665 Jahre Nicolas Flamel

Die Kinder saßen am Feuer auf dem Boden und unterhielten sich, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

„Ich habe das Gefühl, es ist immer dann, wenn ich in Quirrells Nähe bin. Meint ihr, er könnte etwas damit zu tun haben? Könnte er ein Diener von Voldemort sein? Oder ein Komplize oder Spitzel?"

Laura zuckte die Schultern. „Ich finde den Typ seltsam. Er kommt mir irgendwie schräg rüber."

Ron nickte. Der Turban-Mann war schon nicht ganz sauber, dachte er. „Meinst ihr, er will an den Stein, für Du-weißt-schon-wen?"

„Das würde ihm natürlich wieder zu neuer Kraft verhelfen. Und hör doch mal auf mit diesem Du-weißt-schon-wer Schwachsinn," sagte Hermine etwas genervt. Ron sah sie beleidigt an.

„Das haben mir meine Eltern eben von klein auf eingetrichtert," verteidigte er sich. „Wie auch immer, Dumbledore bewacht den Stein, für diesen Flamel. Ich hoffe bloß, er ist gut genug bewacht." Ron sah die Freunde an, die am Boden saßen und sich Gedanken wegen Harrys schmerzender Narbe machten.

„Wenn Quirrell wirklich ein Gefolgsmann von Voldemort ist, frag ich mich, ob der Stein dann nicht in Gefahr ist. Dumbledore weiß ja vielleicht nicht, dass Quirrell auf der falschen Seite ist, oder zumindest sein könnte. Sonst hätte er ihn ja nicht als Lehrer hier eingestellt, nicht wahr? Und Voldemort würde ohne Hilfe kaum an den Stein kommen." Hermine klang etwas besorgt. Wer wusste schon, was passieren würde, wenn es jemandem gelänge, den Stein für Voldemort zu stehlen. Hermine hatte viel über den Krieg vor zehn Jahren gelesen und es lief ihr kalt den Rücken runter, wenn sie sich ausmalte, dass Voldemort wieder an Macht gewann.

„Ich frag mich, wieso sie den Stein nicht einfach vernichten," sagte Laura. „Dieser Flamel hat ja nun wohl lange genug gelebt, oder?"

Emma sah Laura ein bisschen entsetzt an. Aber Hermine nickte. „Da hast du schon recht, Laura. Es ist von der Natur nicht vorgesehen, dass Menschen so lange leben. Auch nicht Zauberer."

Ron war ziemlich erstaunt, dies von Hermine zu hören. „Und wie stellt ihr euch das vor? Du kannst ja wohl schlecht zu Flamel gehen und ihm sagen 'So, altes Haus, nun hast du aber lang genug gelebt, sag Goodbye und mach brav den Schirm zu, aber ein bisschen plötzlich'!"

Die Kinder mussten alle lachen. „Nein, natürlich nicht, Ron. Das kann natürlich nur er entscheiden," meldete sich nun Emma. Sie nahm eine Haarlocke von Laura, die dicht neben ihr saß und drehte sie sich um den Finger.

„Jetzt fang du nicht auch noch damit an!" sagte Harry dramatisch seufzend und die anderen Kinder sahen nun auch zu Emma, die das Haar schnell los ließ. Sie mussten wieder lachen.

„Meint ihr, wir sollten es Dumbledore erzählen, das mit der Narbe?" fragte Hermine und sah zu Harry, der sich sogleich an die Stirn fasste.

„Weiß nicht, vielleicht," meinten Emma und Ron.

„Ich möchte gern wissen, was Quirrell unter dem Turban hat, und ihr?" fragte Laura plötzlich. Die Kinder sahen sie alle an.

„Wär doch interessant," meinte Emma und lächelte verschmitzt.

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Laura saß in ihrem Zimmer auf der Fensterbank und sah hinaus. Sie lächelte, denn sie liebte das. Sie hatte sich so gefreut, als ihr Vater ihr mitgeteilt hatte, dass sie das Wochenende zu Hause verbringen würden. Und jetzt war sie in ihrem Zimmer, wo sie sich so wohl fühlte. Es roch nach zu Hause und das Beste, es war Frühling, sogar schon bald Sommer. Nun war es hier noch viel schöner als im Winter.

Die Sonne schien so warm zum Fenster rein. Laura reckte ihr Gesicht der Sonne entgegen. Es war schon ziemlich warm. Laura stand auf und öffnete das Fenster. Sie steckte den Kopf hinaus und hörte plötzlich etwas ganz sanft plätschern. Sie kniete sich auf die Fensterbank, damit sie besser sehen konnte. Da sah sie es. Der Bach! Im Winter, als sie hier gewesen war, war er für sie nicht sehr interessant gewesen. Sie hatte ihn sogar beinahe vergessen. Und es war ein ziemlich großer Bach. Laura lächelte breit.

Schnell schloss sie das Fenster und rannte die Treppe runter.

„Dad, darf ich ein wenig raus gehen?" fragte sie aufgeregt.

Snape sah von dem Buch auf, in dem er im Wohnzimmer gelesen hatte und musterte seine Tochter, die mit leuchtenden Augen vor ihm stand. „Du hast doch nicht etwa irgendwas Verbotenes im Sinn, oder?"

Laura schüttelte heftig den Kopf und sagte empört: „Nein, natürlich nicht!" Sie sah ihn an, als wäre er von allen guten Geistern verlassen. Sie lehnte sich leicht gegen seine Knie.

Severus hob die Augenbraue. „Würde dir nie einfallen, nicht wahr?" fragte er zynisch und Laura sah ihn ein bisschen frech an und rümpfte die Nase. „Nee, ich will nur ein wenig draußen spielen."

Snape gab ihr einen mahnenden Blick. „Also gut, aber bleib in Rufweite, klar? Und keinen Unsinn!"

„Ja, Dad," rief Laura, währenddem sie schon zur Tür rannte.

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„Milly, weisst du wo Laura ist?" fragte Snape die kleine Hauselfe, die ihm einen Tee servierte.

Laura war schon einige Zeit verschwunden und Snape fragte sich, wo sie so lange blieb. Er hatte vorhin aus dem Fenster geblickt, aber hatte sie nirgends gesehen.

„Sie badet, Meister Professor Snape, Sir," sagte Milly und schenkte den Schwarztee ein. Snape zog die Augenbrauen zusammen.

„Sie badet? Aber ich dachte, sie sei draußen?" Snape war verwundert. Natürlich nicht darüber, dass sie badete, aber er hatte sie nicht herein kommen hören.

„Sie badet draußen, Sir." Milly sah Snape schüchtern an.

„Draußen? Wo denn?" Snape stand auf. Milly lief ihm hinterher, als er zum Fenster schritt. Wo konnte Laura blos baden?

Milly zeigte in die andere Richtung. „Aus diesem Fenster muss Meister Professor Snape sehen."

Snape sah die Elfe verwundert an und schritt zum Fenster in der Eingangshalle. Erst sah er nichts. Er blickte umher und sah es plötzlich beim Bach unten spritzen. Natürlich, der Bach!

Er zog seine Schuhe an und ging aus dem Haus Richtung Bach. Es war wirklich sehr warm und schön. Aber Laura würde doch wohl nicht in dem Bach baden? Vielleicht badete sie ja nur die Füße und spritzte ein wenig herum.

Als er näher zum Bach kam, sah er, dass Lauras Kleider achtlos am Bachrand verteilt lagen. Snape hob kritisch eine Augenbraue und ging ein paar Schritte näher zu dem rauschenden Nass.

Laura spielte splitterfasernackt im Bach. Unter einem kleinen Wasserfall war das Wasser tiefer und dort tauchte und schwamm Laura. Sie spritzte und plantschte wie wild.

„Laura, was machst du da?" fragte Snape und sah seine Tochter ungläubig an.

Schämte sich das Mädchen denn nicht, so völlig nackt. Nicht dass es etwas zu schämen gab, denn ihr kindlicher Körper zeigte noch keinerlei Rundungen oder Anzeichen der nahenden Pubertät.

Aber trotzdem! Es hätte ja theoretisch auch jemand vorbei gehen können. Allerdings war das extrem selten, dass sich jemand hierher verirrte. Denn Snape hatte dafür gesorgt, dass er hier ein wenig Privatsphäre hatte. Aber das wusste Laura ja nicht. Es schien ihr ganz einfach egal zu sein.

„Ich bade," sagte sie grinsend, als ob man die Frage nicht ernst nehmen könnte. Er sah es ja, dachte Laura.

"Ja, ganz offensichtlich," seufzte Snape zu sich selbst und seine Augen verengten sich leicht.

„Du bist ja vollkommen nackt!" Snape sah zu Laura, die mit tropfnassen Haaren im Bach stand und einen faustgrossen Stein in der Hand hatte, den sie vorhin tauchend aus dem Bach gefischt hatte.

Sie warf den Stein in den kleinen Wasserfall, dass es nur so spritzte und sah dann mit leuchtenden Augen zu Snape.

"Na und? Das ist doch normal, wenn man nichts an hat," antwortete sie keck.

Als Snape darauf nichts erwiderte, da er gerade sprachlos war, rief sie stolz: „Sieh mal, Dad, was ich kann."

Sie tauchte ab ins tiefere Wasser, direkt unter dem etwa ein Meter hohen Wasserfall und ihre Füße erschienen über der sich kräuselnden Wasseroberfläche. Sie machte anscheinend einen Handstand unter Wasser und hängte dann noch einen Unterwassersalto an.

Als Laura wieder auftauchte, hatte sie ein großes Lachen auf dem Gesicht. Sie schien sich köstlich zu amüsieren und sich über das kühle Nass zu freuen. Sie schüttelte den Kopf, dass das Wasser nur so spritzte. Er sah, dass sie leicht zitterte und eine Gänsehaut hatte.

„Ehhm... gut," sagte Snape und trat ein paar Schritte näher. Laura stand im Bach und spritzte mit den Händen Wasser gegen den Wasserfall, der gemütlich vor sich hin plätscherte.

„Das Wasser ist kalt, komm bald raus, Laura." Er hatte seinen Zauberstab gezückt und hielt eine Sekunde später ein Badetuch in der Hand. Er legte es auf einen großen Stein und wollte davon gehen.

Er wusste, dass Laura das Wasser nicht gerne verließ, sie amüsierte sich so herrlich. Aber er wollte nicht, dass sie sich erkältete. Es war schließlich erst Anfang Mai.

„Och... es ist aber so schön..." jammerte sie, trat aber trotzdem ans Ufer, wo sie das Tuch nahm, welches auf dem Stein lag. Sie wickelte es um sich herum und klapperte mit den Zähnen.

"Soll ich dir zeigen, wie ich vom Wasserfall runter springen kann?" fragte sie hoffnungsvoll, immer noch mit den Zähnen klappernd. Snape sah sie kritisch an, wie sie da stand mit bläulichen Lippen und zitternd. Er schüttelte den Kopf. "Ein anderes Mal, Laura." Snape schwenkte nochmals den Zauberstab und Laura war plötzlich viel wärmer.

„Zieh dich an und komm dann sofort ins Haus," sagte Snape streng, bevor es dem Mädchen einfiel, sich nochmals ins Wasser zu begeben, jetzt wo ihr wieder warm war.

Er schritt davon und schüttelte dabei den Kopf. Kinder waren doch seltsame Wesen, dachte er.

Laura trocknete ihre nassen Haare. Dann schlüpfte sie wieder in ihre Kleider, die sie erst zusammen suchen musste.

Das hatte jetzt wirklich gut getan. Früher hatte sie so viel gebadet in ihrem Fluss, sie hatte einfach nicht widerstehen können. Erst wollte sie ja nur die Füße baden, aber bald hatte es sie so gereizt, in den klaren Bach zu springen, dass sie sich den Kleidern einfach entledigt hatte. Sie hatte noch nie jemanden hier beim Wald gesehen und wenn jemand kommen würde, würde sie einfach abtauchen.

Es war mühsam, so halb nass in die Kleider zu steigen.

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Als sie im Haus ankam, kam ihr Vater gerade aus der Küche mit zwei Tassen Tee.

„Komm, du musst dich aufwärmen, Laura," sagte er und als sie näher kam, gab er ihr eine der Tassen in die Hände. Sie gingen ins Wohnzimmer und setzten sich auf das Sofa.

„Danke, Dad, das war so schön im Bach," sagte Laura und lächelte ihren Vater glücklich an. Dieser sah sie an und nahm einen Schluck Tee. Er war nicht gerade das, was man eine Wasserratte nennen konnte. Er dachte an den Zwischenfall, als Laura mit Emma im See baden war, kaum hatte sie mit der Schule begonnen.

„Es ist schön, wieder zu Hause zu sein." Laura stellte den Tee auf den kleinen Tisch vor dem Sofa und kuschelte sich nahe an ihren Vater. Sie hatte noch nasse Haare und er trocknete es mit einem kurzen Zauberspruch.

Laura griff sich an die Haare und lächelte zu ihrem Vater rauf, der nun einen Arm um sie gelegt hatte. Sie genoss es unglaublich, ihm so nahe zu sein. Hier bei ihnen zuhause war es einfach am allerschönsten, fand sie.

Severus trank seinen Tee und genoss die Ruhe mit seinem Kind. Er hatte Remus zum Abendessen eingeladen, denn Laura hatte öfters gesagt, dass sie ihn wiedermal sehen wollte. Sie würde sich bestimmt freuen.

„Früher habe ich so viel gebadet. Ich bin fast jeden Tag zum Fluss gegangen." Laura lächelte zu ihrem Vater hinauf. Sie zog die Knie zur Brust. Ihre halblangen Hosen spannten über dem Knie, wo sie eine Hautschürfung hatte und sie zog sie ein bisschen hoch. Snape sah auf das geschürfte Bein, welches Laura soeben mit ein bisschen Spucke bestrich. Snape verzog das Gesicht leicht. „Dafür gibt es Salbe, Laura."

Diese zuckte nur die Schultern. „Hab ich immer so gemacht."

„War das nicht gefährlich, in dem Fluss?" fragte Severus stirnrunzelnd. Ein kleines Mädchen in einem Fluss?! Typisch Muggel!

„Also, als ich noch ziemlich klein war, bin ich mal beinahe abgeso... ehm ich meine ertrunken." Laura hörte ihren Vater tief einatmen. Sie konnte sich vorstellen, dass er von dieser Vorstellung nicht gerade begeistert war.

„Aber ich konnte mich ja retten," fügte sie schnell hinzu.

„Sieht so aus," sagte Snape nur trocken und war froh, dass er jetzt selber verantwortlich war für das Kind, welches sich an ihn kuschelte.

Laura erinnerte sich gerne an die schöne Zeit bei ihrem Fluss. Stundenlang hatte sie dort gebadet und mit den runden Steinen gespielt. Sie war glücklich, dass es hier einen Bach hatte. Und Steine.

„Dad? Könnte man den Stein nicht zerstören?" fragte Laura plötzlich. Sie hatte ihren Vater schon lange darauf ansprechen wollen. Sie machte sich ziemliche Sorgen wegen Harrys Narbe und dem Stein der Weisen und Turbanio, wie die Kinder Quirell nun manchmal nannten.

„Was für einen Stein?" fragte Snape leise.

„Den Stein der Weisen, natürlich. Nicht, dass dieser..." weiter kam Laura nicht. Snape richtete sich abrupt auf und sah scharf zu Laura hinunter.

„Woher weißt du von dem Stein, Laura?" fragte er streng und ein wenig erstaunt. Laura blinzelte ein paarmal. So eine heftige Reaktion hätte sie nicht erwartet.

„Ehmmm.... wir haben es rausgefunden," sagte sie kleinlaut. „Und Harrys Narbe schmerzt ihn immer so sehr, wenn er in der Nähe von Quirrell ist. Seit der Sache im verbotenen Wald noch schlimmer. Wenn man den Stein zerstören würde, würde er Voldemort nichts..."

„Schluss!" rief Snape aufgebracht und packte Laura etwas grob an den Oberarmen. Er stellte sie vor sich hin. Er fixierte sie mit seinen dunklen Augen und sie hatte das Gefühl, als sehe er direkt in sie hinein.

„Hör mir gut zu Laura. Überlasst dieses Thema den Erwachsenen. Das ist nichts für Kinder. Das ist gefährlich, Laura. Äusserst gefährlich. Ich meine das wirklich ernst, haltet euch da raus!" Laura nickte eifrig und auch ein bisschen eingeschüchtert von Snapes ernsten Worten. Snapes Augen sahen sie immer noch eindringlich und ein wenig besorgt an.

„Der Stein ist gut bewacht. Der Rest geht euch Kinder nichts an. Ist das klar?"

„Ja, Sir!" antwortete Laura ernst. Sie sah in Snapes Augen. Sein Griff um ihre Oberarme lockerte sich. Zum Glück, denn er hatte sehr fest zugedrückt. Aber Laura spürte, dass er sich um sie sorgte. Er sah sie immer noch an, allerdings nicht mehr so streng aber immer noch intensiv.

„Ja, Dad." Sie nickte leicht.

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Überraschung!!!

Als Laura vor dem Abendessen am Tisch saß und malte, hörte sie plötzlich im Kamin ein Geräusch, welches sie erschreckte. Sie stand von ihrem Stuhl auf und ging ins Wohnzimmer, wo ihr nun Remus entgegen kam. Ein Strahlen breitete sich in ihrem Gesicht aus und sie rannte auf den Mann zu. Er hatte sich zu ihr hinunter gebeugt und umarmte das Mädchen.

Laura küsste ihn auf die Wange und umarmte ihn dann wieder. Remus war gerührt, dass Laura sich so über seinen Besuch freute. Er richtete sich auf, als Snape ins Wohnzimmer kam.

Laura bemerkte, dass ihr Vater gewusst hatte, dass Remus kommen würde und sie ging zu Snape. Als die beiden Männer sich begrüßten, glitt Lauras Hand in die ihres Vaters. Sie stand neben ihm, strahlte zu Snape hinauf und flüsterte ein 'Danke'.

Sie setzten sich an den Tisch und aßen und redeten. Die meisten Themen interessierten Laura nicht brennend, aber als das Thema auf Harry kam, wurde Laura hellhörig.

„Dumbledore bringt den Bengel Morgen früh hier her," sagte ihr Vater etwas grob.

Er sah nicht so erfreut aus darüber, aber Laura konnte nicht glauben, dass er es überhaupt erlaubt hatte.

Sie sprang vom Tisch auf und ihr Stuhl fiel dabei zu Boden. Sie rannte zu ihrem Vater und umarmte ihn stürmisch. „Danke, Dad, danke, danke !" jubelte sie.

Ihr Vater sah sie aber tadelnd an und gab ihr einen unsanften Klaps auf den Hintern. Laura merkte aber, dass es nicht ganz so ernst gemeint war.

„Setz dich wieder hin, Miss Smethurst, was fällt dir ein, so einen Aufstand zu machen."

Lauras Lächeln blieb aber auf ihrem Gesicht, als sie sich brav wieder hin setzte. Sie konnte es einfach nicht glauben, dass Harry hierher kam. Sie stützte ihre Wangen mit den Händen auf dem Tisch auf.

Er würde Remus kennen lernen und... Moment! Würde Remus überhaupt hier übernachten? Er hatte ja gar keine Tasche dabei!

„Remus, schläfst du hier?" fragte Laura, als die beiden Erwachsenen eine kleine Pause machten mit reden, denn ihr Vater hasste es, wenn sie rein redete.

„Ja, Laura, wenn du es mir erlaubst," witzelte er und zwinkerte ihr zu. Laura musste lachen. Das würde ja lustig werden!

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„Nein, auf keinen Fall, Remus! Kommt nicht in Frage!" Severus sah seinen Freund empört an.

„Komm schon, Severus, nur ein paar Wochen," erwiderte Remus.

„Ich habe nicht vor, mein ohnehin nicht mehr ganz so ruhiges Heim zu einem Ferienparadies für Rotzgören zu machen!" Snape konnte nicht glauben, was Remus da von ihm verlangte. Er war froh, dass Laura im Bett war und die Unterhaltung nicht mitbekam, die würde ihm auch die Ohren volljammern, es wäre doch so eine schöne Idee.

„Snape, tu's für Lily. Wo soll ich denn sonst mit dem Jungen hin. Meine Wohnung ist ja wohl nicht gerade der ideale Ort, um mit ihm die Ferien zu verbringen." Remus musste ihn einfach überzeugen können. Es war ihm wirklich wichtig.

„Das ist doch nicht mein Problem, frag doch Dumbledore." Severus bekam schon Schweißausbrüche beim bloßen Gedanken daran, Potter in seinen Ferien in seinem Haus haben zu müssen.

„Severus, nur zwei drei Wochen." Remus sah seinen Freund ernst an. Eine Woche musste Harry ja bei den Dursleys bleiben, wegen des Blutzaubers.

Er könnte eine Woche mit Harry campieren, eine Woche könnten sie schlimmstenfalls in seiner Wohnung verbringen. Harry würde noch eine Woche oder so bei den Weasleys sein, aber den Rest der Sommerferien würde er irgendwo verbringen müssen, wo es kinderfreundlich war. Na ja, Snape war nicht direkt kinderfreundlich, aber das Haus hier und der Garten, der Wald mit dem Bach, das war einfach genial für ein Kind.

Snape stieß hörbar den Atem aus. Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und durchs Haar.

„Eine Woche! Keinen Tag mehr. Und wenn ihr euch nicht benehmt, schmeiß ich euch raus."

Remus lächelte dankbar. Er vermutete, dass er die Woche auch noch verlängern könnte, wenn es wirklich nötig war.

„Danke, Severus," sagte er erleichtert. „Außerdem muss Harry ja erst noch einverstanden sein."

Snape sah die Besorgnis in den Augen des Mannes. „Ich weiß nicht, ob ich es dem Jungen von Anfang an sagen soll, oder ob ich es ihm sage, wenn er mich ein bisschen kennt. Wegen dem Werwolf meine ich."

Remus sah zu Severus, der sich dazu nicht äußerte. Remus machte eine Pause und überlegte.

„Was meinst du, wie würde Laura reagieren, wenn sie davon erfahren würde?" fragte er etwas besorgt, als würde er die Antwort fürchten.

Remus sah den gefürchteten Lehrer nicht gerade als einen großen Kinderversteher, aber er würde einschätzen können, wie Laura die unangenehme Neuigkeit aufnehmen würde. Severus hatte ein ziemlich gutes Gefühl für seine Tochter, fand Remus.

Severus' schwarze Augen sahen direkt in seine, als er trocken antwortete: „Sie weiß es, Remus."

Lupins Augenbrauen zogen sich skeptisch zusammen und er blinzelte ungläubig. „Was? Sie.. sie weiß es? Seit wann?" fragte er erstaunt. Er konnte das gar nicht glauben. Nein, das konnte nicht sein! Er hatte Laura gar nichts angemerkt. Sie war doch mit freundenstrahlendem Gesicht auf ihn zugestürmt, wie immer.

„Schon lange," sagte Snape gelassen. „Sie hat uns an dem Abend in den Weihnachtsferien, bevor du gegangen bist, belauscht."

Lupin überlegte, sein erstauntes Gesicht wurde ernst und er nickte leicht. „Ich kann mich erinnern, dass sie an dem Morgen, als ich mich von ihr verabschiedet habe, so seltsam war." Remus sah traurig aus bei diesen Worten, die er leise und eher zu sich selber gesprochen hatte.

„Das war nicht deinetwegen, Werw.. Lupin. Sie …. hat da auch ein paar andere Dinge gehört und falsche Schlüsse daraus gezogen. Deshalb war sie so seltsam."

„Was? Es war nicht meinetwegen, bist du sicher?" fragte Lupin, der das kaum glauben konnte.

„Nein, Lupin. Kinder sind da nicht so voreingenommen. Laura hat damit kein Problem, sonst würde sie sich wohl nicht immer gleich auf dich stürzen, wenn sie dich sieht." Sein Ton war zum Schluss ein wenig ärgerlich, aber Lupin merkte, dass sich hinter der Fassade ein Lächeln versteckte.

Ja, er hatte das Mädchen seither mehrmals gesehen. Auch in der Krankenstation war sie sofort auf seinen Schoß geklettert, von Berührungsangst keine Rede.

Ein Lächeln breitete sich auf dem leicht vernarbten Gesicht des jungen Mannes aus. Er war so erleichtert, vielleicht würde Harry dann die Nachricht auch nicht so schockieren. Allerdings waren ja nicht alle Kinder gleich. Seine Freude war unbeschreiblich, dass Laura das so einfach zur Kenntnis genommen hatte, sich aber zwischen ihnen nichts geändert hatte. Hoffnung flammte in ihm auf.

Nach einer längeren Pause, in der Snape seinen Kaffee trank, fragte Lupin: „Was hat Laura denn an diesem Abend gehört, als sie gelauscht hat?"

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„Was? Zu Snape nach Hause?" Harry blieb der Mund offen stehen und seine Augen waren riesig.

Professor Snape, Harry," erwiderte Dumbledore geduldig und lächelte den Jungen an.

„Professor Snape und Laura. Außerdem ist noch jemand anderes dort, der dich gerne kennenlernen möchte, Harry. Er war ein guter Freund deiner Eltern. Er heißt Remus Lupin."

Harry wusste sofort, wer das war, Laura hatte ihm ja von Remus erzählt. Er wusste auch, dass er sehr nett war. Er nickte.

„Laura hat mir viel von ihm erzählt. Er scheint ziemlich nett zu sein, Sir." Harry sah zu dem Zauberer mit dem silbrigen, langen Bart, der nun von seinem Stuhl aufgestanden war und seinen Phönix streichelte.

Er lächelte zu Harry hinüber. „Also, wenn du die Einladung annehmen möchtest, dann geh und zieh dich an, Harry. Wir gehen dann in einer halben Stunde."

Harry nickte und bedankte sich. Er verließ das Büro des Schulleiters und ging in den Gryffindorturm um seine Jacke und Schuhe zu holen. Er war sehr gespannt auf Remus und freute sich sehr, ihn kennen zu lernen.

Er war aber auch ein wenig aufgeregt, dass er ausgerechnet zu Snape nach Hause gehen sollte. Er hatte das Gefühl, dass Snape ihn nicht gerade besonders gut mochte. Er wusste allerdings nicht, warum.

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Scheu aber trotzdem etwas neugierig sah Harry sich in Snapes Wohnzimmer um. Er konnte es nicht glauben! Er stand in Snapes Wohnzimmer!

Laura hatte gehört, dass Professor Dumbledore und Harry aus dem Kamin getreten waren und kam nun die Treppe hinunter gerannt.

„Harry, endlich! Guten Tag, Professor," fügte sie schnell freundlich hinzu. „Komm, Harry, wir gehen in mein Zimmer!" sagte Laura aufgeregt und verabschiedete sich schnell von dem Schulleiter. Die beiden Kinder gingen gleich in Lauras Zimmer.

Snape hatte das Wohnzimmer auch betreten und sah den weißbärtigen Mann und die davon eilenden Kinder an. Harry blieb kurz stehen, als er den Professor sah und sagte etwas verlegen: „Guten Tag, Professor Snape, danke für die Einladung."

Snape sah mit etwas finsterem Blick zu dem Jungen hinunter und nickte. „Guten Morgen, Mr. Potter. Albus, vielen Dank fürs Bringen... darf ich Ihnen einen Tee anbieten?"

Remus kam auch dazu und lächelte Dumbledore an. Er gab ihm die Hand und begrüßte ihn. Die beiden Kinder waren schon die Treppe hinauf verschwunden und Remus sah nur noch ihre Absätze verschwinden.

„Nein danke, Severus, sehr freundlich, aber ich muss noch einen Krankenbesuch machen." Er lächelte die beiden Männer an, von denen man noch vor ein paar Jahren niemals gedacht hätte, dass sie sich einmal anfreunden würden.

Es geschehen eben immer wieder Wunder, dachte der alte Schulleiter und lächelte.

„In dem Bach habe ich gestern sogar gebadet. Und der Garten ist vorne auch noch ganz groß." Laura war so stolz, Harry ihr Zuhause zeigen zu können. Er war auch ziemlich beeindruckt.

Es klopfte an der Zimmertür und Remus steckte den Kopf herein. Laura wurde rot im Gesicht. Sie hatte ganz vergessen ihm Harry vorzustellen. Sie stand schnell auf vom Fenstersims und sagte verlegen: „Entschuldige, Remus, das hier ist Harry, Harry das ist... Mister Lupin."

Remus lächelte Harry freundlich an. „Harry, es freut mich so, dich kennen zu lernen. Ich kannte dich als Baby." Er schüttelte Harrys Hand und der lächelte zurück. Der Mann war ihm sofort sympatisch. Und er war ein Freund seiner Eltern gewesen!

„Guten Tag, Sir," sagte Harry und lächelte zurück.

„Du kannst mich Remus nennen, Harry," sagte Remus. „Kommt ihr auch runter, dann könnten wir vor dem Mittagessen noch ein Spiel spielen."

Laura hatte ihre Karten nicht dabei um ein Kartenspiel zu spielen. Snape hatte auch keine Spiele, außer Zauberschach. Und das konnte Laura nicht.

„Ron und ich spielen das manchmal, ich kann dir zeigen, wie's geht," sagte Harry, der Zauberschach ziemlich spannend fand.

„Hilfst du mir ein bisschen, Remus?" fragte Laura und Remus lächelte.

„Wir könnten zwei Teams bilden. Ich bin auch nicht so gut darin. Severus, du könntest Laura unterstützen und ich bin mit Harry zusammen," schlug Remus vor, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass Snape darauf eingehen würde.

Severus sah ihn sofort ein bisschen finster an.

„Bitte, Dad!" Lauras Augen glänzten sofort und sie ging zu Snape.

Er überlegte einen Moment. Das Spiel war noch ziemlich lehrreich und man musste gut vorausdenken und eine Strategie entwickeln, vielleicht war das gar nicht so schlecht für seine Tochter und er willigte schließlich ein.

Mit leicht saurem Gesichtsaufdruck setzte er sich zu Lupin und den Kindern an den Tisch. Er konnte nicht glauben, was er da tat.

TBC...

Danke scientific ida fürs Betalesen ;-)