Schulden?
„Hör mal, Mädel, ich glaube du schuldest uns noch was, nicht wahr?" Fred und George gingen auf beiden Seiten neben Laura her und legten ihre Arme um Lauras Schultern.
Diese fühlte sich ziemlich eingeengt und schüttelte die beiden ab.
„Was meint ihr?" fragte sie genervt, obwohl sie die Antwort ja eigentlich kannte.
„Wir haben unseren Teil des Deals erfüllt, ist doch nicht unser Problem, wenns daneben ging. Du schuldest uns jedenfalls den Trank," stellten sie sachlich fest.
Die Jungs schienen unnachgiebig und eigentlich hatten sie ja auch recht. Sie hatten ihren Teil der Abmachung ja wirklich erfüllt.
Laura blieb stehen und sah die Zwillinge verzweifelt an.
„Mein Vater wird mich häuten und als Zaubertrankzutat verwenden, wenn er das raus findet. Ehrlich, Jungs, das könnt ihr nicht von mir verlangen."
Flehentlich sah Laura die größeren Jungen an.
Sie wollte ihren Vater weder bestehlen noch enttäuschen, aber was blieb ihr schon übrig.
„Wir könnten dir Rückendeckung geben, der erwischt dich schon nicht," bot Fred an.
„Nein danke. Wenn, dann mach ich das alleine." Laura überlegte fieberhaft, wie sie das anstellen konnte.
„Welcher Trank ist es denn, es hat so viele in den Regalen, hunderte, oder tausende."
Die beiden Jungen sahen sich zufrieden an.
„Wir entwickeln neue Bonbons, aber das ist noch geheim," sagte George wichtig. "Was wir brauchen ist eine rote Flüssigkeit, Marpleessenz Nr.5 heißt sie."
Laura nickte zögerlich.
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Laura hatte die ganze Woche an einem Plan herum studiert.
Im Bett kamen ihr immer die besten Ideen und sie lächelte, als ihr endlich etwas Brauchbares einfiel, nachdem sie an einem Abend lange wach gelegen hatte.
Der Plan war gut, aber sie hatte ein so schlechtes Gewissen dabei, dass sie kaum einschlafen konnte und sehr schlecht schlief.
Am Dienstagabend hatten sie Flugstunden bei Madam Hooch.
Laura wusste, dass Hufflepuff und Ravenclaw um diese Zeit Zaubertränke-Unterricht hatten.
Also würde ihr Vater beschäftigt sein.
Nun musste nur noch alles glatt gehen.
„Madam Hooch, darf ich bitte gehen, ich habe solche Bauchschmerzen."
Laura hielt sich den Bauch und machte ein schmerzverzerrtes Gesicht und gab sich größte Mühe krank auszusehen.
Die Lehrerin runzelte die Stirn, aber sie wusste, wie gerne das Mädchen flog, deshalb nickte sie und antwortete: "Melde dich in der Krankenstation, gute Besserung, Miss Smethurst."
„Vielen Dank." Laura machte sich schnell davon Richtung Umkleideräume.
Beinahe ein bisschen zu schnell für ein krankes Kind.
Als sie ins Schloss kam und um eine Ecke lief, rannte sie fast in Hagrid hinein, der sie freundlich anlächelte.
„He he, nicht so hastig, sonst rennst du mich noch über den Haufen!!!" witzelte der Halbriese und sah das kleine Mädchen an, welches sich nun schnell den Bauch hielt.
Sie erzählte ihm, dass ihr nicht so wohl wäre und sah ihn mit entschuldigendem Lächeln an, als sie schnell weiter lief.
Hagrid sah ihr ein wenig überrumpelt nach, schüttelte dann den zottligen Kopf und ging weiter.
Da Laura keine Zeit verlieren wollte, zog sie sich nicht um, sondern stopfte ihre Kleider in die Tasche und lief im dunkelroten Traineranzug Richtung Kerker.
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Sie keuchte leicht, als sie das Büro ihres Vaters erreichte, schaute sich um und trat vorsichtig ein.
Zum Glück hatte er ihr gezeigt, wie sie in sein Büro kommen konnte, von wo aus es in Snapes private Räume ging.
Sie kam sich allerdings vor wie ein Einbrecher. Sie fühlte sich schrecklich.
In Snapes Büro sah sie sich um.
Sie lief zu den Regalen, wo die Tränke und Zutaten waren.
Sie hörte ihr eigenes Herz klopfen. In solchen Dingen war sie noch nie gut gewesen. Sie spürte wie ihre Hände leicht zitterten und die Knie waren weich wie Wackelpudding.
Nervös sah sie sich nochmals um und ließ ihre Augen hastig über die Regale streifen.
Rot, rot , rot......DA! Das musste es sein. Es waren die einzigen Roten die sie sah. Sie schaute nochmals, ob es noch andere Rote gab, aber sie sah keine.
Diese verdammten Fläschchen waren zu hoch für sie und sie sah sich suchend um. Sie schnappte sich einen Stuhl und schob ihn schnell zu den Regalen.
Stopp! Hatte sie da nicht etwas gehört?
Schnell schnappte sie sich eines der roten Fläschchen und stopfte es tief in die Tasche ihrer Trainerjacke.
Sie sprang vom Stuhl und rutschte stellte ihn zum Tisch zurück.
Schweiß stand auf ihrer Stirn. Nichts........ hatte sie sich getäuscht?
Doch in dem Moment ging die Bürotür auf.
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Die Wahrheit
Mit unschuldigem Gesicht saß Laura eine halbe Stunde später mit Snape in seinen Privaträumen am soliden Holztisch.
Nachdem sie ihm mit Dackelaugen versichert hatte, dass sie in seine Räume gekommen war, um mit ihm zu Abend zu essen, saß sie nun vor einem Teller Nudeln mit Gemüse und etwas Braunem, das sie nicht wirklich identifizieren konnte.
"Wieso bist du im Traineranzug, hattest du keine Zeit dich umzuziehen? Oder hattest du solche Sehnsucht nach mir?"
Laura lief rot an bei dieser Frage, was wusste ihr Vater? Wieso lächelte er so….. so... spöttisch?
Sie stocherte verlegen ihn ihrem Essen rum.
„Hast du keinen Appetit?" fragte Snape seine Tochter und Laura hatte das unangenehme Gefühl geröntgt zu werden.
Und war da ein zynischer Unterton in Snapes Stimme?
Snapes schwarze Augen sahen sie so an, als wüsste er über alles Bescheid.
Laura rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl herum. Sie hatte einfach keine Nerven für so was.
Er wusste es. Sie spürte es.
Nein, sie konnte das einfach nicht! Egal ob die Weasleys sie dafür umbrachten, aber sie hielt es einfach nicht mehr aus.
Langsam nahm sie das Fläschchen aus der Trainerjackentasche heraus und stellte es mit zittrigen Fingern auf den Tisch.
Sie schluckte, konnte ihrem Vater nicht in die Augen sehen, als sie leise sagte: "Tut mir Leid, Sir.......... ich habe das im Büro genommen."
Ihre Stimme war zum Schluss kaum mehr als ein Hauch und ihre Wangen waren ganz rot und ziemlich heiß.
Als sie den Blick hob, schwammen Tränen in ihren Augen. Sie schämte sich so.
Snape sagte nichts und sah sie nur an. Elend lange.
Dann streckte er den Arm aus, griff Laura unter dem Kinn und zwang sie so, den Kopf zu heben und ihn anzusehen.
„Weißt du, was das für ein Trank ist, Laura?" Seine Stimme war ruhig und Laura starrte auf seinen Mund, um den Augen auszuweichen.
„Nein, Sir." Sie schüttelte den Kopf so gut es ging in seinem Griff.
Snape runzelte die Stirn und ließ Lauras Kinn los. "Dies ist ein Konzentrat aus Wolfskrallenwurzel und Pfefferblatt und auch eine geringe Menge Phasanenpilz. Wenn das in einer zu hohen Dosis eingenommen wird, kann es ziemlich gefährlich sein. Es greift die Magenwände an und es könnte zu massiven Magenblutungen kommen. Ein ganzes Fläschchen davon könnte ein Pferd töten."
Laura sperrte die Augen auf und antwortete entsetzt: "Aber die Jungs haben gesagt es sei Marpleessenz und..." Sie schlug erschrocken die Hand vor den Mund. Sie hatte schon fast zu viel gesagt, verdammt.
Snape hob die Augenbraue. "Du hast einfach ein rotes Fläschchen geschnappt, nicht wahr?"
Snape sah Laura intensiv in die Augen. Als Snape weiter sprach, senkte Laura ihren Blick und fuhr mit dem Zeigefinger die Kante des Holztisches nach.
„Ich bin sehr enttäuscht von dir, Laura, dass du dich hast überreden lassen, für irgend jemanden etwas aus meinem Büro zu stehlen. Das hätte drastische Folgen haben können. Zaubertränke können wohl heilen, sind aber auch sehr gefährlich, wenn man sie nicht richtig anwendet."
Snape ließ diese Worte einsinken und dann fügte er hinzu: "Aber ich bin…. stolz auf dich, dass du es von dir aus zugegeben hast."
'Habe ich das jetzt wirklich gesagt?' dachte Snape und biss die Zähne fest zusammen.
Lauras Kopf schoss hoch. Hatte sie wirklich richtig gehört? Träumte sie?
Sie war zerknirscht und beschämt wegen der ganzen Sache, aber noch nie hatte ihr jemand gesagt, dass er stolz auf sie sei. Ein warmes Gefühl breitete sich in ihrem Bauch aus.
Snape sah die Verwunderung auf Lauras Gesicht.
„Meine Unterrichtsstunde endete nach einem kleinen... 'Zwischenfall' ein paar Minuten früher und nachdem mir Hagrid erzählt hat, dass du wegen Bauchweh früher aus dem Flugunterricht gegangen seist und er dir auf dem Weg in den Krankenflügel begegnet sei, du dort aber scheinbar nie aufgetaucht bist, dachte ich mir schon, dass da etwas nicht stimmt. Auf dem Weg in den Kerker berichtete mir der blutige Baron, dass er dich in mein Büro hat schleichen sehen."
Snape sah Laura streng an, die nun ziemlich verwirrt schien.
„Ich weiß auch, dass du es nicht für dich gestohlen hast, Laura. Es ist dein Glück, dass du es mir selber gebeichtet hast und ich bin sehr froh darüber."
Ich bin auch ziemlich froh darüber, wäre sonst wohl dümmer raus gekommen!! Laura wurde heiß und kalt, wenn sie daran dachte, was hätte passieren können. Und sie wäre Schuld gewesen.
Sie hatte ganz schwitzige Hände bekommen und sagte:
"Es tut mir Leid, Sir, wirklich, ich hätte nicht darauf eingehen sollen." Laura sah nun ziemlich zerknirscht aus.
„Ich möchte die Geschichte dahinter gar nicht erfahren, Laura, ich kann mir auch gut vorstellen, für wen das Fläschchen sein sollte. Trotzdem hast du es versucht und ich muss dich dafür bestrafen."
Lauras Augen wurden groß. 'Oh nein,' dachte sie. Sie schluckte schwer.
„Du wirst dich diese Woche nicht mit deinen Freunden treffen, außer im Unterricht. Du kommst jeden Tag nach dem Unterricht hierher, verstanden?"
Laura dachte an das Quidditchtraining, das sie so gerne mit ihren Freunden machte und ließ die Schultern hängen.
„Das ist aber gemein....." Sie fühlte wie es in ihr rebellierte, sah aber dann den warnenden Blick ihres Vaters. Sie blickte zum gestohlenen Fläschchen hin und ihr Gesicht wurde ganz heiß.
„Ja, Sir," sagte sie und fügte hinzu: „Darf ich heute hier schlafen?"
Snape war über diese Frage ein wenig erstaunt, schließlich hatte er Laura eben eine Strafe aufgebrummt. Und ihr trotziger Gesichtsausdruck war ihm keinesfalls entgangen.
Vermutlich wollte sie heute nicht unbedingt mehr den Weasleys über den Weg laufen und er antwortete mit einem simplen 'Ja'.
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Im Pyjama saß Laura neben Snape, der an seinem Holztisch Zaubertrankzutaten zubereitete.
Wie fast immer saß das Mädchen still da und sah ihm aufmerksam zu.
Snape hatte sich bereits ein bisschen daran gewöhnt, in seiner Freizeit, und vor allem in seinen privaten Räumen jemanden bei sich zu haben.
Zum Glück war seine Tochter meistens still und quasselte ihn nicht die ganze Zeit mit langweiligen Dingen zu, wie Kinder das so an sich hatten.
Ein bisschen genoss er es tatsächlich, wenn das Mädchen ihm interessiert zusah.
„Diese Stängel da kannst du in ein Zentimeter große Stücke schneiden."
Snape schob Laura ein Brettchen hin, auf dem ca. 20 cm lange Pflanzen lagen, die sie ein wenig an Lauch erinnerten, deren Blätter sich aber bewegten, was Laura ein bisschen schräg fand.
Erstaunt und auch ein bisschen stolz, nahm sich das Brett und das Messer entgegen.
Snape hatte ihr schon ein paar mal etwas zum Vorbereiten gegeben, aber es waren immer Dinge zum Schälen gewesen oder zum Ausdrücken oder zum Abpflücken.
Sie wollte ihn nicht enttäuschen, sie wollte sich richtig Mühe geben.
Schneiden war nicht ihre Stärke.
Genau genommen hatte sie erst in der Schule richtig gelernt mit Messer und Gabel klar zukommen, da bei ihr zu Hause nur sehr selten an einem Tisch gegessen wurde.
Meistens ging es zu wie in einem Ameisenhaufen und jeder hatte sich da und dort etwas zu Essen geschnappt.
Natürlich hatte sie sich dafür geschämt, deshalb hatte sie in der Schule meistens ein Sandwich gegessen, was auch nicht gerade dazu beitrug, dass sie es lernen konnte.
Sie biss vor Anstrengung und Konzentration auf ihrer Unterlippe rum, als sie nun mit dem Messer die Stängel in Stücke schnitt.
Snape sah ihr aus den Augenwinkeln zu und unterdrückte ein Kopfschütteln.
Das Mädchen war sonst doch nicht so ungeschickt, sie schien sich aber sehr Mühe zu geben und war sichtlich konzentriert.
Er würde sie von nun an immer wieder üben lassen, dann würde es schon noch kommen, das Feingefühl.
„Danke Laura, geh jetzt ins Bett, es ist schon 20.30 Uhr," sagte Snape nach einer Weile.
Laura sah ihn empört an und antwortete: „Es ist aber noch früh und ich bin überhaupt kein bisschen müde!"
„Ins Bett," sagte Snape nur, ohne seine Stimme zu heben.
„Noch fünf Minuten, BITTE!" bettelte sie.
„Nein," sagte Snape entschieden, seine Geduld wurde langsam dünn.
„Drei Minuten?" Laura sah ihren Vater bittend an. Der schaute ziemlich streng zurück und sie merkte, dass sie seine Geduld auf eine harte Probe stellte.
Nein, sie sollte wohl besser nichts riskieren. „Gute Nacht, Sir," sagte sie, stand auf und ging mit einem resignierten Stöhnen davon.
„Putz deine Zähne, ich komme dann noch zu dir." Snape hatte das gesagt ohne nachzudenken.
Bin ich jetzt schon so weit, dass ich Kinder ins Bett bringe?
Sie ist ja eigentlich alt genug, sie braucht bestimmt keine Gutenachtgeschichte oder -Liedchen mehr.
Bei der Vorstellung wie er ein Gutenachtlied sang, musste er beinahe lächeln.
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Laura hatte sich im Bett eingekuschelt. Das Zimmer war zwar einfach eingerichtet, aber Laura fühlte sich sehr wohl darin.
Selten bis nie war jemand noch zu ihr ins Zimmer gekommen, um ihr eine gute Nacht zu wünschen.
Es war ein seltsames Gefühl auf ihren Vater zu warten, aber auch ein Schönes. Sie lächelte in ihr Kissen.
Oder wollte Snape ihr nochmals etwas sagen wegen dem Fläschchen?
Bei dem Gedanken wurde sie ein bisschen nervös.
Sie hatte auf ganzer Linie versagt. Die Weasleys würden wütend sein auf sie, weil sie ihren Teil der Abmachung nicht eingehalten hatte. Die würden sie nicht einfach so davon kommen lassen, dessen war sie sich ganz sicher.
Ihr Vater war enttäuscht, weil sie ihn bestohlen hatte und sie selber ärgerte sich, warum sie sich nur auf so einen Deal hatte einlassen können. Sie hätte sich selber in den Hintern beißen können, als sie an die dumme Sache dachte.
Jetzt in der Stille in ihrem Bett fand sie das eigentlich alles noch schlimmer.
Als ihr Vater das Zimmer betrat, kämpfte sie gerade gegen aufkommende Tränen an und zupfte nervös an der Bettdecke rum.
'Was ist nun wohl schon wieder,' dachte Snape, als er den Gesichtsausdruck seiner Tochter sah.
Er setzte sich neben sie aufs Bett.
„Was ist es, Laura?" Seine Frage war relativ freundlich gestellt und nun rollten ein paar Tränen über das Gesicht des kleinen Mädchens.
„Ich mache alles falsch," sie schluckte und schniefte unterdrückt.
„Immer enttäusche ich alle. Erst Emma , dann Sie, Sir.... dich.... und dann...." Sie wollte die Zwillinge nicht verraten, obwohl sie sicher war, dass ihr Vater bereits Bescheid wusste, wen sie meinte.
Schnell strich sie mit dem Handrücken die Tränen vom Gesicht. Nun bin ich auch noch eine Heulsuse, na prima!
Snape strich ihr eine schwarze Locke aus dem Gesicht, zog seine Hand aber schnell wieder zurück, als er merkte, was er da tat.
„Du bist ein Kind, Laura, du bist erst elf. Kinder machen Fehler, nicht nur Kinder, außerdem. Du musst aus den Fehlern lernen, die du machst. Du hast mir rechtzeitig Bescheid gesagt, was wohl auch kein Fehler war, sonst würdest du heute auf dem Bauch schlafen müssen, glaub mir."
Snape gab ihr einen strengen Blick, aber sie lächelte leicht, denn sie sah, dass sich hinter Snapes strenger Miene auch ein Lächeln verbarg.
Ja, sie war auch froh, dass sie es gesagt hatte. Sie würde sich wohl noch viel schlechter fühlen jetzt, wenn sie es nicht getan hätte, dessen war sie sich ganz sicher.
Und schließlich hatte Snape gesagt, dass er stolz auf sie sei und sie wusste, dass er nicht häufig Lob austeilte. Eeigentlich hatte sie es noch nie gehört. Höchstens ansatzweise und ausschließlich zu Slytherins.
Sie fühlte sich um einiges besser. Sie war so froh, dass ihr Vater nicht mehr böse auf sie war.
„Sir, ich habe noch eine Frage." Laura hatte das schon lange fragen wollen und fand die Gelegenheit nun günstig.
„Dann frag." Snape war gespannt.
"Es ist wegen meiner Tante. Ich meine.... wie könnte ich ihr helfen, wegen … ehhmm, wenn sie sich nicht wohl fühlt und so. Und meine Cousins sind wirklich richtige Plagegeister... und..."
Snape merkte, dass Laura nicht recht wusste, wie sie sich ausdrücken sollte und er sah sie intensiv an.
„Laura, du kannst deiner Tante nicht helfen. Deine Tante ist erwachsen und sie muss sich selbst Hilfe suchen. Ich bin sicher, dass sie sich ihrer Situation bewusst ist. Ausserdem ist da ja noch dein Onkel.
Du bist ein Kind, es ist nicht deine Aufgabe auf deine Tante aufzupassen."
Laura sagte darauf nichts und dachte nach.
„Ich werde mich aber der Sache annehmen, wenn du das willst," fügte Snape dann noch hinzu und sah, dass sich Lauras Gesichtszüge entspannten.
„Ja, das wäre gut, danke, gute Nacht Sir, und danke, dass ich hier schlafen darf.
Obwohl ich noch nicht müde bin!" fügte sie noch schnell hinzu und lächelte Snape frech an.
Sie drehte sich zur Seite und kuschelte sich in das weiche Kissen, dass man von ihrem Gesicht nichts mehr sah. Nur noch dunkle Locken. Ja, sie fühlte sich deutlich besser.
Snape stand auf.
"Gute Nacht."
Damit ging er aus dem Zimmer und ließ die Tür einen Spalt breit offen. Er blieb noch einen Moment vor der Türe stehen.
Seine Tochter so bei sich zu haben, war ziemlich speziell und neu für ihn. Es fühlte sich aber gar nicht so schlecht an.
Wenn die kleinen Monster schlafen, sind sie ja auch recht angenehm.
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Alles nur geträumt?
Erschrocken schoss Laura hoch.
Ein schlimmer Traum hatte sie geweckt; ein Traum von hässlichen Monstern, denen sie einfach nicht entwischen konnte, so sehr sie auch rannte, sie kam nicht vom Fleck.
Sie war froh, dass sie endlich aufgewacht war. Es dauerte einen Moment, bis sie begriff wo sie war.
Laura strich sich die verschwitzten Haare aus dem Gesicht.
Sie stand aus dem Bett auf und ging aufs Klo. Als sie wieder in ihr Zimmer gehen wollte sah sie, dass im Wohnzimmer noch Licht brannte, aber es musste doch mitten in der Nacht sein.
Auf leisen Sohlen ging sie zum Wohnzimmer. Sie wollte schauen, ob ihr Vater noch wach war.
Der Steinboden war sehr kalt unter ihren nackten Füssen. Sie sah sich um und schlang ihre Arme um sich.
Snape war halb sitzend, halb liegend auf dem Sofa eingeschlafen, mit einem Buch in der Hand.
Er musste doch bestimmt frieren. Zumal im Kamin nur noch eine kleine Glut war.
Sie ging leise zu ihm und sah ihn an, sah ihm zu wie er schlief.
Sie fragte sich, wie es wohl gewesen wäre, wenn sie bei Snape aufgewachsen wäre.
Wäre sie ein anderer Mensch?
Sie hätte von Klein auf von Zauberei gewusst. Er wäre bestimmt streng mit ihr gewesen, aber vielleicht wäre auch das zu ihrem Vorteil gewesen?
Nein, sie wollte nicht daran denken, sie würde nie erfahren, wie es gewesen wäre.
Und wenn sie ihn nie getroffen hätte, hier in Hogwarts?
Nein, auch daran wollte sie nicht denken. Es ist gut, so wie es ist, dachte Laura.
Sie ging zu dem Sessel bei der Feuerstelle und nahm die dunkelgrüne Decke, die zusammengelegt über der Lehne lag und breitete sie aus.
Vorsichtig legte sie die Decke über ihren Vater.
Sie beugte sich zu ihm herunter und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze.
"Ich hab dich lieb, Dad," flüsterte sie und ging davon.
Sie war überrascht über ihre eigenen Worte und hätte sie auch nie ausgesprochen, wenn er nicht geschlafen hätte.
Aber es tönte ziemlich gut in ihren Ohren. Sie tapste leise zu ihrem Zimmer zurück.
Sie bemerkte nicht, wie sich die Augen des Mannes einen Spalt breit öffneten und ihr nach sahen.
TBC....
Vielen Dank denen, die so nett waren mir ein Feedback zu geben. Und vielen Dank an scientific ida, die so nett war auch dieses Kapi zu korrigieren. :-)
Bis zum nächsten Kapi Gruss Sally
