Hey,Lilotta, hahaha eine Pyjama-Party? Das wäre bestimmt genau das, was Snape auch sehr lustig fände ;-D . Danke vielmals für dein Review, freut mich sehr, wenns dir gefallen hat. Hoffe dieses Kapi gefällt dir auch, bis bald Gruss Sally
Liebe scientific ida, ich danke dir fürs schnelle Korrigieren und deine lustigen und lieben Kommentare! Sally :-)
Hexen und Vampire
Nach dem Mittagessen ging Laura in den Garten.
Die Kinder, mit denen sie vor ein paar Tagen gespielt hatte, waren auch wieder draußen. Sie fragte Snape, ob sie zu ihnen spielen gehen dürfe und Snape erlaubte es ihr. Er mahnte sie aber, dass sie ihre Zunge hüten solle. Nichts von der Zaubererwelt dürfte sie diesen Muggelkindern erzählen.
Zum Glück hatte Laura gelernt, ihr Zaubern unter Kontrolle zu halten und es passierte ihr nicht mehr, wie früher, dass sie unbewusst etwas zauberte. Das machte die Sache leichter.
Die vier Kinder aus dem Dorf waren nett und Laura hatte viel Spaß mit ihnen.
Die Kinder wollten natürlich wissen, wo sie wohnte und wo sie zur Schule ging. Laura musste ziemlich improvisieren.
Das Haus am Waldrand, wo Snape und Laura wohnten, war den Kindern ein bisschen unheimlich, aber Laura war ein aufgestelltes, lustiges Mädchen und hatte immer gute Ideen.
Sie mochten sie.
Diesmal war auch noch ein größerer Junge dabei, der etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt war und Nathan hieß. Er war erst ein wenig skeptisch Laura gegenüber, wurde dann aber schnell lockerer.
„Es gibt Leute im Dorf, die behaupten, dass der Typ in dem Haus am Waldrand ein Vampir ist," sagte der Junge, halb fragend, halb witzelnd und fletschte die Zähne vor Laura. Die Kinder lachten und Laura sagte zwinkernd: "Dann pass abends gut auf und iss immer schön Knoblauch!" Die anderen Kinder lachten wieder und ein kleiner Junge der Justin hieß und das Thema sehr spannend fand nickte eifrig. „Der soll ganz in schwarz gekleidet sein, hat meine Tante erzählt und er hat schwarze Haare und schwarze Augen, irgend jemand hat ihn mal gesehen."
Nathan haute ihm spielerisch eins auf die Mütze. „Ja, und alle die schwarz gekleidet sind, sind natürlich sofort Vampire, oder? Außerdem schlafen Vampire am Tag. Wir haben auch so einen Typen in der Schule. Der geht, glaub ich, schon in die siebte oder achte Klasse und der ist auch so ein Schwarzer. Und seine Kollegen auch. Das heißt, glaub ich, Gothic oder so, hat meine Mum gesagt. Die finden das eben cool."
Nathan klopfte den Schnee, mit dem sie eine Burg bauten, fest.
„Vielleicht ist dein Dad ja auch so einer, Laura?" fragte das Mädchen, das Lisa hieß und etwa so alt war wie Laura. Laura zuckte nur kurz die Schultern und Justin zog Nathan am Ärmel.
„Erzähl Laura von der Hexe!" sagte er eifrig und seine Wangen wurden ganz rot. Nathan zog seinen Arm von dem kleinen Jungen weg und antwortete: „Nee, das ist nicht interessant, die ist sowieso keine Hexe. Hexen gibts nur in deinem Märchenbuch, Kleiner."
Natürlich fand sich der große Junge viel zu cool, um an Hexen und solche Märchen zu glauben.
Nun war aber Lauras Interesse geweckt. „Eine Hexe? Was für eine Hexe?" fragte sie und gab sich Mühe, nicht all zu neugierig zu klingen.
Lisa zog sich die Handschuhe an, die sie vom Schnee hatte befreien müssen und sah Laura an. „Da auf der anderen Seite ganz in dem Tal hinten, da wohnt so eine komische Frau, von der sagt man, sie sei eine Hexe."
„Sie selber sagt das," mischte sich Nathan ein. "Ich hab mich mal hin geschlichen, aber die sieht gar nicht wie eine Hexe aus. Sie hat alles so kleine Hexen und solches Zeug aufgehängt und so Holzfratzen. Meine Mum sagt, sie wolle bloß nichts mit den Leuten zu tun haben und darum wohne sie so abgeschieden. Eine Schönheit ist sie nicht, aber wie ne schrullige alte Hexe sieht sie auch nicht aus."
„Aber das könnte ja trotzdem eine Hexe sein." Justin ließ nicht locker, er fand das so spannend. Phil, der sich bis jetzt aus der Sache raus gehalten hatte, meinte nun: "Also jeder wei´ doch, dass es keine Hexen gibt, und auch keine Vampire. Ich glaube auch nicht, dass sie eine Hexe ist, aber man müsste halt mal nachschauen gehen."
Nun glänzten Lauras Augen, aber sie wusste, dass sie nun bald nach Hause müsste.
„Ach Unsinn, ich war ja dort, und sie hat mich gesehen und fortgejagt, aber verzaubert hat sie mich nicht, oder seh ich etwa aus wie ein Frosch?" Nathan machte ganz große Augen und Laura lachte verschmitzt. "Also eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht abstreiten," neckte sie und Nathan rannte ihr daraufhin hinterher und drückte sie in den Schnee. Die Kinder lachten.
Dieser Nachmittag war so lustig gewesen und Laura saß mit roten Wangen und leuchtenden Augen am Tisch beim Nachtessen.
Sie erzählte Snape, dass sie eine ganze Schneeburg gebaut hätten und dass sie dann eine richtig coole Schneeballschlacht gemacht hätten. Sie erzählte ihm auch von der Hexe, denn sie wollte gerne wissen, ob es wirklich eine echte Hexe war. Konnte ja sein, dass sie nicht die einzigen in dieser Gegend waren und an den meisten Gerüchten war ja etwas Wahres dran. Naja, bei Snape und der Vampirgeschichte....
„Weißt du was die Leute im Dorf denken, Dad? Sie denken, du seist ein Vampir," sagte sie und war gespannt, wie Snape darauf reagieren würde. Er hob eine Augenbraue: "So, denken sie das," sagte er nur und Laura nickte. „Dad, können wir mal zu der Hexe gehen? Ich will unbedingt wissen, ob sie wirklich eine Hexe ist."
Snape sah sie ernst an. „Nein, Laura, auf keinen Fall. Wenn sie wirklich eine wäre, bezweifle ich, dass irgendein Muggel das wissen würde. Das Ministerium ist sehr darauf bedacht, dass unsere Magie geheim bleibt. Es würde in sehr viele Schwierigkeiten ausarten, wenn jemand wirklich von der magischen Welt erfahren würde. Muggel könnten damit nicht umgehen."
Laura zog eine kleine Schnute, aber ließ das Thema fürs erste fallen.
„Du hast ihnen nichts erzählt, oder?" fragte Snape nun ein bisschen skeptisch und musterte Laura. Diese schüttelte den Kopf.
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Nach dem Abendessen hatte Snape noch etwas in seinem privaten Labor zu arbeiten.
„Darf ich helfen?" fragte Laura hoffnungsvoll.
Snape sah Laura an und antwortete: „Hilf Milly beim Aufräumen, ich bereite nur etwas vor."
Laura rümpfte die Nase, ging aber sofort in die Küche zu der Hauselfe. Diese freute sich, dass Laura zu ihr kam und lächelte sie freundlich an.
„Das junge Fräulein soll sich hinsetzen, ich mach das schon. Erzähl mir, wie es im Schnee war." Milly steuerte Laura zu einem Stuhl und setzte sie hin.
„Ich erzähle dir schon, wie es draußen war, aber ich helfe dir, Milly, und du hast mir versprochen, mich Laura zu nennen, vergessen?" Laura sah die Elfe gespielt streng an und Milly war es ein bisschen peinlich. „Es tut mir Leid, ich werde es nie mehr vergessen."
Laura lachte und stand vom Stuhl auf. Während sie ein paar Gläser abtrocknete, erzählte sie Milly von der tollen Schneeburg. Milly liebte es, wenn Laura erzählte, ihr Augen leuchteten dann immer so vor Begeisterung.
Sie spielte dann mit Milly noch Black Jack und las mit ihrem Vater im Wohnzimmer, bis es Zeit fürs Bett war. Laura hatte nicht große Lust, ins Bett zu gehen. Bestimmt würde sie wieder die Bilder der Werwölfe vor sich sehen. Sie bereute es sehr, dass sie dieses Buch gelesen hatte. Es war wirklich ziemlich unheimlich gewesen und wenn sie daran dachte, dass es solche schlimmen, blutrünstigen Werwölfe wirklich gab, fror es sie.
Sie konnte dann auch, wie erwartet, ewig lange nicht einschlafen. Immer wieder musste sie das Licht anmachen um sicher zu sein, dass ihr Zimmer immer noch Werwolf-frei und sicher war. Sie las und malte, aber die Nacht wollte nicht zu Ende gehen. Irgendwann schlief sie dann an ihrem Tisch ein. Gegen Morgen schreckte sie auf, weil sie beinahe vom Stuhl gefallen wäre. Sie schleppte sich in ihr Bett und schlief noch ein wenig, aber nicht mehr tief.
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Als Laura am nächsten Tag erwachte, war herrliches Wetter. Morgen würden sie zurück nach Hogwarts gehen. Sie freute sich, würde aber bestimmt ihr neues Zuhause vermissen. Sie sah sich in ihrem Zimmer um. Es war gemütlich und es war ihr eigenes Zimmer. Sie hatte einige Zeichnungen aufgehängt und es war für sie einfach das allerschönste Zimmer der Welt. Die Sonne schien hinein und Laura konnte sich kaum mehr vorstellen, dass es ihr in der Nacht unheimlich gewesen war. Sie gähnte und rieb sich die leicht brennenden Augen.
Sie fühlte sich wie gerädert. So eine schreckliche Nacht! Sie streckte sich und duschte dann lange und ausgiebig. Als sie ins Esszimmer kam, gähnte sie. Ihre Haare waren noch ziemlich feucht.
Snape, der am Tisch saß und eine Kaffeetasse in der Hand hielt, sah sie vielsagend an.
Laura setzte sich an den Tisch und sagte kein Wort. Milly erschien neben ihr und begrüßte sie gewohnt freundlich. Laura grummelte nur etwas vor sich hin.
Nach dem Frühstück ging Laura in die Küche und setzte sich an den Küchentisch. Milly trocknete noch die Tassen ab und Laura tat sich an ihren Schokoladenfröschen gütlich.
„Junge Laura sollte nicht zu viel Schokolade essen," meinte die Elfe und sah Laura entschuldigend an. „Wird Laura übel von so viel Süßem."
Laura sah sie kauend an. „Ach, nein, Milly, mir ist noch nie schlecht geworden von Schokolade." Sie stopfte sich den vierten Schokofrosch in den Mund, der deutliche Spuren ihrer Nascherei zeigte. Sie wusste, dass es frech war, so demonstrativ noch mehr zu essen, wenn Milly ihr gerade gesagt hatte, sie solle es lassen. Aber Laura war das jetzt gerade egal.
Laura nahm sich noch zwei Frösche aus der Schachtel und versorgte den Rest in den Küchenschrank.
Sie ging durchs Esszimmer, wo ihr Vater am Tisch saß und in der Zeitung las. Sie ging an ihm vorbei und wollte in ihr Zimmer, um in Ruhe die Schokoladenfrösche zu essen.
„Wo willst du mit der Schokolade hin?" Snape war plötzlich hinter dem Tagespropheten aufgetaucht und sah Laura fragend an.
Laura stieß den Atem aus. Konnte man denn hier nirgends in Ruhe seine Schokofrösche essen?! Musste ihr Vater immer alles sehen! Selbst wenn er hinter einer Zeitung versteckt ist? Das war echt mühsam!
Sie reckte ihr Kinn selbstsicher vor. „Ich gehe in mein Zimmer und esse sie." Ihre Stimme tönte ziemlich herausfordernd und ein bisschen trotzig, worauf Snapes Augenbraue automatisch nach oben wanderte.
„Du hast genug Schokolade gegessen, bring sie zurück!" Er sah sie ernst an und ignorierte ihren empörten, wütenden Blick.
„Das sind meine Schokofrösche!" wehrte sie sich. Ihr Ärger machte sie mutig. Sie ging weiter Richtung Treppe, auch wenn sie sich dabei nicht so wohl fühlte. Plötzlich spürte sie ein Ziehen und sie wurde wie von unsichtbaren Händen zurückgezogen, bis sie vor Snape stand. Laura sah ein bisschen erschrocken über ihre Schulter und sah dann ihren Vater an.
Dieser steckte seinen Zauberstab weg und fasste Laura am Handgelenk.
Seine schwarzen Augen fixierten sie streng.
"Sofort!"
Laura stand vor Snape und biss sich auf die Unterlippe. Sie wusste sehr genau, dass er sich nicht wiederholen würde. Sie wusste, dass es als nächstes was setzen würde.
Ihre Wangen wurden ziemlich rot vor Ärger. Sie drehte sich um und stampfte wütend in die Küche, wo sie die Frösche auf den Küchentisch warf.
Milly blickte sie erschrocken an und Laura rauschte auch schon wieder davon. Sie hastete an Snape vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
„Bleib in deinem Zimmer, bis du dich wieder anständig benehmen kannst," sagte Snape leise und klar. „Putz dir die Zähne und wasche deinen Mund," fügte er noch hinzu.
Laura reagierte nicht darauf, stürmte die Treppe rauf und knallte die Tür zu. Gerade so laut, wie sie es wagte.
Snape atmete tief ein und aus, damit er sich beruhigen konnte. Er spürte sein Blut rauschen. Er musste sich ziemlich beherrschen, um sitzen zu bleiben.
Was waren das nun für Ausbrüche? Testete sie ihn, ob er es wirklich ernst meinte? Dachte sie, sie könne sich so durchsetzen? Sie sollte ihren Vater doch besser kennen, dachte Snape und widmete sich dann wieder dem Tagespropheten, der aber nichts wirklich Interessantes zu berichten hatte.
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Eine knappe viertel Stunde später hörte er eine Tür im oberen Stock aufgehen.
„Ich benehme mich jetzt wieder," verkündete Laura, die im Esszimmer erschien, mit Papier und Farbstiften in der Hand, als wenn nichts gewesen wäre. Sie setzte sich neben Snape an den Tisch und legte ihre Malsachen vor sich hin.
Snape sah ihr einen Moment zu, wie sie einen Drachen zu malen begann. Er hob verwundert die Augenbrauen. Laura war wieder friedlich, sah zu ihm auf und malte schweigend weiter.
„Willst du auch auf den Drachen, Dad?" Laura sah ihn an und nahm den hinteren Teil des grünen Farbstifts in den Mund. Sie besah sich das Bild, welches sie gemalt hatte. Es war ein großer, grüner Drache mit Flügeln. Eine noch nicht ganz ausgemalte Laura saß obendrauf, mit wehendem schwarzem Haar und einem riesigen Lächeln. Sie fand es noch recht gut gelungen.
Snape streckte seine Hand aus und zog Laura den Farbstift aus dem Mund.
„Lass das," sagte er. Der Farbstift hatte schon die Abdrücke von Lauras Zähnen drauf. Er sah sie tadelnd an und Lauras Augen verängten sich.
„Ich mal dich halt einfach auf den Drachen," sagte sie provozierend, als wenn es eine Strafe für Snape gewesen wäre. Sie malte ihn mit einer großen Schnute und zornigen Augenbrauen. Wieso musste er auch immer reklamieren?
Snape wunderte sich, dass Laura heute so empfindlich war. Er würde sie wohl rechtzeitig ins Bett schicken müssen!
Es war ihr letzter Tag hier und er wollte noch einen ruhigen Abend genießen mit Laura. In Hogwarts würde er sie dann nicht mehr jeden Abend bei sich haben. Er hoffte, dass sich ihre Laune bis zum Abend verbessert hatte.
Es war nicht seine Art, solches Benehmen zu dulden. Seine Geduld wurde langsam dünn.
Laura malte noch eine Zeit lang weiter und Severus bereitete einiges für die Schule vor, in seinem Büro.
Laura half Milly dann das Mittagessen vorzubereiten. Sie entschuldigte sich bei ihr, dass sie die Schokofrösche einfach nur auf den Tisch geknallt hatte. Die Elfe war ihr zum Glück nicht böse.
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Nach dem Mittagessen ging Snape ins Gewächshaus und nahm Laura unter der Bedingung , dass sie sich benahm, mit.
Snape stand in dem Mitte des Raumes am Tisch und pflanzte junge Pflänzchen, deren Wurzeln sich wie Tentakeln bewegten. Er hielt sie dabei am oberen Teil, der aussah wie ein kleiner, schwarzer Kürbis, etwa so groß wie eine kleine Faust.
Laura sah gespannt zu. Snape hatte ihr aufgetragen, wieder von den schwarzen Beeren für den "hohen Blutzucker"-Tee zu pflücken. Sie durfte aber erst zuschauen, was ihr Vater tat.
Er erklärte ihr, dass man die Wurzeln nicht berühren dürfe, da sie sehr empfindlich waren. Und da sie sich bewegten, war das gar nicht so einfach.
Laura fand das spannend und wollte es auch versuchen. Wieso sollte sie so langweilige Beeren pflücken, während ihr Vater hier etwas viel Interessanteres machte.
„Darf ich jetzt mal?" fragte sie eifrig. Sie wollte sich eben eine der Kürbis-Pflanzen schnappen, als ihr Vater die Hand hob.
„Nein, Laura, das braucht viel Übung. Du lernst das dann, wenn du etwas älter bist, in Hogwarts. Diese Pflanzen sind, wie ich schon gesagt habe, ziemlich empfindlich und gehen sofort ein, wenn man einen Fehler macht."
„Aber ich kann das bestimmt, Dad!" sagte Laura. „Ich will nicht diese doofen schwarzen Dinger pflücken!" Den jammernden Ton, den Laura drauf hatte, konnte Snape nicht ausstehen.
Er blickte sie scharf an. „Hör mir jetzt zu, junge Dame. Du bist freiwillig hier. Du musst die Beeren nicht pflücken, wenn du nicht willst. Dort ist die Tür." Er zeigte Richtung Tür und Laura gab ihm einen finsteren Blick.
„Ooch, nie, nie darf ich was!" schmollte Laura, doch ihr Vater hatte genug von dem unmöglichen Verhalten.
Er legte die Pflanze in den Topf zurück und packte Laura am Handgelenk. Er drehte sich auf seinem Schemel und zog Laura zu sich.
Er sprach leise, aber Laura hörte den gefährlichen Unterton in seiner Stimme.
„Ich weiß nicht, was heute in dich gefahren ist, aber ich werde es nicht länger akzeptieren, dass du in diesem Ton mit mir sprichst. Ich habe hier noch einiges zu tun und kann kein quängeliges Kind dabei gebrauchen."
Obwohl Laura wusste, dass sie es nicht noch weiter auf die Spitze treiben durfte, ärgerte sie sich über den Ausdruck 'quängelig' und gab Snape einen ihrer bösesten Blicke.
„Geh an die frische Luft und kühl dein Temperament ein wenig ab!" befahl er ihr und drehte sie Richtung Tür.
Sie wollte aber nicht raus! Wieso befahl Snape ihr immer, was sie zu tun hatte? Sie wusste nicht, warum sie heute alles zu ärgern schien. Aber war ihr Vater immer so anstrengend?
Snape stand auf und schob sie zur Tür. Sie sträubte sich und machte einen Schritt zur Seite um seinen stoßenden Händen zu entkommen. Sie wollte wieder Richtung Tisch gehen, als Snape sie am Arm packte und sie mit sich zog.
Seine Augen blitzten verärgert, was Laura aber nicht sah, da sie versuchte in die entgegengesetzte Richtung zu ziehen.
Da war Snapes Toleranzgrenze erreicht, er drehte Laura um und landete zwei ziemlich scharfe Schläge auf ihrem Hosenboden. Sie schrie kurz erschrocken auf und wurde dann schon wieder umgedreht. Snape beugte sich leicht zu ihr hinunter. Sie biss die Lippen zusammen, als er sie so finster ansah und schimpfte: „Genug ist genug. Geh raus und tob dich aus."
Damit nahm er ihre Jacke vom Haken, drückte sie Laura in die Hand und stellte sie vor die Tür.
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Laura starrte auf die Tür, die ihr Vater ihr vor der Nase zugemacht hatte. Sie biss sich immer noch auf die Lippen.
Eine Träne rollte ihr die Wange hinunter. Ja, sie hatte es zu weit getrieben, das wusste sie ganz genau.
Aber weshalb hatte sie das getan? Wieso war sie so schlecht gelaunt und war sogar unfreundlich zu der lieben Milly? Sie entschied sich, in ihr Zimmer zu gehen und sich ein wenig hinzulegen. Sie hatte die letzte Nacht so mies geschlafen. Vielleicht war sie deshalb so genervt.
Das tat Laura dann auch und es ging nur wenige Augenblicke, bis Laura im Land der Träume war.
Snape arbeitete in Ruhe weiter. Er wollte alles erledigt haben, bevor sie nach Hogwarts zurückkehrten. Einen Bewässerungszauber würde er dann aktivieren und Milly würde alle paar Tage nachschauen gehen.
Seine Gedanken wanderten wieder zu Laura. Was war bloß in das Kind gefahren? Schon den ganzen Tag war sie so gereizt und schlecht gelaunt gewesen. Severus hatte sich ziemlich bemüht, ruhig und geduldig zu bleiben, aber sie hatte es einfach zu weit getrieben. Sie würde lernen müssen, auch bei schlechter Laune anständig zu bleiben.
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Sie blinzelte verschlafen, als Snape sie zwei Stunden später sanft rüttelte. „Aufwachen, Laura," sagte er, „sonst kannst du nachts dann nicht mehr schlafen."
Er setzte sich zu ihr aufs Bett. Sie rieb sich die Augen und streckte sich. Sie sah zu ihrem Vater hinauf und sagte etwas verlegen: „Es tut mir Leid, Dad, wegen heute. Ich weiß auch nicht, warum ich so mies drauf war. Hab wohl nicht so gut geschlafen, letzte Nacht."
Sie setzte sich auf und sah Snape erwartungsvoll an. Er nickte und sagte: „Es gibt bald Abendessen, du kannst Milly ja helfen." Sie nickte und er stand auf. Er würde ihr heute Abend einen Traumlos Schlaftrank geben, damit sie sich richtig ausruhen konnte. Die Werwolf-Geschichte schien sie doch mehr zu beschäftigen, als er gedacht hatte. Sie gingen zusammen die Treppe runter und Laura ging zu Milly in die Küche.
Milly war so lieb wie immer und Laura war froh, dass sie mit ihr das Abendessen zubereiten durfte. Sie sass am Küchentisch und schnitt Karotten für in den Salat. Als sie fertig waren, trugen sie alles gemeinsam auf den Tisch.
Laura merkte, dass sie viel besser gelaunt war. Sie aßen friedlich und Laura räumte danach ohne Aufforderung den Tisch ab.
Snape ging in sein Labor, wo er noch einen letzten Trank brauen musste und Laura half Milly beim Abwasch. Sie erzählte der kleinen Elfe ein paar Witze, die sie von Ron kannte.
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„Laura, Milly geht in den Keller etwas holen" sagte die kleine Elfe als Laura fertig erzählt hatte.
„Das kann ja ich machen, was brauchst du?" Laura trocknete sich die Hände am Geschirrtuch und hängte dieses an einen Haken.
„Laura ist ein liebes, hilfsbereites Mädchen und immer so fröhlich...." Milly himmelte das Mädchen von unten herauf an.
„Ja ja, schon gut, Milly, was brauchst du?" Laura war ein wenig ungeduldig geworden, sie wollte nachher ihrem Vater beim Brauen helfen gehen. Außerdem war es ihr auch ein wenig unangenehm, wenn die Elfe sie so in den Himmel hob. Vor allem, nach dem heutigen Tag, wo sie alles andere als fröhlich und lieb gewesen war.
„Es gibt in dem braunen Kasten getrocknete Steinpilze. Einen Sack Steinpilze braucht Milly."
Milly kam es sehr komisch vor, jemandem etwas aufzutragen. Sie wollte die Pilze einweichen, um morgen nochmal etwas Gutes damit zu kochen, bevor sie in die Schule zurück gingen.
Laura rannte davon. „Im ersten Keller junge Laura, im ersten!" rief ihr Milly noch hinterher.
Zwei Stufen auf einmal nahm Laura zum Keller hinunter. Sie war noch gar nie richtig im Keller gewesen, bemerkte Laura jetzt. Snape hatte ihr nur gezeigt, wo er war und sie hatte einen Blick hinein geworfen, aber drin war sie noch nie gewesen.
Die Tür ließ sich einfach öffnen, aber quietschte ein wenig. Laura ließ sie offen stehen.
Brauner Kasten? Laura sah sich um und als sie den Kasten entdeckte drehte sie den großen Schlüssel und öffnete ihn. Sie sah direkt die Steinpilze, da sie auch genau auf Lauras Augenhöhe waren. Sie schnappte sich einen Sack und machte die Schranktür wieder zu. Milly wollte doch wohl nicht diesen ganzen Sack Pilze kochen? Das reichte ja für eine ganze Armee.
Sie sah sich nochmals um. Da war noch eine Tür. Von ihrer Neugierde getrieben ging sie zu dieser Tür und öffnete sie. Sie blickte hinein, es schien noch ein Keller zu sein. Ein kleiner, relativ dunkler Naturkeller.
Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah sie etwas. Was war das? Sie ging einen Schritt näher. Ein seltsames Gefühl beschlich sie.
Was sie da sah, ließ sie erbleichen. Der Schrei, den sie ausstoßen wollte, gefror in ihrem Hals.
Laura ließ den Sack mit den Pilzen achtlos auf den Boden fallen und starrte nur auf dieses schreckliche Bild, welches sich ihr da bot.
Sie starrte in die ausdruckslosen, toten Augen ihres Vaters. Sein Gesicht war blass und die Augen blutunterlaufen. Sein Kopf hing unnatürlich schräg hinunter. Ein dickes Seil war um seinen Hals geknüpft und irgendwo im Dunkeln an der Decke befestigt. Seine Füße baumelten in der Luft. Aus seinem Mund rann ein kleines Bächlein Blut und tropfte auf den Steinboden.
Laura schrie nun aus Leibeskräften. Sie stolperte ein paar Schritte rückwärts und fiel über den Sack mit den Pilzen. Schmerzhaft landete sie auf ihrem Hintern, doch sie fühlte nichts.
Sie starrte immer noch auf den leblosen Körper ihres Vaters. Sie krabbelte automatisch rückwärts ohne sich umzudrehen. Sie konnte nicht mehr schreien.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie den hängenden Mann an.
In diesem Moment kam Milly in den Keller gerannt und sah, was geschehen war.
Es machte 'BLOP' und Snape war verschwunden. Dafür lag jetzt eine zweite Laura blutüberströmt mit verdrehten Gliedern auf dem Boden.
Laura kapierte jetzt gar nichts mehr. Ein erstickter Laut kam aus ihrer Kehle und sie blinzelte verwirrt. Sie hörte Schritte hinter sich.
Zwei kräftige Arme hoben sie vom Boden auf und Snape drückte Laura mit einer Hand an sich. Laura wimmerte, sie verstand die Welt nicht mehr. Ihr Vater war ganz lebendig und sie roch den Stoff seines Umhanges.
Dann richtete er den Zauberstab auf die tote, blutende Laura und rief „Riddikulus!"
Laura hatte das Gesicht an Snapes Bauch gepresst und sah nicht was dann geschah. Als sie wieder auf sah, war sowohl der tote Snape wie auch die tote Laura verschwunden.
„Verdammter Irrwicht!" sagte Snape, bevor er sich zu Laura hinunter beugte. Diese zitterte und konnte kaum noch auf ihren Füßen stehen. Sie war bleich wie ein Bettlaken. Ihre großen Augen sahen Snape verwirrt an.
„Laura, was du hier gesehen hast, war nicht echt. Das war nur ein Irrwicht." Er nahm Lauras Hand und sagte: „Komm, Kind."
Lauras ängstliche Augen fielen auf die kleine Hauselfe, die ihre Arme um sich geschlungen hatte und auf dem Boden kauerte und leise weinte.
Dieser Anblick rüttelte Laura wach und sie beugte sich zu Milly hinunter und nahm ihre Hand.
Mit einem verängstigten Mädchen, die eine zitternde Hauselfe mit sich zog, erreichte Snape das Wohnzimmer. Er setzte sich auf das Sofa und zog Laura neben sich.
Doch Laura kletterte sofort auf seinen Schoß und vergrub ihr Gesicht im Gewand ihres Vaters.
Dabei ließ sie Millys Hand nicht los. Die kleine Elfe saß neben ihrem Meister auf dem Sofa und sah ihn ängstlich und fragend an. Snape nickte ihr nur kurz zu und Milly streichelte mit der anderen Hand Lauras Arm.
Die schmalen Schultern von Laura begannen zu beben und Snape wusste, dass Laura weinte. Nicht laut, aber in tiefen Schluchzern.
Snape saß da und klopfte beruhigend auf Lauras Rücken. Er fragte sich, was sie so Schlimmes gesehen haben mochte. Wie hatte sich dieser vermaledeite Irrwicht bloß ins Haus geschlichen. Es konnte natürlich sein, dass er schon lange hier irgendwo im Haus war und sich versteckt hatte. Laura war ein sehr gutes Opfer für ihn gewesen.
Natürlich war das Mädchen geschockt. Sie hatte ja keine Ahnung, dass es sowas wie Irrwichte gab.
Was sie gesehen hatte, war also absolut real für sie gewesen.
Wovor hatte das Mädchen wohl solche Angst gehabt?
„Laura, das war ein Irrwicht. Sie zeigen uns schreckliche Bilder, aber nichts davon ist wahr."
Er sprach sanft mit seiner tiefen Stimme.
Milly zitterte immer noch neben Snape. Sie hatte aber schon mal eine Begegnung mit einem Irrwicht gehabt. Damals war es eine riesengroße Schlange gewesen. Aber dies hier war für die kleine Elfe, welche Laura so lieb gewonnen hatte, viel schlimmer gewesen.
Viele Minuten saßen sie so da. Als Laura endlich zu ihrem Vater hoch blickte, waren ihre Augen rot und ihr Gesicht feucht.
Sie schaute Snape ins Gesicht, als sähe sie ihn heute zum ersten Mal. Dann ließ sie Millys Hand los und legte ihre beiden Hände an Snapes Gesicht.
„Deine Augen waren so leer. So tot." Die Worte hatte Laura nur geflüstert.
Sie fuhr mit einem Zeigefinger ganz sanft unter seinem Auge durch, wo vor kurzem noch so schreckliche, rot-violette Ringe drunter gewesen waren.
Diese Augen, in denen sie in letzter Zeit immer mehr Wärme und Leben gesehen hatte, hatten sie vorhin so tot und leer angestarrt.
Laura schauderte.
Aber das konnte doch nicht sein, dachte Snape verdattert. Er konnte es nicht glauben. So viel bedeutete er seiner Tochter also. Snape war gerührt und es machte ihm beinahe Angst.
Konnte er wirklich so wichtig geworden sein für Laura. Er, der bittere, unheimliche Tränkemeister Severus Snape?
Er legte seine Arme um das Mädchen und drückte es fest an sich.
Laura genoss es, dass er sie von sich aus umarmte. Als er seinen Griff lockerte, sah Laura zu Milly hin. Laura rutschte zwischen Snape und Milly auf das Sofa.
Sie legte einen Arm um Milly, die sich die Tränen aus den Augen rieb und schniefte.
Milly blinzelte verlegen zu Laura hinauf und sagte scheu: „Milly ist beinahe gestorben, heute, vor Schreck!"
TBC...
