Ein gefallener Stern
Kaum war die Stimme verklungen und die Gestalten verschwunden, herrschte tiefe Stille und Dunkelheit um mich her. Der Stein in meinen Händen fühlte sich kalt und glatt an, beinahe so, als wäre er aus unschmelzbarem Eis. Der innere Drang, diesen Ort zu verlassen und dem Willen der Menschheit in einer neuen Welt Folge zu leisten, zehrte an jeder Faser meines Körpers und bereitete mir schon fast psychische Schmerzen.
Ich lächelte still.
Welcher Körper denn? Materie ist nur ein Produkt aus Raum und Zeit. Ich stehe über solchen Dingen, ich bin mehr Geist als Körper.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf streckte ich meinen rechten Arm aus. Mein Zeigefinger berührte etwas in der Dunkelheit, als stieße ich auf eine unsichtbare Mauer, die jedoch nicht fest, sondern nachgiebig war. Ich ging einen Schritt vor und drückte meine ganze Handfläche dagegen, auf deren Rücken das Symbol der Sonne wieder hell zu leuchten begann. Es bildete sich ein Riss und die Dunkelheit klappte zu beiden Seiten auf wie ein Vorhang, der den Blick auf eine himmelähnliche Szenerie freigab. Doch statt weißer Wolken auf hellblauem Grund war hier der Himmel pechschwarz und die Wolken ähnelten lilafarbenen Nebelschwaden.
Ohne Zögern ging ich hindurch. Ich wusste instinktiv, dass dieses Portal mich dorthin bringen würde, wohin ich wollte. Wohin mich eine treibende Kraft führte.
Ich hatte kein Gespür dafür, wie lange ich mich in dieser Zwischendimension befunden hatte, doch als ich aus einem ähnlichen Portal wieder daraus hervortrat, wusste ich, dass ich angekommen war.
Ich schwebte hoch in der Luft und sah auf die gewaltigen Wasserflächen und die im Verhältnis dazu winzige Landmasse unter mir hinab. Dies war also die Welt, der es vorherbestimmt war, durch eine Apokalypse vernichtet zu werden – zum Wohle der Menschheit. Ohne es zu wissen, waren die menschlichen Körper der Bewohner dieser Welt bereits zum Tode verurteilt, während hingegen ihre Erinnerungen unsterblich waren.
Die Evolution der Menschheit.
„Dann soll es also beginnen." Ich betrachtete den Stein in meinen Händen, der trotz der Dunkelheit leicht violett schimmerte. Seine Farbe erinnerte mich an …
Erstaunt hielt ich inne. Gerade hatte ich noch einen passenden Vergleich gehabt, als der Gedanke mir wie Wasser auf der bloßen Handfläche durch meine Finger rann und spurlos verschwand.
Ich gab einen abschätzigen Laut von mir. Was kümmert es mich? Es ist nur ein Stein. Ich öffnete die Hände und wie in Zeitlupe glitt der Kristall über meine geneigten Handflächen und fiel hinab. Mein Blick folgte seinem rasanten Sturz, der einen hell leuchtenden Schweif hinter sich herzog wie eine Sternschnuppe, die das Schicksal der Welt besiegelte. Beim Auftreffen erhellte eine Explosion die Umgebung für einen kurzen Moment, dann war alles wieder dunkel.
Eine Insel also. Mir blieb nun nichts weiter übrig, als zu warten.
Darauf zu warten, dass der Virus sich einen Menschen auserkor, durch den er die Evolution der Menschheit vorantreiben konnte.
Ich schloss die Augen und horchte in die Stille hinein. Millionen Stimmen wisperten mir unverständliche Worte zu und hallten in meinem Inneren wider, als wäre ich ein leeres Gefäß, an dessen Wänden sie abprallten und sich kreuzten, auslöschten oder verstärkten. Den Willen eines einzelnen Menschen konnte ich nicht verstehen, zu unbedeutend war er für das Wohl aller. Doch zusammen ergaben sie den klar vernehmlichen Willen der Menschheit, der mich leitete, ohne dass ich ihn explizit hören musste.
Da'ath war wirklich die Evolution der Menschheit und sorgte sowohl für deren als auch für das eigene Wohl.
Fast wie ein Tier, das seine Beute gut behandelt, um sich danach umso mehr an seinem Fleisch zu ergötzen, dachte ich, doch im selben Moment wurde mir bewusst, wie falsch dieser Vergleich war: die niedere Spezies Mensch wurde nicht ausgelöscht, sondern nur verändert und somit unsterblich gemacht. War das nicht der Wunsch eines jeden Einzelnen?
„Irgendwo hier muss er doch sein …"
Leise hörte ich die Stimme eines Mädchens in meinem Kopf. Als ich die Augen aufschlug, war es heller Tag. Ich stand in einem Wald, umgeben von dichtem Buschwerk, und konnte durch mehrere Bäume hindurch einen Blick auf einen riesigen Krater werfen. Ohne ihn zu sehen, wusste ich sofort, dass sich in dessen Mitte der violette Stein befand. Und ich spürte die Erregung über diesen bedeutsamen Augenblick, der nun in greifbarer Nähe war, wie eine Flutwelle durch meinen ganzen Körper fließen.
„Ich habe doch heute Nacht gesehen, wie der Stern hier runtergefallen ist …"
Nicht weit von mir entfernt hörte ich das leise Knacken von Zweigen und als ich mich umwandte, sah ich ein kleines Mädchen in einem hellrosa Kleid. Die vordersten beiden Strähnen ihrer ebenfalls rosa Haare hielt jeweils ein rotes Haarband zusammen, ihre Augen waren rot und in diesem Moment konzentriert auf den Waldboden gerichtet, als würde sie etwas suchen. Ein tief herabhängender Ast streifte ihr den Sommerhut vom Kopf und eilig bückte sie sich, um ihn aufzuheben und wieder aufzusetzen, ehe sie ihren Weg mit langsamen Schritten fortsetzte.
„Irgendwo hier muss er doch sein …", hörte ich sie erneut murmeln. Als sie die letzten Bäume erreicht hatte und plötzlich den riesigen Krater vor sich sah, blieb sie verwundert stehen. Einen langen Augenblick sah sie mit großen Augen auf das, was sich vor ihr ausbreitete, dann klatschte sie begeistert in die Hände. „Ich werde den Stern Mama mitbringen!", rief sie fröhlich, während sie in die Kratermitte zu dem Kristall lief, den sie dort wohl schon von Weitem erspäht hatte.
Obwohl sie sich immer weiter von mir entfernte, sah und hörte ich sie nach wie vor so deutlich, als ob sie direkt vor mir stünde.
Losgelöst von Zeit und Raum, erinnerte ich mich. Raum ist nicht existent, Entfernung ist relativ.
Ich sah, wie das Mädchen den violetten Stein erst andächtig musterte und sich dann bückte, um ihn aufzuheben. Schnell zuckte sie jedoch wieder zurück.
„Komm sofort wieder her, Mana!"
Eine zweite Stimme ließ mich den Blick abwenden. Eine Frau mit dunklen Haaren, einem langen weißen Kleid und einem dazu passenden Sonnenhut trat zwischen den Bäumen hervor und winkte dem Mädchen, wieder herzukommen. „Du sollst doch nicht alleine so tief in den Wald rennen!"
Das Mädchen lief auf ihren Ruf hin zurück und streckte ihr ihren blutenden Zeigefinger entgegen. „Der Stern ist böse!", schluchzte sie mit Tränen in den Augen. „Und ich wollte ihn dir doch schenken, Mama …"
„Lass mal sehen." Sie besah sich den Finger und lächelte dann sanft. „Das ist nicht so schlimm, Kleines. Lass uns nach Hause gehen, dann kleben wir ein Pflaster drauf. Und von welchem Stern sprichst du denn?"
Stumm deutete das Mädchen mit ihrer unverletzten Hand auf die Kratermitte. „Da ist heute Nacht ein Stern abgestürzt und ich habe ihn gefunden!"
Die Frau richtete sich auf und folgte ihrer Handbewegung mit den Augen. „Und du hast dich an dem Stern verletzt?", fragte sie nach. Als das Mädchen nickte, zeigte sich deutliche Besorgnis in ihrem Gesicht. „Wir sollten schnell deinen Vater anrufen, damit der sich den Stern ansieht." Sie streckte ihr die Hand entgegen und das Mädchen ergriff sie. „Komm, lass uns nach Hause gehen."
Wenige Stunden später, die für mich wie Sekunden vorbeigingen, kamen zwei Männer in weißen Anzügen und allerlei wissenschaftlichen Geräten, um den Meteorit zu untersuchen. Ich nahm nur am Rande meines Bewusstseins wahr, dass sie bereits jetzt einen Zusammenhang zur genomischen Resonanz feststellen konnten, bevor sie den Stein schließlich in ihr Labor mitnahmen. Meine Augen waren permanent auf das Mädchen gerichtet, das in sicherer Entfernung an der Hand ihrer Mutter das Pflaster an ihrem Finger betrachtete.
Mana. Ich lächelte. Ich werde dich nicht aus den Augen lassen.
. . .
. . .
Die nächsten Monate verliefen ruhig und ereignislos. Der Sommer ging zur Neige, ein neues Jahr brach an und es gab immer noch keine Anzeichen für Evas Erwachen. Das kleine Mädchen verhielt sich nach menschlichen Maßstäben ganz gewöhnlich. Es verbrachte die meiste Zeit des Tages draußen, tollte im Garten herum, pflückte Wildblumen im hohen Gras oder streifte allein durch die Wälder, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter. Ihre deutlich spürbare Besorgnis darüber, dass ihre Tochter mit einem Meteoriten in Kontakt gekommen war, war inzwischen scheinbar wieder verschwunden – wahrscheinlich eben deswegen, da keine Anzeichen einer Erkrankung oder ähnlichem erkennbar waren.
Doch beim derzeitigen Stand der Wissenschaft wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie den Virus und seine Folgen für die ganze Welt entdecken. Es brachte mich immer wieder amüsiert zum Schmunzeln, wenn ich daran dachte, welch eigenartige Zufälle es doch auf der Welt gab. Gerade der Mensch, der als leitender Wissenschaftler als erstes von der drohenden Apokalypse erfahren würde, ist der Vater des Mädchens, das eben jene einleiten wird. Ein Scherz des Universums, wenn man so wollte. Als mir eines Tages diese Tatsache bewusst wurde, nahm ich mir vor, Dr. Kurosu Ouma damit zu konfrontieren, wenn die Zeit reif war. Ich empfand so etwas wie Neugierde beim Gedanken daran, ob ein Mensch, der sich besser mit natürlicher Selektion und Evolution auskannte als jeder andere auf dieser Welt, die Apokalypse gutheißen und sich Da'ath und damit dem Willen der Menschheit beugen würde – oder ob es nicht einmal ihm möglich war, sich aus seiner egoistischen Denkweise zu befreien, und er Widerstand leisten würde. Bisher konnte ich diesen Mann noch nicht einschätzen. Er war wohl so in seine Arbeit vertieft, dass er sich kaum zu Hause blicken ließ, wo ich mich ununterbrochen aufhielt, um über die zukünftige Eva zu wachen.
Als ich das Mädchen eines sonnigen Vormittags wieder einmal aus dem Schatten heraus beobachtete, wie es auf einer Wiese vergnügt hierhin und dorthin hüpfte, um einen Schmetterling zu fangen, durchlief plötzlich ein Zucken meinen ganzen Körper.
Das Mädchen blieb stehen und hob den Kopf.
„Ich kann deine Anwesenheit spüren. Zeig dich."
Ein kurzes Lächeln huschte über mein Gesicht, dann manifestierte ich mich hinter ihr. Als sie sich langsam umwandte und unsere Blicke sich kreuzten, sah ich anhand ihrer Augen, wen ich vor mir hatte.
„Willkommen, zukünftige Eva", sagte ich und deutete eine Verbeugung an.
„So nervig …", seufzte sie und ließ sich ins saftige Gras sinken, in dem sie mit ihren rosa Haaren wie eine besonders schöne Blume hervorstach. „Dieses Mädchen macht mir nur Probleme! Warum musste es auch ein so junges Ding sein?", fragte sie und sah wütend zu mir hoch, als ob ich dafür verantwortlich wäre.
Ich hätte ihr gerne geantwortet, dass – wenn es denn nicht ohnehin blanker Zufall war – sie selbst sich diesen Ort ausgesucht hatte, doch ich wollte sie nicht zusätzlich verärgern. Daher lächelte ich nur entschuldigend und behielt meine Gedanken für mich. „Macht denn ein kleines Kind größere Probleme?"
„Ihr Geist ist noch so unausgereift und launisch …" Sie verzog das Gesicht. „Es wird noch sehr lange dauern, bis ich diesen Körper ganz unter Kontrolle habe. Ich werde die Sache langsam angehen lassen, es ist ohnehin noch viel zu gefährlich, eine solche Kraft in einem so jungen Körper zu bündeln." Sie richtete ihre roten Augen, die während ihrer Worte ihre Hände aufmerksam gemustert hatten, wieder auf mich. Ihr Blick war durchdringend und ließ mich ihr wahres Wesen dadurch förmlich spüren. „Ab jetzt verschmelze ich mit dem Geist dieses Mädchens und es wird deine Aufgabe sein, ihr beizubringen, mit der Kraft umzugehen."
„Ich weiß", entgegnete ich.
„Und jetzt verschwinde." Sie griff sich keuchend an den Kopf und kniff die Augen zusammen, als ob sie Schmerzen hätte. „Verschwinde …"
Noch ehe ihre leuchtend roten Augen wieder normal wurden, hatte ich mich wieder in den Schatten der Bäume zurückgezogen. Mana sah sich verwundert um, ehe sie aufstand und ihre Jagd nach dem Schmetterling unbekümmert fortsetzte.
. . .
. . .
In der darauffolgenden Zeit stellte ich mit Befriedigung fest, wie der Virus langsam seine Arbeit verrichtete. Anhand kleiner Ereignisse – ein Widerwort hier, ein scharfer Blick dort – konnte Evas Entwicklung Stück für Stück beobachtet werden.
Als ich sie eines Tages summend im Garten vorfand, war meine Zeit gekommen.
„Eine schöne Melodie summst du da, Mana."
Sie blickte vom Boden auf und sah mich argwöhnisch an. „Woher kennst du meinen Namen?"
„Ich beobachte dich schon eine ganze Weile. Du bist ein ganz besonderes Mädchen mit einer ganz besonderen Fähigkeit, weißt du das?"
„Meinst du etwa das?" Sie streckte mir ihre Hand entgegen. Auf ihrer Handfläche lag eine ehemals weiße Blüte, die nun mit violetten Kristallen überzogen war.
Ich nickte lächelnd. Sie hatte bereits größere Fortschritte gemacht, als ich erwartet hatte. „Ich kann dir beibringen, was es mit dieser Kraft auf sich hat. Aber nicht hier, wir wollen doch schließlich nicht gestört werden, oder?" Ich warf einen kurzen Blick durch die geöffnete Terrassentür, doch die Frau schien immer noch in der Küche beschäftigt zu sein.
Mana stand auf. „Mama, ich gehe ein bisschen spielen, ja?", rief sie mit zuckersüßer Stimme, während sie mich keine Sekunden aus den Augen ließ.
„In Ordnung, aber bleib nicht zu lange weg, es gibt bald Mittagessen!", hörte man ihre Mutter im Haus antworten.
Ich streckte Mana meine Hand entgegen. Sie zögerte nur kurz, bevor sie ihre Hand darauflegte. Dann öffnete ich ein Portal und brachte uns beide auf das Dach eines heruntergekommenen und schon längst verlassenen Bürokomplexes am Rande der Stadt. Beruhigt stellte ich fest, dass sich das Mädchen nun doch etwas verängstigt umsah – ich hatte beinahe schon das Gefühl gehabt, die schon voll entwickelte Eva stünde vor mir.
Aber warum sollte ich mir darüber Sorgen machen?, stellte ich mir selbst die Frage. Wenn sich Eva ganz ohne das Zutun Da'aths entwickelt, zeigt das doch nur, wie stark die Menschheit die Apokalypse herbeisehnt …
Wahrscheinlich hielt ich mich schon so lange in dieser Welt auf, dass ich so etwas wie eine Persönlichkeit ausbildete, die sich unabhängig von der Existenz als Da'aths Gesandter entwickelte. Und diese Persönlichkeit war es langsam leid, nur zu beobachten. Sie empfand Langeweile, Neugierde und Ungeduld. Und nun endlich würde deren Handlungsdrang befriedigt werden.
„Wer bist du eigentlich?" Mana musterte mich argwöhnisch, wie sie es bereits bei meiner Ankunft getan hatte. „Du bist kein gewöhnlicher Mensch."
„Ich bin Da'aths Gesandter. Mein Name ist Yuu", stellte ich mich ihr vor. „Ich komme von einem anderen Ort und aus einer anderen Zeit, um dir beizubringen, wie du mit deinen Kräften umgehen kannst. Du bist auserwählt, die Apokalypse einzuleiten, Mana."
„Apokalypse?", wiederholte sie mit gerunzelter Stirn. „Was ist das?"
Ich erzählte ihr in groben Zügen, wie sie mit Hilfe ihres Gesangs den Virus in bestimmten Zellen anregen konnte, woraufhin diese sich verhärteten und zu Kristallen wurden.
„Und sobald du die vollständige Kontrolle über diese Kräfte entwickelt hast", schloss ich, „wirst du sie dazu einsetzen, die Apokalypse heraufzubeschwören, die die Menschheit auf die nächste Evolutionsstufe erhebt." Während ich sprach, begann sich auf ihrem Gesicht ein gieriges Lächeln auszubreiten. Einmal mehr musste ich mir in Erinnerung rufen, dass ich kein gewöhnliches kleines Mädchen vor mir hatte. Der Virus hatte sich bereits in ihr festgesetzt, auch wenn er ihr oftmals freie Hand ließ.
„Kann ich Kristalle auch kontrollieren?" Sie kicherte, als ich stumm nickte. „Das ist ja lustig! Ich probiere es gleich aus!" Sie setzte sich auf den kalten Beton, wobei sie ihre Beine über den Rand des Gebäudes baumeln ließ.
Dann begann sie zu summen.
Eine Folge von vier Tönen, die sie beständig wiederholte, während sie konzentriert auf die kristallisierte Blüte in ihrer Hand starrte.
Eine ganze Weile passierte nichts. Dann lösten sich plötzlich unter leisem Klirren einzelne Splitter von der Blüte ab, bis sie sich schließlich völlig zersetzt hatte. Die lilafarbenen Kristallsplitter schwebten daraufhin über Manas geöffneten Händen und kreisten spiralförmig um sich selbst, als ließe Mana sie mit ihrem Gesang in der Luft tanzen.
Ich beobachtete das Schauspiel zufrieden. Die Sorgen waren wohl unberechtigt gewesen. Trotz ihres jungen Alters war ihr Talent herausragend.
Das Summen verstummte plötzlich und die Kristalle fielen wie abgeschnittene Fäden vom Dach des Hochhauses hinab. Noch ehe sie am Boden auftrafen und in solch winzige Teilchen zersplitterten, dass nichts mehr von ihnen übrig blieb, drehte Mana sich ruckartig zu mir um und richtete ihre leuchtend roten Augen auf mich.
„Kann ich alles in Kristalle verwandeln, was ich will?"
