AN: Sorry, dass es so lange gedauert hat! Teil 8 ist fast fertig, also haltet eure Augen offen! Ich hoffe wie immer, dass es euch gefällt, bitte schreibt mir doch ne Review! Anonsten: genießt es ;)
Storm war ein wunderschöner hellbrauner Trakehnerwallach, der eine weiße Blesse sowie einen weißen Hinterhuf hatte. Die Augen zeigten einen sanften Charakter und die Ohren hatte er neugierig aufgestellt. Er streckte sich, denn auch für ihn war es eine lange Zeit gewesen, die er im Anhänger verbracht hatte. Neugierig drehte er seinen Kopf in alle Richtungen, wie um sich seine neue Umgebung genauestens zu betrachten und alles in sich aufzunehmen. Er prustete, anscheinend zufrieden mit seiner Umgebung, und senkte seinen Kopf auf Sams Schulter, die neben seinem Kopf stand. Diese grinste ihn an und streichelte seine Nase. Ihre Mutter war inzwischen leichenblass geworden, wie Amy auffiel.
Er sah nicht aus wie ein Pferd, das gern mal ausflippte, weil es alleine ins Gelände gehen sollte. Aber Amy wollte nicht vorschnell urteilen und ging langsam zum Kopf des Pferdes. Sie streckte ihre Hand aus und streichelte seinen Hals, während sie leise auf ihn einsprach: „Hey mein Junge, du bist ja ein Hübscher. Das war eine lange Fahrt, hm? Du magst es, wenn ich dich streichle, nicht wahr?" Storm hatte seine Ohren aufgestellt und neugierig nach vorne gerichtet, um jedes Wort dieses fremden Mädchens auf zu schnappen. Er prustete erneut, als sie seinen Nacken kraulte. Er wirkte total entspannt, und so meinte Amy nur: „Okay, bring ihn erstmal in den Stall – es ist eine Box für ihn fertig gemacht worden, gleich die zweite links." Es schien so unwirklich, normal mit diesen Leuten zu reden, ihre Arbeit zu tun, während Ty im Krankenhaus immer noch keine Veränderung zeigte.
Sie schüttelte ihren Kopf leicht. Sie konnte, sie durfte sich jetzt keine Gedanken über Ty machen – sie musste sich auf Storm und die Smiths konzentrieren. „Komm danach einfach ins Haus, deine Mom und ich werden schon vorgehen", rief sie Sam noch hinterher, die schon mit ruhigen Schritten auf den Stall zuging. „Kommen Sie?", fragte sie über ihre Schulter, während sie schon halb auf dem Weg in die Küche war.
In der Küche saßen sich Amy und Catherine gegenüber. Beide hatten eine Kaffeetasse vor sich und nippten hin und wieder daran. Amy erklärte, wie sie das Problem angehen und beheben wollte. „Als erstes muss ich sein Vertrauen gewinnen, denn nur so kann ich dafür sorgen, dass er ruhig bleibt, wenn Ihre Tochter mit ihm ausreitet. Ich erkläre jetzt nicht jedes Detail, da es Sie wahrscheinlich langweilt, aber Sie sollten wissen, dass ich anschließend in der Gruppe und schließlich alleine ausreiten werde, damit er sich daran gewöhnt, nicht immer in Gesellschaft zu sein." Sams Mutter nickte. „Und wie lange wird das dauern?" Sie klang nicht besorgt oder interessiert, eher kam es Amy so vor, als ob es Catherine recht wäre, wenn sie so lange wie möglich brauchen würde. Vorsichtig zuckte sie mit den Schultern. „Ich kann es Ihnen leider nicht genau sagen. Das kommt auch auf Storm an. Ich hatte hier schon Pferde, die nach nur einer Woche bereits wieder nach Hause durften, auch wenn sie dann weiterhin unter meiner Beobachtung standen." Ein frostiger Blick traf Amy, die gar nicht wusste, was sie Falsches gesagt hatte. „Ich will hier keine Pfuscherei! Entweder sie heilen dieses Pferd oder ich werde es noch heute verkaufen."
Amy schüttelte heftig den Kopf. „Natürlich kann Storm hier bleiben, bis er vollständig geheilt ist. Sie müssen ihn nicht verkaufen. Ich verspreche ihnen, dass er, nachdem er hier war, nicht mehr ausrasten wird." Jetzt hatte sie das getan, was sie eigentlich nie machen wollte – sie hatte einem Kunden ein Versprechen gegeben, bevor sie sich überhaupt näher mit dem Pferd beschäftigt hatte. Doch auch wenn sich jetzt ein leichtes Unwohlsein in ihr breit machte, sie setzte einen souveränen Gesichtsausdruck auf, der signalisieren sollte: Ich halte meine Versprechen, egal wie unsinnig sie auch sind. Ihr war bewusst, dass man ein Pferd innerhalb eines Tages nur mit sehr viel Glück an gute Besitzer verkaufen konnte. Viel größer war die Wahrscheinlichkeit, das ein zwielichtiger Pferdehändler oder gleich ein Schlachthof das arme Tier kaufte. Und sie wusste nur zu gut, wie diese Pferde dann transportiert wurden. Sie konnte sich noch gut an die Nacht erinnern, als Tys Vater auf Heartland ankam und einen Viehtransporter voller Pferde dabei hatte. Eines mussten sie damals erschießen, da es in dem viel zu engem Raum gestürzt und niedergetrampelt worden war.
Ein eisiges Schweigen breitete sich aus. Schließlich atmete Amy tief ein und meinte: „Ich werde später noch mit Storm arbeiten. Wenn Sie wollen, können sie beide gerne hier bleiben. Ich müsste das nur mit meiner Schwester besprechen." Sie lächelte freundlich. Sie hatte es immer noch schwer, sich voll und ganz zu konzentrieren. Zu oft flogen ihre Gedanken zu Ty. Catherine allerdings sah nicht gerade begeistert aus und schüttelte nach einer kurzen Zeit dann auch ihren Kopf. „Ich denke nicht, dass es sich lohnt, dabei zu bleiben, solange das Problem nicht behoben ist." Von der Art und Weise, wie sie „Problem" betonte, wurde es für Amy klar, dass es dabei nicht um ein unruhiges Pferd ging, das durchdrehte, sobald es ins Gelände ging. Es ging um die Angst einer Mutter, die sich ihr „kleines Mädchen" einfach nicht auf einem Großpferd vorstellen konnte. Sie wollte noch nichts sagen, sondern gab Catherine nur die Hand, und meinte: „Okay, dann hoffe ich, dass sie gut nach Hause kommen."
Es schien so, als ob die Smiths nicht schnell genug von den Flemings weg kommen konnte. Kaum das Catherine ihre Tochter überzeugt hatte, zu fahren, hatte sie den Motor auch schon angelassen und war weg. Amy schüttelte nur traurig ihren Kopf. Sie hatte Mitleid mit Sam, die sich bestimmt nu schwer gegenüber ihrer Mutter behaupten konnte. So selbstsicher sie auch war, im Endeffekt hatte ihre Mutter die Macht, Storm zu verkaufen – und das würde sie bestimmt nicht zulassen. Amy ging in den Stall – sie wollte sich vergewissern, dass der Wallach sich ohne Probleme an seine neue Umgebung gewöhnte. Sie ging zu ihm und streichelte seine weiche Nase, die er ihr neugierig entgegen streckte. Er wirkte auf keinen Fall wie ein nervöses Pferd. Sie beschloss, ihn eine Weile zu beobachten, und setzte sich der Box gegenüber auf eine alte Stalltruhe. Erst schien er sie noch zu beachten, aber nach und nach nahm sein Interesse an ihr ab, und er begann, seine neue Umgebung zu untersuchen. Er steckte seine Nase durch die Holzlatten zu Spartan durch, der seinerseits nicht weniger interessiert schien über seinen neuen Nachbarn.
Offenbar zufrieden mit seiner Umgebung schnaubte Storm etwa 10 Minuten später und fing an zu fressen. Amy wollte eigentlich schon mit der Arbeit loslegen, als ihr Blick auf die Treppe fiel, die zu dem Zimmer von Ty führte. Langsam ging sie ein paar Schritte darauf zu – und auch wenn sie nicht wusste, warum es ihr gerade jetzt einfiel, dachte sie an den Abend zurück, als sie sich zum ersten Mal geküsst hatten.
Sie hatte an diesem Tag das Herbstturnier auf Spartan gewonnen – und somit gehörte auch Spartan endlich ganz offiziell ihr. Sie hatte sich noch nie so glücklich gefühlt. Eigentlich wartete im Haus eine Party auf sie, doch sie war noch einmal in den Stall gegangen, um die übliche Nachtrunde mit Ty zu machen. Sie kam freudestrahlend aus Spartans Box und meinte: „Er gehört mir, nicht zu fassen, einfach unglaublich!" Die Worte rauschten regelrecht aus ihrem Mund. „Hast du gesehen wie er über das letzte Hindernis gesprungen ist? Er hat sich praktisch in der Luft gedreht. Er ist so wunderbar", seufzte sie noch, während sie wieder auf die Stallgasse trat.
Ty hatte nur ein großes Grinsen im Gesicht und erwiderte: „So wie du, Amy." Er machte eine winzige Pause, fast ein Zögern, aber er sprach weiter: „Amy, ähm, äh, ich möchte mit dir über etwas reden, okay?" Für eine Sekunde war sie besorgt über seine Wortwahl, sein Zögern, doch da er sie anlächelte, breitete sich auch auf ihrem Gesicht ein Lächeln aus. Er senkte seinen Blick und fuhr fort: „Ich kann so etwas nicht gut, aber… Ich möchte, das du weißt, dass…" Er stoppte. Amy fragte nur: „Was?" Und sie bemerkte, dass er eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte, als er schließlich weiter sprach: „Ich bin so stolz auf dich." Sie grinste nur.
Er hatte ihr geholfen, Spartan zu trainieren, und ganz ehrlich: Sie war sich nicht sicher, ob sie es ohne ihn geschafft hätte. „Wirklich, das bin ich. Und… und…" Wieder musste sie nachhelfen: „Und?" „Und." Er ging einen Schritt auf sie zu, senkte seinen Blick dabei, aber als er den Mut fand, weiter zu sprechen, traf sein Blick wieder ihren. Er wusste, dass er jetzt vorsichtig in seiner Formulierung sein musste. „Und, egal was passiert, ich… äh." Sie sah ihn mit großen Augen an, in denen immer noch die Neugierde und Freude standen.
Sie fragte: „Was soll das bedeuten, egal was passiert?" – „ Was es eben bedeutet, ich…" Sie unterbrach ihn: „Wieso bist du so komisch?" – „Wieso stellst du so viele Fragen?" Sie sah ihn ungeduldig an: „Nun sag es doch einfach!" – „Sonst willst du doch nie reden, oder?" Okay, sie musste ihm Recht geben. Normalerweise war sie es, die sich so vor einem Gespräch drückte. Sie nickte leicht.
„Du hast recht. Es wird so viel geredet." Sie senkte ihren Blick, dachte über die Bedeutung seiner Worte nach, ohne jedoch den wahren Sinn zu erkennen, und als sie ihn wieder anblickte, war ihr Lächeln verschwunden. Ihre Augen jedoch sprachen ihre eigene Sprache. Ermutigt von ihrem Blick schloss Ty die kurze Distanz zwischen ihnen, nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie, unendlich sanft und viel zu kurz für Amy. Er hatte Angst, sie würde wieder von ihm zurück weichen, aber sie lehnte sich vor und erwiderte seinen Kuss.
Später an diesem Abend – sie waren dann von ihrem Grandpa unterbrochen worden – ein Umstand, der beiden nicht so sehr gefiel – wollte sie noch einmal zu Ty. Sie lief in den Stall und rief nach ihm, aber sie bekam keine Antwort. Sie dachte sich nichts dabei, sondern lief schnell seine Treppe hoch. Sie stieß seine Tür auf, und sofort verschwand ihr Grinsen aus dem Gesicht. Sie sah sich geschockt um. Die kleine Kommode, die an der Wand stand, war leer, die Schubladen noch offen. Ihr Blick schweifte über das Bett zu der kleinen Truhe davor.
Sie runzelte die Stirn. Auf der Truhe lag der schwarze Hut, den sie Ty geschenkt hatte, als er mit ihrem Grandpa unterwegs war, um die Kühe eines Nachbarn zusammen zu treiben. Sie ging wie in Zeitlupe in das völlig leer geräumte Zimmer, auf den Hut zu – der einzige Gegenstand, der bewies, dass hier wirklich jemand gewohnt hatte. Die Möbel waren ausgeräumt, nicht ein persönlicher Gegenstand war geblieben. Sie hob den Hut an, und darunter kam ein Brief zum Vorschein. Sie warf einen Blick darauf, legte dann den Hut zur Seite und nahm den Brief, ein gefaltetes Blatt Papier, in die Hand.
Sie schlug ihn auf, und fing an zu lesen. Es war ein Brief von Ty, eigentlich hatte er nicht viel geschrieben, aber trotzdem brach es ihr das Herz. Ty hatte ihr einen Abschiedsbrief hinterlassen. Ihre Augen blieben bei einem Absatz hängen. „Ich wünschte, ich hätte es dir sagen können, vorhin, als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ich wünschte, alles wäre anders. Wenn ich anders könnte, würde ich dich lieben." In diesem Moment gewannen ihre Tränen die Oberhand. Sie ließ den Brief fallen und rannte zurück ins Haus, direkt in ihr Zimmer. Sie war froh darüber, dass die anderen sie nicht mitbekommen hatten, denn sie wollte niemanden sehen. Dieser eine Satz spukte in ihrem Kopf herum. Wenn ich anders könnte, würde ich dich lieben.
Sie brach zusammen.
