allein zurück zu Voldemorts Versteck."
Albus lächelte wehmütig. „Leider."
„Der Junge ist zäh, Albus."
„Es ist meine Schuld. Wäre ich sofort zu ihm und hätte ihn hergeholt, dann wäre das alles nicht passiert. So viele Jahre, so viele Entscheidungen und doch mache ich immer noch solche dummen Fehler, es ist fast, als…"
Ein dumpfer Aufschlag riss die beiden aus ihrer trübsinnigen Unterhaltung, ihr folgte ein schwaches Pochen, als wäre etwas mit äußerst geringem Schwung von außen gegen die Eingangstür geprallt.
Erschrocken, überrascht und sofort mit allem rechnend, wirbelte Dumbledore herum, dass er der Tür zugewandt dastand, den Zauberstab augenblicklich in der Hand. Doch Moody war noch schneller, ließ den Zauberstab aber keine Sekunde später wieder sinken. Sein magisches Auge war starr auf die Tür gerichtet und blickte vermutlich auf das, was das Geräusch verursacht hatte.
„Albus, da bist du ja. Oh hallo Alastor. Mundungus hat sich gerade gemeldet, er hat etwas Viel…"
„Scht!" unterbrach Dumbledore McGonagall, die gerade die Treppen herunterkam, unwirsch.
„Ich glaube, wir haben Besuch." sagte Moody in seltsamem Tonfall und öffnete einen Türflügel.
Jetzt konnte auch Dumbledore sehen, was bisher nur Moody erspäht hatte, wenn auch nur von hinten. Da lag jemand auf den Stufen vor der Tür. Schnell eilten die beiden Männer nach draußen in die angenehm kühle Nacht – es war etwa halb zwölf – und knieten neben der Person nieder. Es war eine Frau mit kurzem Haar und auffällig bunter Kleidung. Ihre Haut war ganz blass und ihr rechter Arm war geschwollen und dunkelblau verfärbt und er lag in diverse seltsame Winkel verdreht unter ihrem Körper. Ein Schuh fehlte ihr, ihr Shirt hatte einen langen Riss, Dreckspuren zogen sich über ihre Kleidung, an ihren Händen und ihren Knien klebte Erde und Gras, blutige Kratzer und zahlreiche blaue Flecke zierten ihre Beine. Vorsichtig griff Dumbledore nach ihrer Schulter und drehte die Frau langsam und sachte auf den Rücken. Verwischtes, angetrocknetes Blut bedeckte ihr halbes Gesicht – es kam ursprünglich aus einer Platzwunde an der rechten Schläfe. Es bestand kein Zweifel, es war…
„Rita Kimmkorn." stellte Moody fest. Die Verwunderung war ihm deutlich anzuhören, oder Dumbledore hörte sie zumindest, weil er Moody lange genug kannte, um zu wissen, wie dieser Verwunderung äußerte.
Albus rief nach drinnen. „Minerva, lauf sofort zu Poppy, sie soll alles herrichten, sie bekommt einen Patienten!"
Einen Augenblick blieb McGonagall irritiert stehen, dann eilte sie los.
Moody zauberte derweil eine Trage herbei und Dumbledore half ihm dabei, die Frau daraufzulegen.
„Was ihr wohl passiert ist?" fragte sich Dumbledore laut.
Moody runzelte die Stirn. „Ich frag mich eher, wieso sie hierher gekommen ist?"
Von da an stumm brachten sie die Trage mit Rita Kimmkorn zügig zu Poppy hinauf in den ersten Stock, die nicht minder erstaunt wirkte, über diesen späten, in diesen Hallen ungewöhnlichen Gast, der auch noch solch schwere Verletzungen mit sich brachte.
Nach einer oberflächlichen Untersuchung schickte sie Dumbledore, McGonagall und Moody weg.
„Wir müssen unbedingt erfahren, was passiert ist! Irgendwas stimmt hier nicht. Etwas geht nicht mit rechten Dingen zu, wenn Rita Kimmkorn kurz vor Mitternacht schwer verletzt vor Hogwarts Türen liegt und dann auch noch in solchen Zeiten. Wann können wir mit ihr reden, Poppy?"
„Frühestens morgen früh, Albus. Frühestens. Sie hat innere Verletzungen und ihr rechter Arm ist mindestens viermal gebrochen, soweit ich das bisher feststellen konnte."
Die drei verließen die Krankenstation und überließen die Patientin den erfahrenen Händen von Madame Pomfrey. Eine Weile diskutierten sie im Büro des Direktors bei einer Tasse Tee über dieses seltsame Geschehnis, dann ging McGonagall ins Bett, Moody verabschiedete sich, um noch ein wenig den Todessern nachzuforschen und Dumbledore starrte weiterhin in die Flammen seines Kamins und versuchte die neuen Rätsel, die Rita Kimmkorns Auftauchen aufwarfen, zu lösen.
Woher stammten diese Verletzungen?
Wie war sie hierher gekommen?
Und vor allem, warum? Sie verband nichts mit Hogwarts, rein gar nichts.
War sie in Schwierigkeiten und erhoffte sich hier Hilfe?
Doch ohne mit ihr zu sprechen, würde er wohl keine Antworten auf seine Fragen erhalten.
Askaban…
Wieder einmal tastete er im Dunkeln nach dem Wasserkrug und befeuchtete den kleinen Stofffetzen von neuem, aber mehr als ein paar Tropfen konnte er dem Krug nicht mehr entlocken.
„Glibberwurm und Krötendreck!" fluchte er leise.
Er verwandelte sich, kroch zurück in seine Zelle, nahm seinen Krug und stellte gereizt fest, dass das bauchige Gefäß natürlich nicht durch die Gitterstäbe hindurchpasste.
„Shit!"
Wütend schlug er mit der flachen Hand gegen einen der Stäbe. Ein Silberstab. Der Grund dafür, warum er das Wasser brauchte.
Er musste sich zusammennehmen, um nicht frustriert zu schreien. Mühsam zwang er sich dazu, ruhig zu atmen und einen klaren Gedanken zu fassen, was nicht so einfach war. Die Stunden flossen überaus zäh dahin, er war mit sich allein. Remus war seit dem Vorfall mit Rukschow und dem Silber nicht mehr aufgewacht und zu allem Überfluss hatte er gegen Abend auch noch Fieber bekommen. Nicht so schlimm, aber es war da und er wusste, dass es nicht wie bei Snape von einem Trank kam, sondern von seiner Erkältung, die wahrscheinlich bald eine Lungenentzündung werden würde, wenn er nicht demnächst einen Heiler bekäme.
Und Snape lag auch völlig reglos auf seiner Pritsche, bleich wie der Tod war er gewesen, bevor das Licht ausging, aber er atmete regelmäßig. Es fiel Sirius schwer, es sich einzugestehen, aber gerade im Moment, gerade jetzt, wo alles so schwer auf ihm lastete, ihn zu erdrücken drohte, vermisste er die bissigen Kommentare des Tränkemeisters.
Es war niemand mehr da, der ihn von seinen Gedanken ablenkte. Und in seinem Kopf herrschte ein wahres Durcheinander. Da war die Sorge um Remus, die im Moment alles andere überragte und den Rest doch nicht ganz verdrängen konnte, die Sorge um Harry, die Sorge – auch hier hatte er lange gebraucht, sich das wirklich einzugestehen, aber es war tatsächlich Sorge – um Snape, der wirklich verdammt viel Blut verloren hatte. Da war die Verwirrung, die Snape mit seinem Verhalten in ihm ausgelöst hatte, seine Wut auf Rukschow, seine panische Angst vor Rukschows Rache für seinen Würgegriff, die bisher noch nicht erfolgt war. Aber Rukschow kannte ihn, er wusste, dass seine Rache effektiver war, wenn er ihn zappeln ließ und dann erst zuschlug.
Irgendetwas Kleines nagte an ihm, etwas, das offenbar wichtig war, doch er konnte sich nicht mehr darauf besinnen, was es gewesen war. Ein kleines Detail, das sich ihm entzog. Die Tatsache, dass sie ihre Fluchtpläne nun endgültig über den Haufen werfen und völlig vergessen konnten, trug auch nicht gerade zu guter Laune bei.
Dann war da die Dunkelheit, die ihn einhüllte, die ihr eisiges, alles erstickendes Tuch über ihm ausbreitete. Der zurückliegende Dementoren'besuch' zehrte auch noch an ihm. Er war müde, hundemüde, doch er konnte es sich jetzt nicht erlauben, zu schlafen. Nicht jetzt, wo es Remus und Snape so schlecht ging. Die Kälte ihrer Zelle biss sich schmerzhaft in seine nackte Haut – immerhin hing sein Shirt noch immer feucht an den Gitterstäben.
Langsam begann seine Hoffnung darauf, dass Dumbledore es schaffen würde, sie – oder auch nur Remus – hier rauszuholen, stetig zu schrumpfen. Er hätte doch schon längst versucht, etwas zu unternehmen, oder sich bei ihnen bemerkbar zu machen, ihnen eine Nachricht zukommen zu lassen.
Sein Kopf sank kraftlos gegen das Gitter. Sein Leben war vor 15 Jahren zu einem einzigen Albtraum geworden und er spürte, wie ihm langsam die Kraft ausging, sich aus dessen Sumpf wieder zurück ins Wachsein zu kämpfen. Er schloss eine Weile die Augen und schlang seine Arme um seinen frierenden Körper. Und plötzlich stand ihm ganz deutlich diese eine Frage vor Augen, drängte sich ihm auf, als wäre sie die Lösung aller Dinge:
Wieso kämpfe ich denn noch, wenn eh nur alles immer schlimmer wird?
Für einen Moment konnte er keine Antwort finden, konnte nur dumpf in die Dunkelheit starren und sich nur kapitulierend fragen: Ja wieso eigentlich?
Er lag am Boden, um ihn herum alles voller Staub und Dreck. Eine Katze saß auf seiner Brust, Harry stand vor ihm und Remus stand in der Tür, den Zauberstab erhoben. Beim Anblick seines alten Freundes bildete sich ein Kloß in seiner Kehle, der ihm das Sprechen verwehrte. Wie hatte er ihn jemals verdächtigen können?
„Außer, er war es… wenn ihr getauscht habt… ohne es mir zu sagen?"
Starr blickte er Remus an, wollte etwas sagen, doch er brachte nur ein Nicken zustande.
Langsam ließ Remus seinen Zauberstab sinken und sah ihn unverwandt an. Hinter seiner Stirn schien es zu arbeiten und wie früher kombinierte er schnell und richtig. Mit wenigen schnellen Schritten war er an seiner Seite und streckte ihm die Hand entgegen. Sein Gesicht war ernst, doch in seinen Augen funkelte es. Er ergriff die Hand und Remus zog ihn hoch auf die Beine und im nächsten Moment zog er ihn in eine feste Umarmung.
Er spürte die Wärme, die von Remus Körper ausging. Fühlte die starken Hände, die ihn festhielten. Worte waren nicht nötig. Er wusste, dass es jetzt aufwärts gehen würde, dass Remus bereute, ihn je beschuldigt zu haben, dass er froh war, im Unrecht gewesen zu sein, dass er einen Freund zurückhatte und nicht mehr alleine war.
Und vor allem spürte er mit jeder Faser seines ausgemergelten Körpers, dass er frei war.
Das Bild verschwamm und er fand sich in dem unterirdischen Gang zwischen Heulender Hütte und Peitschender Weide wieder. Vor ihm schwebte Snape in der Luft und schlug gelegentlich mit dem Kopf gegen die niedrige Decke.
„Ich verstehe natürlich, wenn du bei deinem Onkel und deiner Tante bleiben willst. Aber, nun, denk darüber nach. Sobald mein guter Name wiederhergestellt ist…wenn du ein… ein neues Zuhause willst…" Seine Stimme brach ab, er wusste nicht, was er noch sagen sollte, oder wie er es sagen sollte. War es zu gewagt gewesen, gleich damit herauszuplatzen? Den Jungen, der ihn gerade eben noch für den Mörder seiner Eltern gehalten hatte, damit zu überfallen?
„Wie – bei Ihnen wohnen?"
Er klang ungläubig überrascht. Natürlich hatte er nicht damit gerechnet. Wie konntest du auch so dumm sein und glauben, dass er gleich vor Freude jubelt und sich dir an den Hals wirft? Und er siezte ihn…
„Die Dursleys verlassen?"
„Natürlich, es war mir schon klar, dass du nicht willst. Ich verstehe, ich dachte nur, ich…" sagte er schnell, um sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Wie hatte er auch so dumm sein können?
„Du bist wohl verrückt. Natürlich will ich von den Dursleys weg. Hast du ein Haus? Wann kann ich einziehen?" fragte Harry eilig.
Ungläubig starrte er Harry an. „Du willst? Im Ernst?"
„Ja, im Ernst!" Und Harry grinste.
Sein Herz machte vor Freude und Überraschung einen Sprung. Harry, sein Patensohn, wollte tatsächlich bei ihm sein. Sein Leben würde wieder einen Sinn haben, er hatte Remus zurück und Harry und gemeinsam würden sie von vorne anfangen und alles daran setzen, ihre Freunde – Harrys Eltern – zu rächen und Voldemort zu vernichten.
Sein Kopf ruckte hoch. Ganz deutlich hatte er die Bilder zweier Menschen vor Augen.
„Remus und Harry! Für sie kämpfe ich!"
Energisch stemmte er sich hoch und überlegte einen Augenblick, dann huschte er in Remus Zelle zurück und holte auch den leeren Krug ans Gitter. Im Dunkeln tastend, schaffte er es, die zwei Krüge so zwischen die Stäbe zu halten, dass er das Wasser aus seinem Krug in Remus' leeren Krug füllen konnte. Zufrieden mit sich und um einiges zuversichtlicher als vor wenigen Minuten kehrte er an Remus Krankenlager zurück und legte ihm den feuchten Lappen wieder auf die Stirn. Ein leises Stöhnen war die einzige Antwort.
Beruhigend strich er ihm übers Haar. „Du wirst wieder gesund, Moony. Das versprech ich dir!"
Leise knurrend erhob sich der zottelige, schwarze Hund von seiner Pritsche, als mit einem Schlag alles in gleißendes Licht getaucht war. Die Nacht war vorüber. Er sprang zu Boden und verwandelte sich zurück in seine menschliche Form und streckte sich erstmal, dass seine Knochen knackten. Er fühlte sich total verspannt und gerädert. Ein herzhaftes Gähnen überfiel ihn, das er nicht unterdrücken konnte. Nach einem Schluck Wasser – oder besser den drei Tropfen, die noch in seinem Krug waren – prüfte er sein Shirt. Nur noch an den Nähten war es leicht klamm, aber ansonsten trocken, wenn es auch furchtbar aussah. Hellrote Schlieren zogen sich über den weißen Stoff, die immer noch eindeutig als Blut zu identifizieren waren.
Snapes Blut, erinnerte er sich wieder und immer noch fassungslos. Und auch Spuren seines eigenen.
Dennoch zog er es über.
Ein Blick in dessen Zelle sagte ihm, dass er immer noch friedlich schlief, immer noch leichenblass. Um die Wunde herum hatte sich die Haut blaugrün verfärbt. Er musste seinen Kopf wirklich härter gegen die Wand geschlagen haben, als er gedacht hatte.
Dann wandte er sich Remus zu. Er schlüpfte in dessen Zelle und fühlte dessen Stirn. Der Lappen war wieder warm. Sirius seufzte und biss sich besorgt auf die Unterlippe. Wieder befeuchtete er den Lappen neu – kurz vor ‚Tagesanbruch' hatte er bereits auf Snapes Wasservorräte zurückgreifen müssen – und legte ihn zurück auf Remus Stirn. Er hoffte inständig, dass das Wasser bald nachgefüllt wurde. Und dass Remus' Fieber sinken würde.
Sachte tastete er nach dessen Hand und fühlte den Puls. Wenigstens war hier wieder alles in Ordnung. Die verletzte Hand ruhte auf Remus Brust.
Da flackerten seine Augenlider. Sirius setzte sich platzsparend neben seinen Freund auf die Pritsche und beobachtete geduldig, wie dieser langsam erwachte. Als seine Augen ihn schließlich fanden, glänzten sie fiebrig und blickten trüb und verwirrt drein. Er schien sich nicht so recht orientieren zu können.
Undeutlich spürte er eine Berührung an seiner Stirn, er versuchte sich darauf zu konzentrieren, doch dann hörte es auf und eine angenehme Kühle legte sich auf seine Stirn. Die fremden Finger an seiner Hand nahm er schon wesentlich deutlicher wahr. Genauso wie das unangenehme Zwicken in seinem Brustkorb. Seine Rippen, genau, seine Rippe war gebrochen, daran konnte er sich erinnern. Aber diesen scharfen, brennenden Schmerz an seiner linken Handfläche, den konnte er anfangs nicht zuordnen.
Er versuchte, seine Augen zu öffnen, sich zu orientieren. Doch um ihn her war alles so grell, dass es in seinen Augen schmerzte. Aber aufgeben wollte er auch nicht, er wollte wissen, wo er war und wer ihm diese angenehme Kühle verschafft hatte. Seine Bemühungen, sich an das helle Licht zu gewöhnen, zogen sich in die Länge, verschafften ihm allerdings Zeit zum Denken.
Langsam fielen ihm die Dinge wieder ein. Er war in Askaban, zusammen mit Sirius und Severus. Rukschows Verhör, daher die gebrochene Rippe, Troy und Rukschow waren in seiner Zelle gewesen. Dann war da dieser gleißende, alles vernichtende Schmerz, der seine gesamte Erinnerung überschattete, bis jetzt. Was war passiert?
Er fühlte sich jedenfalls ziemlich zerschlagen und schlapp, dazu die Schmerzen. Und da war noch etwas. Jedes Mal, wenn er einatmete, zog das ein leises Geräusch mit sich und beim Ausatmen auch. Es fühlte sich an, als hätte sich durch das Liegen eine Art Schleimteppich über seine Luftröhre gelegt, die ihn jetzt beim Atmen behinderte und außerdem bei jedem Atemzug unangenehm kitzelte.
Endlich gelang es ihm, seine Augen offenzuhalten. Jemand saß an seiner Seite. Sirius. Der Anflug eines Lächelns zog sich über seine Lippen, bis ihn das erneute Atmen noch weiter kitzelte und sein Körper das Einzige tat, was in so einer Situation Abhilfe schuf. Jedenfalls normalerweise. Er hustete.
Schon das erste krampfhafte Zusammenziehen von Zwerchfell und Rippenmuskulatur entfachte einen gleißenden Schmerz in seiner linken Seite, dass er Sternchen sah und sich seine Muskeln noch mehr zusammenkrampften, was ihn nur weiter zum Husten zwang.
Er kniff die Augen zusammen und presste seine Hände an seine Brust, doch nichts vermochte den Schmerz zu lindern. Immer krampfhafter sog er die Luft ein und hatte doch das Gefühl, nicht genug davon zu bekommen. Nur vage spürte er, wie zwei starke Hände ihn an den Schultern packten und auf die Seite drehten. Mit einem Mal fiel das Husten leichter, er spürte, dass er den Schleim loswurde und wieder atmen konnte, doch dieses Inferno wütete auch weiterhin in seinem Brustkorb.
Eine Hand strich ihm beruhigend über den Rücken und er war sich düster einer Stimme bewusst, die sachte auf ihn einsprach, doch er verstand die Worte nicht. Aber langsam legte sich der Hustenreiz. Sein Zwerchfell entspannte sich und er fühlte richtig, wie sein ganzer Körper kraftlos in sich zusammensackte. Doch die Hände hielten ihn fest und ließen auch nicht los.
Mit zusammengepressten Lippen hielt Sirius seinen Freund fest. Der Hustenanfall hatte ihn einiges an Kraft gekostet und er konnte sich nicht im Geringsten vorstellen, was für Schmerzen eine gebrochene Rippe in so einem Fall hervorrief. Er sah nur das wesentlich blassere Gesicht Moonys, das verkniffen Mund und Augen zusammenpresste. Langsam ließ er sich neben die Pritsche auf die Knie sinken und redete beruhigend auf seinen Freund ein.
„Moony, ich bin hier. Atme ganz ruhig, ganz langsam, dann wird es bald besser werden."
Erst als er an Remus' Gesichtsausdruck zu erkennen glaubte, dass dieser wieder einigermaßen Herr über sich war, wagte er es, eine Frage zu stellen.
„Wie fühlst du dich?" flüsterte er leise.
Die Frage drang nur langsam zu ihm durch. Um ihn herum begann sich wieder alles zu verdüstern und verschleiern. Gedanken ließen sich nur schwer fassen. Er wollte Sirius keine Angst machen, wollte ihn beruhigen, wollte ihm etwas sagen, wie ‚Halb so schlimm' oder ‚Es geht schon' oder ‚Mach dir um mich keine Sorgen', doch diese Worte fanden nicht den Weg zu seinen Lippen. Stattdessen stahlen sich zwei anderen Worte dorthin, zwei Worte, die von ganz tief drin kamen, zwei Worte, die ihm auf der Seele lagen und ohne Nachdenken das Einforderten, was seine Seele jetzt brauchte.
Sirius sah, wie sich Remus Gesichtszüge glätteten. Er schlief wieder ein, zu sehr hatte ihn das Husten und die daraus resultierenden Schmerzen angestrengt. Eine Antwort auf seine Frage erwartete er nicht mehr und war dafür umso überraschter, als zwei leise Worte an sein Ohr drangen. So aufrichtig und ehrlich, dass sich sein Herz schmerzhaft zusammenzog.
„Halt mich."
Das brauchte ihm niemand zweimal sagen. Vorsichtig schob er seinen Arm unter Remus Kopf und bettete diesen auf seinen Oberarm, mit der Stirn an seiner Schulter. Seine Hand kam auf Remus Schulter zum Ruhen und mit der anderen umfasste er dessen gesunde Hand.
So verharrten sie reglos, auch noch eine ganze Weile nachdem Sirius sich sicher war, dass Remus wieder schlief. Er hielt ihn einfach nur fest, gab ihm Halt und vielleicht auch ein bisschen Kraft von sich.
Hogwarts…
„Und kannst du dich auf diesen Kontaktmann verlassen, Mundungus?" fragte Dumbledore ernst.
Mundungus nickte. „Er hat mich noch nie hängen lassen. Wenn er ein gutes Geschäft wittert, ist er die Zuverlässigkeit in Person."
„Du triffst dich mit ihm um elf?"
Wieder nickte der zottelige Mann mit der etwas heruntergekommenen Kleidung.
Der Orden hatte sich diesmal in Hogwarts getroffen. Dumbledore wollte nicht zu weit weg sein, wenn die Patientin in der Krankenstation erwachte. Die anderen waren nicht weniger erstaunt über diesen Gast, als er selbst, doch eine Erklärung dafür hatte niemand.
Bisher hatten sie keinerlei Fortschritte zu verzeichnen, aber immerhin hatte Mundungus Fletcher es geschafft, noch etwas Vielsafttrank aufzutreiben, dann hatten sie genug, um eine einzelne Person für ungefähr eine Stunde zu verwandeln.
Dumbledore erhob sich von seinem Stuhl im Lehrerzimmer. „Nun gut, ich werde aufbrechen, sobald du den Trank hierher gebracht hast."
Die anderen nickten.
„Entschuldigt mich bitte, ich werde der Krankenstation mal einen Besuch abstatten."
Damit verließ er das Lehrerzimmer. Die Versammlung zerstreute sich nicht, stattdessen bildeten sich kleine Grüppchen und überall wurde diskutiert und das, was sie bisher herausgefunden hatten, noch mal durchgekaut. Gemeinsam suchten sie nach neuen Strategien, wie sie vielleicht an Informationen über Voldemorts Aufenthaltsort kommen könnten.
Währenddessen betrat Dumbledore leise die Krankenstation, doch seine Diskretion schien nicht nötig zu sein, wie er beinahe augenblicklich hörte.
„… zu Dumbledore! Es ist wichtig! Jetzt lassen sie mich gefälligst aufstehen oder…"
Als er sich auf den Ursprung der etwas schrillen, wohlbekannten Stimme zubewegte, verstummte diese sofort beim Klang seiner hallenden Schritte. Ein Kopf erschien hinter einer der weißen Trennwände, die den Patienten vor den Blicken der Eintretenden schützte, ein Kopf mit kurzen, dunklen Locken und sturem, nur mühsam ruhigem Gesichtsausdruck. Erleichtert verdrehte Poppy die Augen, als sie ihn erblickte.
„Merlin sei dank, Albus. Ich wollte dich schon rufen, aber wenn ich das Zimmer verlassen hätte, dann wäre sie auch weg. Gerade wollte ich ihr schon was zur Beruhigung geben, aber das ist jetzt glaube ich nicht mehr nötig. Sie will unbedingt mit dir sprechen."
Dumbledore trat um die Trennwand herum und begrüßte Rita Kimmkorn freundlich. Sie war ein bisschen blass, aber ihre Augen funkelten und blitzten so voller Tatendrang wie eh und je. Die Platzwunde an ihrer Stirn war nur noch als rötlicher Schatten zu erkennen, ihr gebrochener Arm steckte geschient und mit Umschlägen umwickelt in einer Schlinge um ihren Hals. Das weiße Nachthemd, das sie nun trug, wollte so gar nicht zu ihrer sonstigen Erscheinung passen, aber sie schien sich im Moment nicht daran zu stören, sondern setzte sich vorsichtig im Bett auf.
„Ich dachte schon, ich müsste noch stundenlang hier rumschreien, bis ich sie endlich mal zu Gesicht bekomme. Ich muss…"
Albus unterbrach ihren sofort einsetzenden Redefluss mit einer Handbewegung. „Langsam langsam, alles zu seiner Zeit, Ms. Kimmkorn. Wie geht es ihnen?"
Verwirrt von der Unterbrechung huschten ihre Augen umher, bis sie sich auf seine Frage besann. „Ähm… danke, es… es könnte besser sein, aber in Anbetracht der Umstände… ich denke, ich sollte mich bei ihnen für die Pflege bedanken… danke…"
Bei ihren letzten Worten sah sie Poppy an, die zufrieden nickte und sich dann leise entfernte, damit die beiden ungestört reden konnten.
„Das war selbstverständlich. Aber wieso sind sie hierher gekommen? Und was ist mit ihnen geschehen? Wer hat sie so zugerichtet?"
Rita atmete einmal tief ein und versuchte ihre Gedanken und Erinnerungen zu sortieren. „Ich habe etwas gesehen… ein Verbrechen wenn sie so wollen… eigentlich wollte ich zurück zum Tagespropheten und mir mit dieser Story ein Comeback sichern, doch dann… geschah dieser Unfall. Nach St. Mungos konnte ich nicht, die hätten zu viele Fragen gestellt und deshalb… bin ich hier."
Kaum merklich runzelte Dumbledore die Stirn, aus diesen Rätseln wurde er nicht wirklich schlauer. „Was ist passiert? Was haben sie gesehen?"
Ihr Gesicht wandte sich ihm zu und sie sah ihm direkt in seine hellblauen Augen. „Ich war in Askaban."
Diese vier Worte reichten völlig aus, eine Spannung in seinem Inneren zu erzeugen, die ihn zu zerreißen drohte. Tausende Fragen stürmten auf ihn ein, doch er zwang sich – wenn auch wirklich mühsam – Ruhe zu bewahren und der Reihe nach eine Frage nach der anderen zu stellen. Dennoch zitterten seine Hände leicht vor Aufregung und er verschränkte seine Finger schließlich, damit Rita nichts davon bemerkte.
„Ich wollte den dortigen Sicherheitschef, ein unheimlicher, unfreundlicher Mann namens Rukschow, überreden, mir ein Interview mit einem der drei jüngsten Straftäter zu gewähren."
„Severus, Sirius und Remus." stellte Dumbledore trocken fest.
„Ja. Das wäre meine Chance gewesen. Aber er lehnte ab und ich wurde nach draußen gebracht. Da lief uns plötzlich ein anderer Wärter mit einem Gefangenen über den Weg. Mr Lupin."
„Sie haben Remus gesehen?"
Sie nickte. Und als sie die Hoffnung in seinen Augen sah, schüttelte sie nur resigniert den Kopf. „Er sah aus wie ein Gespenst und ich glaube nicht, dass er noch ganz klar bei Verstand war. Er rief mir zu, ich solle ihnen eine Nachricht übermitteln. Sie seien alle unschuldig und alles wäre von Sie-wissen-schon-wem eingefädelt, um Harry zu töten. Ein bisschen weit hergeholt, finden sie nicht auch?"
Dumbledores Miene gefror zu Eis. Die drei hatten herausgefunden, wer wirklich hinter diesen Anschuldigungen, diesem Mord und der Verhaftung steckte, doch die Antwort bestätigte nur seine schlimmsten Befürchtungen und was Harry betraf… er wagte gar nicht, daran zu denken. Er zwang sich dazu, Rita anzusehen, die ihn fragend musterte.
„Hat er noch etwas gesagt?"
„Nein."
Dumbledore seufzte. „Wie haben sie sich dann diese Verletzungen zugezogen."
„Nun ja, der Wärter brachte mich endgültig nach draußen. Er war gar nicht glücklich, dass ich nun doch einen Blick auf einen der drei hatte werfen können und katapultierte mich ziemlich unfreundlich nach draußen. Er blieb vor der Tür stehen und schien sich eine kleine Pause zu gönnen, da hab ich…" Sie zögerte. Wenn sie ihm wirklich alles erzählte, dann musste sie ihm auch ihr Geheimnis anvertrauen. Niemand wusste davon, außer diesem kleinen Gör, dieser Granger. Ihr fiel wieder ein, was sie alles gesehen und gehört hatte und seufzte schließlich.
„Versprechen sie mir, mein Geheimnis für sich zu behalten?"
In diesem Moment hätte Dumbledore alles versprochen, nur um herauszufinden, was sie gesehen hatte und wovon sie sich gleich ein Comeback erhoffte. Doch egal wie hastig seine Entscheidung fiel, er war bereit dazu zu stehen.
„Natürlich." sagte er ernst.
Rita atmete tief durch, schloss kurz die Augen und meinte schließlich: „Ich bin ein Animagus."
Dumbledore hob nur überrascht die Augenbrauen, ging aber nicht weiter drauf ein. Dennoch wurde ihm gerade so einiges klar, zum Beispiel wie es ihr während des Trimagischen Turniers gelungen war an all diese ‚Insider'- Informationen heranzukommen.
„Ich wollte diese Story nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also hab ich mich verwandelt, in einen Käfer. Ich bin durch die offene Tür hineingeflogen und auf gut Glück zurück zu Rukschows Büro. Da hab ich dann auch schon Stimmen gehört. Ich hab als Mensch leise die Tür geöffnet und bin als Käfer hineingeschlüpft und hab vom Schreibtisch aus das Verhör beobachtet…"
Sie erzählte ihm alles, was sie gesehen hatte. Wie Remus eine Art Geständnis entwunden wurde, wie Rukschow auf ihn eingetreten hatte, wie die beiden Männer am Fenster sich darüber beraten hatten, die Gitterstäbe der Zelle in Silber zu verwandeln, damit dem Werwolf das Lachen verging. Und sie erzählte ihm, wie sie näher ranwollte, um mehr zu verstehen, sie dann aber von Rukschows Hand getroffen und aus dem Fenster geschleudert wurde. Er hatte ihr den Flügel gebrochen und sie war haltlos zu Boden in ein Gebüsch gestürzt. Sie muss bewusstlos gewesen sein, denn sie erwachte erst, als es schon dunkel war. Mit Müh und Not hatte sie sich hierher geschleppt.
Dumbledore lauschte auf jedes ihrer Worte, gefesselt von Unglauben und Entsetzen. Er musste nach Askaban, so schnell wie möglich. Und sie mussten eine Möglichkeit finden, die drei zu befreien. Das war nicht einfach nur ein Gefängnisaufenthalt bis zur Verhandlung, das war Folter. Energisch sprang er auf.
„Danke. Es war richtig, dass sie hergekommen sind…" Damit wandte er sich auch schon zum Gehen.
„Was… was ist mit meinem Geheimnis? Werden… werden sie es verraten?" rief ihm Rita mit unsicherer Stimme nach, doch er war schon weg. Unterwegs nach oben ins Lehrerzimmer. Er wusste, dass die anderen noch da sein würden, sie waren alle zu neugierig auf Ritas Erklärung gewesen.
Mit wenigen Worten und knappen Erklärungen weihte er die Ordensmitglieder ein, die nicht minder geschockt waren als er selbst, doch er erwähnte mit keinem Wort Ritas Geheimnis, weshalb die Geschichte bei den anderen ein wenig Verwirrung auslöste, da der entscheidende Teil fehlte. Doch sie respektierten sein Schweigen, vor allem, weil seine Nachrichten einfach zu schrecklich waren. Dumbledore hielt Mundungus zur Eile an, dann trennten sie sich. Mit einem Foto von Malfoy, das Alastor ihm besorgt hatte, machte er sich auf den Weg, passende Kleidung zu besorgen und wies Poppy unterwegs an, ihm einiges vorzubereiten, was er vielleicht brauchen könnte.
Und immerwährend nagte die Sorge um Harry an ihm, genauso wie die Schuld.
Askaban…
Remus schlief wieder ruhig, diesmal aber auf der Seite. Die Wasserkrüge hatten sich auch erneut gefüllt und nachdem Sirius Remus mit einem frischen kühlen Lappen versorgt hatte und seinen eigenen Durst gestillt hatte, zwängte er sich erneut durch die Gitterstäbe, diesmal um nach dem zweiten Patienten zu sehen. Er ließ sich neben der Pritsche auf die Knie sinken und betrachtete Snape einen Augenblick.
Sein Gesicht war leichenblass, richtig fahl, sogar seine Lippen; die Wunde an seiner Stirn hatte sich notdürftig geschlossen und die Schorfbildung war in vollem Gange. Und doch wirkte sein Gesicht entspannt. Er lag auf der Seite, Sirius zugewandt und in das Leintuch gehüllt. Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, legte er seine Hand an dessen Stirn. Sie war kühl. Es schien ihm gut zu gehen.
Gerade, als er aufstehen wollte, bemerkte er Snapes Fingerspitzen, die vor seiner Brust unter dem Laken hervorlugten. Seine Finger waren ebenfalls ganz weiß, die Haut unter seinen Fingernägeln sogar eindeutig blau. Er runzelte die Stirn und schob die Decke zurück. Beide Hände sahen so aus, völlig farblos, die Fingerspitzen leicht hellblau und die Nägel richtig blau. Sein Blick huschte über die immer noch einbandagierten Handgelenke.
„Verdammt, wieso hab ich da nicht drangedacht?" schimpfte er sich selbst, aber leise.
Snapes Durchblutung der Hände war eh schon schlecht gewesen und jetzt nach dem Blutverlust musste sie ja noch schlechter sein. Er streckte seine Hand aus und legte sie über Snapes Handrücken. Der war eiskalt.
„Sirius, du Idiot!"
Und so kniete er sich bequemer hin und umschloss die eiskalten Hände seines Gegenübers mit seinen und wärmte diese so gut es ging.
Wenn mir vor einer Woche jemand gesagt hätte, ich würde bald an Snapes Bett sitzen und ihm die Hände halten, ich hätte ihn ausgelacht und als Strafe für so eine wüste Idee wahrscheinlich für ne Weile in `ne Kloschüssel verwandelt. Wieviel sich doch in den letzten Tagen verändert hat…
Nur mühsam durchbrach sein Geist die Schranken zwischen Schlaf und Wachen, und obwohl es eigentlich ein recht erholsamer Schlaf war, so fühlte er sich doch schon im Moment des Erwachens wieder müde und unglaublich schlapp und kraftlos. Hinter seiner Stirn pochte ein dumpfer Schmerz. Langsam kehrte die Erinnerung zurück und ihm entwich ein leises Stöhnen, als ihm wieder einfiel, was er getan hatte. Selbst jetzt konnte er es kaum glauben.
„Snape?"
Er war nicht allein, da war jemand neben ihm. Black.
„Was ist passiert?" Seine Stimme klang heiser.
„Naja, du hast es ein bisschen zu gut gemeint mit deiner Kopf-gegen-die-Wand-Aktion und ziemlich viel Blut verloren und irgendwann dann auch das Bewusstsein." erklärte ihm die körperlose Stimme von Black.
Na wunderbar, auch das noch. Und doch, wenn er genauer nachdachte, machte es ihm gar nicht mehr soviel aus, wie er eigentlich dachte. Black hatte ihn gesehen, wie er bewusstlos wurde. Na und? Black hatte ihn auch zitternd nach Malfoys Spezialbehandlung gesehen, Black hatte ihn auch gesehen, als er völlig am Ende von diesem Frangoppid im Fieberrausch lag. Okay, er hatte es auch ausgenutzt, aber gemessen an diesen beiden Sachen, war diese Bewusstlosigkeit wirklich nicht mehr so tragisch. Black wusste schon längst, dass auch er Schwächen hatte.
„Wie geht's Lupin?"
„Er schläft, und das ist gut so. Seine Erkältung wird schlimmer, er hat Fieber bekommen in der Nacht und der Husten verträgt sich auch nicht sonderlich gut mit der gebrochenen Rippe. Er hat ziemliche Schmerzen." Eine Weile herrschte Stille, ehe Black noch was hinzufügte. „Aber er lebt. Das verdankt er dir."
Spätestens jetzt wusste Snape definitiv, dass hier in Askaban irgendwie alles anders war. Hier verwischten sich alte Grenzen und alles vertauschte sich und nichts wollte mehr so sein, wie es einmal war. Seit wann bedankte sich Black denn bei ihm?
Langsam, wegen dem grellen Licht, öffnete er die Augen, um Black anzusehen, doch die letzten Schlieren wollten sich einfach nicht auflösen. Egal, wie sehr er die Augen zusammenkniff, seine Umgebung blieb verschwommen. Er sah nur das grau der Wände und etwas rosafarbenes neben sich, darüber ein Kopf, doch er erkannte davon nur dunkles Haar und dunkle Flecken in einem hellen Fleck, der das Gesicht sein sollte.
Black schien zu bemerken, dass irgendwas nicht stimmte.
„Was ist los? Du… guckst so komisch. Alles in Ordnung?"
„Nein." Er hob seine Hände höher ans Gesicht, um sich die Augen zu reiben und musste feststellen, dass seine Finger seinen Befehlen noch weniger gehorchen wollten, als am Tag zuvor. Als sie seine Augenlider berührten, zuckte er unter der Kälte zusammen. Verdammt, was…
„Durch den Blutverlust ist die Durchblutung offenbar noch schlechter geworden."
„Na toll…"
Die Augen wieder offen – immer noch war alles verschwommen – stützte er sich vorsichtig auf die Pritsche und ließ seine Beine zu Boden hängen, doch als er sich in eine sitzende Position hochstemmen wollte, begann sein Arm schon nach wenigen Zentimetern vor Anstrengung zu zittern und das Bild vor seinen Augen begann sich zu drehen. Da packten ihn zwei kräftige Hände an den Schultern und hielten ihn erstmal fest, bis sich sein Blickfeld klärte, dann zogen sie ihn langsam höher, bis er saß.
Erschöpft ließ Snape seinen Kopf an die Wand sinken und versuchte seinen keuchenden Atem unter Kontrolle zu bringen. Obwohl er die Augen geschlossen hielt, drehte sich immer noch alles um ihn herum. Der Blutverlust setzte ihm wirklich mehr zu als er gedacht hätte. Jetzt wunderte es ihn nicht mehr, dass seine Hände sich anfühlten wie Eiswürfel.
„Vielleicht wäre es besser, wenn du dich wieder hinlegst."
„Vergiss es, Black. Nochmal beweg ich mich nicht!" Er zögerte einen Moment, doch sein Gefühl brachte ihn zum Sprechen, bevor sein Verstand ihn daran hindern konnte. „Ist es normal, dass man nach einem Blutverlust alles verschwommen sieht?"
Diese Frage traf Sirius unvorbereitet. Nicht nur der Inhalt der Frage, sondern vor allem, dass Snape sie ihm stellte. „Äh… ich weiß es ehrlich gesagt nicht… keine Ahnung. Kann es nicht sein, dass es vom Schwindel kommt?"
„Glaub mir, ich kann ein Schwindelgefühl von einer verschwommenen Sicht unterscheiden!"
„Hey, war ja nur…" Mit einem Schlag verstummte Black.
Alarmiert hob Snape den Kopf, allerdings etwas zu schnell, sofort kehrte der Schwindel zurück und ihm wurde für einen Augenblick schwarz vor Augen. Nur die Wand in seinem Rücken bewahrte ihn davor, umzukippen. „Was…" mehr brachte er nicht heraus.
„Jemand kommt."
Sofort huschte Sirius zurück in seine Zelle und nur wenige Augenblicke später betraten zwei Wärter Snapes Zelle. Mal wieder der bullige, junge Kerl – Raven – und der Wärter mit der fleckigen Halbglatze und dem weißen Haarkranz, der Snape schon mal geholt hatte – Leech.
Die zwei blieben knapp hinter der Tür stehen und sahen sich etwas überrascht um. Da waren die Blutflecken in Snapes Zelle, einzelne Blutstropfen in Remus Zelle, die man aber auf dem Steinboden nicht sah, das blutige Shirt und die blutigen Handabdrücke auf Sirius Jeans und zu guter Letzt Snapes von Blut dunklerer und steifer Ärmel.
Raven zog verwundert die Augenbrauen hoch, Leech grinste dreckig als er Snapes frische Stirnwunde entdeckte.
„Na, ausm Bett gefallen, was?" lachte er höhnisch, ehe er sich an Sirius wandte. „Und du hast ihn wohl das Blut mit deinen Klamotten aufwischen lassen, hä?"
Auch Raven strickte sich seine Theorie zusammen. „Oder hattet ihr etwa Hunger und dachtet, was Vampiren und Kannibalen nicht schadet, kann ja auch nicht schlecht für euch sein?"
Sirius verzog genervt das Gesicht. „Wie du meinst. Aber keine Sorge, ihr braucht keine Angst haben, so wie ihr ausseht, würde sich nicht mal ein ausgehungerter Kannibale über euch hermachen, geschweige denn einer von uns."
„Lach du nur, das wird dir schon noch vergehen." zischte Raven gereizt.
Leech stieß ihn in die Seite und deutete auf Remus, der von alledem nichts mitbekam und stattdessen friedlich schlief und Kraft tankte, die er definitiv noch brauchen würde. „Wahrscheinlich wollten sie den Werwolf damit aufpäppeln. Das Silber is ihm wohl nicht gut bekommen, was?" Leech lachte und dünne Spuckefäden regneten dabei aus seinem Mund.
Sirius schloss die Augen und sein Kiefer zitterte, so fest presste er sie aufeinander. Am liebsten würde er sich auf diesen Widerling stürzen und ihm dieses dreckige Grinsen aus dem Gesicht schlagen, doch die Gitterstäbe hielten ihn davon ab.
Schließlich traten Raven und Leech auf Snape zu, der der ‚Unterhaltung' zwar gelauscht hatte, aber immer noch zu sehr mit seinem Schwindel kämpfte, um auch was von sich zu geben.
„Auf auf Todesser, Besuch für dich!"
Damit packten ihn die beiden unter den Armen und zerrten ihn auf die Beine.
Das war zuviel für Snapes Kreislauf, vor seinen Augen wurde es endgültig dunkel.
Sirius sah, wie Snapes Augen zuklappten und seine Beine nachgaben. Bewusstlos hing er zwischen den beiden Wärtern, die halb genervte, halb amüsierte Laute von sich gaben, als sie ihn aus der Zelle zerrten.
Jepp, ich gönn dem armen Kerl wirklich keine Ruhe!
Jepp, ich freu mich immer noch über Reviews!
Und jepp, nächstes Mal wird Rousseau zitiert! *g*
Bis zum nächsten Kapitel!
Bella
