So, meine Lieben, nun gehts weiter. Danke vielmals für eure netten Reviews, hat mich sehr gefreut :-)
Meiner Betaleserin scientific ida herzlichen Dank fürs Korrigieren :-D
Viel Spass und liebe Grüsse Sally
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Laura lag am Flussufer in der Sonne und strahlte mit ihr um die Wette. Das war zu Hause für sie. Hier hatte sie sich immer wohl gefühlt. Es hatte so gut getan, wieder einmal so richtig zu schwimmen.
Laura setzte sich auf und sah umher. Wie spät es wohl war? Sie wollte noch schnell bei ihrer Freundin Melanie vorbei schauen. Sie waren zwar nicht sehr enge Freundinnen gewesen, aber Melanie war immer sehr nett gewesen zu Laura.
Sie rümpfte die Nase, als sie an den großen Bruder von Mel dachte. Richard war immer ein echtes Ekel gewesen und liebte es, den großartigen Macker zu spielen. Er war ziemlich groß für sein Alter und sah auch nicht schlecht aus. Wahrscheinlich war ihm das ein wenig zu hoch in den Kopf gestiegen.
Er hatte immer das Gefühl, alles müsse nach seiner Pfeife tanzen und wer das nicht tat, musste seinen Unmut spüren.
Seit einem kleinen Zwischenfall vor etwa drei Jahren auf dem Pausenhof konnte er Laura schon gar nicht mehr ausstehen. Er hatte ihr damals das Trinken ausgeleert, weil sie sich für Melanie gewehrt hatte und frech zu ihm gewesen war. Er hatte sich dabei ziemlich die Finger verbrannt, im wahrsten Sinne des Wortes.
Lauras Trinkflasche war plötzlich so heiß gewesen, dass er zwei große Brandblasen davon getragen hatte. Er hatte den Trick nie raus gefunden, wie Laura das gemacht hatte.
Nur Laura hatte gewusst, dass es gar kein Trick gewesen war. Was es allerdings wirklich gewesen war, hatte sie damals auch nicht gewusst.
Sie stand auf und machte sich auf den Weg. Es war ziemlich weit, bis ins Dorf zurück und Laura beeilte sich. Sie wollte nicht zu spät zu Hause sein, denn ihr Dad würde sie um 17 Uhr abholen. Und er hasste Unpünktlichkeit.
Laura rannte bis zum Haus, wo Mel wohnte. Auf der Straße begegnete sie ein paar Kindern, die sie ein wenig kannte von früher, aber die noch jünger waren als sie. Sie grüßte, aber die Kinder sahen sie nur komisch an. Hatten sie sie schon vergessen?
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„Laura?" Melanies Gesicht hellte sich auf, als sie das Mädchen mit den kurzen Haaren erkannte. Sie umarmte sie und zog sie dann in die Wohnung. Melanies Mutter, die die Tür geöffnet hatte für Laura, verabschiedete sich. Sie musste noch etwas einkaufen gehen.
Laura hörte, dass der Fernseher lief. Richard saß, mit den Füßen auf dem Tischchen vor der Glotze und sah kurz auf, als die Mädchen das Wohnzimmer betraten. Er sah wieder weg, um danach sofort wieder zu Laura zu schauen.
„Ach du bist das? Gibt's dich auch noch? Bist ja immer noch so ein Zwerg." Laura schnitt eine freche Grimasse.
„Bist du immer noch so frech?" fragte der Junge schnippisch und setzte sich auf.
„Bist du immer noch so doof?" fragte Laura frech zurück. „Ich dachte, das wächst sich aus. Aber scheinbar bist du ein spezieller Fall."
Richard stand auf und baute sich vor dem Mädchen auf, welches er um vieles überragte.
„Hör auf, Rich!" sagte Melanie, der das großkotzige Gehabe ihres Bruders tagtäglich auf den Sender ging.
„Halt du den Mund, kleine Zicke, sonst klebe ich dir eine. Mum ist ja nicht da zum Petzen."
„Du fühlst dich immer so sagenhaft stark, nicht wahr?" fragte Laura, und Mel fügte hinzu: "Und so unglaublich schön. Du brauchst ja Stunden vor dem Spiegel. Dort ein bisschen Gel und da ein bisschen....."
Richard fasste sie am Pulli und drohte: „Jetzt reicht's, du kleines Miststück. Fühlst dich wohl stark, mit dieser Zwergzicke da." Er drehte Melanie den Arm auf den Rücken und hielt sie so fest. Melanie stieß ein lautes 'Aua' aus und Laura eilte dem Mädchen zur Hilfe.
„Lass sie los, du Grobian!" Doch der drückte den Arm nur noch mehr nach oben und grinste. Melanie schrie.
Laura biss dem Jungen in die Hand, bis er seine Schwester loslassen musste. Er sah Laura verärgert an und gab ihr einen groben Stoß, dass sie ein paar Schritte rückwärts stolperte. "Hast du sie noch alle?" fuhr er sie an.
„Doofmann," zischte sie und Richard packte beide Mädchen an den Armen. Er schleifte sie ins Badezimmer und gab ihnen einen unsanften Stoß. Laura versuchte sofor , sich an dem Jungen vorbei zu drängen aus dem Badezimmer heraus. Er stieß sie zurück und drohte ihr mit einer Ohrfeige. Sie trat mit dem Fuß gegen sein Schienbein, worauf sie die angedrohte Ohrfeige kassierte. Laura hielt sich die Wange und funkelte ihn zornig an.
Richard knallte die Tür zu und schloss die Tür von außen her zu. Wie gerne hätte Laura ihm einen übler Fluch angehext!
Melanie trommelte mit den Fäusten gegen die Tür. „Mach auf! Ich erzähle es Mum, dann kannst du das Fußballmatch am Wochenende vergessen."
„Es hat keinen Sinn, Mel," sagte Laura mit rotem Kopf und hielt das Mädchen zurück. „Der Blödmann wird nicht aufmachen."
Melanie nickte und die beiden Mädchen setzten sich auf den Boden. Melanie war es peinlich, dass ihr Bruder sich so schrecklich verhielt. Vor allem, weil sie Laura schon so lange nicht mehr gesehen hatte. Das war nicht der netteste Empfang. Aber Laura wusste, dass es nicht Melanies Schuld war. Sie erzählten sich vieles, Laura durfte aber nichts von der Zaubererwelt erzählen.
"Richard, mach endlich auf!" rief Melanie nach über einer halben Stunde, aber der Junge reagierte nicht.
Nach einer weiteren halben Stunde wurde es Laura langsam mulmig. Es war bestimmt schon spät.
Sie sah auf Melanies Uhr, dass schon beinahe 17. 30 Uhr war. Ihr Gesicht wurde rot. Ihr Vater würde sich bestimmt Sorgen machen, oder sich zumindest grün und blau ärgern, dass sie nicht pünktlich war.
„Richard, ich muss nach Hause. Lass uns jetzt raus. Mein Dad wird mich sonst suchen."
„Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du mich gebissen hast, du Biest. Nicht mein Problem, wenn du Ärger kriegst," hörten sie Richards Stimme durch die Badezimmertür.
„Jetzt kommt meine Lieblingssendung, viel Spaß da drin, ihr könnt ja ein Bad nehmen." Richard genoss seine Position sichtlich. Sie hörten, wie der Fernsehsender umgestellt wurde.
Sie zuckten die Schultern und redeten weiter. Laura hatte ein ungutes Gefühl, wenn sie daran dachte, dass ihr Dad bestimmt schon bei ihren Verwandten auf sie wartete. Laura hätte Milly rufen können, aber wie hätte sie das Mel erklärt? Sie durfte das nicht. Bei Nath war das etwas anderes, die war ja ihre Cousine, aber Melanie war nur eine nicht allzu nahe Freundin.
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Punkt 17 Uhr läutete es an der Tür und Tante Susan öffnete. Sie sah Snape viel freundlicher an, als beim letzten Mal, als sie ihm begegnet war.
„Guten Tag, Mr. Snape. Kommen Sie bitte rein. Laura ist noch nicht da, sie wollte noch zum Fluss, aber sie kommt bestimmt gleich."
Snape hörte Stimmen aus dem Zimmer kommen, wo bei seinem letzten Besuch übermäßig laute Musik gedröhnt hatte.
„Möchten Sie gerne einen Kaffee oder einen Tee, Mr. Snape?" fragte die Frau. Snape konnte sehen, dass es Lauras Tante deutlich besser ging als beim letzten Mal.
Es nervte ihn, dass Laura noch nicht da war, denn er hasste Unpünktlichkeit.
„Ja, gerne einen Kaffee, schwarz," sagte er.
Wie könnte es auch anders sein, dachte die Frau, als sie die schwarze Gestalt ins Wohnzimmer führte.
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Als Laura zwanzig Minuten später immer noch nicht da war, war es mit Snapes Geduld endgültig vorbei.
Die Zwillinge hatten Snape skeptisch gemustert und waren dann wieder in ihrem Zimmer verschwunden.
Dafür kam Nathalie nun ins Wohnzimmer und begrüßte Snape. Sie war viel freundlicher als beim letzten Mal und Snape bemerkte, wie das Mädchen ihn von oben bis unten ansah. Was Laura wohl über ihn erzählte hatte, dachte Snape und hob eine Augenbraue.
„Vielleicht ist Laura noch zu ihrer Freundin gegangen. Sie hat sowas gesagt."
Susan Smethurst schämte sich, zugeben zu müssen, dass sie keine Ahnung hatte, wer Lauras Freundin war. Das Mädchen hatte nie jemanden nach Hause gebracht. Und sie hatte sich nie um solche Dinge gekümmern.
„Ich habe Laura extra noch gesagt, sie soll die Zeit nicht vergessen und pünktlich zurück sein," sagte Susan.
„Soll ich bei Mel anrufen, ob sie dort ist?" fragte Nathalie und griff schon zum Telefon.
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Severus hatte genug gewartet. Er benutzte den Suchzauber, um zu sehen, wo Laura war. Bei Melanie hatte niemand den Anruf beantwortet.
Wo war das Mädchen nur? Sorge beschlich ihn. Was, wenn Laura es nun doch noch fertig gebracht hatte, zu ertrinken? Es hatte gestern Abend ziemlich stark geregnet, der Fluss könnte reißend sein.
Doch sein Zauberstab führte ihn zu einem Mehrfamilienhaus. War Laura doch noch zu der Freundin gegangen und hatte die Zeit vergessen? Snapes Augen funkelten ärgerlich.
Er betrat das Haus. Vor einer Wohnungstür blieb er stehen. Die Spitze des Zauberstabes zeigte genau auf die Tür. Snape hörte laute Stimmen von drinnen.
Er benutzte einen Verstärkungszauber und hörte nun, was drinnen gesprochen wurde.
"Richard, ich muss nach Hause. Lass uns jetzt raus. Mein Dad wird mich sonst suchen."
Das war ganz klar Lauras Stimme.
'Dein Dad sucht dich schon, Laura', dachte Snape und verengte seine Augen.
Was wurde hier gespielt?
'Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du mich gebissen hast, du Biest. Nicht mein Problem, wenn du Ärger kriegst," antwortete eine junge männliche Stimme.
'Jetzt kommt meine Lieblingssendung, viel Spaß da drin, ihr könnt ja ein Bad nehmen," hörte er nun nochmals den Jungen.
Scheinbar hatte der Junge die beiden Mädchen, oder zumindest Laura, im Badezimmer eingesperrt.
Laura hatte ihn gebissen? Was war nur passiert? Laura war für gewöhnlich nicht bissig.
Wie auch immer, er wollte jetzt seine Tochter abholen und nach Hause gehen und zwar jetzt gleich.
Er klingelte .
Nichts.
Er klingelte nochmals und diesmal gleich dreimal hintereinander.
Severus hörte Schritte hinter sich. Ein alter Mann kam die Treppe hinunter geschlurrpt und sah Snape mit seinen trüben Augen an.
„Da müssen sie Sturmläuten, Sir, die hören immer so laut Musik oder Fernsehen, das höre ich sogar mit meinen schlechten Ohren noch im oberen Stock."
Der alte Mann ging weiter die Treppe runter und Snape klingelte und benutzte auch den Verstärkungszauber.
Nun wurde die Tür aufgerissen und ein etwa sechzehnjähriger Junge sah Snape ärgerlich an.
Er musterte den Mann von oben bis unten und der Fremde schien ihm nicht ganz geheuer.
Sein Gesichtsausdruck änderte sich und er fragte: „Was wollen sie, Mister? Wir kaufen nichts."
Severus fragte sich, wieso immer alle gleich dachten, er wolle etwas verkaufen. Sah so etwa ein Hausierer aus?
Snape sah den gelfrisierten Jungen streng an. „Ich verkaufe auch nichts." Snape kam einen Schritt näher und der Junge wich mit großen Augen ein wenig zurück.
„Du hast etwas was mir gehört, junger Mann." Sagte er ruhig und seine dunklen Augen fixierten Richard.
Der Junge versuchte, seine Unsicherheit zu überspielen und sah ihn arrogant an. "Ach ja, und was sollte das sein?" fragte er.
„Das weißt du sehr genau, also stell dich nicht so dumm an, wie du aussiehst. Her mit meiner Tochter oder ich helfe dir nach."
Der Junge wurde nun unsicher und drehte sich um. Den Kommentar, von wegen so dumm, wie er aussieht, schien er noch nicht ganz begriffen zu haben, aber es irritierte ihn sichtlich. Er fuhr sich mit den Händen durch seine, mit Haargel aufgestellten Haare, um zu kontrollieren, ob noch alle an ihrem Platz waren.
Er ging zum Bad und schloss die Tür auf.
„Kommt raus, ihr Gurken," sagte er lässig. Ein dunkelblondes Mädchen erschien.
Das fremde Mädchen machte eine rüde Geste zu dem großen Jungen und der beherrschte sich.
Laura, die die Stimme ihres Vaters gehört hatte, rannte auf ihn zu. Sie umarmte ihn. Snape, der Laura im ersten Moment nicht erkannt hatte, sah nun erstaunt auf den dunklen Haarschopf hinunter. Laura hob den Blick und ließ Snape los, der sie immer noch etwas irritiert ansah.
Sie wandte sich dann dem Mädchen zu, welches scheu zu Snape aufsah.
„Machs gut, Mel," sagte Laura und winkte ihr leicht zu. Melanie konnte ihren Blick kaum von dem Mann losreißen. So eine spezielle Erscheinung hatte sie noch nie live gesehen. Sie lächelte Laura an.
„Komm wiedermal vorbei, Laura, hoffentlich ist dann dieser Idiot nicht zu Hause," sagte sie und ging schnell in ihr Zimmer und schloss sich ein.
Laura konnte sich gut vorstellen, wieso.
Snape gab dem Jungen noch einen finsteren Blick, dass er errötete und legte dann eine Hand an Lauras Nacken. Er schob sie zur Tür raus.
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Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, drehte sich Laura um und umarmte ihren Vater so fest, dass ihm beinahe die Luft wegblieb.
Sie hörten, wie unten die Tür aufging und Snape zog Laura von sich weg und nahm sie an der Hand. Er ging mit ihr die Treppe runter.
Nathalie kam ihnen entgegen und sah ziemlich erleichtert aus.
„Da bist du ja, Cousinchen, hast wohl die Zeit vergessen?" sagte sie. Laura erzählte ihr die Geschichte mit Richard, während sie zurück zum Haus von Lauras Verwandten gingen.
Snape bemerkte, wie das größere Mädchen immer wieder heimlich zu ihm aufsah.
„Das ist typisch Rich, so ein aufgeblasener Kerl," sagte Nathalie, als sie die Tür aufstieß.
Laura schien es eilig zu haben, sich zu verabschieden und holte schnell ihre Tasche. Nathalie hatte darauf bestanden, ihr noch zwei Haartönungen mitzugeben. Voll krasse Farben, wie die Cousine ihr beteuert hatte.
Laura verabschiedete sich von ihren Verwandten und als sie zur Tür raus waren, schnappte sie sich Snapes Hand. Sie sah zu ihm hinauf.
„Ich hab dich vermisst, Dad," sagte sie beinahe vorwurfsvoll. „Ich hätte dich ja nicht mal anrufen können." Sie sah ihn an, als hätte er sie hier, gegen ihren Willen, ausgesetzt gehabt.
Er hob die Augenbraue. Was wollte Laura ihm damit wirklich sagen? Eine scharfe Erwiderung lag auf seiner Zunge, aber als er die Tränen in Lauras Augen sah, beugte er sich zu ihr hinunter und umarmte sie. Nicht ohne sich erst umzusehen, ob jemand in der Nähe war.
Darauf schien sie gewartet zu haben, denn sie klammerte sich an ihn. Sie wollte ihn nicht mehr loslassen und als er sich aufrichten wollte, hing sie halb an ihm.
„Laura, lass sofort los," schimpfte er. Er nahm sie bei der Hand und marschierte mit ihr die Straße hinunter.
„Hat es dir gefallen?" fragte er in beiläufigem Ton. Er hörte sie schniefen. Was hatte das Mädchen nur?
Laura nickte und wischte sich eine Träne vom Gesicht.
„Ist irgendwas vorgefallen? Ist es wegen diesem Jungen?" wollte Snape nun wissen und war stehen geblieben. Wieder schüttelte Laura den Kopf.
„Nein, es war alles gut. Ich … glaube es war einfach ein bisschen viel. Ich möchte nächstes Mal nur noch am Tag gehen. Ich hatte solches Heimweh gestern im Bett." Laura schluckte und blinzelte die letzte Träne weg.
Und ich habe mir Sorgen gemacht, sie wolle nicht mehr nach Hause kommen, dachte Snape und war irgendwie erleichtert.
„Hast du Jimmy mitgenommen, Dad?" fragte sie und Snape nickte. Wegen ihm hätte das Frettchen auch bleiben können, wo es war, aber Laura hatte so gebettelt, es mit nach Hause nehmen zu können.
Snape lächelte sie leicht an.
Sie sah so anders aus, ohne ihre langen Locken, aber er musste zugeben, dass ihr diese Frisur gut stand.
„Wieso hast du die Haare abgeschnitten?" fragte er. Und sie lächelte ihn an. Das war gut, dachte er.
„Einfach so," antwortete sie. „Findest du es hässlich?" fragte sie frech und sah keck zu ihm hoch.
„Äußerst hässlich," antwortet er etwas zu ernst. Sie grinste ihn an. „Na, dann passen wir wenigstens zusammen!"
Snape gab ihr einen bösen Blick und seine Augen funkelten. Aber Laura kannte ihren Vater gut genug, um dahinter ein Lächeln zu entdecken.
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„Sitz gerade, wie es sich gehört," schimpfte Snape, der nun langsam genervt war, von Lauras Manieren. Der ganzen Abend, das heißt, seit sie hier vor ein einhalb Stunden angekommen waren, war sie so weinerlich und aufbrausend gewesen. Nun stocherte sie genervt in ihrem Essen rum.
„Ich hab keinen Hunger mehr," sagte sie in einem bockigen Ton.
„Dann steh auf und räume deinen Teller in die Küche, aber erwarte keinen Nachtisch." Snapes Geduld mit dem Kind wurde dünner. Laura hatte kaum zwei Bissen gegessen. Er würde sie bald ins Bett stecken. Wenn sie müde war, konnte sie richtig quängelig sein.
Laura rutschte mit saurem Gesichtsausdruck den Stuhl zurück und stampfte mit dem Teller in die Küche.
Dort sah sie den Kuchen, den Milly gemacht hatte und sie bereute sogleich, dass sie sich die Chance auf ein Stück davon verspielt hatte. Sie strich sich die Fransen zurück, die ihr beinahe in die Augen hingen.
Sie biss sich auf die Lippen und ging mit dem Teller ins Esszimmer zurück.
Sie sah ihren Vater ein wenig verlegen an. „Wenn ich das noch fertig esse, bekomme ich aber Nachtisch, oder?" fragte sie.
Snape zog eine Augenbraue hoch. „ Mal sehen, ob du dich nun anständig benehmen kannst," sagte er und Laura nervte sich über seinen Ton.
Sie setzte sich ohne ein Wort auf ihren Stuhl und schaufelte sich das Essen in den Mund. Snape sah ihr zu und seine Augen verengten sich.
„Laura, willst du meine Geduld prüfen? Iss anständig oder du gehst sofort ins Bett!"
Laura sah ihn böse an und schnaubte. Sie sah, dass er mit den Fingern ungeduldig auf den Tisch klopfte. Am liebsten hätte sie ihm die Gabel in die Hand gepiekst, so wütend war sie. Sie spürte die Nachwirkungen der beinahe schlaflosen Nacht deutlich.
Sie wusste, dass sie sich nun am Riemen reißen musste.
Als sie fertig gegessen hatte, kreuzte sie die Arme vor der Brust. Sie wollte jetzt den Kuchen essen, aber sie war sich nicht mehr so sicher, ob sie davon etwas bekommen würde. Snape sah ziemlich unzufrieden aus.
„Morgen gehe ich gleich am Morgen schwimmen," verkündete Laura mit finsterem Blick.
„Nein, gehst du nicht," sagte Snape in neutralem Ton. „Morgen gehen wir in die Winkelgasse. Ich muss meine Vorräte für die Zaubertrankzutaten auffüllen. Und du kommst mit, junge Dame."
Laura gab ihm einen giftigen Blick.
Er wusste, dass er im Augenblick hätte sagen können, was er wollte, Laura würde es so oder so nicht passen.
„Wann seid ihr gestern ins Bett gegangen?" fragte Snape und seine Stimme klang ziemlich streng und forschend.
„Weiß nicht mehr," log Laura und zuckte die Schultern. „Glaub nicht so früh," fügte sie noch hinzu, als sie sah, wie die Augen ihres Vaters aufblitzten. Sie machte ein böses Gesicht, weil sie nicht baden gehen durfte, wie sie es sich vorgenommen hatte.
Das glaube ich auch, dachte Snape. „Hör auf zu schmollen, Laura. Ich denke du gehst jetzt am besten ins Bett, du benimmst dich, wie eine Vierjährige." Snape gab ihr einen Blick, der keine Widerrede duldete.
Laura sah aber schnell zu Boden, die Arme immer noch vor ihrer Brust verschränkt. Snape sah sich das Mädchen vor ihm an. Sie sah wirklich viel jünger aus, wenn sie so bockte. Er musste beinahe lächeln über den trotzigen Blick, den sie drauf hatte.
Er hatte immer gedacht, Mädchen seien einfacher und vernünftiger als Jungen. Scheinbar hatte er sich getäuscht.
Er stand auf und schritt zu Laura hinüber. Er fasste sie am Handgelenk und zog sie mit sich zur Treppe. Laura sträubte sich wie eine wilde Katze. „Ich will jetzt aber Kuchen, ich habe extra alles aufgegessen!" schrie sie. Sie versuchte Snapes Hand zu entkommen. Beinahe hätte sie der Versuchung nachgegeben, ihn in die Hand zu beißen. Dass ihr das aber nicht gut bekommen würde, wusste sie sehr genau. Sie war so ärgerlich, dass sie zu weinen begann.
Snape ließ sie los und zückte seinen Zauberstab. Das war ihm doch zu blöd. Er machte einen Schwebezauber und Laura schwebte nun zappelnd und um sich schlagend hinter ihm her.
Das ihr Vater das wagte, sie wie einen Luftballon hinter sich her schweben zu lassen, trieb ihre Wut nur noch höher und sie zappelte wild. Sie krallte sich an einem Bild fest, an dem sie bäuchlings vorbei schwebte, als wenn sie sich schwimmend an einem Felsen fest geklammert hätte. Der Zauber war natürlich stärker als Laura und mit einem lauten Scheppern landete das Bild am Boden.
Snape drehte sich um und seine Augen blitzen kurz auf. Laura ruderte mit den Armen immer noch in der Luft rum.
Er ließ Laura in ihr Zimmer schweben und ließ sie auf ihrem Bett runter. Dann ging er raus und schloss die Tür hinter sich. Er würde sie abkühlen lassen müssen. In diesem Zustand war sie nicht ansprechbar. Er sagte ihr durch die Tür, dass er zu ihr kommen würde, wenn sie sich beruhigt hatte.
Laura war sofort aufgestanden und hämmerte gegen die Tür. Snape blieb einen Moment stehen und schloss genervt die Augen. Was war in Laura gefahren? Er atmete tief ein und aus. Sie polterte mit den Fäusten wütend gegen die Tür.
Nun reichte es ihm. Die brauchte dringend eine Abkühlung.
Er öffnete die Tür und Laura sah zu ihm auf mit verweintem Gesicht. Er nahm sie am Handgelenk und zog sie ins Badezimmer.
Er hob sie hoch und stellte sie in die Badewanne.
Sie prustete und schnappte nach Luft, als er sie, mitsamt den Kleidern, kalt abspülte.
Aber die Abkühlung hatte eine sofortige Wirkung. Lauras heiße Wut wurde durch das kühle Wasser sofort gelöscht und sie blinzelte ihn erschrocken und erstaunt an.
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Laura trocknete sich ein bisschen beschämt ab und Snape ging in dieser Zeit in Lauras Zimmer. Er öffnete die Fenster und holte ihren Pyjama aus dem Schrank. Er öffnete die Badezimmertür einen Spalt und gab ihr das Pyjama hinein. Einen Moment später erschien sie mit feuchtem Haar und noch etwas Zahnpasta um den Mund.
Snape sah vielsagend zu ihr hinunter und gab ihr einen Klaps auf den Po, als sie an ihm vorbei zum Bett ging. Sie drehte sich sofort um, sagte aber nichts.
„Das war fürs Bild," sagte Snape nicht all zu streng und deckte Laura zu, die nun ins Bett kroch.
Snape nahm ein Taschentuch und putzte ihr damit die Zahnpasta von der Oberlippe.
„Schlaf gut," sagte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Darf ich morgen von dem Kuchen?" fragte Laura, als Snape zur Tür schritt.
„Ich esse nicht allen heute Abend," sagte Snape trocken und ging aus dem Zimmer. "Morgen hoffe ich auf besseres Benehmen, klar?" sagte er bestimmt. Laura nickte nur.
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Obwohl sie so müde war, konnte sie nicht einschlafen. Als sie hörte, dass ihr Vater auch ins Bett gegangen war, setzte sie sich ans Fenster und sah hinaus. Es war so schön hier. Sie freute sich so, wieder hier zu sein.
Sie hatte sich heute Abend wirklich ziemlich unmöglich benommen und es wohl ziemliches Glück gewesen, dass sie sich nicht mehr als einen Klaps auf den Hintern eingefangen hatte. Zu wenig Schlaf war einfach nicht gut für sie. Alles nervte sie dann.
Sie sah den Mond an. Es war bestimmt Vollmond, so rund war er. Sie dachte an Remus und auch an die anderen Werwölfe. Sie begann zu frösteln und sie schloss das Fenster.
Sie tapste leise zum Zimmer ihres Vaters. Vielleicht könnte sie sich wieder zu ihm ins Bett schmuggeln. Sie öffnete leise die Tür. Ihr Vater schlief. Sie schlich sich zum Bett.
Es war, dank des Mondes, ziemlich hell im Raum. Snape lag so halb auf dem Rücken, halb auf der Seite. Er trug einen dunklen Schlafanzug. Laura musste lächeln. Wie könnte es auch anders sein! Snape in einem hellblauen Schlafanzug zu sehen, wäre aber auch mal lustig gewesen.
Sie war sehr leise geschlichen, denn ihr Vater hörte meist schon den kleinsten Laut. Was war denn da auf Snapes Arm? Sie trat etwas näher, um besser sehen zu können. Sie hatte das noch nie gesehen an ihm. Wenn sie es sich genau überlegte, hatte Snape bisher immer etwas Langärmliges getragen.
Sie beugte sich hinunter und sah es sich genauer an. Es musste eine Tätowierung sein.
Lauras Blut wich aus ihrem Gesicht, als sie das Zeichen auf Snapes Arm erkannte. Es gab keinen Zweifel. Sie wusste genau, was das war. Sie sah nochmals genauer hin.
Träumte sie jetzt doch? Das konnte nicht sein! Nicht ihr Vater!
Sie schüttelte den Kopf und sah voller Entsetzen ungläubig auf ihren schlafenden Vater hinunter.
Sie war wie gelähmt. Sie biss sich in den Arm, um zu spüren, dass sie nicht schlief. Sie starrte auf das Zeichen auf dem Unterarm ihres Dads, während sie nun unbewusst den Bund ihres Pyjamaoberteils um ihren Finger wickelte.
Wie eine Schlafwandlerin ging sie zurück in ihr Zimmer, ohne, dass sie das wirklich wahr nahm. Das blasse Mädchen setzte sich auf ihren Fenstersims.
Ihr Vater sollte ein Diener von Voldemort sein? Ein Gefolgsmann des schlimmsten Zauberers aller Zeiten? Er sollte ihm geholfen haben zu morden und zu quälen?
Ihr Vater war bestimmt nicht die sanfteste aller Personen. Er war streng und unnahbar und für einige Leute unheimlich. Aber er war kein böser Mensch, das wusste Laura. Sie konnte sich nicht so sehr in ihm täuschen. Er war nie brutal gewesen mit ihr, auch als er sie noch nicht so gut gekannt hatte. Er hatte ihr nie etwas Schlechtes gewollt.
Sie dachte an die schwarzen Augen ihres Vaters, die, als sie ihn kennen gelernt hatte, zwar kalt und taub, aber niemals böse oder grausam gewesen waren.
Sie dachte an seine Hände, die ihr schon ein paar gute Klapse ausgeteilt hatten, aber schon viel häufiger über ihre Haare gefahren waren, oder sie an sich gedrückt hatten. Diese Hände, die erst hatten lernen müssen, jemanden fest zu halten und zu trösten. Diese vertrauten Hände sollten die eines Mörders sein?
Nein, das konnte einfach nicht sein! Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie brauchte Luft. Sie musste raus. Raus in den Garten. Sie dachte daran, wie ihr der Wind durch die Haare streifen würde. Wie sie frei atmen könnte.
Sie tapste durch das dunkle Haus und öffnete die hintere Tür, die in den Garten führte. Ihr war gar nicht wirklich bewusst, was sie da tat. Ihre Gedanken schlugen wilde Saltos in ihrem Kopf und rumorten in ihrem Magen.
Ein Lufthauch blies ihr entgegen und sie atmete tief ein. Barfuss trat sie hinaus und spürte das Gras unter ihren Füßen. Das tat gut. Ihr Herz raste immer noch so schnell, aber die Abkühlung und die frische Luft taten gut.
Sie würde ihn fragen. Ja, sie würde ihn einfach fragen. Sie hatte schon einmal alles in sich hinein gefressen und das würde ihr nicht nochmals passieren. Aber diesmal hatte sie ja einen Beweis. Sie hatte sich das Tattoo ja nicht eingebildet!
Die große Tanne im Garten warf einen Schatten im Mondlicht. Nur in ihrem kurzen Pyjama marschierte Laura los durch den Garten bis zur Mauer. Das fühlte sich so seltsam an, nachts draußen zu sein. Sie kletterte auf die Mauer, die den Garten umzäumte.
Sie wäre am liebsten einfach losgerannt. Einfach quer Feld ein, ohne Rast und ohne Ziel. Hätte sie Schuhe getragen, hätte sie das getan.
Sie fühlte sich unsicher. Irgendwie betrogen. Wieso hatte ihr Vater denn dieses Tattoo? Und wenn er wirklich keiner dieser Todesser war, wieso versteckte er dann die Tätowierung oder wieso hatte er es nicht wegmachen lassen. Wieso hatte er nie etwas gesagt? Hatte er sie belogen? Und auch Dumbledore und alle? War er eigentlich einer dieser Voldemort-Anhänger?
Sie ging langsam auf der Mauer entlang und hörte plötzlich ein Geräusch, ziemlich weit entfernt, aber es trieb ihr die Gänsehaut über den Rücken. Es tönte wie ein Wolf, nur… irgendwie anders. Hier hatte es doch wohl keine Wölfe, mitten in Schottland. Da dämmerte es ihr und sie sah zum Mond hinauf, der wie eine silberne Scheibe unschuldig strahlte.
In dem Moment schnappten sie zwei starke Hände und sie schrie auf vor Schreck.
„Was fällt dir ein, du dummes Kind!" Laura zog erschrocken die Luft ein, erkannte dann aber ihren Vater, der sie rasch mit sich davon trug Richtung Haus.
Snape hatte den Alarm gehört, den er zum Glück immer aktiv hatte und der Snape alarmierte, wenn Laura nachts das Bett für mehr als fünfzehn Minuten verließ. Es ließ ihn ruhiger schlafen, wenn er wusste, dass das Mädchen in ihrem Bett war, denn bei diesem Kind wusste man ja nie. Nun war er froh darum, wer weiß, wie weit Laura sich noch vom Haus entfernt hätte.
Snape trug Laura rasch ins Haus und stellte sie dort auf ihre nackten Füße. Sofort landete er einen energischen Klaps auf ihrem Hinterteil, der in dem stillen Haus ziemlich laut tönte.
„Autsch!" rief Laura und sah, dass Milly sie besorgt ansah. Sie blinzelte zu ihrem Vater hinauf, der sie anfunkelte.
Sie spürte, wie Tränen in ihren Augenwinkeln prickelten und biss sich auf die Lippen um das Weinen zurück zu halten. Es war ein wenig viel vorgefallen, innerhalb der letzten paar Minuten.
Snapes Puls war hoch. Er war so erschrocken, als er den Alarm gehört hatte und ihm Milly mit großen Augen entgegen gekommen war und erzählt hatte, die Tür stehe offen. Dann hatte er das Heulen des Wolfes gehört und Laura auf der Mauer herum balancieren gesehen und sein Herz war beinahe stehen geblieben. Und das in einer Vollmond-Nacht. Er hatte verschiedene Schutzzauber installiert, aber man musste ja nichts herausfordern.
Vor allem würden diese Schutzzauber hinter der Mauer nicht so stark sein, wie innerhalb. Er sah, wie Laura, die ihn nun umarmte, leise weinte. Er schüttelte den Kopf. Was fiel dem Kind bloß ein, einen Nachtspaziergang auf der Mauer zu machen. Und das, nachdem sie soviel über Werwölfe gelesen hatte. Er hätte sie schütteln können. Er wusste, dass Zaubererkinder eine viel größere Anziehung auf Werwölfe hatten.
Laura klammerte sich richtiggehend an ihm fest. Er packte sie an den Oberarmen und zog sie von sich weg, was gar nicht so einfach war, da sie sich mit aller Kraft fest hielt. Er sah sie streng und wütend an.
„Es ist Vollmond, falls es dir entgangen ist! Du hast um diese Zeit nicht das Haus zu verlassen, ist das vollkommen klar?" Er hielt sie an den Schultern, und schüttelte sie leicht um seinen Worten Nachdruck zu geben.
Sie putzte sich die Tränen nicht weg, sondern weinte leise vor sich hin. Snape fragte sich ernsthaft, was in sie gefahren war. Erst das trotzige Verhalten am Abend und nun spazierte sie nachts im Garten rum.
Sie hob den Blick und sah ihn an, als wäre er ein Fremder. Es war nicht der schuldbewusste Blick, den sie sonst drauf hatte, wenn sie etwas ausgefressen hatte. War sie etwa schlafgewandelt? fragte sich Snape. Das wäre allerdings etwas ganz Neues. Er hätte ihr in diesem Fall natürlich unrecht getan.
Sie hatte für ihn nicht schlafend ausgesehen, als sie da auf der Mauer stand und sich umsah, als sie den Wolf gehört hatte.
„Was hast du da draußen gemacht?" fragte er scharf. Laura hatte immer noch einen seltsamen Blick. Er hatte diesen Blick schon einmal gesehen bei ihr. Damals, als sie gedacht hatte, er wolle sie nicht. Als sie sich als Last und ungewollt gefühlt hatte. Was konnte denn nun das Problem sein? Sie hatten die Sache doch geklärt und alle Zweifel ausgeräumt!
Laura antwortet nicht, sondern schluckte nur schwer. Er schüttelte sie leicht. „Antworte!" befahl er ungeduldig.
„Warum du?" hauchte sie und sah ihn anschuldigend an. „Warum bist du einer von denen?" sagte sie nun laut und anklagend und mit ganz fremder, erstickter Stimme. Etwas ganz Grosses, das sich nicht runter schlucken ließ, machte ihren Hals eng.
Snape konnte Laura nicht folgen, was sie meinte und sah sie fragend, mit zusammen gekniffenen Augen an.
„Wieso hast du dieses Zeichen, WIESO?" Laura schrie nun. Sie konnte es nicht glauben, dass Snape das Tattoo hatte, sie wollte es nicht glauben. Ihre Brust war auch so eng geworden und sie atmete schwer.
Snape dämmerte es und er richtete sich mit beherrschtem unbeteiligtem Gesichtsausdruck auf. Klar, irgendwie hatte sie das gesehen, was er sich schon seit Jahren am liebsten aus der Haut geschnitten hätte.
Er nickte leicht und nahm Laura am Handgelenk. Er führte sie zum Sofa und sie stolperte ihm wie eine Puppe hinterher.
Er setzte sich und stellte Laura vor sich hin, zwischen seine Beine. Er wollte in ihr Gesicht sehen und ihre Gefühle darin lesen, wenn er ihr alles erzählte. Er hielt sie an den Handgelenken und versuchte, ruhiger zu werden. Er atmete tief ein und begann zu erzählen.
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„Ich bin nicht stolz darauf, Laura. Ich hasste mich selber für diesen Fehler." Snapes tiefe Stimme war samtig aber klar. Laura sah ihm ins Gesicht und bemerkte, wie schwer es ihrem Vater fiel, das alles seiner jungen Tochter zu erzählen. Sie spürte, wie schlecht er sich fühlte.
Er hatte sich nicht als Opfer dargestellt und auch nichts beschönigt. Er stand zu seinem Fehler. Er hatte ihr einfach alles erklärt. Er hatte keine Details erzählt und er hatte ihr nicht erzählt, was er alles Schlimmes erlebt hatte in seiner Zeit als Todesser und danach, aber sie wusste, dass ihr Vater sehr hart für seine Fehler hatte bezahlen müssen.
Sie sah erstmals etwas Zerbrechliches in diesem starken Mann.
Snape verlor sich kurz in Gedanken, doch sah sofort wieder auf, als Laura ihre Hand ausstreckte und den Ärmel seines Pyjamas nach hinten streifte. Er wollte sie daran hindern, niemand sollte diesen Schandfleck betrachten, aber er ließ sie gewähren, als sie ihre Finger über das dunkle Mal streichen ließ.
„Das war ein schrecklicher Fehler, Dad," sagte sie leise und kam ein bisschen näher zu ihrem Vater. Dieser schloss die Augen.
„Aber es ist ein Teil von Dir. Wir alle machen Fehler, hast du selber mal zu mir gesagt. Einige Fehler sind eben schlimm. Du bist dafür schwer bestraft worden, Dad." Sie fuhr beinahe zärtlich über seinen Arm.
„Aber das hier bist du. Mein Dad! Nicht der Todesser."
Snape konnte nicht anders und zog Laura in seine Arme. Er drückte sie so sehr an sich, dass sie kaum mehr atmen konnte und husten musste. Sie sollte seine Tränen nicht sehen, die nun drohten in seine Augen zu steigen.
Er hatte diese schlimmen Fehler nicht seinem so jungen Kind anvertrauen wollen. Er hatte sie nicht in ihrer Kindheit damit belasten wollen. Aber es war wahrscheinlich besser, wenn sie nun alles wusste. Besser sie wusste es von ihm.
Er war sehr erstaunt und nachdenklich geworden, über das, was seine Tochter vorhin gesagt hatte. Solche Worte von einem knapp zwölfjähriges Mädchen zu hören, beeindruckte ihn und machte ihn sehr stolz auf sein Kind.
TBC....
