Snape saß auf Lauras Bett wie vors Gesicht gestoßen. Was war in Laura gefahren. Wieso hatte sie so einen Ausbruch?

Was hatte sie da geschrien? Er wolle sie nicht? Wie kam sie denn darauf?

Er stand schnell auf und ging die Treppe hinunter. Wo wollte das Mädchen hin? Sie war ja ganz außer sich. Er musste sie jetzt zur Rede stellen. Jetzt!

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Ich hab dich lieb!

Laura hatte die Schale mit dem Flohpulver auf dem kleinen Simsen über dem Kamin gesichtet. Sie stieg auf den steinernen Vorsprung vor der Feuerstellek, um an die Schale heran zu kommen. Sie griff ins Pulver und nahm eine gute Hand voll, als sich plötzlich Snapes Hand um ihr Handgelenk schloss.

„Loslassen, sofort!" befahl er bestimmt aber ruhig. Als Laura nicht losließ, fasste er sie mit dem anderen Arm um den Bauch und hob sie von dem Vorsprung hinunter und trug sie zum Sofa hinüber.

Laura hatte das Pulver auf den Boden rieseln lassen, während ihr Vater sie durchs Wohnzimmer trug und presste jetzt ihre Hände gegen die Augen. Snape setzte sie auf dem Sofa ab.

Laura zog ihre Beine an und lehnte mit dem Rücken gegen die Lehne. Sie presste ihre Handflächen immer noch gegen die tränennassen Augen und schluchzte tief.

Snape setzte sich zu ihr auf das Sofa. Sie konnte jetzt wieder viel besser atmen, der Kloß in ihrem Hals war verschwunden. Es tat gut die Tränen fließen zu lassen. Den Schmerz frei zu lassen.

Laura roch ihren Vater, der dicht neben ihr saß. Sie hasste und sie liebte es gleichzeitig. Er saß da und wusste nicht, was er mit dem weinenden Kind tun sollte. Er legte etwas verloren einen Arm um sie und spürte, wie ihr kleiner Körper vom Weinen leicht bebte. So hatte er sie noch nie weinen gesehen.

Nach einigen Minuten versuchte Laura, wieder regelmäßiger zu atmen, aber nahm die Hände nicht von ihrem Gesicht.

Snape wusste nicht, wovon Laura vorhin geredet hatte. Er verstand gar nichts mehr. Und das machte ihn ungeduldig.

„Es tut mir Leid, Sir. Ich ...habe es nicht gewusst." Laura sprach leise. Sie schniefte und hielt den Kopf gesenkt.

„Du hättest es mir sagen sollen, …..ich kann vielleicht... wieder zu meiner Tante ….ich will das alles nicht mehr....."

Snape, der ruhig zugehört hatte, wie sie schluchzte und schniefte und wirres Zeug redete, das er nicht wirklich verstand, sagte nun mit leiser Stimme: „Laura, könntest du dich bitte beruhigen. Und dann erzählst du es so, dass ein normaler Mensch versteht, wovon du redest."

Er gab ihr ein Taschentuch und sie putzte ihr Gesicht und die Hände. Sie schnäuzte sich die Nase und blinzelte dann ein bisschen verlegen zu ihrem Vater hinauf.

„Entschuldigung!" sagte sie und redete dann weiter: "Ich verbrauche schon wieder deine Zeit, nicht wahr?"

Laura sah zu ihren Händen hinunter. „Als du mich gefragt hast, ob ich wieder zu meinen Verwandten zurück gehen wolle, habe ich gedacht..... ich meine... ich wollte jemanden, der sich um mich kümmert und dem ich wichtig bin. Ich wollte nicht zu meinen Verwandten zurück. Denen bin ich nicht wichtig.... und da habe ich einfach gedacht, du willst, dass ich mit dir lebe... ich meine in den Ferien und so.... weil... ich dein Kind bin."

Sie blinzelte kurz zu ihrem Vater rauf. Snape sah seine Tochter an. Ihre Wimpern waren nass von ihren Tränen. Sie schluckte und rieb sich kurz die Augen.

„Ich weiß, ich habe nur an mich gedacht und das tut mir Leid.... es tut mir Leid, dass ich deine Zeit verschwendet habe und… deine Nerven und… ich habe einfach nicht gewusst, dass du gar keine Kinder willst.... du hättest es mir sagen sollen und mich nicht einfach mitnehmen... und ich… ich will nicht wieder... nur eine Last sein. Nicht bei dir..." Ihre Worte waren zum Schluss kaum mehr als ein Flüstern.

Snape zog eine Augenbraue hoch. „Laura, was redest du da? Natürlich will ich dich, du dummes Kind. Wie kannst du das in Frage stellen?"

Laura schüttelte den Kopf „Ich habe dich gehört... wie du mit Lupin geredet hast... du hast gesagt, dass du diese Aufgabe nicht wolltest und dass ich wild und mühsam und zeitaufwendig bin... und dass du nie Kinder wolltest... ich habe es gehört." Laura sah ihren Vater mit ihren großen Augen an und nickte leicht.

Es tat gut, es aussprechen zu können, auch wenn es weh tat.

„Du hast gelauscht?" fragte Snape und klang ein bisschen streng. Seine Augen blieben aber sanft.

Laura senkte ihren Blick und nickte nur.

„Dann solltest du zumindest genauer hinhören, Laura. Die Aufgabe von der ich mit Lupin gesprochen habe, hat nichts mit dir zu tun. Außerdem ist es nie gut, wenn man lauscht. Man kann schnell etwas falsch verstehen." Ja, Snape musste es ja wissen, ihm war das Lauschen auch schon zum tragischen Verhängnis geworden.

Laura sah jetzt zu ihm auf und ihre Stimme klang ein wenig herausfordernd: „Ich weiß doch, dass du nichts davon hast, wenn ich hier bin. Du musst dich nur ärgern wegen mir und ich bin unartig und wild und… du hast überhaupt keinen Vorteil mit mir. Noch nicht mal ne gute Hexe bin ich," fügte sie noch leise hinzu.

Snape fasste Laura nun an ihren Oberarmen und hielt sie so vor sich, dass er sie ansehen konnte.

"Ganz bestimmt bist du manchmal unartig und wild und bestimmt brauchst du manchmal meine Nerven. Aber ich will dich, du bist mein Kind." Snapes Worte waren ernst und ehrlich.

„Ich wollte vielleicht keine Kinder, ja, aber ich habe nun eins. Dich. Und denkst du wirklich, ich hätte das Sorgerecht für dich übernommen, wenn ich es nicht wirklich gewollt hätte. Ich wusste sehr genau, was auf mich zu kommt. Dass ich weniger Zeit haben würde und dass ich mich um dich kümmern muss. Dass du auch nicht immer ein Engel bist. Aber ich will dich hier haben." Snape sah Laura ernst an. So hatte sie ihn noch nie reden gehört.

„Oder siehst du in mir wirklich eine Person, die etwas tut, dass sie nicht will?" fragte Snape nun und hob Lauras Kinn mit einer Hand, damit sie ihn ansehen musste.

Laura biss sich auf die Unterlippe und schüttelte leicht den Kopf.

„Aber.........." Laura war ein bisschen verwirrt und alles drehte sich in ihrem Kopf herum.

„Nein, Laura, kein aber. Du bist meine Tochter und nichts wird das ändern. Ich mag ein strenger, ungeduldiger Mensch sein, aber ich will immer dein Bestes. Und glaub mir, ich bin der Aufgabe, mit deinen gelegentlichen Unarten umzugehen, mehr als gewachsen. Du brauchst jemanden, der dich führt und der auf dich schaut. Zu lange hattest du niemanden, der dir seine Aufmerksamkeit gegeben hat. Ich lasse bestimmt nicht viel durchgehen bei dir und bestrafe dich vielleicht auch mehr und strenger als andere Eltern ihre Kinder. Aber ich bin, wie ich bin. Und du bist, wie du bist, Laura. Wir müssen uns miteinander arrangieren." Snape machte eine kleine Pause, sah Laura aber immer noch tief in die Augen.

„Vielleicht kann ich es nicht so zeigen, aber ich.... liebe dich sehr."

Severus konnte nicht glauben, dass er das gesagt hatte. Er wusste nicht, ob er das überhaupt jemals zu jemandem gesagt hatte, in seinem ganzen Leben. Und doch war es aus seinem Mund gekommen.

Dass Laura nicht wirklich zu den Muggeln zurück wollte, sondern es sich um ein Missverständnis handelte, welches sich aufklären ließ, erleichterte ihn unglaublich.

Es war ein dummes Missverständnis, wie er zugeben musste und er würde von jetzt an besser aufpassen, was er sagte. Doch es war eine so gewaltige Last von ihm gefallen, dass es nicht schwer gefallen war diese Worte zu sagen.

Laura blinzelte, als hätte sie nicht richtig gehört.

„Und von wegen keine gute Hexe, was soll das heißen? Was macht eine gute Hexe aus, Laura? Falls du die schulischen Leistungen meinst, da bist du ja in allen Fächern genügend. Und du kannst an deinen Schwachstellen arbeiten und das wirst du auch. Dafür werde ich höchstpersönlich sorgen. Wieso meinst du, nehme ich dich immer mit ins Gewächshaus?" Snape tönte nun schon wieder etwas strenger.

„Aber ich kann auch gar nichts Spezielles oder bin in etwas sehr gut," gab Laura zu bedenken.

„Doch, Laura, du kannst gut mit Menschen und anderen Lebewesen umgehen. Eine Gabe, die du sicherlich nicht von mir geerbt hast, die aber sehr wertvoll ist."

Er dachte, wie sehr Laura die kleine Hauselfe zum Blühen gebracht hatte, wie Milly das Mädchen ansah und wie gerne sie Laura etwas erklärte. Er kannte Milly schon sehr lange, aber hatte sie noch nie so strahlend und glücklich gesehen.

Laura sah ihren Vater nun erstaunt an. Sie hatte noch nie darüber nachgedacht. Sie konnte gut mit Menschen umgehen, vielleicht hatte ihr Vater ja recht. Sie sah scheu zu ihm auf.

„Es tut mir Leid, Dad." Laura schämte sich, war aber auch sehr erleichtert. Sie würde nicht fortgehen müssen. Nicht zurück zu den Verwandten, denen sie nicht viel bedeutete. Nicht weg von Milly und Snape und ihrem Zuhause. Und ihr Vater liebte sie. Er hatte es gesagt. Er hatte es tatsächlich gesagt.

„Komm her, du dummes Kind," sagte Snape und zog Laura zu sich und sie setzte sich auf seine Beine.

Laura saß auf Snapes Schoß und vergrub ihr Gesicht im Umhang ihres Vaters.

Snape konnte nicht fassen, dass Laura es immer wieder fertig brachte, seine Gefühle so aufzuwirbeln. Er war doch sonst ein sehr beherrschter Mensch. Irgendwie nervte Snape diese Tatsache.

Er, der ein sehr begabter Spion gewesen war! Und Voldemort hatte es ihm gewiss nicht leicht gemacht, seine Gefühle verborgen und unter Kontrolle zu halten. Und dann kam ein kleines Mädchen und stellte seine Welt auf den Kopf.

„Dad?" murmelte sie in die Brust ihres Vaters.

„Ja?" antwortete Snape mit etwas belegter Stimme.

Er umarmte Laura und ließ eine Hand durch ihre Locken fahren. Er spürte, dass seine Hand kaum merklich zitterte. Er drückte sie fest an sich.

„Ich hab dich auch lieb."

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Sie wussten später nicht mehr genau, wie lange sie einfach nur da gesessen und in die Glut gesehen hatten.

Sie gingen dann ins Gewächshaus, wo Laura ihren Vater ganz begierig fragte, ob sie dem Kaktus wieder die Stacheln ausreißen dürfe. Sie war ziemlich enttäuscht, als Snape ihr erklärte, dass man der Echinus humile höchstens alle zwei bis drei Wochen an die Stacheln dürfe, da sie sonst eingehen würde.

Über eine Stunde waren sie dann beschäftigt im Gewächshaus. Sie ernteten kleine schwarze Beeren, die Snape für einen Tee gegen hohen Blutzucker brauchte.

Als Lauras Bauch zu knurren begann, sah ihr Vater von seiner Arbeit auf und beschloss, dass es Zeit fürs Mittagessen war.

Snape hatte nach dem Essen noch Schreibarbeiten zu erledigen und Laura ging nach draußen, um ein wenig zu spielen.

Sie hörte die Kinder wieder, aber widerstand dem Drang, zu ihnen zu laufen. Sie balancierte auf der Steinmauer, die sich um Snapes Grundstück zog. Es war ziemlich rutschig und Laura musste behutsam sein. Es war sonnig und Snapes Garten und das alte Haus sahen ziemlich beeindruckend aus. Wie in einem Film, fand Laura.

Snape ging, nachdem er seine ersten paar Lektionen Zaubertränke vorbereitet hatte, nach draußen, um nach Laura zu sehen.

Doch er fand sie nirgends. Er rief sie, aber sie gab keine Antwort. Er ging zurück ins Haus und die Treppe hinauf.

„Laura?" rief er und lauschte.

„Hier bin ich, Dad." Lauras Stimme tönte gedämpft. Er betrat ihr Zimmer, aber sah sie nicht.

Da hörte er ein Geräusch aus dem angrenzenden Badezimmer. Die Tür stand weit offen. Laura war anscheinend dort drin.

„Dad?" rief Laura. „Sieh mal."

Severus war mit einigen Schritten im Badezimmer, wo Laura in der Badewanne saß. Nur ihr Kopf war noch sichtbar bei dem vielen Schaum, der sich in der Wanne auftürmte. Sie grinste ihn an und ihre Augen leuchteten vor Freude. Snape fragte sich, wieviel Seife sie wohl in die Badewanne geleert hatte, dass es so schäumte.

„Schau," sagte sie, kniete sich hin und griff in einen Becher, der auf dem Badewannenrand stand. Dann formte sie mit dem Daumen und Zeigefinger ein O und blies sachte hinein. Eine große Seifenblase bildete sich und schwebte davon.

„Hast du gesehen?" Laura sah stolz und begeistert zu ihrem Vater hinauf, der eine Augenbraue gehoben hatte.

„Super," antwortete er trocken und Laura wiederholte die Vorführung. Sie brachte wirklich ziemlich große Seifenblasen zu Stande und war sehr zufrieden.

„In einer halben Stunde essen wir, " sagte Snape, als er genug Seifenblasen gesehen hatte und Laura nickte nur. Sie war zu sehr beschäftigt für eine richtige Antwort und Snape verließ das Badezimmer, um noch kurz in sein Labor zu gehen.

Er musste noch einige Tränke brauen, die Madam Pomfrey benötigte. Er würde wohl Laura heute Abend mitnehmen ins Labor und sie helfen lassen. Er wusste, wie gerne sie das tat.

Er dachte über die letzten zwei Tage nach und war sehr froh, dass sich alles wieder eingerenkt hatte und alles geklärt war. Er wusste, dass das auch anders hätte ausgehen können.

Laura führte auch Milly ihre Seifenblasenkunst vor und diese freute sich sehr mit dem Mädchen. Sie saß neben der Badewanne und griff auch in den Becher, um es zu versuchen. Sie konnte ganz tolle Blasen machen, was Lauras Begeisterung noch steigerte. Sie schauten, wer die größere Blase machen konnte und überall flogen Seifenblasen rum.

Die beiden vergaßen bei ihrem Spiel total die Zeit, erst als Snape Milly rief, merkten sie, dass es schon halb sieben war.

„Laura, komm jetzt endlich raus, du solltest nicht zu lange im Wasser sein, mit so viel Seife drin." Snape legte ihr ein Tuch hin. Laura sah auf ihre Hände, die ganz schrumpelig waren. Sie stand auf und griff zur Duschbrause und Snape ging aus dem Badezimmer und schloss die Tür hinter sich.

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Als sie dann frisch gebadet, mit feuchtem Haar am Tisch erschien, lächelte sie, als sie die Suppe roch. Und so gut wie sie roch, war die Suppe auch.

Laura aß hungrig und Snape sah ihr in Gedanken versunken zu. Eigentlich hatte sich seine Tochter bis jetzt noch nie über ein Menu beklagt, dachte er. Sie hatte immer alles ohne Einwände gegessen und nicht mal das Gemüse verschmäht.

„Welches Essen magst du nicht, Laura?" fragte er daher, ohne nachzudenken.

Laura sah erstaunt von ihrer Suppe auf. Ihr Vater hatte ihr noch nie eine solche Frage gestellt. Sie überlegte kurz.

„Ich weiß nicht, Dad. Ich mag das gekochte Essen sehr gerne. So komisches Fleisch mag ich nicht so. Aber meine Tante hatte selten gekocht. Ich finde das, was Milly kocht, sehr super." Laura freute sich, dass ihr Dad sich interessierte für solche Dinge. Sie lächelte ihn verlegen an.

„Und du? Was isst du nicht gerne?" Laura nahm einen Löffel voll Suppe, aber Severus blieb ihr die Antwort schuldig. Ein klopfendes, kratzendes Geräusch unterbrach das Gespräch und Laura drehte erschrocken den Kopf zum Fenster.

Ihr Vater war aufgestanden und schritt auf das Fenster zu, hinter dem eine große, schwarze Eule erschienen war. Snape öffnete das Fenster und ließ den Vogel hinein. Laura war auch aufgestanden und kam näher. Die Eule hatte einen Brief dabei.

Laura wollte neugierig nach dem Brief greifen, welchen die Eule in ihrem krummen Schnabel hielt. Snape klatschte ihr schnell eins auf die Hand und sah sie ernst an. Laura rieb sich beleidigt die Hand, obwohl der Klaps überhaupt nicht schmerzhaft gewesen war.

„Nicht so voreilig, der Brief ist an mich adressiert, junge Dame."

Snape gab der Eule eine Belohnung und sie flog sofort aus dem Fenster in die Nacht.

„Von wem ist der?" fragte Laura, die ihre Neugierde kaum unter Kontrolle halten konnte. Sie hatte schon wieder vergessen, beleidigt zu sein.

Snape ignorierte sie und ging mit dem Brief zum Tisch, wo er ihn öffnete. Er las ihn in aller Ruhe und Laura stand gespannt neben ihm. Als Severus den Brief fertig gelesen hatte, sah er auf zu seiner Tochter, die ihn neugierig ansah.

„Iss fertig , Laura," sagte er und sah, wie sich ihr Gesicht verfinsterte. Sie sollte ruhig lernen, ihre Neugierde in den Griff zu bekommen, dachte Snape.

„Aber..."versuchte Laura, doch sie verstummte sofort, als ihr Vater die Augenbrauen ein wenig zusammen zog und sie mit seinen schwarzen Augen fixierte.

Sie stöhnte dramatisch, drehte sich um und setzte sich wieder an den Tisch. Sie ass ein paar Löffel Suppe und verkündete dann, dass sie satt sei.

Snape zog eine Augenbraue hoch und musterte das Mädchen. Er wusste genau, warum sie plötzlich keinen Hunger mehr hatte.

„Du darfst den Brief lesen, wenn du deinen Teller leer gegessen hast." Sie sah ihn entsetzt an, verzog ein wenig das Gesicht und ass dann widerwillig weiter.

Als sie endlich fertig waren mit essen, was Laura wie eine Ewigkeit vorkam, gab ihr Vater ihr den Brief in die Hand. Er sah zu, wie Laura den Brief las und wie sich ihr Gesicht aufhellte. Ihre Augen funkelten, als sie ihren Vater begeistert ansah.

„Gehen wir, bitte, Dad? Emmas Eltern sind bestimmt nett und Emma ist auch nett und das wird bestimmt toll und ich hab noch nie so richtig Silvester gefeiert, BITTE, Dad?"

Die Worte sprudelten nur so aus dem Mädchen raus und sie stand auf und ging zu ihrem Vater, der immer noch am Tisch saß.

Snape war nicht gerade begeistert über die Einladung zur Neujahrsfeier. Er mochte solche Anlässe überhaupt nicht. Er hasste sie sogar.

„Ich muss es mir noch überlegen, Laura," antwortete er deswegen und stand auf. „Du kannst mir heute Abend noch im Tränkelabor helfen."

Das tat Laura dann auch. Sie redeten nicht viel beim Brauen, aber Laura war ihrem Vater nun schon eine recht gute Hilfe. Mit dem Messer konnte sie nun schon gut umgehen und viele Arbeitsabläufe waren ihr bekannt. Sie genoss es in vollen Zügen.

Als sie an diesem Abend im Bett lag und Snape neben ihr auf der Bettkannte saß, war Laura sehr glücklich über diesen Tag. Am Morgen noch hatte sie sich so unglaublich mies und traurig gefühlt. So ungeliebt und allein. Jetzt war ihre Welt wieder in Ordnung. Nun musste sie ihren Vater nur noch überreden, mit ihr zu dem Fest von Emmas Eltern zu gehen.

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Das mit den Bienchen und Blümchen

„Danke, Dad," sie machte eine kleine Pause und nahm die Hand ihres Vaters. „Für alles." Sie nahm Snapes Hand zu ihrem Gesicht und drückte sich die Innenseite seiner Hand an die Wange. „Es tut mir Leid...." Sie biss sich auf die Lippe und sah Snape erwartungsvoll an.

„Ja," er sah sie lange an. „Ich weiß, Laura." Er nickte leicht. Er dachte daran, wie niedergeschlagen und traurig das Mädchen gestern und heute Morgen gewesen war. Und ihm selbst war in diesen beiden Tagen mehr denn je bewusst worden, was er für dieses Kind empfand.

Laura gab ihm einen Kuss in die Handfläche und fragte: „Dad, kann ich dich mal was fragen."

„Das tust du doch gerade, oder," antwortete er und fügte hinzu: „Ja, frag, aber fass dich kurz, es ist spät."

Er war gespannt auf die Frage und sah auf das kleine Mädchen hinunter, welches seine Hand in ihren hielt und in Gedanken versunken an seinen Fingern rum zupfte.

„ Damals, als du … ich meine, als ihr mich gemacht habt, meine Mum und du, wieso hast du dann nicht gewusst, dass meine Mama schwanger geworden war? Und muss man da nicht verheiratet sein, wenn man Kinder macht? Und...wieso habt ihr mich überhaupt gemacht, wenn ihr mich ja gar nicht wolltet?" Laura sah ihn erwartungsvoll an und rümpfte fragend die Nase.

Mit so einer Frage, oder solchen Fragen, hatte Severus nicht gerechnet und es war ihm ziemlich peinlich, über so etwas zu reden. Vor allem zu einem Kind. Er schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass er nun nicht auch noch das mit den Blümchen und Bienchen erklären musste. Das würde er nicht überleben!

Er räusperte sich, was Laura sehr stutzig machte. Sie hatte ihren Vater noch nie so gesehen. Noch nie hatte er nach Worten gesucht. Das war doch eine ganz einfache Frage gewesen.

„Nein... man muss.... nicht zwingend verheiratet sein. Manchmal werden Frauen auch schwanger, ohne dass man ein Kind plant." Snape sah auf seine Tochter hinunter, die ihn immer noch interessiert ansah. Sie zog eine kleine Schnute.

„Dann muss man halt einfach nicht Sex machen, oder?" erklärte Laura logisch und sah ihren Vater an.

So einfach ist das! Wie unlogisch musste das für Laura sein, dass man Sex hat, obwohl man gar kein Kind will. Er vermutete, dass sich bis jetzt noch nie jemand wirklich die Zeit genommen hatte, mit dem Kind über solche Sachen zu reden.

Laura sah ihren Vater fragend an und erklärte weiter:

„Ich meine, wenn du gerne Schokokuchen isst, aber du weißt, dass du davon immer Bauweh bekommst, dann lässt du es doch auch lieber sein, oder? Auch wenn das dein Lieblingskuchen ist. Und vom Sex bekommt man eben Kinder, das weiß doch jeder." Laura sah ihren Vater herausfordernd an.

Kinder hatten manchmal eine komische Logik. Er nickte und fragte Laura: "Als du in meinem Labor warst, vor ein paar Tagen, unerlaubterweise, bist du dann da hingegangen, weil du gerne eins auf den Hintern wolltest?" Er sah Laura fragend an. Diese runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf.

„Aber du wusstest, dass ich nicht glücklich sein würde, wenn ich dich erwische, oder?" fragte er sie.

Laura nickte langsam.

„Aber ich habe nicht gedacht, dass du es herausfindest," sagte sie und Severus antwortete darauf: „Du hast nicht an die Konsequenzen gedacht, oder? So wie wir damals."

Natürlich hatten sie damals an die Konsequenzen gedacht, aber leider nicht immer. Nun, im Nachhinein war Snape eigentlich froh darüber, sonst gäbe es keine Laura.

Er war immer ein sehr überlegter Mensch gewesen, auch damals schon. Er konnte sich auch nicht wirklich erklären, wie das hatte passieren können. Er war damals so verletzt und wütend gewesen, als Lily diesen Potter geheiratet hatte, vielleicht hatte er dann keinen so klaren Kopf mehr gehabt. Ja, und sogar noch während der Affäre mit Ellen war er immer tiefer in die falsche Richtung gesunken.

Laura sah ihren Vater erstaunt an und nickte: „Hattest du denn keinen Dad, der dich gelehrt hat, zu denken, bevor du handelst?" ahmte sie die strenge Stimme ihres Vaters nach.

Dieser hob die Augenbraue und lächelte dann leicht. „Nein, ... scheinbar nicht. Und ab einem gewissen Alter, ist man eben selber verantwortlich, was man tut." Laura nickte.

Verhütung! Schoss es Snape durch den Kopf. Wichtiges Thema! Verdammt, das durfte doch nicht wahr sein, dass er so etwas diskutieren musste!

„Es ... gibt natürlich verschiedene Zauber, mit denen man sich gegen Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft schützen kann. Aber diese müssen jedesmal angewandt werden und können in der ....... Hitze des Gefechts eben auch vergessen gehen." So, das wäre geschafft, dachte Snape erleichtert. Er würde sich ein Buch besorgen, für Laura, in dem alles klar erklärt wurde.

„Und zu deiner anderen Frage, deine Mum hat es mir nie gesagt, dass sie schwanger war. Wir waren nicht mehr zusammen, als sie es rausgefunden hatte." Snape wusste zwar nicht, ob das wirklich stimmte, aber er nahm es an. Er wusste ja auch nicht, wann genau Ellen wusste, dass sie in Erwartung war. Sie wird es ihm wohl auch nicht gesagt haben, wegen seiner immer stärker werdenden Verbindung zu den dunkleren Mächten und Zauberern. Welche Mutter wollte schon einen Anhänger des schrecklichsten Zauberers aller Zeiten zum Vater ihres Kindes.

„Wir reden dann mal darüber, wenn du etwas älter bist. Schlaf jetzt, Laura, gute Nacht." Snape gab Laura einen Kuss und ging dann aus dem Zimmer. Solche Unterhaltungen waren nicht seine Stärke.

TBC...

Hallo, ihr Lieben, so, nun gehts weiter, viel Spass und bitte nehmt euch kurz Zeit , mir ein Review zu schreiben.

Fürs Beta-lesen vielen Dank an scientific ida, bin wirklich sehr dankbar dafür!

Liebe Lilotta, vielen Dank für dein Review, freut mich sehr, dass es dir Spass macht, die Geschichte zu lesen. Macht auch sehr viel Spass, sie zu schreiben ;-) Danke vielmals