Verlorene Weihnacht
Ich hielt mich in einer der oberen Zimmerecken auf und beobachtete Mana. Sie stand alleine im dunklen Raum und blickte durch die großen Fensterscheiben nach draußen, während sie dem Regen lauschte, der laut auf die Terrasse prasselte. In unregelmäßigen Abständen durchzuckte ein Blitz die Finsternis und ließ die Konturen ihrer Gestalt schemenhaft erkennen.
Schreckliche Kopfschmerzen hatten mich dazu getrieben, Mana aufzusuchen.
Seit Wochen gaben die Stimmen in meinem Kopf keine Ruhe mehr und wurden lauter und lauter, doch ich konnte keine einzige von ihnen zuordnen. Noch nie hatte ich mich so unruhig gefühlt, noch nie so tatenlos abwarten müssen, bis der Wille der Menschheit sich zu erkennen gab und mir meine Aufgabe zuwies.
Nie hätte ich die drohende Katastrophe vorausgeahnt.
Ich schloss die Augen und massierte mir die Schläfen, doch das half alles nichts. Ich hatte keine körperlichen Schmerzen, denn ich hatte gar keinen herkömmlichen Körper. Ich war vielmehr der Schmerz, die Unruhe selbst und das erschöpfte mich allmählich. Immerhin glaubte ich nun zu wissen, auf welche Gefahr wir zusteuerten, auch wenn ich noch keine Möglichkeit sah, das zu verhindern.
Der Virus lief Amok.
Ich war immer davon ausgegangen, dass der Virus mit einem menschlichen Geist verschmolz und dessen Körper übernahm, woraus schließlich Eva entstand. Als Auslöserin der Apokalypse war sie deshalb selbstredend immun gegen den Virus, da sie der personifizierte Virus war und sich nicht selbst vernichten würde, nachdem sie sich geschaffen hatte.
Doch anscheinend hatte ich mich getäuscht.
Voller Schrecken hatte Eva mir eines Tages die Kristalle gezeigt, die sich an ihrem rechten Ohr und Nacken gebildet hatten. Umgehend hatte ich sie zu Shuichiro gebracht und nach einigen Röntgenverfahren, Bluttests und einer DNA-Analyse stand fest, dass sich der Virus tatsächlich bereits in die Intronen ihrer DNA eingenistet hatte. Der Virus zersetzte langsam seinen eigenen Wirt.
Aber er will Mana nicht umbringen, redete ich gedanklich mit mir selbst. Sonst hätte er es schon längst getan.
Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer trat die einzig mögliche Erklärung zutage: Ungeduld. Der Virus wollte Eva dazu bringen, ihre Aufgabe endlich zu erfüllen. Also übernahm er mehr und mehr die Kontrolle über ihren Geist, was zu Lasten ihres noch jungen Körpers ging. Ich hatte selbst schon erlebt, wie heftig die Stimmungswechsel ausfielen, wenn Eva die Kontrolle über Mana übernahm. Außerdem wurden die Zeiten, in denen sie dem Mädchen die Kontrolle überließ, immer kürzer.
Die Zeit drängte. Ihre geistige Verfassung wurde zusehends labiler und erschwerte die Kontrolle über ihre Kräfte stetig.
Und dieser blonde Junge setzte sie noch weiter unter Druck.
Ich hatte kein Genie sein müssen, um zu erkennen, dass dieser Junge eben jener geflohene Proband aus Shuichiros Kinderstation gewesen war, der in derselben Nacht wie Scrooge entkommen war. Mana und ihr Bruder hatten ihn am Morgen darauf aus dem Meer gefischt, weshalb Mana ihn „Triton" genannt hatte, da er sich nicht mehr an seinen ursprünglichen Namen hatte erinnern können. Natürlich hätte ich ihn mit Leichtigkeit wieder in die Forschungseinrichtung zurückbringen können, doch Mana schien Gefallen an ihm zu finden und so verbrachten sie unter meinen wachsamen Augen einen vergnüglichen Sommer zu dritt.
Oder vielmehr zu viert, verbesserte ich mich in Gedanken. Shuichiros Schwester Haruka hatte in diesem Jahr Kurosu geheiratet und infolgedessen alle Kinder von Oshima nach Tokyo geholt, wo sie den vergangenen Sommer verbracht hatten. Shuichiro hatte seit damals kein Wort mehr darüber verloren, aber die Wut und Enttäuschung darüber, dass sich seine eigene Schwester mit seinem größten Rivalen zusammengetan hatte, war ihm deutlich anzusehen.
„Mana …"
Überrascht blickte ich zur Tür, als ich eine vertraute Stimme vernahm.
„Triton, warum bist du so spät noch auf?" Mana hatte ihm den Kopf zugewandt und blickte den blonden Jungen im Pyjama ebenso erstaunt an wie ich.
„Es ist der Virus, oder?" Seine Stimme klang zögerlich, beinahe ängstlich. Mana entgegnete nichts, sondern sah ihn nur weiterhin stumm an. Ihr Blick wurde traurig. „Diese Flecken kommen von dem Virus in diesem Stein", sprach er nun mutiger weiter. „Vater sagte, er macht die Leute verrückt!"
Ich lächelte unweigerlich bei dem Gedanken, dass er Shuichiro immer noch als seinen Vater bezeichnete. Wahrscheinlich hatte das Wort für ihn als Waisenkind keinerlei Bedeutung und war so gut wie jedes andere auch. Seine nächsten Worte allerdings zeigten mir, dass ich den Jungen gründlich unterschätzt hatte.
„Was hast du mit Shu vor?"
Wie das Schicksal so spielt … Als sich der Moment der Überraschung gelegt hatte, lächelte ich amüsiert. Kurosu hält Mana noch immer für seine unschuldige kleine Tochter, obwohl er ganz genau weiß, dass sie als Eva heranwächst. Selbst seine Frau Haruka, die den ganzen Sommer mit ihr verbracht hatte, war nichts Ungewöhnliches an dem Mädchen aufgefallen. Und nun durchschaut ausgerechnet ein kleiner Junge Evas durchtriebenes Spiel?
Ich beobachtete Mana, wie sie ihre vor Wut zitternden Hände zur Faust ballte. Dann hob sie langsam die Hände und bedeckte damit ihre Augen. Ein Blitz erhellte den Raum und lautes Donnergrollen folgte, während sich ihr Mund zu einem verzweifelten, stummen Schrei öffnete.
Auch wenn ich keinen inneren Drang verspürte, war ich mir bewusst, jetzt eingreifen zu müssen. Ich wollte mich gerade hinter dem Jungen materialisieren, als ein erneuter Donnerschlag die Stille durchbrach und Mana ihre Hände langsam sinken ließ.
„Triton …" Ganz ruhig ging sie auf ihn zu und blieb nur einen Schritt von ihm entfernt stehen. Er sah sie mit vor Schrecken geweiteten Augen an und rührte sich nicht. „Bist du etwa eifersüchtig?"
„Nein!", protestierte er heftig, doch ein erneuter Blitzschlag ließ für eine Sekunde erkennen, dass er rot geworden war. „Das ist es nicht! Ich wollte nur –"
Ohne Vorwarnung packte Mana ihn bei den Schultern und stieß ihn unsanft zu Boden. Wie gelähmt blieb er dort in einer halb sitzenden Position liegen, während Mana vor ihm auf die Knie ging, die obersten beiden Knöpfe seines Pyjamas aufknöpfte und mit einem Zeigefinger genüsslich seine Brust entlangfuhr.
„Ich bin diejenige, die dich wieder ins Leben zurückgeholt hat", sagte sie mit süßer und gleichzeitig drohender Stimme. „Also gehörst du mir. Ich kann mit dir machen, was ich will. Richtig?"
„M-Mana …", stotterte Triton verängstigt und konnte seinen entsetzten Blick immer noch nicht von ihrem süffisant lächelnden Gesicht abwenden.
„Ich werde Shu heiraten", fuhr sie ruhig fort. „Und ich werde es nicht zulassen, dass sich mir jemand in den Weg stellt. Verstanden?"
„Ver… Verstanden", brachte Triton mit zitternder Stimme hervor. Mana nickte zufrieden, ließ dann von ihm ab und ging wieder ans Fenster, wo sie vorher gestanden hatte. Der Junge verharrte noch eine Weile verstört am Boden, bis er sich schließlich aufrappelte und mit zögerlichen Schritten den Raum verließ, ohne Mana aus den Augen zu lassen.
Weitere Minuten vergingen, in denen nur der prasselnde Regen und die Zweige zu hören waren, die der Sturm gegen die Fenster peitschte.
„Mit Triton komme ich zurecht." Manas Worte, die eindeutig an mich gerichtet waren, wurden vom Donnergrollen beinahe vollständig verschluckt. „Ich muss mich jetzt mehr um meinen geliebten Shu kümmern." Sie drehte sich zu mir um und ihre Augen glühten rot in der Dunkelheit. „Du brauchst dich nicht einzumischen, hast du verstanden?"
„Sag mir, wenn du deine Meinung änderst", entgegnete ich knapp und ließ sie allein.
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„Einen fröhlichen Weihnachtsmorgen, Shuichiro!" Ich streckte mich ausgiebig, als wäre ich eben erst aufgewacht, und trat durch die sich von selbst öffnenden Türen des Besprechungszimmers. Es war ein großer Raum mit einem runden Tisch in der Mitte, zu dem ausnahmslos nur die leitenden Forscher eines Sektors der Einrichtung Zugang hatten. Shuichiro war allein und sprang hastig von seinem Stuhl auf, als er mich sah. „Was ist denn so dringend an einem solch besinnlichen Festtag?", fragte ich gutgelaunt, während ich aufmerksam seine Gesichtszüge studierte, die sowohl Ungeduld als auch Bestürzung ausdrückten.
„Du kommst spät. Ich sagte doch, es wäre dringend!"
Ich lachte belustigt auf. „Was ihr Menschen unter dringend versteht, ist nicht ansatzweise von Bedeutung für Da'ath. Glaub mir, Shuichiro, wenn es wirklich dringend wäre, würde ich es als erstes wissen." Meine Kopfschmerzen hatten sich seit jenem Sommer nicht mehr verflüchtigt, doch sie waren auch nicht stärker geworden, weswegen ich mir nur noch wenig Gedanken darum machte. Ich wusste, dass sich Evas instabiler geistiger Zustand nur bessern würde, wenn ihr geliebter Adam herangewachsen und ihr die Liebe entgegen bringen würde, nach der sie verlangte. Das brauchte einfach Zeit.
„Es geht um Scrooge."
Seine Worte schafften es tatsächlich, mich zu erstaunen und gleichzeitig mein Interesse zu wecken. Scrooge und Carol waren seit ihrem Ausbruch auf der Flucht und hatten es tatsächlich geschafft, unterzutauchen und über Monate hinweg unbemerkt zu bleiben. Ich hatte meine Geister zurückgerufen, da sie nur weitere Panik in der Bevölkerung auslösen würden. Es war mir noch immer nicht klar, was Scrooge vorhatte, doch solange er keinen Schaden anrichtete, waren weitere Maßnahmen unnötig. Selbst Segai, ein wirklich aufstrebender und talentierter Kommandant des Militärs, hatte damals versagt, obwohl Present ihm zur Seite gestanden hatte. Solange Yet to Come an Scrooges Seite war, war er wirklich ein ernstzunehmender Gegner.
„Der unrechtmäßige König ist also wieder aufgetaucht?", hakte ich nach und richtete meinen Blick nachdenklich zur Decke. „Interessant. Was wollte er?"
„Er hat gestern Abend Kurosu Ouma aufgesucht. Wir müssen sofort handeln!", forderte er mit Nachdruck.
„Er hat Kurosu am Leben gelassen?"
„Ja."
„Wirklich sehr interessant …", wiederholte ich, während ich an ihm vorbeiging, mich auf einen Stuhl setzte und die Beine übereinanderschlug. „Wir wissen bereits, dass Scrooge an Informationen über Da'ath kommen will und seinen Weg mit den Leichen von Forschungsmitarbeitern dieser Einrichtung pflastert", überlegte ich laut, während Shuichiro ungeduldig an der Tür wartete, als wollte er sofort lossprinten. „Kurosu muss ihn also erfolgreich davon überzeugt haben, dass er nicht mit Da'ath zusammenarbeitet."
„Er hat ihm sicher von unseren Plänen erzählt!", warf er aufgebracht ein. „Und wenn er Rache will, wird sein erstes Ziel Mana Ouma sein!"
Ich schwieg einen Augenblick, dann seufzte ich tief. Shuichiro hatte leider recht. „Wissen wir, wo er sich im Moment aufhält?"
„Ja. Ein Aufklärungsroboter hatte sich nach seinem Besuch bei Kurosu an seine Fersen geheftet. Er befindet sich auf einem Industriegelände in der Innenstadt."
„Gut." Ich stand auf und vergrub meine Hände in den Manteltaschen. „Dann schick das Militär dorthin. Und einen Endlave. Dieses Mal muss der unrechtmäßige König endgültig gestürzt werden."
„Einen Endlave?" Sein Gesicht wurde weiß. „Aber ein Einsatz in der Innenstadt wird große Zerstörung verursachen!"
„Wenn das Militär es nicht schafft, werden Past und Present die Sache zu Ende bringen. Das wird wahre Zerstörung sein", entgegnete ich mit ernstem Blick. Shuichiro schluckte hörbar, dann nickte er.
„In Ordnung, ich gebe gleich die Anweisungen. Und ich werde persönlich Kurosu aufsuchen und ein letztes Mal versuchen, ihn zur Zusammenarbeit zu bewegen." Mit diesen Worten verließ das das Zimmer. Die Tür schloss sich lautlos hinter ihm.
„Soso, du wirst ihm persönlich gegenübertreten", murmelte ich vor mich hin und sah ihm mit einem leichten Lächeln nach. Wenn du schon so verzweifelt bist, musst du wirklich sehr weit von der Herstellung der Macht des Königs entfernt sein, Shuichiro.
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„Wer bist du?"
Aus dem Schatten des verlassenen Universitätsgebäudes heraus beobachtete ich unbemerkt, wie Scrooge unter der Kapuze seines roten Mantels wütend zu Present hochblickte, die amüsiert lachte. Ich war gerade noch rechtzeitig hinzugestoßen, um zu hören, dass Shuichiro, dem Present mit Hilfe ihrer Kristallbildungsfähigkeiten in diesem Moment die Flucht ermöglichte, Kurosu getötet hatte.
So meintest du es also, als du vom „letzten Überredungsversuch" sprachst, Shuichiro, dachte ich nüchtern. Dennoch war ich beinahe etwas enttäuscht darüber, dass mein Spiel mit dem sturen, aber brillanten Wissenschaftler ein solch jähes Ende gefunden hatte.
„Meine Identität?", fragte Present und warf ihre blonden Haare zurück. „Du kennst doch die Antwort bereits, oder nicht? Derjenige, der vor Scrooge auftaucht …" Sie setzte sich schwungvoll auf das Geländer des ersten Stocks und schlug die Beine übereinander. „Der Geist der Weihnacht."
Ich lächelte vergnügt, als ich Present diese Worte sagen hörte. Es war wie ein Wink des Schicksals, dass sich heute – am Weihnachtstag – alle meine drei Geister vor Scrooge versammelten. Doch anders als in der Geschichte würden sie ihn nicht bekehren. Sie würden ihn eliminieren. Doch das tat meinem Glücksgefühl keinen Abbruch.
Ich beobachtete gespannt, wie Present sich Scrooge vorstellte und daraufhin ein kurzer Kampf entbrannte, der mehr eine kleine Demonstration ihrer Fähigkeiten als ein ernsthafter Angriff war. Als Scrooge dann mit Carol nach draußen floh, stellte sich ihm Past in den Weg. Seit sie ihren neuen Kampf-Endlave bekommen hatte, war Past beinahe unbesiegbar: gut gepanzert, unglaublich schnell und wendig und mit gewaltiger Feuerkraft. Eine Tötungsmaschine schlechthin.
„Schaut!" Der riesige rote Endlave wirbelte schnell um die eigene Achse, als würde er ihnen ein neues Kleid zeigen. „Der liebe Weihnachtsmann hat sie mir geschenkt – eine neue Puppe!", frohlockte Past mit ihrer kindlich verzerrten Stimme.
Scrooge sah sich umzingelt und wollte gerade abermals einen Fluchtversuch unternehmen, als alle vier plötzlich wie versteinert inne hielten.
Eine Welle der Angst durchfuhr meinen ganzen Körper und presste alle Luft aus meiner Lunge.
Mein Kopf wollte bersten.
‚Bleib weg von mir, du Monster!'
Kaum hörte ich diese Stimme laut und deutlich in meinem Kopf, zerriss plötzlich ein Schrei die Luft. Die nachfolgende Druckwelle reichte bis zu uns und ließ Scrooge, Carol und Present keuchend nach Luft ringen.
Dann begann Past, Amok zu laufen.
Ziellos schoss sie wild um sich und kreischte dabei wie eine Wahnsinnige, bis sie schließlich wie von Sinnen davonrauschte.
Ich konnte mich sekundenlang nicht bewegen, so heftig hatte mich Evas Gefühlsausbruch getroffen und vollständig gelähmt. So unvorhergesehen hatte sich bisher noch nie etwas ereignet, es warf mich völlig aus der Bahn. Als ich endlich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, obwohl die Stimmen in meinem Kopf immer noch wild durcheinanderschrien, folgte ich meinem Instinkt und teleportierte mich hinter Past her. Ihrer Reaktion nach zu urteilen war sie auf dem schnellsten Weg zu Mana – und dort musste ich auch hin. Ihr immer noch vorhandener Mutterinstinkt war der Grund dafür, weshalb ich sie zu einem Geist für den Schutz Evas gemacht hatte, und spätestens jetzt zahlte es sich aus.
Die klar wahrnehmbare Stimme hatte nicht zu Mana gehört, sondern zu Shu. Wenn wirklich der schlimmste Fall eingetreten war und Evas geliebter Adam sie eben zurückgewiesen hatte …
Schon von Weitem sah ich die brennende Kirche. Wahrscheinlich hatte Evas Gefühlsausbruch das Feuer verursacht, das mit hellen Flammen gierig aus den zerstörten Fenstern züngelte.
‚Es tut mir leid. Es tut mir leid, Shu …'
Am Rande meines Bewusstseins nahm ich wahr, dass Scrooge ebenfalls auf die Kirche zu rannte, jedoch von Past daran gehindert wurde, Mana zu erreichen.
‚Bitte hab keine Angst … Deine große Schwester hat auch Angst!'
Während Manas Stimme in meinem Kopf wiederhallte, Bruchteile von Sekunden bevor die Worte wirklich ausgesprochen wurden, schloss ich die Augen und teleportierte mich geradewegs in den Eingang der Kirche.
Mana stand inmitten einem Meer aus Flammen. Alles brannte lichterloh und der grelle Feuerschein machte es kaum möglich, klare Konturen zu erkennen. Sie streckte flehend die Hände aus und stolperte auf Shu zu, doch dieser wich entsetzt vor ihr zurück.
Es war soweit. Eva hatte die Kontrolle über sich verloren, als ihr geliebter Adam ihre Liebe zurückgewiesen hat. Und hier stand nun das kleine Mädchen Mana, das verängstigt war, um Hilfe flehte und in wenigen Augenblicken von Evas unkontrollierbarer Macht zerstören werden würde. Die Luft knisterte vor Energie, als Mana ihre letzten Worte in die Welt hinausschrie.
„Wenn das so weitergeht, werde ich mich selbst verlieren!"
Kurz bevor die Energiewelle alles im weiten Umkreis in Kristalle zersplittern ließ und Manas Körper sich auflöste, begab ich mich in die Zwischendimension und überließ Eva ihrem Schicksal, das nicht einmal der Wille der Menschheit hatte verhindern können.
