Hallihallo!

Jeden, der unbedingt wissen will, wie's mit Sirius, Remus und Snape weitergeht... den muss ich leider enttäuschen, denn in diesem Kapitel gehts rein nur um Harry und den Orden. Trotzdem wird's spannend!

Viel Spaß beim Lesen!


Phönix in der Schlangengrube

ehemaliger Wohnsitz Graymes…

Unruhig verlagerte Bill sein Gewicht ein wenig und drückte sich dichter an den Baumstamm direkt vor sich. Ein hastiger Blick auf die Uhr – so kurz nach Vollmond war es wirklich nicht schwer die Zeiger zu erkennen – schürte seine Nervosität nur noch mehr. Es war 0:21 Uhr.

Eigentlich hätte er schon längst dabei sein sollen, die Schutzzauber unauffällig außer Kraft zu setzen, aber natürlich hatte ihr Plan nicht so funktioniert, wie sie sich das vorgestellt hatten. Zuerst gab es in Hogwarts Verzögerungen und sie waren bereits später hier im Wald eingetroffen, als sie es vorgehabt hatten. Dann waren endlich alle Gruppen auf Position und bereit. Seine Leute und er hatten sich zwischen den Bäumen am Rand der kleinen Schlucht positioniert, wo ganz in der Nähe die Schutzzauberwälle lagen und wo auch der Eingang zum Geheimgang irgendwo liegen musste, den sie leider nicht genau kannten.

Bill hatte sich gerade daran machen wollen, die Schutzzauber zu checken, als er plötzlich ein ‚Plopp' hörte. Er hatte es gerade noch geschafft, sich in die spärlichen Schatten zu flüchten, als unweit hinter ihm zwei Todesser apparierten. Die beiden sahen sich kurz um, flüsterten leise und schritten dann auf die Schlucht zu. Fred war schon kurz davor gewesen, die beiden anzugreifen, doch es war ihm gerade noch gelungen, ihn mit einer knappen Geste davon abzuhalten. Immerhin waren sie zu zweit, wenn es ihnen nicht gelang, sie augenblicklich auszuschalten, dann konnte der Zweite noch jede Menge Schaden anrichten. Noch dazu bestand die Möglichkeit, dass die beiden erwartet wurden und ihr Fehlen würde die anderen zumindest alarmieren. Das wollte er nicht riskieren, auch wenn das bedeutete, dass dann zwei Todesser mehr im Haus waren, denen sie entgegentreten mussten.

Die Todesser näherten sich der Stelle, wo die Schutzzauber lagen. Einer hob seinen Zauberstab und Bill hielt die Luft an. Leises Gemurmel war zu hören, doch er verstand das Wort nicht. Beinahe hätte er laut geflucht. Dennoch ließ er die beiden, die jetzt einfach weitergingen, nicht aus den Augen. Sie gingen zielstrebig in die kleine Schlucht, schoben auf einer Seite etwas Grünzeug auf die Seite und verschwanden in der Wand.

Bill grinste. Zumindest kannten sie jetzt das Versteck des Eingangs. Er zog den Spiegel aus seiner Tasche und verständigte die anderen, dass sie gerade beinahe entdeckt worden wären und er deshalb erst jetzt anfangen konnte.

„Nun gut, los geht's!" Er wandte sich der Stelle zu, wo die Todesser die Zauber durchschritten hatten und gab seiner kleinen Truppe – bestehend aus seinem Bruder Fred, seiner Mutter und Hestia Jones – die Anweisung, sich reihum zu postieren und Ausschau zu halten. Konzentriert machte er sich daraufhin an die Arbeit. Vorsichtig tastete er die Schutzzauber mit seinem Zauberstab ab und versuchte deren einzelne Komponenten herauszufiltern. Er entdeckte einen Anti-Apparierzauber, eine sogenannte ‚Wand' – die hieß so, weil man ohne ein bestimmtes Wort zu sprechen, wie gegen eine Wand lief – und einen Verschleierungszauber, der die Gegend wohl vor unwillkommenen Muggeln schützte, doch da lag noch mehr verborgen. Alle Zauber zu identifizieren und ohne Aufmerksamkeit zu erregen außer Funktion zu setzen dürfte ein hartes Stück Arbeit werden.


Mundungus Fletcher ließ sich ein wenig entnervt auf einen Baumstumpf sinken und grummelte missmutig in seinen ungepflegten Bart. Moody konnte den Kerl zwar nicht wirklich leiden, aber er verstand ihn im Moment beinahe mehr als ihm lieb war. Sie standen jetzt schon über eine Stunde hier draußen und warteten, doch es tat sich rein überhaupt nichts. Erst vor zehn Minuten hatte er Bill kontaktiert, doch der meinte nur, dass die Zauber komplizierter angeordnet waren, als er erwartet hatte und dass er deswegen noch etwas Zeit brauche. Das verstand er ja durchaus, aber ihnen lief mit jeder verstreichenden Minute die Zeit davon. Doch solange die Zauber nicht durchbrochen waren, hatten sie keine Chance, ihren Angriff durchzuziehen.

Etwas entnervt verschränkte er seine Arme vor der Brust und lief ein paar Schritte auf und ab, ehe er Charlie von der Seite auf ihn zukommen sah. Interessiert sah er ihm entgegen.

„Er schafft das schon, Moody! Bill ist gut, er hat bisher noch nie versagt, wenn es drauf ankam." Ein aufmunterndes Lächeln zierte das Gesicht des muskulösen Rothaarigen.

„Wenn du das sagst…" knurrte er vor sich hin.


„Ist… ist das jetzt gut, dass wir bisher noch nichts von ihnen gehört haben, oder schlecht?" fragte Hermine gefasst, aber Anspannung und Ungewissheit und auch eine Spur Angst klangen aus ihrer Frage heraus.

Auch Ginny und Ron sahen gespannt zu Madame Pomfrey hinüber, die nervös an einer Decke zwirbelnd am Fußende eines Bettes stand.

„Ich denke, es ist ein gutes Zeichen. Wahrscheinlich sind sie gerade dabei, die Kerker nach Harry zu durchsuchen. Und überlegt doch mal, wenn etwas schief geht, brauchen sie nur nach dem Portschlüssel zu greifen und sie sind hier. Aber noch ist niemand hier, also müsste alles in Ordnung sein."

Sie klang zuversichtlich, doch in ihren Augen lag etwas, dass ihren Worten wieder etwas von ihrer Zuversicht nahm.

Ginny atmete tief durch. Ihr Blick wanderte über die zahlreichen hergerichteten Betten, über die zahlreichen Phiolen mit Schmerz- und Beruhigungstränken – auch ein paar starke Blutungshemmer waren dabei, dazu ein paar Gegengifte und für alle Fälle ein Bezoar. Überall standen Mittel zum Desinfizieren und Verbandszeug für kleinere Verletzungen, die nur notdürftig versorgt werden würden und erst später nach eventuellen Schwerverletzten geheilt werden würden. Sie hoffte, dass es nicht soweit kommen würde, dass sie das ganze Zeug nicht brauchen würden.

Dobby wippte neben ihr unruhig auf und ab. Er hatte sich freiwillig bereit erklärt, ebenfalls zu helfen, als er zufällig in ihre Vorbereitungen hereingeschneit war. Er machte sie mit seiner Unruhe total nervös.

„Poppy?"

Die Stimme kam aus dem Spiegel, der auf dem Bett neben der Heilerin lag. Schnell griff sie danach, es war Albus.

„Es gibt hier ein paar Verzögerungen. Bisher warten wir darauf, dass Bill die Zauber durchbricht. Ich geb dir noch mal Bescheid, wenn es losgeht."

Poppy nickte.

Diese Nachricht beruhigte weder sie, noch die Kinder, die alles mitgehört hatten.


Langsam wurde selbst Dumbledore etwas unruhig. Ein Blick auf seine Uhr sagte ihm, dass es bereits knapp drei Uhr nachts war und sie standen immer noch hier draußen im Schatten der Bäume und nichts tat sich.

Hagrid knackte nervös mit seinen Fingerknöcheln, Sullivan Dedders, Pomona Sprout und Emmeline Vance liefen schon seit einer Weile nervös auf und ab und Minerva starrte angespannt in den Wald, als könne sie Bill von hier aus sehen.

Es hatte ja keinen Sinn. Er zog den Spiegel aus seiner Robe und kontaktierte Bill. Kurz darauf erschien dessen Gesicht in dem kleinen Stück Glas, Schweiß stand ihm auf der Stirn und einzelne Strähnen hingen ihm unordentlich aus dem einst sauber gebundenen Pferdeschwanz, als hätte er sich die Haare gerauft. Aber in seinen Augen lag ein zufriedener Ausdruck und ein aufgeregtes Glitzern.

„Ich bin so gut wie fertig. Dieser Mistkerl hat wirklich jeden Zauber um dieses verdammte Gebäude gelegt, den es gibt und noch ein paar mehr. Einer ist noch übrig, aber den müsste ich bald geknackt haben. Macht euch schon mal fertig und sagt den anderen Bescheid. Ich benachrichtige euch, wenn es soweit ist!"

Die Verbindung erlosch.

„Und?" fragte Minerva erwartungsvoll.

Albus wandte sich gleich an alle, die um ihn herumstanden. „Haltet euch bereit, Bill hat es gleich."

Erneut hob er den Spiegel und sagte den anderen Bescheid, was Alastor nur ein ‚Na wurde auch verdammt noch mal Zeit' entlockte. Poppy war halb überrascht, halb entsetzt, dass sich noch immer nichts getan hatte. Erleichtert und auch angespannt steckte er den Spiegel weg und griff nach seinem Zauberstab. Nun würde es bald losgehen, die entnervende Warterei hatte ein Ende. Jetzt würde sich gleich bewahrheiten, ob ihr Plan funktionierte.

Harry, wir holen dich da raus!

In diesem Moment schrillte plötzlich ein grässliches Geräusch durch den Wald.

Ein Alarm war aktiviert worden.

„Was ist das?" rief George erschrocken.

„Ein Alarm." erklärte Albus nur trocken. „Sie wissen, dass was nicht stimmt. Los, wir müssen so nah wie möglich an den Eingang ran, damit sie denken, wir wären das gewesen, und die anderen nicht so schnell entdecken! Lauft!"

Ohne Zeit zu verlieren sprinteten sie los, so schnell sie konnten.

„Was ist mit den Schutzzaubern?" fragte Sprout keuchend, während sie den anderen hinterher rannte.

Morris Ruby antwortete ihr umgehend. „Solange wir von Bill nichts hören dürfen wir kein Risiko eingehen. Manche von diesen Dingern können einen umbringen."


Irritiert schüttelte Bill den Kopf.

„Alles okay?" fragte Molly besorgt.

Er fasste sich nur kurz an den Kopf und nickte ganz automatisch. Mit einem Mal war er einfach zurückgestoßen worden und ein schriller Alarm hatte begonnen, alles und jeden in mindestens 2 Kilometer Entfernung davon in Kenntnis zu setzen, dass hier jemand einzubrechen versuchte. Doch wie hatte das nur passieren können?

Er hatte genau das Richtige getan, was er immer bei solcher Art von Zauber tat. Was war nur schief gelaufen?

Die Hand seines kleinen Bruders ignorierend rappelte er sich auf die Beine, packte seinen Zauberstab und starrte konzentriert auf den Fleck, an dem er kurz zuvor gestanden hatte.

Die ‚Wand' war der letzte Zauber, der noch übrig war, weil er ohne das entsprechende Losungswort schwerer zu brechen war, aber er hatte das schön öfter gemacht und war noch nie zurückgeschleudert worden. Dazu war der Zauber der gewöhnlichen ‚Wand' auch nicht ausgelegt, es musste also noch einer darüber liegen…

„Oh ich Volltrottel!" schimpfte er sich selbst und begann energisch die unsichtbare Barriere mit Zaubersprüchen zu traktieren. Ihm ging die Zeit aus. Die Todesser wussten jetzt, dass jemand hier war, aber sie kamen noch nicht hinein. Verbissen arbeitete er sich Schritt für Schritt vor, jetzt nachdem er seinen Fehler erkannt hatte.

Ein kaum merkliches Flimmern erschien in der Luft, dann verschwand es wieder, löste sich auf. Bill grinste und streckte die Hand aus. Da war nichts mehr. Er hatte es geschafft.

Hektisch zerrte er den Spiegel aus der Gesäßtasche seiner Jeans und rief die anderen. „Die Zauber sind alle weg! Viel Glück!"

Grinsend wandte er sich um zu den anderen dreien und winkte. „Los, wir müssen Harry finden. Und Pettigrew!"

Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Zügig rannten sie in die kleine Schlucht, schlüpften durch das Grünzeug durch und betraten nach einem kurzen Stopp an der magisch verschlossenen Tür einen unterirdischen Gang, der zu einem natürlichen Höhlensystem zu gehören schien. Jeder entzündete einen Lumos-Zauber, um besser sehen zu können. Der tunnelartige Weg führte nahezu schnurgeradeaus in undurchdringliche Dunkelheit.


Als Tonks die Nachricht von Bill hörte, packte sie Flitwick am Arm und gemeinsam rannten sie auf das Gebäude zu. Sobald sie im dunklen Schatten der Mauern waren, wurden sie langsamer. Wachsam schlichen sie weiter, achteten überall um sich herum auf Geräusche und Bewegungen. Und natürlich hielten sie Ausschau nach knapp über dem Boden liegenden Fenstern.


Im Haus…

Voldemort stieg in Gedanken versunken die Treppe zum ersten Stock hinauf. Gerade hatte er ein kleines Treffen abgehalten. Wirklich nur ein kleines. Trebber und Gibbens waren von ihrem Auftrag zurückgekehrt. Sie hatten endlich Creyson erledigt, den Werwolf, der das Mädchen getötet hatte. Er hätte schon längst tot sein sollen, er war ein Risiko in ihrem Plan, aber er hatte es irgendwie geschafft, seinen Leuten zu entwischen und sich bis zur heutigen Nacht vor ihnen zu verstecken.

Nun ja, jetzt war er Geschichte.

Die anderen saßen noch unten im großen Salon, schmiedeten Pläne und tranken zuviel von dem alten Whiskey aus den Kellern. Sollten sie ruhig. Bella, Lucius, MacNair, Dolohow und Pettigrew wohnten sowieso ständig hier, da sie sich in der Öffentlichkeit nicht mehr blicken lassen konnten. Aber er selbst hatte keinen Bedarf für derlei Müßiggang. Er zog sich lieber in seine Gemächer zurück, setzte sich mit Nagini vors Feuer und überlegte sich stattdessen zum wiederholten Male, wie er Potter am Besten töten sollte.

Er war gerade dabei, seine Tür zu öffnen, als der Alarm losschrillte.

Wie erstarrt verharrte er eine Sekunde in der Bewegung, ehe er wütend auf das nächstgelegene Fenster zueilte, wenn das verdammte Haus doch nur nicht so groß und verwinkelt gebaut wäre. Schließlich erreichte er eines, das zum Hof vor dem Haupteingang hinauszeigte. Dort war alles leer – im Licht des noch hell leuchtenden Mondes hätte sich wirklich niemand verstecken können. Er wollte sich gerade abwenden und nach unten eilen, um dem Alarm auf den Grund zu gehen, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung sah. Schnell fixierte er sich wieder auf den Hof. Und tatsächlich, da liefen mehrere Gestalten aufs Haus zu. Er brauchte nicht lange, um darin Dumbledore und seinen lächerlichen Orden zu erkennen.

„Voreilig Professor und wirklich unüberlegt!"


„Schach!"

„Was?"

„Ich sagte: Schach!"

„Ich hab schon verstanden, was du gesagt hast, aber das ist doch kein Schach!"

Walden MacNair verdrehte genervt die Augen und stöhnte leise auf. „Der wird's nie kapieren!"

Lucius Malfoy hob ehrlich überrascht eine Augenbraue. „Das hast du doch nicht wirklich erwartet, oder?"

Ihr Treffen war schon eine Weile vorbei und sie hatten es sich noch ein wenig gemütlich gemacht im großen Salon. Immerhin musste ein Teil von ihnen hier leben, da sie dank Askabanausbruch oder dank Potter und seinen ewigen Beschützern im Ministerium nicht mehr in die Öffentlichkeit konnten. Die anderen hatten keine Lust, die Annehmlichkeiten des Salons zu verlassen, immerhin gab es hier vorzüglichen Whiskey und gleichgesinnte Gesellschaft, während zuhause nur eine staubige Wohnung, eine nörgelnde Ehefrau oder ein kläffender Köter auf sie warteten.

Der Salon war ein schöner Raum mit Wandvertäfelungen aus dunklem Holz, einem edlen Kamin aus schwarzem Gestein und protzigen, samtenen Vorhängen. Die Möbel waren üppig und schwer, alles war dunkel, wirkte edel und gleichzeitig überladen.

An einem Tisch saßen sich Vlad Zargy, ein recht stiller, kühler Typ mit strohtrockenem Humor und ein begnadeter Schachspieler, und Eddie Edgevalley, der die Regeln eben jenes Spiels immer noch nicht begriffen hatte, gegenüber. Hinter den beiden hatten sich Ted Long und Nathan Trebber positioniert, um das Spiel zu verfolgen. Jetzt im Moment diskutierten sie allerdings rege mit und machten sich gleichzeitig über Eddie und seine Begriffsstutzigkeit lustig.

Lara Luther, ein giftiges Biest mit braunen Locken, und Duke Aggrem, der aussah wie ein verdammt teurer Anwalt, standen in einer entfernten Ecke am Bücherregal und führten eine angeregte Unterhaltung über die etwas seltsamen Theorien eines schweizer Verwandlungsforschers, dessen erstes und bisher einziges Buch Duke in seinen Händen hielt.

Quirin Overfrasier, Zac Gibbens, Pettigrew, MacNair, Malfoy und Bellatrix Lestrange saßen derweil auf die beiden großen Sofas verteilt, ausnahmslos jeder mit einem gefüllten Whiskeyglas in der Hand.

„Vergiss die Trottel da drüben!" grinste Gibbens und nahm einen Schluck seines Whiskeys. „Habt ihr Gwens Rock heute gesehen? Der war so was von rattenscharf!"

Jetzt grinsten die anderen alle wieder. Hier drin war es zu warm für die Kutten und da sie heute eh nichts mehr vorhatten…

Bellatrix' Augen funkelten im Licht der Kerzen. „Dolohow konnte es gar nicht mehr erwarten, sie flachzulegen. Ich frag mich nur, wieso sie ihn ranlässt. Dem würd ich die Hände abhacken, wenn er es auch nur vagen würde, mich anzufassen."

„Das weiß er auch." meinte Overfrasier. „Was glaubst du, wieso er es noch nicht probiert hat? Immerhin vögelt er alles, was zwei Titten hat. Aber in diesem Fall… entweder hat Gwen es verdammt nötig, oder unser guter Tony hat Qualitäten von denen wir nichts ahnen."

Bellatrix verschluckte sich fast an ihrem Drink und sogar Malfoy und MacNair verzogen angeekelt ihre Gesichter.

„Scheiße bist du ätzend!" fluchte Gibbens lautstark, dass sogar die Schachspieler und die zwei Bücherwürmer irritiert aufschauten. „Du kannst mir doch nich so was vor'n Kopf knallen, wenn ich mir Gwen grad ohne Rock und Shirt vorstelle. Willst du mir diesen versauten Tag noch mehr versauen? Erst dieser jämmerlich winselnde Werwolf, der so wehleidig war, dass es nicht mal mehr Spaß gemacht hat, mit ihm zu spielen, und jetzt nimmst du mir noch meine Gute-Nacht-Fantasien?"

Lucius schüttelte den Kopf und rieb sich dabei entnervt die Nasenwurzel. „Wieso bin ich hier nur von Idioten umgeben?" murmelte er resigniert, da legte sich eine schmale Hand auf seinen Oberschenkel. Ein Blick zur Seite bestätigte ihm, dass es Bella war.

„Ich weiß genau, was du meinst!" seufzte sie leise.

Da schrillte ein greller, kreischender Ton durchs Haus.

Erschrocken sprangen sie alle auf und sahen sich hektisch um.

„Was ist das?" fragte Trebber verwirrt.

„Jemand versucht durch die Schutzzauber zu gelangen." stellte MacNair trocken fest.

Etwas durcheinander und überrumpelt stellten sie ihre Gläser ab, packten ihre Zauberstäbe und eilten zu den Fenstern, aus denen sie in die Vorhänge gedrückt etwas zu erkennen versuchten. Hoffnungslos.

Bellatrix eilte zur Tür, die in die Eingangshalle führte und sah auch schon den Dunklen Lord die Treppe heruntereilen.

„Meister, was geht hier vor?"

„Dumbledore!" knurrte Voldemort und schob sich an ihr vorbei in den Salon. „Er und sein lächerlicher Orden."

„Aber wie konnte er dieses Versteck finden?" wollte Lara verblüfft wissen.

„Keine Ahnung, das tut jetzt auch nichts zur Sache. Sie sind hier, weil sie Potter wollen. Lucius, Vlad, lauft in den Keller, schnappt euch Potter und seht zu, dass ihr ihn hier fort bringt, ich will mir meinen Triumph nicht noch einmal verderben lassen. Potter gehört mir!"

Die beiden nickten und verschwanden.

„Und ihr kommt mit mir nach vorne. Dumbledore wird sein blaues Wunder erleben, wenn er denkt, hier einfach so reinspazieren zu können." Er wollte sich gerade herumdrehen und zum Ausgang eilen, als ihm etwas einfiel und er innehielt. „Halt. Bella, du und Zac, ihr bleibt hier. Wenn Dumbledore dieses Versteck kennt, dann weiß er vermutlich auch, dass es mehr als einen Eingang gibt. Gebt uns Rückendeckung!"

Die Angesprochenen nickten. Voldemort sah sich noch mal um und mit einem Mal verengten sich seine Augen zu schmalen Schlitzen.

„Wo sind Dolohow und Grahams?" zischte er gefährlich leise.

„Ich kümmer mich um die beiden!" versicherte Bella schnell.

Dann verschwanden die Todesser zusammen mit ihrem Meister in Richtung Vordertür. Nur einer nicht, der nutzte das Durcheinander, um in der Eingangshalle in den Schatten der großen Treppe zu huschen. Peter Pettigrew war vielleicht ein Feigling, aber er war nicht ganz so dumm, wie alle immer annahmen. Ihm war durchaus bewusst, dass Dumbledore nicht nur wegen Potter hier war. Die Verhandlung war morgen und er wäre zumindest für Black eine gewaltige Entlastung. Und unter Veritaserum…

Er wollte gar nicht daran denken. Leise blieb er eine Weile im Schatten stehen. Er musste von hier weg. Nur wie?


Auch wenn Harry die ersten Sekunden erschrocken und die nächsten Sekunden völlig verwirrt war, als dieser alles durchdringende Alarmton erklang, begriff er doch kurz darauf, was das eigentlich nur bedeuten konnte. Irgendetwas war passiert und er ging einfach mal davon aus – etwas anderes wollte er sich jetzt nicht vorstellen – dass das hieß, dass Professor Dumbledore hier war, um ihn hier rauszuholen.

Es musste einfach so sein.

Aufgeregt war er aufgestanden und nervös hin und her getigert. Dann hatte er versucht, durch das Fenster irgendwas zu erkennen, aber das war völlig hoffnungslos. Da draußen war einfach nur alles dunkel, na ja, relativ dunkel. Nach kurzer Zeit erstarb der Alarm, was ihn innerlich erleichtert aufatmen ließ, denn der Ton ging einem wirklich durch Mark und Bein.

Unruhig begann er, seine Hände und sein T-Shirt zu kneten.

Was da oben wohl grade passierte?

Da hörte er Schritte.

Sein Herz schlug höher. Jetzt würde er gerettet werden.

Doch die Schritte näherten sich verdammt schnell und viel zu zielstrebig für eine Rettungsaktion. Instinktiv wich er Richtung Wand zurück, doch er konnte dem, was da zu ihm wollte, weder entkommen, noch konnte er sich davor verstecken.

Die Tür sprang auf. Und seine Hoffnung starb.

Ein Todesser, den er noch nie gesehen hatte, eilte auf ihn zu und packte ihn unsanft am Oberarm, während Malfoy von der Tür aus seine Fesseln mit einem Zauber öffnete.

„Los! Wir haben's eilig!" herrschte Malfoy ihn an und verschwand.

Der fremde Todesser schob ihn vorwärts. Im ersten Moment war er zu perplex um zu reagieren, aber als sie im Gang vor seiner Zelle ankamen, kehrten seine Lebensgeister zurück.

„Wo bringt ihr mich hin? Lass mich los!"

Er wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den Griff des Todessers. Malfoy wandte sich um, in seinen grauen Augen loderte der Hass in eisigen Flammen. Er packte Harry am Kragen seines Shirts und zog ihn ganz eng an sein Gesicht.

„Treib mich nicht zur Weißglut. Ich hab nur Befehl, dich hier wegzubringen, nicht, dich unversehrt zu lassen!"

In seinen Worten lag soviel Drohung, dass Harry es nicht wagte, sich dem Griff weiter zu widersetzen. Er würde sich etwas anderes einfallen lassen müssen. Er brauchte einen Plan. Und den passenden Augenblick.

Ohne zu murren ließ er sich den Gang entlang in die Dunkelheit zerren.


„Was ist denn passiert?"

Überrascht wandte sich Bellatrix um und riss dabei ihren Zauberstab in die Höhe. Die dunkelhaarige, schlanke Frau und der Mann mit dem langen, fahlen Gesicht und den schiefen Zähnen duckten sich geistesgegenwärtig.

„Da seid ihr ja!" rief Gibbens halb spöttisch, halb vorwurfsvoll.

Gwendolin Grahams und Antonin Dolohow sahen sich irritiert an. Sie hatten ihr Liebesspiel mittendrin unterbrechen müssen und waren überstürzt herbeigeeilt und somit jetzt auf keinen Fall in der Stimmung, blöd angemacht zu werden. Sein Hemd war noch offen, ihr Shirt hing schief und sie trug keinen BH darunter.

„Also? Ich hab jetz echt keinen Bock auf so'n Scheiß!" knurrte Dolohow gefährlich.

Bella verdrehte genervt die Augen.

„Der sogenannte Phönixorden steht vor der Tür."

„Was?" rief Gwen völlig überrascht.

„Und warum seid ihr dann hier drin?" giftete Dolohow vorwurfsvoll.

Bellatrix warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Weil wir hier bleiben sollen, falls sie auch zum Seiteneingang hereinkommen. Was sie definitiv werden! Dumbledore verlässt sich sicher nicht nur auf den Haupteingang. Aber das werden wir ihm vermiesen!"

„Allerdings! Los, gehen wir!" rief Gibbens.

„Halt!" Bella brachte ihn sofort zum Stehen. „Hast du dein Hirn im Whiskeyglas vergessen? Sie kommen hinten im Flur rein, der Flur endet in der Hintertür des Salons. Die Seitentüren führen nur in ein Bad und ein leeres, staubiges Gästezimmer. Wo werden sie also landen? Hier! Und wo werden wir auf sie warten?" Sie grinste teuflisch.

Dolohow verstand als erster, auch er grinste. „Hier natürlich! Was genau hast du vor?"

In ihren Augen blitzte es heimtückisch.


Vor dem Haus…

Minerva McGonagall war jetzt schon völlig außer Puste. Sie war viel zu alt für diese ganze Rennerei. Als Bills Nachricht sie erreicht hatte, waren sie sofort nach rechts abgeschwenkt und direkt in den Hof gelaufen. Albus hob einen Arm um ihr Tempo ein wenig zu drosseln. Langsamer liefen sie weiter und als sich schließlich die Türe des Herrenhauses öffnete, für dessen Schönheit, gerade jetzt im sanften Mondlicht, wirklich niemand ein Augen hatte. Nacheinander strömten einige Gestalten aus dem Haus, keiner von ihnen trug die sonst so obligatorische schwarze Kutte, ebenso wenig wie seine Maske. Sie mussten sie entweder ganz schön überrascht haben, oder aber Voldemort war sich so verdammt sicher, dass er sie hier entweder alle töten würde, damit deren Identität nicht ans Licht kam oder er vertraute darauf, dass ihnen niemand glauben würde. Doch das war jetzt egal.

Sie bremsten weiter und Minerva versuchte während des zügigen Schrittes wieder zu Atem zu kommen, sie konnte es sich nicht leisten, sich von ihrer Lunge ablenken zu lassen, wenn es ernst wurde.

Die Todesser standen jetzt alle nebeneinander vor dem Haupteingang. Walden MacNair erkannte sie sofort, die anderen Gesichter dagegen waren ihr nicht bekannt.

Wo waren Bellatrix, Malfoy und Pettigrew?

Voldemort stand hinter seinen Leuten etwas erhöht auf dem obersten Treppenabsatz und funkelte ihnen aus seinen roten Augen entgegen. Seinem Gesichtsausdruck war nicht wirklich anzusehen, ob er lächelte oder wütend war.

Als nur noch etwa 50 Meter die beiden Gruppen trennte, ließ Albus sie anhalten und auch sie stellten sich nebeneinander auf. Ein kurzer Blick sagte Minerva, dass die Todesser zu siebt waren, mit Voldemort zu acht. Sie selbst dagegen waren neun, es hielt sich also ziemlich die Waage.

„Hallo alter Mann!" begrüßte Voldemort seinen ehemaligen Lehrer spöttisch.

„Hallo Tom!" grüßte Albus unbeeindruckt zurück, was einen überaus wütenden Blick heraufbeschwor.

„Ich wusste ja, dass du langsam senil wirst, aber so eine Dummheit hätte ich nicht von dir erwartet. Denkst du wirklich, du kannst einfach hierher spazieren, dir deinen ach so teuren Jungen holen und wieder verschwinden? Wie töricht! Zugegeben, es ist interessant, dass ihr diesen Ort gefunden habt, und dennoch, sieh dich an: Du kommst hier mit läppischen acht Leutchen angelaufen, mit Greisen, Übergewichtigen, Kindern und einem Riesen, der nicht mal zaubern kann. Wie armselig!" Ein schrilles und überaus selbstzufriedenes Lachen erfüllte den Hof.

Albus ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. „Den Weg hierher hat mir jemand gewiesen, an den du gar nicht dachtest, nämlich Harry selbst." Das Lachen erstarb und es war deutlich erkennbar, dass Voldemort gerade nicht wusste, ob er wütend gegen die Wand treten oder ungläubig den Mund aufklappen sollte. „Ich werde Harry kriegen, Tom, koste es, was es wolle!"

Voldemort grinste wieder. „Ja wenn du soweit gehst, dann mach ich mir ja keine Sorgen." Er gab seinen Leuten mit einem Wink ein Zeichen und keine Sekunde später brach das Chaos auch schon los. Zaubersprüche flogen wirr über die Lichtung, verfehlten nur knapp einige Gesichter und Oberkörper. Die Todesser wichen schnell von ihrer Anfangstaktik – dem Todesfluch – ab, als sie bemerkten, dass Dumbledore seine Gruppe mit einem verdammt guten Protego-Zauber schützte, zumindest lenkte dieser den Todesfluch jedes Mal weit genug ab, um ungefährlich zu sein, andererseits standen sie selbst schutzlos da. Also machten sie es sich zum Ziel, die anderen mit anderen Zaubern in Nahkämpfe zu verwickeln, zu trennen, damit sie leichter angreifbar waren.

Und ihre Theorie ging auf. Sullivan Dedders blutete am Arm, George wurde gleich von zwei Todessern bedrängt. Und Sprout hatte bereits einen Zauber in den Rücken abbekommen – eine sehr beliebte Methode der Todesser.

Voldemort hielt sich zurück, er stand noch immer an der Tür und beobachtete die Szenerie.


„Und?"

„Nichts."

Ein wenig ächzend erhob sich Flitwick wieder. Sie hatten jetzt schon das zwölfte Fenster untersucht, indem sie mit ihren Zauberstäben die Räume dahinter ausgeleuchtet hatten. Alles waren Gefängniszellen gewesen, doch sie waren alle leer.

„Los, das nächste!" meinte Tonks antreibend. Sie konnten sich gut im Schatten unter den Fenstern halten, wenn sie sich nur ein wenig duckten, beziehungsweise, wenn sie sich ein wenig duckte. Der helle Mond lieferte ihnen optimales Licht, so hatten sie alles, was sie brauchten.

Ein paar Schritte weiter klaffte wieder ein dunkles Loch in der Mauer knapp über dem Boden. Das nächste Fenster. Flitwick kniete sich hin und krabbelte mit seinem Zauberstab in das Loch in der ziemlich breiten Außenwand hinein, während Tonks ihn vorsichtshalber festhielt.

„Ich glaub, ich hab was! Hier drin steht ein seltsamer Spiegel und eine Decke und Ketten liegen auf dem Boden."

„Das ist es!" rief Tonks.

„Aber es ist keiner drin!" betonte Flitwick noch mal, um sicher zu gehen, dass sie ihn richtig verstanden hatte.

Schnell beugte sich auch Tonks hinunter und warf einen Blick hinein. Sie konnte nicht genau sagen, woran es lag, aber sie hatte so ein Gefühl. Sie wusste einfach, dass Harry da drin gewesen war. Beide krochen sie zurück, Flitwick stand auf, während Tonks vor dem Fenster knien blieb.

„Harry war da drin, ich weiß es einfach. Wir müssen da rein und ihn suchen, vielleicht gibt es hinter dieser Tür irgendwelche Spuren, die uns weiterhelfen."

Flitwick sah sie ein wenig skeptisch an. „Und wenn er nicht da drin war? Oder man ihn einfach in eine andere Zelle gebracht hat? Wenn er genau zwei Fenster weiter sitzt?"

„Hinter dieser Tür ist sicher ein Flur, von da aus können wir immer noch in alle Zellen schauen."

„Na gut, Ladies first!"

Tonks kniete sich auf alle Viere und schob ihre Beine rückwärts durch das Fenster. Flitwick sah sich noch mal kurz um und wollte sich gerade wieder Tonks zuwenden, als ihm eine Bewegung auffiel. Keine Sekunde später hörten sie einen leisen Aufprall, wie wenn jemand aus dem Fenster hüpft, und es war nicht weit weg.

Tonks zuckte erschrocken herum und schlug sich dabei den Kopf an der harten Mauer. Flitwick dagegen sah die Gestalt ganz genau, sie war vielleicht zehn Meter weiter aus dem Erdgeschoss gesprungen. Ein etwas plumper Schatten bewegte sich langsam, sah sich vorsichtig zu beiden Seiten um und trat näher ans Mondlicht. Offensichtlich bemerkte er die beiden so dicht an der dunklen Mauer nicht.

Im nächsten Moment veränderte sich der Schatten, er wurde immer kleiner und kleiner.

Flitwick begriff instinktiv, hob den Zauberstab und schickte ein ‚Stupor' in die Nacht. Nichts rührte sich. Doch dann tauchte plötzlich ein Schatten auf, wie aus dem Nichts. Plump und bewegungslos.

Flitwick und Tonks wechselten einen kurzen Blick, dann kroch sie wieder heraus und beide huschten auf die Stelle zu, an welcher der bewusstlose Mann am Boden lag. Es bestand kein Zweifel. Es war Peter Pettigrew.

Tonks grinste bis über beide Ohren. „Gut gezielt! Aber so ist er doch etwas unhandlich. Verwandlungszauber an sich sind zwar nicht meine Stärke, aber ich denke, ich kriegs hin." Sie richtete ihren Zauberstab auf Pettigrew und sprach ein paar komplizierte Worte, ihre Stirn dabei hochkonzentriert gerunzelt. Und es gelang ihr tatsächlich. Ihr Zauber zwang den Animagus trotz Bewusstlosigkeit zurück in seine tierische Form. Mit spitzen Fingern hob sie die Ratte auf und hielt sie sich fasziniert und gleichzeitig angewidert vors Gesicht.

„Was machen wir jetzt mit ihm? Sollen wir ihn mitnehmen auf der Suche nach Harry?"

Tonks überlegte eine Weile. „Nein, das ist zu riskant. Diesen Fund dürfen wir auf keinen Fall leichtfertig aufs Spiel setzen. Sie nehmen Pettigrew und kehren nach Hogwarts zurück. Sorgen sie dafür, dass er gut verwahrt bleibt, wir brauchen ihn morgen. Und ich klettere in den Keller und suche nach Harry."

Flitwick schüttelte energisch den Kopf. „Das kommt nicht in Frage. Ich kann nicht zulassen, dass sie allein durch dieses Haus schleichen, das vermutlich noch immer vor Todessern wimmelt."

Sie stritten noch ein paar Minuten hin und her, bis sich Flitwick schließlich geschlagen gab. Tonks drückte ihm die immer noch bewusstlose Ratte in die Hand.

„Passen sie gut auf diesen Verräter auf!"

Da hörte sie ein leises Rascheln und leise Stimmen, die wohl über eine etwas weitere Strecke hierher getragen wurden. Sie wollte sich nach dem Geräusch umdrehen, doch dazu kam sie nicht mehr. Genau in dieser Sekunde fiel etwas verdammt Schweres von oben auf sie drauf und presste sie der Länge nach zu Boden. Das Gewicht drückte ihr sämtliche Luft aus den Lungen und für einen Augenblick sah sie Sternchen.


Im Haus…

Sie waren eine ganze Weile durch den finsteren, natürlichen, unterirdischen Gang geeilt, doch jetzt standen sie wieder vor einer Tür. Bill prüfte sie auf Zauber, doch er fand nichts. Und in der Tat, die Tür ließ sich auch problem- und alarmlos öffnen. Die Vier fanden sich in einem Flur wieder, auch hier war zwar alles aus Stein, doch die Gänge waren eindeutig künstlich angelegt. Außerdem hingen überall brennende Öllampen an den Wänden, die ein warmes, aber in Anbetracht der Umgebung doch schauriges, flackerndes Licht spendeten. Vor ihnen befanden sich drei Flure, die in verschiedene Richtungen abgingen. In einem war es stockfinster, die anderen waren erhellt und sahen einigermaßen sauber aus.

„Da lang!" beschloss Bill willkürlich und trat in den rechten Gang.

„Bist du sicher?" wollte Fred wissen.

Bill schüttelte den Kopf. „Nein, ich hab keine Ahnung, aber mir gefällt der Gedanke nicht, dass wir uns trennen."

Möglichst lautlos und jetzt wesentlich langsamer schlichen sie durch den Flur. Leise öffneten sie zwei Türen und fanden leere, kleine Räume dahinter mit wirklich sehr hohen Fenstern.

„Sieht aus, als wäre das so ein Verlies, in dem sie Harry einsperren." stellte Hestia fest.

Sie huschten weiter, vorbei an einer Wegabzweigung nach links und nahmen den Weg geradeaus, der sich in keinster Weise von dem anderen unterschied. Doch sie waren noch nicht weit gekommen, da hörten sie leise Geräusche, die langsam lauter wurden. Und sie hatten ihren Ursprung hinter ihnen.

Bill gab ihnen ein Zeichen, ruhig zu sein und schlich dicht an der Wand zurück zur Weggabelung. Aus den Geräuschen wurden Schritte. Mit angehaltenem Atem spähte er vorsichtig um die Ecke und zuckte sofort wieder zurück. Er wusste nicht, ob er jetzt erleichtert sein sollte oder nicht. Ein paar Schritte trat er zurück und winkte die anderen zu sich. Er bedeutete ihnen, dass er zwei Todesser gesehen hatte und formte lautlos das Wort Malfoy. Dann fixierte er jeden einzelnen ernst. Wieder formten seine Lippen ein Wort: Harry.

Mollys Augen weiteten sich überrascht, erleichtert und voller Angst zugleich.

Dicht an die Wand gepresst gingen sie in Position und hofften, dass Malfoy den Weg von ihnen weg einschlagen würde. Freds Herz schlug ihm bis zum Hals. Ja, er hatte sich Abenteuer gewünscht, doch langsam begriff er auch, wie gefährlich das hier alles war. Molly schloss noch einmal tief durchatmend die Augen. Hestia und Bill nickten sich nur zu.

Es dauerte nicht lange. Die Schritte wurden lauter, das Rascheln von Kleidung mischte sich darunter, es musste jeden Moment so weit sein.

Dann schritt Malfoy eilig an ihnen vorbei und in den Gang, aus dem sie gerade gekommen waren. Er hatte sie nicht bemerkt. Ihm dicht auf den Fersen ein dünner, hoch gewachsener Bursche, der Harry neben sich her zog.

Bill gab den anderen ein Zeichen und hob den Zauberstab. Er war gerade dabei auf diesen zweiten Todesser einen Stupor abzufeuern, da schlug Fred mit seinem Zauberstab beim Arm heben versehentlich gegen die Wand, weil ihm die Finger zitterten. Die beiden Todesser fuhren herum, sahen die Eindringlinge und warfen sich blitzschnell zu Boden.

Sämtliche gesprochene Zauber zischten über sie hinweg.

„Bill!" rief Harry überrascht, aber hoffnungsvoll.

Die Todesser schlugen noch im selben Moment zurück. Fred schubste seine Mutter zur Seite, was ihr vermutlich das Leben rettete. Die Wucht des Zaubers riss Steinstücke aus der Wand, die ihr zwar das Gesicht zerschnitten, aber sonst war ihr nichts passiert. Für Hestia kam dagegen jede Hilfe zu spät. Sie hatte es in dem schmalen Gang nicht geschafft, Malfoys Todesfluch auszuweichen.

Ein vorbeizischender Stupor traf den anderen Todesser direkt am Hinterkopf, als er gerade versuchte, sich davonzuhechten. Von der Kraft des Zaubers erfasst, prallte er mit dem Kopf noch gegen die Wand und blieb reglos liegen. Malfoy schleuderte derweil noch zwei weitere Flüche von sich, woraufhin ein unterdrückter Schrei erklang. Fast zeitgleich traf Bill ihn mit einem Hitzezauber am linken Arm.

Bill hatte sich von dem Schrei für einen Moment ablenken lassen, da er sicher war, der Zauber würde Malfoy die halbe Sekunde schon beschäftigen. Seine Mutter hockte am Boden und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den linken Arm. Als er zurückschaute, sah er, dass er sich geirrt hatte. Malfoy benutzte Harry als lebenden Schutzschild und hielt ihm seinen Zauberstab gegen die Schläfe gepresst.

„Eine Bewegung und der Junge ist tot!"

Malfoy meinte es ernst, das sah man ihm an. Fred und Bill verharrten augenblicklich. Jetzt durften sie keinen Fehler machen. Malfoy aber auch nicht. Sollte Malfoy es wagen, jetzt einen von ihnen mit einem Zauber anzugreifen, konnte der andere gefahrlos zaubern, zumindest wenn er gut zielte. Doch so dumm war Malfoy nicht.

„So ist's gut. Und jetzt lasst die Zauberstäbe fallen. Na wird's bald?"

Fred sah seinen großen Bruder fragend an. Bill nickte. Klappernd gingen die Zauberstäbe zu Boden.

„Schön. Und dann: Auf nimmer Wiedersehen!" Malfoy grinste kurz, dann richtete er den Zauberstab auf den Boden vor sich und im nächsten Moment schoss dichter Rauch aus seinem Stab, der alles zunebelte. Man konnte die eigene Hand vor Augen nicht erkennen. Nur die Schritte einer schnellen Flucht waren zu hören. Zum Glück brauchte Bill für seinen Job auch ein feines Gehör, jede noch so kleine Veränderung eines Zaubers musste ihm auffallen und so konnte er sich zumindest denken, in welche Richtung Malfoy und Harry verschwunden waren.

Sobald er seinen Zauberstab wieder in der Hand hatte ließ er den Rauch verschwinden. Zuerst fiel sein Blick auf die Leiche von Hestia. Sie war ihm in Amerika eine liebe Freundin geworden und der Anblick ihrer toten Augen versetzte ihm einen Stich ins Herz. Energisch riss er sich von ihrem Anblick los und kniete sich neben seine Mutter, er hatte es eilig.

„Mom, nimm den Portschlüssel und nimm Hestia mit. Fred und ich werden Harry suchen!"

Ohne ihre Reaktion abzuwarten sprang er auf, versicherte sich, dass sein Bruder hinter ihm war, und lief los in der Hoffnung, dass seine Ohren ihn nicht getäuscht hatten.


Kaum war der Alarm verklungen und Bills Nachricht bei ihnen eingetroffen, da stürmte die fünf Mann starke Gruppe um Mad-Eye Moody hinein in den Wald und lief auf den Seiteneingang des Hauses zu. Auf der Tür lagen nur drei recht simple Verschlusszauber, die Moody nicht sonderlich lange in Anspruch nahmen.

Trotz Moodys Entwarnung traten sie vorsichtig ein und fanden sich in einem kurzen, breiten Flur wieder. Zu beiden Seiten ging jeweils eine Türe ab und ihnen direkt gegenüber befand sich eine große Flügeltür. Es war ziemlich dunkel hier drin und der Staub auf dem Boden verriet außerdem, dass dieser Weg wohl nicht sonderlich häufig benutzt wurde.

„Kannst du was sehen?" fragte Kingsley Shacklebolt leise.

Moody ließ sein Auge kreisen. Er sah jede Menge, die zwei Zimmer links und rechts waren ein leeres Gästezimmer und ein leeres Bad. Nichts Besonderes. Unter sich entdeckte er ein üppiges Labyrinth aus Gängen und Zimmern und Fluren und Verliesen. Und irgendwo mittendrin Malfoy, der Harry hinter sich herzog. Instinktiv spannte er sich an, doch da sah er auch schon Bill und Fred, die den beiden dicht auf den Fersen waren. Die beiden würden sich schon um den Jungen kümmern. Und er würde sich um seine Aufgabe kümmern. Und die wartete hinter den Flügeltüren.

„Wir müssen da lang!" Er deutete geradeaus.

„Na worauf warten wir dann noch?" murmelte Mundungus und wollte schon losstapfen, aber Moodys Hand an seiner Brust hielt ihn auf.

„Nicht so voreilig. Vier Todesser warten da drin. Und sie wissen, dass wir kommen, denn sie haben sich versteckt."

„Na toll." Arthur klang nicht besonders ermutigt.

Aber Moody grinste. „Aber sie wissen nicht, dass wir wissen, dass sie es wissen."

Mundungus legte den Kopf schief und sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Hä?"

„Er will damit sagen," erläuterte Kingsley, „dass sie uns eine Falle stellen, aber nicht wissen, dass wir die Falle kennen."

„Du hast einen Plan!" stellte Charlie fest.

Wieder grinste Moody. „Oh ja. Wir werden sie glauben lassen, dass ihre Falle funktioniert. Und dann wird unsere eigene Falle zuschnappen." Er sah sich die Tür kurz genauer an, ebenso die zwei dunklen Nischen genau neben der Tür, wo zwei Menschen dicht gedrängt durchaus Platz hatten. Und er erläuterte seinen Plan in wenigen Worten.

„Gewagt." kommentierte Kingsley nur.

„Einfach, aber gut. Das könnte durchaus klappen." überlegte Mundungus.

Arthur seufzte. „Ich werd's tun!"

Moody nickte nur.

Beunruhigt legte Charlie seinem Vater die Hand auf die Schulter. „Das gefällt mir nicht, Dad."

„Mir auch nicht." antwortete sein Vater nervös, aber mit fester Stimme.

Flink und lautlos – was in Anbetracht von Moodys Holzbein nicht so einfach war – bezogen sie Aufstellung. Jeder wusste, auf wen er zu zielen hatte und wohin. Bellatrix Lestrange stand gleich rechts hinter der Tür, verborgen von einer alten Ritterrüstung. Sie war Charlies Ziel. Mundungus würde seinen Zauberstab auf einen unbekannten Typen richten, der am anderen, linken Zimmerende in einem langen Vorhang verborgen stand. Moody visierte die Couch mitten im Zimmer an, die mit dem Rücken zu ihnen stand. Auf ihr lag Dolohow. Arthur würde sich um die Frau links hinter dem Kamin kümmern, sobald er weit genug im Zimmer war und Kingsley sollte ihn im Auge behalten und ihm so gut er konnte, den Rücken freihalten.

Auf ein Zeichen hin öffnete Arthur die linke Flügeltür und augenblicklich fiel ein heller Lichtkegel in den finsteren Gang hinaus. Charlie zog hastig seinen rechten Fuß noch enger an sich, um nicht vorzeitig entdeckt zu werden. Er konnte Bellatrix hinter der Rüstung erkennen.

Langsam und sich mit erhobenem Zauberstab umschauend ging sein Vater Schritt für Schritt vorwärts und ließ die Todesser in dem Glauben, dass er allein wäre und in ihre Falle tappte. Kurz vor der Couch hielt er inne.

Jeden Augenblick würde Moody das Zeichen geben. Da bemerkte Charlie etwas. Gegenüber im Zimmer stand ein alter Standspiegel und darin spiegelte sich der Kamin. Und nicht nur das, auch die Frau, die dahinter in Deckung ging, war mehr als deutlich zu sehen. Ihr Zauberstab zeigte direkt auf seinen Vater und ihre katzengleichen Augen fixierten ihn, als wolle sie ihn allein mit ihrem Blick in Stücke sprengen.

Moody hob die Hand, das Zeichen zum Angriff. Und genau in dieser Sekunde bemerkte er, dass die Frau im Spiegel ihre Lippen bewegte. Sie sprach einen Zauber. Hektisch flackerten seine Augen zu seinem Vater, der immer noch seine Rolle spielte und ganz woanders hinsah. Kingsley konnte die Frau nicht sehen, dazu hatte er den falschen Blickwinkel auf den Spiegel.

Und während nun alle gleichzeitig von der Tür aus ihre wuchtigen Zauber auf ihre persönlichen Zielpersonen abfeuerten, musste Charlie einfach reagieren.

Wie ein Sprinter beim Startschuss sprang er auf und schoss auf seinen Vater zu. Hart prallte er gegen ihn und riss ihn mit zu Boden. Direkt über ihnen leuchtete kurz ein grünes Licht. Der Todeszauber der Frau.

Charlie sah die schreckgeweiteten Augen seines Dads, ehe unsagbare Pein in seinen Körper schoss und er sich vor Schmerz mit zusammengekniffenen Augen krümmte.

Moody ließ die Couch mit einem Redukto-Fluch in seine Einzelteile zerspringen. Dummerweise lenkte eines dieser umherfliegenden Bruchstücke Mundungus' Zauber ab und der Todesser hinterm Vorhang sprang hervor und ging hinter einem Sessel in Deckung, aber erst nachdem er einen Zauber abgefeuert hatte.

Als einer von ihnen registrierte, was Charlie da tat, war es schon zu spät. Bellatrix hatte freies Feld und traf Charlie mit einem Cruciatus. Er wand sich wie ein Regenwurm in der Sonne und seine Schreie hallten durch den großen Raum. Unkontrolliert zuckend stieß er gegen einen Beistelltisch und eine Porzellanvase stürzte zusammen mit einer Glaskaraffe auf ihn herab.

Arthur überwand seinen anfänglichen Schock sehr schnell. Er rollte sich zur Seite und schleuderte die Frau am Kamin mit einem gut platzierten Fluch gegen die Wand, wo sie sich benommen den Kopf haltend liegen blieb. Dann wandte er sich seinem Sohn zu, der sich noch immer voller Qual am Boden wand, doch inzwischen rutschte und zuckte er in einem Meer aus Scherben umher und der Boden neben ihm färbte sich rot.

Mundungus und Kingsley stürzten sich in den Raum und gleichzeitig in den direkten Kampf mit Dolohow, der sich aus den Couchtrümmern befreit hatte, und dem anderen Todesser – Gibbens. Moody dagegen nutzte Bellatrix' Ablenkung und schickte sie mit einem Betäubungsfluch ins Land der Träume. Die Schreie erstarben. Schnell eilte auch er ins Zimmer und wandte sich der Frau hinter dem Kamin zu, die gerade dabei war, an der Wand entlang zu ihren Kollegen zu gelangen.

Eilig und voller Sorge kroch Arthur zu seinem Sohn, der jetzt völlig regungslos seitlich in den Scherben lag. Eine Blutlache bildete sich neben seinem Kopf.

„Bitte nicht. Charlie!"

Panische Angst flutete durch seinen Kopf, gaukelte ihm die schrecklichsten Dinge vor. Hektisch griff er nach dessen Schulter und drehte ihn auf den Rücken. Sein Gesicht war voller Schnitte und am Blut klebenden Glassplittern, auch sein T-Shirt war zerschnitten und seine Schulter darunter zerkratzt. Aber was ihm wirklich Sorgen machte, das war die große Porzellanscherbe mit der rosafarbenen Blume darauf, die Charlie im Hals steckte. Blut quoll daneben hervor. Instinktiv wollte er sie herausziehen, ehe er sich eines besseren besann.

Da öffnete Charlie die Augen, sein Blick flackerte.

„Charlie!" rief Arthur irgendwie erleichtert.

Der Rothaarige erkannte seinen Vater, wollte etwas sagen, doch aus seinem Mund drang nur ein Röcheln und Blut. Bei diesem Anblick begannen Arthurs Hände zu zittern. Er beugte sich über seinen Sohn und strich ihm liebevoll die Haare aus der Stirn.

„Mach dir keine Sorgen, Junge. Ich bring dich zu Poppy. Sie kriegt das wieder hin! Sie kriegt das hin!" Seine Stimme versagte, als sein Unterkiefer zu sehr zu zittern begann.

Charlie schloss kurz die Augen und brachte ein kaum merkliches Kopfschütteln zustande. Schwach hob er seine linke Hand und drückte seinen Vater von sich. Der war so perplex, dass er es mit sich machen ließ. Er beobachtete, wie Charlie eine Hand in seine Hosentasche schob und im nächsten Augenblick vor seinen Augen verschwand. Er war in Hogwarts.

„ARTHUR!"

Erst jetzt bemerkte er wieder so richtig, wo er hier war. Nach einem kurzen Kopfschütteln sprang er auf. Poppy würde sich jetzt um Charlie kümmern. Und er wurde hier gebraucht. Überrascht stellte er fest, dass die anderen sich im Kampf schon bis in die Eingangshalle vorgearbeitet hatten. Schnell lief er dorthin. Dolohow kauerte hinter dem breiten Sockel einer protzigen Statue. Er atmete schwer und hielt sich den Bauch. Offenbar war er von irgendeinem Zauber getroffen worden. Die Frau versteckte sich hinter der Tür zu einem anderen Zimmer.

Moody, Mundungus und Kingsley kauerten ebenfalls in Türstöcken anderer Zimmer. Moody war sein magisches Augen abhanden gekommen. Mundungus war offenbar sehr darum bemüht, mit seinem rechten Bein nicht aufzutreten und Kingsley blutete aus einer Platzwunde über dem linken Auge.

Schnell duckte sich Arthur wieder hinter die große Tür, als die Frau ihm einen Zauber entgegenschleuderte.

„Wo ist der andere?" rief er seinen Kollegen zu.

„Der flieht!" rief Kingsley zurück und nickte einen langen Flur hinunter, wo Arthur auch in der Tat gerade einen Schatten aus dem Fenster springen sah.

Da schlug etwas knapp über seinem Kopf ins Holz, dass ihm die Splitter um die Ohren flogen. Er duckte sich und ein kurzer Blick über die Schulter sagte ihm, dass Bellatrix offenbar wieder zu sich gekommen war.


In Hogwarts…

Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt und als dann urplötzlich zwei Personen wie aus dem Nichts vor ihnen auf dem Fußboden auftauchten, erschraken ausnahmslos alle Anwesenden in der Krankenstation fast zu Tode. Nur dass sich Poppy genauso schnell wieder davon erholte.

„Mom!" riefen Ron und Ginny überrascht und gleichzeitig voller Sorge.

„Oh mein Gott!" stotterte Hermine dagegen, als sie den starren Blick von Hestia Jones gewahrte.

„Es geht mir gut!" versicherte Molly Weasley ihren Kindern leichenblass.

Poppy kniete sich hin und ließ ihren Zauberstab schnell über Hestia wandern. Sie ließ ihn schnell wieder sinken und schloss schluckend die Augen, doch sie sagte nichts. Stattdessen sprach Molly leise, aber auch wütend: „Sie konnte Malfoys Todesfluch nicht mehr rechtzeitig ausweichen."

„Dobby!" sagte Poppy völlig emotionslos. „Bring Hestia bitte ins Nebenzimmer und deck sie zu."

Zappelig beeilte sich Dobby, der Bitte nachzukommen, während die Kinder Mrs. Weasley auf die Beine und zu einem der Betten halfen. Poppy wollte sich gerade ihr zuwenden, als ein Geräusch sie auffahren ließ und der nächste Patient vor ihr lag.

Ein spitzer Schrei von Molly begleitete seine Ankunft.

Charlies Augen huschten noch kurz hektisch umher, trafen sich mit Poppys, dann fielen sie ihm zu und öffneten sich nicht mehr. Sein Atem klang gurgelnd und ihm quoll Blut aus dem Mund. Rasch und behutsam ließ die Heilerin den Verletzten auf eines der Betten schweben.

„Ginny, ich brauch hier deine Hilfe! Hermine und Ron, ihr kümmert euch um Mrs. Weasley!"

Die Jugendlichen gehorchten ihr ohne Widerworte, wenn auch mit zittrigen Händen und der grausamen Gewissheit, dass das hier tödlicher Ernst war.


Im Graymes-Anwesen…

Malfoy zog dermaßen an seinem Arm, dass er mehrere Male fast gestolpert wäre. Immer noch hatte Harry das schreckliche Bild vor Augen, wie die schwarzhaarige Frau aus dem Phönixorden, deren Namen er nicht einmal mehr wusste, tot zu Boden gesunken war. Jetzt hatte er schon zwei Menschen sterben sehen. Ruckartig zerrte Malfoy ihn um eine Ecke und Harry verlor das Gleichgewicht. Vornüber fallend stürzte er auf seine Knie.

„Steh auf!" fauchte Malfoy und riss ihn am T-Shirt hoch.

Als er aufschaute, sah Harry, dass sein ‚Entführer' Schweißperlen auf der Stirn hatte. Dann bemerkte er auch den verletzten Arm. Er trug ein edles, schwarzes Hemd aus dünnem, leichtem Stoff mit langen Ärmeln, wobei sein linker Ärmel Ellbogen-abwärts jetzt verbrannt war. Seine Haut darunter war feuerrot und warf Brandblasen, die sein dunkles Mal zu einer lächerlichen Fratze verzerrten. Dennoch hielt er seinen Zauberstab mit links, vermutlich weil er Harry mit seiner linken nicht mehr fest genug hätte halten können.

Das war seine Chance!

Das war der Moment, auf den er gewartet hatte!

Ohne länger nachzudenken nutzte er den Schwung, den er dank Malfoys auf-die-Beine-zerren hatte, drehte sich ein wenig und schlug mit der flachen Hand so fest er konnte mitten in Malfoys Verbrennung.

Das Klappern des Zauberstabs, als er auf den Boden fiel, ging völlig in dem gequälten Schmerzensschrei unter. Die groben Finger lösten sich von seinem Arm und der Todesser ging stöhnend in die Knie. Flink stieß er seinen Ellbogen nach hinten und traf Malfoy an der Schläfe. Dumpf prallte sein Körper auf den Boden, er rührte sich nicht mehr.

„Das… ging… erstaunlich einfach." wunderte sich Harry und hob den Zauberstab vom Boden auf. Um sicher zu gehen, fesselte er den Blonden mit einem Zauber.

Er musste die anderen finden, musste hier raus. Bloß welchen Weg hatte Malfoy ihn entlang gescheucht? Er hatte wirklich nicht darauf geachtet.

Schulterzuckend rannte er los, erstmal einfach zurück in die Richtung, aus der sie gerade gekommen waren.

Er verfehlte Bill und Fred nur knapp, als er falsch abbog. Die beiden stolperten dafür über den gut verpackten Lucius Malfoy, der offensichtlich nicht bei Bewusstsein war.

„Dann hat wohl er geschrieen." stellte Fred mit einem schiefen Grinsen fest.

„Sieht so aus. Aber wo ist Harry?" überlegte Bill.

„Wenn das Harry war, dann ist er vermutlich losgelaufen, auf der Suche nach uns oder den anderen. Und wenn das nicht Harry war, dann war es einer von uns, sonst läge Malfoy nicht wie ein Päckchen verschürt hier."

Bill dachte kurz über Freds Worte nach. „Ich glaube, du hast Recht. Lass uns zurücklaufen und zusehen, dass wir entweder Harry oder eine Treppe nach oben finden."

Sie irrten eine Weile durch die Gänge, bis sie plötzlich leise Schritte hörten.

„Harry?" rief Fred laut und sein Echo hallte von den Steinwänden, noch ehe Bill ihm den Mund zuhalten konnte. Böse sah er seinen Bruder an.

„Und was, wenn das ein Todesser ist?" flüsterte er gepresst.

Fred versuchte sich gerade an einem schuldbewussten Grinsen, das kläglich scheiterte, als…

„Fred? Bist du das?"

Die beiden Weasleys grinsten sich an.

„Ja! Wo bist du Harry?"

Sie folgten ihren Stimmen und hatten sich schon nach kurzem gefunden. Erleichtert fiel Harry den Brüdern um den Hals, es tat so gut, wieder unter Freunden zu sein.

„Ich hab die Treppe gefunden, sie ist gleich dort hinten." verkündete Harry.

Doch Bill schüttelte den Kopf. „Nein, das ist viel zu gefährlich. Wir sollen dich zurück bringen, das ist alles. Komm, lass uns nach Hogwarts verschwinden."

Fassungslos starrte Harry ihn an. „Aber was ist mit Pettigrew? Er ist da oben und ohne ihn haben Sirius, Lupin und Snape keine Chance!"

„Der Orden ist oben, sie kümmern sich darum. Ich bin sicher, dass sich gerade jemand Pettigrew schnappt." Doch Bill klang nicht überzeugt, von dem, was er sagte, und Harry war es auch nicht.

„Das reicht mir nicht, Bill! Sirius ist mein Pate, er ist mein Freund. Er ist das letzte bisschen Familie, das ich habe. Da kann ich nicht einfach die Hände in den Schoß legen und darauf hoffen, dass die anderen das schon regeln werden. Ich werde da jetzt hoch gehen, was ihr macht, ist eure Sache."

Und mit diesen Worten verschwand er.

Fred sah seinen Bruder an. „Also eigentlich… kann ich ihn schon verstehen…"

Bill verdrehte die Augen und seufzte. „Na los, ihm nach, er kennt die Treppe. Und die anderen brauchen sicher Hilfe."


Vor dem Haus…

Albus hatte den Protego nicht recht lange aufrecht erhalten können, er brauchte seine Konzentration anderweitig und seine Kraft auch. Die Todesser waren gut, sie waren zwar überrascht worden, aber sie waren durch die Bank recht jung und trainiert und geübt. Und Voldemort hatte Recht, seine Leute hatten zwar mehr Erfahrung – teilweise – aber einige waren alt, andere dagegen hatten nie gekämpft, Hagrid konnte zwar viel einstecken und auch ohne Zauberkräfte gut austeilen, doch auch nicht ewig. Er sah dem sanften Halbriesen an, dass die zahlreichen Zauber, die er bisher abbekommen hatte, langsam ihre Wirkung zeigten.

George schlug sich wacker, auch wenn er sich offenbar den linken Arm verletzt hatte. Emmy, Morris und Pomona gaben ihr bestes und hatten einen der Todesser bereits verwundet und die einzige Frau auf der anderen Seite lag bewusstlos am Boden.

MacNair nahm ihn gerade in Anspruch, als er aus dem Augenwinkel sah, wie ein Todesser im Anwaltslook mit einem Zauber einen ganzen Haufen Steine auf Minerva schoss, es sah in der Tat wie eine Steinigung aus. Pomona wollte ihr zu Hilfe eilen, da traf ein anderer Todesser sie von der Seite. Es leuchtete grün und die Hauslehrerin von Hufflepuff sackte augenblicklich in sich zusammen.

Morris half Minerva schließlich aus der Klemme und betäubte den Übeltäter, indem er ihm einfach einen großen Stein an den Hinterkopf knallte.

Auch Albus selbst gelang es, MacNairs Schutzwall zu durchbrechen und ihn vorübergehend auszuschalten.

Elphias eilte zu Pomona Sprout, als ein Zauber sein linkes Bein traf und er mit einem Schrei zusammenbrach. Sein Oberschenkelknochen war einfach zersplittert. Er konnte vor Schmerz nicht mal mehr klar sehen, dennoch schoss er einen harten Wasserstrahl zurück und riss seinen Angreifer zumindest von den Füßen.

Dadurch rutschte allerdings auch Morris Ruby aus, der gerade den Rückzug antrat. Schlitternd stieß er gegen Pomonas leblosen Körper. Er sah den Zauberstab, der sich auf ihn richtete, doch er konnte nicht mehr ausweichen. Der Zauber traf ihn und noch im selben Moment spürte er, wie sich seine Kehle zusammenzog und er keine Luft mehr bekam. Röchelnd und nach Luft schnappend griff er sich an den Hals. Er hustete und keuchte, doch es half nichts.

Elphias sah seinen Kameraden, sah wie seine Lippen blau anliefen und sich eine seiner Hände in den Boden krampfte. Er musste handeln. Gegen den Schmerz in seinem Bein robbte er sich die anderthalb Meter zu Morris und Pomona. Ohne Umschweife packte er Morris' Hemd und bekam auch noch ein Stück von Pomonas' Shirt zu fassen. Mit einem kurzen Griff nach dem Portschlüssel verschwanden sie.

Jetzt waren noch vier Todesser übrig, einer mit verletztem Kopf, der schwankte, einer humpelte, die anderen beiden waren unverletzt.

Minerva blutete aus zahlreichen Wunden und hielt ihre linke Hand dicht an den Körper gepresst, doch sie machte weiter. Hagrid schwankte, aber er schlug mit einem großen Ast nach einem Todesser. Auch Sullivan und George waren verletzt, nur Emmy und er waren einigermaßen unverletzt geblieben bisher.

Keuchend sah er sich um. Ob die anderen schon was erreicht hatten?

Da bemerkte er, dass Voldemort seinen Beobachterposten aufgab – offenbar gefiel ihm nicht, was er sah – und er kam direkt auf ihn zu.

Nur noch am Rande bemerkte er, dass die Eingangstür teilweise explodierte und Bellatrix, Dolohow und eine knapp bekleidete Frau herausrannten, um neben der Treppe irgendwo Deckung zu suchen, wobei Dolohow mehr von der Treppe fiel, als hinunterzuspringen. Ihnen dicht auf den Fersen waren Arthur, Moody und Kingsley. Mundungus humpelte etwas später hinterher.

„Diesmal krieg ich euch beide!" knurrte Voldemort ihm entschlossen entgegen und forderte damit wieder seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Instinktiv hob er den Zauberstab und schaffte es gerade noch, einen Zauber abzuwehren.


Flitwick dachte gar nicht lange nach. Da war ein Unbekannter aus dem Fenster über ihnen gesprungen und hatte sich direkt auf Tonks geworfen. Er nahm das Erstbeste zur Hand, das er da hatte, nämlich seine rechte Faust, und schlug dem Kerl so fest er konnte damit in den Nacken. Augenblicklich sackte der Körper in sich zusammen. Etwas unbeholfen zerrte er an dem normal großen Mann herum, bis ihm irgendwann Tonks zu Hilfe kam und sie ihn gemeinsam von ihr herunter schoben.

Schwer atmend richtete sie sich auf. „Danke. Das war ein ordentlicher Schlag, hat ihn ziemlich ausgeknockt."

„Keine Ursache."

Da hörte Tonks etwas Klirren. Ein kurzer Griff in ihre Hosentasche und einen Schnitt im Finger später wusste sie auch, woher es kam. „Der Spiegel ist kaputt. Egal. Los, zurück zum Fenster."

Sie ging wieder auf alle viere und schob sich Beine voran in die tiefe Öffnung hinein. Sie lächelte noch einmal aus dem sogenannten Fenster heraus. „Passen sie auf sich auf!"

„Sie auch. Und viel Glück!"

Tonks zog den Kopf ein und konzentrierte sich. Unter ihrem rechten Knie begann bereits das Zimmer und sie wollte schließlich hineinklettern und nicht stürzen. Flitwick kramte derweil in seiner Tasche nach dem Portschlüssel, als ihn mit einem Mal ein Zauber an der Schulter traf. Die Wucht riss ihn von den Beinen und schleuderte ihn einige Meter weit weg. Der Aufprall war hart und die Ratte entwich dabei seinen Fingern. Schmerz durchzuckte seinen Körper und er musste erst einmal tief durchatmen, ehe er sich soweit gesammelt hatte, dass er den Zauberstab, der knapp neben seiner Hand lag, wieder fest umschloss.

Tonks hörte den Aufschrei und riss den Kopf hoch. Sie sah Flitwick durch die Luft fliegen und schwer zu Boden fallen. Links von ihr lag der Todesser immer noch benommen am Boden, aber er hielt seinen Zauberstab wieder in der Hand, genauso wie Flitwick. Doch sie sah noch etwas, ein kleines, unscheinbares Tierchen, das im Licht des Mondes über die Wiese lief. Und auch wenn die Ratte von den Nachwirkungen des Stupor und des Sturzes schwankte, so entfernte sie sich doch zusehends und hielt direkt auf den Wald zu. Ohne zu überlegen rutschte sie zurück ins Gras und sprang auf.

Auch Flitwick bemerkte das Tier und er sah Tonks aus dem Fenster klettern. Auch dem Todesser war sie nicht verborgen geblieben. Flitwick rappelte sich in eine aufrechtere Lage hoch, wobei ein gnadenloser Schmerz durch seinen Unterschenkel zuckte.

„Tonks lauf! Finde Pettigrew!" schrie er ihr zu. Ohne weiter auf irgendetwas zu achten, sprintete sie auf den Wald zu. „Um den hier kümmere ich mich." murmelte Flitwick vor sich hin und hob seinen Zauberstab, genau zur selben Zeit wie der Todesser.


Kurze Zeit später erreichte Harry die Eingangshalle. Es sah aus, als hätte hier ein gewaltiger Kampf stattgefunden. Überall waren Löcher in Wände und Türen geschlagen worden und Skulpturen bestanden nur noch aus Schutt und Asche. Die Tür nach draußen stand offen, das hieß, eigentlich hing sie nur windschief in den Angeln. Kampflärm drang herein.

Schnell lief er darauf zu und gewahrte ein wahres Schlachtfeld. Überall zischten Zaubersprüche durch die Luft, überall war Blut und einige reglose Todesser lagen auf dem Boden. Da dröhnte die Erde, als Hagrid zu Boden stürzte und sich nicht mehr rührte. Und auf der linken Seite nahe dem Wald, da standen sich Voldemort und Dumbledore gegenüber. Bisher schien keiner verletzt, aber Dumbledore wirkte erschöpft und angeschlagen.

Harry wartete nicht, er lief nach draußen und lähmte einen Todesser mit der Beinklammer von hinten und gewährte dem keuchenden Mr. Weasley somit eine kurze Verschnaufpause.

„Harry!" stellte dieser überrascht fest.

Im selben Augenblick erfüllten grausame Schreie die Luft und wieder war Bellatrix die Urheberin. Sie hatte Emmy erwischt, aber Kingsley war bereits aufgesprungen und eilte ihr zu Hilfe.

Doch der Schrei hatte Dumbledore und Voldemort aufblicken lassen und beide hatten sie ihn entdeckt. Harry.

In Albus' Augen trat Erleichterung, dicht gefolgt von Sorge. Voldemort dagegen traute seinen Augen nicht. In ihm kochte solch eine Wut hoch, dass es ihn fast zu zerreißen drohte. Diesmal würde ihm dieser Bursche nicht mehr entkommen. Nicht schon wieder!

Er machte sich die Ablenkung zunutze und schickte den alten Narren mit einem gezielten Stoß an den nächsten Baumstamm, wo dieser reglos liegenblieb. Mit wenigen Schritten eilte er quer über den Hof, vorbei an den Kämpfenden, die langsam, wenn sie sie noch nicht erreicht hatten, an ihre Grenzen stießen. Er zückte seinen Zauberstab und richtete ihn auf den Jungen, was dieser durchaus bemerkte.

„Vage es ja nicht, wegzulaufen, Potter. Diesmal gehörst du mir!" sagte er kalt.

Auch Harry zückte entschlossen seinen Zauberstab. Das hatte er sich zwar nicht vorgestellt, als er sagte, er wolle helfen, doch als er nun dieses hässliche Gesicht sah, die dünne Gestalt, die auf ihn zukam, wieder vor Augen mit was für Spaß er Snape gequält, sich an seinem Schmerz erfreut hatte, da wusste er, was er zu tun hatte.

Er straffte seine Schultern, dann trat er auf Voldemort zu.

„Das werden wir sehen!"


Uiii! Cliffhanger sind was tolles *g*

Und fieses!

Aber seid mal ehrlich, diese Konfrontation war überfällig.

Bis dann, ich freu mich übrigens nach wie vor über Reviews! *g*

Bye

Bella