Rache ist süß!
„Erzähl schon, mach's nicht spannend!" Harry, Emma, Ron und Hermine sahen Laura erwartungsvoll an. Die fünf Kinder saßen am Boden des Gemeinschaftsraumes in einem Kreis beisammen, das heißt, Ron lag eher.
Sie steckten die Köpfe näher zusammen und Laura erzählte den Anderen leise von ihrem Plan.
Harry und Ron lachten laut, als sie von Lauras Idee hörten, Emma kicherte und Hermine schaute etwas empört.
„Also ehrlich, Laura, das arme Tier," sagte Hermine, aber musste dann doch auch ein bisschen lächeln.
„Und warum hexen wir dem Untier nicht einfach einen Fluch an den Hals?" wollte Harry nun wissen. Warum so einen komplizierten Plan aushecken, wenn man doch zaubern konnte?!
„Weil man ganz einfach herausfinden würde, von welchem Zauberstab aus dieser Fluch abgegeben wurde." Hermine setzte ihren besserwisserischen Blick auf. Ron verdrehte heimlich die Augen.
„Ja, mit dem Spritz-Streich wird uns niemand auf die Schliche kommen. Müssen uns halt nicht erwischen lassen. Und auch wenn Miss Norris uns sehen würde, sie könnte ja nicht petzen," fügte Laura stolz hinzu. Sie hatte wirklich einen super Plan ausgeklügelt, fand sie.
„Bist du sicher?" fragte Emma und rümpfte die Nase. "Bei dieser Katze weiß man nie so genau..."
Der Plan musste sofort in die Tat umgesetzt werden, dessen waren sie sich einig.
„O.K., Harry und Ron, ihr holt die Pilze und wir besorgen den Rest," sagte Laura eifrig und stand auf.
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Ron und Harry machten sich sofort auf zum 'Pilze sammeln' und die Mädchen gingen in den Schlafsaal und sahen sich um.
„Eine Spritzpistole wäre genial," meinte Laura und setzte sich aufs Bett.
„Wie lange, meinst du, wirkt dieses Zeug?" fragte Emma, die sich nun neben Laura setzte, die eine rabenschwarze Locke um den Finger drehte.
Laura stand auf und nahm sich eine Trainerjacke, die am Bettpfosten gehangen hatte und zog sie an. Hier oben war es schon kühl, es wurde wirklich Winter.
„Weiß nicht, ist doch nicht unser Problem. Jedenfalls bestimmt lange genug," sagte sie, während sie den Reißverschluss der dunkelroten Jacke hochzog.
„Vielleicht ein leeres Parfumfläschchen?" überlegte Hermine. „Spritzt allerdings nicht gerade weit."
„Mein Bruder hatte mal eine Spritzpistole, die mein Onkel ein bisschen verzaubert hat, sodass sie megaweit spritzte. Könnte man das nicht auch mit einem Parfumfläschchen versuchen, dass es eben weiter spritzt?" Emma sah Hermine erwartungsvoll an, sie wusste, dass wenn jemand von ihnen so was tun konnte, dann war es Hermine.
Hermine überlegte und ging in Gedanken ihre Bücher durch. Dann stand sie auf und schritt zur Tür.
„Ich habe eine Idee, gehe mal schnell in meinen Büchern stöbern." Ja, ein Intensivierungszauber wäre sicher nicht schlecht, dachte sie. "Habt ihr denn ein Parfumfläschchen?"
Emma nickte eifrig. "Ja, es ist zwar noch Parfum drin, aber das stinkt sowieso. Hab es von meiner Tante geschenkt bekommen." Das Mädchen rümpfte die Nase und Laura musste lachen.
Hermine ging zur Tür hinaus, in Gedanken schon in ihren Büchern blätternd.
Laura und Emma sahen sich an. „Da kann ja nicht wirklich was schief gehen, oder was meinst du?" fragte Laura nun ihre Freundin und zupfte am Reißverschluss ihrer Jacke rum.
Emma sah zu ihr hinunter und lächelte ein wenig.
„Ich glaub nicht. Der Plan ist gut und die Katze und Filch haben wirklich mal einen Denkzettel verdient. Ich freue mich schon, die Katze mal ein bisschen leiden zu sehen. Was Schlimmes passiert ihr ja nicht. Manche Katzen genießen es doch, gekitzelt zu werden, nicht wahr."
Die Freundinnen lächelten sich verschmitzt an.
Ja, dieses gemeine Biest hatte eine Abreibung verdient! Das konnte ja wohl niemand abstreiten.
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Eine halbe Stunde später trafen sich alle Kinder wie verabredet in dem leer stehenden Klassenzimmer, in dem Laura vor nicht all zu langer Zeit Fred und George als Versuchskaninchen gedient hatte.
Laura schüttete soeben Emmas Parfum in das Lavabo und sie musste der Freundin recht geben, es roch wirklich sehr intensiv und künstlich. Zum Glück hatte das Fläschchen einen Drehverschluss, was bei solchen Parfumfläschchen nicht immer der Fall war.
Und mit Parfumfläschchen kannte Laura sich aus. Ihre Cousine hatte Tausende.
„Wieso hast du denn dieses stinkige Zeug überhaupt nach Hogwarts mitgenommen?" fragte Laura ihre Freundin. So etwas hätte sie bestimmt nicht eingepackt für die Schule.
„Hab ich doch gar nicht, meine Tante hat es mir per Eule geschickt, zusammen mit einem Pack uralten Keksen, die mir im Mund sofort zu Staub zerfallen sind. Igitt." Emma verzog das Gesicht, als sie an die Kekse mit Schokolade drin dachte. Wahrscheinlich war das Parfum auch vom letzten Jahrhundert.
Laura wollte eben etwas erwidern, als die Tür aufflog.
Mit roten Wangen kamen Harry und Ron ins Zimmer. Sie atmeten schnell und grinsten die Mädchen an.
„War gar nicht so einfach, diese blöden Pilz-Dinger wieder zu finden."
Ron zeigte drei große Exemplare des eher unscheinbaren weißen Pilzes. Die Jungs setzten sich zu den anderen Kindern auf den Boden.
„Und, wer tut's?" Laura sah die Freunde erwartungsvoll an und hoffte inständig, dass sich jemand freiwillig melden würde.
„Die Frage ist doch auch, wie tun wir's denn genau? Wir müssen uns schon geschickt anstellen." Ron war zwar für jeden Spaß zu haben, war aber dann doch auch ziemlich vorsichtig, wenn's brenzlig wurde.
„Hmm," meldete sich nun Harry zu Wort. "Wir müssen die Katze eben suchen."
Hermines Augen blitzten jetzt abenteuerlustig. „Oder wir müssen sie uns finden lassen, nicht wahr?"
Die anderen Kinder sahen nun zu Hermine, verstanden aber, was sie meinte.
„Also, müssen wir irgendwo hingehen, wo wir nicht sein sollten," sagte Emma. "Oder zu einer Zeit, in der wir nicht mehr auf den Gängen sein dürften."
Laura winkte ab: „Wir warten jedenfalls sicher nicht bis zum Abend, ich will das jetzt durchziehen."
Laura wusste, dass es Emma ein wenig mulmig zu Mute war, aber wenn sie noch länger warten würden, würde Emma am Abend dann vielleicht einen Rückzieher machen.
„Der dritte Stock!" Hermine schlug sich die Hand auf die Stirn. "Professor Dumbledore hat doch klipp und klar verboten in den dritten Stock zu gehen, das ist es!"
„Aber, er hat auch gesagt, dass dort etwas Gefährliches ist, oder?" Emma war eher der vorsichtige Typ und die Idee gefiel ihr gar nicht. Dass dieser Vorschlag ausgerechnet von Hermine kam, wunderte sie ziemlich.
Die Anderen fanden das aber eine super Idee, jetzt war nur noch die Frage, wer von ihnen ging. Sie würden sich verstecken und vielleicht schnell davon rennen müssen. Wenn sie alle gingen, wären sie vielleicht nicht schnell genug.
Sie beschlossen aber trotzdem, alle zu gehen. Sie wollten sich verstecken und nur ganz am Anfang des verbotenen Stockwerkes in der Nähe der Treppe bleiben. Die Katze wollten sie aus ihrem Versteck heraus anspritzen.
„Bleibt die Frage, wer's tut." Hermine sah die Jungs fragend an. Harry erklärte sich dann bereit, diesen Part zu übernehmen. Die restlichen Kinder waren darüber ziemlich erleichtert.
„Wir müssen das aber vorher üben. Ich muss beim ersten Mal treffen," gab Harry zu bedenken. Laura nickte. "Ja, es muss sitzen, sonst merkt sie was und haut noch ab."
Die Kinder füllten das Parfümfläschchen mit Wasser und Harry übte, auf kleine Gegenstände zu treffen. Er musste aber nicht lange üben und hatte es schon sehr bald gut im Griff. Hermines Zauberspruch hatte scheinbar gut gewirkt und der Strahl spritzte ziemlich weit. Sie hatten die Öffnung vorne noch ein wenig vergrößert, sodass auch ein rechter Strahl raus spritzen konnte.
Hermine presste dann den Saft der Pilze in das Fläschchen. Leider war die Öffnung dafür ziemlich eng, deshalb mussten sie einen Trichter basteln. Sie hatten nur Papier zur Verfügung.
Zum Glück safteten die Pilze so gut, denn das Papier zog viel der Flüssigkeit auf. Sie waren zuversichtlich, dass der Saft im Fläschchen zur Genüge reichen würde.
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Angriff!
Sie waren ziemlich aufgeregt. Emma war sehr ruhig geworden und ging angespannt hinter den Anderen her. Eigentlich mochte sie solche Aktionen nicht besonders.
Als sie im dritten Stock waren, sahen sie sich um und suchten eine Gelegenheit sich zu verstecken. Es standen alles so komische Statuen herum und es war ein wenig unheimlich.
Das Licht war schummrig und irgendwie war es hier ziemlich staubig.
Sie fanden alle nahe beieinander ein Versteck und Harry hatte das Fläschchen in der Hand bereit. Hinter Statuen und Steinsäulen saßen sie und hofften, dass die Katze bald auftauchen würde.
Sie warteten gespannt.
Laura kauerte hinter einer düster dreinschauenden Männerstatue, die einen abgebrochenen Arm hatte und nicht wirklich großzügig gekleidet war.
Sie hörte ihr eigenes Herz vor Aufregung klopfen.
„Mann, wenn man das Mistvieh braucht, kommt es nicht!" flüsterte Laura und öffnete den Reißverschluss ihrer Jacke, da ihr vor Aufregung ziemlich warm geworden war. Die Anderen schienen dasselbe zu denken, denn sie lugten aus ihren Verstecken hervor und nickten.
Sie warteten, doch nichts geschah. Was war bloß mit dem siebten Sinn der Katze los?
Laura hielt es nicht mehr aus in ihrem Versteck, nur Emma schien froh zu sein, dass Miss Norris noch nicht aufgetaucht war.
Laura kroch hinter der Statue hervor und Ron kam auch raus.
„Wir müssen vielleicht ein bisschen Lärm machen," sagte Laura, doch kaum hatte sie es gesagt, hörten sie ein bekanntes Miauen.
Die Kinder erschraken und Harry reagierte schnell. Er spritzte einen sauberen Strahl, genau zwischen die Ohren der Katze.
Die Wirkung war unerwartet schnell und gewaltig. Die Augen der Katze weiteten sich und Laura fürchtete, sie würden ihr nächstens aus dem Kopf purzeln. Wie wild geworden rollte sie sich auf dem Boden herum, kratzte und krümmte sich.
Die Kinder waren von dem Schauspiel so fasziniert, dass sie Filch nicht kommen sahen und ganz vergaßen, wieder in ihre Verstecke zu kriechen.
„Was hast du denn meine Liebe, hast du jemanden aufgespürt?" Filch tauchte wie aus dem Erdboden auf und blieb vor seiner sich kratzenden Katze stehen.
Nun kam Leben in die Kinder, die den Mann erst zu spät entdeckt hatten. Dieser hatte die Kinder nun offenbar auch gesehen und sein Mund verzog sich, sodass seine gelben Zähne zum Vorschein kamen.
Emma rannte schnell zur Treppe, dicht gefolgt von Laura. Harry, Ron und Hermine waren in die andere Richtung davon gespurtet. Vor Schreck hatten sie vergessen, dass es sich um den verbotenen Gang handelte.
Filch wollte Emma fassen, diese war allerdings schon an ihm vorbei geflitzt und auf die Treppe gesprungen, welche gerade die Richtung änderte. Laura wollte auch noch drauf springen, aber sie spürte einen Ruck an ihrer Jacke und wurde grob zurück gerissen.
Sie fiel beinahe zu Boden, aber Filch, der sie an der Kapuze ihrer Jacke festhielt, hatte sie mit der anderen Hand an den Haaren gefasst und schüttelte sie unsanft.
Laura verzog schmerzhaft ihr Gesicht.
„Ihr verdammten Bengel! Was habt ihr mit meiner Katze gemacht?" Filch sah Laura tödlich an und sie roch seinen unangenehmen Geruch, als er sich nahe zu ihr hinunter beugte.
„Das wirst du büßen, du Miststück!" Wenn Blicke töten könnten, wäre Laura nun auf der Stelle mausetot umgefallen. Sie funkelte wütend zurück. Wenn es um seine Katze ging, verstand Filch definitiv keinen Spaß.
„Tu uns allen einen Gefallen, Filch, nimm doch bitte deine abgrundtief hässliche Katze und fahr zur Hölle!"
Laura erschrak über ihre eigenen Worte, noch nie hatte sie so mit einem Erwachsenen gesprochen. Und sie hatte eine so höhnische Stimme drauf gehabt, dass sie richtig stolz war auf sich.
Filch ballte wütend die Faust, in diesem Moment gelang es Laura aus ihrer Jacke zu schlüpfen, an der Filch sie immer noch festhielt. Zum guten Glück war nun wieder eine Treppe da und Laura rannte so schnell sie konnte hinunter. Sie stolperte und wäre beinahe gestürzt, aber sie konnte sich noch rechtzeitig auffangen.
Filch fluchte, wandte sich dann aber Miss Norris zu, nahm seine Katze auf den Arm und redete sanft auf sie ein. Er trug sie zur Krankenstation. Madam Pomfrey musste ihr helfen. Was hatte sein Liebling bloß? Sie krümmte sich immer noch und kratzte sich wie wild geworden. Es war gar nicht so einfach sie so zu tragen. Was hatten diese Kröten ihr angetan?
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Außer Atem kam Laura beim Portrait der fetten Dame vor dem Gemeinschaftsraum an, nachdem sie den ganzen Weg durchs Schloss gerannt war.
Ihr Herz schlug wie verrückt, nachdem sie Filch entkommen war. Da hatte sie ja Glück gehabt! Sie hatte gedacht, jetzt dreht er durch.
Sie fühlte sich wahnsinnig mutig, dass sie ihm die Meinung gesagt hatte, allerdings war das mit ihrer Trainerjacke ein bisschen dümmer.
Sie musste sie zurück haben und zwar schnell.
Sie würde sich in sein Büro schleichen und sie holen. Sie durfte sich bloß nicht erwischen lassen, sonst würde er sie womöglich noch totschlagen.
So, wie der vorhin ausgesehen hatte, dieser irre Blick! Laura blinzelte und schlüpfte durchs Portraitloch in den Gemeinschaftsraum. Dabei stopfte sie sich ihre Uhr, deren Bändchen auf dem Weg durch die Gänge nun noch ganz gerissen waren, in ihre Hosentasche.
„Hat er dich erwischt? Du warst plötzlich nicht mehr hinter mir!" Emma kam zu Laura gestürmt und umarmte die Freundin.
„Ja, ich dachte schon, der nimmt mich auseinander, aber zum Glück konnte ich ihm entkommen. Er hat aber meine Jacke, verdammt!" Lauras Augen blitzten gefährlich.
„Wo sind die Anderen?" Laura blickte sich suchen um im Gemeinschaftsraum.
Emma zuckte die Schultern: „Die sind noch nicht zurück gekommen."
Kaum hatte Emma das gesagt, öffnete sich das Portraitloch und die drei Freunde kamen herein. Sie sahen ein bisschen verwirrt aus und ziemlich blass.
Laura und Emma gingen schnell zu ihnen und fragten neugierig nach, wo sie denn gewesen waren. „Und wo ist das Fläschchen," fragte Emma, die sah, dass Harry das Fläschchen nicht mehr in der Hand hielt.
„Kommt," sagte Ron, und steuerte auf eine ruhige Ecke im Aufenthaltsraum zu.
„Das ist krass, sag ich euch," begann Ron. „Ihr glaubt nicht, was die dort oben halten." Ron musste eine Atempause machen und Laura und Emma konnten sich vor Neugierde kaum halten.
„Na, was denn nun," drängelte Laura.
Fred und George waren auf die Kinder aufmerksam geworden. Natürlich sahen sie ihnen an, dass irgendetwas Spannendes vorgefallen sein musste.
Sie kamen näher zu den Kindern um zu lauschen. Aber Ron bemerkte die neugierigen Brüder.
„Trollt euch!" sagte er unfreundlich.
„Nur nicht so gereizt, Bruderherzchen," entgegnete Fred und schickte Ron einen Handkuss, was diesen unendlich nervte.
„Wir wollen doch auch etwas von dem Spaß mitbekommen," fügte George hinzu.
„Verschwindet!" rief Ron ärgerlich. Die fünf Kinder verzogen sich in eine andere Ecke des Gemeinschaftsraumes und achteten darauf, dass Fred und George nicht zu nahe kamen.
Sie steckten die Köpfe nahe zusammen.
„Wir gingen durch eine Tür, das heißt, sie war verschlossen, aber Hermine konnte sie öffnen und als wir drin waren....." Ron schluckte, Emma und Laura hingen an seinen Lippen, „war da ein riesiger Hund, mit drei Köpfen. Und gestunken hat der und gesabbert und der wollte uns fressen." Ron hatte nur geflüstert und sah sich nun nach seinen neugierigen Brüdern um. Die schienen aber nicht in der Nähe zu sein.
Emma hatte sich die Hand vor den Mund geschlagen. „Und, was habt ihr gemacht?"
„Ich habe ihm das Fläschchen an den einen Kopf geworfen und er hat sich sofort angefangen zu kratzen und zu jaulen, aber die anderen Köpfe waren nicht sehr erfreut darüber."
Harry erschauderte bei der Erinnerung an das furchtbare Monster.
„Wir haben sofort rechtsumkehrt gemacht und wir konnten mit Mühe und Not die Tür wieder hinter uns schließen," sagte nun Hermine.
„Sind die verrückt, so eine Töle in einer Schule zu halten?" Ron zitterte immer noch. Laura kaute auf ihrem Daumennagel herum und rümpfte leicht die Nase.
Hermine machte ein ernstes Gesicht. „Der ist nicht ohne Grund hier, habt ihr die Falltür nicht gesehen unter seinen Riesenpfoten? Der bewacht etwas."
Ron und Harry sahen sie ungläubig an. „Was du nicht immer alles siehst, ich für meinen Teil war ein bisschen abgelenkt von seinen Köpfen und den riesigen Zähnen."
Hermine verdrehte die Augen: „Möchte wissen, was der bewacht."
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Filch brachte die Katze zu Madam Pomfrey, die nicht gerade begeistert war über ihren Patienten. Sie sah der Katze nicht direkt an, was ihr fehlte. Sie versprach, die Katze zu heilen und scheuchte Filch zur Krankenstation hinaus.
Sie mochte weder Filch noch die grässliche Katze, aber natürlich musste sie ihr trotzdem helfen.
Filch stampfte wutschäumend hinunter zu den Kerkern. Diese verdammten Gören, er würde dafür sorgen, dass sie bestraft würden. Wie konnten die fiesen Bälger es wagen, seiner Miss Norris etwas anzutun.
Er klopfte laut an Snapes Bürotür. Niemand öffnete, was den Hausmeister noch mehr ärgerte. Er hatte Lauras Trainerjacke immer noch in der Hand und hätte sie nun am liebsten zerrissen, wenn er sie nicht noch als Beweismittel gebraucht hätte.
Wütend stampfte er den Korridor wieder zurück, wo war dieser verdammte Giftmischer bloß?
McGonagall hatte er auch nicht gefunden. Musste er wohl zu Dumbledore gehen, obwohl er wusste, dass dieser die Kinder nicht angemessen bestrafen würde. Bei Snape bestand immerhin die Hoffnung, dass die Kinder etwas leiden würden.
Als er die Treppe hoch steigen wollte, sah er Snape gerade von einem andern Korridor Richtung Kerker gehen. Sein Umhang wehte dramatisch, als er mit großen Schritten an Filch vorüber schritt.
„Professor, Professor!" rief Filch dem Lehrer hinterher.
Mit genervtem Gesichtsausdruck drehte Snape sich langsam um und sah ein bisschen verächtlich auf den Hausmeister hinunter.
Filch hielt ihm Lauras Jacke entgegen und machte ein paar Schritte auf Snape zu, der nun eine Augenbraue hochzog und einen kurzen Blick auf die dunkelrote, ihm bekannte Jacke warf.
„Professor, ihre.... ihre Tochter..... ich habe sie erwischt, auf frischer Tat erwischt. Und ihre Freunde …. sie haben... diese unerhörten Gören haben meine Katze …... VERLETZT!"
Seine Stimme überschlug sich fast und er sah empört zu Snape auf, der keine Miene verzog.
Da der Professor nicht antwortete, redete Filch weiter: „Hier, ich habe einen Beweis!!! Sie müssen sie bestrafen, Professor, hart bestrafen. Ich habe sie erwischt..." Filch leckte sich kurz den Mund. Er wedelte mit dem Beweisstück, Lauras Trainerjacke.
Snape beugte sich ein bisschen vor, als ob er in der Jacke das Mädchen finden würde.
„Sie haben sie erwischt?" fragte Snape zynisch.
Filch sah nun auch auf die Jacke die er vor sich ausgestreckt hatte. „Sie ist mir entkommen, das Mist.... dieses Mädchen. Und wissen Sie, was sie zu mir gesagt hat?" Filch sah nun Snape herausfordernd an, aber als der nur wieder eine Augenbraue hob, fuhr er aufgebracht fort: „Sie hat gesagt, ich solle zur Hölle fahren, mitsamt meiner Katze."
Er sah Snape an, als erwarte er Entsetzen von dem Lehrer.
„Ist nicht wahr?" fragte Snape und seine Stimme triefte vor Hohn.
Filch sah ihn erwartungsvoll an.
„Ich werde mich der Sache annehmen," sagte Snape kurz, schnappte sich die Jacke, drehte sich um und schritt davon.
Ungläubig und entsetzt sah ihm Filch nach. "Ich erwarte eine Entschuldigung, ich erwarte, dass die Bälger bestraft werden."
Snape blieb stehen. Langsam drehte er sich um.
„Ob, und wie ich meine Tochter und die anderen Schüler bestrafen werde, überlassen Sie bitte mir. Und.... herzliches Beileid, wegen Ihrer Ratte...ehm...Katze." Ein falsches Lächeln umspielte Snapes Lippen, als er sich wieder umdrehte und wie eine übergroße Fledermaus davon schwebte.
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Anstand
„Du findest das also nicht frech, wenn man jemanden zur Hölle schickt?" fragte Snape, tönte aber nicht wirklich streng, als er mit vor der Brust verschränkten Armen zu seiner Tochter hinunter sah.
„Ich habe bitte gesagt," wandte Laura ein und sah ihren Vater jetzt unschuldig an. Sie merkte, dass er nicht wirklich ärgerlich war, sonst würde er sie ganz anders ansehen.
Snape schüttelte den Kopf. Dieses Kind hatte es doch faustdick hinter den Ohren!!
Er sah sie nun ein wenig streng an und sagte leise: „Du kennst die Regeln, junge Dame, und deshalb muss ich dich auch bestrafen, ob Filch oder nicht."
Snape ignorierte Lauras empörten Blick.
„Du kannst den Mund wieder schließen, widersprechen hilft nichts. Du wirst einen Aufsatz schreiben über Pilze und ihre Wirkung. Insbesondere über den dreilappigen Kicherling. Ja, Laura, ich weiß Bescheid, du brauchst mich nicht so anzusehen.
Ich will übermorgen einen Aufsatz von zwei Seiten auf meinem Tisch haben, wie man ihn in Zaubertränken verwenden kann und wofür er gut ist." Er schritt zu Laura und sah sie streng an. Diese rümpfte die Nase und sah zu ihrem Vater hinauf.
„Deine Freunde werden dir bestimmt gerne helfen dabei," fügte Snape mit vielsagendem Blick hinzu.
Laura schmollte, obwohl sie die Strafe nicht so extrem schlimm fand, aber das musste Snape ja nicht wissen.
„ Ja, Sir!" antwortete sie und tönte verärgert.
„Pass auf, in welchem Ton du mit mir redest, Laura, oder du bekommst heute noch eine wirkliche Lektion über Anstand beigebracht!"
Snape redete leise aber deutlich und er meinte es diesmal wirklich ernst, das merkte Laura sofort, deshalb sagte sie schnell: „Entschuldigung, Sir. Es ist aber gemein, nur ich werde wieder bestraft."
„Ach ja, jetzt wo du's sagst, ihr werdet euch allesamt bei Filch entschuldigen, bestell das deinen Freunden von mir, ist das klar?" Snapes Ton duldete keinen Widerspruch. „Ich werde außerdem mit eurer Hauslehrerin über den Vorfall sprechen müssen."
Laura verschränkte die Arme vor ihrer Brust. So sah sie aus wie ein kleines, verwöhntes, schmollendes Mädchen und Snape packte sie am Handgelenk und beugte sich zu ihr herunter.
„Wenn du dich wie ein Kleinkind benimmst, Laura, dann pass auf, dass ich dich nicht auch wie eines behandle und dich Nase voran in eine Ecke stelle, bis du dich wieder benehmen kannst wie mit elf."
Das wollte Laura natürlich bestimmt nicht und sie beschloss, sich besser angemessen zu benehmen.
Aber es war gemein. Punkt!
„Sir? Wie lange hält die Wirkung an von diesen 'Kicherdingern'.... diesen Kitzelpilzen?" Laura sah ihn erwartungsvoll an. Sie wollte das Thema wechseln, bevor Snape sie wirklich noch in eine Ecke stellte. Das wäre schrecklich peinlich!
„Das, Laura, wirst du bestimmt heraus finden, wenn du dein Buch aufschlägst und mit dem Aufsatz beginnst."
Damit brachte er Laura zur Tür, drückte ihr die rote Jacke in die Hand und sagte: „Keine Umwege, Laura, direkt ins Bett."
„ Ja, Sir, Gute Nacht." Laura ging zu ihrem Vater und umarmte ihn kurz und drückte ihr Gesicht in seinen Solarplexus, sodass Snape beinahe husten musste.
Dann ging sie zur Tür hinaus ohne nochmals zurück zu sehen.
„Gute Nacht, Laura." sagte Snape, als die Tür schon wieder ins Schloss gefallen war. Dieses Kind erstaunte ihn immer wieder. Vor einem kurzen Moment noch beleidigt und schmollend und in der nächsten Sekunde drückt sie ihn an sich, als wollte sie seine Eingeweide ausdrücken.
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Was sich diese Kinder immer einfallen ließen, erstaunte Snape. Wenn alle Kinder in Hogwarts so wären wie diese Fünf und die Weasley-Zwillinge, würde man wohl nicht nur Severus Snape sondern die ganze Lehrerschaft in eine Nervenheilanstalt bringen müssen.
So nervenaufreibend es aber manchmal war, Vater von einem Wirbelwind zu sein, so musste er sich doch eingestehen, dass er noch nie so etwas für jemanden empfunden hatte, wie er es für Laura tat. Nicht auf diese Weise.
Er war für sie verantwortlich, nur er. Und er hatte es, wenigstens teilweise, in der Hand, wie Laura sich entwickeln und wie sie aufwachsen würde.
Er würde sie aufziehen und dafür sorgen, dass sie eine gute, eifrige Schülerin wurde und später eine erstklassige Hexe. Dass dieser Weg noch weit war und es noch viel, viel Arbeit war bis dahin, war Snape absolut bewusst.
Severus ging zu seinem Schreibtisch, wo noch viel Arbeit auf ihn wartete. Er setzte sich und rieb die Hände über sein Gesicht.
Er mochte diese sentimentalen Gefühle nicht, da sie ihm fremd waren. Laura war ihm wichtig. Manchmal konnte er es einfach kaum glauben, alles!
TBC...................
Danke MaraJade, für dein Review, hat mich sehr gefreut. Danke scientific ida fürs Beta-lesen, du machst einen Super-Job!
Danke ALLEN fürs lesen meiner Geschichte, hoffe es macht Euch so viel Spass , wie mir das schreiben! Gruss Sally
