Kampf der Könige
Als ich aus dem Portal heraustrat, erwartete ich, in Shuichiros Büro zu stehen, doch dem war nicht so. Das bekannte Gefühl von Schwerelosigkeit legte sich um mich und verriet mir meinen Standort, noch ehe ich das schwarze Wasser der Styx neben mir wahrnahm.
Und ich wurde bereits erwartet.
„Ich weiß, was geschehen ist."
Es war Hiroki. Seine beiden Hände ruhten auf dem Knauf eines Stocks, der ihm bis zum Bauch reichte, seine eisblauen Augen waren auf mich gerichtet. Sein Gesicht war so ausdruckslos wie immer, was es mir schwer machte, Emotionen daraus abzulesen. „Und ich rate dir, nicht denselben Fehler zu begehen und all deine Hoffnungen wieder auf diesen Jungen zu setzen", sagte er ruhig. „Er hat uns schon einmal enttäuscht, wie du weißt."
„Ich erinnere mich leider noch allzu gut daran", entgegnete ich. „Aber uns gehen die Alternativen aus. Es gibt nicht viele, die Eva als ihren Adam akzeptieren würde. Gai Tsutsugami hat uns ja sogar offen gedroht, sie –"
„Beseitige ihn", fuhr er mir unwirsch ins Wort. „Wir brauchen keine Menschen, die unsere guten Absichten nicht erkennen und unseren Zielen im Weg stehen."
Ich hob erstaunt eine Augenbraue. „Sollten wir nicht dem Willen der Menschheit folgen?"
„Ich bin der Wille der Menschheit!" Er ließ den Stock los, der sich augenblicklich in silberne Stränge auflöste. Sie wirbelten um uns herum, bis sie schließlich in seiner rechten Hand verschwanden. Interessiert bemerkte ich, dass sein Symbol der Macht des Königs einem weißen Baum glich.
So viel zum Thema, dass Da'ath ein Kollektiv sei und es ein Ich nicht gebe, dachte ich still bei mir. Doch da ich verstand, dass aus seinen Worten die Ungeduld und die Besorgnis sprachen, ging ich nicht weiter darauf ein. „Das heißt, ich soll Shu Ouma beseitigen? Trotz seines Void-Genoms?"
„Das habe ich nicht gesagt." Hiroki verschränkte die Arme hinter seinem Rücken und trat ein paar Schritte auf mich zu. „Ich rate dir nur, ihn nicht sofort zum neuen Adam zu ernennen. Soweit ich weiß, kooperierst du derzeit weder mit ihm persönlich, noch mit dem führenden Teil der Regierung, weshalb die Arbeit mit dem Jungen mit erheblichem Aufwand verbunden wäre. Dennoch schadet es natürlich nicht, einen Ersatz zu haben, falls wieder etwas aus den Fugen gerät …" Er wandte sich von mir ab und betrachtete das tiefschwarze Wasser der Styx, das sich träge seinen Weg durch die Unterwelt bahnte. „Lass den Dingen einfach ihren Lauf und beseitige ihn nur, falls er unsere Arbeit behindert."
„In Ordnung", erwiderte ich und nickte. „Doch das ändert nichts daran, dass wir nun keinen Adam mehr für unsere bald wiedergeborene Eva haben."
Ein Lächeln zeichnete sich auf Hirokis faltigem Gesicht ab, als er den Kopf zu mir wandte.
„Wähle selbst eine passende Person aus. Du kannst dann den Stein dafür verwenden, dass Eva deine Entscheidung akzeptiert. Gegen den Stein, der alles begann, ist selbst die egoistischste Eva wehrlos."
„Wenn das so ist …" Ich vergrub grinsend meine Hände in den Manteltaschen, „… dann denke ich, dass ich bereits eine Person habe, die liebend gern den leeren Thron besteigen würde."
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„Es ist uns, wie gesagt, immer noch ein Rätsel, wie es genau passiert ist." Der junge Mann in der weißen GHQ-Uniform rückte seine grüne Mütze zurecht und räusperte sich. Die Situation war ihm denkbar unangenehm. „Aber es sieht alles danach aus, als ob Major Guin die Laserwaffen vorschriftsmäßig auf den Anführer der Terroristengruppe abgefeuert hat. Diese schienen jedoch von irgendetwas reflektiert worden zu sein, woraufhin die ganze dritte Antibodies-Einheit …" Er stockte und räusperte sich erneut, bevor er fortfuhr. „… fast völlig ausgelöscht wurde. Bis auf den zweiten Leutnant Daryl Yan haben nur eine Handvoll weiterer –"
„Was ist mit dem gestohlenen Genom?", unterbrach ihn Shuichiro tonlos. Er stand mit dem Rücken zur Tür und blickte aus dem Fenster, das sich am Ende des sehr schmalen Raumes befand.
„Gai Tsutsugami hat behauptet, er wisse nichts davon."
„Natürlich …" Es folgten einige Momente des Schweigens. „Ich nehme ferner an, dass niemand von den Terroristen verhaftet wurde?"
„Zu meinem Bedauern, Chef."
„Ich verstehe. Sie können gehen, Rowan."
Statt dem Befehl nachzukommen, blieb der junge Mann zu meiner großen Überraschung an Ort und Stelle stehen. Nervös rückte er seine Brille zurecht, die ihm von der Nase gerutscht war, und schluckte krampfhaft, bis er schließlich den Mut für seine nächsten Worte gefunden zu haben schien.
„Es gäbe da noch etwas, Chef …", begann er zögerlich. Obwohl Shuichiro sich noch immer nicht umdrehte und auch sonst keine Anstalten machte, etwas zu erwidern, sprach Rowan weiter, als wollte er es schnell hinter sich bringen. „Sie werden gebeten, sich in 20 Minuten im Konferenzraum einzufinden. General Yan möchte mit Ihnen sprechen."
Eine peinliche Stille folgte diesen Worten. Der junge Mann sah sich immer wieder nervös zur Tür um, wagte es aber nicht, den Raum zu verlassen, ohne von Shuichiro entlassen worden zu sein. Schließlich erlöste dieser ihn von seinem inneren Zwiespalt.
„Sie können gehen", sagte er kurz angebunden.
Rowan ließ sich das nicht zweimal sagen und verließ zügig den Raum.
Ich wartete noch einige Augenblicke, um auch sicherzugehen, dass wir nicht sofort wieder gestört wurden, dann materialisierte ich mich und schlenderte auf ihn zu. „Es sieht ganz so aus, als wäre während meiner kurzen Abwesenheit viel passiert. Hast du dir etwa Ärger eingehandelt, Shuichiro? Du weißt doch, dass –"
Ein dumpfes Geräusch ertönte, als Shuichiro mit aller Kraft gegen die Wand schlug.
„Dieses verdammte Balg!", brüllte er. Ich sah seine Faust an der Wand zittern. „Ich wollte ihn damals zu Adam machen – er ist geflohen. Du hast ihm diese Ehre erneut angeboten – er hat abgelehnt. Und jetzt bestiehlt er mich nicht nur, nein …" Seine Stimme wirkte gepresst, als kostete es ihn alle Kraft der Welt, einigermaßen ruhig zu bleiben. „Er tötet meine Leute! Er will meine Arbeit zunichtemachen, mich demütigen!"
Er drehte sich langsam zu mir um, wobei er seine Faust immer noch an die Wand presste. Sein Gesicht war zu einer furchteinflößenden Grimasse verzerrt. Jeder Muskel zuckte regelrecht vor unterdrückter Wut. In all den vielen Jahren hatte ich ihn noch nie so außer sich gesehen, was mich umso mehr erstaunte, da ich ihn als stoischen Mann kannte, der zu jeder Zeit seine Fassung bewahrte. Seine Augen bohrten sich bei seinen nächsten Worten tief in die meinen.
„Ich erbitte offiziell die Erlaubnis von Da'ath, diesen Bastard Gai Tsutsugami ein für alle Mal von diesem Planeten zu tilgen!"
Ich hob überrascht die Augenbrauen. Shuichiro war der Mensch auf Erden, der die tiefsten Einblicke in die natürliche Selektion und Evolution hatte, der mit Da'ath zusammenarbeitete und die größte Macht überhaupt an sich reißen könnte – und dennoch wünschte er sich nun nichts sehnlicher, als eine einzige kümmerliche Seele zu vernichten?
Menschen und ihr Stolz. Ich seufzte innerlich. Wenn der Virus sie nicht vernichten würde, täte dies über kurz oder lang sicher ihr falscher Stolz. Immerhin konnte ich mir nun endlich vorstellen, wie es damals dazu hatte kommen können, dass er Kurosu ermordete. Wenn dieser ebenfalls ihn oder seine Arbeit kritisiert und ihn damit so wütend gemacht hatte …
Ich lächelte, nachdem sich meine Überraschung wieder gelegt hatte, und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Gai Tsutsugami ist Da'ath nicht mehr von Nutzen, du kannst also mit ihm machen, was du willst."
„Gut." Seine Gesichtszüge entspannten sich etwas, sein Blick blieb jedoch nach wie vor tödlich.
„Und jetzt erzähl mir, was überhaupt passiert ist", forderte ich ihn auf.
„Inori Yuzuriha." Er wandte sich wieder von mir ab und starrte aus dem Fenster, während er weitersprach. „Gai hat dem Mädchen, das wir aus Manas DNA erschaffen haben, diesen Namen gegeben und sie anscheinend in seine Terroristengruppe namens Funeral Parlor integriert."
Inori – Gebet, kam es mir sofort in den Sinn. Um was wohl Gai Tsutsugami bei den Göttern bittet?
„Und eben jenes Mädchen ist vorletzte Nacht hier eingebrochen und hat eines der verbliebenen Void-Genome gestohlen."
„Gai schickt ausgerechnet dieses Mädchen hierher?", fragte ich aufrichtig verblüfft. „Das Mädchen, von dem er ganz genau weiß, dass wir es für unsere Pläne brauchen?"
„Ganz recht." Shuichiro ballte seine Hände zu Fäusten, blieb ansonsten aber ruhig. „Er verhöhnt uns. Und jetzt hat er auch noch das Void-Genom, mit dessen Kraft er meine dritte Einheit vernichtet hat. Anders ist dieses seltsame Verhalten unserer Laser nicht zu erklären."
„Das ist nicht ganz richtig", widersprach ich und teleportierte mich in die gegenüberliegende obere Zimmerecke, da ich es leid war, mit Shuichiros Rücken zu reden. Er blickte überrascht zu mir hoch. „Ich konnte beobachten, wie Shu Ouma das Void des Mädchens benutzt hat, um ein paar Endlave zu zerstören."
Shuichiro riss die Augen weit auf, ehe er schließlich nachdenklich zu Boden blickte. „Kurosus Balg. Es ist also noch nicht zu Ende …" Es vergingen einige schweigsame Sekunden, bevor er weitersprach. „Das heißt, dass dieser Junge Gai geholfen hat und ebenfalls Funeral Parlor beigetreten ist."
„Wahrscheinlich."
„Und er ist Evas neuer Adam, nehme ich an."
Ich verschränkte die Arme hinter dem Kopf und schlug meine Beine übereinander. Ich hatte mir bereits darüber Gedanken gemacht, inwieweit ich Shuichiro über Da'aths Pläne informieren sollte, und kam zu dem Entschluss, ihm nicht mehr mitzuteilen als unbedingt nötig. „Da'ath hat noch Hoffnung für den Jungen, weshalb du dazu aufgefordert bist, ihm nichts anzutun. Ich werde mich persönlich um ihn kümmern, wenn ich es für nötig erachte, verstanden?" Shuichiro warf mir einen kurzen Blick zu, ehe er stumm nickte. „Darüber hinaus haben wir beschlossen, einen neuen Adam für Mana zu wählen. Jemanden, mit dem Mana nicht unbedingt einverstanden ist."
„Wie soll das möglich sein?", fragte er stirnrunzelnd.
„Das ist im Moment nicht von Belang", entgegnete ich nüchtern. „Viel wichtiger ist …" Ich streckte meine rechte Hand aus, über der sich ein rot glänzender Apfel materialisierte, den ich geschickt auffing. „Bist du bereit, Evas neuer Adam zu werden und als König ewig an ihrer Seite zu bleiben, Shuichiro Keido?"
Jeder andere hätte ungläubig nachgehakt, ob ich das ernst meine, oder hätte zumindest über seine Entscheidung nachgedacht.
Nicht so Shuichiro.
Ich war mir sicher, dass er schon oft an die Möglichkeit gedacht hatte, sich selbst als Kandidat ins Spiel zu bringen, und rechnete es ihm umso höher an, es nicht getan zu haben. Ehrgeiz für das Erreichen der Ziele von Da'ath zu entwickeln, ist äußerst hilfreich, Ehrgeiz für das Erreichen eigener Ziele hingegen hinderlich, weswegen ich die Zusammenarbeit mit ihm sofort beendet hätte. Natürlich verfolgte er als Wissenschaftler und nicht zuletzt als Privatperson auch eigene Ziele, die allerdings konform mit den unsrigen waren. Und bisher hatte er Da'ath noch keinen einzigen Grund geliefert, an seiner Loyalität zu zweifeln, was – neben seinem großen Einfluss in Japans Politik – ihn zu einem mehr als geeigneten Kandidaten machte.
Die Begierde war klar aus seinem Gesicht abzulesen, während er die Augen nicht von dem Apfel abwandte, der langsam auf ihn zuschwebte und schließlich zwischen uns in der Luft stoppte.
„Ich bin dazu bereit", sagte er mit heiserer Stimme und streckte die Hand nach der Frucht aus. Ehe er sie berühren konnte, ließ ich sie sich wieder auflösen. Feine silberne Stränge wirbelten einige Sekunden lang um Shuichiros rechten Unterarm, als ob sie seine Eignung als König überprüfen wollten, dann kehrten sie in meine rechte Hand zurück. Er würde die wahre Macht des Königs erst in der Unterwelt erhalten, sobald er seinen Auftrag als Adam erfüllt hätte.
„Sehr gut", erwiderte ich lächelnd. „Wir haben noch einiges zu besprechen, aber das kann alles warten. Am wichtigsten ist es, dass die Verbindung zum Kokytos so bald wie möglich fertiggestellt wird, damit unsere Königin bald erwachen kann."
Shuichiro starrte immer noch geistesabwesend auf die Stelle, an der der Apfel sich aufgelöst hatte. Ich wollte mich gerade wiederholen, da ich mir nicht sicher war, ob er mich überhaupt verstanden hatte, als er sich räusperte und den Blick zu mir hob.
„Ich arbeite derzeit an der letzten Kalibrierung, es dauert also nicht mehr lang." Ich nickte zufrieden, während er einen Blick auf seine Armbanduhr warf. „Und nun entschuldige mich bitte, falls das im Moment alles war. Der General erwartet mich."
Als er sich umwandte, teleportierte ich mich neben die Tür und lehnte mich an die Wand, während er auf mich zutrat. „Du musst Rechenschaft für das Versagen deiner Leute ablegen? Wie lästig", erwiderte ich entspannt.
„In der Tat", antwortete er kühl. „Doch ich werde meinen besten Mann auf Funeral Parlor ansetzen. Und während Gai von ihm gejagt wird, nehme ich seinen Platz als König ein – ich kann mich also nicht beschweren. Segai jagt seine Beute so lange, bis er sie in blutige Fetzen zerrissen hat."
„Segai?", hakte ich nach und hob erstaunt eine Augenbraue. „Ist das nicht der Mann, der damals Scrooge nicht aufhalten konnte?"
Shuichiro blieb neben mir stehen und wandte mir den Kopf zu. Seine Miene war ernst. „Er hat sich verändert. Seit diesem Vorfall damals scheint er besessen von Voids zu sein, was einer der Gründe dafür ist, dass er sich den Antibodies angeschlossen hat. Auf ihn ist Verlass, solange er die Belohnung erhält, die er verlangt."
„Loyale Untergebene sind etwas Kostbares", erwiderte ich süffisant lächelnd, „also erhalte sie dir so lange wie möglich. Sie werden uns noch von Nutzen sein." Shuichiro nickte und trat durch die sich öffnende Tür. „Ach und Shuichiro …" Meine Worte ließen ihn nochmals innehalten. „Versagen ist dieses Mal keine Option."
Er sah sich nicht um und erwiderte auch nichts. Er stand nur einen Augenblick lang bewegungslos in der Tür, bevor er schließlich weiterging.
Ich sah ihm lange nach.
Er hatte mich verstanden.
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„Was zum Teufel ist bei Ihnen los, Keido?!" Die tiefe Männerstimme klang außer sich vor Zorn. „Ist es etwa wahr, dass bekannte Terroristen einen Satelliten von Leukocyte zerstört und damit dessen Fertigstellung verhindert haben?!"
„Ich habe selbst gerade eben erst diese schreckliche Nachricht erhalten, General Yan", antwortete Shuichiro ruhig. „Ich bin erzürnt über die Dreistigkeit von –"
„Die Fertigstellung des Leukocyte unterlag Ihrem Kommando!", brüllte der Mann weiter.
„Das ist soweit korrekt."
Ich genoss dieses kleine Schauspiel in vollen Zügen, wusste ich doch genau, dass Shuichiro innerlich ebenso ruhig war, wie er sich nach außen hin zeigte. Nur wenige Personen konnten ihn noch aus der Fassung bringen – Personen, die ihn übertrumpfen oder seine Arbeit zunichtemachen wollten. Sein Vorgesetzter gehörte definitiv nicht dazu.
„Und wie wollen Sie sich für diese Schande verantworten?!"
„Bei allem Respekt, General Yan, aber ich habe meinen Teil des Befehls ausgeführt", fuhr Shuichiro sachlich fort. „Der Test des Leukocytes war ein voller Erfolg. Mit nur 3% Output betrug die Zerstörungsrate 110% bei einer Zielungenauigkeit von 0,7m. Vor weniger als einer Stunde wäre der Leukocyte-Käfig fertiggestellt gewesen. Major Segai war indes für die Verteidigung der Einrichtung und speziell für den Kontrollraum des Leukocytes verantwortlich."
„Segai wurde auf Ihre Empfehlung hin damit betraut!"
„Es ist zutiefst bedauerlich, dass er die an ihn gerichteten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Allerdings trage ich nicht die Verantwortung für sein Versagen, immerhin haben Sie ihm diese Aufgabe übertragen."
Ziemlich frech, Shuichiro! Beinahe hätte ich laut aufgelacht, so amüsant fand ich seinen dreisten Vorwurf. Ich hätte ohne großen Aufwand um das Hologramm herumgehen und den Mann auf dem einzig leuchtenden Bildschirm des Konferenzraums aus dem Schatten heraus betrachten können, doch ich begnügte mich mit Lauschen. Nur allzu deutlich konnte ich mir in der nachfolgenden Stille das vor Wut rot angelaufenes Gesicht des Generals vorstellen, der Shuichiro mit tödlichen Blicken förmlich durchbohrte.
„Ich werde die Einheit der Antibodies auflösen", konnte ich seine gepresste Stimme hören. „Ein solches Scheitern kann ich nicht dulden. Und über Ihre Aufgabe sprechen wir noch, Keido. Das wird ein Nachspiel haben, das schwöre ich Ihnen."
Das Leuchten des Bildschirms verschwand. Die Konferenz war beendet.
Auf Shuichiros Gesicht stahl sich ein süffisantes Lächeln. „Und wie das ein Nachspiel haben wird", murmelte er, dann sah er nach oben, wo ich mich materialisiert hatte. Kopfüber schwebte ich an der Decke und sah zu ihm hinab. „Der Raum ist fertig", verkündete er knapp.
Ich lächelte, da ich es bereits gespürt hatte. „Ich danke dir, Shuichiro. Der Kokytos ist erzittert. Sie sollte nun jederzeit aufwachen und sich auf die Suche begeben. Auf die Suche nach ihrem geliebten König …"
Shuichiro hob eine Augenbraue. „Und wie wird sie mich finden?"
Ich lachte laut auf. „Es wird langsam Zeit, alle losen Enden zu verbinden, findest du nicht auch? Der Stein, der alles begann …"
Shuichiros Augen blitzen verständnisvoll auf. „… wird auch alles beenden …"
