Hi, da bin ich wieder. Frisch aus dem Wochenende!

Diesmal ist das Kapitel etwas kürzer, aber am Ende findet ihr die Begründung dafür!

Viel Spaß beim Lesen!


'Ich kann nicht mehr!'

Im ehemaligen Graymes-Wohnsitz, etwas früher…

Ein voller Tag war vergangen und doch war nichts geschehen. Irgendwie hatte Harry damit gerechnet, dass zumindest irgendwas passieren würde, wenn Dumbledore doch immerhin mit ihm gesprochen hatte – wie auch immer er das angestellt hatte.

Und jetzt war schon wieder eine Nacht vergangen und der Tag war auch schon wieder zur Hälfte rum. Hatte das Türklinkensymbol nicht gereicht als Hinweis? Aber Dumbledore war intelligent und kreativ, wenn er es nicht schaffte, sich darauf einen Reim zu bilden, wer dann? Und wenn sie gar nicht kommen würden, um ihn zu retten? Schließlich saß er in Voldemorts Versteck, das war sicher nicht einfach.

Unruhig lief er hin und her, soweit seine Ketten es zuließen. Von dem Essen, das man ihm magisch hingestellt hatte, hatte er keinen Bissen angerührt. Wie konnte er jetzt etwas essen? Sirius' Zeit lief ab, der Spiegel zeigte ihm nichts mehr, von Dumbledore hörte er nichts mehr und er saß hier rum und sollte essen?

Schritte hallten durch den Flur vor seiner Tür. Überrascht hielt er inne. Seit seiner Strafe war niemand mehr persönlich zu ihm gekommen. Das konnte nichts Gutes heißen. Nervös blieb er stehen und starrte die Tür an. Nur wenige Augenblicke später öffnete sie sich und Voldemort persönlich trat ein. Er war allein, seine roten Augen funkelten, als würde ihn etwas schrecklich amüsieren.

„Hallo Harry."

Harry starrte nur verschlossen zurück. Voldemort schüttelte nur tadelnd den Kopf.

„Harry, Harry, Harry, was soll ich nur mit dir machen? Aber das führt wohl zu nichts. Sag, wie gefällt dir der Spiegel? Ich hab versucht, dich so oft ich etwas Amüsantes beobachtete, daran teilhaben zu lassen."

„Amüsant?" rief Harry beinahe fassungslos aus, obwohl er es doch besser wissen sollte. „Wie kann… argh… das… was willst du?" fragte er schließlich mühsam beherrscht. Es hatte keinen Sinn, wenn er hier losschreien und ihn beschimpfen würde.

„Ich war gerade dabei, etwas überaus Interessantes und Erheiterndes zu beobachten und dachte, ich sollte dich daran teilhaben lassen."

Er schwang seinen Zauberstab und der Spiegel waberte wie gewohnt, zerfloss in Silber und zeigte wie sonst auch das Bild der Zellen, doch diesmal waren sie leer. Harry runzelte verwirrt und irgendwie besorgt die Stirn.

„Wo sind sie?"

„Oh, das hätte ich ja beinahe vergessen. Dieser Spiegel zeigt ja nur die Zellen der drei. Lucius war natürlich so freundlich, den Zauber vor Ort etwas auszuweiten, so dass ich mich auch in anderen Räumlichkeiten etwas umsehen kann. Deine lieben Freunde und der Verräter sind beim Sicherheitschef von Askaban. Ein sehr interessanter Mensch übrigens. Er hasst nichts mehr als mich und meine Anhänger und verhält sich doch zeitgleich grausamer und skrupelloser als mancher Todesser. Ein Jammer."

Harry wusste sofort, von wem Voldemort sprach. Es konnte nicht anders sein, der Sicherheitschef musste der Mann sein, der Sirius und Snape diese grausamen Dinge angetan hatte. Ein Schauder lief ihm über den Rücken und offenbar war ihm sein Schrecken anzusehen, denn Voldemort lachte leise auf.

„Wie ich sehe, hast du die letzten Tage gut aufgepasst!" Er grinste sein hässliches, verzerrtes Grinsen. „Der Gute ist auf Geständnisse aus und im Prinzip hat er auch alles, was er wollte irgendwie bekommen. Aber dann hat Black den Fehler gemacht und versucht, ihn zu töten. Ein wirklich schwerer Fehler, den der gute Werwolf wohl jetzt ausbaden muss."

Überaus besorgt und mit einem harten Knoten im Magen wagte er es, Voldemort direkt ins Gesicht zu sehen. Dieses amüsierte Funkeln, dieser Spaß, den er in dessen Augen sehen konnte, das war echt. Er zweifelte nicht mehr daran, dass das, was der Spiegel ihm zeigte, der Wahrheit entsprach. Und er glaubte auch, dass Voldemort ihm gerade die Wahrheit sagte.

„Wenn du bisher gut aufgepasst hast, kannst du dir vielleicht denken, was mit dem Wolf passieren dürfte." Er lachte, kalt und fast schrill.

Harrys Hirn arbeitete auf Hochtouren. Was meinte er? Was würde dieser Kerl mit Lupin machen? Was… Ein Wort fiel ihm ein, dieses schreckliche Wort, dass sich in sein Hirn gegraben hatte, kaum dass Sirius es ausgesprochen hatte.

„Nein… nein, das darf nicht wahr sein… bitte nicht…"

Und jetzt lachte Voldemort erst recht. Doch er sagte nichts mehr, da in diesem Moment im Spiegel zwei Türen aufgingen und Snape und Black zurück in ihre Zellen gestoßen wurden. Wie hypnotisiert starrte Harry das Bild an. Sirius schrie und schlug um sich, es brauchte ziemlich viele Männer, ihn in seine Zelle zu bugsieren, ganz im Gegensatz zu Snape, der einfach auf die Knie sank und mit seiner rechten Hand völlig verkrampft seinen linken Unterarm kurz vorm Ellbogen umklammerte.

Kaum schlossen sich die Türen, stürmte Sirius auch schon drauf zu, trat und schlug wie ein Wahnsinniger dagegen. So völlig außer sich hatte Harry seinen Paten noch nie erlebt. Und irgendwie machte es ihm Angst.

„NEIN! DAS KÖNNT IHR NICHT MACHEN! DAS KÖNNT IHR IHM NICHT ANTUN! LASST MICH RAUS! BRINGT MICH ZU IHM! MOOOONYYYYY! ICH KRIEG DICH, RUKSCHOW! EINES TAGES! ICH BRING DICH UM! UND DU WIRST LEIDEN, DU WIRST MICH ANFLEHEN, DEM EIN ENDE ZU MACHEN! DU VERDAMMTES SCHWEEEEEEIIIN!"

Verzweifelt biss sich Harry auf die Lippe. Lupin war nicht da, er war bei Rukschow. Voldemort hatte Recht. Und nicht zuletzt sprach Sirius' Toben Bände.

Der Dunkle Lord dagegen amüsierte sich köstlich. Doch sein Blick richtete sich auch auf die andere Person und sein Zauberstab, den er die ganze Zeit über in seiner Hand hielt, zuckte dabei ein Stück in die Höhe.


Askaban…

„…DU VERDAMMTES SCHWEEEEEEIIIN!"

Voller Wut und Verzweiflung schlug er mit der Faust gegen die Tür, doch es brachte gar nichts. Sein ganzes Spektakel war hoffnungslos. Er konnte Moony nicht helfen, im Gegenteil, er war Schuld daran. Hart schlug er seinen Kopf gegen die Tür, doch der Schmerz half ihm auch nicht.

„AAAAHH!"

Erschrocken und überrascht wandte er sich um, er hatte völlig vergessen, wo er war. Irgendwie verwundert starrte er Snape an. Er hockte am Boden und hielt seinen linken Arm umklammert, das Dunkle Mal schien auf der weißen Haut fast unwirklich, so tiefschwarz stach es einem ins Auge. Sein Gesicht war schmerzverzerrt und kreidebleich. Sein Haar klebte ihm an der völlig verschwitzten Stirn, auch sein restlicher Oberkörper glänzte vor Schweiß. Irgendwas stimmte da nicht.

Hin- und hergerissen zwischen Snape und der Tür, hinter der irgendwo Remus war, lief er zwei Schritte in die eine Richtung, dann wieder zurück.

„VERDAMMTE SCHEIßE!" Wütend trat er gegen das Gitter, doch seine Entscheidung stand fest. Für Remus konnte er jetzt nichts mehr tun.

Schnell verwandelte er sich und huschte zu Snape, der inzwischen vor Schmerz stöhnend vor- und zurückwippte. Etwas ratlos blieb er stehen, dann ging er vor ihm in die Knie.

„Was ist los?" fragte er etwas ruppig, aber zu Feingefühl fühlte er sich jetzt wirklich nicht fähig.

„Es hört… nicht auf…" presste Snape zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Was?" Sirius verstand nicht. Zu sehr drehten sich seine Gedanken um seinen Freund, der vermutlich gerade die Hölle auf Erden durchlitt.

Snape keuchte gequält. „Es wird… schlimmer…"

Sirius zwang seine Gedanken von Remus weg zum aktuellen Problem und sein Blick fiel schließlich wieder auf das nahezu leuchtende Mal. Und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

„Er ruft dich noch immer?" fragte er irritiert.

Ein krampfhaftes Nicken folgte, Snape schaffte es nicht, zu antworten.

„Ist das normal?" Sirius kam sich seltsam dämlich vor, bei dieser Frage. Natürlich war das nicht normal, doch wenn er ehrlich war, hatte er keine Ahnung von dieser Materie, bis vor kurzem hatte er ja noch nicht einmal vermutet, dass der Ruf schmerzhaft war – auch wenn das Voldemort durchaus ähnlich sah. Er hatte es nie für nötig befunden, etwas darüber zu wissen.

Snape schüttelte den Kopf, ehe er sich noch mehr zusammenkrampfte.

Da leuchtete plötzlich die ganze Zelle hell auf, es kam von den Gittern. Keine Sekunde später verblasste das helle Licht wieder. „Na klasse!" entwischte es Sirius, das hatte ihm gerade noch gefehlt. Sie hatten die Gitter verändert, die Stäbe waren jetzt viel näher zusammen. Nie im Leben würde er es da noch hindurchschaffen.

Ein Stöhnen lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf Snape, der offenbar versuchte, etwas zu sagen.

„Nicht… normal… eigentlich… kurzer… Stich, aber… Merliiiin…" Er biss sich gequält auf die Lippe.

Sirius Hirn arbeitete auf Hochtouren. Er glaubte, langsam zu verstehen. „Er macht es mit Absicht. Er will dich quälen, oder?"

Das Nicken konnte er nur an der Bewegung von Snapes Haaren erkennen, die ihm mittlerweile ins Gesicht fielen, so tief neigte er es nach unten. Langsam begann etwas in Sirius Alarm zu schlagen. Das hier war nicht gut, überhaupt nicht. Snape konnte das nicht mehr lange aushalten. Er musste etwas tun, aber was?

Schnell rutschte er näher, aus den Augenwinkeln sah er, dass dünne Blutrinnsale über Snapes Arm liefen, dort, wo sich seine Fingernägel durch seinen festen Griff in sein Fleisch bohrten. Behutsam griff er nach dessen Gesicht, strich ihm mit gespreizten Fingern die Haare aus dem Gesicht und hob es etwas an. Blut tropfte von seiner zerbissenen Lippe.

„Sieh mich an. Hörst du, Snape? Sieh mich verdammt noch mal an!"

Langsam öffneten sich die fest zugekniffenen Augen. Sirius' Hände begannen zu zittern, als er diesen Blick sah. Noch nie hatte er soviel Qual, soviel Pein in menschlichen Augen gesehen.


Bei Harry…

Fassungslos und völlig geschockt taumelte Harry rückwärts, bis die Wand ihm Halt gab. Eine unglaubliche Wut begann langsam in ihm zu gären. Aus großen Augen starrte er Voldemort an.

„Wieso? Wieso muss er so leiden?"

Voldemort zuckte mit den Schultern und lächelte finster. „Er ist ein Verräter, eigentlich sollte er tot sein, doch er wollte nicht sterben, also muss er seine Lektion eben anders lernen."

Dabei hob er seinen Zauberstab noch ein Stück mehr und Snapes erneute Schreie gellten in Harrys Ohren.


Askaban…

Der Ausdruck in Snapes Augen brach und bevor sie sich wieder krampfhaft schlossen, gewahrte Sirius etwas noch viel grauenvolleres als bisher. Schreiend krümmte sich Snape zusammen, entzog sich so seinen Händen und fiel zur Seite. Wie ein Häufchen elend lag er vor ihm.

Sirius hielt es nicht mehr aus, jeder Mensch konnte nur ein gewisses Maß an Ungerechtigkeit ertragen und seines lief nicht mehr nur über, es explodierte gerade.

WIIIIIEEEESOOOO?" Doch sein Schrei hallte nur ungehört von den kahlen, kalten Wänden wieder.

Unsicher lehnte er sich nach vorne, legte ihm hilflos eine Hand auf die Schulter.

„Kann ich irgendwas tun? Irgendwas?" Er bemerkte den verzweifelten Klang seiner Stimme gar nicht, konnte es gar nicht, dafür erschrak er zu sehr.

Plötzlich schlangen sich schlanke Finger um sein Handgelenk und hielten es krampfhaft fest. Der Griff war schmerzhaft. Zwei große, dunkle Augen, die mehr Schmerz beherbergten, als es die Augen eines Lebewesens jemals tun sollten, starrten ihn an, bohrten sich in seinen Blick.

„Befrei mich davon!" stieß er hervor.

„Was?"

Jetzt trat noch etwas anderes in diese Augen, eine Art tödliche Entschlossenheit, gepaart mit Zorn. „SCHNEID IHN MIR AB! TÖTE MICH! VÖLLIG EGAL, SOLANGE ES NUR AUFHÖRT!"

Aus großen Augen starrte er den einstigen Tränkemeister fassungslos an. Natürlich hatte er gehört, was Snape gesagt hatte, es war ja laut genug gewesen, aber er konnte es nicht glauben. Nicht mal annäherungsweise konnte er sich vorstellen, was dieser Mann für Schmerzen leiden musste, wenn er ihn um so etwas bat. Ihm blieb nur eins, da brauchte er nicht nachdenken.

„Das kann ich nicht!"


Im anderen Verlies…

„Oh mein Gott… aufhören…"

Mit Tränen in den Augen – Tränen, die er in Anbetracht von Snape niemals vermutet hätte – funkelte Harry den Dunklen Lord an, der nur amüsiert an der Wand lehnte, außer Reichweite des aufgebrachten Jungen.

„Es macht doch gerade erst Spaß!"

„Das ist… er ist doch schon völlig am Ende, verdammt! Hör auf! Bitte! BIIIITTE!"


Askaban…

Der harte Griff um Sirius' Handgelenk verschwand augenblicklich. Schneller als er es je vermutet hätte, sprang Snape auf, hektische rote Flecken im Gesicht. Und etwas glänzte in seinen Augen. Mit zwei Schritten war er an seinem Wasserkrug und trat dagegen.

„Nicht!" Doch Sirius' Schrei kam zu spät.

Platschend verteilte sich das wertvolle Wasser auf dem Boden zwischen den Scherben, deren Klirren gerade verhallte. Energisch kniete Snape sich hin und packte mit seinen klammen, blutigen Fingern eine große Scherbe.

Langsam ging Sirius ein Licht auf. Er sprang auf, doch er war nicht schnell genug.

Mit tödlicher Entschlossenheit presste Snape die scharfe Kante der Tonscherbe unterhalb seines linken Ellbogens auf seinen Arm und drückte, so fest es seine kalten Finger zuließen. Er spürte kaum, wie sich das Material in sein Fleisch schnitt, weder am Arm, noch an seinen ohnehin geschädigten Fingern. Alles, was er wahrnahm, war dieser rasende Schmerz, dieses grausige Brennen, das sich durch seinen ganzen Körper zog und von seinem linken Arm ausstrahlte. Schon viel zu lang dauerte dieser Schmerz an und er wurde immer schlimmer.

Und er hielt es nicht mehr aus!


Bei Harry…

„Bitte, das wird ihn umbringen!"

„Damit würde er mir einen Gefallen tun."


Askaban…

Sirius stürzte sich auf Snape, packte seine Hand und riss ihm die Scherbe aus den glitschigen Fingern. Blut quoll aus der Wunde.

Rasend vor Wut schrie Snape auf und schlug auf Sirius ein. In seinen Augen spiegelte sich der erste Hauch von Wahnsinn. Sein Blut verteilte sich bei dem entstehenden Gerangel überall, auf seinem Körper, auf Sirius, dem Boden, dem Laken, seinem Hemd, das immer noch völlig unbeachtet dort auf dem Boden lag, wo Raven es hingeworfen hatte.

Sirius versuchte, Snapes Arme zu erwischen und gleichzeitig seinen Schlägen auszuweichen. Schließlich erwischte er ein Handgelenk. Mit einer raschen Drehung gelang es ihm, sich auf Snape zu rollen, der jetzt Bauch nach unten unter ihm lag, der Arm mit dem Mal unter ihm eingeklemmt. Mit seinem Unterarm, der quer über Snapes Genick lag, hielt er dessen Kopf am Boden.

„Verdammt Snape, ich bin's. Ich will dir nur helfen!"

Der Mann unter ihm tobte verzweifelt gegen ihn und seinen festen Griff, bis seine Gegenwehr schließlich mit einem Schlag erstarb und er in sich zusammensackte. Keuchend hielt Sirius einen Augenblick inne, doch er wagte es nicht, sich zu bewegen. Er spürte, dass Snape unter ihm atmete, was ihn irgendwie ein wenig beruhigte. Gerade, als er überzeugt war, dass er endlich bewusstlos geworden war und er aufstehen wollte, da spürte er, wie Snape anfing zu zittern. Seine Schultern zuckten. Er spürte jede Erschütterung nur zu deutlich, schließlich lag er noch der Länge nach auf dem gequälten Mann.

Unsicher, was das jetzt bedeutete, wusste er nicht, wie er reagieren sollte. Bis er es hörte. Ein leises Schluchzen. Kläglicher und gequälter als er je einen Menschen hatte schluchzen hören, so voller Pein und Resignation.

Er hob seinen Arm, so dass Snape seinen Kopf frei bewegen konnte, doch er rührte sich nicht. Keinen Millimeter. Vorsichtig verlagerte er sein Gewicht etwas, so dass er nicht völlig auf dem anderen lag. Eine gewaltige Gänsehaut zierte seinen ganzen Körper bei diesem Schluchzen. Sogar seine Nackenhärchen stellten sich auf. Kein Mensch sollte so ein Geräusch hören müssen. Niemand sollte gezwungen sein, solche Laute von sich zu geben.

„Snape?" fragte er zaghaft. Vorsichtig strich er mit einer Hand den schwarzen Vorhang von Snapes Gesicht weg. Augenblicklich biss er sich auf die Zähne, an irgendwas musste er seine Gefühle ja auslassen.

Tränen rannen dem einst so unerschütterlichen Mann in Strömen über die Wangen, benetzten sein Gesicht und vermischten sich mit dem Blut seiner Lippe.

„Snape?" fragte er noch mal. Er fühlte sich, als brauche er eine Antwort, als müsse er hören, dass der Mann unter ihm tatsächlich noch lebe, weil er es sich einfach nicht vorstellen konnte. Das hier war alles so… irreal. Wieso konnte er aus diesem Traum nicht einfach erwachen?

Ein Geräusch riss ihn aus seinen Gedanken, leise, brüchig. Er brauchte etwas, um zu verstehen, dass es Snapes Stimme war. Er klang so völlig am Ende, so kläglich, weinerlich, verzweifelt.

„…kann nicht mehr… Ich… halt das nicht mehr aus… bitte… bitte aufhören… ich kann… nicht mehr… biiitte…"

Sirius spürte, wie sich Tränen der Wut und der Verzweiflung in seinen Augen sammelten. Sie tropften in Snapes Nacken, als er sich vorbeugte und dem Mann tröstlich über die Haare strich. „Ich weiß. Ich weiß. Ich wünschte, ich könnte etwas tun, aber ich kann nicht. Es wird wieder aufhören, bestimmt! Ganz bestimmt!"

Seine Stimme brach. Er konnte nicht weitersprechen. Konnte nicht weiter lügen. Er wusste nicht, ob diese Schmerzen enden würden, bevor Snape daran zugrunde ging.


Bei Harry…

Seine Tränen flossen jetzt auch in Strömen. Er hörte das Schluchzen, hörte Sirius Verzweiflung aus dessen Stimme sprechen, er konnte es nicht mehr mitansehen. Wimmernd fiel er auf die Knie.

„Bitte, BITTE! AUFHÖREN, BITTE!"

Voldemort zischte zornig auf. Seit einer Weile ging ihm dieser Bengel mit seiner Jaulerei dann doch ziemlich auf die Nerven. Und auch dieser heulende Snape erheiterte ihn nicht so sehr, wie er es angenommen hatte. Als die zwei gekämpft hatten, als Snape sich die Tonscherbe in den Arm rammte, das hatte ihn überaus erheitert. Aber jetzt? Wieder einmal wurde ihm klar, was für einen Jammerlappen er all die Jahre in seinen Reihen hatte. Und er hatte einst so große Stücke auf ihn gehalten.

„BIIIIITTEEEE!"

„HALT DIE KLAPPE!" fauchte er ungehalten und sprang ein paar Schritte nach vorne. Mit seiner Hand stieß er den Jungen von sich, dass er gegen die Wand prallte. „Du langweilst mich mit deinem Gejammere. Und er genauso."

Damit wandte er sich schwungvoll um, dass seine schwarze Robe wild flatterte. Noch ehe Harry begriff, hatte sich die Tür geschlossen und das Bild im Spiegel verblasste.

„Nein!" hauchte er entsetzt. Jetzt würde er nicht erfahren, ob Voldemort seiner Bitte doch noch nachgekommen war, weil er so genervt war, oder ob Snape langsam und qualvoll an seinem Schmerz verging.


Askaban…

Die zwei Fremden zogen ihn in das angrenzende Zimmer, noch immer gellte ihm Sirius' Schrei in den Ohren und noch immer konnte er nicht wirklich begreifen, was hier geschah. Wie versteinert ließ er sich weiterzerren, ließ zu, dass man ihm die Arme über den Kopf zog und wieder Fesseln um seine Handgelenke legte. Erst als Rukschow mit einem unheilvollen Lächeln den Raum betrat und die Türe hinter sich schloss, fiel diese seltsame Starre von ihm ab. Seine Hände zitterten und er musste die Zähne zusammenbeißen, damit sie nicht laut klapperten.

Langsam kam der Russe auf ihn zu, maß seinen Körper von oben bis unten, mit Blicken, die Remus Angst machten. Er zuckte mit seinem Zauberstab und das bereits geöffnete Hemd flatterte leise zu Boden. Remus schloss die Augen, wünschte sich ganz intensiv an einen anderen Ort. Doch es half nichts, wie auch?

Eine Hand legte sich auf seine Brust, kraulte sich ein wenig durch seine spärliche Brustbehaarung. Dann verschwand sie, nur ein Finger blieb zurück, der ein paar seiner Narben nachzeichnete. Narben, die er sich in Vollmondnächten selbst zugefügt hatte.

„Wirklich interessant!" säuselte der Russe, von seiner gerade noch sehr präsenten Wut war nichts mehr zu hören.

Entweder hatte er sich verdammt gut im Griff – was Remus jetzt weniger glauben konnte – oder seine eigene Anwesenheit hier entschädigte Rukschow dafür – was Remus wirklich nicht hoffte. Er hatte Sirius gesehen, dieses menschliche Wrack, nachdem sein Gegenüber mit ihm fertig gewesen war und dennoch konnte er sich nicht wirklich vorstellen, zu was für Grausamkeiten er im Detail fähig war. Was er sich gerade alles genüsslich ausmalte, nur für ihn. Ein Schauder durchlief seinen schmächtigen Körper und bescherte ihm einen Gruß von seiner Rippe.

„Als du hier angekommen bist, hätte ich nicht gedacht, dass du einmal hier bei mir landen würdest. Du bist zu unscheinbar, und doch… Black hat einen Narren an dir gefressen, allein das macht dich schon zu etwas Besonderem. Du bist eigentlich ein bisschen zu klein für meinen Geschmack, andererseits… ich hatte noch nie einen Werwolf unter mir."

Gänsehaut ließ jedes noch so kleine Härchen an seinen Armen und seinem Nacken senkrecht stehen. Wenn er bis jetzt noch den geringsten Hauch von Hoffnung gehabt hatte, so hatte dieser letzte Satz ihn in tausend Einzelteile zerschlagen.

Der Finger umkreiste seinen Nabel, weitere Finger gesellten sich dazu und strichen seine Seite entlang hoch, bis sie schließlich die hässliche dunkelblaue Verfärbung erreichten, die von seiner gebrochenen Rippe zeugte. Dann verschwanden sie. Gerade wollte er leise aufatmen, als er den Körper des anderen dicht vor sich spürte. Als er sprach, war die Stimme viel zu nach an seinem Ohr.

„Wollen wir mal sehen, was du so zu bieten hast."

Zwei große Hände legten sich an seine Hüften und tasteten sich zu seinem Hintern, welchen sie grob packten und ein wenig kneteten. Er hörte ein leises Lachen.

„Liegt gut in der Hand, fast besser als der von deinem Freundchen."

Remus konnte nicht anders, er wandte sein Gesicht ab, so weit es ging und hielt die Augen fest geschlossen, er wollte diesen Kerl nicht ansehen. Vielleicht würde es dadurch eine Spur weniger real.

Dass er sich täuschte, wusste er, als eine Hand losließ und sich nach vorne in seinen Schritt tastete. Mit leichtem Druck strich sie über sein Glied, rieb darüber und drückte leicht.

„Das dürfte vielversprechend werden." brummte der Russe leise, aber wohlweislich verständlich vor sich hin.


Der Körper unter ihm sackte mit einem Mal noch ein Stück mehr in sich zusammen, ansonsten änderte sich nichts. Seine Schultern bebten weiterhin, seine Tränen flossen ebenfalls noch.

Sirius runzelte die Stirn. Was war geschehen? Er beschloss, endlich von seinem einstigen Rivalen herunterzusteigen. Als er sich erhob, blieb sein Shirt an Snapes Verbrennung kleben. Die hatte er völlig vergessen. Mit einem überaus schlechten Gewissen und zittrigen Fingern fummelte er das Shirt so behutsam wie möglich aus der Wunde, aber Snape reagierte in keinster Weise darauf.

„Snape?" fragte er leise und strich dem Angesprochenen dabei sanft über die Stirn. Sie war heißer als beim letzten Mal. Es hätte ihn auch gewundert, wenn das Fieber durch diese Strapazen nicht in die Höhe gestiegen wäre. „Snape? Kannst du mich hören?"

Die blutigen Lippen bewegten sich leicht, formten ein einziges, dahingehauchtes Wort.

„… danke…"

Danke? Was meint er denn damit? Genervt schlug er sich an die Stirn. Er hatte vorher darum gefleht, dass es endlich aufhören möge, dann bedeutete ‚danke' sicherlich, dass der Schmerz vorbei war.

Mit einem erleichterten und doch auch weniger als halbherzigen Lächeln strich er Snape beruhigend über die Haare und legte seine Hand um dessen blutige Rechte. „Es ist vorbei, Snape! Hörst du? Vorbei!"

Der Mann vor ihm regte sich etwas, sein Oberkörper zuckte seltsam, sein Gesicht verzog sich und seine Muskulatur spannte sich vollkommen an. Sirius hatte keine Zeit mehr, darüber zu rätseln, Snape kam ihm zuvor. Unter völliger Anstrengung würgte er, verkrampfte sich und würgte weiter. Schleimige, sauer riechende Galle quoll aus seinem Mund.

Schnell sprang Sirius über Snape hinweg auf dessen andere Seite und zog seinen Kopf und seinen Oberkörper ein Stück zurück. Niemand sollte in seinem eigenen Erbrochenen liegen müssen. Behutsam hob er den Kopf des Tränkemeisters ein wenig an und strich ihm die Haare hinter die Ohren, ehe er seine Hand über dessen Schultern streicheln ließ, ihm das Gefühl gab, nicht allein zu sein.

Die ganze Zeit murmelte er beruhigende Worte, während er darauf wartete, dass Snape wieder zur Ruhe kam, dass das krampfhafte Würgen, welches doch nichts mehr zu Tage förderte, endlich nachließ. Zurück blieb ein völlig zusammengesunkener, zitternder Mann, dem auch jetzt noch Tränen übers Gesicht rannen.

„Du solltest nicht hier auf dem Boden liegen." Er schritt wieder um den Mann herum und schob sorgsam seine Hände unter den geschundenen Körper. Vorsichtig trug er ihn zur Pritsche und bettete ihn auf die Seite. Mit wenigen Handgriffen hatte er das Hemd und das Laken aufgesammelt. Vom Laken riss er zuerst zwei längere Streifen und ein kleineres Stück ab, ehe er es zusammen mit dem Hemd als Decke über Snape ausbreitete.

Er atmete ein paar Mal tief durch, bevor er damit begann, sich Snapes Verletzungen anzusehen. Vorsichtig zog er dessen linken Arm etwas unter seinem Körper hervor, er fühlte sich kalt an. Überall waren Blutflecken darauf, dennoch fand er den Schnitt ziemlich schnell. Er war tiefer, als er vermutet hatte, doch durch den stetigen Druck darauf, als er auf Snape und dessen Arm gelegen war, hatte die Blutung offenbar stark nachgelassen. Nur noch ein kleines Rinnsal quoll träge daraus hervor. Vorsichtig wickelte er einen Stoffstreifen darum und knotete ihn fest. Genauso verfuhr er mit den Fingern der rechten Hand, deren erste Fingerglieder jeweils zerschnitten waren. Behutsam schob er die Arme zurück unter die Decke und betrachtete Snapes Gesicht.

Irgendetwas in ihm drin krampfte sich dabei zusammen und er biss sich wieder auf die Lippe. Er schmeckte Blut und wischte es unwirsch weg. Mit dem kleineren Stück Tuch trocknete er dessen Gesicht von all den Tränen und wischte ihm die letzten Speichelreste von den blutigen Lippen. Diesmal machte er sich nicht die Mühe, all das übrige Blut wegzuwischen, erstens war es überall und zweitens hatte er kein Wasser mehr dazu.

Seufzend setzte er sich neben Snape, hob dessen Kopf vorsichtig an und legte ihn auf seinen Oberschenkel. Instinktiv wanderte seine Hand zu dessen Gesicht und strich beruhigend über Stirn und Wangen.

Blind starrte er geradeaus, doch er sah eigentlich nichts außer diesem letzten, berechnenden Grinsen von Rukschow. Dieses hinterhältige, amüsierte Funkeln in diesen kalten Augen.

Jetzt, wo Snape völlig ruhig neben ihm lag, entweder bewusstlos oder den wohlverdienten Schlaf der Gefolterten schlafend, kehrten seine Gedanken zu ihrem Verhör zurück, zu Rukschow, zu Remus!

Tränen sammelten sich in seinen Augen, als sich ihm unweigerlich Bilder aufdrängten von all den grässlichen Sachen, zu denen der Russe fähig war.

„Es tut mir so leid, Moony. Das ist alles meine Schuld!"


So, dieses Kapitel war eher kurz. Das liegt daran, dass hier jetzt eigentlich der Teil käme, den ich hier nicht veröffentlichen werde. Dieser fehlende Teil ist unerheblich für das Verständnis der restlichen Geschichte. Wer ihn aber trotzdem unbedingt haben will, der sagt mir einfach Bescheid und ich schick ihn euch als PM oder per Email.

Bei der Gelegenheit dürft ihr mir auch gerne sagen, was ihr bisher so denkt über die Geschichte! *g*

Bis demnächst,

Bella