Hi!
Kleine Vorwarnung: das hier wird das letzte Kapitel für diese Woche. Bin am Wochenende nicht da, also gehts erst am Montag weiter. Also für alle, die Cliffhanger hassen, lest das hier dann am besten erst am Montag, wenn das nächste Kapitel auch zur Verfügung steht. Nur so als Tipp :-)
Dann viel Spaß und euch allen ein tollen Wochenende!
Entscheidungen
Es schien ihm eine Ewigkeit zu vergehen, ehe ihm seine Lunge wieder eine Verschnaufpause gönnte. Keuchend und schlaff blieb er liegen, versuchte dem Stechen seiner Rippen Herr zu werden, als er sich wieder der Hand auf seinem Kopf bewusst wurde, die ihm durchs Haar streichelte. Aber die Hand war nicht klein und schmal.
„Ganz ruhig. Ruhig atmen, Remus. Es ist vorbei, hörst du? Ganz ruhig."
Das war auch nicht Tonks Stimme.
Er öffnete die Augen, musste einfach wissen, was passiert war. Seine Sicht war ein wenig verschwommen von den Tränen, die ihm noch in den Augen standen, doch die Person, die vor ihm kniete, war eindeutig Sirius.
„Wo ist Tonks?" fragte er leise, um keinen weiteren Husten zu provozieren.
Sirius runzelte die Stirn. „Tonks?"
„Sie war doch eben noch hier…" Doch noch während er das sagte und noch bevor er Sirius' begreifendes Gesicht wahrnahm, da verstand er auch selbst. Er hatte geträumt. Das alles war nur ein Traum gewesen, ein Hirngespinst, eine Phantasie seines von Fieber und Qual vernebelten Gehirns, das auf Rettung hoffte.
Niedergeschlagen schloss er die Augen. Sirius zog ihm das Laken dichter unters Kinn und ließ seine Hand beruhigend und bedauernd an seiner Schultern liegen.
„Das war wohl ein Traum, Remus. Tonks war nie hier, niemand war hier außer den Typen mit dem Essen heute Morgen. Es tut mir leid, Moony."
„Schon gut." seufzte er resigniert.
„Das Schmerzmittel hat aufgehört zu wirken, nicht wahr?"
Remus nickte. Es musste ja so sein, sonst hätte er nicht solche Schmerzen in der Brust. Aber jetzt, wo Sirius es aussprach, da bemerkte er auch das leichte, aber stetige Brennen in seiner linken Hand.
Er konnte nichts dagegen tun, rein gar nichts, die Tränen kamen ungefragt und ließen sich nicht zurückdrängen. Es war nur ein Traum gewesen, aber alles war so real gewesen, hatte sich so real angefühlt. Er hatte gerade angefangen, wirklich an ihre Rettung zu glauben, die Erleichterung, die Freude zu spüren und alles, was zurückgeblieben war, waren Niedergeschlagenheit und Schmerz und Hoffnungslosigkeit.
Sirius biss sich auf die Unterlippe, als er die Tränen seines Freundes sah. Er wusste nicht, ob er vor Schmerz weinte oder wegen der Ernüchterung des Erwachens, aber vermutlich wegen beidem. Es schmerzte ihn und er hätte alles dafür gegeben, Remus von diesem schrecklichen Ort fortzuschaffen, aber er konnte es nicht.
Beinahe entschuldigend nahm er seinen Freund so gut es ging in die Arme.
„Es tut mir so leid, Moony. Es tut mir so leid."
In Spinner's End…
Die Uhr im Wohnzimmer zeigte 12.52 Uhr und doch waren bereits alle da. Dumbledore hatte am Abend zuvor so aufgeregt geklungen und die Tatsache, dass er einen Hinweis auf Harrys Aufenthaltsort hatte, hatten alle überpünktlich zur Versammlung kommen lassen. Das Zimmer drohte aus allen Nähten zu platzen, es war nicht dafür gebaut worden, 18 Menschen für eine Versammlung zu beherbergen.
Auch Dumbledore war gerade zur Tür hereinspaziert, er sah wieder frischer und erholter aus. Nachdem er sich gestern noch in Nachforschungen über die Familie Graymes gestürzt hatte, war er irgendwann einfach zusammengeklappt, als der Stärkungstrank seine Wirkung verloren hatte. So war er doch noch zu dem Schlaf gekommen mit dem Poppy ihm permanent in den Ohren gelegen war, und er fühlte sich jetzt wieder ausgeruhter.
33 Augen und ein magisches Auge waren aufmerksam und neugierig, aber auch nervös auf Dumbledore gerichtet.
„Was ist denn nun? Wo ist Harry?" rutschte es Molly schließlich heraus, die vor Aufgewühltheit kaum sitzen konnte. Harry war für sie wie ein Sohn und es war ihr unerträglich, ihn in den Händen dieses Monsters zu wissen.
„Hier!" Albus zog aus seinem Robenärmel ein großes, gerolltes Stück Pergament. Er entrollte es auf dem Tisch, wobei jeder einzelne versuchte, einen Blick darauf zu erhaschen. Das Pergament zeigte die Grundrisse eines Gebäudes und dessen Umgebung. Handschriftlich waren einige Notizen darin verzeichnet.
„Was ist das?" wollte Hestia Jones wissen, die zusammen mit Bill Weasley am vorigen Tag aus Amerika zurückgekehrt war, nachdem sie definitiv keine Informationen mehr von den geretteten Kindern und ihrer Mutter bekommen konnten.
„Oder besser, wo ist das?" fragte Alastor stattdessen.
„Das," begann Albus, „ist der Wohnsitz der Familie Graymes, oder besser gesagt, das war er einmal. Sie starben kinderlos und der Bruder des Hausherren war an seinem Erbe nicht interessiert. Seitdem steht das alte Schloss leer und verfällt zusehends.
Ich habe gestern Abend versucht, Harry auf dieselbe Art zu erreichen, wie Severus mir eine Botschaft zukommen ließ, und es ist mir gelungen."
Mollys Augen weiteten sich hoffnungsvoll.
„Es geht ihm soweit gut. Er wird in einem Raum gefangen gehalten und an der Türklinke dieses Raumes ist ein Symbol eingraviert. Das Familienwappen der Graymes, wie ich herausfand. Ich war gestern noch im Ministerium und habe die alten Archive durchwühlt und das hier gefunden." Dabei deutete er auf den Grundrissplan.
„Das Anwesen liegt an der Südküste Englands, in etwa zwischen den Dörfern Crossings und Murraymarket. Ich hab den Grundrissplan abkopiert und alle sonstigen relevanten Informationen, die ich bekommen konnte, hineingeschrieben."
„Dann ist dieses Schloss der Aufenthaltsort von Du-weißt-schon-wem?" fragte Arthur eher sporadisch.
Albus nickte. „Ja, Severus war sich hundertprozentig sicher, dass Harry dort untergebracht sei."
„Dann müss'n wa da hin un' Harry da raushol'n!" ereiferte sich Hagrid.
„Wie stellst du dir das vor, Hagrid?" wollte Minerva wissen. „Wir können da nicht einfach reinspazieren, Harry schnappen und wieder verschwinden. Dieses Schloss wird sicher von jedem nur erdenklichen Zauber geschützt sein, außerdem befindet sich Voldemort dort und der ist sicher nicht allein. Wir wissen nicht, wo im Schloss Harry eingesperrt ist und Pettigrew bräuchten wir ja auch noch. Für solch ein Unterfangen sind wir zu wenige."
„Minerva hat Recht, das ist ein Selbstmordkommando." stimmte Elphias Dodge ihr zu.
Da sprang Fred auf und George ihm gleich nach.
„Na und? Sollen wir einfach nichts tun…"
„…obwohl wir wissen, wo Harry gefangen ist?"
„Wollt ihr wirklich dabei zusehen, wie Professor Lupin und Sirius den Kuss des Dementors empfangen?"
„Und wie Professor Snape zu lebenslang Askaban verurteilt wird?"
„Natürlich will das hier niemand." versuchte Poppy die Jungs zu beruhigen. „Aber wenn wir alle dabei sterben, nützt ihnen das auch nichts."
„Vielleicht müssen wir das auch nicht." warf Charlie ein, der immer noch den Plan im Auge hatte. Jetzt blickte er dann doch auf und musterte die Anwesenden der Reihe nach. „Überlegt doch mal. Rechnet Voldemort damit, dass wir sein Versteck entdecken und ihn dort angreifen? Nein! Außerdem sind die meisten seiner Anhänger ja auch heute noch gut in der Öffentlichkeit getarnt. Sie arbeiten und gehen ihren Beschäftigungen nach, außer Pettigrew, Bellatrix, Malfoy und den anderen beiden, die im Ministerium entkommen konnten. Sie können nicht andauernd in diesem Schloss rumhängen, wenn ihre Tarnung noch nicht hochgehen soll. Wir werden also sicherlich nicht auf seine gesamte Anhängerschaft treffen. Und außerdem redet ja niemand von einem… Vernichtungsangriff, was wir brauchen, ist ein Ablenkungsmanöver."
Dumbledore lächelte anerkennend, an etwas Derartiges hatte er auch gedacht. Moody runzelte nachdenklich die Stirn und rieb sich das Kinn. „Sprich weiter Junge, das hört sich interessant an."
„Seht her," er deutete auf den Plan. „Hier vorne ist der Vordereingang, aber hier ist noch ein kleiner Seiteneingang an der Ostseite eingezeichnet und dort hinten im Wald ist ein Kreuz, an dem Geheimgang steht. Eine Gruppe könnte also am Haupteingang angreifen, die Todesser und Voldemort herauslocken, während zwei kleinere Gruppen durch die anderen Eingänge ins Haus schleichen und Harry suchen."
„Ein Ablenkungsmanöver. Keine schlechte Idee." stimmte Moody schließlich zu.
Kingsley Shacklebolt nickte langsam. „Ja schon, aber vergesst die Schutzzauber nicht. Dieser Mistkerl lässt sein Domizil sicher nicht ungeschützt, eher im Gegenteil."
„Welch Glück, dass hier ein Fluchbrecher anwesend ist." grinste Bill Weasley.
„Die Verliese, in denen Harry vermutlich eingesperrt ist, befinden sich im Keller, die Fenster dazu nur knapp über dem Erdboden." erklärte Albus. „Eine kleine Gruppe könnte also auch einfach, sobald die Schutzzauber überwunden sind, um das Haus herum die Fenster nach Harry absuchen. Pettigrew wird ebenfalls dort sein, ihn müssen wir auch finden."
Er bedachte jeden einzelnen mit einem kurzen, ernsten Blick.
„Dies wird kein leichtes Unterfangen. Im Gegenteil. Es wird gefährlich und ich kann keinem garantieren, dass ihm nichts geschehen wird. Aber Harry, Severus, Remus und Sirius brauchen unsere Hilfe. Ich möchte keinen von euch zu etwas zwingen. Niemand ist verpflichtet, dieser Rettungsaktion beizuwohnen."
Moody lachte leise und brummig. „Irrwitzige Ideen, die Gefahr im Nacken, undurchsichtige Erfolgsaussichten… wann hätte ich je vor so was gekniffen."
„Ich bin dabei." schloss sich auch Hagrid an.
„Ich ebenfalls." rief Tonks.
Keiner sollte kneifen. Schließlich ging es um ihre Freunde. Auch wenn vielen nicht ganz wohl bei dem Gedanken an einen offenen Kampf war, besonders Arthur und Molly machten sich Sorgen, für sie ging es nicht nur um ihr eigenes Wohlergehen. Immerhin zogen auch vier ihrer Söhne mit in den Kampf.
„Wir könnten noch Leute brauchen." stellte Tonks schließlich fest. „Ich könnte mit einem Bekannten sprechen, Sullivan Dedders, er ist Auror in Schottland. Ausgewandert, nachdem seine Eltern und Geschwister damals den Todessern zum Opfer fielen."
Albus nickte. „Wenn er vertrauenswürdig ist, sprich mit ihm, wir können jeden Mann gebrauchen. Sag ihm genug, aber verrate nicht alles."
Sie berieten sich noch eine Weile, feilschten hier und da herum. Albus und Moody sollten noch heute Nachmittag vor Ort apparieren und die Umgebung unauffällig in Augenschein nehmen und wenn möglich versuchen, die Schutzzauber abzutasten, um herauszufinden, womit sie es zu tun bekommen würden. Minerva machte sich an die Herstellung kleiner Portschlüssel für jeden Beteiligten, die den Träger in die Krankenstation in Hogwarts bringen sollten. Genau dort würde Poppy herrichten, was das Zeug hielt, denn Verwundete würde es sicher geben.
Alle waren sie aufgeregt. Endlich konnten sie etwas tun, konnten aktiv helfen. Doch sie hatten auch Angst. Bei ihrem letzten Kampf gegen die Todesser wäre Tonks beinahe gestorben. Würde es auch diesmal soweit kommen?
In Askaban…
Sein Rücken brannte immer noch oder schon wieder, er wusste es langsam nicht mehr, aber es wurde besser mit der Zeit oder er gewöhnte sich an den permanenten Schmerz. Auch das wusste er nicht mehr so wirklich. Aber er wusste, dass sich zu dem Brennen ein ganz unangenehmes Spannungsgefühl und ein andersartiger Schmerz hinzugesellte, der schwieriger zu greifen war. Außerdem fühlte er sich unwohl. Ihm war flau im Magen. Dieser Durchfallbrei nach so langer ‚Abstinenz' war nicht gut für ihn gewesen. Sein Kopf schmerzte auch, und ihm war kalt. Dennoch saß er im Augenblick auf seiner Pritsche, ein wenig seitlich, so dass er sich wenigstens mit der Schulter anlehnen konnte. Auch sein Kopf lehnte an der Wand, die Kühle des Steins tat ihm zumindest ein bisschen gut.
Er beobachtete Black, der mal wieder an Lupins Seite kniete und ihm die Stirn kühlte.
„Wie geht's ihm?"
„Was denkst du denn, Snape? Jedes Mal wenn er hustet, krümmt er sich vor Schmerzen, wie wird's ihm da gehen?" erwiderte Sirius unwirsch.
„Ach, gut dass du's mir gesagt hast, sonst wär ich nicht drauf gekommen." Snape rollte leicht mit den Augen. „Ich meinte das Fieber, Black."
„Es ist nicht schlimmer geworden. Zum Glück. Was macht dein Rücken?"
Zu seiner Verwunderung sah ihn Sirius ehrlich interessiert an.
„Frag nicht."
Sirius widmete sich wieder seiner Beschäftigung. Lupin war endlich völlig erschöpft eingeschlafen und seitdem auch von Hustenattacken verschont geblieben. Dieser Mann brauchte ärztliche Hilfe, sogar wesentlich dringender als er selbst.
Eine Weile starrte Snape nur vor sich hin, aber seine Gedanken ließen ihm keine Ruhe.
„Sie haben uns heute schon zum zweiten Mal innerhalb von 3 Tagen etwas zu Essen gebracht." stellte er unvermittelt fest.
Sirius schaute auf, seinem Gesichtsausdruck nach beschäftigte ihn genau dasselbe Thema. „Und seit sie uns Essen bringen holen sie keinen mehr zum Verhör. Dir behagt das auch nicht, oder?"
„Ganz und gar nicht. Nicht einmal Dementoren sind in der Zwischenzeit aufgetaucht." gab Snape zu, während er nach den richtigen Worten suchte. „Es… es fühlte sich an wie die Ruhe vor dem Sturm."
„Wie eine ausgedehnte Henkersmahlzeit." sinnierte Sirius und trat an die Gitter zu Snapes Zelle. Sein Blick war ernst und völlig ohne Spott, Hass oder Überheblichkeit, nichts von dem, was Snape sonst immer in diesen Augen sah, wenn sie ihn anblickten.
„Was denkst du, hat Rukschow vor?"
Snape zuckte die Schultern und bereute es noch in derselben Sekunde. Die Luft zwischen den Zähnen einziehend schloss er die Augen für einen Augenblick.
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich nicht dabei sein möchte, wenn es soweit ist."
„Ich fürchte, wir können uns das nicht aussuchen, Snape." Ein kaum merkliches Zittern schwang in Sirius' Stimme mit.
Stöhnen weckte ihn. Gequältes Stöhnen gemischt mit einem kläglichen Husten. Träge öffnete Snape die Augen. War er wirklich schon wieder eingeschlafen? Dabei hatte er doch schon heute Morgen ewig geschlafen. Er fühlte sich irgendwie schlapp und müde, ihm war schrecklich kalt. Mit halbgeöffneten Augen schob er seinen Kopf in den Nacken, um in Lupins Zelle hinüber blicken zu können, bereute es aber sofort, als dieser drückende Kopfschmerz augenblicklich zurückkehrte. Grummelnd schloss er die Augen, bis es etwas besser wurde, dann stemmte er sich langsam hoch und stand auf. Für einen kurzen Augenblick drehte sich die Zelle. Sein Rücken schmerzte von der Bewegung und trotzdem trat er auf das Gitter zu.
Lupin lag auf seiner Pritsche, zusammengekrümmt, die Arme vor die Brust gedrückt, das Gesicht schmerzverzerrt. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.
„Atmen sie flach, Lupin. Das ist zwar auf Dauer nicht gesund, aber es macht den Schmerz erträglicher."
Nach ein paar Augenblicken begannen die Gesichtszüge seines Gegenübers sich langsam zu entspannen. „Ich dachte wirklich… es wäre besser… geworden." presste Lupin zwischen zwei Atemzügen hervor. „Seit heute Morgen… musste ich nur zweimal husten… und jetzt…"
„Sie sind krank, das lässt sich nicht einfach so abstellen. Und ohne ärztliche Hilfe wird es auch nicht besser werden."
Lupins Mundwinkel zuckten nach oben. „Vielen Dank… für deine aufmunternden… Worte."
Snapes Blick suchte nach Black und fand ihn schließlich auf dessen Pritsche, er schlief unruhig und wälzte sich immer wieder hin und her.
„Wann ist er gegangen?"
„Du hast geschlafen. Wir haben… Schritte gehört, da ist Sirius zurück in seine… Zelle. Aber es kam niemand. Er war… sehr erschöpft, war wieder die ganze… Nacht wach. Er hat sich nicht getraut… als Hund zu schlafen, falls jemand kommt." Remus kämpfte immer noch mit dem Schmerz, aber der ließ langsam ein wenig nach. Dafür kam die Erschöpfung, welche Anstrengung und Schmerz zurückließen.
„Sie sollten sich ausruhen, Lupin, und sich ihre Kräfte sparen. Wer weiß, wozu sie sie noch brau…"
„Nein! Nicht…" Der leise Schrei aus der Nachbarzelle ließ die beiden aufschrecken. Ein Keuchen folgte, ebenso hektisches Rascheln und ein klatschender Schlag, als Sirius Hand gegen den Stein schlug.
Snape und Lupin wechselten nur einen kurzen Blick, sie verstanden nur zu gut, was dieser keuchende, um sich schlagende Sirius bedeutete.
„Black! BLACK!"
Sirius reagierte nicht auf Snapes Schrei.
„WACH AUF! BLACK!"
Immer noch nichts. Vielleicht… es hatte schon mal funktioniert…
„SIRIUS, BEI MERLIN, WACH AUF!"
Erschrocken riss der angesprochene die Augen auf und schrak hoch. Snape glaubte fast, dessen Herz in der Brust pochen zu hören, so verstört und panisch blickte Black drein. Hektisch sah er sich um, bis er zu begreifen schien, wo er war und bei wem. Schwer atmend sank er erleichtert zurück an die Wand, die Augen fielen ihm zu.
„Tatze? Alles in Ordnung?" Lupin klang besorgt, selbst in seinem geschwächten Zustand noch.
Black nickte schwach. „Geht schon." keuchte er wenig überzeugend.
„Sicher? Wenn nicht, ich…"
Jetzt blickte er auf und funkelte Lupin aus dunklen Augen an. „Was dann?" Doch so schnell wie dieser Stimmungswechsel gekommen war, verschwand er auch wieder und er senkte beschämt den Blick. „Lass es einfach Moony. Bitte!"
Das war etwas, aus dem er sich besser raushielt. Fröstelnd zog er sich das Laken enger um die Schultern und stöhnte augenblicklich schmerzhaft auf. Schnell griff seine Hand nach dem Gitter, brauchte Halt, sein Gesicht sank wie von selbst gegen die Stäbe und er presste schwer atmend die Lippen zusammen. Der Stoff musste seine Wunde berührt haben. Aber dass das gleich so schlimm sein würde…
„Snape? Was ist los?"
Er wollte Black am liebsten für diese dämliche Frage eine bissige Antwort hinwerfen, doch alles, was er zustande brachte, war ein undefinierbares Brummen. Er hörte ein leises Rascheln, dann das Tapsen von Hundepfoten, bis er schließlich die Gegenwart von Black hinter sich fühlte.
„Merlin! Seit wann ist das denn schon so?"
Snape atmete tief ein, ehe es ihm gelang, ein paar Worte zu zischen. „Seit der Russe mir das glühende Eisen aufgedrückt hat wahrscheinlich…"
Sirius seufzte genervt. Er war froh, sich mit etwas anderem beschäftigen zu können als seinem Traum, der ihn nur unweigerlich an Dinge erinnerte, an die er sich nicht erinnern wollte. „Sehr witzig, aber mir ist nicht zum Lachen. Die Wunde hat sich entzündet, alles ist knallrot und hie und da vermischt sich Eiter mit dem Wundsekret. Leg dich hin, ich sollte das noch mal auswaschen. Bringt zwar nicht viel, aber zumindest ist der Dreck vorübergehend raus."
„Ja, bis er sich neu bildet." knurrte er, doch er hörte auf Black. Die Beschreibung hatte ihm gereicht, jetzt wusste er mit Gewissheit, wieso die Schmerzen sich veränderten, sich anders anfühlten. Und er wusste, dass er diese Entzündung ohne Heiler definitiv nicht überleben würde, nicht hier drin, nicht in seinem Zustand. Gegen seinen Willen ließ ihn diese Gewissheit zittern. Er wollte noch nicht sterben, so unvorstellbar es für manche klingen mochte.
„Hey," Sirius war das Zittern aufgefallen und er runzelte irritiert die Stirn. Er fasste den Mann an den Schultern und dirigierte ihn zu seiner Pritsche. Er wirkte mit einem Mal seltsam verstört. „Du siehst nicht gut aus." stellte er fest, ehe er Snapes wirre, fettigen Haare aus dessen Stirn schob und seine Handfläche darauf legte.
„Hätt mich auch gewundert. Du hast Fieber, noch nicht stark, aber das wird es noch, wenn ich mir deinen Rücken so ansehe. Leg dich hin!"
Schon kurz drauf wirkte Snape wieder normal wie zuvor, dennoch machte sich Sirius Sorgen. Auch ihm war bewusst, dass diese Infektion ein Todesurteil war und dessen Vollstreckung war nur noch eine Frage der Zeit.
So vorsichtig es ging spülte er die Wunde mit Wasser, bis der Eiter und das Wundsekret weggewaschen wurden, dann trocknete er vorsichtig die geröteten, erhitzten Wundränder. Das gefiel ihm gar nicht.
„Vielleicht sollte ich…"
Augenblicklich hielt er inne.
„Was ist?" fragte Snape alarmiert. „Kommt jemand?"
Black antwortete ihm nicht, sondern verwandelte sich stattdessen und schlüpfte in seine Zelle. Ehe er sich zurückverwandelte lauschte er kurz.
„Es sind mehrere und sie kommen unverkennbar hierher." Seine Stimme zitterte.
Ein Blick zeigte ihm, dass Lupin ganz bleich geworden war und er bezweifelte nicht wirklich, dass er recht viel anders aussah.
Jetzt konnte auch er die Schritte hören. Sie kamen wirklich immer näher. Im nächsten Augenblick wurden drei Türen aufgerissen, doch diesmal stand niemand mit Essenstellern im Flur.
Drei ihnen bekannte Wärter betraten die Zellen, drei unbekannte warteten draußen vor den Türen. Troy trat auf Lupin zu, hielt aber kurz inne, um Sirius ein unheilvolles, amüsiertes Grinsen zu schenken.
„Steh auf, Werwolf! Die faule Rumliegerei hat jetzt ein Ende! Na los, verdammt!"
Remus versuchte zwar, sich aufzurappeln, aber seine Rippen schmerzten dabei. Da packte ihn eine grobe, unnachgiebige Hand am Oberarm und zerrte ihn von der Pritsche runter, das Laken, das ihm als Decke diente, rutschte zu Boden. Er taumelte, fand nur mit Mühe sein Gleichgewicht. Ein stechender Schmerz in der Seite ließ ihn aufstöhnen und leicht in die Knie gehen, doch Troy hielt ihn unbarmherzig fest und bugsierte ihn zu seinem Kollegen in den Flur.
Währenddessen trat Raven, der große Bullige, auf Snape zu, der sich wohlweislich gleich aufgesetzt hatte.
„Na sieh mal einer an, der Todesser lernt ein bisschen."
Dennoch packte er nicht minder grob nach dessen Arm und schob ihn zur Tür hinaus.
Sirius bekam kaum etwas davon mit, Vanderdray, ein großes, langes Elend, kam auf ihn zu und führte ihn, zumindest wortlos, in den Flur. Er hatte Mühe, sich zu beherrschen, seine Angst und sein Zittern zu unterdrücken und dennoch fühlte er diesen eisigen Klumpen, der in seinem Magen lag. Das hier würde böse enden, soviel stand fest.
Die Wärter führten die drei durch die Flure, mal links, mal rechts, bis sie eine Tür erreichten, die offenbar ihr Ziel war. Der Raum dahinter war nicht gerade der größte, aber ein Kamin brannte in einer Ecke und verströmte zumindest angenehme Wärme. Ansonsten waren die steinernen Wände kahl. Mehrere eiserne Ketten hingen von der Decke und klapperten leise im Luftzug der geöffneten Tür. Eine weitere Tür führte auf der linken Seite aus dem Zimmer wieder hinaus.
Wortlos wurden sie hineingebracht und jeweils unter einem Kettenpaar platziert, doch niemand machte Anstalten, von den Ketten Gebrauch zu machen. Remus atmete flach und keuchend, der Schmerz spiegelte sich in seinem fahlen Gesicht. Snape war hochgradig angespannt, seinen Rücken versuchte er zu ignorieren, ebenso die Anwesenheit eines Kamins im Zimmer und die Tatsache, dass er sich mit nacktem Rücken unglaublich schutzlos fühlte. Sirius hatte sich derweil wieder einigermaßen im Griff und konzentrierte sich auf seine Leidensgenossen, das lenkte ihn von seiner eigenen Angst ab.
Da trat eine Gestalt durch die Tür und schloss sie sorgfältig hinter sich. Rukschow trug eine graue Robe, die sein blasses Gesicht mit den hellen Haaren noch heller und kälter wirken ließen. Seine stahlblauen Augen funkelten, er grinste den Gefangenen entgegen.
„Ich freue mich wirklich, euch alle wiederzusehen. Es ist ja nun schon eine Weile her."
Er trat in die Mitte der Gefangenen, welche von den Wärtern gehalten wurden, damit ihm nichts geschehen konnte. „Willkommen zu diesem kleinen Gruppenverhör. Ich dachte mir, vielleicht fehlt euch einfach der richtige Anreiz zum Reden."
Als erstes wandte er sich an Sirius.
Der versuchte nach hinten auszuweichen, als der Russe ihm für seinen Geschmack viel zu nahe kam, doch die Wärter hielten ihn an Ort und Stelle. Er konnte es nicht verhindern, dass seine Schultern zu zittern begannen. Rukschow grinste ihn dreckig und wissend an, als ihn nur noch wenige Zentimeter von Sirius trennten. Er beugte sich vor und näherte sich Sirius Ohr. Seine Wange berührte dabei die seines Gegenübers.
„Ich habe dieses Zittern schon vermisst." hauchte er leise grinsend.
Sirius lief eine Gänsehaut über den Rücken, die ihn schaudern ließ. Diese Stimme, sein Atem so nah auf seiner Haut… sein Herz schlug schneller, passte sich unwillkürlich seiner aufkeimenden Panik an.
„Lass ihn zufrieden!"
Rukschow hob überrascht eine Augenbraue, ließ Sirius aber alleine zurück und wandte sich stattdessen an Lupin. „Du willst hier Forderungen stellen?" fragte er fast amüsiert und musterte den Werwolf von oben bis unten. „Vergiss nicht, wo du stehst. Du kannst dich ja kaum noch auf den Beinen halten, wieso sollte ich also auf dich hören, hm?"
Remus wusste keine Antwort, sah nur das dreckige Grinsen des Russen, als der sich umwandte und auf Snape zu trat.
„Wirklich zu schade, dass Fudge uns unterbrechen musste, findest du nicht? Er wollte mit mir über eure Verhandlung sprechen. Fudge möchte gerne sicherstellen, dass seinem Urteil auch nichts mehr im Wege steht, deshalb seid ihr hier. Er will Geständnisse!" Rukschow lächelte unheilschwanger. „Und was soll das überhaupt? Wenn du dich nicht anziehen kannst, Todesser, dann lass es ganz!"
Mit diesen Worten riss er Snape das halb angezogene Hemd vom Körper und warf es unbeachtet zu Boden.
Snape versteifte sich unweigerlich, als er die Hand Rukschows an seinem Körper spürte und erst recht, als er nun mit nacktem Oberkörper vor seinem Peiniger stand. Zu sehr erinnerte ihn die Situation an ihr letztes Zusammentreffen.
„Ihr könnt sie festmachen, dann verschwindet, ich komm schon allein mit den Dreien klar. Aber wartet draußen vor der Tür, bis ich euch rufe."
Die Wärter nickten, dann packten sie die Gefangenen an den Händen und zogen sie ihnen gnadenlos über die Köpfe, wo sich kurz darauf mit einem metallenen Klicken die Fesseln um ihre Handgelenke schlossen.
Snape dagegen bemerkte die sich schließenden Fesseln kaum, er hatte jetzt ein anderes Problem. Gerade als ihm Raven die Arme nach oben gezerrt hatte, spürte er einen schmerzhaften Stich in seinem linken Unterarm, der ihn kurz zusammenzucken ließ. Langsam ging der Schmerz in ein unangenehmes Brennen über. Er wurde gerufen, vom Dunklen Lord. Das konnte er jetzt wirklich nicht brauchen. Und wieso überhaupt, der Lord wusste doch, dass er nicht reagieren konnte… Da ging ihm ein Licht auf, das sollte eine neue Strafe sein, eine Weiterführung von Malfoys Spezialbehandlung. Aber wieso jetzt? Verbissen konzentrierte er sich darauf, auch diesen neuen Schmerz zu ignorieren, hier bei Rukschow musste sein Verstand so hellwach wie nur irgend möglich sein.
Rukschow trat etwas zurück und lehnte sich lässig gegen eine der Wände. Sein kalter, vorfreudiger Blick wanderte von einem zum andern.
„Ihr seid euch sicher darüber im Klaren, dass da noch ein paar Fragen und Antworten ausstehen, auf die ich leider nicht verzichten kann. Wenigstens der Werwolf war so gnädig, sein Geständnis abzulegen."
„Das hab ich nicht." widersprach Lupin keuchend. Die neue Haltung, in die er gezwungen wurde, brachte erneuten stechenden Schmerz mit sich.
„Aber sicher doch." meinte Rukschow herablassend. „Sagtest du nicht selbst, dass ein Werwolf dem zarten Fleisch eines jungen Mädchens nicht widerstehen könne?"
„Ich sagte ‚ein Werwolf', nicht ‚ich'."
„Ach und jetzt willst du wohl bestreiten, dass du ein Werwolf bist, oder?"
„Sagen sie jetzt bloß nichts, Lupin!" fuhr Snape dazwischen.
Knurrend stieß sich der Russe von der Wand ab. „Halt du dich da raus, Todesser. Dein Geständnis krieg ich schon noch irgendwie. Bisher hat noch jeder bei mir gestanden."
„Es gibt immer ein erstes Mal…" gab Snape besserwisserisch zurück.
Rukschows Kiefer spannte sich an und er trat langsam und beherrscht auf Snape zu. „In deinem Fall ist ein Geständnis aber vermutlich sowieso nicht vonnöten. Die Zeugenaussage, die Tatsache, dass du schon zum zweiten Mal vor diesem Gericht stehst… ganz zu schweigen von diesem Beweis, der ja wohl Bände spricht!" Bei diesen Worten hob er die Hand und schlug mit dem Handrücken gegen das vollkommen bloßgelegte Dunkle Mal.
Sein Schlag war nicht fest, eher ein unfreundliches ‚deuten', doch die unsanfte Berührung des ohnehin schon brennenden Mals entlocke Snape ein Aufstöhnen. Seine Gesichtsmuskulatur verzog sich ganz von selbst und er atmete ein paar Mal ziemlich heftig aus.
Rukschow runzelte einen Augenblick die Stirn, ehe sich hinter seiner Stirn alles zu einem Bild zusammenfügte und er sich einen Reim darauf machen konnte. Augenblicklich hellte sich sein Gesicht auf und seine Augen funkelten erheitert.
„Nein, sieh mal einer an, was für ein netter Zufall. Dein Meister ruft dich und du kannst nicht antworten. Wie dumm aber auch. Und was für ein Glück für mich. Jetzt brauche ich nur zu erwähnen, dass du gerufen wurdest während unserem Verhör, und schon bist du fällig!"
Sirius horchte überrascht auf. Snape hatte ganz offensichtlich Schmerzen, dort, wo das Dunkle Mal prangte, aber wieso? Hatte Rukschow Recht und Voldemort rief ihn zu sich? Aber wieso, das ergab keinen Sinn. Snape war quasi abtrünnig.
Der Russe lachte gehässig. „Ich hab ja mal gehört, dass der Ruf schmerzhaft sein soll, aber es als Beweis vor mir zu haben… eine einmalige Gelegenheit. Sag, wie fühlt es sich an?"
„Fahr zu Hölle!" zischte Snape nur wütend zurück.
„Aber da bin ich doch schon längst." schnurrte Rukschow grinsend zurück, ehe er mit seiner Hand nach Snapes Arm langte und diesen fest umklammerte, die Fingerspitzen auf das Mal gepresst.
Gequält schrie Snape auf. Seine Beine knickten ein, sein ganzer Körper krümmte sich, doch die Umklammerung der Finger wurde er nicht los.
„AUFHÖREN!"
Sirius konnte nicht länger zuschauen, es war schon schrecklich genug, die anderen nach ihren Verhören völlig zerschlagen zurückkommen zu sehen. Aber auch noch zuschauen müssen, wie sie gequält wurden, das ging zu weit.
Rukschow sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Womit soll ich aufhören?" fragte er scheinheilig.
„Du sollst deine Pfoten von ihm nehmen, sonst könnte ich mich vergessen." Im Moment war es ihm egal, ob sein Geheimnis auffliegen würde. Ja, er schadete sich damit vermutlich mehr als er Snape nützen würde, aber in ihm schrie alles danach, diesem Mistkerl weh zu tun, ihn zu quälen, wie er es im Moment mit Snape tat.
„Sirius, nicht…" keuchte Remus leise.
In der Tat ließ der Russe von seinem Opfer ab und trat langsam auf ihn zu. Snape blieb schwer atmend und in seinen Fesseln hängend zurück, sein Kopf zur Seite gesunken.
„Drohst du mir?" fragte Rukschow scharf. „Hab ich dir nicht deutlich genug beigebracht, dass du mir nie wieder drohen sollst?"
Sirius schluckte, seine Zähne klapperten leise, aber er blieb standhaft und hielt den düsteren Blick des Russen.
„Wenn ich dich nicht eh schon in der Hand hätte, würde ich mir fast überlegen, dich dafür zu tadeln, Black. Aber ich will mal nicht so sein. Wie sieht es mit deinem Geständnis aus? Willst du mir vielleicht etwas sagen, bevor ich böse werden muss?"
Tief durchatmend schaute Sirius seinem Gegenüber, das schon wieder viel zu dicht bei ihm stand, ins Gesicht. „Na gut, ich gestehe: ja, ich bin vor 3 Jahren aus Askaban ausgebrochen."
Rukschow schnappte nach Luft und sein Gesicht versteinerte augenblicklich. „Du bringst dich gerade in Schwierigkeiten, Black. Du weißt genau, was ich von dir wissen will! Wie bist du damals entkommen?" Langsam begann der Russe ihn in kleinen Schritten zu umrunden, immer dichtauf, gerade so, dass er Sirius nicht berührte, aber der seine Anwesenheit spüren konnte.
Sirius zitterte wieder etwas stärker, seine Augen presste er fest zusammen. Er versuchte, sich ganz fest auf etwas anderes zu konzentrieren, den Mann in seinem Rücken zu vergessen. Das Gefühl zu fliegen, er stellte es sich vor, rief es wieder wach, wie es war, auf einem Besen zu sitzen oder seinem fliegenden Motorrad, wie ihm der Wind durch die Haare fuhr, wie ihm die Sonne auf den Rücken schien und…
Eine breite, harte Hand legte sich an seine Hüfte. Im selben Moment rückte Rukschow näher, drückte seinen Körper der ganzen Länge nach gegen Sirius' Rücken.
Augenblicklich versteifte sich Sirius vollkommen, jeder Muskel in seinem Körper war hart wie Stein, nur sein Unterkiefer bebte. Er konnte die Hitze spüren, die von Rukschow ausging, spürte die Hand, die Besitz ergreifend dort lag, wo sie das letzte Mal tiefe Kratzer hinterlassen hatte, er fühlte den warmen Atem in seinem Nacken, als der Russe sich seinem Ohr näherte.
„Du kannst es mir ruhig sagen, wir beide wissen schließlich, dass ich auch auf dem anderen Wege nicht mehr lange brauche, um dich zum Reden zu bringen, nicht wahr?"
Wie zur Untermauerung seiner Worte begann die Hand plötzlich zu wandern. Langsam schob sie sich vorwärts, tastete sich zu seinem Bauch und drückte ihn so näher an den Körper in seinem Rücken.
„STOPP! AUFHÖREN! FASS IHN NICHT AN!"
In Remus Stimme klang so viel Schmerz und Verzweiflung mit, aber auch Wut. Er konnte das nicht mitansehen. Es war schon schrecklich genug, zu wissen, was dieser Russe seinem Freund angetan hatte. Er sollte es ihm nicht noch mal antun. Das konnte er nicht zulassen.
Grinsend ließ Rukschow von Sirius ab, welcher ein Stück in sich zusammensank und schwer atmend und zitternd versuchte, wieder Herr über sich selbst zu werden.
„Was, sag bloß, ich befinde mich in deinem Terrain. Hätte nicht gedacht, dass noch jemand anders Besitzansprüche an dich stellt, Black." meinte er abfällig.
„Lass ihn zufrieden. Es reicht." setzte Remus noch hinzu, als er merkte, dass Rukschow jetzt ihn im Visier hatte.
„Du weißt es, nicht wahr? Du weißt ganz genau, wie er damals entkommen konnte?" mutmaßte der Russe. Remus reagierte nicht, wandte nur den Blick ab, was Rukschow Antwort genug war. „Du weißt es!" stellte er fest.
Remus zwang sich, diesem Widerling ins Gesicht zu sehen und den Schmerz in seiner Seite zu ignorieren. „Von mir erfährst du nichts! Niemals!"
„Ach wirklich?" fragte Rukschow beinahe neckisch. Sein Grinsen verhieß nichts Gutes. Mit glitzernden Augen maß er Remus von oben bis unten. Zwei Schritte, dann stand er dicht vor ihm, seinen Zauberstab plötzlich in der Hand. Nur ein kurzer Schlenker und Remus fühlte, dass die Roben, die er getragen hatte fort waren. Sie lagen zu seinen Füßen. Eine Gänsehaut zog sich über seinen Rücken und seine Arme, als er den verlangenden, amüsierten Blick in Rukschows Augen sah.
Der Zauberstab legte sich an seinen Hals und fuhr die Knopfleise seines Hemdes entlang nach unten. Jeder Knopf, den er passierte, sprang auf. Remus biss sich auf die Lippe und schloss die Augen. Er wollte das nicht, wollte es um nichts in der Welt, aber seinen Freund verraten wollte er auch nicht.
Da schob sich eine warme, raue Hand unter sein Hemd, strich fast zärtlich über seinen Bauch. Sofort spannten sich seine Bauchmuskeln unter der Berührung an, er versuchte nach hinten auszuweichen, doch die Ketten waren zu kurz. Mit seinem feinen Gehör vernahm er ein ganz leises Lachen.
Rukschow trat etwas um ihn herum, nahm die Hand dabei aber nicht von ihm. Seinen Bewegungen folgend, streichelte sie über seinen Nabel zu seiner rechten Seite, wo er sie nach unten gleiten ließ und sich die forschenden Finger schließlich ziemlich grob um seine Arschbacke schlossen. Remus zuckte zusammen, er konnte das Zittern nicht mehr unterdrücken. Wie hatte Sirius das nur so viele Jahre lang überstanden?
„Hör auf, bitte, BITTE!"
Die Stimme, die Rukschow diesmal unterbrach, klang noch wesentlich gequälter und verzweifelter als zuvor der Wolf. Es war Musik in seinen Ohren. Auch ohne aufzuschauen wusste er, dass es Black war. Aber er ließ sich vorerst nicht beirren, der Körper dieses Werwolfs war vielleicht ausgemergelt und dünn, aber er fühlte sich gut an. Tierisch gut. Fast hätte er über seinen gedanklichen Witz laut gelacht, stattdessen lugte er zwischen Kopf und Arm des Werwolf hindurch und ließ seine wandernde Hand zu dessen Brust emporklettern.
„Da musst du mir schon einen gewissen Anreiz bieten, Black."
Sirius biss sich auf die Lippe, so fest, dass er Blut schmeckte. Dieser Gesichtsausdruck, dieses leichte Zittern, das seinen Freund schüttelte, er kannte es nur zu gut. Er konnte sich mehr als gut vorstellen, was gerade in Remus vorging, wie er versuchte, die Berührungen zu verdrängen, wie Angst, Abscheu und Ekel in ihm kämpften, und Scham. Er wusste, was er tun musste, anders ging es nicht. Niemals konnte er zulassen, dass Rukschow diese Grausamkeiten seinem besten Freund antat. Niemals! Lieber würde er sich selbst anbieten. Aber Remus sollte nicht genauso gebrochen werden, wie er. Niemand sollte das.
„Ich verrate dir, wie ich entkommen konnte."
Augenblicklich ließ Rukschow Remus los und trat um ihn herum, sein Grinsen breiter denn je. „Mit dir kann man ja doch verhandeln!"
„Sirius, nein, tu das nicht! Lass ihn nicht gewinnen."
Remus sah ihn flehend an.
Und doch sahen seine eigenen Augen nur dieses offene Hemd und die ungeschützte, nackte Haut. Langsam schüttelte er den Kopf.
„Dieser Einsatz ist mir zu groß, Moony. Das kann ich nicht, das könnte ich mir nie verzeihen."
Rukschow brummte genervt. „Was ist jetzt?"
„Okay, ich… ich bin…" Ein Gedanke keimte in seinen Gedanken auf, nur kurz, blitzte auf wie ein Stück Metall, wenn die Sonne günstig darauf schien. Er dachte nicht über Konsequenzen nach, dazu hatte er zu wenig Zeit. „Es ist schwer in Worte zu fassen, am besten zeige ich es dir."
Er atmete noch ein letztes Mal tief ein, schenkte Moony ein vertrauensvolles Lächeln und warf noch einen Blick auf Snape, der inzwischen wieder auf seinen Beinen stand und ihnen zusah, aber sich dabei leicht wand, als hätte er Schmerzen. Dann konzentrierte er sich und blitzschnell veränderte sich sein Körper. Seine Pfoten rutschten aus den Fesseln und er fiel zu Boden. Aus den Augenwinkeln nahm er Rukschows überraschten Blick war. In Windes Eile sprang er los, rammte sein ganzes Gewicht gegen die Brust des Russen und warf ihn damit um. Sein Zauberstab fiel klappernd zu Boden.
Vage registrierte er Snapes ‚Black' und Remus' ‚Verdammt'. Doch er machte sich nichts daraus. Einmal hatte er die bessere Position und mit einem Mal fragte er sich, wieso er das nicht schon längst getan hatte. Wieso hatte er sich nicht befreit, als Rukschow über ihn hergefallen war? Wieso hatte er Tatze nicht zubeißen lassen?
Egal. Genussvoll betrachtete er einen Augenblick die schreckgeweiteten Augen unter sich. Ein kehliges Knurren verließ seine Kehle, er fletschte wütend die Zähne, seine Pfoten nagelten die Schultern des Russen zu Boden. Hände schlugen nach ihm und Beine versuchten zu treten, aber er ließ sich nicht beirren. Seine Zähne suchten das zarte, empfindliche Fleisch seiner Kehle, die Schreie des Mannes hallten in seinen empfindlichen Ohren und er genoss sie. Voller Genugtuung öffnete er sein Maul, schloss seine scharfen Zähne um den Hals des Peinigers.
Gerade wollte er zubeißen, den Geschmack des Blutes kosten, fühlen wie das Gezappel unter ihm weniger wurde, wie das Leben ihn verließ, doch stattdessen traf ihn etwas in die Seite und riss ihn von seinem Opfer herunter. Überrascht jaulte er auf, als er durch die Luft flog. Hart schlug er gegen die Wand und prallte unsanft zu Boden. Benommen winselte der Hund, sein Rücken schmerzte und sein Ohr blutete. Einen Augenblick wurde ihm schwummrig und als er wieder klar sehen konnte, sah er wieder aus menschlichen Augen.
Eine Hand packte ihn grob und zerrte ihn auf die Beine. Seine Wirbelsäule ächzte und vor seinen Augen drehte sich alles einen Augenblick lang. Dann erkannte er Troy, der ihn wütend anfunkelte. Hinter ihm stand Rukschow, das Gesicht bleicher als sonst, die Augen voller Hass, das Gesicht vor Wut verzerrt. Er atmete schwer und konnte sich nur mühsam beherrschen.
„Dafür bist du fällig, Black! So schnell wirst du das hier nicht vergessen, oh nein! Du wirst jede Sekunde bereuen, ja du wirst sogar bereuen, dass du je geboren wurdest, wenn ich mit dir fertig bin! Auf Knien wirst du darum winseln, dass ich dich gnädigerweise töte. Aber das kannst du vergessen, Black. Du sollst brechen, in tausend kleine Stücke, nichts als ein Häufchen Elend!"
Mit jedem Wort verschwand Sirius' Gesichtsfarbe etwas mehr und ihm wurde bewusst, wie dumm diese dämliche Idee doch gewesen war. Natürlich mussten ihn seine Handlanger hören. Und selbst wenn er ihn getötet hätte… was dann? Die anderen hätten sie wieder eingesperrt und er wäre wegen Mordes diesmal zu Recht verurteilt worden. Deshalb hatte er sich bisher noch nicht auf diese Weise zur Wehr gesetzt.
Angst griff nach seinem Herz und schloss sich felsenfest darum. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass Rukschow seine Drohungen in die Tat umsetzen würde.
Er sah Snape, wie er keuchend zu ihm rüber sah, sein Blick voller Schmerz und… Sorge? Furcht? Hilflosigkeit?
Remus Lippen bebten, seine Hände waren zu Fäusten geballt, er war wütend, und er hatte Angst, Angst um ihn, denn auch ihm war bewusst, dass Rukschow nicht spaßte. „Sirius…" hauchte er leise, verzweifelt.
Ruckartig wandte sich der Russe nach der Stimme um und sah aus, als würde ihm erst jetzt wieder klar werden, dass er nicht mit Black alleine im Raum war. Er taxierte Lupin aus stechenden Augen, ehe er seine Wärter, die alle im Raum standen – sie waren hereingeeilt, als sie seine Schreie gehört hatten – anfauchte.
„Bringt sie zurück! SOFORT!"
Troy nickte fragend in Blacks Richtung, was ihn dazu brachte, Sirius aus nur halbgeöffneten Augen finster anzublitzen. „Ihn nicht. Bring ihn in den Nebenraum!" Seine Stimme klang schneidend wie Eis.
Snape sackte fast in Ravens Arme, als dieser ihn losmachte und zur Tür schleppte. Zwei kümmerliche, kleine Wärter machten Lupin los, der seinen Blick nicht von seinem Freund nehmen konnte. Seine schmerzende Rippe nahm er überhaupt nicht wahr.
„Nein! Sirius! Nein, tu ihm das nicht an!"
Rukschow trat ohne einen weiteren Blick auf die Tür zum Nebenzimmer zu. Troy zerrte den völlig willenlosen, käsebleichen Sirius ihm nach, während die anderen Snape und Remus nach draußen brachten.
„Stop!" Rukschow hielt inne, den Blick auch weiterhin zur Tür gewandt. Langsam drehte er sich um und sah Sirius ins Gesicht. Als er sprach, war seine Stimme so voller eiskalter, sadistischer Grausamkeit, wie es sich selbst Sirius nicht hätte ausmalen können. In den eisblauen Augen funkelte etwas derart Bösartiges, dass er es nicht wagte, zu atmen.
„Ich hab's mir anders überlegt! Bringt Black in seine Zelle… und den Werwolf zu mir!"
Sirius verstand nicht, was… Langsam wurden seine Augen immer größer, als Troy ihn Richtung Tür führte und die zwei Fremden Remus, der völlig erstarrt zwischen ihnen hing, an ihm vorbeibrachten. Mit einem Schlag erwachten alle seine Lebensgeister zu ungeahnter Lebendigkeit.
„NEEEEIIIIN!"
Voller Wucht trat er nach hinten gegen Troys Schienbein und schlug mit seinen Fäusten auf alles und jeden, was er treffen konnte. Wie eine Furie trat, schlug und biss er um sich. Die anderen Wärter kamen Troy zu Hilfe und versuchten den völlig Wahnsinnigen Herr zu werden. Doch Sirius war stark, viel stärker als er selbst und jeder andere es ihm zugetraut hatte. Und unablässig schrie er.
„DU SCHWEIN! DU MISTKERL! NICHT! LASS DIE FINGER VON IHM! NEEEEIIIIIN!"
Remus verschwand hinter der geöffneten Tür und Rukschow wandte sich Sirius noch einmal zu. Ein kaltes, berechnendes Lächeln im Gesicht. Dann trat auch er durch die Tür und schloss sie hinter sich.
„NNNEEEEIIIINNNN! DAFÜR BRING ICH DICH UM! ICH BRIIING DIIICH UUUUUMM!"
Die zwei Wärter kamen wieder durch die Tür zurück und halfen Troy und den anderen. Zu fünft gelang es ihnen schließlich, Sirius unter Kontrolle zu bringen und sie zerrten ihn unter vereinten Kräften mit sich durch die Flure.
Ich hab euch gewarnt!
Schreibt mir einfach, was ihr denkt!
Bis Montag,
Bella
