Zuhause im Kerker
Die nächsten zwei Tage hatten sie keinen Zaubertränke-Unterricht und Laura war froh darüber.
Sie hätte nicht recht gewusst, wie sie sich Snape gegenüber verhalten sollte. Sie wich ihm aus, wenn sie konnte.
Auf Lauras Bitte hin, hatte es Hermine übernommen, den Jungs die Vater-Tochter-Story zu erzählen und Laura war Hermine dafür sehr dankbar.
Ron war natürlich entsetzt und rief gleich aus wie ein Wald voller Affen. " Das glaube ich nicht, das kann doch wohl nicht wahr sein .Wieso ausgerechnet diese unheimliche Kerker-Fledermaus?!"
Harry sperrte entgeistert die Augen auf.
„Das ist ja krass!" kam der Kommentar der Weasley-Zwillinge, die auf Rons Ausbruch hin hellhörig geworden waren. Sie tauschten vielsagende Blicke aus und klopften Laura mitleidig auf die Schultern. "Herzliches Beileid, Kleine."
Aus irgendeinem Grund ärgerte sich Laura über diesen Kommentar und sie blitzte die Zwillinge zornig an. Diese bezogen ihr Augenfunkeln auf das „Kleine", mit dem sie Laura betitelt hatten.
„Dieses Snape-Augenfunkeln hat sie jedenfalls schon verdammt gut drauf. Komm George."
Die Zwillinge tuschelten etwas und trollten sich.
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Am Montag und Dienstag erwischte sich Laura immer wieder, wie sie bei den Mahlzeiten zum Lehrertisch schielte und ihren „Vater" ansah.
Na ja, eine gewisse Ähnlichkeit bestand ja schon. Allerdings war Laura ziemlich froh, dass sie nicht Snapes Nase geerbt hatte. Ihre Haare waren auch nicht so glatt wie Snapes, sie hatte leichte Locken und pflegte sie auch allem Anschein nach besser. Oder sie verbrachte weniger Zeit über dampfenden Kesseln, räumte sie in Gedanken ein.
Snape schaute auch immer wieder zu Laura, allerdings jetzt nicht mehr immer so unbemerkt wie vorhin. Manchmal trafen sich ihre Augen und Laura schaute dann immer schnell weg.
Auch die anderen Lehrer bemerkten den Blickwechsel von Vater und Tochter und zu Snapes Leidwesen lächelten ihm einige vielsagend zu.
Wie Snape erwartet hatte, waren die Kollegen schon über die Angelegenheit informiert gewesen, als er diese nach einer Lehrersitzung am Abend vorher angesprochen hatte.
Einige taten so, als wüssten sie von nichts. Professor Trelawney gab jedoch in einer Story zum Besten, dass sie schon lange eine tiefere Verbundenheit zwischen Snape und diesem Kind wahrgenommen habe.
Snape machte sich daraufhin nicht mal die Mühe, die Augen zu verdrehen.
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Diesmal klopfte es pünktlich um 2 Minuten vor 19.00 Uhr an Snapes Bürotür.
„Herein."
Laura trat ein, Snape schaute nicht von seinen Korrekturen auf, sondern befahl nur kurz: "Setz dich hin."
Laura setzte sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und ließ die Beine baumeln. Sie musterte ihren Vater neugierig und biss dabei auf ihrer Unterlippe herum.
Als Snape aufsah, schaute sie schnell auf ihre Hände im Schoß.
„Ich zeige dir meine Privaträume, komm mit." Er schritt zu einem großen Bild in seinem Büro und sagte "gib mir deine Hand."
Er legte Lauras Hand auf den Arm des alten Zauberers, der dort abgebildet war und schwenkte seinen Zauberstab. Dabei murmelte er etwas, das Laura nicht verstand und ziemlich kompliziert tönte.
„Solltest du mich in meinen privaten Räumen aufsuchen wollen, lege deine Hand auf genau diese Stelle und die Tür wird sich öffnen, verstanden?"
Snape schaute nun fragend auf sie herunter und hatte eine Augenbraue leicht hochgezogen.
Laura sah ihn mit großen Augen an und nickte "Ja, Sir".
Snape, der immer noch Lauras Hand gehalten hatte, ließ diese nun los und bedeutete Laura, ihm voraus zu gehen.
Sie gingen durch den Durchgang hinter dem Bild und betraten einen Raum mit einem einfachen, aber massiven Holztisch, einer braunen Polstergruppe, einer Feuerstelle und anderen Holzmöbeln.
Es sah recht gemütlich aus. Erstaunlicherweise.
Es hatte scheinbar auch Fenster, die Vorhänge waren allerdings zugezogen und sie wunderte sich, was für eine Aussicht man hier in den Kerkern so weit unten im Schloss wohl haben könnte.
„Das dahinten ist mein Zimmer, dieses betrittst du nur mit meiner Erlaubnis. Dies hier ist mein Gästezimmer, welches du gelegentlich benutzen kannst, wenn du willst."
Er sah Laura fragend an. "Ja, Sir," antwortete diese und kaute wieder auf ihrer Unterlippe herum. Scheinbar wollte er, dass sie sich manchmal mit ihm hier aufhielt, sogar hier schlief? Na mal sehen, in was sich Snape nachts verwandelt!! Hi hi.
"Hast du Durst?" fragte Snape und ohne eine Antwort abzuwarten, erschienen auf dem Tisch heißer Tee und Kürbissaft
"Ja, Sir, ein bisschen. Tee bitteschön."
Na, immerhin ein paar Manieren scheint sie zu haben, dachte Snape und wies Laura einen Stuhl zu.
Laura setzte sich an den Tisch und nahm ihre Teetasse in die Hand. Sie nahm einen vorsichtigen Schluck, der Tee war gut, obwohl er etwas speziell roch, er war sehr heiß.
Ihre Locken fielen ihr ins Gesicht, eine badete sogar kurz im Tee, bevor Laura sie sich aus dem Gesicht strich.
Plötzlich fiel ihr etwas ein und sie wühlte in ihrer Hosentasche . Sie zog etwas heraus und stellte ein kleines Glasfläschchen auf den Tisch. Sie betrachtete es kurz und schob es Snape dann zu.
Als sie am vorherigen Abend vor dem Spiegel gestanden und ihre Zähne geputzt hatte, war ihr urplötzlich etwas eingefallen.
Irgendwo zuunterst im Koffer hatte sie dann schließlich auch gefunden, was sie suchte.
„Das hat mir meine Mum gegeben und mir gesagt, ich solle es meinem Vater geben, wenn ich ihn kennen lerne. Ich weiß aber nicht, was das ist, sie war schon sehr krank, als sie mir das gab."
Severus sah das Fläschchen erstaunt an, das ihm Laura zugeschoben hatte.
„Ich weiß, sehr genau was das ist. Das sind Erinnerungen." Er sagte das eher zu sich selbst, bevor er wieder aufsah.
„Man kann sie konservieren und aufheben und sie sich immer wieder ansehen. Ich werde dir das bald mal zeigen.
Kannst du dich...... an deine Mutter erinnern?" fragte Snape und klang beinahe sanft.
Man konnte ja tatsächlich normal mit diesem Mann reden, Laura entspannte sich ein wenig und antwortete
„ Ich kann mich gut an sie erinnern, Sir. Sie war eine sehr liebe Mutter, obwohl sie manchmal ein bisschen streng war." Laura rümpfte dabei ein bisschen die Nase und wurde dann nachdenklicher.
Sie strich mit dem Zeigefinger an der Kante des Tisches entlang und sprach dann weiter.
"Sie hat am Ende sehr gelitten, Sie wissen ja, dass sie krank war.... und ich wusste nicht, wie ich ihr helfen konnte. Es macht mich heute noch traurig, wenn ich an sie denke, obwohl ich glaube, dass es ihr jetzt gut geht und sie nicht mehr leiden muss."
Snape sah, wie viel Trauer bei diesen Worten in dem jungen Gesicht lag. Und er wunderte sich sehr, dass Laura so offen mit ihm sprach. Sie kannte ihn ja kaum.
„Und bei deinen Verwandten bist du gut versorgt?" fragte Snape und klang beiläufig, musste aber seine Neugierde verstecken.
„ Ähmm........" sagte Laura nur und zuckte die Achseln.
Snape bemerkte ihre Zurückhaltung, wollte aber das Thema nicht so leicht fallen lassen.
„Mir ist aufgefallen, dass du allem Anschein nach keine Tischmanieren besitzt." Snape sprach diese Feststellung ruhig und ohne Vorwurf aus, trotzdem errötete Laura und schaute beschämt zu ihren Händen.
„Ja, Sir, Entschuldigung," sagte sie beschämt.
„Ich wollte keine Entschuldgung hören, Laura, ich wollte nur wissen, wie es kommt, dass ein elfjähriges Mädchen sich am Tisch benimmt wie ein Tier, das eher im Stall anzutreffen ist."
Snape wusste, dass er Laura damit noch mehr in Verlegenheit brachte, aber er wollte Klartext mit ihr reden.
„Ich hatte nicht so die Gelegenheit, das richtig zu lernen, Sir. Wir waren immer so viele und ich hab meistens unterwegs gegessen." Sie hoffte, er würde sich mit dieser Antwort zufrieden geben. Snape hob die Augenbraue.
Da Snape nichts darauf sagte und sie das Gefühl hatte, dass sie das noch ein bisschen ausführen musste, sagte sie leise „meine Tante ist ziemlich überfordert mit ihren eigenen Kindern, es ist am Besten, wenn ich mich nicht allzu häufig blicken lasse. Ich habe ziemlich viel Streit mit meinen Cousins. Meine Cousine ist noch o.k. Und sie ist wunderhübsch, sie ist auch nicht mehr so viel zuhause, ihr ist es auch zu laut, und sie hängt mit Freunden rum.
Mein Onkel ist meistens bei der Arbeit und wenn er nach Hause kommt, ist immer so eine Unordnung, dass er schimpft und vielmals geht er dann wieder weg."
Snape hatte ihr aufmerksam zugehört und Laura war jetzt ein bisschen nachdenklich. Sie hatte noch nie über ihre Familienverhältnisse geredet und das wurde ihr auch erst jetzt bewusst .
Irgendwie tat ihr die Tante plötzlich ein bisschen Leid.
„Meine Tante ging auch vielmals nicht einkaufen und wir haben nur gegessen, was noch da war. Manchmal war das dann auch nicht mehr viel.
Ich wollte für sie einkaufen gehen, aber sie hatte meistens kein Geld da..."
Laura sah nun Snape an, irgendwie schämte sie sich wegen ihrer Familie, sie wusste aber nicht richtig, wieso. Vielleicht hätte sie mehr helfen und sich nicht einfach verdrücken sollen.
Sie erinnerte sich, wie sie es manchmal einfach nicht mehr in der Wohnung ausgehalten hatte.
Die Zwillinge machten so viel Unsinn und ihre Tante ließ alles durchgehen. Sie schimpfte zwar und wetterte, aber sie griff nie durch.
Mit ihrer Cousine durfte Laura manchmal spielen, aber selten. Und wenn, dann spielten sie immer „stylen", wie ihre Cousine das genannt hatte. Sie schminkte Laura dann immer und kleidete sie in schicke Kleidchen ein und frisierte sie. Laura sah danach aus wie eine Porzellanpuppe, genau wie die, die im Wohnzimmer auf dem Regal standen. Sie mochte das nicht und war immer froh, wenn sie wieder in ihren Jeans war.
Doch das war das einzige Spiel, das ihre Cousine interessierte und bei dem Laura geduldet war.
Snape sah Laura nachdenklich an.
Dass seine Tochter in solchen Verhältnissen aufgewachsen war, störte ihn. Natürlich wollte er kein verwöhntes Ding, aber das hier war natürlich auch nichts.
Und Laura schien sich dafür zu schämen, das war deutlich zu sehen.
„An der Sache mit den Tischmanieren werden wir bekommst hier immer genug zu essen, Laura, du brauchst nichts zu horten."
Laura war das natürlich ein wenig peinlich, scheinbar war sie doch beobachtet worden.
„Laura, ich weiß nicht, ob es dir gefällt, meine Tochter zu sein, aber das ist nun mal die Tatsache. Man kann sich seine Eltern eben nicht aussuchen.
Jedenfalls werde ich nicht zulassen, dass du dich benimmst wie diese ganzen Hitzköpfe, die hier überall herum rennen. Ich erwarte von dir, dass du dich in der Schule nach Kräften bemühst und dich anstrengst. Ich werde dreimal die Woche deine Hausaufgaben kontrollieren und dir, wenn nötig, helfen.
Du behandelst mich und deine Lehrer mit Respekt, ich werde es wissen, falls du es nicht tust! Du hältst dich an die Schulregeln und gehorchst mir. Habe ich mich klar ausgedrückt?"
Snape sah Laura wartend und streng an.
„Glasklar!" antwortete das Mädchen ein bisschen keck. Der Blick, mit dem Snape sie daraufhin ansah, ließ sie hinzufügen, "Ich meine ja, Sir, ich habe verstanden."
„Dann ist ja gut. Hast du noch irgendwelche Fragen, dann stell sie jetzt." Als würde er keine erwarten, stand Snape auf.
Laura wollte gerne fragen, was denn passieren würde, wenn sie sich nicht an all das halten würde, aber sie traute sich nicht. Vielleicht wäre es besser, wenn sie es nicht wusste.
„Ja, Sir, muss ich wieder zu meinen Verwandten zurückgehen?" Snape sah, wie seine Tochter nervös auf dem Sofa umher rutschte.
Was sollte er darauf antworten? Er hatte sich diese Frage auch schon gestellt. Das würde bedeuten, dass er Laura von nun an auch außerhalb der Schule betreuen, erziehen und bei sich haben würde. Wollte er das? Er sah in die großen Augen seiner Tochter, die ihn irgendwie flehentlich ansahen.
„Möchtest du das? Möchtest du zurück?" fragte Snape und war sehr gespannt auf die Antwort, sie würde vieles klarmachen.
„Nein danke." Sie schaute auf ihre Hände, dann hob sie den Blick. "Ich meine, sie sind zwar schon nett, aber ich glaube nicht, dass sie mich sonderlich vermissen würden."
Snape nickte nur kurz.
Er unterdrückte ein Augenrollen, nun war es definitiv vorbei mit seiner Ruhe und den erholsamen Ferien.
„Gut," sagte er, schritt zum Tisch und trank seinen Tee aus.
Als er dann Laura ein paar Minuten später zur Tür hinaus begleitete und ihr Gute Nacht wünschte, sah er ihr noch nach, wie sie den Gang entlang ging. Sie schien seinen Blick zu spüren und drehte sich nach ein paar Schritten nochmals um.
"Man kann sich ja auch seine Kinder nicht aussuchen, nicht wahr, Sir?" mit einem Grinsen im Gesicht drehte sie sich um und ging gemütlichen Schrittes davon. Sie war sich sicher, die Andeutung eines Lächelns um Snapes Mund gesehen zu haben.
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Erinnerungen
Als Laura gegangen war, ließ Severus sich in seinen gemütlichen Sessel beim Feuer fallen.
Er trommelte mit seinen Fingern auf die Armlehne und schaute den Flammen zu. Vieles ging ihm im Kopf herum.
Er würde wohl einiges in die Wege leiten müssen wegen des Sorgerechts. War er wohl in der Geburtsurkunde als Vater registriert? Das würde einiges vereinfachen.
Plötzlich fiel ihm das Fläschchen mit den Erinnerungen ein. Er machte sich sofort zu Dumbledores Büro auf, um sich dessen Denkarium auszuleihen.
Eine Viertelstunde später saß er vor dem Denkarium und leerte Ellens Gedanken hinein, die wie flüssiges Gas darin herum schwammen. Er atmete ein paar mal ein und aus, wie um Kraft zu tanken, für das was ihn erwarten würde.
Er tauchte ins Denkarium ein und war gespannt auf das, was Ellen ihm zeigen wollte.
Er stand in einem Zimmer. Wie es aussah, in einem Kinderzimmer.
Die Tür ging auf und eine junge blonde Frau trat lächelnd ein. „Ellen," sagte Snape leise. Natürlich reagierte die Frau nicht, sondern ging an ihm vorbei zu einem kleinen Bett.
Snape ging ihr nach und schaute ins Bettchen.
Darin lag ein kleines Baby, mit großen, schwarzen Augen und kurzen dunklen Locken.
Es strahlte seine Mutter an, die mit ihm redete. Snape hatte keine Ahnung, wie alt Laura da in etwa war, aber für sein Empfinden war sie ziemlich klein. Er kannte sich mit so kleinen Kindern überhaupt nicht aus.
Ellen nahm das Baby aus dem Bett und ging mit ihm zum Wickeltisch.
Snape mochte Kinder nicht besonders, schon gar keine Babys und am allerwenigsten Babys, die gewickelt werden. Er blickte den beiden skeptisch nach.
Da es sich in diesem Fall aber um sein Kind handelte, sah er zu, wie die Mutter das Baby ankleidete und die Kleine gluckste und brabbelte dabei.
Redeten alle Mütter so bescheuert mit ihrem Nachwuchs, was würde das arme Kind bloß denken?
Niemals hätte Snape zugegeben, dass er das Baby gar nicht so abstoßend fand. Und er war auch froh, dass niemand sein Lächeln sah.
Die Situation änderte sich, es war kurz sehr neblig und dann stand Severus in einem Garten.
In einem Plantschbecken badeten und spritzen zwei kleine nackte Kinder.
Er erkannte Laura sofort, zumal das andere Kind eindeutig ein Junge war.
Eine Weile plantschten und spritzen die Kinder vergnügt. Da riss der kleine Junge plötzlich ein grün-gelbes Wasserkrokodil aus Lauras Händen, die heftig zu protestieren begann.
„Meins," sagte sie bestimmt zu dem Jungen und stand im Wasser auf, um es sich zurück zu holen. Der Kleine gab Laura einen Schubs und sie landete unsanft neben dem Plantschbecken auf ihrem Po.
Sie rappelte sich auf und schlug dem Jungen ein Spritzkännchen über den Kopf. Dieser fing daraufhin an höllisch zu schreien, sodass Severus sich die Ohren zuhalten musste.
Snape tauchte aus dem Denkarium auf und schritt zum Wandschrank. Er brauchte eine Pause und einen Whisky.
In seinem Kopf schwirrten Bilder der kleinen Laura rum. Es löste in ihm Gefühle aus, die er nicht kannte, die er auch nicht einordnen konnte. Starke Gefühle.
Verdammt!
Was hatte Ellen damit bewirken wollen, ihm diese Erinnerungen zu geben. Wollte sie ihn verwirren oder bestrafen für die unerwiderte Liebe? Aber halt, ihre große Liebe war er ja wohl auch nicht gewesen, wenn er sich recht erinnerte.
Er schaute zum Denkarium, sollte er sich das wirklich weiterhin antun?
Es zog ihn aber irgendwie wundersam an, er wollte mehr sehen. Mehr von der kleinen Laura, von seinem Kind, von dem er die ganze Zeit nichts gewusst hatte.
Oh Gott, wurde er nun etwa noch sentimental?
Entschlossen schritt er wieder zum Denkarium, zögerte noch einen Augenblick und tauchte wieder in die silberne gasförmige Flüssigkeit ein.
Er war wieder in einem Raum. In einem Bett lag Ellen und sah ziemlich krank aus.
Ihre Augen waren rot unterlaufen und ziemlich eingefallen. Sie war schrecklich dünn.
Von der schönen Frau, die sie einst war, war nur noch ein Schatten ihrer Selbst geblieben.
Die kleine Laura, ca. vierjährig, betrat mit einem tropfenden Waschlappen in den kleinen Händen den Raum.
Ihre Locken waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, allerdings hingen viele seitlich herunter und um ihren Mund war alles rot verschmiert. Sie trug eine braune Latzhose, deren Träger hinten total verdreht waren. Sie legte den Lappen auf die Stirn ihrer Mutter.
„Danke, mein Engel, hast du etwas gegessen?" fragte Ellen müde.
„ Ja, Mama, ich habe noch Brot gefunden im Schrank und habe ganz viel Marmelade drauf geschmiert." Laura gab ihrer Mutter ein strahlendes Lächeln.
"Das ist gut mein Schatz, geh deinen Mund waschen." Laura ging aus dem Raum und Ellen sah zur Decke hinauf und begann zu reden.
„Lieber Severus, ich habe beschlossen, dir diese Erinnerungen zu schenken.
Ich weiß, zwischen uns war es nie die große Liebe, aber ich bereue es nicht, denn es ist ein wunderbares Kind daraus entstanden.
Leider werde ich nicht in der Lage sein, Laura aufzuziehen. Ich habe dir nie von ihr erzählt, weil ich nicht denke, dass ein Kind in dein Leben gepasst hätte.
Es tut mir Leid, falls du es doch hättest wissen wollen. Ich gebe zu, ich hatte vielleicht auch Angst vor deiner Reaktion.
Ich weiss, dass du immer nur Lily wirklich geliebt hast. Das ist auch gut so, du wirst sie immer in deinem Herzen tragen. Natürlich war ich eifersüchtig auf sie." Ellen lächelte schwach.
"In der Zwischenzeit wirst du meinen kleinen Liebling kennen gelernt haben. Ich bitte dich, gib gut auf sie acht, sie ist ein wunderbares Kind, Severus. Denk daran, dass sie ein unschuldiges, kleines Mädchen ist, dein Mädchen, unseres.
Kümmere dich um sie Severus, bitte. Sie wird es nicht leicht haben, sich in der Zaubererwelt zurecht zu finden."
Ellens müde Augen leuchteten einen Moment lang flehentlich auf, obwohl sie natürlich Severus nicht sah.
Ja, ihr war bewusst, dass Snape diese Erinnerung erst viel später sehen würde, wenn sie schon lange nicht mehr da war. Sie konnte nur hoffen, dass er sein Bestes geben würde mit Laura.
In dem Moment kam Laura wieder ins Zimmer, kletterte zu ihrer Mutter ins Bett und kuschelte sich neben sie.
"Mit wem sprichst du, Mama?" fragte Klein-Laura. Ellen lächelte schwach. "Mit niemandem, mein Schatz."
Laura gab ihrer Mutter einen kleinen Kuss auf den Mund und streichelte ihr verschwitztes Haar. Ellen war sichtlich erschöpft.
Severus sah noch einen Moment zu, wie die beiden da lagen, dann war die Erinnerung zuende und Snape stand wieder in seinem Wohnzimmer.
Er war wie versteinert, er wusste später nicht mehr, wie lange er so da gestanden hatte.
S s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s
Mitten in der Nacht wachte er aus einem unruhigen Schlaf auf, er starrte in die Dunkelheit und versuchte seine Gedanken zu sortieren.
Plötzlich hauchte er ein "Danke, Ellen" in den schwarzen Raum.
TBC......................
Wieder ein riesiges Dankeschön an scientific ida , meine grossartige Beta-leserin und danke an alle die mir ein Review hinterlassen haben. Gruß Sally
