Ausflug nach Hogsmeade

„Ich kann es nicht wagen, sorry, Kumpel, wenn meine Mum davon erführe, würde sie mich umbringen!!" Ron war ein bisschen verlegen.

„Dann geh ich eben alleine, ich muss es einfach gesehen haben, Ron. Die Anderen haben erzählt, dass es im Honigtopf hunderte verschiedene Süßigkeiten gibt." Harry bekam bei diesem Gedanken glänzende Augen.

„Ich komme mit." Laura saß mit den Jungs am See und wollte auch an die Süßigkeiten.

Nicht nur wegen sich selbst, vor allem hatte sie Emma gegenüber immer noch ein schlechtes Gewissen. Diese hatte einen ziemlichen Rüffel bekommen von ihren Eltern wegen der Sache mit dem See.

Sie würde ein paar Süßigkeiten bestimmt begrüßen und ihre Stimmung würde es auch heben, sie war nämlich seither ein wenig geknickt.

Harry war sehr erfreut und sah Laura erstaunt an.

„Für ein Mädchen bist du ziemlich mutig. Vor allem wenn man bedenkt, wer dein Vater ist."

Beim Gedanken an ihren Vater wurde es Laura ein wenig mulmig im Magen, sie fühlte sich plötzlich nicht mehr so mutig. Aber sie würden schon nicht erwischt werden, sie mussten es einfach geschickt anstellen.

Sie verdrängte die Zweifel, so gut es ging.

„Meine Brüder kennen mindestens einen Geheimgang direkt in den Honigtopf," sagte Ron stolz. „Wir müssen sie bloß überreden können, ihn uns zu zeigen...... das dürfte ein bisschen schwierig werden."

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Am Abend standen die Kinder in einer Ecke des Gemeinschaftsraums und diskutierten mit den Zwillingen.

" Nein, Bruderherz, da muss schon was bei herausspringen," Fred sah unbestechlich auf seinen kleinen Bruder runter.

Natürlich, Ron hatte ja geahnt, dass die Brüder auf ihren Vorteil bedacht waren und die Geheimgänge nicht einfach so mir nichts dir nichts verraten würden. Aber natürlich ärgerte ihn das ziemlich. Und er wusste auch nicht, was er den Zwillingen geben sollte.

George flüsterte Fred etwas ins Ohr und sie schauten Laura vielsagend an. „Die Kleine da hätte eventuell etwas, das uns interessieren würde."

Lauras Kopf schnellte hoch. „Was, ich? Ich habe aber gar nichts." Laura sah die Jungen erstaunt an und schüttelte den Kopf.

George lächelte schelmisch. „Doch, du hast einen Vater, der Zaubertränkemeister ist. Wir brauchen da für unsere neueste Erfindung etwas," sagte er und Fred fügte hinzu: "Du könntest für uns ein Fläschchen von einer gewissen Flüssigkeit besorgen. Der merkt das nicht und uns würde das sehr helfen."

Laura sah die Jungen ungläubig an. "Seid ihr noch ganz dicht? Ich soll Snape bestehlen? Ich bin doch nicht lebensmüde!!!!!!!!!"

„Überleg es dir," trällerte Fred, legte seinen Arm um George und sie gingen lässig davon.

Harry, Ron und Laura sahen sich an. „Verdammt!" sagte Ron.

„Was machen wir jetzt?" fragte Harry entmutigt. Laura und Ron zuckten die Schultern. Ron war ziemlich rot im Gesicht.

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Harry und Laura meinten dieser Gang würde nie enden. Den beiden war nicht mehr so wohl, aber keiner wollte es zugeben.

Der Gang sah ziemlich alt aus, hoffentlich stürzte da nichts ein. Laura schaute hinauf zur Decke des Ganges, die nun etwas niedriger wurde.

'Wie weit geht das bloß noch bis Hogsmeade?' dachte Laura. Hoffentlich könnten sie sich unbemerkt in den Laden hinauf schleichen. Heute waren bestimmt so viele Kinder im Honigtopf, dass sie nicht auffallen würden.

Sie tapsten weiter im Halbdunkel und stolperten hin und wieder über einen großen Stein. Sie hatten den Lumos-Zauber erst frisch gelernt und waren noch nicht so sattelfest darin. Deshalb erlosch immer wieder einer der Zauberstäbe.

"IIIHHHH!!" schrie Laura plötzlich, als sie ein Ziehen an ihren Haaren spürte. Etwas hatte sich darin verfangen und flatterte auf ihrem Kopf rum. Sie hatte den Zauberstab fallen lassen und versuchte das Flatterding aus ihren Haaren zu bekommen.

Harry kam ihr schnell zur Hilfe. „Warte, halt doch still," sagte er zu Laura und kurze Zeit später hatte er das Biest in der Hand. Es war ein ziemlich hübscher............., naja, was es war, wussten die Kinder nicht, es sah ein wenig aus wie ein großer Nachtfalter, er glitzerte aber in allen Farben und sah die Kinder mit schwarzen Käferaugen an. Sie ließen ihn wieder fliegen und gingen weiter.

Endlich stieg der Tunnel an und war dann zu Ende. Eine Leiter führte hinauf zu einer Falltür, die ziemlich schwer aussah.

„Komm, wir müssen es zusammen probieren," sagte Harry, der die Falltür einen kleinen Spalt geöffnet hatte, aber merkte, dass er es wohl nicht alleine schaffen würde.

Zusammen standen sie auf der eher schäbigen Leiter und drückten an der Falltür.

Ja, zusammen ging es entschieden besser.

Sie spähten durch den Spalt und sahen einen Lagerraum, wie es schien. Aber niemand war da, nur Kisten mit allerlei Leckereien.

Sie öffneten die Falltür soweit, dass sie durchklettern konnten und schlossen sie hinter sich.

Sie konnten ein „Blong" nicht verhindern, als die Falltür zufiel. Die Kinder sahen sich ängstlich um. Hoffentlich hatte das niemand gehört.

„Eine Tarnkappe wäre jetzt nicht schlecht," flüsterte Laura und sah sich ein bisschen um.

Richtig wohl war den beiden bei der Sache nicht und irgendwie wünschten sie sich plötzlich, wieder in der Falltür zu verschwinden und schnell zurück zum Schloss zu laufen. Aber keiner wollte das natürlich zugeben und nun waren sie dem Glück ja so nah.

Sie schlichen die Treppe hoch und hörten von oben schon viele Stimmen.

Sie kamen an eine Tür, die nur angelehnt war. Harry spähte vorsichtig hinaus und Laura stand ganz dicht hinter ihm. Ein Mann stand hinter der Ladentheke und kassierte. Er war ziemlich beschäftigt, denn viele Kinder drängelten und drückten sich an die Theke. Wie in einem Bienenstock ging es zu und überall schwatzten Kinder durcheinander.

Ansonsten sahen sie keinen Erwachsenen. Sie glitten schnell durch die Tür, kamen hinter der Ladentheke in den Laden und wurden nicht bemerkt, puh, Glück gehabt.

Laura lächelte Harry an wie ein Honigkuchenpferd, als sie ihren Blick über die Regale wandern ließ und sie sah, wie ihm das Wasser im Mund zusammen lief.

Er lächelte zurück.

Einen Moment standen sie grinsend da, bis Laura Harry an der Hand nahm und mit sich zog.

Nein, sie hatten wirklich nicht den leisesten Wunsch in Schwierigkeiten zu geraten. Aber dies hier war das Schlaraffenland, das war klar.

Sie ließen sie sich nicht so viel Zeit, sich im Laden so genau umzusehen und hielten sich bei den hinteren Regalen auf.

Laura zupfte Harry am Pullover, als sie eine Frau sah, die Lollipops und andere bunte, süße Sachen in den Regalen auffüllte und die Kinder wechselten schnell den Gang.

Sie kauften viele verschiedene Süßigkeiten und bezahlten. Zum Glück fiel dem Mann, der kassierte nicht auf, dass sie kleiner waren als die anderen Kinder. Außerdem stellten sie sich natürlich auf die Zehenspitzen.

Sie hatten beide auch extra einen Pullover mit Kapuze angezogen, die sie sich so weit wie möglich ins Gesicht zogen. Harry hatte nun im Laden seine Brille von der Nase genommen und sie in der Bauchtasche seines Pullovers versteckt. Sie wurden immer wieder zur Seite gedrängt und Harry musste aufpassen, dass seine ohnehin schon lädierte Brille nicht noch mehr zerquetscht wurde. Aber mit Brille wäre er einfach zu auffällig gewesen.

Laura wäre bestimmt nicht weiter aufgefallen, aber den berühmten Harry Potter hätte man schon noch erkennen können. Trotz des Gedränges.

„Also, ich geh dann jetzt das Lager aufräumen, könnte schon seine Zeit dauern," sagte die runde Hexe, welche vorhin die Regale aufgefüllt hatte, zum Mann an der Kasse. Sie ging durch die Tür, von der die beiden Kinder gekommen waren.

Laura und Harry sahen sich erschrocken an. Wie sollten sie denn jetzt nur wieder in den Geheimgang kommen?

Laura wurde es heiß und kalt.

„Was machen wir jetzt? Wir haben keine andere Wahl als außen herum den normalen Weg zu gehen." Verflixt und zugenäht!

Sie traten aus dem Laden und zogen ihre Kapuzen tief ins Gesicht.

Wenn sie doch bloß einen Kopf größer wären, dann würden sie nicht so auffallen. Im Laden waren alle so mit den Süßigkeiten beschäftigt gewesen, dass zwei Erstklässler nicht auffielen.

Hier draussen war das etwas anderes.

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Sie hatten Glück und schafften es bis hinter die ersten Häuser.

Sie wollten nicht auf der Hauptstrasse gehen, sondern sich irgendwo hinten durch schmuggeln. Sie mussten sich erst umschauen, um den Weg zum Schloss zu finden.

Harry war froh, seine Brille wieder aufsetzten zu können. Es war ziemlich mühsam, alles verschwommen zu sehen.

Sie erschraken furchtbar, als eine Hand sie an den Schultern berührte.

„Ich sehe großes Unglück, oh ja, in der Tat, großes Unglück," säuselte ihnen eine Stimme zu.

Riesengroße Augen, durch eine Horn-Brille um ein Vielfaches vergrößert, starrten die Kinder an, die sich erschrocken umgedreht hatten. Sie erkannten die Lehrerin für Wahrsagen, Professor Trelawney.

Die insektenähnliche Frau schwebte nach diesen Worten schon wieder davon.

Die Kinder sahen sich an. „Die hat doch nicht alle Tassen im Schrank," bemerkte Harry trocken und sie hielten sich lachend die Hände vor den Mund.

„Hoffentlich petzt die nicht," sagte Laura ein bisschen besorgt. 'Sonst sehe ich auch großes Unglück,' dachte sie und schluckte leer. Harry blieb das Lachen auch im Hals stecken.

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So schnell sie konnten, legten sie den Weg von Hogsmeade zum Schloss zurück. Sie keuchten und Laura musste sich die Seite halten, da sie ein wenig Seitenstechen hatte.

Als sie in der Nähe des Schlosses waren, sagte Laura erleichtert: "Bald geschafft".

„Oder auch nicht," erwiderte Harry und schaute mit großen Augen Richtung Schloss.

Laura erstarrte und ihr lief es kalt den Rücken herab.

Mit raschen Schritten und einem eher unfreundlichen Gesichtsausdruck kam Professor McGonagall auf die beiden Kinder zugestürmt. Zum Verstecken war es zu spät!

„Ihr Beiden!!!" rief sie von Weitem und kam raschen Schrittes näher. Sie stemmte die Hände in ihre Hüften, als sie vor den ängstlich und vor allem schuldbewusst dreinschauenden Kindern stehen blieb.

Sie hatten ihre Hauslehrerin noch nie so wütend gesehen. Lauras Magen fühlte sich plötzlich seltsam flau an.

„Mitkommen!" schnappte sie, mehr schien sie auch nicht rauszubekommen. Ihre Lippen waren gekräuselt und ihre Stirn lag in Falten.

Laura und Harry mussten rennen um mit der Lehrerin Schritt halten zu können.

Sie tauschten viel sagende Blicke aus.

Wie viele Hauspunkte würden ihnen wohl abgezogen werden? Und was würden wohl ihre Mitschüler sagen wenn sie davon erfuhren?

Im Schloss wurde Laura ganz bleich, als ihnen Snape entgegen schritt. Sein Blick war ausdruckslos wie immer, aber Laura ahnte Schreckliches. Da war doch so ein Blitzen in seinen Augen. Laura begann plötzlich zu schwitzen.

Mit einem kurzen Nicken zu McGonagall packte er Laura am Handgelenk und zog sie mit sich. Laura drehte sich verzweifelt nach Harry um, der ihr mitleidig hinterher sah.

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Laura zog in die andere Richtung und versuchte, mit ihrer freien Hand die ihres Vaters abzustreifen.

Dieser ließ sich davon nicht im Geringsten beeindrucken und ging weiter, ohne sich auch nur umzudrehen.

Snape öffnete die Tür zu seinem Büro, ohne Lauras Arm los zu lassen und zog sie mit sich hinein. Die Tür schloss sich mit einem `KLICK`.

Ohne ein Wort drehte Snape Laura mit einem Ruck um und landete drei scharfe, schallende Schläge auf ihrem Hintern.

"Autsch!" Laura konnte einen Aufschrei vor lauter Schreck nicht unterdrücken.

Dann drehte er sie zu sich um und beugte sich zu ihr herab, um ihr in die Augen zu sehen. In seinen Augen blitzte es gefährlich, es ließ Laura erschaudern. Sie brachte es nur mit großer Mühe fertig, diesem Blick nicht auszuweichen.

„Ich warte auf eine Erklärung, junge Dame."

Laura blinzelte ein paar Tränen weg und schniefte ein wenig ohne zu antworten und schaute dann auf ihre Füße.

Snape drehte sie nochmals um und zog die Hand auf, aber Laura antwortete schnell: „Nein, Sir, ich erkläre alles."

Mit einer Hand hatte sie unwillkürlich nach hinten gefasst, um ihren Po zu verdecken. Nein, das war deutlich genug gewesen, sie hatte kein Verlangen nach mehr.

„Ich höre," kam die knappe Antwort von Snape, der immer noch streng auf sie runter sah und dabei eine Augenbraue hob.

„Emma ist meinetwegen mit ihren Eltern in Schwierigkeiten geraten. Wegen dem See und so..... und da…. da habe ich gedacht, es wäre gut, wenn ich ihr ein paar Süßigkeiten besorgen würde, als kleine Entschuldigung." Laura sprach ziemlich undeutlich, die Worte wollten alle gleichzeitig raus.

„Taschen ausleeren," kam der kurze Befehl.

Snape hatte die Arme vor seiner Brust gekreuzt und sah auf seine Tochter runter, die unbehaglich von einem Bein aufs andere trat.

Laura zögerte einen Moment, da sie aber wenig andere Chancen hatte und auch keine Lust auf mehr Schmerzen in ihrem Allerwertesten verspürte, leerte sie die Taschen.

Es kam eine erhebliche Menge an Süßigkeiten zum Vorschein. Snape hob eine Augenbraue, als er auf den Tisch voller Schokolade, Gummibärchen, die umher tapsten, Lollies, die sich drehten wie Kreisel und vieler anderer Leckereien blickte.

„Weswegen, meinst du, ist es Erstklässlern nicht erlaubt ins Dorf zu gehen, und wozu, meinst du, stellt Professor Dumbledore überhaupt Regeln auf? Weil er nichts Spannenderes zu tun hat?!" Er sah sie fragend an.

Laura zuckte die Achseln. Snape packte sie an den Oberarmen und schüttelte sie leicht.

„Auf solche Spielchen habe ich keine Lust, junge Dame. Du antwortest, wenn du gefragt wirst, verstanden?"

Laura sah ihn mit großen Augen an und antwortete: "Ich weiß es nicht, Sir. Ich weiß nicht, wieso Erstklässler nicht ins Dorf dürfen. Wahrscheinlich ist es zu gefährlich oder so, oder sie würden zu viele Süßigkeiten kaufen... oder...."

Sie fing wieder an zu schniefen und ein paar Tränen liefen ihr über die Wangen.

„Es tut mir Leid, Sir."

Snape stieß den Atem aus ließ Lauras Arme los, setzte sich auf das Sofa und zog seine Tochter neben sich.

„Damit das vollkommen klar ist, Laura, du hältst in Zukunft die Regeln ein, denn wie du gesagt hast, hat der Schulleiter sie gemacht, weil junge Hexen und Zauberer noch nicht auf sich selbst aufpassen können, auch wenn einige das meinen. In einem Zaubererdorf ist nicht alles nur ungefährlich.

Diese Sachen bleiben erstmal hier. Das Zeug ist ungesund und ich denke nicht, dass Emmas Eltern sehr glücklich wären, wenn sich ihre Tochter damit voll stopfte.

Emma wird dir auch so verzeihen, außerdem hast du sie ja wohl nicht ins Wasser geschleift, nicht wahr.

Falls ich dich nochmals bei so was erwische, wirst du nicht so leicht davonkommen, verstanden?" Er sah sie streng an und Laura nickte, fügte aber schnell hinzu: „Ja, Sir."

Diese Brillenschlange Trelawney musste sie doch verraten haben!! Miststück!! Snape sah sie streng an und sie senkte schnell ihren Blick.

Der konnte doch wohl nicht noch Gedanken lesen, oder??!!!

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Nachdem er Laura in den Gryffindor-Turm zurückgeschickt hatte, ging Severus zum Schrank und nahm einen grossen Schluck bernsteinfarbener Flüssigkeit und ließ sich diese den Hals hinab laufen, wo sie ein wenig brannte.

Das tat gut.

Solche Mätzchen wollte er bei seiner Tochter nicht dulden, so etwas musste man von Anfang an klarstellen.

Irgendwie hatte er es sich weniger anstrengend und nervenaufreibend vorgestellt, Vater zu sein.

Aber interessanterweise verschaffte es ihm auch eine bislang unbekannte Zufriedenheit und Genugtuung. Er war für Laura zuständig und er würde sie erziehen. Es lag in seiner Verantwortung, wie Laura von nun an aufwuchs.

Snape seufzte.

Wieso konnten Kinder nicht einfach das tun was man von ihnen verlangte? War es so schwierig, die paar Regeln zu befolgen?

Es musste in der Natur der Kinder liegen.

Er hätte es natürlich auch Minerva überlassen können, die Kinder zu bestrafen, aber er kannte die Lehrerin nur zu gut. Sie würde sie bestenfalls sogar noch belohnen, für ihren unüberlegten, gefährlichen Ausflug. Er musste ja nur an den Zwischenfall in der ersten Flugstunde denken, als Potter seinen Stunt mit dem Besen hingelegt hatte. Zur „Strafe" durfte er jetzt im Quidditch-Team mitspielen.

Nein, seine Tochter würde das nächste Mal wohl zweimal überlegen, was sie tat.

Sie schien weder Regeln noch Grenzen zu kennen. Zu lange hatte sie einfach ohne Konsequenzen tun und lassen können, was sie wollte.

Wie Laura gesagt hatte, war ihre Mutter zwar ziemlich streng mit ihr gewesen, aber was konnte das Mädchen schon noch alles wissen, aus der Zeit als sie ein Kleinkind war?

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Lauras Gefühle wirbelten durcheinander. Sie hatte sich auf eine Treppe gesetzt, die ziemlich weit hinten in einem Korridor irgendwo hinführte, aber Laura war egal gewesen, wohin. Hauptsache sie war allein.

Sie war ziemlich erschrocken gewesen, als Snape ihr ein paar gepfeffert hatte.

Ihre Verwandten hatten sie nie bestraft. Nein, sie konnte noch so provozieren, die Tante wetterte höchstens und schimpfte vor sich hin, aber passiert war nie etwas.

Laura konnte sich erinnern, dass sie als Fünf- oder Sechsjährige mal den ganzen Karottensalat in der Wohnung herum gespuckt hatte, um ihre Grenzen zu testen und um Aufmerksamkeit zu bekommen, aber nichts, gar nichts hatte sie damit erreicht.

Ihre Tante war immer damit beschäftigt, bei den Zwillingen Schadensbegrenzung zu betreiben, so gut es ging. Mit der Zeit war sie wohl auch ein wenig resigniert und ließ vieles einfach durch, da dies viel weniger Energie und Einsatz erforderte.

Laura hatte die Knie zur Brust gezogen. Sie fühlte, wie Trotz in ihr rumzüngelte. Sie hatte das schon in Snapes Büro gefühlt, aber sie hatte zu großen Respekt vor dem Mann, um eine freche Bemerkung zu machen oder ihm zu wiedersprechen. Sie wusste genau, dass Snape das nicht dulden würde.

Aber genau das gab ihr komischerweise auch eine Sicherheit: Dass sie wusste, woran sie bei ihrem Vater war. Es schien ihm nicht egal zu sein, was sie tat.

Sie saß da und dachte nach. Sie wusste nicht, warum ihr Tränen aus den Augen rannen. Sie beobachtete, wie sie auf ihre Jeans tropften und dort von dem Stoff aufgesogen wurden.

Der Trotz machte nun einem anderen Gefühl platz, welches Laura nicht genau einordnen konnte, da sie es zum ersten Mal fühlte. Aber es war definitiv besser als der Trotz, den sie eben noch gefühlt hatte.

Jemand kümmerte sich um sie.

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Als Laura den Gemeinschaftsraum betrat, wurde sie schon von ihren besorgten Freunden empfangen.

Hermine, die ihr entgegen gelaufen kam, legte den Arm um Lauras Schultern und fragte mit roten Wangen. "Und?"

„Ist wohl ziemlich in die Hosen gegangen......... oder auf die Hosen in diesem Fall," fügte Laura leise hinzu.

Bevor Hermine nachfragen konnte, was sie damit meinte, kam Harry angestürmt.

"Die McGonagall hat jedem von uns 20 Punkte abgezogen.

Und, war dein Vater sehr sauer?" Etwas schüchtern sah er dabei seine Freundin an, die ein wenig rote Augen hatte.

„Kann man so sagen," antwortete Laura knapp, „die Süßigkeiten sind jedenfalls futsch!"

„Du kannst von meinen haben," bot Harry an und Laura lächelte ihn an. Es war herrlich, gute Freunde zu haben!

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Snape versuchte sich auf das Korrigieren zu konzentrieren, aber er saß nur da und rieb sich die Schläfen.

Dieses Kind würde ihm wohl noch eine ganze Menge grauer Haare bescheren, bis sie erwachsen war.

Ja, sie hatte es verdient, versohlt zu werden und er hoffte, dass es bei dem Mädchen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Es wurde höchste Zeit, dass ihr jemand Manieren beibrachte. Er würde es nicht zulassen, dass ihr etwas passierte. In Hogsmeade liefen ja genügend schräge Figuren rum. Sie würde es nicht nochmal wagen, sich davon zu schleichen.

Lauras tränennasse Augen schwammen aber immer wieder in seine Erinnerung, warum musste sie ihn auch so ansehen, mit diesem Dackelblick.

Den musste sie wohl einstudiert haben, normalerweise fiel er auf alle diese Blicke, die er schon bekommen hatte, nicht herein. Er kannte sie alle.

Warum blieb ihm gerade der von Laura so in den Gedanken hängen?

Severus seufzte. Es fiel ihm auf, dass er dies in letzter Zeit häufig tat.

Er würde wohl gut auf Laura aufpassen müssen, wenn sie anfing Jungs mit diesem Blick zu betören.

Ein fieses Zwicken machte sich bei diesem Gedanken in seinem Bauch bemerkbar.

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Die nächsten Tage ging Laura abends immer wieder in Snapes Privaträume und erledigte auch manchmal ihre Hausaufgaben dort.

Es war eine neue Erfahrung für sie, dass jemand sie bei Schularbeiten unterstützte, auch wenn Snape ziemlich streng mit ihr war und viel von ihr erwartete.

In Pflanzenkunde hatte sie ein bisschen Mühe und konnte sich die verflixten Pflanzen nie so richtig merken und vor allem, für was sie gut waren und welche gefährlich waren.

Manchmal verdrehte sie die Augen, wenn ihr Vater sich einfach nie mit ihren Arbeiten zufrieden geben wollte und sie manches doppelt schreiben musste.

Als er ihr aber androhte, ihre Augen als Zaubertrankzutat zu verwenden, wenn sie es nochmals wagen würde, ihre Augen so zu verdrehen, ließ sie es lieber sein, denn Snape schien immer alles zu sehen und auch hinten Augen zu haben.

Hermine war ein bisschen eifersüchtig, sie hätte diese Unterstützung nur zu gerne angenommen, Laura wunderte sich immer wieder über den unglaublichen Ehrgeiz und Eifer des muggelstämmigen Mädchens.

Zweimal hatte Laura mit ihrem Vater in seinen Räumen zu Abend gegessen. Sie dachte sich schon, dass sie jetzt eine Lektion in Tischmanieren bekommen würde. Allerdings bat Snape sie nur, ihn zu beobachten und es ihm gleich zu tun, was Laura noch recht lustig fand.

Sie imitierte ihren Vater nicht nur beim Umgang mit Messer und Gabel, sondern auch seinen Gesichtsausdruck. Snape musste dabei ein Lächeln unterdrücken, da sie ein Talent dafür zu besitzen schien.

Snape hatte sein Gästezimmer ein wenig umgestaltet und auch das Bett für Laura hergerichtet für den Fall, dass sie mal bei ihm übernachten würde.

Nach den Hausaufgaben sah sie ihrem Vater gerne zu beim Brauen.

Ihr Interesse freute ihn, auch wenn er das nicht wirklich zeigte.

Sie wusste, dass sie ruhig sein musste, ihr Vater erklärte ihr aber ab und zu etwas, und sie bemühte sich sehr, sich alles zu merken.

Es war nicht nur das Interesse am Brauen, das wäre wahrscheinlich nicht so groß gewesen, nein, sie wollte unbedingt gut sein in Zaubertränke. Nicht, dass ihr Vater von ihr enttäuscht wäre.

Mit der Zeit fand sie es aber auch wirklich spannend, da sie immer besser verstand, wovon Snape sprach. Außerdem genoss sie es, Zeit nur mit ihrem Vater zu verbringen. Immerhin musste sie sich ja an ihn gewöhnen.

Sie liebte es, die Gesichtsausdrücke ihres Vaters zu studieren, wenn er die verschiedenen Zutaten mischte, oder wie er sie ansah, wenn sie etwas vorbereiten durfte, oder auch, wenn er einfach dastand und in den Tränken rührte.

Er strahlte dabei eine große Ruhe und Leidenschaft aus.

Laura wusste auch, dass Snape einer der bekanntesten und besten Tränkemeister war, was sie natürlich sehr stolz machte.

Snape hätte es kaum für möglich gehalten, aber er mochte es, wenn Laura bei ihm war und ihm schweigend zusah. Es nervte ihn nicht mal, wenn Laura etwas von der Schule oder ihren Freunden erzählte.

Was ihm allerdings ein bisschen auf dem Magen lag, war, dass ausgerechnet Harry Potter einer ihrer Freunde sein musste.

Aus Lauras Erzählungen zu schließen, war er aber bis auf sein Äußeres nicht wie sein Vater, was Snape ziemlich beruhigte.

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Das Fliegen machte Laura auch ziemlich Spaß, obwohl sie es noch recht schwierig fand und ihr in einer gewissen Höhe auch mulmig im Magen wurde.

„Du bist wirklich ein Superflieger, Harry." Laura sah ihren Freund bewundernd an, der mit einem Vollstopp auf dem Schulbesen bei Laura stehen blieb.

Laura klammerte sich an ihren Besen, denn Harry war beinahe in sie hinein gekracht.

„Danke, Laura, ich bin so gespannt auf das erste Quidditch-Spiel. Hoffentlich mache ich mich nicht lächerlich!" Harry war ziemlich nervös, weil er noch nicht so viel über dieses Spiel wusste.

„Bestimmt nicht, wir könnten ja Abends manchmal ein wenig trainieren. Ich fliege zwar nicht so gut, Hermine ist auch nicht gerade ein Ass, aber Ron und Emma sind wirklich nicht schlecht, oder?"

Das fand Harry super. Er war so aufgeregt, dass er nun im Quidditch Team war. Und das nach so einem blöden Zwischenfall mit Nevilles Erinnermich!

TBC....

Ein ganz grosses Dankeschön an scientific ida, fürs Korrigieren und die guten Tipps.

Sally