Die Geister, die ich rief …
„Nun, wie ist die aktuelle Lage, Shuichiro?" Ich trat aus dem Schatten und stellte mich neben ihn auf die erhöhte gläserne Plattform, von der aus man Sektor A gut überblicken konnte. Die einzelnen Kabinen waren durch schlichte Sichtschutzwände voneinander getrennt und ansonsten nicht gesichert. Die Probanden dort waren alle nicht bei Bewusstsein während der ersten Tests. Alle Betten waren belegt und das monotone Piepen und Summen der Geräte stand im scharfen Kontrast zu der hektischen Menge an Wissenschaftlern, die herumwuselten wie eine Armee weißer Ameisen.
„Ich habe noch vier weitere Forscher für Sektor C eingestellt und Sektor M stärker bewachen lassen, so wie du es wolltest." Shuichiro blätterte die Unterlagen auf seinem Klemmbrett durch, ohne sich nach mir umzusehen. „Außerdem habe ich vor einigen Wochen eine Kinderstation eingerichtet. Es ist nämlich im Bereich des Wahrscheinlichen, dass die Körper der Testobjekte das Genom wegen ihres zu hohen Alters abstoßen. Ich werde dieser Sache nachgehen."
„Ist das so?", gab ich leichtfertig zurück. „Bist du jetzt schon dazu übergegangen, die Fehler, die aus deinen mangelnden Fähigkeiten als Wissenschaftler zurückzuführen sind, auf die Untauglichkeit von Testpersonen zu schieben, Shuichiro?" Ich konnte sehen, wie sich seine Finger so fest um das Klemmbrett krallten, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Es bereitete mir Vergnügen, dass sein Stolz ihn so verletzbar machte, obwohl er sonst ein sehr beherrschter und beinahe stoischer Mann war, der seinen Aufgaben pflichtgetreu nachkam. Unter all den leisen Stimmen in meinem Kopf bildete ich mir ein, seine Stimme deutlich herauszuhören, die mich in diesem Augenblick zutiefst verfluchte.
„Auch wenn das entwickelte Genom vielleicht noch nicht vollkommen ist, ist eine Abhängigkeit von äußeren Faktoren wie –", entgegnete er mit deutlich gepresster Stimme, als ich seinen langweiligen Ausflüchten bereits wieder ein Ende setzte.
„Es ist nun bald sechs Jahre her, seit du diese Einrichtung gegründet hast, Shuichiro." Ich senkte meine Stimme etwas. Mein drohender Unterton machte ihm scheinbar nichts aus, doch ich wusste, dass es anders war. „Ich will Ergebnisse. Da'ath wird langsam ungeduldig." Ich starrte ihn noch einen Augenblick lang mit durchdringendem Blick an, dann seufzte ich laut und lehnte mich mit dem Rücken an das Geländer. „Ich habe so viele mächtige und reiche Familien Japans aufgesucht – die Suzukis, die Nakamuras, die Kuhouins … Und auch wenn nicht alle kooperieren wollten, habe ich doch genügend Abkommen getroffen, damit dir alle nötigen Mittel für deine Forschungseinrichtung zur Verfügung stehen. Habe ich nicht schon mein Möglichstes getan, um dich dabei zu unterstützen, den perfekten Adam für unsere junge Eva zu kreieren, Shuichiro?"
Ich ließ ihm ein paar Sekunden, um zu antworten, doch er blieb stumm. Ich lächelte amüsiert. Shuichiro war ein würdiger Gegner für dieses Spiel, doch letzten Endes hatte ich immer einen Trumpf in der Hinterhand, der ihn jedes Mal am Boden zerschmettert als Verlierer zurückließ.
„Ich komme gerade eben von meinem monatlichen Anstandsbesuch bei deinem alten Freund Kurosu zurück. Dein ehemaliger Kollege hat eine Zusammenarbeit zu meinem Bedauern erneut abgelehnt. Er ist wirklich sehr stur, aber er scheint immer noch verbissen an seinem Genom-Projekt zu arbeiten." Wie erwartet lösten diese Worte endlich eine Reaktion bei ihm aus. Er machte ein abfälliges Geräusch und richtete seinen Blick zum ersten Mal auf mich.
„Kurosu ist ein Narr, wenn er glaubt den genetischen Code ganz alleine finden und das Genom entwickeln zu können!" Er beruhigte sich wieder etwas, doch die Ader an seiner Schläfe pochte immer noch vor unterdrückter Wut. „Ich kann nicht verstehen, was sie an ihm findet", ergänzte er deutlich leiser.
„Was meinst du?", hakte ich nach.
„Haruka, meine Schwester. Sie hat mir gestern mitgeteilt, dass sie Kurosu heiraten werde." Er starrte gedankenversunken eine Weile auf die Wissenschaftler unter uns, die geschäftig hier und dort ein paar Geräte neu justierten, Daten sammelten oder Notizen machten. Schließlich richtete er seinen Blick wieder entschlossen auf mich. „Wie weit sind seine Forschungen vorangeschritten?"
„Ich weiß es nicht", antwortete ich wahrheitsgemäß. „Und es interessiert mich auch nicht. Ich arbeite mit dir zusammen und erwarte dahingehend auch von dir Ergebnisse, mein lieber Shuichiro."
„Ich habe dir schon viele Ergebnisse geliefert", entgegnete er grimmig. „Die Entwicklung des Endlaves und seine neuronale Vernetzung mit Saeko Ouma war ein gewaltiger –"
„Das ist schon ein halbes Jahr her", unterbrach ich ihn sanft, aber bestimmt.
„Dann das Kind, was Kristalle kontrollieren kann!" Seine Stimme wurde immer lauter und die ersten Forscher unter uns wandten schon ihren Blick zu uns hinauf. „Ihr Körper ist ein einziger Kristall und trotzdem lebt sie noch und kann alles –"
„Auch das ist nicht von Bedeutung", unterbrach ich ihn abermals ruhig. „Das ist alles wertlos, wenn es dir nicht gelingt, die Macht des Königs zu entwickeln und damit einen Adam zu erschaffen." Ich warf einen letzten Blick auf die untere Etage, dann trat ich von der Plattform zurück. „Ich werde mich für eine Weile zurückziehen und dir hier die Dinge überlassen."
„Subjekt 1843." Shuichiros Worte ließen mich innehalten. „Alle Tests deuten darauf hin, dass er der Kandidat mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit ist. Morgen werden wir ihm das Genom verabreichen und wenn er sein Körper es annimmt, haben wir deinen Adam endlich gefunden."
„Und vorausgesetzt, dass das Genom wirklich das ist, was es verspricht", ergänzte ich. Er erwiderte nichts und so setzte ich mich wieder in Bewegung. „Ich hoffe sehr, dass du nicht erneut versagen wirst, Shuichiro."
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„Och nein, warum muss es denn ausgerechnet heute regnen …" Der kleine Junge mit den braunen Haaren kauerte auf dem Sofa vor dem Fenster und blickte sehnsüchtig nach draußen. Dicke Tropfen klatschen an die Fensterscheiben und hinterließen einen alles verzerrenden nassen Fleck, der sofort vom nächsten Tropfen ersetzt wurde.
„Dann zeige ich ihn dir eben morgen, Shu. "
„Aber ich bin doch so neugierig!" Der Junge schmollte noch eine Weile vor dem Fenster, als könnte er damit die Regenwolken vertreiben, dann wandte er sich um und lief in die Mitte des Raums zu Mana. Schwungvoll setzte er sich im Schneidersitz ihr gegenüber auf den Teppich und blickte sie erwartungsvoll an. „Erzähl mir etwas über deinen geheimen Lieblingsort, Schwesterherz! Ich will alles wissen!", forderte er mit glänzenden Augen.
„Nun ja", begann sie nachdenklich, „er ist sehr hoch gelegen und man kann von dort das ganze Meer überblicken. Bis zum Horizont."
„Wahnsinn …", staunte Shu.
Während Mana mit ihrer Beschreibung fortfuhr, zog ich mich lautlos wieder in den hinteren Teil des Hauses zurück. Die Haushälterin war gerade einkaufen gegangen und hatte die beiden Kinder allein zurückgelassen. Kurosu selbst ließ sich seit dem Tod seiner Frau kaum mehr hier blicken, das hatte mir zumindest Mana erzählt. Seine Beharrlichkeit und Versessenheit imponierte mir zutiefst, auch wenn ich ihm während meiner Besuche in seinem Büro schon oft geraten hatte, die verbliebene Zeit wenigstens mit seinen Kindern zu verbringen, wenn sie ihm denn so sehr am Herzen lägen, anstatt weiterhin sein sinnlos Ziel zu verfolgen, ein Heilmittel gegen den Virus zu finden. Er hatte mich nur mit kargen Worten des Raumes verwiesen. Wie so oft. Ein wirklich sturer Mensch.
Aus dem Schatten heraus beobachtete ich den kleinen Jungen, der nach wie vor gebannt an den Lippen seiner Schwester hing. Shu Ouma hatte sich gut entwickelt, ebenso wie Mana. Er war gesund und aufgeweckt und vergötterte seine große Schwester, so wie diese es sich gewünscht hatte.
Aber als Adam wäre er nicht meine erste Wahl.
Eva war rundum zufrieden. Ich war es nicht.
Leise seufzte ich auf, als ich an die vielen gescheiterten Versuche zurückdachte, die Macht des Königs herzustellen. Ich hatte Shuichiros Fähigkeiten dahingehend weit überschätzt. Die Tests mit dem unvollständigen Genom ließen die Probanden meistens augenblicklich kristallisieren und nur wenige hatten die langfristige und schmerzhafte Prozedur bisher überlebt. Und von diesen gentechnisch veränderten Monstern wiesen bisher nur drei Subjekte Fähigkeiten auf, die sich in Zukunft als nützlich erweisen könnten.
Past, Present und Yet to Come – meine drei Geister.
Sie waren dazu auserkoren worden, Eva zu beschützen, bis sie ihren Auftrag ausführen konnte, und alles zu beseitigen, was die Apokalypse verhindern wollte. Und wenn Shuichiro recht behalten sollte und morgen die Macht des Königs erfolgreich an das Testsubjekt übertragen werden konnte …
„Nimm!"
Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf Mana, die ihrem Bruder mit ausgestreckten Armen einen violetten Faden entgegenhielt, der kunstvoll um ihre Finger geschlungen war und auf diese Weise ein schönes Muster zwischen ihren Händen bildete.
Selbst wenn ich einen Adam für sie finden würde, sie würde ihn wahrscheinlich nicht annehmen, dachte ich und beobachtete, wie Shu ihr das Fadenspiel abnahm und daraus ein neues Muster entstand. Sie hatte sich von Anfang an zu sehr in die Sache reingesteigert. Wahrscheinlich weil sie noch so jung war … Eva hat sich bereits an ihren Adam gebunden, was auch geschehen mag.
Ein leichtes Gefühl der Frustration kam in mir auf. Selbst die kleine Eva war zu egoistisch, um die Mühen von Da'ath wertzuschätzen. Doch die Stimmen in meinem Kopf schwiegen und so konnte ich beruhigt der Zukunft mit Shu als Adam entgegensehen.
Adam musste nicht unbedingt die Macht des Königs innehaben, um überhaupt Adam zu werden. Doch mit dieser Kraft konnte er seine geliebte Eva während der Apokalypse beschützen, die verletzlich und angreifbar war, während sie das Ende der Welt heraufbeschwor. Und spätestens das Zusammentreffen mit Kurosu hatte mich gelehrt, dass nicht jeder Mensch sich nach der Apokalypse sehnte. Früher oder später würden wir auf Gegenwehr stoßen und dann war es von Vorteil, vorbereitet zu sein.
Wenn ich keinen Adam mit der Macht des Königs haben kann, da Eva auf ihren bereits gewählten Adam besteht … Ich lächelte und zog mich wieder in den Schatten zurück. ... dann werden eben meine drei Geister die Aufgabe übernehmen und seine geliebte Eva beschützen …
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Das ist also die erwähnte Kinderstation.
Während ich durch die Bettreihen schlenderte und mir der Gestank nach Desinfektionsmittel in die Nase stieg, machte ich mir über Shuichiros Sinn für Humor Gedanken. Die Station bestand aus drei Gebäudetrakten. Im ersten Trakt wurden die gesammelten Kinder betreut und aufgepäppelt. In den meisten Betten lagen schlafende Jungen, die an Geräte angeschlossen waren, aber manche waren auch wach und sahen mir aus großen, verängstigten Augen entgegen. Der zweite Trakt bestand aus verschiedenen sterilen Räumen mit kapselartigen Behältern und unzähligen wissenschaftlichen Geräten. Dort wurden die Genexperimente durchgeführt. Im dritten Trakt reihte sich eine Zelle an die nächste, in denen die Probanden hinter dicken Gitterstäben ihre Zeit absaßen, bis sich eventuelle Auswirkungen der Tests an ihnen bemerkbar machten.
Die sogenannte Kinderstation war eine Mischung aus Krankenhaus, Versuchslabor und Gefängnis.
„Vermisst diese Kinder denn niemand?" Ich hatte Shuichiro am Ende des Ganges entdeckt. Dieser machte sich gerade Notizen und sah mäßig überrascht auf, als er mich sah.
„Es sind größtenteils Waisen- oder Straßenkinder", antwortete er und widmete sich sofort wieder seinen Notizen. „Die wird niemand vermissen."
„Sehr gemütlich hast du die Kinderstube aber nicht eingerichtet", fuhr ich nüchtern fort und ließ meinen Blick über die kahlen Wände und sterilen weißen Laken wandern.
„Die Kinder sollten dankbar dafür sein, dass sie etwas zu essen bekommen und ein Dach über den Kopf haben."
Ich lächelte. „Ein seltsames Verständnis von Dankbarkeit hast du da, Shuichiro." Ich wollte mich gerade nach dem Ausgang des Experiments an unserem verheißungsvollsten Kandidaten erkundigen, als das Schicksal mir zuvorkam. Sirenen ertönten und aus den Lautsprechern war eine blecherne Stimme zu hören.
„Subjekt 1843 aus Sektor M entflohen. Ich wiederhole: Subjekt 1843 aus Sektor M entflohen. Sektor M wird komplett abgeriegelt. Proband ist äußerst gefährlich. Ich wiederhole: Proband ist äußerst gefährlich."
Während Shuichiros Gesicht kreidebleich wurde, schüttelte ich nur lachend den Kopf. „Nennt ihn doch bei seinem Namen: Scrooge …"
„Das beschäftigt dich gerade?!" Shuichiro sah mich entgeistert an. „Wenn er wirklich aus Sektor M entkommen ist, dann muss er ein Blutbad angerichtet haben! Ich hatte dort extra noch weitere Soldaten zur Bewachung postiert!"
„Nein, du verstehst die derzeitige Lage nicht, Shuichiro." Ich trat einen Schritt auf ihn zu, aber er wich augenblicklich zurück. Anscheinend hat er Angst vor mir, stellte ich amüsiert fest. Was für ein Narr er doch ist. „Die Tatsache, dass er fliehen konnte, beinhaltet die Tatsache, dass er das Experiment überlebt hat." Mein Lächeln wurde breiter. „Mit etwas Glück ist Scrooge unser neuer Adam."
Shuichiro sah mich erschrocken an, dann stürmte er wortlos an mir vorbei. Wahrscheinlich begab er sich zur Kommandozentrale, um sich einen Überblick über die derzeitige Lage zu verschaffen.
Ich wartete noch einen Augenblick, dann ging ich ihm langsam hinterher.
Ich war davon ausgegangen, dass seine kleinen menschlichen Experimente nur nutzlose Bastarde hervorgebracht hätten. Doch es sah nun fast so aus, als ob das Spiel wieder ein bisschen interessanter werden würde. Wenn man sie richtig aufzog, wären sie für Eva sicherlich nützlich.
Also dann Scrooge, unrechtmäßiger König … Ich schloss die Augen und teleportierte mich ein Stockwerk höher in Pasts Kontrollraum. Dann lass uns mal sehen, was du wirklich kannst. Genüsslich drückte ich auf den Verbindungsknopf. Past kicherte vergnügt.
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Es war die reinste Freude, vom Dach der Forschungseinrichtung aus zu beobachten, wie Past mit Scrooge spielte. Nicht gerade überrascht hatte ich festgestellt, dass Carol bei ihm war. Die Experimente an Scrooge waren auf Carol abgestimmt gewesen und da sie ohnehin die meiste Zeit zusammen verbrachten, erschien mir eine gemeinsame Flucht der beiden im Bereich des Wahrscheinlichen, was sich nun auch bewahrheitet hatte. Mit Carol unter dem Arm wich Scrooge mit übermenschlicher Geschwindigkeit den Kugeln aus, die der Endlave scheinbar wahllos auf ihn abfeuerte. Doch auf diese Weise würde er nicht an der Maschine vorbeikommen, die ihm den einzigen Ausgang versperrte.
Du bist ein so hinterhältiges Biest, Past, dachte ich und grinste genüsslich. Genau wie deine Tochter Mana. Es war wirklich eine biologische Meisterleistung gewesen, Saeko Oumas neuronales Netzwerk so lange zu konservieren, bis der technische Fortschritt die Konstruktion eines steuerbaren Endlave möglich gemacht hatte. Sie hatte gut auf die genetischen Experimente angesprochen und war nun in der Lage, im vegetativen Zustand die Kontrolle über jeden Endlave in einem bestimmten Radius zu übernehmen. Ihre Körperfunktionen wurden dabei durch modernste Technik aufrechterhalten und überwacht. Obwohl – oder gerade weil? – sie keine Kontrolle mehr über ihren eigenen Körper hatte, beherrschte sie die Endlaves besser als andere Piloten es je könnten.
Allzu schade, dass du aufgrund der Genexperimente deinen Verstand verloren hast und in die Phase eines frühkindlichen Wahnsinns verfallen bist, Past. Ich beobachtete einen erneuten Versuch von Scrooge, an dem Endlave vorbeizukommen, der erneut scheiterte. Obwohl es auf diese Weise wirklich sehr viel unterhaltsamer ist, muss ich zugeben.
Past liebte es sehr, mit ihrer Beute zu spielen.
Beim dritten Anlauf machte Scrooge ernst. Beinahe zu spät fiel ihm auf, dass Past ihn an der Nase herumgeführt und absichtlich wahllos in der Gegend herumgeschossen hatte, um ihn in Sicherheit zu wiegen. Ich hörte Past vergnügt in der Ferne kichern.
„Was wirst du jetzt tun, Scrooge?", murmelte ich.
Es vergingen einige stille Sekunden. Dann schoss plötzlich ein greller Lichtstrahl senkrecht in den Himmel und noch ehe Past reagieren konnte, hatte ein riesiges kristallines Schwert ihren Endlave mittendurch gespalten, woraufhin er explodierte.
Er kann also eine Seele erfolgreich in ein Void umwandeln, soso … Ich stand auf, während ich im hellen Schein des Feuers einen letzten Blick auf Scrooge warf, bevor er mit Carol in der Dunkelheit verschwand. Scrooge, du bist anscheinend ein unerwarteter Schatz, den wir hier gefunden haben. Allzu schade, dass unsere kleine Eva noch so unreif ist. Wenn ihre Macht bereits früher ihre volle Kraft entfaltet hätte, wärst du der perfekte Adam für sie gewesen. Tja, aber für den unrechtmäßigen König ist das nur eine weitere Feuerprobe …
Ich materialisierte mich neben der Kapsel, in der Saekos Körper am Leben erhalten wurde. Present, mein kleiner Geist des Todes, war ebenfalls schon zugegen und versuchte, sie zu beruhigen.
„Meine Puppe ist kaputt gegangen … obwohl ich noch weiterspielen wollte …", brachte Past mit kindlich hoher und technisch verzerrter Stimme unter vielen Schluchzern heraus, bis sie schließlich in einer schrecklichen Lautstärke aufheulte wie ein kleines Kind.
„Ist schon gut, hör auf zu weinen", redete Present auf sie ein. „Du wirst bald wieder spielen können und deine Puppe wird noch schöner sein als die letzte. Ich werde sogar ein paar neue Spielzeuge für dich vorbereiten."
„Past und Present, meine verehrten Geister", grüßte ich sie und deutete eine Verbeugung an. „Wie ihr ja bereits wisst, ist der Geizhals Scrooge geflohen, da er immer nur an sich denkt. Ich möchte, dass ihr ihn aufhaltet, bevor er etwas Dummes anstellt."
Present hob fragend die Augenbrauen. „Aufhalten im Sinne von lebendig zurückbringen?"
„Seine Macht des Königs ist unvollständig. Er kann sie nur mit Hilfe von Yet to Come nutzen, daher ist er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nutzlos für uns." Ich lächelte Present liebenswürdig an. „Ich würde ihnen nicht meine zwei liebsten Assassinen hinterher schicken, wenn es mir nicht ernst wäre."
„Verstanden." Ihre blauen Augen blitzen begierig auf und ich wusste, dass ich mir um Scrooge keine Gedanken mehr machen musste. Es war beinahe schade um ihn, doch in einem solchen Zustand und zu seinem solchen Zeitpunkt konnte ich keinen unrechtmäßigen König gebrauchen.
Die Geister, die ich rief, würden schon mit ihm fertig werden.
