Coup d'État

„Mit allem Verlaub, Chef, aber welchen Vorteil bringt es, Kurosu Oumas Zugangskarte zu benutzen und nicht Ihre eigene?"

Shuichiro wollte gerade antworten, als ihm jemand zuvorkam.

„Das liegt doch auf der Hand, Rowan." Ein Mann, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, löste sich für einen kurzen Augenblick von seinem roten Mobilfunkgerät und wandte sich dem jungen Soldaten neben ihm zu. Er hatte violette Haare und trug die übliche GHQ-Uniform, die mit einigen roten Akzenten und goldenen Knöpfen versehen war. „Wenn er die Einrichtung mit seiner eigenen Zugangskarte betritt, wird man davon ausgehen, dass er das Objekt für Forschungszwecke benötigt", erklärte er ruhig. „Wenn aber ein Geist in die Einrichtung einbricht und das Objekt stiehlt, ist der Aufruhr groß. Ist es nicht das, was Sie beabsichtigen, Chief Keido?" Lächelnd wandte er sich Shuichiro zu, der daraufhin nickte.

„So ist es. Ich werde den Stein, der alles begann, sicher ins GHQ-Hauptquartier bringen und ihn dann General Yan übergeben, der ihn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ins Ausland schaffen wollen wird." Shuichiro machte ein abfälliges Geräusch. „Er ist ein wirklich ehrgeiziger Mann, unser General. Und eben jener Ehrgeiz wird ihn zu Fall bringen."

„Aber wird der General Sie für den Diebstahl nicht verhaften lassen?", hakte Rowan nach.

„Wahrscheinlich." Auf Shuichiros Gesicht breitete sich ein Grinsen aus. „Doch dafür habe ich ja Sie beide – und natürlich meine anderen loyalen Antibodies, die sicherlich ebenso unzufrieden mit der derzeitigen Lage sind wie ich."

„Sie sagten bereits, dass es sich bei dem Objekt um den Stein handelt, der alles begann", erwiderte Rowan zögerlich, „und dass Sie ihn als biologische Waffe einsetzen wollen. Aber gegen wen? Und wo?"

„Eine Ihnen bereits bekannte Terroristengruppe hat es ebenfalls auf den Stein abgesehen: Funeral Parlor", antwortete Shuichiro ruhig und der Mann mit den violetten Haaren, der sich inzwischen wieder seinem Mobilfunkgerät gewidmet hatte, sah interessiert hoch.

„Tsutsugami Gai", zischte er mit funkelnden Augen. Eines davon schien mechanisch zu sein. „Sie wollen ihm also eine Falle stellen?"

„Sie haben wie immer eine hervorragende Auffassungsgabe, Major Segai."

Ich horchte bei diesen Worten auf.

Das ist also der berüchtigte Segai, der damals Scrooge nicht hatte fassen und bisher noch nicht einmal Gai Tsutsugami zur Strecke hatte bringen können? Es überrascht mich, dass Shuichiro ihn für fähig genug hält, seinen Plan korrekt ausführen zu können …

„Wie ich Gai Tsutsugami kenne, wird er es auf alle Fälle verhindern wollen, dass der Stein das Land verlässt, und daher an dem Ort angreifen, an dem unsere Verteidigung am niedrigsten ist: am Flughafen", fuhr Shuichiro fort. „Ich würde daher Sie bitten, Major Segai, die Aktivierung der biologischen Waffe dort selbst vorzunehmen, falls ich nicht zugegen sein kann. Ich werde Ihnen alle nötigen Informationen darüber rechtzeitig zukommen lassen. Natürlich werde ich dafür sorgen, dass alle Mitglieder der Antibodies zuvor mit ausreichend Impfstoff versorgt werden."

„Wird dann nicht der General … auch zugegen sein …?", fragte Rowan stotternd nach. Als Shuichiro nur stumm lächelte, schluckte er krampfhaft, ehe er nach kurzem Schweigen wieder etwas herausbrachte. „Reden wir hier also … von einem Coup d'État?", fragte er heiser, als Segai plötzlich laut auflachte und sein Mobilfunkgerät zuklappte. Ein Klingeln war zu hören, das von einer kleinen schwarz-weißen Puppe kam, die daran befestigt war.

„Ein Putsch!", rief er hellauf begeistert und klopfte dem Soldaten mit der grünen Mütze auf den Rücken, der daraufhin heftig zusammenzuckte. „Nur nicht so zögerlich, Rowan! Bald gehören Sie zur obersten Riege, wenn der neue König gekrönt wird!"

Ich blickte zu Shuichiro, der süffisant lächelte. Der Vergleich gefiel ihm natürlich sehr. Es war geschickt von ihm, seine Untergebenen in dem Glauben zu lassen, sie würden durch den Impfstoff der drohenden Apokalypse entgehen. Wahrscheinlich würde die Anregung des Steins durch künstlich geschaffene Resonanzen sie tatsächlich vorerst vor der Kristallisierung bewahren, aber spätestens nach Manas Wiedergeburt könnten auch sie nicht länger der natürlichen Selektion Widerstand leisten.

„Ich bin mir natürlich im Klaren darüber, was ich hier von Ihnen beiden verlange", sprach Shuichiro gelassen weiter. „Und ich werde es Ihnen nicht verübeln, wenn Sie mein Angebot ablehnen. Es werden sich hieraus keinerlei Nachteile für Sie ergeben, ich zähle ausschließlich auf Ihre Diskretion in dieser Sache."

„Auf mich können Sie zählen", erwiderte Segai sofort, nachdem Shuichiro geendet hatte. „Das Vorhaben ist ganz nach meinem Geschmack und sofern die Belohnung stimmt …" Er legte den Kopf schief und fixierte Shuichiro, der leicht nickte.

„Ich bin sicher, wir werden uns einig."

„Ausgezeichnet." Er klopfte Rowan auf die Schulter. „Ich denke, Daryl wird sich uns auch anschließen. Vielleicht will er seinen alten Herrn sogar selbst beseitigen. Wie ich hörte, ist er nicht besonders gut auf ihn zu sprechen."

Rowan schielte zu ihm hoch. Er wirkte besorgt, erwiderte aber nichts.

„Kann ich auch auf Sie zählen, Rowan?", hakte Shuichiro nach. Dieser zögerte kurz, nickte dann aber entschlossen.

„Das können Sie, Chef."

„Sehr gut", bemerkte Shuichiro zufrieden. „Dann dürfen Sie jetzt gehen, Rowan." Er wartete, bis sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, dann wandte er sich Segai zu. „Für Sie habe ich einen speziellen Auftrag."

„Ich bin ganz Ohr", entgegnete er lächelnd und schob sein Mobilfunkgerät in seine Manteltasche.

„Es besteht die Chance, dass Gai Tsutsugami besonders intensiv auf die Genomresonanz reagiert, sobald diese beginnt. Ich möchte daher, dass Sie persönlich dafür sorgen, dass er sich seines Scheiterns bewusst wird, bevor ihn das Zeitliche segnet."

„Hegen Sie etwa einen besonderen Groll gegen diesen Mann?" Segai lachte leise, während Shuichiros Miene eisern blieb. „Aber wie Sie wünschen", lenkte er schließlich ein. „Ich werde mich darum kümmern."

„Nachdem Funeral Parlor sowie der General ausgeschaltet sind und ich zu Ihnen gestoßen bin, werden Sie mich und den Stein nach Roppongi begleiten", fuhr er fort. Seine dunklen Augen begannen gierig zu glänzen. „Dort wird dann das wahre Lost Christmas stattfinden."

Segai hob überrascht die Augenbrauen, was mich sein künstliches linkes Auge noch deutlicher erkennen ließ. Wenn ich mich richtig erinnerte, hatte er es damals im Kampf gegen Scrooge verloren.

„Das ist also Ihr wahres Ziel. Gai Tsutsugami und General Yan sind nur unbedeutende Bauern auf ihrem Weg zum König? Sehr amüsant."

„Nicht so unbedeutend, wie Sie vielleicht meinen", widersprach Shuichiro. „Außerdem gibt es noch keinen König – ich bin auf dem Weg zur Dame", fügte er leicht lächelnd hinzu, als er kurz darauf die Arme vor dem Oberkörper verschränkte und ihn mit wieder ernster Miene fixierte. „Das war alles. Nennen Sie mir nun Ihren Preis, Major Segai."

Der Angesprochene seufzte theatralisch und holte sein Mobilfunkgerät wieder aus seiner Tasche. Mit einer kleinen Bewegung seines Daumens ließ er es aufschnappen. Die Figur daran klingelte leise. „Ein Mann wie ich verlangt nicht viel für Arbeit, die ihm Vergnügen bereitet." Er drückte einige Tasten, während er zu Shuichiro aufblickte, ohne seinen Kopf zu heben. „Ich begnüge mich mit Informationen, die gerade Sie mir als Wissenschaftler mit Leichtigkeit beschaffen können."

„Was für Informationen?"

„Informationen über Voids", spezifizierte Segai. Ein seliges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Bilder von Voids, Auskünfte über ihre Extrahierung, Daten zum Void-Genom, Fakten über den Apokalypse-Virus … Einfach alles, was damit zusammenhängt."

„Einverstanden", willigte Shuichiro ohne Umschweife ein.

Segai lächelte zufrieden. „Dann auf gute Zusammenarbeit, Chief Keido." Er deutete eine Verbeugung an, dann verließ er schlendernd Raum.

Während Shuichiro noch auf die geschlossene Tür starrte, materialisierte ich mich neben ihm.

„Ich hoffe stark, dass du weißt, was du tust. Auf mich macht er keinen besonders vertrauenswürdigen Eindruck", teilte ich ihm gelangweilt mit.

„Du bist dir sicher, dass Gai Tsutsugami heute Nacht den Stein stehlen will?", fragte er, ohne auf meine Worte einzugehen.

Ich nickte nur stumm. Vor nicht einmal einer Stunde hatte ich Gais Worte klar in meinen Gedanken vernommen und sie Shuichiro sofort mitgeteilt. Da Gai unmöglich etwas von unserem Vorhaben mitbekommen haben konnte, verfolgte er wohl eigene Ziele mit dem Stein, der alles begann. Und wie auch immer diese aussahen, sie liefen dem Willen der Menschheit anscheinend zuwider.

„Was hast du jetzt vor?", erkundigte ich mich, auch wenn ich die Antwort bereits kannte.

„Ich mache mich auf den Weg nach Oshima und werde Gai zuvorkommen." Ein genüssliches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, das ich nicht erwartet hatte, als er sich ebenfalls anschickte, den Raum zu verlassen. „Und ich werde ihn genauso zum Narren halten wie er mich damals. Ich werde ihm eine Nachricht hinterlassen, damit er ganz genau weiß, dass ich es war."

. . .

. . .

„Ich habe gehört, dass ein Geist aufgetaucht ist."

Der weißhaarige Mann in der beigen Uniform schob mit einer kleinen Handbewegung ein holographisches Foto über den Tisch, an dessen anderer Seite Shuichiro stand. Dieser senkte seinen Blick und starrte lange darauf. Der Mann stützte seine Ellbogen auf den Tisch und verschränkte seine Hände, während er Shuichiro aufmerksam musterte. „Jemand hat die Forschungseinrichtung in Oshima mit Dr. Kurosu Oumas ID betreten."

Shuichiro verzog keine Miene und starrte weiterhin stumm auf das Bild, das ein leeres Behältnis in einem kleinen Raum zeigte, während Haruka, die hinter ihm stand, die Augen vor Entsetzen weit aufriss. Man konnte es ihr nicht verübeln, hatte sie doch gerade erfahren, dass jemand die Identität ihres längst verstorbenen Gatten gestohlen hatte, um ein Verbrechen zu begehen.

„Dr. Shuichiro Keido", sprach der Mann weiter, „Sie waren einst sein Arbeitskollege. Können Sie mir eine Erklärung dafür liefern?"

„Nein, kann ich nicht", antwortete er nach einem kurzen Moment der Stille. „Jedenfalls im Moment nicht", fügte er hinzu. „Zwei ehrgeizige Männer, wie wir es sind, sollten sich besser nicht vor dem Fußvolk über solch brisante Themen unterhalten, finden Sie nicht auch?" Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

„Was soll das heißen?", begehrte Haruka auf. „Willst du damit etwa andeuten, dass du wirklich …?!"

„Lassen Sie uns allein, Dr. Ouma", wies der General sie augenblicklich an.

Sie starrte noch einige lange Sekunden erzürnt auf Shuichiros Hinterkopf, bis sie sich schließlich umwandte und den Raum entlang der Wache stehenden Soldaten verließ.

„Meine Sekretärin hier ist vertrauenswürdig, ebenso wie meine Soldaten", fügte er mit einer deutenden Handbewegung auf die junge Frau schräg hinter ihm hinzu, nachdem er sich entspannt in seinen Stuhl zurückgelehnt hatte. „Und nun verraten Sie mir endlich, was Sie mit dem Stein vorhaben."

Shuichiro verschränkte die Arme hinter dem Rücken und sah lächelnd auf seinen Vorgesetzten herab. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass diverse Nationen der UN eine hohe Summe für den Stein, der alles begann, zahlen würden."

„Jemanden wie Sie verlangt es nach Geld?", hakte er ungläubig nach, zeigte aber keineswegs Erstaunen über die Tatsache, dass Shuichiro seinen Diebstahl zugab.

„Eher nach der Macht und dem Einfluss, den ich mir damit im Ausland erwerben werde", antwortete er unbekümmert. „Besonders das Weiße Haus war äußerst angetan von meinem Angebot."

Der General hielt einen Augenblick lang inne, ehe er aufstand und ihn nun auf Augenhöhe gründlich musterte. „Das ist Landesverrat. Warum erzählen Sie mir das alles, Keido?"

„Weil ich ein ehrgeiziger Mann bin, dessen Mittel beschränkt sind. Ihnen hingegen stehen alle Wege offen. Ich dachte, ich hätte einen Mann gefunden, dessen Ehrgeiz dem meinen gleichkäme. Oder habe ich mich etwa in Ihnen getäuscht, General Yan?"

„Wo ist der Stein?", fragte er, ohne zu antworten.

„Kooperieren wir also?"

„Ich kooperiere mit niemandem, der nur blufft."

Sie starrte sich eine Weile schweigend an. Schließlich neigte Shuichiro den Kopf.

„Ich habe ihn mitgebracht. Zimmer A517. Zugangscode 0122."

„Sofort überprüfen!", bellte der General quer durch den Raum und der Soldat, der am nächsten an der Tür war, stürmte augenblicklich hinaus. Es dauerte nicht lange, bis er mit einem metallenen Zylinder in den Händen zurückkehrte.

„Das konnte ich in dem Raum finden, General Yan!" Er legte den Zylinder vorsichtig auf dem Tisch ab, salutierte dann und gliederte sich wieder in die Reihe der Soldaten ein, die sich jeweils an den gegenüberliegenden Zimmerwänden postiert hatten.

„Das ist der Stein, der alles begann", sagte Shuichiro ruhig, während er sich vorbeugte und einen verborgenen Mechanismus betätigte. Der Zylinder gab ein zischendes Geräusch von sich, als Shuichiro ihn aufschob. In seinem Inneren befand sich eine Glasröhre, in der ein violetter Kristall lag.

Ich lächelte bei dem Anblick des mir nur allzu bekannten Objekts. Es kam mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich den Stein in diese Welt gebracht hatte, damit er seinen Zweck erfüllte.

„Er ist es also wirklich." Der General starrte eine Weile auf den Glaszylinder, dann hob er seinen Blick wieder und fixierte Shuichiro mit ausdrucksloser Miene. „Sie sind ein jämmerlicher Dieb und Landesverräter, Keido. Nehmt ihn fest!", wies er die Soldaten an, die sich daraufhin geschlossen um Shuichiro drängten und ihm Handschellen anlegten. Er ließ es kommentarlos über sich ergehen. „Und jetzt schafft mir diesen Verräter aus den Augen", fügte er unwirsch hinzu und setzte sich wieder.

Den ganzen Weg nach draußen sprach Shuichiro keine einziges Wort und bewahrte zudem eine steinerne Miene. Ich wusste, wie schwer ihm es fallen musste, ein breites Grinsen zu unterdrücken.

Nachdem die Soldaten ihn hinauseskortiert hatten, trat die junge Frau an die Seite des Generals, die bisher nur eine stumme Beobachterin gewesen war.

„Was hast du jetzt vor?", fragte sie und beugte sich zu ihm hinab. „Willst du den Stein wieder in die Einrichtung bringen lassen?"

„Nein", entgegnete er. „Ich werde den Stein außer Landes schaffen. Ich habe gar keine andere Wahl, immerhin ist er hier in Japan ja anscheinend nicht mehr sicher, nicht wahr?"

Die Frau hatte zuerst erstaunt die Augenbrauen gehoben, lachte dann jedoch laut auf, als sie sein süffisantes Lächeln wahrnahm. „Ganz recht", pflichtete sie ihm bei. „Der Stein muss ins Ausland – zu unser aller Sicherheit natürlich." Sie schlang ihre Arme von hinten um seinen Oberkörper und schmiegte sich an ihn. „Ich liebe ehrgeizige Männer, die ihren Ruhm nicht teilen wollen …"

Mit einem letzten Blick auf das durchtriebene Pärchen verschwand ich.

Shuichiro würde zufrieden sein.

Es verlief alles nach Plan.

. . .

. . .

„Was hast du dir nur dabei gedacht?!"

Obwohl ich weit entfernt hinter einer Glasscheibe saß, drang Haruka Oumas erzürnte Stimme laut und deutlich an meine Ohren, als ich meinen Blick auf den Hubschrauber-Landeplatz schräg unter mir richtete. Der junge Soldat namens Rowan hatte Mühe damit, die aufgebrachte Wissenschaftlerin davon abzuhalten, auf ihren Bruder loszustürmen, während dieser ungerührt mit dem Rücken zu ihr stand und auf die Stadt zu seinen Füßen hinabblickte. Eine große Anzahl bewaffneter Soldaten sicherten den Platz und den Helikopter, der Shuichiro gerade eben von der Verwahranstalt im GHQ-Hauptgebäude zum Flughafen Haneda gebracht hatte.

„Die Zukunft der Menschheit", sagte er ruhig, während die künstlich erzeugte Resonanz vom Sendeturm des Gebäudes aus weit über die ganze Stadt strahlte, den Himmel verdunkelte und die Luft erzittern ließ. Dann streckte er beide Arme nach oben, als ob er die Apokalypse freudig empfangen würde. „Also, lasst uns beginnen … Lasst uns beenden, was wir an jenem Tag begonnen haben – an dem Weihnachten, das wir verloren haben!"

Ich lächelte bei diesen Worten. Da er noch einige Zeit brauchen würde, um seine Angelegenheiten hier zu regeln und den Stein anschließend nach Roppongi zu bringen, konnte ich mir Zeit lassen. Ich beobachtete von meiner hohen Sitzposition aus interessiert die violetten Kristallsplitter, die durch die Resonanz angeregt durch die Luft schwirrten und zum Himmel aufstiegen. Jedes kleinste Kristallteilchen stammte von einem Menschen, der, an keine fleischliche Hülle mehr gebunden, nunmehr gänzlich zu einer Erinnerung geworden war. Violette Energiewellen pulsierten immer heftiger über den dunklen Himmel und ließen mich Manas Drang, endlich aufzuwachen und in dieser Welt wieder Gestalt anzunehmen, förmlich körperlich spüren.

Es war ein Spektakel sondergleichen, das Shuichiro nur dafür inszeniert hatte, sich an der Schönheit des Weltuntergangs zu ergötzen.

„Also wirklich, Shuichiro …", murmelte ich vergnügt, während der schwarz-violette Himmel sich unaufhaltsam bis zum hellblauen Horizont ausbreitete und ihn allmählich verschluckte. „Du bist doch alt genug, um es besser zu wissen. Du bist so unterhaltsam wie eh und je."